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Sigmar Salzburg
17.11.2021 15.37
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Zum letztenmal: Etruskisch

Bis 1996 beschäftigte mich auch die etruskische Sprache, bevor die elende Rechtschreib„reform“ alle Kraft abzog. Schon zu Zeiten von Ambros J. Pfiffig gab es viel Anlaß zur Verwunderung. Wie ich sehe, ist das heute kaum anders. Ich finde das so witzig, daß ich drei phantastische Deutungen von 2005, 1996/2011 und 2019 hier untereinander vorstellen möchte.

Massimo Pittau (1921-2019) war ein Experte für Etruskisch und Sardisch, der Anonymus der engl. Wikipedia (2005) kundig in Altsemitisch und Luwisch, Fred Woudhuizen (1961-2021) in anatolischen Sprachen.

Die Übersetzungen aus dem Italienischen und Englischen habe ich frei angepaßt, um sie vergleichbar zu machen (fett – einigermaßen verstandene Wörter):

ITA · TMIA · ICAC · HERAMAŚVA · VATIEXE · UNIALASTRES ·

[P] Dieser heilige Bau und diese Hera-Statue sind gewidmet Juno-Astarte,
[A] Dieser Tempel und die Hermesidole sind geweiht Uni-Astre,
[W] Dieser heilige Ort und diese Altäre hat gebaut für die Herrin Astarte

ΘEMIASA · MEX · ΘUTA ·

[P] Beschützerin des geregelten Staates
[A] gebaut vom Clansvolk,
[W] der Gesetzgeber von Senat und Volk,

ΘEFARIEI · VELIANAS · SAL [CL] CLUVENIAS · TURUCE ·

[P] von Tiberius Velianas‘ zwei [Söhnen] aus Cluvenia. [Dieser] gab Opfergaben
[A] Tiberius Velianas hat die gefällige Cella gestiftet.
[W] Tiberius Velianas, hat (sie) als heilige Gaben gegeben am 1. (des Festes) Cluvenia

MUNISTAS · ΘUVAS · TAMERESCA · ILACVE · TULERASE

[P] zu jeder Zeit der Kapelle auf dem Lande
[A] Das eigene Grab wurde vom Priester mit Idolen umgrenzt.
[W] wegen zweier Dankverpflichtungen, weil sie (ihn) siegen ließ zu Lande

NAC · CI · AVIL · XURVAR · TEŚIAMEITALE · ILACVE · ALŚASE

[P] drei Jahre lang unter seinem Befehl, Opfer in Alsium
[A] Im dritten Jahr im Opfermonat Churvar wurden die Idole begraben.
[W] im Jahr drei im Tanz-Monat des Begräbnisses, weil sie (ihn) siegen ließ zur See:

NAC · ATRANES · ZILACAL · SELEITALA · ACNAŚVERS ·

[P] durch den Tempelvorsteher an [Juno,] die Förderin der Nachkommen;
[A] während der Regierung des Prätors hatte er unter Ihrer Hand Erfolg
[W] während des Prätoriats von Artanès (und) dem Sultanat von Xerxes.

ITANIM · HERAMVE · AVIL · ENIACA · PULUMXVA ·

[P] und für diese Herastatue (seien) Jahr(e) so viel wie Sterne.
[A] und die Statue [der Göttin] möge Jahr(e) wie Sterne bestehen
[W] und mögen diesen Altären Jahr(e) wie Sterne bringen.
„Heramve“ deutet W., nach luwisch „àrma-“, als „Altar“. P. stellt die Verbindung zur gr. Göttin Hera her; ich halte „Herme“ für möglich, den gr. Stelentyp. A. liest „themiasa“ als „gebaut“, verw. mit „tmia“ (im pun. Text „bt“) Haus, Tempel. Ich vermute eine Ableitung v. gr. „Themis“, Göttin von Recht und Ordnung. P. und W. scheinen ähnlich gedacht und auf Uni oder Tiberius bezogen zu haben.

„sal/zal“ und „thu“ werden allgemein als „zwei“ und „eins“ verstanden, von W. umgekehrt indogermanisch hergeleitet – so daß die buchstäbliche Beschriftung der Tuscanischen Würfel irregulär würde. Allein „ci“ (drei) ist wegen pun. „šnt šlš III“sicher erkannt.

„Tanz“-Monat ist wohl von den Puniern als „krr“ falsch verstandener „Churvar“. Bei „ilacve“ mogelt W. und macht daraus ein Verb „ilace“ im Perfekt. „Idol“ v. pun. „ila“ wäre denkbar.

PS 23.11.21: Die I-Endung in ΘEFARIEI gilt allgemein als Schreibfehler. Und wenn es ein als Dativ verwendeter etr. i-Lokativ wäre?

Die Deutung erscheint bei A. etwas kleinkariert, während sie bei W. abenteuerlich ist.


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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
31.10.2021 07.40
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Nochmal „Etruskisch“

Bei der Internetsuche sehe ich, daß der niederländische Sprachwissenschaftler Frederik C. Woudhuizen (*1961) am 28. September verstorben ist. Sein Arbeitsgebiet waren die anatolischen Sprachen, d.h. die indogermanischen Sprachen Kleinasiens, die dort heimisch waren, bevor Perser, Hellenen und schließlich die islamisierten Türken das Land eroberten. Bekannt sind Hethitisch, Luwisch, Lykisch...

Woudhuizen versuchte nun, auch die etruskische Sprache dort anzuschließen, nach der bekannten Meinung Herodots, ihre Sprecher stammten ursprünglich aus Kleinasien. Zuletzt beschäftigte Woudhuizen sich auch mit den Goldblechen von Pyrgi und zog viele erstaunliche Parallelen zum Luwischen, die ich aber nicht nachprüfen kann. Umwerfend ist allerdings seine Spekulation zum letzten Teil des Textes A, die eine Bedrohung „zu Wasser und zu Lande“ durch die Perser herausliest:

nac atranes zilacal seleitala acnašvers itanim heramve avil eniaca pulumχva.

„during the praetorship of Artanès (and) the sultanate of Xerxes. And may what (ever number of) stars yield to (whatever number of) years for these altars.”
Ich hatte laienhaft versucht, auf schlichtere Weise einen Sinn zu finden und dabei an den punischen Text „k ʕastart ‘rš b.dy (أَيْدٍ ) lmlky“ anzuschließen: „Die Regierung des Fürsten war (gnädig) beschützt erfolgreich, deshalb mögen die Jahr(e) der Statue (der Göttin) den Sternen gleichen.“

Geä. 1.11.21

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Sigmar Salzburg
26.10.2021 03.33
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Das wirklich Interessante

Der etruskische Tempel von Pyrgi, dem Hafen des antiken Caere nahe Rom, aus dem 6. Jahrhundert war im griechischen Stil in Holz erbaut. 16 + 2 Säulen trugen ein flachgeneigtes Satteldach, das eine Cella überdeckte. Erhalten ist nur der steinerne Sockel. 1964 wurden links neben dem Eingang drei aufgerollte Goldblättchen mit Nagellöchern gefunden, die in etruskischer und punischer Sprache an ein Weihe-Ereignis erinnern. Der punische Text ist einigermaßen verständlich:

l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ ...
w bn tw ...


Für die Herrin, für Astarte (ist) der heilige Ort dies; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, ... und er baute (ihr) die Kammer ...
Nun wäre es aufschlußreich, den Inhalt des etruskischen Paralleltextes zu verstehen, der einige zusätzliche Informationen liefert:
Ita tmia icac heramašva vatieχe Unial-Astres, θemiasa meχ θuta. Θebariei Velianas sal cluvenias turuce...

Dieser Tempel und die Götterstatuetten [wurden] geweiht Uni-Astre, gebaut [von der] Volksgemeinde; Tiberius Velianas [hat] die heilige Cella [?] gegeben...
Der Übersetzer in der englischen Wikipedia errät „sal“ als „pleasing“; „heilig“ wäre eher angemessen, obwohl das sonst „sacni“ ist (lat. Lehnwort?). Unbefriedigend ist gegenüber dem punischen Text, daß Tiberius nicht mit seinem Titel genannt wird.

Nun hat Lorenzo Marsili etruskische Texte ausfindig gemacht, die nahelegen, daß „sal“ tatsächlich so etwas wie „König“ oder „Fürst“ bedeuten könnte. Dann wäre „cluvenias“ nicht mehr „Cella“, sondern eine bisher unbekannte Orts- oder Gruppenbezeichnung. Der Satz würde unvollständig, und „turuce“ (hat gegeben) müßte auf das vorhergehende „meχ“ oder das folgende „munistas“ (Grab?) bezogen werden. Fragen über Fragen ...

PS 1.11.: „θemiasa“ könnte auch Uni meinen, abgeleitet von Themis (gr. Göttin für Recht & Ordnung), oder gleichsinnig Tiberius als Regent über Volk und Familien. Es kann auch (s. „tmia“) oberster „Bauherr“ o.ä. bedeuten.

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Sigmar Salzburg
22.10.2021 07.11
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„Indogermanisch“ wohl nicht vom Pferd verbreitet

Alle heutigen Hauspferde stammen offenbar von Wildpferden ab, die vor rund 4.200 Jahren in der pontisch-kaspischen Steppe des Nordkaukasus domestiziert wurden. [„Nature“] ... Von diesem Ausgangsort aus breiteten sich die Hauspferde nach ihrer Domestikation vor rund 4.000 Jahre[n] rasant weiter aus...

Die Studie zeigt, dass sich die gezähmten Pferde ungefähr zur gleichen Zeit in Asien ausbreiteten, wie Wagen mit Speichenrädern. Da die Domestizierung allerdings, wie aus den Daten hervorgeht, erst um 2.200 vor Christus stattfand, können die Pferde noch nicht daran beteiligt gewesen sein, als die Jamnaja-Reiternomaden im dritten Jahrtausend vor Christus aus den eurasischen Steppenregionen in weite Teile Europas wanderten...

scinexx.de 22.10.2021

Mit den Jamnaja-Nomaden verbindet man bekanntlich die Ausbreitung der indogermanischen Ursprache.

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Sigmar Salzburg
13.10.2021 11.15
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Kaum verstandene Sprachen

Eben stolpere ich über Wikipedias Eintrag über die Goldbleche von Pyrgi und dort die letzte Zeile der punischen Inschrift:

WŠNT L M'Š 'LM BBTY ŠNT KM HKKBM 'L
Und die Jahre dessen, der der Gottheit in ihrem Tempel ein Geschenk macht, mögen Jahre sein wie die Sterne.
Vor fast 40 Jahren hatte ich mich damit beschäftigt und den Schlußsatz übersetzt als:
... und (es seien) die Jahre für die Statue der Gottheit in ihrem Tempel soviel wie Sterne des Himmels.
„Geschenk“ paßt da schlecht hinein und heißt weiter oben MTN‘. Hier ist das fragliche Wort mit L(i) „für“ eingeleitet. Da hilft ein Vergleich mit dem etruskischen Text, der zwar im Mittelteil abweicht, sich am Ende aber wieder annähert. Der Schlußsatz lautet dort:
… ITANIM HERAMVE AVIL ENIACA PULUMXVA
den ich übersetzen möchte mit:
... weshalb der (Uni-)Statue die Jahr(e) währen (mögen wie) die Sterne.
Wieder ist kein Platz für ein „Geschenk“. Die Statue kommt am Anfang der Inschrift schon einmal in einem Plural vor: HERAMAŠVA, wohl „Figurenensemble“. PULUM =„Stern“ (=KKB) ist einigermaßen sicher, obwohl viele Deutungen seit Ambros Pfiffig heute kaum weniger phantastisch zu sein scheinen.
geä. 16.10.21.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
04.09.2021 09.25
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Anders als das Deutsche ...

... sollte die chinesische Sprache, die keine grammatischen Geschlechter kennt, eigentlich immun gegen Gender-Akrobatik sein. Das scheint aber für die Schrift nicht zu gelten. 他 們 (tā men) bedeutet „sie“ wie im Deutschen für alle Geschlechter. Sind nur Frauen gemeint, ersetzt man, wie man mir sagt, das Radikal gerne durch das Frau-Zeichen, also 她 們 (tā men). Insofern ist diese Übersetzung vielleicht schon nicht mehr gendergerecht:

„Frauen sind schwach. Aber dafür tun sie mehr als Männer.“
女 人 很 弱。但 他 們 做 的 比 男 人 多。
nǚ rén hěn ruò。dàn tā men zuò de bǐ nán rén duō。
Maos Schreibreform beträfe hier übrigens nur die Pluralsilbe 們 → 们 (men), die für sich nur „Tor“ 門 → 门 bedeutet.

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Sigmar Salzburg
02.05.2021 06.33
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Jekami Glosbe

Zufällig stieß ich auf das Projekt „Glosbe“, mit dem ein paar Polen nach dem Wiki-Prinzip (jeder kann mitmachen) alle Sprachen der Welt erfassen wollen.

Bei einer Probe mußte ich mich aber doch wundern, daß die alten Goten, die in grauer Vorzeit wohl auch die Oder entlanggezogen sind, ihren Blick bis nach Myanmar
(𐌼𐌾𐌰𐌽𐌼𐌰𐍂) und Afghanistan (𐌰𐍆𐌲𐌰𐌽𐌹𐍃𐍄𐌰𐌽) gerichtet haben sollen.

Das erinnerte mich an den „Restaurator“ Lothar Malskat, der noch in der Nazi-Zeit Truthähne in den Schleswiger Dom gefälscht hatte, was damals als Beweis für die Amerikafahrten der Wikinger galt. Immerhin kann man nach Glosbe die schreckliche Zeit auch auf gotisch ausdrücken:
𐌱𐌻𐍉𐌸 𐌾𐌰𐌷 𐌲𐍂𐌿𐌽𐌳𐌿𐍃 (Blut und Boden).

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Sigmar Salzburg
13.04.2021 05.33
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Das japanische Modell

Aus der Spiegelleser-Diskussion zum AfD-Parteitag:

Cyman
Ich bin zwar in ... Japan wohnhaft, würde dennoch gern erfahren, wie genau dieses sogenannte „japanische Modell“ aussieht, denn darauf wurde im Artikel nicht weiter eingegangen...

Brasil-22bhwpGg
Für sie übersetzt: Gaijin sind nicht erwünscht.

Markus-vM2hQ-vZR
Ich sehe schon, sie sind Japanexperte.
Dazu müßte ich meine Tochter befragen:

gaijin (japanisch 外人, kana がいじん ‚Außenstehender, Mensch von außerhalb, Fremder',)

Kana kann ich nicht, aber ein mir bekannter Graphiker erzählte, er habe in dieser Silbenschrift ganze Liebesbriefe an seine spätere Frau, eine Japanerin, geschrieben. Ohne die traditionellen chinesischen Zeichen habe er damit natürlich einen gänzlich ungebildeten Eindruck gemacht.

Wie man sieht, ist das Wort aus einer älteren Sprachstufe des Chinesischen übernommen worden:


chin. 外人 wai ren, altchin. ŋai ɲin [IPA n. Pulleyblank]

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Sigmar Salzburg
12.02.2021 08.18
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Die neue Correctness-Überempfindlichkeit

Sexistische Äußerungen Japans Olympia-Organisationschef tritt zurück

Yoshiro Mori, 83, Japans oberster Olympiafunktionär, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er hatte sich auf skandalöse Weise über Frauen geäußert...
Mori hatte vergangene Woche bei einer Online-Vorstandssitzung des OK gesagt, dass Sitzungen mit Frauen sich in die Länge zögen, weil die miteinander konkurrierenden Frauen alle reden wollten.
spiegel.de 12.2.2021

Meine Güte, das ist doch nur harmlose, aber nicht grundlose Tradition (chin. 女 nǚ = Frau):
...
[Das Zeichen] steht in Japan bis heute für „lärmend“ und „laut“, da mehrere Frauen bekanntermaßen auf ein turbulentes Umfeld schließen lassen.
politurblog.wordpress.com

Meine Lexika zeigen das Zeichen 姦 nur im Pulleyblank (altchin.) als „jiān“ (unzüchtig, böse) und im Rüdenberg als „kien“ (Ehebruch). Zwei „nü“ übereinander hieß chin. noch „hübsch“, aber auch „listig“.

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Sigmar Salzburg
07.11.2020 08.15
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Netflix kommerzialisiert die Schlacht am Teutoburger Wald

faz.net:
Archäologen schauen „Barbaren“ : Eine bunte Varusschlachtplatte

... Prof. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin, Landesarchäologe:

Ich habe es geschafft, die ersten beiden Folgen der Netflix-Serie „Barbaren“ anzusehen. Hier meine Eindrücke:

Wieso arbeitet eigentlich niemand auf den Feldern? Die Häuser stehen dichtgedrängt inmitten von Wald, von der Struktur und Lebensweise einer bäuerlichen Gesellschaft entsteht kein Bild, statt der vielen Erkenntnisse zur offenen Landschaft in weiten Teilen der „Germania“ wird der alte römische Topos der dunklen, undurchdringbaren Waldlandschaft gepflegt, zweifellos ein besserer Ausgangspunkt für die späteren Schlachtszenen.

Warum nicht Altgermanisch?

Die beiden germanischen Hauptakteure könnten auch einer heutigen RTL-Produktion entsprungen sein, die Sprache passt auf jeden Fall. Aber Vorsicht, hier wird das Klischee bedient, dass ländliche Gesellschaft[en] stets einen ruppigen, sprachlich völlig unbedarften Umgang pflegen und Verhaltensweisen an den Tag legen, die in unserer heutigen Gesellschaft als eher primitiv beurteilt werden. Dem komplexen Verhaltenskanon in einer über Jahrhunderte relativ fest gefügten Gruppe wir[d] dies nicht gerecht.

Dass die Römer Latein sprechen, ist eine Wohltat in dem Film, es hätte auch gut getan, wenn das Altgermanische die simple Sprache der Barbaren wohlklingender und unverständlicher zu Gehör gebracht hätte.

(Das vom Autor und Michael Schumacher geleitete Ausstellungsprojekt „Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme“ läuft gerade im Neuen Museum und der James-Simon-Galerie, Berlin)

faz.net 29.10.2020

Wie aber hätte man das Altgermanische besser darstellen können? Es ist ja aus dieser Zeit nur das 300 Jahre spätere entfernte Gotische bekannt, das durchaus klangvoll war, aber für heutige Normalbürger völlig unverständlich ist.– Höre ich es richtig, daß in den letzten Sekunden des Trailers die Schlager-Weltsprache Englisch ertönt?

https://www.netflix.com/de/title/81024039

Siehe auch dies!

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Sigmar Salzburg
02.09.2020 06.10
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Rechtschreibreformen sind meist linke Projekte

Interessanter Artikel aus „Russia Beyond“:

Wie die Bolschewiki die russische Sprache revolutionierten

Alexandra Gusewa

Sie etablierten nicht nur ein neues Gesellschaftssystem, sondern führten auch eine Rechtschreibreform durch.

Die Reform der russischen Orthografie war bereits vor der Revolution geplant, aber die Russische Akademie der Wissenschaften hatte es nicht eilig, sie umzusetzen. Nach der Revolution von 1917 handelten die neuen Behörden dafür umso entschlossener: Alles „Alte“ sollte aufgeben werden – das Regime, die Religion, die Wirtschaft … und auch die Rechtschreibung.

Im Jahr 1918 wurde ein Dekret über die neue Rechtschreibung erlassen und alle gedruckten Publikationen hatten dieses zu berücksichtigen...

de.rbth.com 4.8.2020

Russia Beyond the Headlines oder kurz Russia Beyond ist ein Ableger der russischen Staatszeitung Rossijskaja gaseta und wurde bis zur Einstellung der Printausgabe 2017 in verschiedenen Sprachen als Werbebeilage von Zeitungen veröffentlicht. Wikipedia

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Sigmar Salzburg
20.04.2020 08.46
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Genetische und sprachliche Evolutionen

Der Populationsgenetiker Luigi Cavalli-Sforza (1922 -2018) versuchte als einer der ersten, die Abstammung der Menschen und ihre Sprachverwandtschaften mit Hilfe der modernen Genetik zu erklären. Theodor Icker zitierte gerade einen ähnlichen Gedanken von Richard Dawkins.

Sprachwandel wird oft als kulturelles Analogon der Evolution herangezogen, und eine gewisse Gemeinsamkeit ist unverkennbar: Language evolves, because it has both the great stability and the slight changeability that are prerequisites for any evolving system. (Dawkins)
Eine genetisch ablaufende Evolution kann jedoch nur durch materielle Weitergabe der Informationsträger erfolgen. Austausch in parallel laufenden Entwicklungslinien ist bei höheren Lebewesen ausgeschlossen. Das ist bei nebeneinander lebenden Sprachgemeinschaften als immaterielle Übertragung jedoch die Regel. Es kann sogar ihre eigene Sprache gänzlich ausgetauscht werden, wenn die Kultur- und Machtverhältnisse sich entsprechend entwickelt haben. Beispiele sind das Verschwinden der iberischen und der ägyptischen Sprache, letztere trotz ihrer 2500jährigen überlegenen Kulturgeschichte. Im Ägyptisch-Arabischen fällt mir als überlebendes Wort nur تمساح ... temsaḥ (Krokodil, v. altägypt. msḥ, kopt. ⲙⲥⲁϩ) ein. – Hervorzuheben ist auch Icklers Einschätzung der antiken indischen Sprachwissenschaft:
Paninis Grammatik. Wer zum erstenmal damit in Berührung kommt, glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Wie war das „between muddle and mystery“ möglich? Vergleichbares im Westen wäre Euklid, aber bei der Mathematik wundert es einen weniger.
Als kleiner Junge hatte mich das schon fasziniert. Leider war dann später für die eigene Beschäftigung zuwenig Zeit.

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Sigmar Salzburg
12.01.2020 18.17
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Vor 114 Jahren wurde Zhou Youguang geboren, ...

... der chinesische Ökonom und Linguist, der die offizielle Umschrift des Chinesischen in die Lateinschrift entwickelt hat. Er starb vor drei Jahren einen Tag nach seinem 111. Geburtstag (nach Wikipedia):

Zhou Youguang
Zhou Youguang (chinesisch 周有光, Pinyin Zhōu Yǒuguāng; eigentlich 周耀平, Zhōu Yàopíng; * 13. Januar 1906 in Changzhou; † 14. Januar 2017 in Peking) ...

Zhou Youguang studierte ab 1923 Ökonomie und Linguistik an der Saint John’s University in Shanghai. 1925 verließ er die Universität während der Bewegung des 30. Mai und setzte sein Studium bis 1927 an der Pädagogischen Universität Ostchina fort, die ebenfalls in Shanghai liegt.

Als Repräsentant einer chinesischen Bank lebte Zhou von 1946 bis 1949 in New York City. Von 1949 bis 1955 lehrte er als Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Fudan-Universität in Shanghai, nebenbei hörte er Vorlesungen im Fach Linguistik. 1956 bis 1988 gehörte er dem chinesischen Schriftreformkomitee an. Während der Kulturrevolution von 1966 wurde er ab 1969 für zwei Jahre in ein Arbeitslager geschickt. Er ist Erfinder der Pinyin, der offiziellen Transkription des Chinesischen in Lateinschrift.

Am 13. Januar 2016 feierte Zhou seinen 110. Geburtstag. Er war von 1933 bis zu deren Tod 2002 mit Zhang Yunhe verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte. Er starb einen Tag nach seinem 111. Geburtstag.
Der chinesischen Führung unter Mao ging es darum, die nach der Schreibreform stark veränderten Zeichen mit Hilfe einer eigenen Lateinumschrift leichter lehr- und lernbar zu machen. Seither begannen die Schüler mit Pinyin. Das wird erst jetzt wieder abgebaut. Der Plan der völligen Abschaffung der Zeichenschrift oder ihrer Beschränkung auf 800 Zeichen wurde aufgegeben, da die zahllosen gleichklingenden Wörter bzw. Silben nur durch die Zeichen in ihrer Bedeutung unterschieden werden konnten. Außerdem hätte es einen Bruch mit der Vergangenheit bedeutet, der auch so schon schlimm genug war.

Trotzdem ist die chinesische Schrift je nach Anspruch hundert- bis tausendmal schwieriger zu lernen als die unsrige – was unsere dümmlichen Kultusminister und ihre wichtigtuerischen Hiwis nicht hinderte, ihre häßliche bis nichtsnutzige Erleichterungs„reform“ auf heimtückische Weise durchzusetzen. Die Chinesenkinder lernen von Anfang an, daß nur eifriges Bemühen zum Erfolg führt.

Die schon vorhandenen Umschriftsysteme waren für den chinesischen Gebrauch weniger geeignet. Dafür können Ausländer ohne einzelne Zusatzregeln Pinyin nicht phonetisch erkennbar ablesen.

Am auffälligsten ist die zweckentfremdete Verwendung des „q“ für einen scharfen dentalen Reibelaut (Wade ch‘) anstelle des ursprünglichen gutturalen Qaf der semitischen Sprachen, und das ähnliche „x“ (Wade hs). Es wird auch das deutsche „ü“ verwendet, jedoch nur in
„lǘ“ (驢 / 驴 Esel) oder „nǚ[rén]“ (女人Frau) z.B., nicht aber, wo es durch ein vorhergehendes j, q, x und y ohnehin gesprochen werden muß: yu (=yü).

„Yi“ und „wu“ stellen nur die Laute „i“ und „u“ dar, ohne halbkonsonantische Einleitung, wohl um sie als sinntragende Silben zu markieren – aber auch nicht konsequent durchgeführt:
„é“ (鵝 / 鹅 Gans, altchin.: „nga“; Zeichen: 我 wǒ ich, altchin.: „nga'“ + Vogel).

Die vier Töne werden bildhaft durch Akzente bezeichnet, die aber erst seit Unicode maschinell für jedermann greifbar sind.

Inzwischen wurde Pinyin auch auf Taiwan zugelassen, soll dort aber teilweise noch boykottiert werden. Bei uns gibt es schon Chinesisch-Lehrgänge nur in Pinyin ohne Schriftzeichen. Das erweckt bei den meist jungen chinesischen Lehrkräften hierzulande nur ungläubiges Staunen.

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Sigmar Salzburg
28.11.2019 03.41
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Übersetzungsprobleme

Beim Repetieren alter Bibeltexte fiel mir auf: Konnte oder wollte der Goten-Bischof Wulfila nicht „fiskjans manne“ (Menschenfischer) bilden, wo es doch der originale Markus, die Römer und die Deutschen (Luther 1545) konnten?

Mark. 1:16

καὶ παράγων παρὰ τὴν θάλασσαν τῆς γαλιλαίας εἶδεν σίμωνα καὶ ἀνδρέαν τὸν ἀδελφὸν σίμωνος ἀμφιβάλλοντας ἐν τῇ θαλάσσῃ: ἦσαν γὰρ ἁλιεῖς.

et praeteriens secus mare Galilaeae vidit Simonem et Andream fratrem eius mittentes retia in mare erant enim piscatores.

jah hvarbonds faur marein Galeilaias gasahv Seimonu jah Andraian broþar is, þis Seimonis, wairpandans nati in marein; wesun auk fiskjans.

DA er aber an dem Galileischen meer gieng / Sahe er Simon vnd Andreas seinen bruder / das sie jre netze ins Meer worffen / denn sie waren Fischer.

Mark. 1:17

καὶ εἶπεν αὐτοῖς ὁ ἰησοῦς, δεῦτε ὀπίσω μου, καὶ ποιήσω ὑμᾶς γενέσθαι ἁλιεῖς ἀνθρώπων.

et dixit eis Iesus venite post me et faciam vos fieri piscatores hominum.

jah qaþ im Iesus: hirjats afar mis, jah gatauja igqis wairþan nutans manne.

Vnd Jhesus sprach zu jnen / Folget mir nach / Jch wil euch zu Menschen fischer machen.
Ähnlich auch Lukas. Die Bedeutung von „nuta“ soll „Fänger“ sein, zu „niutan“ „erlangen“. Wulfila kannte selbstverständlich auch die lateinische Vulgata. Mochte er seinen Goten nicht zumuten, wie Fische im Netz gefangen zu werden?

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Sigmar Salzburg
28.10.2019 13.45
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Schwierigkeiten anderer Rechtschreibungen

Imad Karim ... 27.10.19, 18:00

Ich übersetze nur!!!!!!! Zum furchtbaren Axtmord in Limburg!
Sämtliche arabisch-sprachige Medien haben über diese barbarische Tat berichtet...

Der Täter ist ein 34-Jahre alter Tunesier. Der Sohn einer tunesischen Gastarbeiterfamilie ist in Deutschland geboren und hier zur Schule gegangen. Er besitzt von Geburt an, die deutsche Staatsangehörigkeit.
Sein Name wird hier mit „Imad Amdouni“, (könnte auch Emad Emadoni oder Emadaouni je nach Vokalisierung عماد عمدوني), angegeben...

Das 31. jährige Opfer, seine Ehefrau und die Mutter der beiden gemeinsamen Kinder ist (war) eine Tunesierin, die vor sechs Jahren mit einem Studiumsvisum nach Deutschland kam. Sie heisst (hieß) Muri (könnte Mori, Mouri oder Mawri, je nach Vokalisierung). Die beiden müssen kurz nach ihrer Ankunft geheiratet haben...

Nachtrag:
Nicole Baltes 28. Oktober um 19:09·

Imad Karim
Ist wieder mal 30 Tage gesperrt.
Wegen Wahrheit sagen !


Siehe auch Stefan Schubert bei kopp-report.de.

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