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Sigmar Salzburg
06.08.2011 07.24
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Peter Handke

Die Geschichte des Dragoljub Milanović

05.08.2011 | 15:30 | Von Peter Handke (Die Presse)

Der vergessene Gefangene oder: Der Fall des Serben Dragoljub Milanović, der nach einem absurden Gerichtsurteil seit bald zehn Jahren in einem Gefängnis nahe Belgrad sitzt.

Es ist hier eine Geschichte zu erzählen. Nur weiß ich nicht, wem. Mir scheint, es gebe keinen Adressaten für diese Geschichte, jedenfalls nicht in der Mehrzahl, und nicht einmal in der Einzahl. Mir ist auch, es sei zu spät, sie zu erzählen; der Zeitpunkt verpaßt. Und trotzdem ist es eine dringende Geschichte. Der Meister Eckhart spricht einmal von seinem Bedürfnis zu predigen, das so stark sei, daß er, fände er für seine Predigt kein Gegenüber, seine Predigt – wenn ich mich recht erinnere – notfalls auch an einen „Opferstock“ richten würde. Hier handelt es sich um keine Predigt, sondern, wie gesagt, um eine Geschichte. Aber auch die wäre notfalls einem Holzstoß oder einem leeren Schneckenhaus zu erzählen oder gar, wie im übrigen nicht zum ersten Male, mir hier ganz allein.

Es ist die Geschichte des Dragoljub Milanović, des ehemaligen Direktors von RTS (Radio-Televizija Srbije), dem serbischen Radio und Fernsehen. Seit neun Jahren ist er Häftling in einem Gefängnis seines eigenen Landes, wegen des nächtlichen Bombenbeschusses der Nato auf die TV-Anstalt am 23. April 1999, etwa vier Wochen nach Beginn des Krieges gegen den Staat, welcher damals noch „Bundesrepublik Jugoslawien“ hieß: 16 tote Angestellte des Senders, und ebensoviele Verletzte.

Dragoljub Milanović ist bis heute die einzige Person, die für die Ereignisse des Krieges der „Nordatlantischen Verteidigungsorganisation“ gegen Jugoslawien – eines Krieges, der bei den unvermeidlichen Siegern, und inzwischen nicht nur bei diesen, sondern auch in der Terminologie der offiziellen westlichen Geschichtsschreibung, den Namen „Intervention im Kosovo“ trägt –, Dragoljub Milanović ist bis heute die einzige Person, die als Folge jener Intervention im Kosovo angeklagt, verurteilt (beides von der Staatsanwaltschaft und von einem Gericht seines eigenen, von den Westmächten besiegten Landes) und für fast zehn Jahre eingesperrt worden ist…

[weitergehende umfangreiche Texprobe]

[Peter Handke] Geboren 1942 in Griffen, Kärnten. Lebt in Chaville bei Paris. Büchner-Preis, Kafka-Preis, Großer Österreichischer Staatspreis etc. „Die Geschichte des Dragoljub Milanović“ – auf Wunsch des Autors in alter Rechtschreibung – erscheint in erweiterter Form Ende nächster Woche bei Jung und Jung, Salzburg.
(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 06.08.2011)

Die Presse 6.8.2011

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Sigmar Salzburg
04.08.2011 02.28
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Manfred Nebelin

Ludendorff
Diktator im Ersten Weltkrieg


Reinhard Markner von Sprachforschung.org gibt den Hinweis:

Bei Siedler, einem Verlag, der einst brachial die Reformschreibung durchsetzen wollte, ist jetzt Manfred Nebelins Ludendorff-Biographie in tadelloser Orthographie erschienen.

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Sigmar Salzburg
10.06.2011 14.48
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Hildegard Hammerschmid-Hummel

Die verborgene Existenz des William Shakespeare
287 Seiten
Herder 2001
ISBN-10: 3451274175

Die Autorin weist nach, daß Shakespeare, wie sein Vater, den Kniefall vor der damaligen staatlich-religiösen Zwangsmissionierung verweigerte, sich insgeheim zum Katholizismus bekannte und ihn förderte. Er hat vermutlich eine hervorragende jesuitische Ausbildung auf dem Kontinent erhalten und war mehrfach in Italien, so daß Zweifel an der Urheberschaft seiner Werke, genährt durch unzureichende Kenntnisse – „small Latin and less Greek“ – ins Reich der Phantasie gehören.

Die Arbeit sollte meinen Einblick in die elisabethanische Kulturszene ergänzen, da der fast gleichaltrige geniale Komponist John Dowland gleichfalls katholisch war und deshalb nicht die ersehnte Stellung als Hoflautenist der Königin Elizabeth I. erlangen konnte. Auch er war in Frankreich und Italien und hat über die dortigen Exil-Katholiken berichtet.

Ich hatte das Buch blind bestellt, gestern erhalten und mit Freude festgestellt, daß der Herder Verlag darin noch nicht den Kniefall vor der staatlich-orthographischen Zwangsmissionierung vollzogen hatte.

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Sigmar Salzburg
31.05.2011 17.32
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Fritz Mauthner

Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande

Hrsg. von Ludger Lütkehaus
4 Bände im Pappschuber, zusammen ca. 2.000 Seiten, gebunden, Euro 179.-
Alibri Verlag
ISBN 978-3-86569-113-7

Zum Autor
Fritz Mauthner, geboren 1849 in Böhmen, verfasste zahlreiche Erzählungen, Feuilletons und wurde insbesondere bekannt mit Parodien zeitgenössischer Schriftsteller. Sein Lehrer Ernst Mach inspirierte ihn zu erkenntnistheoretischen, speziell sprachkritischen Arbeiten… Die letzen Jahre seines Lebens war Mauthner mit dem Verfassen seiner Geschichte des Atheismus befasst. Mauthner starb 1923 in Meersburg.

Textauszüge

VIII. Sophisten (aus Band I)

Wie die Griechen keinen kodifizierten Glauben besaßen und darum auch keine Theologie, so hatten sie auch, eben weil sie keine Kirche hatten, kein kodifiziertes Kirchenrecht. Man wende nicht ein, daß selbst unter den christlichen Kirchen nur die römische ein System des Kirchenrechts besitzt und daß dieses eigentlich erst zu Pfingsten 1918 kodifiziert worden ist. Auch ein römisches Recht gab es lange vor den Pandekten. Beinahe könnte man diesen jüngsten Versuch, das Recht der katholischen Kirche in Paragraphen zu bringen, für ein Zeichen dafür ansehen, daß man sich der Neuheit und Schwäche dieses Rechts bewußt geworden ist.

http://www.mauthner-atheismus.de

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Sigmar Salzburg
11.05.2011 09.36
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Wolfgang Büscher

Hartland
Rowohlt Berlin,
304 Seiten, 19,95 Euro

Die „Welt“ schreibt und zitiert:

Wolfgang Büscher, früher „Welt“-Redakteur, lief schon zu Fuß von Berlin nach Moskau – und jetzt drei Monate durch die USA ...

„Nationbuilding“ mit Hammer und Amboß
Ein neuerlicher Trompetenstoß riß mich aus meinen Gedanken, wieder rollte ein Güterzug durch die Stadt und über den Fluß, eine der schier endlosen eisernen Karawanen, die durch Amerika zogen, wohin ich auch kam, in einem Tempo, das es nicht ungefährlich, aber auch nicht unmöglich erscheinen ließ, auf so einen Kornwaggon aufzuspringen oder auf einen Tankwagen, wie die Hobos der Depressionszeit es getan haben.

Der Text stammt, verfasst in alter Rechtschreibung, aus dem neuen Buch „Hartland“ von Wolfgang Büscher, Rowohlt Berlin, 304 Seiten, 19,95 Euro

welt.de 10.5.2011

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Sigmar Salzburg
05.05.2011 09.32
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Alexander Braidt

Bewußtsein. Der Abgrund zwischen Mensch und Tier
Streitschrift zum Menschenbild der jüngeren Hirnforschung
355 S., 26 Euro
Pahl-Rugenstein 2010

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Sigmar Salzburg
28.04.2011 13.14
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Hans Magnus Enzensberger

Sanftes Monster Brüssel
oder Die Entmündigung Europas

Edition Suhrkamp 2011, 74 S., 7 Euro

Besprechung im Deutschlandfunk,
leider mit Zitaten in verstümmelndem Reformmix:

Deutschlandfunk 10.04.2011
Siehe auch Nachrichtenbrett

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Sigmar Salzburg
13.04.2011 11.36
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Umberto Eco

Die Kunst des
Bücherliebens


Hanser 2009
dtv 2011

KLAPPENTEXT
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Für Umberto Eco ist Büchersammeln ein Akt ökologischer Fürsorge: „Wir haben nicht nur die Wale, die Mönchsrobben und die Bären in den Abruzzen zu retten, sondern auch die Bücher.“ Wirkliche Leser möchten ihre Lieblingsbücher deshalb nicht nur lesen, sondern auch besitzen und zu Hause ins Regal stellen. Für sie hat Eco „Die Kunst des Bücherliebens“ geschrieben….

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2009
Andreas Platthaus rühmt zunächst den deutschen Übersetzer Umberto Ecos, Burkhard Kroeber, dem auch mit dem vorliegenden Buch ein „kleines Meisterstück“ gelungen ist, wie er findet. Insbesondere den „rhapsodischen Ton“ der überwiegend als Vorträge entstandenen Texte sieht er großartig ins Deutsche übertragen, ….

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Sigmar Salzburg
04.04.2011 08.57
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Wolf Wondratschek

Wolf Wondratschek – dtv/Hanser
Lied von der Liebe

Ich nahm eine Handvoll Erde.
Da hast du gesagt: das da
in deiner Hand, so will ich,
daß ich werde.

Wolf Wondratschek. NEU (erscheint am 7.3.2011) ...

http://www.wolf-wondratschek.de/

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Sigmar Salzburg
23.03.2011 08.14
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Weismainer Stadtgeschichte

Neuerscheinung

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ist Herausgeber des druckfrischen Bandes 1 der Weismainer Stadtgeschichte. Das 432 Seiten starke Werk wird am Wochenende der Öffentlichkeit präsentiert.

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold atmet auf: Nach sage und schreibe 15 Jahren folgt nun Band 1 der Stadtgeschichte „Weismain – Eine fränkische Stadt am nördlichen Jura“ auf den 1996 erschienenen Band 2...

Die Vorbereitungszeit habe sich gelohnt, denn entstanden sei ein Werk, das Maßstäbe setzt: „So ein Buch wird wahrscheinlich nie mehr einer über Weismain machen“, sagt Günter Dippold. „In dieser Dichte haben selbst die Oberzentren Bamberg, Coburg und Bayreuth nichts Vergleichbares“, fährt er fort. Denn an dem 432 Seiten starken, reich bebilderten Werk schrieben Wissenschaftler etlicher Disziplinen mit: Geologen, Literaturwissenschaftler, Biologen, Anthropologen, Historiker, Archäologen, Theologen, Volkskundler und Sprachwissenschaftler…

Wie epochal die beiden Bände für die Stadt Weismain sind, umriss Günter Dippold so: „So ein Buch wird wahrscheinlich nie mehr einer über Weismain machen.“ Während Band 1 in Arbeit war, ging eine Rechtschreibreform über die Republik hinweg. Um die Einheitlichkeit des doppelbändigen Werks zu gewährleisten, entschlossen sich Herausgeber und Mäzen, die alte Rechtschreibung beizubehalten

infranken.de 22.3.2011

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Sigmar Salzburg
11.03.2011 09.43
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Standardwerk zur Versicherungs-BWL neu erschienen

Professor Farny war langjährig Inhaber des Lehrstuhls für Versicherungswissenschaft an der Universität zu Köln...

Zwei Dinge haben sich allerdings in den letzten fünf Jahren nicht geändert: Zum einen legt der Autor ausdrücklich Wert auf die Beibehaltung der alten deutschen Rechtschreibung. Zum anderen gibt es weiterhin kein Farnys Werk in dieser umfassenden Darstellung vergleichbares, anderes Lehrbuch.

Dieter Farny: Versicherungsbetriebslehre, 5. Auflage 2011, XXXI und 992 Seiten, gebunden, 16x24 cm, ISBN 978-3-89952-608-0, 72 Euro, Verlag Versicherungswirtschaft.

VersicherungsJournal Deutschland – ‎09.03.2011

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Sigmar Salzburg
01.01.2011 19.10
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Der literarische Salon [Focus]
Alles, was weiß ist
von Hans Magnus Enzensberger

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger meditiert darüber, wie aus Essig, Blei und Pferdemist das Strahlendschönste wird, das Menschen erzeugen können

Es kann sein, daß uns die Welt zu bunt geworden ist. Die besten Photographen und Filmregisseure, wenn sie ehrlich sind, geben zu, daß sie lieber Schwarzweißfilme benützen würden…

Auf den Physiker, der uns ins Wort fällt, sind wir gefaßt; er wird uns darüber belehren, daß Weiß gar keine Farbe ist. Wir werden uns hüten, ihm zu widersprechen. Lieber geben wir ihm recht, wenn er fortfährt und uns zu bedenken gibt, daß es gar kein reines Weiß gibt… Der einfache Schluß aus diesen Erwägungen lautet: Ganz ohne Dreck geht es nicht…

Anita Albus hat in ihrem gelehrten Buch DIE KUNST DER KÜNSTE harte Worte für die Häßlichkeit der neuen Laborfarben gefunden und behauptet: „Als Bausteine für Tiefenlicht und Dichte in öligem Medium sind sie in ihrer heutigen Handelsform mehr oder weniger unbrauchbar . . . Wer dem hohen visuellen Gewicht der frühen niederländischen Malerei nacheifern wollte, müßte sich seine Farben nicht nur anreiben, sondern nach alten Rezepten selbst herstellen.“ …

»GANZ OHNE DRECK GEHT ES NICHT. DAS WEIßE IST DAS UNERREICHBARE«
Aus:
Hans Magnus Enzensberger:
Album
Gebunden, 336 Seiten, Suhrkamp Verlag, 2010

focus.de 6.12.2010

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Sigmar Salzburg
21.12.2010 08.31
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Heinrich von Kleist
Sämtliche Werke und Briefe Bd. 1-3
Münchner Ausgabe
herausgegeben von Roland Reuß, Peter Staengle
Erscheinungsdatum: 16.08.2010
Fester Einband, Seiten
Mit Abbildungen in Band II
Lesebändchen
Preis: 128.00 € (D) / 179.00 sFR (CH) / 131.60 € (A)
ISBN 978-3-446-23600-4
Hanser Verlag


Aus dem Interview mit Roland Reuß [bei kultiversum.de]

2011 jährt sich Heinrich von Kleists Selbsmord zum 200. Mal. Ein Gespräch mit Roland Reuß, Mitherausgeber der «Münchner Ausgabe» des Kleistschen Gesamtwerks, die im Herbst 2010 im Carl Hanser-Verlag erschienen ist.

Herr Reuß, warum eine neue Kleist-Ausgabe?

Die Leseausgaben, die vorher auf dem Markt waren, waren zwar auch für ein breiteres Publikum erschwinglich, hatten aber ein wesentliches Handicap. Sie enthielten nämlich nicht den Text wie er von Kleist selber zum Druck befördert worden oder in Handschriften niedergelegt worden war. Stattdessen haben die Herausgeber immer wieder versucht, dem Text aufzuhelfen, indem sie ihn eingerichtet haben – jeweils nach der neuen Rechtschreibung und nach den Vorstellungen, die man von Kleist hatte.

Auf der anderen Seite gab es unsere historisch-kritische «Brandenburger Ausgabe», ein 20bändiges Werk, an dem wir seit Ende der 80er Jahre gearbeitet haben. Die «Brandenburger Ausgabe» enthält tatsächlich jede Kleinigkeit, die Kleist je geschrieben hat. Als wissenschaftliche Edition, die auch die gesamten Quellen komplett dokumentiert und insgesamt fast 9000 Seiten hat, ist sie für das breite Lesepublikum allerdings nicht geeignet.

Die «Münchner Ausgabe» versucht jetzt, beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wir haben keine unausgewiesenen Eingriffe in die Texte, wir haben auch die Kleistsche Orthografie beibehalten. Wir haben nichts geglättet, wir haben alles, was handschriftlich überliefert ist, nicht als Häppchen dargeboten, sondern vollständig. Gegenüber den vorhergehenden Leseausgaben haben Sie also wirklich alles, was Kleist geschrieben hat, bis ins letzte Komma dokumentiert in dieser Ausgabe.

[…]

Was offenbart Ihre Edition denn Neues über den Dramatiker Kleist?

Der Dramatiker Kleist hat sehr häufig unvollständige Verse gedichtet. Da fehlt zum Beispiel ein Jambus, manchmal hat ein Vers nur ein Wort. Das verstört den «klassizistischen Leser», der auf Regularität programmiert ist. Um dieser Verstörung vorzugreifen, hat zum Beispiel Helmut Sembdner, der die alte «Münchner Ausgabe» beim Hanser Verlag ediert hat, den Versen eben immer wieder, wie man damals sagte, ‹aufgeholfen›. Das heißt, er hat dazugedichtet, meistens Füllsel-Wörter wie «Ei» oder «Ha» oder «Potz».

Allein im «Zerbrochnen Krug» sind das etwa 400 Verse, die so behandelt worden sind. Dadurch entsteht eine Mischung aus Originaltext, Editorfantasie und klassizistischer Vorstellung von dem, was die «Verssprache bei Kleist» sei.

[...]

Können Sie Ihre Klassizitäts-Erfahrung an einem Kleist-Text beschreiben?

In der zehnten Klasse haben wir den «Kohlhaas» gelesen, und uns wurde gesagt: das handelt davon, dass alles, was Auflehnung, Widerstand gegen die Staatsgewalt bedeutet, zwar etwas Verständliches ist, aber am Ende zu etwas ganz Schlechtem führt. Ich habe mich damals gefragt, warum Kleist sich am Ende das Leben genommen hat, wenn das eigentlich alles so gut aufgegangen ist.

Nach fünf, sechs Jahren habe ich den Text wieder gelesen und habe auf einmal ganz andere Sachen wahrgenommen. Etwa die Zigeunerin, …

Viele Texte lesen wir nicht ein zweites Mal, weil sie dann nichts mehr zu sagen haben. Ein Klassiker muss einem bei jedem Lesen etwas Neues sagen, und insofern ist Kleist meiner Meinung nach ein Klassiker par excellence

kultiversum.de 17.12.2010

NB: Zum Reformbetrug mit „Kohlhaas“ siehe auch hier

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Sigmar Salzburg
14.12.2010 15.20
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Hans Magnus Enzensberger
Meine Lieblingsflops, gefolgt von einem Ideen-Magazin
241 Seiten, 19,90 Euro, Suhrkamp

Inhalt
»Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende.« (Hans Magnus Enzensberger)

In diesem Schwarzbuch nimmt Enzensberger ein Thema ins Visier, das viele Künstlerkollegen scheuen, den Mißerfolg: »Wenigen Erfahrungen verdanke ich so viel; ich behaupte sogar, daß mir meine Flops im Lauf der Zeit geradezu ans Herz gewachsen sind. Sie gewähren Einblick in die Produktionsbedingungen, Manieren und Usancen des Kulturbetriebs und helfen dem Ahnungslosen, die Fallstricke, Minenfelder und Selbstschußanlagen einzuschätzen, mit denen er auf diesem Terrain zu rechnen hat.«

suhrkamp.de – Enzensberger

Die Wiedergabe im „Focus“ ist also wohl eine orthographische Fälschung:

„Triumphe halten keine Lehren bereit“, so schreibt er, „Misserfolge dagegen befördern die Erkenntnis auf mannigfaltige Art. Sie gewähren Einblick in die Produktionsbedingungen, Manieren und Usancen der relevanten Industrien und helfen dem Ahnungslosen, die Fallstricke, Minenfelder und Selbstschussanlagen einzuschätzen, mit denen er auf diesem Terrain zu rechnen hat...“
focus.de 14.12.2010

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Sigmar Salzburg
03.11.2010 13.56
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Naimark, Norman M.
Stalin und der Genozid
Aus dem Amerikanischen von Kurt Baudisch
Suhrkamp Verlag

Leseprobe:

… oder war es der schädliche Einfluß Trotzkis und seiner »Vierten Internationale« auf die sowjetische Elite? In der neueren Literatur über Stalins Verbrechen werden häufig Wjatscheslaw Molotows Erinnerungen zitiert, um die Säuberungsaktionen und Morde zu erklären. Dessen Gespräche mit dem Schriftsteller Felix Tschujew wurden etwa 35 Jahre nach den Ereignissen aufgezeichnet: … Wir waren 1937 gezwungen, dafür zu sorgen, daß wir im Kriege keine fünfte Kolonne hatten. [...] Natürlich ist das sehr bedauerlich, und solche Leute [die unschuldig waren] tun einem leid, aber ich glaube, daß der Terror, der gegen Ende der dreißiger Jahre ausgeübt wurde, notwendig war. [...] Stalin verfolgte meiner Meinung nach eine sehr richtige Politik: Besser es rollten ein paar Köpfe mehr, als daß es während des Krieges und nach dem Krieg Schwanken gab.Molotow hatte selbst erlebt, daß seine Frau Polina Schemtschuschina auf Grund frei erfundener Anklagepunkte nach Sachalin verbannt wurde. Trotzdem blieb er sogar im hohen Alter noch dabei, daß die Säuberungen nicht nur notwendig, … Für die großen Ziele des sowjetischen Sozialismus mußten Menschenleben geopfert werden. …

Suhrkamp, Lesepobe:

Nach hpd.de:
Die bislang publizierten Forschungsergebnisse bewiesen eindeutig, „dass Stalin für die Massenmorde in der damaligen Zeit voll verantwortlich und bis ins einzelne über alle wichtigen Aktionen informiert war“ (S. 37).

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