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Forum > Volksentscheid
»Demokratur« und Verantwortungslosigkeit der Politiker
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Sigmar Salzburg
03.08.2009 09.10
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Ein Stimmversager und andere Versager

… Auch Müntefering hat durchaus negative Erfahrungen mit der Streitlust des Schleswig-Holsteiners [Stegner] gemacht. Als er im September 2008 am Schwielowsee an die Spitze der SPD zurückkehrt, ist Stegner der Einzige neben Andrea Ypsilanti, der ihm die Stimme versagt. …

Müntefering spult in Lübeck sein Standardprogramm ab. Der Parteichef wirkt nicht sonderlich motiviert. Über Carstensen sagt er, der Ministerpräsident habe vor dem Anspruch an Demokratie, den Sozialdemokraten haben, versagt …

Spiegel.de 31.7.2009
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,639714,00.html

Es ist unglaublich, daß ein SPD-Politiker so etwas in Schleswig-Holstein noch von sich geben mag – nach dem parteiübergreifend gemeuchelten Volksentscheid – mit der dreisten Vorankündigung durch Heide Simonis schon vor der Abstimmung! Wenn dieses Demokratieverständnis mit ein Motiv für den mutmaßlichen „Heide“-Mörder Stegner gewesen sein sollte, auch ihr die Stimme zu versagen, könnte er mir direkt sympathisch werden.

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Sigmar Salzburg
20.07.2009 17.03
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Erdsiek-Rave gefeuert – nach zehn Jahren Reformdurchsetzung

Carstensen feuert SPD-Minister
Kiel (dpa) – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat die vier SPD-Minister aus seinem Kabinett entlassen. Die Entlassungsurkunden haben sie bereits erhalten. «Dieser Schritt ist mir persönlich außerordentlich schwer gefallen», sagte Carstensen. ….
sueddeutsche.de – erschienen am 20.07.2009 um 18:46 Uhr

Ministerin Erdsiek-Rave bestätigt Entlassung
Kiel (dpa) – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat die vier SPD-Minister aus seinem Kabinett entlassen. Das bestätigte die stellvertretende Regierungschefin und Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave in Kiel. Den Umgang mit den vier Ministern bezeichnete sie als «würdelos und respektlos». …
sueddeutsche.de – erschienen am 20.07.2009 um 18:36 Uhr

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/678164

(So – und der Umgang beider Parteien mit dem Volksentscheid war dagegen natürlich angemessen und würdevoll.)

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Sigmar Salzburg
19.07.2009 22.02
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Kieler Tricksereien

Carstensen will offenbar Vertrauensfrage stellen
Die SPD wird morgen geschlossen dem CDU-Antrag zur Auflösung des Landtages ablehnen. Ministerpräsident Carstensen müsste dann ein Misstrauensvotum hinnehmen
… Stegner warf Carstensen vor, dass der Koalitionsbruch nur den Neuwahlen diene. „Ich glaube, das war ein von Carstensen, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Johann Wadephul und dem FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki kühl geplanter und inszenierter Versuch, vorgezogene Neuwahlen mit der Bundestagswahl zu verknüpfen“, sagte Ralf Stegner im Interview. …
Allerdings birgt die Affäre um die HSH Nordbank noch Raum für Überraschungen: Der Spiegel berichtete, Carstensen habe über eine Sonderzahlung an den Bankchef falsch informiert. …
Die Atmosphäre in dem 2005 gebildeten Regierungsbündnis ist seit Langem schwierig.
ZEIT ONLINE, bm, dpa, Reuters
zeit.de 19.7.09 20:34

So wiederholt sich die Geschichte: 1998 kämpfte die dreiste Heide Simonis gegen die Zusammenlegung von Bundestagswahl und Volksentscheid, um die Bürgerinitiative aufs Kreuz zu legen (und das nur, um solche Doofenschreibe wie „seit Langem“ durchzusetzen). Jetzt muß die SPD kämpfen, um nicht selbst bei einer Zusammenlegung von Bundestags- und Landtagswahl völlig unter die Räder zu kommen.

Daß Peter Harry Carstensen nicht korrekt informiert, habe ich selbst erlebt. Am 19. 7. 05 mußte ich ihm schreiben:


Sehr geehrter Herr Carstensen!

Vor einem Jahr … schrieben Sie mir:
Ihren Standpunkt, dass die traditionelle Rechtschreibung nicht mit Fehlern bewertet werden sollte, teile ich.

Nun mußte ich mit Unverständnis und Empörung in den Kieler Nachrichten von heute lesen:

An Schleswig-Holsteins Schulen werden ab 1. August die unstrittigen Teile der neuen Rechtschreibung verbindlich. Die Schülerinnen und Schüler brauchten „Verlässlichkeit beim Erwerb des richtigen Schreibens“, erklärten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und seine Stellvertreterin, Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave. Deshalb würden hierzulande die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz und der Ministerpräsidentenkonferenz vom Frühjahr dieses Jahres umgesetzt.“

Als der Noch-nicht-Ministerpräsident am 22.7.2004 den Brief an mich schrieb, hatte aber die CDU schon lt Pressemitteilung v. 14.7.04 die weitere Durchsetzung der „Rechtschreibreform“ beschlossen:

14. Juli 2004
P R E S S E M I T T E I L U N G
Martin Kayenburg, Jost de Jager und Sylvia Eisenberg:
CDU-Landtagsfraktion spricht sich gegen die Rücknahme der Rechtschreibreform aus

Im neu entfachten Streit um die Rechtschreibreform haben der Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion und Oppositionsführer im Schleswig-Holsteinischen Landtag
Martin Kayenburg, MdL, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und hochschulpolitische Sprecher Jost de Jager, MdL, und die bildungspolitische Sprecherin Sylvia Eisenberg, MdL, heute in Kiel gegen die Rücknahme der Rechtschreibreform Position bezogen.
„In Anbetracht der auf uns zukommenden Kosten in Millionenhöhe bei einer Rücknahme der Reform, bin ich der Auffassung, dass dieses Anliegen aus wirtschaftlicher und besonders aus sozialer Sicht nicht tragbar ist. Es ist eigentlich nicht verständlich, dass ein Beschluss, der in einer Konferenz von Experten und zuständigen Politikern gefasst wurde, von einigen Ministerpräsidenten nicht getragen wird, sondern stattdessen als Diskussionsthema wieder aufgegriffen und thematisiert werden soll. Die Verunsicherung der Bürger muss aufhören“, so Martin Kayenburg. […]

Dagegen machte jetzt der Sozialfall des Chefs der HSH-Bank natürlich eine Sonderzahlung in mehrfacher Millionenhöhe unumgänglich – auf Kosten der Bürger selbstverständlich.

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Detlef Lindenthal
25.04.2009 20.11
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Re: Der SPIEGEL sagt es

Zitat:
Sigmar Salzburg führte an:
[Spiegel.de:] „... welche psychischen Abgründe hinter der Politikerfassade ...“
Mit solch schwerwiegenden Fehlern kommen Politiker(innen) nur deshalb durch, weil „die anderen“ – dabei mindestens die Opposition, die Presse und das Wählervolk (Wahlvieh) – noch größere Fehler machen: indem sie auf das Machen verzichten. (Macht hat, wer macht; nicht machen ist Ohnmacht.)
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Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
22.04.2009 17.47
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Der SPIEGEL sagt es

Wer sich in die Höhen der Politik wagt, riskiert die Mutation vom Menschen zum Zombie der Macht. Schlimmer als die Droge ist nur ihr Entzug. ...

Der Entzug ist manchmal schlimmer als die Droge selbst. … In keiner Politiker-Aussage kristallisiert sich das so wie in einem Ausruf von Heide Simonis nach ihrem Wahldebakel 2005 in Schleswig-Holstein. Von Fernseh-Plaudertasche Reinhold Beckmann wurde die Sozialdemokratin gefragt, warum sie nicht eine große Koalition mit CDU-Wahlsieger Peter Harry Carstensen ins Auge fasse. „Ja, und wo bin ich dann?“, entfuhr es der gescheiterten Ministerpräsidentin, die ihren Machtverlust und das damit einhergehende Trauma bis heute nicht verarbeitet hat. Der Satz wurde immer als Ausdruck von Egomanie und Machtgeilheit interpretiert.

Dabei ist viel erschütternder, in welche psychischen Abgründe hinter der Politikerfassade er blicken lässt.“

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,620130,00.html

_______

Und darum mußten sie und ihresgleichen gegen Vernunft, Volk und Volksentscheid – auch gegen bessere Einsicht – die Durchsetzung der „Rechtschreibreform“ betreiben:

Heide Simonis, Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin (Die Welt, 25.10.97):
„Die alte Rechtschreibung gibt nicht viel logischen Sinn, die neue gibt auch nicht viel logischen Sinn.“

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Sigmar Salzburg
21.07.2007 07.11
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Wie es gerade paßt

Der MDR brachte vorgestern einen Redeausschnitt von Angela Merkel:

„Über einen Volksentscheid, wenn man ihn denn in der Verfassung hat, kann man nicht einfach hinweggehen.“

Es ging um die Dresdener Waldschlößchenbrücke.

Das hätte ebenso für den Volksentscheid gegen die „Rechtschreibreform“ vom 27.9.1998 gelten müssen.

Politiker aber wollen Volksentscheide höchstens zur Bestätigung ihrer Politik. Das ist eine Pervertierung dieses politischen Instruments, das eigentlich ein Korrektiv zu einer volksfernen Politik bilden soll.
__________________
Sigmar Salzburg

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Fritz Koch
31.07.2004 13.40
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Heiner Keupp über Reformen

Südd. Zeitg. v. 31.7.04, Wochenende, Das Interview:
(Auszüge, die mir wichtig scheinen:)
"...
Authenzität fehlt heutzutage den meisten Politikern. Sie versuchen das Bild zu erzeugen, dass sie, wenn man sie nur ließe, genau wüßten, wie man die Probleme zu lösen hat. Ob das die Opposition ist, die es auf die Regierung schiebt, oder die Regierung, die es auf die Gesellschaft schiebt. Und wir Bürger werden zu Zuschauern bei einer Inszenierung, die längst ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.
...
Der Wettkampf der politischen Besserwisserei nervt aber. Man sollte den Bürgern statt dessen ganz offen erklären, warum bestimmte Dinge jetzt gerade so komplex sind und warum es keine Patentrezepte gibt. Glauben Sie mir, den Reformvorhaben würde das gut tun, weil die Menschen dann merken würden: Da geht es ehrlich zu, so wie es im Leben nun mal ist, die brauchen uns Bürger, die wollen uns einbeziehen.
...
Ich bin wirklich wütend über die momentane politische Situation, besonders darüber, dass die jetzige Regierung, auf die viele gesetzt haben, jene Möglichkeiten der aktiven Bürgerbeteiligung fast völlig übersieht.
...
Manchmal denke ich, es ist den Politikern wohl ganz sympathisch, das sie nicht mehr so stark unter den Druck der Bürger kommen. Sie hantieren in abgeschotteten Sphären, relativ ungestört, die Medien dürfen zuschauen.
...
Zurzeit haben sich Politik und die Alltagserfahrungen und -stimmungen vieler Menschen weitgehend entkoppelt.
...“

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Fritz Koch
29.07.2004 15.14
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Auch falls es niemanden interessiert,

in der Südd. Zeitg. v. 29.7.04, Feuilleton, steht unter
„Notwendige Störung
Ein Plädoyer für den Volksentscheid / Von Otfried Höffe“
Stichworte:
„Die Abgeordneten ... haben kein Recht, gegen die Überzeugung des von ihnen vertretenen Volkes zu entscheiden.
...
Eine politische Klasse, die vornehmlich ihre Eigeninteressen, das Erringen und Erhalten von Macht, verfolgt, empfindet das Hereinregieren des Volkes in Sachentscheidungen natürlich als Störung.“

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murmel
26.07.2004 13.59
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Hinweis betr. Volksentscheide

Südd. Zeitg. v. 26.7.04, Seite 2, „Themen des Tages“:
Heribert Prantl: „Die Angst der Demokraten vor dem Volk“
und
Klaus Kinkel: „Bürger haben zu wenig Ahnung“

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Pedro Schwenzer
20.04.2004 14.47
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Europäische Verfassung und Volksentscheid

Es erscheint mir mehr als gerechtfertigt, das Volk bei der Verabschiedung der EV mitwirken zu lassen, vor allem, wenn man bedenkt, wie kurz das Thema „Bürger“ und „EU-Staatsbürgerschaft“ kommt. Leider wurde in Deutschland nicht einmal eine vom Volk gebilligte Verfassung zustandegebracht, man hat wohl Furcht vor dem Volkswillen und entscheidet am besten über des Volkes Köpfe hinweg.

Die ausgeschiedene Volkspartei-Regierung in Spanien hatte auch einen Volksentscheid angekündigt. Wie das mit der so dialogfreudigen Sozialistenregierung wird, ist nicht abzusehen, die dialogiert nur mit ihresgleichen, nicht mit andersdenkenden Politikern. Gleichschaltung und Ausgrenzung ist angesagt. Der Truppenrückzug aus dem Irak und die abzusehende Entscheidung über das Nationale Hydrologische Programm (Wasserumleitungen aus dem Ebro-Tal in wasserarme Gebiete) wird auch ohne Parlamentsdebatte abgefertigt.

Sollte es hier in Spanien zu einem Volksentscheid über die EV kommen, stimme ich dagegen, nicht, weil ich die Sache an sich schlecht finde, ich halte sie für notwendig, sondern weil das Volk völlig übergangen wird und die Regelung der Staats- und EU-Bürgerschaft, des freien Niederlassungsrechts zu kurz kommt, keine neue Anmelderegelung für EU-Bürger geschaffen wird, die weiterhin in den Ausländerschlangen bei der Polizei stehen müssen, und auch nicht an eine doppelte Staatsbürgerschaft zwischen EU-Staaten gedacht wird. Die Politiker haben nur ausführlichst an sich selbst gedacht.
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Pedro Schwenzer

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Christoph Kukulies
20.04.2004 14.11
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Wie sich die Bilder gleichen

Tony Blair will in Großbritannien jetzt auf eine Volksabstimmung über die Europäische Verfassung setzen, denn – so die Logik und so wurde heute in den Nachrichten argumentiert – kippt sie in einem Staat, so ist das Thema vom Tisch.

Erinnert uns das an etwas?
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Christoph Kukulies

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Pedro Schwenzer
28.02.2003 16.13
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"Demokratur" und Verantwortungslosigkeit der Politiker


„Das Volk, das seine eigene Sprache verlernt, gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Weltbühne verwiesen.“ (Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852)

Die aufgeworfene Kritik an der Rechtschreibreform bedarf einer fundierten Meinungsäußerung, denn es zeigt sich, daß der bloße gedankliche Anstoß nicht nur leichtfertig dahingeschrieben wirken, sondern auch ebenso leichtfertige Antworten provozieren kann.

Die neuen Rechtschreibregeln wurden über Jahre, noch unter der Kohl-Regierung, von einer Kommission aufgestellt, die offensichtlich im Geheimen arbeitete und meiner Meinung nach aus Dilettanten und verantwortungslosen Leuten zusammengesetzt war, zumindest mehrheitlich. Dazu war ihre Ernennung angesichts der Reichweite ihrer Entscheidungskompetenz äußerst undemokratisch abgelaufen, denn es ging hier nicht nur um die Aufnahme oder Modernisierung neuerer sprachlicher Gegebenheiten, sondern, wie man gesehen hat, um die Schaffung des totalen Sprachchaos’, die Absenkung bewährter Strukturen auf das Niveau des funktionellen Analphabetismus, die Entstellung der Sprache an sich durch sinnentstellende Worttrennungen und –zusammensetzungen und die Aufweichung durch Fremdwörter im Zuge einer nachhaltigen Amerikanisierung und Entfremdung des deutschen Kulturkreises.

„Hier aber wollen wir als auf einen großen Hauptpunkt darauf hinweisen, daß die deutsche Sprache eine Ursprache und keine zusammengeschwemmte Mischlingssprache ist, daß die Deutschen sie von Anfang an ihrer Geschichte scheinen gehabt und nicht durch irgendeine Gewalt als ein fremdes Gut scheinen übernommen zu haben.“ (Ernst Moritz Arndt, 1769-1860)

Es ist unverständlich, daß jetzt Worttrennungen und Zeichensetzungen eingeführt werden, die entweder viel eher jenen der englischen Sprache entsprechen oder denjenigen entgegenkommen, die keine Lust haben, richtiges Deutsch zu erlernen. Eine Sache ist der alltägliche, umgangssprachliche (von der Grammatik oder Rechtschreibung her falsche) Gebrauch der Sprache, eine andere die Aufstellung von Regeln, die dem falschen Gebrauch, nicht aber der kulturellen Entwicklung der Sprache und der Hebung des Bildungsniveaus del Volkes, das sie spricht, entgegenkommt.

Seltsam nur, daß man es als selbstverständlich ansieht, daß die deutsche Sprache immer mehr aufgeweicht und niedergemacht wird (von ihrem eigenen Volk), während man sich nicht wundert, daß die Englische Sprache keine Fremdwörter aufnimmt und nicht ihre Struktur aufgibt. Andere Länder wie Frankreich haben sich durch gesetzliche Maßnahmen gegen eine Aufweichung ihrer Sprachen gewehrt, nur bei den Deutschen scheint alles verloren zu sein, denn seit Weimar scheint man nur auf die Selbstzerstörung bedacht zu sein.

Tiefgreifende Rechtschreibreformen wurden in Deutschland eigentlich nur von nicht demokratisch legitimierten Instanzen durchgesetzt (1941, 1944), jedoch sehr einschneidend. Das Obrigkeitsdenken sitzt noch immer und führt dazu, daß man Tatsachen als gegeben und unabwendbar hinnimmt, die jeder Rechtmäßigkeit entbehren. Eine so schwerwiegende Entscheidung wie die der Rechtschreibreform in dem bekannten Umfang bedarf einer Legitimierung, wenn nicht durch Volksentscheid (den es in Deutschland nicht gibt, da es ja ein demokratisches Land ist, in dem das Volk nichts zu sagen hat und sich auch keine Verfassung geben darf), dann doch zumindest durch beide Parlamentskammern. Noch dazu hat sie eine Kommission entschieden, deren fachliche Eignung allenfalls infrage zu stellen ist.

Es ist mir unverständlich, daß man in den deutschsprachigen Ländern, deren Bevölkerung über 100 Millionen Einwohner zählt, ohne deutschsprachige Volksgruppen in anderen Ländern mitzuzählen, nie daran gedacht hat, eine Sprachakademie zu schaffen, die sich aus angesehenen Vertretern der Sprachkultur (Schriftsteller, Dichter, Denker, Journalisten usw. zusammensetzt, wie sie z. B. in Spanien existiert (Königliche Akademie der Sprache), wo solch ein Chaos unvorstellbar ist. Und noch unverständlicher ist, daß man sich zwar, als man sich von dieser neuen Ausgeburt der RSR überrascht sah, groß protestierte, sonst aber nichts unternahm. Fast alle, Verlage und Zeitungen eingeschlossen, beugen sich einer Maßnahme von einschneidenden Auswirkungen, man könne ja nichts daran ändern, und das, obwohl gar keine gesetzliche Grundlage dafür vorhanden ist und zudem auch noch kommerzielle Aspekte mitspielen (Bertelsmann, Duden).

„Alles in der Muttersprache ausdrücken zu können, bekundet höchste Geistes- und Seelenbildung.“ (Georg W. F. Hegel, 1770-1831)

Der Zerfall der Sprachstruktur und der Verlust des sprachlichen Reichtums ist das Ende Deutschlands überhaupt. Wenn man bedenkt, daß die deutsche Sprache sehr komplex aufgebaut ist, versteht man auch, daß gerade die Deutschen vorrangig in der Lage waren, komplexe Systeme (Maschinen, Ordnungssinn) und Gedanken (deutsche Philosophen) entwickeln konnten. Das können die anderen jetzt aber auch, denn diesen Vorsprung hat man verloren. Der wirtschaftliche Niedergang ist möglicherweise auch und vor allem auf den kulturellen Niedergang zurückzuführen, der den NationalSOZIALISTEN zu verdanken ist. Die Sprache ist nur Ausdruck des geistigen und kulturellen Zustands eines Volkes.

“Sobald einmal ein Volk seine eigene Sprache verloren oder verdorben hat, hat es auch seinen eigenen Charakter verloren und wird zu einem feigen Pack, aus dem man machen kann, was man will.“ (Michael Gampor, 1885-1956)

Der gesellschaftliche Halt ging mit dem Ende des Kaiserreichs verloren, der kulturelle mit dem 2. Weltkrieg, der sprachliche jetzt mit den aus Bonn und Ostberlin gekommenen Provinzpolitikern, die zu Größe und großen Entscheidungen nicht mehr in der Lage sind. Rom scheiterte an der Dekadenz und Entfremdung und wurde von den Barbaren aufgefressen, zum politischen Dämmerlicht. Man lernt halt nicht aus der Geschichte, sie wiederholt sich, nur in anderer Form.
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Pedro Schwenzer

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