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Forum > Beispielsammlung über Sinn und Unsinn
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Sigmar Salzburg
13.07.2011 06.47
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Martin Walsers 'Muttersohn'

NDR-Rezension:
Der neue Roman von Martin Walser, „Muttersohn“, erscheint in diesen Tagen im Rowohlt Verlag [natürlich „reformiert“]. Stephan Lohr hat jetzt den ganzen Roman gelesen.

Dieser Martin Walser leistet und gönnt sich im Alter von 84 Jahren die Freiheit des Format sprengenden Erzählens. Sein an Geschichten, Begebenheiten, Figuren und Beziehungen reiches Epos von gut 500 Seiten gliedert sich in fünf Kapitel, von denen Walser eines bereits vorab als Novelle „Mein Jenseits“ in Buchform vorgelegt hat….
Er schreibt drauflos – wider alle Wahrscheinlichkeiten. Diesen Roman muss man nicht verstehen, man liest ihn, wenn man durchhält, staunend.
ndr.de 8.7.2011

Im gleichen NDR-Text steht auch:

Umstritten ist sein 2002 erschienener Roman „Tod eines Kritikers“ um den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Das ist das letzte Buch Walsers, das ich mit Vergügen gelesen habe. Den angeblich latenten Antisemitismus, den der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher im Text entdeckt haben wollte und zu einem Skandal aufblies, konnte ich auch bei größter Aufmerksamkeit nicht erkennen.

Um was es im neuen Werk Walsers geht, schreibt bei Focus Jobst-Ulrich Brand:

Martin Walsers neuer Roman „Muttersohn“
Jesus-Geschichte bleibt unbefleckt

Martin Walser übersetzt in seinem neuen Roman „Muttersohn“ die Jesus-Geschichte mit leichter Hand in die Jetzt-Zeit. Dem Heiland stellt er düstere Motorrad-Rocker entgegen.
focus.de 12.7.2011

In der Leseprobe, die der Rowohlt-Verlag bereitstellt, kommt schon fünfmal „jedes Mal” vor. Das Wort „jedesmal” scheint Walser, wie schon früher festgestellt, seit seinem Reform-Kotau nicht mehr zu kennen. Reformwidrig ist allerdings „aufs gröbste“. Ob ihm das „Raue“, das er nie schreiben wollte, wieder untergeschoben worden ist, kann man an dem Auszug noch nicht feststellen.

Ich werde das Buch jedenfalls nicht lesen: „Das Leben des Brian“ von den Monty Pythons ist sicher eine amüsantere Persiflage auf die Jesusgeschichte.

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Sigmar Salzburg
11.07.2011 06.40
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Erinnerungen an Rechtsbeugungen

Die „junge Welt“ bringt (in anständiger Rechtschreibung) die Rezension der Erinnerungen des Altkommunisten Jupp Mallmann:

„Hat aufgeschrieben – Mit Anmerkungen zur BRD-Sonderjustiz von Erich Buchholz.“ Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2011.

Interessant darin sind auch die Bemerkungen von Jutta Limbach, die beim Bundesverfassungsgericht die Geiselnahme der Schüler zur Durchsetzung der „Rechtschreibreform“ durchgewinkt hat:

Buchholz zitiert aus einem Vortrag der ehemaligen Westberliner Justizsenatorin und späteren Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, die das Verbot der KPD als »Höhepunkt der politischen Justiz« qualifizierte und zustimmend die Wertung des Staatsrechtlers Alexander von Brünneck zitierte, daß sich das gesamte politische Strafrecht jener Jahre in einer Formel zusammenfassen läßt: »Wer sich als Kommunist betätigte, konnte bestraft werden.« Das Ziel der Verfolgung war, so Frau Limbach, »jeden Versuch eines politischen Kontakts mit Organen oder Institutionen der DDR im Keim zu ersticken«. (Nachzulesen in Neue Justiz, 2/94).

jungewelt.de 11.7.2011

Für die Erinnerungen hat der demnächst 86jährige Mallmann keine neue Rechtschreibung gelernt:

Und wer vorher nicht wußte oder glauben wollte daß Adenauer etwas gegen solche DDR Reisen hatte, der war jetzt eines Besseren belehrt ... Der Haß der Adenauer Regierung und ihrer Justiz gegen uns Gegner der Remilitarisierung nahm besonders in den 50er Jahren zu ...

Die Anmerkung des Juristen Prof. Buchholz im letzten Viertel des Buches sind jedoch, anders als der jW-Artikel vermuten läßt, reformiert abgefaßt.

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Sigmar Salzburg
10.07.2011 06.27
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Christian Meier besteht auf bewährter Rechtschreibung

Meine Suche nach „bewährter Rechtschreibung“ beantwortete Google News mit »Meinten Sie: „bewehrter Rechtschreibung“«, zeigte dann aber doch:

Habermas gegen Habermas verteidigen! – 25 Jahre Historikerstreit
Endstation Rechts – ‎Vor 9 Stunden‎
Der Althistoriker Christian Meier bestand dabei darauf, dass sein Text in bewährter Rechtschreibung belassen wird.

Der Hinweis steht im Vorwort von Mathias Brodkorb »zum morgen erscheinenden Buch „Singuläres Auschwitz?“« über den sogenannten „Historikerstreit“ – hier ein kleiner Ausschnitt:

Habermas gegen Habermas verteidigen! Ein etwas anderes Vorwort

… Gerne würde ich den Lesern präsentieren, was genau Habermas zu meinen Anfragen sagte, aber einer Veröffentlichung seiner Briefe oder einzelner Zitate stimmte er auf Nachfrage ausdrücklich nicht zu. Man muss sich dies gerade bei Habermas besonders deutlich vor Augen führen: Ausgerechnet der Erfinder der „Theorie des kommunikativen Handelns“ und Anhänger des eigentümlich zwanglosen Zwangs des „besseren Argumentes“ erweist sich selbst als diskursunwillig. …

Vorliegender Sammelband vereint daher Gespräche und Texte höchst unterschiedlicher Herkunft und Blickrichtung. Dieser perspektivische Pluralismus ist gewollt, hätte allerdings noch ausgreifender ausfallen können. Der Althistoriker Christian Meier bestand dabei darauf, dass sein Text in bewährter Rechtschreibung belassen wird. Sein Text bietet auch Anlass für einen weiteren Hinweis. Meier ist aus der Zeit des Historikerstreites als ein um Ausgleich bemühter Zeitgenosse bekannt geworden. Dieser Stil prägt auch seinen Beitrag für diesen Band. Nach Übersendung des Textes ergab sich jedoch ein Telefongespräch zwischen Meier und dem Herausgeber, in dem Meier bemerkenswerte Vorwürfe gegen Jürgen Habermas erhob. Der wesentliche Inhalt dieses Gespräches ist Meiers Beitrag als Nachtrag beigefügt. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert sah sich auch Habermas zu einer kurzen Stellungnahme veranlasst, die ebenfalls dem Nachtrag zu entnehmen ist.

Freilich bedurfte es eines geraume Zeit andauernden Abwägungsprozesses, um sich zur Veröffentlichung dieser Passagen durchzuringen, denn dies ist ohne Zweifel ein ungewöhnlicher Vorgang. Schließlich habe ich mich dennoch dazu entschlossen, weil Meier mir Dokumente zugänglich gemacht hat, die seine Position stützen und durch diese Passagen mehr über Substanz und Verlauf des Historikerstreites gelernt werden kann als durch so manche umfassende theoretische Abhandlung. Auch dies ist eine traurige Erkenntnis aus dem Historikerstreit – 25 Jahre danach.

Mathias Brodkorb

endstation-rechts.de 10.7.2011

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Sigmar Salzburg
18.05.2011 10.30
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Friedrich Christian Delius

FC Delius erhält den Georg-Büchner-Preis
ZEIT ONLINE -
Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius erhält den wichtigsten deutschen Literaturpreis. Er gilt als kritischer und findiger Beobachter. Im Jubiläumsjahr erhält der Schriftsteller Friedrich Christian Delius den Georg-Büchner-Preis. ...

zeit.de 18.5.2011

Selbstporträt mit Schimpansen
aus: Warum ich schon immer Recht hatte – und andere Irrtümer

Wenige Tage nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad nicht weit vom Vatikan in das warme Frühlingslicht von Rom geboren, die Mutter eine milde Mecklenburgerin, der Vater ein westfälischer Pfarrer, zwischen hessischen Wäldern und Fachwerkhäusern, Bücherregalen und Fußballplatz Lesen und Schreiben gelernt und zugleich stotternd und stumm geworden – wo fängt es an, das Ich, das mit gelähmter Zunge zur Sprache drängt und im Alter von zehn Jahren mit der Schreibmaschine des gefürchteten Vaters sich einen “Weltplan” tippt? Und als “Beruf” angibt: Dichter…..

Wenn Sie mich zu Beispiel bei Feierlichkeiten, gerade bei akademischen, verhalten oder gar lächeln sehen, dann denke ich vielleicht daran, daß wir zu 98,6 Prozent Schimpansen sind. 1,4 Prozent Mensch, und was für ein unendlicher Raum der Freiheit, der Sprache, der Möglichkeiten!

Sie sehen hier einen Mann, den Sie, nach Akademie-Maßstäben, für verhältnismäßig jung halten werden. Bitte, vergessen Sie nicht, daß Sie einen Veteranen vor sich haben. Einen aus der letzten Generation, die noch ohne Fernsehbilder erzogen worden ist. Aus der Generation, die es so gut hatte wie keine vor ihr und so gut, wie es keine nach ihr haben wird, und die dies Privileg verdammt schlecht genutzt hat. Einen altmodischen Menschen, der die bewußtseinserweiternden Wirkungen von Sprache und Dichtung bei allen Zweifeln lieber überschätzt als unterschätzt. Und der heute immer noch wie der Zehnjährige davon träumt, ein Dichter zu sein.

fcdelius.de

Der größte Teil seines Lebenswerkes ist wohl noch in traditioneller Rechtschreibung gedruckt. Leider zeigt sich Delius anpassungsbereit:

Auch ich habe seinen Ansichten nicht immer folgen können – zuletzt in der Debatte um die deutsche Vereinigung und um die Rechtschreibreform. Aber: wie dürftig wären diese Diskussionen gewesen ohne die Argumente von Grass!

tagesspiegel.de 16.10.1997

Zur Preisverleihung die FAZ 19.5.2011

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Sigmar Salzburg
06.05.2011 09.28
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Alptraum

Ein E-Book für alle Bücher

Revolution eines Kulturguts: Trotz vieler Vorteile elektronischer Bücher entscheiden sich die meisten Leser weiter fürs gedruckte Buch. …

Wir sprachen mit Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz, über die Vor- und Nachteile elektronischer Bücher.

Frage: Herr Aufenanger, wenn Sie sich entscheiden müssten – gedrucktes Papier oder E-Book – in welcher Form würden Sie Ihr nächstes Werk veröffentlichen?

Stefan Aufenanger: Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich es als E-Book oder als App für Tablet-PCs herausbringen.

Welche Vorteile haben digitale Veröffentlichungen gegenüber klassischen Büchern?

Aufenanger: … Die Aktualisierung bei Sachbüchern ist schneller. Man muss nicht länger warten, bis eine neue Auflage gedruckt wird, sondern lädt sie sich aus dem Internet herunter. Denken Sie nur einmal an die Reform der deutschen Rechtschreibung im Jahr 1996 – wie schnell hätte man E-Books aktualisieren können!

mainpost.de 5.5.2011

Ein Orwellscher Alptraum: Ich schlage morgens meine Bücher auf, von denen bisher nur 0,3 Promille in Reformschreibung gedruckt sind, und alle sind über Nacht auf den Stand der unter Führung der Grundschullehrerin Erdsiek-Rave beschlossenen Reform vom 30.3.2006 gebracht, abzüglich den nachgeschobenen Kreme, Maläse etc.

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Sigmar Salzburg
05.05.2011 06.06
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Deutsche Identität

Geschichte als Comic
Die Comic-Zeichnerin Isabel Kreitz widmet ihren Band „Deutschland. Ein Bilderbuch“ den wichtigsten Momenten seit 1949 – und erzählt dabei die kleinen Geschichten neben der großen Geschichte. Ein kluges Porträt deutscher Identität... Die Spannung der kleinen deutschen Szenen entsteht vor allem durch die narrative Beschränkung: Kreitz nimmt sich immer nur eine Seite Platz. Und somit herrscht auch absolute Gleichberechtigung zwischen Großem und eher Profanem, zwischen dem Mauerfall, dem Fall Rosemarie Nitribitt und dem Fall des harten "ß" im Zuge der letzten Rechtschreibreform...

spiegel.de 4.5.11

Vernichtung deutscher Identität: Der „Fall des harten ß” – eher ein Fall für die Justiz, wenn die nicht parteilich entscheiden würde.

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Sigmar Salzburg
21.04.2011 07.10
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Schade!

David Hume

David Hume war nicht nur ein großer Philosoph, sondern auch als Mensch angenehm und edelmütig. Dies hat Gerhard Streminger in seiner 1994 erschienenen Biographie beispielhaft dargestellt. Jetzt ist sie im Beck Verlag in veränderter Form neu erschienen. Im Humanistischen Pressedienst schreibt Gerhard Engel u.a. dazu:

Lange war sie vergriffen, nun ist sie zum 300. Geburtstag des schottischen Aufklärers und Philosophen David Hume am 7. Mai wieder erhältlich: die meisterhafte Biografie Gerhard Stremingers – mit noch einmal gründlich revidiertem Text, unter neuem Titel und in einem anderen Verlag...

Obwohl das Wiedererscheinen von Stremingers Hume-Biografie uneingeschränkt zu begrüßen ist, seien doch noch einige vom Verlag zu verantwortende Wermutstropfen erwähnt. Schon bei der ersten Durchsicht stellt man fest: Die Fußnoten sind zu Endnoten geworden. Das erfordert ständiges Blättern: Statt sofort sehen zu können, ob eine Fußnote genauere Informationen liefert oder lediglich dem Nachweis eines Zitates dient, muss man jetzt blättern und suchen. Auch sind die schönen Farbtafeln mit Landschaftsmalereien und Porträts der Ausgabe von 1994 jetzt durchgängig Schwarz-Weiß-Abbildungen gewichen, auch ihre Anzahl wurde verringert. Als Hume-Freund wird man daher weder die eine noch die andere Ausgabe missen wollen – auch wegen der veränderten Anhänge: Die Ausgabe des Schöningh-Verlags enthält zwei neu aufgefundene Briefe und eine Rezension Humes; in der Neuauflage dagegen finden wir statt der Rezension ein Reisetagebuch aus dem Jahre 1748.

Streminger, Gerhard: David Hume. Der Philosoph und sein Zeitalter. Eine Biographie. München: Beck 2011. ISBN 978-3-406-61402-6. 797 S., € 24,80

hpd.de 20.4.2011

Verschwiegen wird, daß sich Verlag und Autor durch die von interessierter Seite geschürte Reformhysterie haben verleiten lassen, das Werk in die Reformschreibung der Kultusbürokraten zu konvertieren. Unsicherheit und Beliebigkeit sind die Folge. Ein Blick in die Leseprobe des Beck Verlages beweist es. Selbst die häßliche Heyse-ss-Schreibung scheint per Hand eingefügt zu sein, wie ein verbliebenes „ß“ erkennen läßt – an einer Textstelle, die geradezu symbolhaft auch auf den modernen Anpassungseifer zielen könnte:

Die ersten keltischen Völker waren bereits Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung in dieses Gebiet eingewandert und standen nun Jahrhunderte lang unter römischem Einfluß. Ihre Romanisierung kommentierte Tacitus mit bitteren Worten: «[… ] dass die, welche eben noch die römische Sprache abwiesen, jetzt Beredsamkeit begehrten. […] Und allmählich ging man zu Annehmlichkeiten und Ausartungen über […] Und das hieß bei den Unerfahrenen Kultur, während es ein Teil der Knechtschaft war…»

Die hypertrophe Großschreibung der „Reform“ bleibt unsicher:
Das Leben David Humes war aufs Engste mit Schottland verbunden…
Pictenführer Calgacus….«Uns, die äußersten auf dem Erdkreis und die letzten der Freiheit, hat bis zum heutigen Tage die bloße Zurückgezogenheit und der Ruhm verteidigt….»

Die Änderung von „bereits Totgeglaubtemin „bereits tot Geglaubtemwirft die Frage auf, wie ein Toter noch glauben kann, und die sprachgehemmte Spaltschreibung „die so genannten «Skoten»…“ hätte hier wirklich nicht sein müssen.
Daher weiß man nun auch nicht, ob die sprachrichtige Schreibung mit „h“ Kulturwille oder Nachlässigkeit ist:

Land und Schottlandtief beschreibt der sonnenverwöhnte Tacitus so: «Der Himmel ist durch häufigen Regen und Nebel hässlich; rauhe Kälte fehlt.»

Auch der Text selber wurde entschärft:

Aus:


Obwohl Papst Leo XIII. in einer Enzyklika einen Staat, „der, wie man sagt, gegen alle Religionen gleichmäßig wohlwollend gesinnt ist und allen ohne Unterschied die gleichen Rechte zuerkennt“, eine Versündigung „gegen die Gerechtigkeit wie gegen die Vernunft“ nannte, ist natürlich auch in vielen katholischen Kreisen ›Toleranz‹ und ›Liberalität‹ kein Schimpfwort mehr.

Wurde:

Und selbst in vielen katholischen Kreisen sind ‹Toleranz› und ‹Liberalität› natürlich keine Schimpfworte mehr.

Als glücklicher Besitzer der Erstausgabe des Buches kann ich nun leicht „aufs Neue“ verzichten!

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Sigmar Salzburg
30.03.2011 09.13
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Widerspruch

KARL-HEINZ BARTHELMES
HEINZ RUDOLF
KUNZE
MEINE EIGENEN WEGE


Gütersloher Verlagshaus

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.


»Das Autobiographische ist ein Bereich unter vielen, der dann genauso Spielmaterial wird wie Erfundenes oder Gehörtes. Ich glaube gar nicht, daß man selber imstande ist, das eigene Leben wirklich eins zu eins aufs Papier oder in ein Lied zu bringen. In dem Moment, wo man sich mit der eigenen Lebensgeschichte oder Teilen davon beschäftigt, gestaltet man sie schon wieder um und ändert sie. Ich denke, ich würde immer relativ wenig auf Autobiographien geben. Ich glaube, ich vertraue mehr Biographien.«
HRK, 2000

Gewidmet Jürgen Feldmeier, Norbert Lennert, Dario Domingues – Freunde, die auf dem Weg verlorengegangen, aber nicht vergessen sind

ACHTUNG! ALTE RECHTSCHREIBUNG! Nieder mit der neuen! Zivilcourage! Wenn Sie mich nach neuer Rechtschreibung beurteilen, wäre das schnöde Siegerjustiz! Grass, Handke und Botho Strauß, Walser und die gesamte geistliche Elite sind auf meiner Seite! Die Rechtschreibreform ist eine Schande!
HRK im Testheft »Der große Deutsch-Test« mit Hape Kerkeling von RTL

Hinweis: Dieses Buch folgt – trotz des ausdrücklichen Einspruchs von Heinz Rudolf Kunze – der im August 2006 verabschiedeten modifizierten neuen Rechtschreibung – mit Ausnahme der von HRK selbst gesprochenen oder schriftlich verfassten Texte.

1. Auflage
Copyright © 2007 by Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
[…]
Printed in Germany
ISBN 978-3-579-06514-4
http://www.gtvh.de


bilder.buecher.de

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Sigmar Salzburg
17.03.2011 17.43
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Auerbach – Anwender der Heyse-Reform?

Bertold Auerbach. „Einst fast eine Weltberühmtheit“. Eine Collage des Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Hermann Kinder.

Berthold Auerbach, heute fast vergessen, war zu seiner Zeit ein international bekannter jüdisch-deutscher Schriftsteller, den man mit Dickens, Turgenjew oder Tolstoi verglich. Auerbach wurde 1812 im Schwarzwald geboren; seine Werke sind dem frühen deutschen Realismus verpflichtet.

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Hermann Kinder hat jetzt diese Briefe Berthold Auerbachs, die über 900 Seiten umfassen und aufgrund des Umfangs kaum noch einmal veröffentlicht werden, zitiert [?], nacherzählt [!], kommentiert – daraus ist eine große, lehrreiche und staunenswerte Collage entstanden. …

Auerbach liebt die Natur, … Ausgehend vom Reform-Judentum eines Moses Mendelssohn und immer wieder beschäftigt mit den Schriften Spinozas, interessiert er sich für zeitweilig für pantheistische Weltbilder, kann die Natur als neue Religion denken – und er ist gleichzeitig fasziniert von den modernen technischen Errungenschaften, vor allem von der Eisenbahn, die ihrerseits doch aber das Landleben so einschneidend verändert. Und daher zweifelt er auch immer wieder an seinen so erfolgreichen, auflagenstarken Volkserzählungen. Vielleicht veralten sie sehr schnell? Und so schreibt er, Zitat: „Schule, Militär und Eisenbahn das sind drei gewaltig auflösende und nivellirende Mächte, und wer weiß, wie bald man meine Volkserzählungen lesen wird wie eine Indianergeschichte“.

… Auch seine konservativen Vorstellungen von den Geschlechterrollen werden nicht unterschlagen: In einer Diskussion über ein zeitgenössisches Theaterstück sagt Auerbach sehr bestimmt, Zitat: „Ein Don Juan ist gestattet, aber eine Donna Juana nicht, weil es wider die Natur ist, dass eine Frau geschlechtlich initiativ ist, und das Widernatürliche ist unschön.“ …

Man würde manche zeitgeschichtlichen Details aus den Briefen kaum verstehen, wenn Hermann Kinders Buch nicht einen ausführlichen, gründlich recherchierten Anmerkungsapparat enthielte. … Man erfährt hier aber auch tröstliche Details: So ist der Streit um die richtige Orthographie kein Privileg des 20. Jahrhunderts: Eine vom preußischen Kultusminister initiierte Rechtschreibreform wurde seinerzeit fast überall boykottiert...

Hermann Kinder: Berthold Auerbach. „Eins fast eine Weltberühmtheit“. Eine Collage. Klöpfer & Meyer, 296 S, 12 sw-Abbildungen, 19,90

dradio.de 16.3.2011

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Sigmar Salzburg
31.10.2010 08.44
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Irre!

C. W. Ceram

Götter, Gräber und Gelehrte

Roman der Archäologie


... Cerams Klassiker ist ein bis heute unerreichtes Meisterwerk [von 1949]: die brillante Einführung in Methoden und Ergebnisse einer Wissenschaft. Für die Neuausgabe hat der bekannte Archäologe Michael Siebler das Buch durchgehend, aber behutsam aktualisiert...
Rowohlt 2008
rororo 2009

Kaum glaublich: Die „behutsame Aktualisierung“ umfaßt auch die Umfälschung in die ss-Reformschreibung!

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Sigmar Salzburg
28.10.2010 07.50
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Rechtschreibreform – nach Axiomen einer Ideologie?

Religionen argumentieren die Richtigkeit ihrer weltlichen Lebensform durch „jenseitige“ und nicht hinterfragbare Komponenten. Ideologien geben Axiome vor, die angeblich überprüfbar sind, die aber noch nie in größerem Maßstabe experimentell überprüft wurden.

Aus: Andreas E. Kilian in „Die Logik der Nicht-Logik“ Alibri 2010
hpd.de/node/10489

Die interessante Abhandlung eines Soziobiologen zur Evolution von Religiosität beteiligt sich an der nun üblichen praktischen Überprüfung der neuen Reformideologie in größerem Maßstab – ohne positives Ergebnis:

Religiöser Glauben ist daher nicht das „Erkennen“ oder „Wissen“ einer anderen Realität, sondern dass unbewusste phantasievoller Neuordnen von bereits bekannten Daten, die aus der „wirklichen“ Realität stammen… „Die heilige katholische und apostolische Römische Kirche glaubt und bekennt, das ein wahrer und lebendiger Gott ist, …“ …dass etwas personifiziertes dahinter stecken könnte. Denken Sie einmal an schwarze Katzen, wann Sie das letzte_mal geflucht haben … Sie waren damit im Stande, das entstehende soziale Elend aufzufangen … Der Überlieferung nach wuchs Konfuzius als Halbweise auf… Die Geschichte zeigt eindeutig, das jede Kernreligion in Sekten zerfällt … aus der öffentlichen Diskussion verbandten Religionsstreitereien… Auf dem Sportplatz werden Rituale zelebriert. Aufstehen, setzen, Arme hoch und runter, singen und kniend bangen. [Deutsch oder Anglizismus? – Und dann natürlich jede Menge:] …so genannte.

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Sigmar Salzburg
26.05.2010 07.13
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denkladen

Der „denkladen“ ist ein Buchversand kritisch-philosophischer und religionskritischer Bücher. Eine gewisse Unabhängigkeit zeigt sich darin, daß anscheinend bedenkenlos auch einige Besprechungen und Angebote in traditioneller Rechtschreibung veröffentlicht werden, z.B. zur Untersuchung des Erlanger Philosophieprofessors Theodor Ebert:

Der rätselhafte Tod des René Descartes

Alibri, 2009
236 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 16.-
Best.Nr. 690 487
Wer behauptet nachgewiesen zu haben, daß vor Jahrhunderten eine historische Persönlichkeit ermordet worden ist, erntet in der Regel skeptische Blicke. Als vor knapp 20 Jahren, die These auftauchte, René Descartes sei keines natürlichen Todes gestorben, erregte dies damals durchaus einiges Medieninteresse, in den einschlägigen Descartes-Biographien steht jedoch nach wie vor, daß der Philosoph einer Lungenentzündung zum Opfer gefallen sei. … Ein spannender „Philosophie-Krimi“, der uns die Welt und das Denken des 17. Jahrhunderts näherbringt und mit den Methoden der Aufklärung Licht in den Tod eines wichtigen Aufklärers bringt.


denkladen.de Descartes

Das Buch selbst hat der Alibri-Verlag leider in Neuschreibung gedruckt, was hauptsächlich die ss und, mit Ausnahmen, die hypertrophe Großschreibung betrifft:

Wie erwähnt, wird Descartes’ Tod im Allgemeinen einer Lungenentzüdung zugeschrieben.(S.65)…. Charakteristisch ist des Weiteren ein trockener und schmerzhafter Husten … (S.67) …die so genannte Marsh’sche Probe (S.71) … die sogenannte paralytische … Form der Giftwirkung (S. 73) … Recht geben (S.100) … weil Descartes wohl der einzige war, der … (S. 143)… Als nächstes teilt Baillet dem Leser mit …(S.150)

Ebert läßt starken Verdacht auf François Viogué fallen, Hausgeistlicher der französischen Botschaft in Stockholm, Augustiner-Eremit und Beauftragter des Vatikans für die Missionierung Skandinaviens.

Unter den vielen, teilweise verschwörungstheoretisch grundierten Untersuchungen bekannter Todesfälle, z.B. Mozarts, fällt dieses Buch durch Sachlichkeit und Akribie auf.

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Sigmar Salzburg
27.04.2010 05.36
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Weitere Verunstaltung Karl Mays

Neue May-Edition bei Weltbild
Waldröschen & Co.

Erneut bringt Weltbild Karl Mays Kolportage-Romane im Neusatz, der heutigen Rechtschreibung angepasst, heraus...

karl-may-magazin.de 26.04.2010

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Sigmar Salzburg
23.04.2009 12.48
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Das haben die Kultusminister angerichtet!

Günter Krenn: „Romy Schneider“, (aufbau 2008).

Diagonal geblättert:

Das Buch ist in „neuer“ Rechtschreibung verfaßt, aber sehr um Seriosität bemüht. Die vielen Zitate nach den Originalquellen sind daher meist nicht verändert. Es ergibt sich ein bunter Flickenteppich mit vielen Konstellationen:

fortlaufender Text: NRS;
Zitate aus älteren Zeitschriften: meist ARS;
Romy spricht in einem französischen Film: NRS;
Romy spricht – nach einer älteren Zeitschrift: ARS;
Romy spricht in einem deutschen Film: NRS;
vermutliche Eigennamen u.ä.: ARS;
jemand erinnert sich an Romy: NRS;
jemand hat sich früher an Romy erinnert: ARS
ein Zitat aus (Schweizer?) Medien: SRS alt oder neu;
Romys Tagebuch: ARS mit Schreibfehlern (oder von verwirrten Herausgebern)
usw. usw.

Stichproben:

S 41: „Wie unglücklich ich doch war, als ich an die blöööde Schule immer denken mußte. … Es muss die schönste Zeit sein, wenn man verliebt ist.“
S. 57 „Weißt du, Hermann, ich habe eigentlich Angst, dass das schöne, ruhige, unbeschwerte Leben für mich zuende ist. …“ [„falsch“]
S. 61 Karlheinz Böhm meinte über den Regisseur: „Er wusste genau, was er wollte …“
S. 71 „Ich bin ganz zufrieden, daß ich mit dem ganzen Gelskrempel nicht zu schaffen habe …“ … in Berlin in das Schloßpark- und Schillertheater
S. 94 „Sie war nicht die Frau meines Lebens sagt Lederle heute … Aber sie war einer Persönlichkeit, die man nicht vergisst.
S. 105 Über die „Kinokönigin Romy“ liest man 1956 „dafür müsste sie …“
S. 122 „Von ihrem jungen Gegenspieler … lässt sich nur sagen, dass er wie ein uniformierter Lift boy wirkt…. [n. Filmdienst 1958]
S. 172 Der Prozeß
S. 182 [August 1964] Sie versteht es [das Telegramm] nicht, zeigt es ihrer Sekrtärin Sandra, die nur knapp darauf meint, dass es sich wohl „auf die Hochzeit“ beziehen werde. So erfährt sie, daß Delon geheiratet hat.
S. … Raymond Danon, den ihre Rollengestaltung in Der Prozeß beeindruckt hat. Rückblickend bekennt er: „Zu jenem Zeitpunkt wusste ich ansonsten wenig über sie.“
S. 235 Von Schneiders Qualitäten als Schauspielerin ist Sander bald überzeugt: „ …sie ist sich der Macht ihres Körpers und ihrer Sinnlichkeit sehr bewußt … Romy Schneider gefällt das Drehbuch auf Anhieb … „Du liebst mich, weil ich da bin,“ sagt Romy in ihrer Rolle. „Aber wenn du auch nur über die Straße müsstest, um zu mir zu kommen, wäre dir das schon zu viel.“
S. 252 „Ich werde diese Rolle, den Charakter dieser Frau zum erstenmal wirklich …“
S. 213 Ihre Filmpartnerin Mercouri sagt zu ihr: „Geniere dich nicht vor Dassin jung und schön zu sein, während ich alt und hässlich bin …“ [nach: Ihre Filme, München 1986, S. 92]

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Sigmar Salzburg
02.09.2008 13.32
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Reformierter Schrott-Homer

Wolfgang Schuller in WELT online, 1. September 2008:

Neue „Ilias“-Übersetzung

Jetzt ist Homer ein vulgärer Schriftsteller


Der Autor Raoul Schrott hat eins der wichtigsten Epen der abendländischen Literatur übersetzt. Doch in seiner Version der „Ilias“ wird der erste bekannte Dichter der griechischen Antike, Homer, zu einem Vulgärschriftsteller. … Davon einige Beispiele, wahllos herausgesucht, das Buch ist voll davon: Soll Homer wirklich so überdeutlich geschrieben haben, Helena und Paris „liebten sich, dass die Bettpfosten Wackelten“ (Buch 3, Vers 448)?
… Und lässt Homer den Gott Poseidon seine Sorge um das Leben des Äneas wirklich dadurch ausdrücken, dass er ihn ausrufen lässt: „Eijeijei! jetzt tuts mir aber um Aineias leid“ (20,293)?
… mitten im Text … Schrottiana …: Schäferstündchen, Weichei, vifer Kerl, hinterfotzig, Standpauke. Homer kennt keine Ausdrücke aus den untersten Schichten der Alltagssprache…
Wer für die nicht alltäglich-gegenwärtigen Möglichkeiten der deutschen Sprache offen ist, der sollte sich nicht scheuen, die Übersetzung von Johann Heinrich Voß aus dem 18. Jahrhundert als die nach wie vor hinreißendste zu empfinden.


WELT online 1.9.2009
Schrott-Homer

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