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Sigmar Salzburg
21.06.2022 13.47
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T-Online schreibt Blödsinn:

Über unser ehemaliges Ostpreußen behauptet T-Online:

Wie eine Insel liegt die russische Exklave Kaliningrad in der EU, umschlossen von Litauen, Polen und der Ostsee...

Mit der Eroberung Ostpreußens beendete die Rote Armee ein koloniales Projekt, das im 13. Jahrhundert seinen Anfang genommen hatte. 1231 begann der Deutsche Orden, eine religiös-militärische Ritterorganisation, das von slawischen Prußen bewohnte Gebiet zu erobern... 1255 erreichten die Eroberer das Samland und errichteten am Fluss Pregel die Burg Conigsberg...
Da ist der T-Online-Schreiber der stalinistischen Propaganda aufgesessen. Die alten Prussen waren Verwandte der Litauer und Letten und sprachen eine ähnliche indogermanisch-baltische Sprache. Wikipedia erklärt:
Ein altes Sprichwort findet sich im Onomasticum von Leonhard Thurneysser aus dem Jahre 1583:
Deves does dantes. Deves does geitka.
Gott gibt Zähne, Gott gibt Brot.


Dieses Sprichwort entspricht dem bekannten litauischen Sprichwort:
Dievas davė dantis. Dievas duos ir duonos.
»Gott gab Zähne, Gott wird auch Brot geben.«
[In Latein und Sanskrit hieße das:]
Deus dedit dentes, Deus dabit panem.
Devas adat datas, Devas dasyati dhanas.
Das ist dem Russischen kaum ähnlich. Im übrigen muß festgehalten werden: Der Deutsche Ritterorden, arbeitslos nach dem Sieg des Islam im Heiligen Land, wollte christianisieren – nicht vertreiben, wie es die Sowjets mit den zur deutschen Sprache gewechselten Ureinwohnern getan haben. Der Familienname Wowereit (Eichhörnchen) zeugt davon, die Vorfahrennamen meiner Ehefrau auch.

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Sigmar Salzburg
08.06.2022 12.38
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Limmu

Als ich mich vor Jahren mit Keilschrifttexten beschäftigte, behauptete jemand, Sumerisch sei strukturell eine austronesische Sprache. Außerdem sei das Zahlwort lima „fünf“ im gesamten pazifischen Raum verbreitet. Ich hielt dagegen, daß es im Sumerischen „vier“ bedeute, bewiesen durch den „Vierbeiner“ ning-úr-limmu (Hund), und ging dem Verdacht nach, dies sei eine dem Tibetischen verwandte Sprache.

Nach einem Tip der damaligen Kieler Sinologin Gudula Linck1) wandte ich mich 1991 mit meiner 124seitigen „prima vista“-Stoffsammlung an Prof. Ulrich Unger (1930-2006), der bestätigte, daß er zurückhaltend den gleichen Ansatz verfolge.

Daß das Sumerische, wie noch heute meist behauptet, eine „isolierte“ Sprache sei, glaube ich widerlegt zu haben. Selbst wenn viele der vorgefundenen Parallelen verworfen werden müßten, reicht der Rest noch aus, eine Verwandtschaft zu belegen, auch wenn die genauen Lautwerte der Keilschriftzeichen unsicher sind.

Verwendet man allerdings zum groben Vergleich die willkürliche Checkliste mit 206 Wörtern nach Morris Swadesh (1909-1967), dann wird das weitere Bedeutungsumfeld nicht erfaßt. Daher schnitt Malaiisch kürzlich scheinbar besser ab als die Hochgebirgssprache.

Die Zeichen bur und buru4,5 sind als „Krähe, Rabe“ erschlossen und könnten im Tibetischen nach älteren Wörterlisten mit བྱ bya „Vogel“, als འཕྱར་བ་ à.pyur-ba „in die Höhe steigen“ und als འཕུར་བ་ à.pur-ba „fliegen machen“ identifiziert werden.

Im Austronesischen findet man so aber nur noch burung „Vogel“. Das ist außer dem fraglichen lima und kutu/uku „Laus“ (s. Ukulele) nach sum. uh3 in dieser Methode fast die einzig verdächtige Übereinstimmung mit der 4000 Jahre alten Vergleichssprache.

1) Sie und Prof. Unger stehen sogar in Icklers Liste der über 700 Professoren gegen die Rechtschreibreform.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
03.03.2022 08.56
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Nicht bedrohlich genug?

„Charkow“, das ich seit meiner Kindheit so kenne, wird jetzt bei Spiegels immer beflissen „Charkiw“ geschrieben, aber „Tschernobyl“ – nicht „Tschornobyl“.

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Sigmar Salzburg
19.01.2022 15.59
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Gotisches Mißverständnis in der russischen Sprache

Schon als kleiner Junge faszinierte mich die gotische Sprache, aber es dauerte, bis ich mehr davon verstand: „Vasuth than Iohannes gawasiths taglam ulbandaus jah gairda felleina bi hup seinana, jah matida thramsteins jah milith haithivisk “. „thramsteins“ und „ulbandus“ blieben mir rätselhaft. Erst Dürers „Helffandt“ brachte mich auf die verschrobene Volksetymologie des letzteren. Jetzt stieß ich auf dessen Fortsetzung im Russischen durch den Slawisten etc. Stefan Speck (gekürzt):

Stefan Speck, Dr. phil. I, Universität Zürich
Beim Russischlernen ist mir das eigenartige russische Substantiv „verbliud“ (Kamel) aufgefallen. Was hat dieses Wort für eine Geschichte?

Die Bezeichnung für „Kamel“ im Russischen, верблюд / verbljud, hat eine höchst spannende bzw. kuriose Geschichte.

Es ist ein Lehnwort aus dem gotischen ulbandus, welches wiederum aus dem griechischen ελεφας, Genitiv ελεφαντος / elephas, elephantos bzw. aus dem lateinischen elephantus, Gen. elephantī entlehnt wurde. 1).

Die guten Goten hatten schlicht das Kamel mit dem Elefanten verwechselt. Gotisch ulbandus ergab im Altrussischen вельблудъ / velьbludъ , велбудъ / velbudъ , und вельбудъ / velьbudъ 2). Die Variabilität ist für ein Lehnwort typisch.

Die erste Silbe vel- oder velь- ist sicher volksetymologisch entstellt in Anlehnung an die slawische Wurzel vel'-=gross (vgl. russisch великий / velikij=gross). Ausserdem trat im Neurussischen eine Ferndissimilation ein /l/…/l/ > /r/…/l/. Zusätzlich wurde das /l/ „erweicht“: /l'/ > верблюд / verbljud. [...]

Das Wort lebt auch in westslawischen Sprachen fort: Polnisch wielbłąd und tschechisch velbloud.

Das Südslawische entlehnte griech. καμηλα 3)/ kamila (neugriech., im Altgriechischen καμηλος). Vgl. slowenisch kamela, serbisch, makedonisch, bulgarisch камила / kamila. Das Kroatische zeigt kurioserweise deva < türkisch deve.

Griechisch καμηλος / kamēlos seinerseits ist ein sehr altes Lehnwort aus dem Semitischen: Vgl. hebräisch גמל gamal und arabisch جمل ğamal(un).

[Text vollständig hier]
Letzte Nachfahren der „Krimgoten“ verschwanden wohl erst im 18. Jahrhundert. Dank an Herrn Speck für die interessante Aufklärung.

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Sigmar Salzburg
30.12.2021 05.28
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Amerika: Schon vor Kolumbus in Genua bekannt

Italienisches Manuskript von 1345 zitiert Seefahrer-Gerüchte vom „Markland“ jenseits von Grönland
... schon um 1345 existierte in Italien sogar das schriftliche Zeugnis von einem Land jenseits des Atlantiks und westlich von Grönland, wie [Paolo] Chiesa [Uni Mailand] herausgefunden hat. Entdeckt hat er dies in einem Manuskript aus dem 14. Jahrhundert, das ein unvollendetes Werk des Mailänder Domikanermönchs Galvaneus Flamma enthält. Dieser hatte in seiner „Cronica universalis“ den Versuch unternommen, die komplette Weltgeschichte darzulegen.
scinexx.de 30.12.2021

Marckalada: The First Mention of America in the Mediterranean Area (c. 1340)
Paolo Chiesa
Pages 88-106 | Published online: 16 Jul 2021
• Download citation
• https://doi.org/10.1080/00822884.2021.1943792

Et dicunt marinarii qui conversantur in mari Datie et Norvegye quod ultra Norvegiam versus tramontanam est Yslandia. Et inde est insula dicta Grolandia ubi tramontana stat a tergo versus meridiem, ubi unus episcopus dominatur. Ibi non est granum nec vinum nec fructus, sed vivunt de lacte et carnibus et piscibus. Habent domus subterraneas in quibus habitant, nec audent clamare vel aliquem rumorem facere ne bestie eos audirent et devorarent. Ibi sunt ursi albi magni nimis, qui natant per mare et naufragos ad litus conducunt; ubi nascuntur falcones albi magni volatus qui mittuntur ad imperatorem Tartarorum de Kata.¹) Inde versus occidens est terra quedam que dicitur Marckalada, ubi gigantes habitant et sunt hedifitia habentia lapides saxeos tam grandes quod nullus homo posset in hedifitio collocare nisi essent gygantes maximi.²) Ibi sunt arbores virides et animalia et aves multe nimis. Nec umquam fuit aliquis marinarius qui de ista terra nec de eius condictionibus aliquid scire potuerit pro certo.

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00822884.2021.1943792 (... mit engl. Übersetzung)

¹) Einschub aus Marco Polos Erzählungen
²) Gerücht der „Skrælingar“ über Mittelamerika?

Und vor 1945 mußten die Truthahn-Fälschungen des „Restaurators“ Lothar Malskat im Schleswiger Dom noch den Beweis dafür liefern, daß die Wikinger schon vor Kolumbus in Amerika waren.

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Sigmar Salzburg
17.11.2021 15.37
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Zum letztenmal: Etruskisch

Bis 1996 beschäftigte mich auch die etruskische Sprache, bevor die elende Rechtschreib„reform“ alle Kraft abzog. Schon zu Zeiten von Ambros J. Pfiffig gab es viel Anlaß zur Verwunderung. Wie ich sehe, ist das heute kaum anders. Ich finde das so witzig, daß ich drei phantastische Deutungen von 2005, 1996/2011 und 2019 hier untereinander vorstellen möchte.

Massimo Pittau (1921-2019) war ein Experte für Etruskisch und Sardisch, der Anonymus der engl. Wikipedia (2005) kundig in Altsemitisch und Luwisch, Fred Woudhuizen (1961-2021) in anatolischen Sprachen.

Die Übersetzungen aus dem Italienischen und Englischen habe ich frei angepaßt, um sie vergleichbar zu machen (fett – einigermaßen verstandene Wörter):

ITA · TMIA · ICAC · HERAMAŚVA · VATIEXE · UNIALASTRES ·

[P] Dieser heilige Bau und diese Hera-Statue sind gewidmet Juno-Astarte,
[A] Dieser Tempel und die Hermesidole sind geweiht Uni-Astre,
[W] Dieser heilige Ort und diese Altäre hat gebaut für die Herrin Astarte

ΘEMIASA · MEX · ΘUTA ·

[P] Beschützerin des geregelten Staates
[A] gebaut vom Clansvolk,
[W] der Gesetzgeber von Senat und Volk,

ΘEFARIEI · VELIANAS · SAL [CL] CLUVENIAS · TURUCE ·

[P] von Tiberius Velianas‘ zwei [Söhnen] aus Cluvenia. [Dieser] gab Opfergaben
[A] Tiberius Velianas hat die gefällige Cella gestiftet.
[W] Tiberius Velianas, hat (sie) als heilige Gaben gegeben am 1. (des Festes) Cluvenia

MUNISTAS · ΘUVAS · TAMERESCA · ILACVE · TULERASE

[P] zu jeder Zeit der Kapelle auf dem Lande
[A] Das eigene Grab wurde vom Priester mit Idolen umgrenzt.
[W] wegen zweier Dankverpflichtungen, weil sie (ihn) siegen ließ zu Lande

NAC · CI · AVIL · XURVAR · TEŚIAMEITALE · ILACVE · ALŚASE

[P] drei Jahre lang unter seinem Befehl, Opfer in Alsium
[A] Im dritten Jahr im Opfermonat Churvar wurden die Idole begraben.
[W] im Jahr drei im Tanz-Monat des Begräbnisses, weil sie (ihn) siegen ließ zur See:

NAC · ATRANES · ZILACAL · SELEITALA · ACNAŚVERS ·

[P] durch den Tempelvorsteher an [Juno,] die Förderin der Nachkommen;
[A] während der Regierung des Prätors hatte er unter Ihrer Hand Erfolg
[W] während des Prätoriats von Artanès (und) dem Sultanat von Xerxes.

ITANIM · HERAMVE · AVIL · ENIACA · PULUMXVA ·

[P] und für diese Herastatue (seien) Jahr(e) so viel wie Sterne.
[A] und die Statue [der Göttin] möge Jahr(e) wie Sterne bestehen
[W] und mögen diesen Altären Jahr(e) wie Sterne bringen.
„Heramve“ deutet W., nach luwisch „àrma-“, als „Altar“. P. stellt die Verbindung zur gr. Göttin Hera her; ich halte „Herme“ für möglich, den gr. Stelentyp. A. liest „themiasa“ als „gebaut“, verw. mit „tmia“ (im pun. Text „bt“) Haus, Tempel. Ich vermute eine Ableitung v. gr. „Themis“, Göttin von Recht und Ordnung. P. und W. scheinen ähnlich gedacht und auf Uni oder Tiberius bezogen zu haben.

„sal/zal“ und „thu“ werden allgemein als „zwei“ und „eins“ verstanden, von W. umgekehrt indogermanisch hergeleitet – so daß die buchstäbliche Beschriftung der Tuscanischen Würfel irregulär würde. Allein „ci“ (drei) ist wegen pun. „šnt šlš III“sicher erkannt.

„Tanz“-Monat ist wohl von den Puniern als „krr“ falsch verstandener „Churvar“. Bei „ilacve“ mogelt W. und macht daraus ein Verb „ilace“ im Perfekt. „Idol“ v. pun. „ila“ wäre denkbar – oder eben rel. „Festtag“.

Die I-Endung in ΘEFARIEI gilt allgemein als Schreibfehler. Und wenn es ein als Dativ verwendeter etr. i-Lokativ wäre?

Die Deutung erscheint bei A. etwas pedantisch, während sie bei W. abenteuerlich ist.


Der punische Text lautet übertragen (Worttrennung zugefügt, ʻAin nach IPA):
l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ
b yrḥ zbḥ šmš b mtnʼ b bt
w bn tw k ʕštrt ʼrš b dy l mlky šnt šlš III
b yrḥ krr b ym qbr ʼlm
w šnt l mʼš ʼlm b bty šnt km h kkbm ʼl
Meine bisherige Übersetzung ändere ich dahingehend, daß Astarte Tiberius mit ihrer Hand zum Herrscher über Caeseria erhoben (ʼrš) hat:

Für die Herrin, für Astarte (ist) dies der heilige Ort; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, im Monat Opfer der Sonne als Geschenk für den Tempel, und er baute (ihr darin) die Kammer, weil Astarte erhob (ihn) mit ihrer Hand über ihr Königreich im Jahr drei III, im Monat Churvar am Tage der Grablegung der Gottheit. Und (es seien) die Jahre der Statue der Gottheit in ihrem Tempel ebensoviele wie Sterne am Himmel.

Tiberius hat zu seinem bisherigen „sal“ den Titel „zilac“ (pun. „König“?) drei Jahre nach seiner Schenkung der Cella für die Göttin bestätigt bekommen. Die beiden Texte stimmen in dieser Fassung besser überein als alle bisherigen Übersetzungsversuche: Fertigstellung der Cella (TAMER=Kammer, TAMERESCA = Kammeranlage?) im Monat Opfer der Sonne (yrḥ zbḥ šmš). Der Tag müßte dann „Tulerase“ sein, Bedeutung unklar („tul“ etr. „Stein“, „tular“ Grenze; Tag/Nachtgleiche?). Nach drei (Probe-)Jahren folgt die Erhebung des Tiberius zum Herrscher im Monat Churvar am Tage der Grablegung der Gottheit, (krr b ym qbr ʼlm) etr. dann wohl „Alśase“. Ich spekuliere daher:

ITA · TMIA · ICAC · HERAMAŚVA · VATIEXE · UNIALASTRES ·
Dieser Tempel und jene Götterstatuen sind geweiht der edelsten Frau [=Uni],

ΘEMIASA · MEX · ΘUTA ·
Rechtsgöttin über Adel und Plebs.

ΘEFARIEI · VELIANAS · SAL CLUVENIAS · TURUCE ·
Tiberius Velianas, Fürst der Cluvenier, gab

MUNISTAS · ΘUVAS · TAMERESCA · ILACVE · TULERASE
aus eigenem Vermögen die Kammeranlage am Festtag Tulerase.

NAC · CI · AVIL · XURVAR · TEŚIAMEITALE · ILACVE · ALŚASE
Nach dem dritten Jahr im Begräbnismonat Churvar am Festtag Alśase

NAC · ATRANES · ZILACAL · SELEITALA · ACNAŚVERS ·
(und) nach der Regierung als Zilac (wurde er) durch (göttliche) Handzeichen erwählt/erhoben.

ITANIM · HERAMVE · AVIL · ENIACA · PULUMXVA ·
Deshalb mögen dieser Götterstatue die Jahre währen Sternen gleich.

Geä. 30.12.21

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
31.10.2021 07.40
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Nochmal „Etruskisch“

Bei der Internetsuche sehe ich, daß der niederländische Sprachwissenschaftler Frederik C. Woudhuizen (*1961) am 28. September verstorben ist. Sein Arbeitsgebiet waren die anatolischen Sprachen, d.h. die indogermanischen Sprachen Kleinasiens, die dort heimisch waren, bevor Perser, Hellenen und schließlich die islamisierten Türken das Land eroberten. Bekannt sind Hethitisch, Luwisch, Lykisch...

Woudhuizen versuchte nun, auch die etruskische Sprache dort anzuschließen, nach der bekannten Meinung Herodots, ihre Sprecher stammten ursprünglich aus Kleinasien. Zuletzt beschäftigte Woudhuizen sich auch mit den Goldblechen von Pyrgi und zog viele erstaunliche Parallelen zum Luwischen, die ich aber nicht nachprüfen kann. Umwerfend ist allerdings seine Spekulation zum letzten Teil des Textes A, die eine Bedrohung „zu Wasser und zu Lande“ durch die Perser herausliest:

nac atranes zilacal seleitala acnašvers itanim heramve avil eniaca pulumχva.

„during the praetorship of Artanès (and) the sultanate of Xerxes. And may what (ever number of) stars yield to (whatever number of) years for these altars.”
Ich hatte laienhaft versucht, auf schlichtere Weise einen Sinn zu finden und dabei an den punischen Text „k ʕastart ‘rš b.dy (أَيْدٍ ) lmlky“ anzuschließen: „Die Regierung des Fürsten war (gnädig) beschützt erfolgreich, deshalb mögen die Jahr(e) der Statue (der Göttin) den Sternen gleichen.“

Geä. 1.11.21

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Sigmar Salzburg
26.10.2021 03.33
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Das wirklich Interessante

Der etruskische Tempel von Pyrgi, dem Hafen des antiken Caere nahe Rom, aus dem 6. Jahrhundert war im griechischen Stil in Holz erbaut. 16 + 2 Säulen trugen ein flachgeneigtes Satteldach, das eine Cella überdeckte. Erhalten ist nur der steinerne Sockel. 1964 wurden links neben dem Eingang drei aufgerollte Goldblättchen mit Nagellöchern gefunden, die in etruskischer und punischer Sprache an ein Weihe-Ereignis erinnern. Der punische Text ist einigermaßen verständlich:

l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ ...
w bn tw ...


Für die Herrin, für Astarte (ist) der heilige Ort dies; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, ... und er baute (ihr) die Kammer ...
Nun wäre es aufschlußreich, den Inhalt des etruskischen Paralleltextes zu verstehen, der einige zusätzliche Informationen liefert:
Ita tmia icac heramašva vatieχe Unial-Astres, θemiasa meχ θuta. Θebariei Velianas sal cluvenias turuce...

Dieser Tempel und die Götterstatuetten [wurden] geweiht Uni-Astre, gebaut [von der] Volksgemeinde; Tiberius Velianas [hat] die heilige Cella [?] gegeben...
Der Übersetzer in der englischen Wikipedia errät „sal“ als „pleasing“; „heilig“ wäre eher angemessen, obwohl das sonst „sacni“ ist (lat. Lehnwort?). Unbefriedigend ist gegenüber dem punischen Text, daß Tiberius nicht mit seinem Titel genannt wird.

Nun hat Lorenzo Marsili etruskische Texte ausfindig gemacht, die nahelegen, daß „sal“ tatsächlich so etwas wie „König“ oder „Fürst“ bedeuten könnte. Dann wäre „cluvenias“ nicht mehr „Cella“, sondern eine bisher unbekannte Orts- oder Gruppenbezeichnung. Der Satz würde unvollständig, und „turuce“ (hat gegeben) müßte auf das vorhergehende „meχ“ oder das folgende „munistas“ (Grab?) bezogen werden. Fragen über Fragen ...

PS 1.11.: „θemiasa“ könnte auch Uni meinen, abgeleitet von Themis (gr. Göttin für Recht & Ordnung), oder gleichsinnig Tiberius als Regent über Volk und Familien. Es kann auch (s. „tmia“) oberster „Bauherr“ o.ä. bedeuten.

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Sigmar Salzburg
22.10.2021 07.11
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„Indogermanisch“ wohl nicht vom Pferd verbreitet

Alle heutigen Hauspferde stammen offenbar von Wildpferden ab, die vor rund 4.200 Jahren in der pontisch-kaspischen Steppe des Nordkaukasus domestiziert wurden. [„Nature“] ... Von diesem Ausgangsort aus breiteten sich die Hauspferde nach ihrer Domestikation vor rund 4.000 Jahre[n] rasant weiter aus...

Die Studie zeigt, dass sich die gezähmten Pferde ungefähr zur gleichen Zeit in Asien ausbreiteten, wie Wagen mit Speichenrädern. Da die Domestizierung allerdings, wie aus den Daten hervorgeht, erst um 2.200 vor Christus stattfand, können die Pferde noch nicht daran beteiligt gewesen sein, als die Jamnaja-Reiternomaden im dritten Jahrtausend vor Christus aus den eurasischen Steppenregionen in weite Teile Europas wanderten...

scinexx.de 22.10.2021

Mit den Jamnaja-Nomaden verbindet man bekanntlich die Ausbreitung der indogermanischen Ursprache.

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Sigmar Salzburg
13.10.2021 11.15
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Kaum verstandene Sprachen

Eben stolpere ich über Wikipedias Eintrag über die Goldbleche von Pyrgi und dort die letzte Zeile der punischen Inschrift:

WŠNT L M'Š 'LM BBTY ŠNT KM HKKBM 'L
Und die Jahre dessen, der der Gottheit in ihrem Tempel ein Geschenk macht, mögen Jahre sein wie die Sterne.
Vor fast 40 Jahren hatte ich mich damit beschäftigt und den Schlußsatz übersetzt als:
... und (es seien) die Jahre für die Statue der Gottheit in ihrem Tempel soviel wie Sterne des Himmels.
„Geschenk“ paßt da schlecht hinein und heißt weiter oben MTN‘. Hier ist das fragliche Wort mit L(i) „für“ eingeleitet. Da hilft ein Vergleich mit dem etruskischen Text, der zwar im Mittelteil abweicht, sich am Ende aber wieder annähert. Der Schlußsatz lautet dort:
… ITANIM HERAMVE AVIL ENIACA PULUMXVA
den ich übersetzen möchte mit:
... weshalb der (Uni-)Statue die Jahr(e) währen (mögen wie) die Sterne.
Wieder ist kein Platz für ein „Geschenk“. Die Statue kommt am Anfang der Inschrift schon einmal in einem Plural vor: HERAMAŠVA, wohl „Figurenensemble“. PULUM =„Stern“ (=KKB) ist einigermaßen sicher, obwohl viele Deutungen seit Ambros Pfiffig heute kaum weniger phantastisch zu sein scheinen.
geä. 16.10.21.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
04.09.2021 09.25
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Anders als das Deutsche ...

... sollte die chinesische Sprache, die keine grammatischen Geschlechter kennt, eigentlich immun gegen Gender-Akrobatik sein. Das scheint aber für die Schrift nicht zu gelten. 他 們 (tā men) bedeutet „sie“ wie im Deutschen für alle Geschlechter. Sind nur Frauen gemeint, ersetzt man, wie man mir sagt, das Radikal gerne durch das Frau-Zeichen, also 她 們 (tā men). Insofern ist diese Übersetzung vielleicht schon nicht mehr gendergerecht:

„Frauen sind schwach. Aber dafür tun sie mehr als Männer.“
女 人 很 弱。但 他 們 做 的 比 男 人 多。
nǚ rén hěn ruò。dàn tā men zuò de bǐ nán rén duō。
Maos Schreibreform beträfe hier übrigens nur die Pluralsilbe 們 → 们 (men), die für sich nur „Tor“ 門 → 门 bedeutet.

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Sigmar Salzburg
02.05.2021 06.33
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Jekami Glosbe

Zufällig stieß ich auf das Projekt „Glosbe“, mit dem ein paar Polen nach dem Wiki-Prinzip (jeder kann mitmachen) alle Sprachen der Welt erfassen wollen.

Bei einer Probe mußte ich mich aber doch wundern, daß die alten Goten, die in grauer Vorzeit wohl auch die Oder entlanggezogen sind, ihren Blick bis nach Myanmar
(𐌼𐌾𐌰𐌽𐌼𐌰𐍂) und Afghanistan (𐌰𐍆𐌲𐌰𐌽𐌹𐍃𐍄𐌰𐌽) gerichtet haben sollen.

Das erinnerte mich an den „Restaurator“ Lothar Malskat, der noch in der Nazi-Zeit Truthähne in den Schleswiger Dom gefälscht hatte, was damals als Beweis für die Amerikafahrten der Wikinger galt. Immerhin kann man nach Glosbe die schreckliche Zeit auch auf gotisch ausdrücken:
𐌱𐌻𐍉𐌸 𐌾𐌰𐌷 𐌲𐍂𐌿𐌽𐌳𐌿𐍃 (Blut und Boden).

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Sigmar Salzburg
13.04.2021 05.33
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Das japanische Modell

Aus der Spiegelleser-Diskussion zum AfD-Parteitag:

Cyman
Ich bin zwar in ... Japan wohnhaft, würde dennoch gern erfahren, wie genau dieses sogenannte „japanische Modell“ aussieht, denn darauf wurde im Artikel nicht weiter eingegangen...

Brasil-22bhwpGg
Für sie übersetzt: Gaijin sind nicht erwünscht.

Markus-vM2hQ-vZR
Ich sehe schon, sie sind Japanexperte.
Dazu müßte ich meine Tochter befragen:

gaijin (japanisch 外人, kana がいじん ‚Außenstehender, Mensch von außerhalb, Fremder',)

Kana kann ich nicht, aber ein mir bekannter Graphiker erzählte, er habe in dieser Silbenschrift ganze Liebesbriefe an seine spätere Frau, eine Japanerin, geschrieben. Ohne die traditionellen chinesischen Zeichen habe er damit natürlich einen gänzlich ungebildeten Eindruck gemacht.

Wie man sieht, ist das Wort aus einer älteren Sprachstufe des Chinesischen übernommen worden:


chin. 外人 wai ren, altchin. ŋai ɲin [IPA n. Pulleyblank]

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Sigmar Salzburg
12.02.2021 08.18
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Die neue Correctness-Überempfindlichkeit

Sexistische Äußerungen Japans Olympia-Organisationschef tritt zurück

Yoshiro Mori, 83, Japans oberster Olympiafunktionär, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er hatte sich auf skandalöse Weise über Frauen geäußert...
Mori hatte vergangene Woche bei einer Online-Vorstandssitzung des OK gesagt, dass Sitzungen mit Frauen sich in die Länge zögen, weil die miteinander konkurrierenden Frauen alle reden wollten.
spiegel.de 12.2.2021

Meine Güte, das ist doch nur harmlose, aber nicht grundlose Tradition (chin. 女 nǚ = Frau):
...
[Das Zeichen] steht in Japan bis heute für „lärmend“ und „laut“, da mehrere Frauen bekanntermaßen auf ein turbulentes Umfeld schließen lassen.
politurblog.wordpress.com

Meine Lexika zeigen das Zeichen 姦 nur im Pulleyblank (altchin.) als „jiān“ (unzüchtig, böse) und im Rüdenberg als „kien“ (Ehebruch). Zwei „nü“ übereinander hieß chin. noch „hübsch“, aber auch „listig“.

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Sigmar Salzburg
07.11.2020 08.15
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Netflix kommerzialisiert die Schlacht am Teutoburger Wald

faz.net:
Archäologen schauen „Barbaren“ : Eine bunte Varusschlachtplatte

... Prof. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin, Landesarchäologe:

Ich habe es geschafft, die ersten beiden Folgen der Netflix-Serie „Barbaren“ anzusehen. Hier meine Eindrücke:

Wieso arbeitet eigentlich niemand auf den Feldern? Die Häuser stehen dichtgedrängt inmitten von Wald, von der Struktur und Lebensweise einer bäuerlichen Gesellschaft entsteht kein Bild, statt der vielen Erkenntnisse zur offenen Landschaft in weiten Teilen der „Germania“ wird der alte römische Topos der dunklen, undurchdringbaren Waldlandschaft gepflegt, zweifellos ein besserer Ausgangspunkt für die späteren Schlachtszenen.

Warum nicht Altgermanisch?

Die beiden germanischen Hauptakteure könnten auch einer heutigen RTL-Produktion entsprungen sein, die Sprache passt auf jeden Fall. Aber Vorsicht, hier wird das Klischee bedient, dass ländliche Gesellschaft[en] stets einen ruppigen, sprachlich völlig unbedarften Umgang pflegen und Verhaltensweisen an den Tag legen, die in unserer heutigen Gesellschaft als eher primitiv beurteilt werden. Dem komplexen Verhaltenskanon in einer über Jahrhunderte relativ fest gefügten Gruppe wir[d] dies nicht gerecht.

Dass die Römer Latein sprechen, ist eine Wohltat in dem Film, es hätte auch gut getan, wenn das Altgermanische die simple Sprache der Barbaren wohlklingender und unverständlicher zu Gehör gebracht hätte.

(Das vom Autor und Michael Schumacher geleitete Ausstellungsprojekt „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ läuft gerade im Neuen Museum und der James-Simon-Galerie, Berlin)

faz.net 29.10.2020

Wie aber hätte man das Altgermanische besser darstellen können? Es ist ja aus dieser Zeit nur das 300 Jahre spätere entfernte Gotische bekannt, das durchaus klangvoll war, aber für heutige Normalbürger völlig unverständlich ist.– Höre ich es richtig, daß in den letzten Sekunden des Trailers die Schlager-Weltsprache Englisch ertönt?

https://www.netflix.com/de/title/81024039

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