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Unsere Politiker und die RSR
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J.-M. Wagner
15.02.2002 05.03
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Re: Über Geschichtsfälschungen

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Norbert Schäbler
Ihre Beobachtung ist vollkommen richtig. Ehemals habe ich den Mut und die Überzeugung besessen, in der frühen Phase gegen diese Rechtschreibreform anzutreten. Einige meiner Handlungen sind im hiesigen Forum unter dem Leitfaden „Schule“ dokumentiert. (Um dahin durchzudringen, müssen sie im Menü rechts oben die Worte „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ anklicken, denn die Berichte wurden vor ca. einem Jahr eingebracht und nach ca. zwei Monaten abgeschlossen.)
Danke für diesen praktischen Hinweis; das hatte ich übersehen und mich gewundert, wo denn die ganzen Diskussionsstränge geblieben sind. Das will ich mir erst einmal in Ruhe durchlesen, bevor ich näher darauf eingehe.

Zitat:
Resignation macht sich allmählich breit, weil die Felle der Kritiker zusehends davonschwimmen. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, weil wir uns zu sehr mit der Gegenargumentation der kultusministeriellen Instanzen beschäftigten, die im Wesentlichen nur aus Parolen bestand und darauf abzielte, aus juristischen Gründen ein völlig fehlerhaftes Konstrukt auszusitzen.
Worin besteht diese »Gegenargumentation der kultusministeriellen Instanzen«? Ich kann Ihnen da nicht ganz folgen.

Zitat:
Allerletzte Hoffnung verbleibt, wenn ich an die „Selbstreinigungskräfte der Sprache“ denke – ein Argument, das Professor Ickler seit langer Zeit ins Feld führt.
Das aber ist mir zu wenig.
Ein Bild, bzw. eine Frage dazu: Kann man tatenlos mit ansehen, wie sich jemand – nur weil er die Macht und die Gnadenlosigkeit besitzt – an der Geliebten/am Geliebten vergreift?
Mir ist das auch zu wenig, aber was schlagen Sie vor, konkret/prinzipiell?

Zitat:
Mir fehlt die Geduld dazu. Dann nehme ich lieber die Rolle des Don Quichotte ein!
Und selbst diejenige seines Esels ist mir in diesem Falle nicht zu unwürdig!
Ich hätte gern etwas Nachvollziehbares, aber in dem Moment, wo es drauf ankommt, servieren Sie wieder bloß ein Bildchen – was meinen Sie mit der Rolle des Don Quichotteschen Esels?

Zitat:
Ich unterstelle eine Unfähigkeit auf beiden Seiten. Hier die Angst, sein Gesicht zu verlieren, gepaart mit dem Hochgefühl des Machthabenden, Recht bekommen und Vasallen gefunden zu haben für einen Akt, der mit Demokratie nichts zu tun hat.
Es lebe die repräsentative Oligarchie!
(Eine Schande ist es, wenn sich Volksvertreter Sonderrechte verbriefen lassen!)
Vorwürfe aber auch an die Reformkritiker. Ihre damaligen Argumente wurden nie widerlegt. Es gibt keine Notwendigkeit neue zu finden, nachdem die alten nie entkräftet wurden. Ich unterstelle: Zaghaftigkeit, Zerrissenheit, Schlafmützigkeit. Revisionen sollten abgestraft und nicht wohlwollend oder selbstgefällig registriert werden.
Die kommen doch „zu spät“. Sie kommen doch mit wesentlich größerer zeitlicher Verzögerung als seinerzeit die Erklärung auf der Frankfurter Buchmesse, die Friedrich Denk erwirkte.
Was ist aus diesen Meilensteinen der Reformkritik geworden?
Gute Frage. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich leider den Text von Friedrich Denk gar nicht kenne. Gibt's den hier irgendwo? Bin ich bloß zu faul zum Suchen, oder ist es wirklich nur der Text unter »Frankfurter Erklärung« (bei den Dokumenten)? Das ist doch im wesentlichen eine weitsichtige Warnung, aber keine inhaltliche Argumentation. – Was meinen Sie genau mit »Revisionen sollten abgestraft und nicht wohlwollend oder selbstgefällig registriert werden«?

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Jan-Martin Wagner

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Norbert Schäbler
13.02.2002 18.21
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Über Geschichtsfälschungen (Teil 2)

Die Bibel ist ja doch voller Beispiele, und daß sie nicht wörtlich und buchstabengetreu zu nehmen und auszulegen sind, ist wohl hinreichend bekannt.
Nachzudenken wäre über das Bibelwort: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (dazu unten noch einige eigene Gedanken)

Auch das Leben schreibt Bände und Bücher. Dabei sind Eltern nicht unwichtig.
Ich zitiere Worte meines Vaters: „Wir leben heute in einer Zeit, in der sämtliche Begriffe von Tugend und Moral auf den Kopf gestellt werden.“
Das stimmt! – Auch die Bibel stimmt! Beides sind Bücher der Erfahrung.

Wie aber steht es mit der Anwendung und Durchführung? Sollten wir danach streben, Gerichtshöfe zu schaffen, die Moral und Tugend einklagen? Sollten wir Gesetze formulieren und Strafen festlegen für Deviationen, mittelschwere Abweichungen und katastophale Verfehlungen?
Darauf will ich doch gar nicht hinaus!
Im Gegenteil: Ich bin doch für gelebte Freiheiten. Anpassung muß doch von innen heraus kommen, autonom sein, dem Gewissen und der freien Verantwortung entspringen (oder wie immer man das nennen mag)!

Da gibt es aber noch eine andere Seite – die der Machthaber.
Man muß den Machthabern den Spiegel vorhalten. Der Spiegel lügt nicht!
Und man muß die Weisheiten verstehen – nicht kleingläubig sondern in zeitgemäßer Auslegung und Formulierung.
Dann heißt es: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt – und wenn er sich wie ein Schwein aufführt, dann behandelt ihn wie ein Schwein!




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nos

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Norbert Schäbler
13.02.2002 12.51
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Über Geschichtsfälschungen

Zitat: „Werte sind zum Glück nie ein Alter Hut ... und ich gehe mal davon aus, daß Sie welche haben, an denen Sie sich orientieren können – mehr als an »klaren Konturen und eindeutigen Begriffen. Oder?“

Ich habe Werte, die zum großen Teil der Religiosität (nicht identisch mit Religion) entspringen. Ich nenne einmal die umfassende Gruppe der „Verläßlichkeitswerte“ (hierunter fallen: „Liebe, Treue, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Pünktlichkeit ...“).
Ich schaffe es leider nicht, diese individuell ausgeformten Charaktereigentümlichkeiten begrifflich sauber abzugrenzen. Sind es „Tugenden“, sind es „übernommene und überkommene, mich angeblich knebelnde Moralvorstellungen“, sind es „Illusionen“, sind sie mein „tägliches Opium“?
Und ich schaffe es nicht, gegen meine Erwartungshaltungen anzukämpfen, denn mir scheint es so, daß ein Leben mit einer Reihe von tragfähigen Kompromissen wesentlich mehr Verläßlichkeit und wesentlich mehr Glauben (im Sinne von: „ich glaube Dir/ich glaube an Dich“) fördern würde.

Zitat: „Ihre Beiträge, lieber Herr Schäbler, lassen in letzter Zeit sowohl kämpferische Überzeugung als auch Resignation erkennen. Verdeutlichen Sie letztere doch mal etwas konkreter ...“

Ihre Beobachtung ist vollkommen richtig. Ehemals habe ich den Mut und die Überzeugung besessen, in der frühen Phase gegen diese Rechtschreibreform anzutreten. Einige meiner Handlungen sind im hiesigen Forum unter dem Leitfaden „Schule“ dokumentiert. (Um dahin durchzudringen, müssen sie im Menü rechts oben die Worte „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ anklicken, denn die Berichte wurden vor ca. einem Jahr eingebracht und nach ca. zwei Monaten abgeschlossen.)
Resignation macht sich allmählich breit, weil die Felle der Kritiker zusehends davonschwimmen. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, weil wir uns zu sehr mit der Gegenargumentation der kultusministeriellen Instanzen beschäftigten, die im Wesentlichen nur aus Parolen bestand und darauf abzielte, aus juristischen Gründen ein völlig fehlerhaftes Konstrukt auszusitzen.
Allerletzte Hoffnung verbleibt, wenn ich an die „Selbstreinigungskräfte der Sprache“ denke – ein Argument, das Professor Ickler seit langer Zeit ins Feld führt.
Das aber ist mir zu wenig.
Ein Bild, bzw. eine Frage dazu: Kann man tatenlos mit ansehen, wie sich jemand – nur weil er die Macht und die Gnadenlosigkeit besitzt – an der Geliebten/am Geliebten vergreift?
Mir fehlt die Geduld dazu. Dann nehme ich lieber die Rolle des Don Quichotte ein!
Und selbst diejenige seines Esels ist mir in diesem Falle nicht zu unwürdig!

Zitat: „Herr Ickler hat ja bereits bemerkt, daß man mit bestimmten »Argumenten und Beweisen« nicht weiterkommt; und die Erfahrungen von Herrn Metes sprechen dafür, daß die Zeit des Wahlkampfes eine „Saure-Gurken-Zeit“ für die Gegner der RSR werden wird, weil sich kein Politiker, der auf Stimmenfang aus ist, mit diesem Thema auseinandersetzen wird. Das bedeutet aber auch, daß noch etwas Zeit bleibt, um neue Argumente zu sammeln und Pläne für die Zeit nach der Wahl zu schmieden, wenn man mit „den Politikern“ wieder etwas vernünftiger reden kann.“

Ich unterstelle eine Unfähigkeit auf beiden Seiten. Hier die Angst, sein Gesicht zu verlieren, gepaart mit dem Hochgefühl des Machthabenden, Recht bekommen und Vasallen gefunden zu haben für einen Akt, der mit Demokratie nichts zu tun hat.
Es lebe die repräsentative Oligarchie!
(Eine Schande ist es, wenn sich Volksvertreter Sonderrechte verbriefen lassen!)
Vorwürfe aber auch an die Reformkritiker. Ihre damaligen Argumente wurden nie widerlegt. Es gibt keine Notwendigkeit neue zu finden, nachdem die alten nie entkräftet wurden. Ich unterstelle: Zaghaftigkeit, Zerrissenheit, Schlafmützigkeit. Revisionen sollten abgestraft und nicht wohlwollend oder selbstgefällig registriert werden.
Die kommen doch „zu spät“. Sie kommen doch mit wesentlich größerer zeitlicher Verzögerung als seinerzeit die Erklärung auf der Frankfurter Buchmesse, die Friedrich Denk erwirkte.
Was ist aus diesen Meilensteinen der Reformkritik geworden?

Noch ein Bild: „Hosianna“ und „Kreuziget-Ihn“ liegen bekanntlich nahe beieinander. Seinerzeit haben es die weltlichen Machthaber verstanden, eine Stimmung des Volkes zu ihren Gunsten umzudrehen. Muß sich eigentlich Geschichte in ihrer Fehlerhaftigkeit ständig wiederholen? Gibt es nicht tatsächlich auch eine sachimmanente Macht? (Hier stimme ich mit Herrn Ickler wiederum völlig überein)
Die zu finden und klar und deutlich aufzuschreiben, wäre Aufgabe der Jünger und Getreuen?
Da sollte man nicht bis Pfingsten warten. Diesmal könnte man den Karfreitag verhindern!

Bin wieder bei der Normen- und Gehirnkontrolle angelangt (Entschuldigung!).


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nos

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J.-M. Wagner
12.02.2002 17.51
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Re: "Treibjes pervers"

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Norbert Schäbler
Mehr denn je vermisse ich klare Konturen und eindeutige Begriffe!

Zur Norm darf ich nicht mehr »Norm« sagen, weil das ein alter Hut ist, wobei die Moral, über die ich ebenfalls manchmal spreche, ein noch älterer Hut ist.
Außerdem sind Fehler (laut hiesiger Diskussion) keine Fehler mehr, weil es keine Norm gibt (oder keine mehr geben soll), denn – so ein möglicher logischer Schluß: eigentlich ist die Norm der Fehler, und wenn diese nicht mehr ist, führt sich die Rede vom »Fehler« ad absurdum.

[...]

Ich wundere mich darüber, daß das Wort »Fehler« abgeschafft wurde, denn nachdem die Herren Kultusminister der gesamten Gesellschaft eine Norm übergestülpt haben, haben sie gleichermaßen den Fehler wieder etabliert. Denn jede Abweichung von der Norm ist strenggenommen, einfach und allgemeinverständlich ausgedrückt ein Fehler!

Wir sprechen doch nach wie vor über Realitäten und nicht über Visionen und Wunschvorstellungen! Oder?
Ach, Herr Schäbler, nehmen Sie's nicht so schwer; Sie haben doch erkannt (oder etwa nicht?), daß »eigentlich die Norm der Fehler ist«, und also wird es Zeit, sich nicht so sehr an möglichen Fehlern, sondern an stilistisch gutem und grammatisch richtigem Deutsch zu orientieren! »Werte« sind zum Glück nie ein Alter Hut (Warum schreibt man den eigentlich nicht groß? Weil jeder weiß, daß es im übertragenen Sinn gemeit ist, genau wie bei der Großen Glocke, an die man etwas hängt – oder auch nicht?) – hoffentlich –, und ich gehe mal davon aus, daß Sie welche haben, an denen Sie sich orientieren können – mehr als an »klaren Konturen und eindeutigen Begriffen«. Oder?

Zitat:
Ich sehe, daß die obersten Staatsdiener (das sind die Herren Minister) ihre Untertanen (das sind z.B. die Herren Lehrer) gezwungen haben, Fehler zu unterrichten, obwohl diese Fehler frühzeitig, bereits im Jahre 1997 als Fehler/Mängel/Widrigkeiten/ungelenke Ausdrücke analysiert waren.
Ich sehe, daß die inzwischen dritte Revision erneut Fehler auskämmt (aber noch lange nicht alle Widrigkeiten erfaßt hat, obwohl diese bekannt sind) und daß sie sich damit entschuldigt, daß sich dies oder jenes in der Praxis nicht bewährt habe, daß aller Anfang schwer sei, oder daß neuere Erkenntnisse zur Umkehr veranlaßt hätten.
Wie bitte, Sie kennen etwas vom Inhalt der dritten Revision – oder wie ist diese Bemerkung zu verstehen?

Zitat:
Nein! Ich bin gegen diese permanente Lüge, gegen diese Heuchelei, gegen wandelbares Staatsrecht, gegen heute zugeteilte und morgen willkürlich eingeschränkte Freiheit!

Ihre Beiträge, lieber Herr Schäbler, lassen in letzter Zeit sowohl kämpferische Überzeugung als auch Resignation erkennen. Verdeutlichen Sie letztere doch mal etwas konkreter, und zwar in folgendem Sinn: Mir geht es diesem Forum zwar vordringlich um neue Argumente, mit denen man die Aufmerksamkeit „der Politiker“ wieder auf das Thema »Reform der Reform«, besser: »Rückkehr zur Vernunft« zu lenken vermag, aber auch eine Sammlung von bereits erfolglos versuchten Strategien ist lehrreich, damit man nicht unnütz seine Kräfte vergeudet.

Herr Ickler hat ja bereits bemerkt, daß man mit bestimmten »Argumenten und Beweisen« nicht weiterkommt; und die Erfahrungen von Herrn Metes sprechen dafür, daß die Zeit des Wahlkampfes eine „Saure-Gurken-Zeit“ für die Gegner der RSR werden wird, weil sich kein Politiker, der auf Stimmenfang aus ist, mit diesem Thema auseinandersetzen wird. Das bedeutet aber auch, daß noch etwas Zeit bleibt, um neue Argumente zu sammeln und Pläne für die Zeit nach der Wahl zu schmieden, wenn man mit „den Politikern“ wieder etwas vernünftiger reden kann.
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Jan-Martin Wagner

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Jörg Metes
12.02.2002 12.03
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Bündnis 90 / Grüne

Auf einer privaten Feier konnte ich mich kurz mit einem Mitarbeiter Joschka Fischers unterhalten. Er hat mir seine Tätigkeit beschrieben als die Beobachtung und Bewertung der öffentlichen Diskussion und Meinungsbildung. Er hat die Themen herauszufiltern, zu denen Fischer und die Grünen Position beziehen sollten, und er hat Vorschläge zu machen, wie diese Position aussehen könnte. Ich habe ihn auf das Thema Rechtschreibreform angesprochen. Er hat es nur kopfschüttelnd von sich gewiesen: Das sei kein Thema. Ich habe das Thema PISA-Studie genannt. Er hat mir noch zugegeben, daß wenigstens das eines sei – wenn auch keines für die Grünen (in dem Sinne, daß sie damit im Wahlkampf punkten könnten) – , und dann sofort das Weite gesucht. Es war, als hätte ich ihn auf die Bedrohung der Erde durch Außerirdische angesprochen.
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Jörg Metes

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Theo Grunden
12.02.2002 08.09
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Junge Union - alte Schreibung

(Entschuldigung, Herr Wagner, Sie haben recht, aber hier paßte das „alte“ gerade so schön!)

Auf einem (eigentlich nur politisch motivierten) Internet-Spaziergang entdeckte ich eine kleine orthographische Sehenswürdigkeit: die Junge Union begrüßte mich auf ihrer Homepage auf erfreulich unreformierte Art, mit höflichem „Du“ und „Dich“ (das läßt man sich auch – oder gerade – als „Alter“ gern gefallen), und (zumindest satz-)verbindendem „daß“. Hat das irgendeine Bedeutung? Ich werd’ mich mal drum kümmern!

In der englischartigen Schreibung für die (erbetene) E-Post allerdings beweisen die Jungunionisten (noch) keine Einigkeit: einmal „E-Mail“ und einmal „Email“. Aber das hat ja mit der RSR nichts zu tun, ist vielleicht auch ein Zeichen für Offenheit. Oder ein Zugeständnis an Edmund Stoiber, der es auf seiner Homepage genauso macht (siehe dazu auch Forum > Rechtschreibforum > Fremdwörter > E-Videntes ...)?

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Norbert Schäbler
11.02.2002 21.58
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Let's go

Let's go west or east or anyway. We'll arrive.

Oder auch: The way is the Ziel.
„Mainthing you win“.


– geändert durch Norbert Schäbler am 13.02.2002, 07.16 –
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nos

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Elke Philburn
11.02.2002 20.30
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Zitat:
Denn jede Abweichung von der Norm ist strenggenommen, einfach und allgemeinverständlich ausgedrückt ein Fehler!

Eine Abweichung von der Norm kann man auch ganz vornehm Deviation nennen.

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Norbert Schäbler
11.02.2002 18.54
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"Treibjes pervers"

Mehr denn je vermisse ich klare Konturen und eindeutige Begriffe!

Zur Norm darf ich nicht mehr „Norm“ sagen, weil das ein alter Hut ist, wobei die Moral, über die ich ebenfalls manchmal spreche, ein noch älterer Hut ist.
Außerdem sind Fehler (laut hiesiger Diskussion) keine Fehler mehr, weil es keine Norm gibt (oder keine mehr geben soll), denn – so ein möglicher logischer Schluß: eigentlich ist die Norm der Fehler, und wenn diese nicht mehr ist, führt sich die Rede vom „Fehler“ ad absurdum.

Vielleicht werfe ich da auch einiges durcheinander, aber ich komme mir langsam vor wie beim „Treibjes pervers“.
Das ist ein Spiel mit Federball und Federballschlägern.
Der den härtesten Bums hat, treibt den anderen quer über den Hof.
Pervers allerdings wird das Spiel, wenn nur einer einen Schläger hat, und der andere darf den Ball nur mit bloßer Hand zurückwerfen.
Da braucht man dann nicht lange über den späteren Sieger des Spiels rätseln.

Was ich nicht verstehe ist folgendes:
Es hat eine Rechtschreibreform gegeben, die mit einem Handstreich das Faktische beseitigte.
Dabei gab das Bundesverfassungsgericht denen Recht, die diesen Handstreich führten; sinngemäß mit folgenden Worten: „Wenn überhaupt eine staatliche Instanz das Recht besitzt, auf die Schriftsprache einzuwirken, dann ist dies die kultusministerielle Ebene“.
Und somit konnten zumindest alle Lehrer verpflichtet werden, den Schülern eine neue S-Laut-Regelung beizubringen.
Ergebnis war (wurde) jene übergestülpte Norm – eine Schreibgewohnheit, wie sie vorher in der Gesellschaft lediglich bei Schreibunkundigen oder Regelunwilligen anzutreffen war.

Auf Seiten der Reformkritiker machte daraufhin das Wort „Geiselhaft“ die Runde, eine Wortschöpfung, die den Zustand äußerst präzise beschrieb.

Mehr denn je vermisse ich klare Konturen und eindeutige Begriffe!

Ich wundere mich darüber, daß das Wort „Fehler“ abgeschafft wurde, denn nachdem die Herren Kultusminister der gesamten Gesellschaft eine Norm übergestülpt haben, haben sie gleichermaßen den Fehler wieder etabliert. Denn jede Abweichung von der Norm ist strenggenommen, einfach und allgemeinverständlich ausgedrückt ein Fehler!

Wir sprechen doch nach wie vor über Realitäten und nicht über Visionen und Wunschvorstellungen! Oder?

Ich sehe, daß die obersten Staatsdiener (das sind die Herren Minister) ihre Untertanen (das sind z.B. die Herren Lehrer) gezwungen haben, Fehler zu unterrichten, obwohl diese Fehler frühzeitig, bereits im Jahre 1997 als Fehler/Mängel/Widrigkeiten/ungelenke Ausdrücke analysiert waren.
Ich sehe, daß die inzwischen dritte Revision erneut Fehler auskämmt (aber noch lange nicht alle Widrigkeiten erfaßt hat, obwohl diese bekannt sind) und daß sie sich damit entschuldigt, daß sich dies oder jenes in der Praxis nicht bewährt habe, daß aller Anfang schwer sei, oder daß neuere Erkenntnisse zur Umkehr veranlaßt hätten.

Nein! Ich bin gegen diese permanente Lüge, gegen diese Heuchelei, gegen wandelbares Staatsrecht, gegen heute zugeteilte und morgen willkürlich eingeschränkte Freiheit!
Kein Toter der sein Leben am Eisernen Vorhang ließ, wird dadurch wieder lebendig – er wird nicht einmal rehabilitiert – nachdem sich das System überlebt hat, weil es morbide war.


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J.-M. Wagner
11.02.2002 18.19
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Re: Zu "neu? alt?"

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Michael Krutzke
„Neu“ und „alt“ werden häufig als wertend angesehen. Zumal, wenn sich mit dem Gebrauch Interessen verbinden – die von Politikern etwa. Allerdings ist die Frage durchaus offen, ob man eine solche Wertzuordnung in jedem Fall mitmacht bzw. sich aufzwingen läßt. Ansonsten spiegelt sich oft auch nur die Kennzeichnung der „Zustandsänderung“ wider. Bei den Eltern, auf die ich mich in meinem Beitrag bezog, war das so.
An eine unterschwellige Wertung (gut/schlecht) hatte ich garnicht gedacht, und gerade im Gegenteil angenommen, mit reformiert und unreformiert die »Zustandsänderung« besser (d. h. „wertfreier“) beschreiben zu können.

Zitat:
Ich glaube, mit reformiert und unreformiert könnte es sich ganz ähnlich verhalten. Eine Reform wurde ja lange Zeit mit etwas Positivem verbunden. Deshalb bezeichnen Politiker jede Verschlechterung, Kürzung und selbst offenkundige Schweinereien als „Reform“. (Sehr gut zu beobachten in der Schulpolitik.) Es mag sein, daß der Lack vom Reform-Begriff in den Augen des reformerfahrenen Volks schon recht verschrammt ist. Aber – unsere Rechtschreibverunstalter haben dem Wörtchen offenbar noch so viel positive Strahlkraft beigemessen, daß sie es auf das Etikett für ihr Machwerk druckten. (...) Die RSR-Kritiker bemühen deshalb ja häufig die Gänsefüßchen beim zweiten R, um sich bei der eigenen Benutzung des R-Wortes vom Sprachgebrauch der „Reformer“ zu distanzieren (ich tue es selbst in Gesprächen mit einer entsprechenden Geste).
Das kann man ja bei der Verwendung von reformiert im „mündlichen“ Ausdruck immer noch tun, im schriftlichen sollte man solche Anspielungen, die nicht den Kern des Themas ausmachen, eher beiseitelassen – es sei denn, man will (wie etwa H.-J. Martin) den Aspekt der „Echtheit der Reform“ explizit diskutieren.

Mir kam es vor allem darauf an, daß »alte Rechtschreibung« zu sehr nach »veralteter Schreibung« klingt, d. h. nach einer inzwischen ungebräuchlichen Art zu schreiben. Das empfinde ich als „unterwürfig“ gegenüber den Reformbefürwortern; man drückt damit quasi aus, daß man etwas befürwortet, was nicht mehr aktuell ist, wo „der Zug schon abgefahren“ ist.

Zitat:
Für kleinkariert halte ich es nicht, wenn Sie sich Gedanken über dieses Thema machen und man darüber diskutiert. Allerdings könnten sich in der Kritikerschaft Sprachregelungen einbürgern, die gleichförmig wirken und dann Außenstehende abstoßen statt ihnen einen Erkenntnisgewinn zu verschaffen.
Das ist ein wichtiger Einwand, deshalb möchte ich beispielsweise die Bezeichnung »neue Amtsschreibung« (so schön man den Ausdruck auch finden kann) lieber nicht verwenden.

Zitat:
Ich für meinen Teil bemühe mich um einen unverkrampften Wortgebrauch, vertraue darauf, daß der Inhalt meiner Ausführungen zu „unserem“ Thema die Gleichungen neu = gut und alt = schlecht als nicht aufgehend entlarvt und führe bei Bedarf eine weitere Gleichung ein: „neu“ = alt. Die Beschreibung der geschichtlichen Randbedingungen für die Gültigkeit dieser Gleichung bewirkt dann manches Aha-Erlebnis.
Prima, und als Perspektive fehlt dann nur noch „alt“ = gut = hoffentlich wieder neu!
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Jan-Martin Wagner

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Michael Krutzke
11.02.2002 07.52
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Zu "neu? alt?" von J.-M. Wagner

Da ist etwas dran, Herr Wagner. „Neu“ und „alt“ werden häufig als wertend angesehen. Zumal, wenn sich mit dem Gebrauch Interessen verbinden – die von Politikern etwa. Allerdings ist die Frage durchaus offen, ob man eine solche Wertzuordnung in jedem Fall mitmacht bzw. sich aufzwingen läßt. Ansonsten spiegelt sich oft auch nur die Kennzeichnung der „Zustandsänderung“ wider. Bei den Eltern, auf die ich mich in meinem Beitrag bezog, war das so.

Ich glaube, mit reformiert und unreformiert könnte es sich ganz ähnlich verhalten. Eine Reform wurde ja lange Zeit mit etwas Positivem verbunden. Deshalb bezeichnen Politiker jede Verschlechterung, Kürzung und selbst offenkundige Schweinereien als „Reform“. (Sehr gut zu beobachten in der Schulpolitik.) Es mag sein, daß der Lack vom Reform-Begriff in den Augen des reformerfahrenen Volks schon recht verschrammt ist. Aber – unsere Rechtschreibverunstalter haben dem Wörtchen offenbar noch so viel positive Strahlkraft beigemessen, daß sie es auf das Etikett für ihr Machwerk druckten. (Wahrscheinlich reichen die politischen Wurzeln dieses staatlichen Eingriffs in eine Zeit zurück, in der mancher aufbrach, um Reformen zu fordern oder sie zu veranstalten. Oft durchaus gut gemeint, aber das ist ja bekanntlich nicht selten das Gegenteil von gut geworden.) Die RSR-Kritiker bemühen deshalb ja häufig die Gänsefüßchen beim zweiten R, um sich bei der eigenen Benutzung des R-Wortes vom Sprachgebrauch der „Reformer“ zu distanzieren (ich tue es selbst in Gesprächen mit einer entsprechenden Geste).

Für kleinkariert halte ich es nicht, wenn Sie sich Gedanken über dieses Thema machen und man darüber diskutiert. Allerdings könnten sich in der Kritikerschaft Sprachregelungen einbürgern, die gleichförmig wirken und dann Außenstehende abstoßen statt ihnen einen Erkenntnisgewinn zu verschaffen. Ich für meinen Teil bemühe mich um einen unverkrampften Wortgebrauch, vertraue darauf, daß der Inhalt meiner Ausführungen zu „unserem“ Thema die Gleichungen neu = gut und alt = schlecht als nicht aufgehend entlarvt und führe bei Bedarf eine weitere Gleichung ein: „neu“ = alt. Die Beschreibung der geschichtlichen Randbedingungen für die Gültigkeit dieser Gleichung bewirkt dann manches Aha-Erlebnis.

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Michael Krutzke

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J.-M. Wagner
10.02.2002 17.17
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neu? alt?

Eine kleine Anmerkung zum Sprachgebrauch, die ich auch in dem hier diskutierten Zusammenhang für wichtig halte, möchte ich auf folgenden Eintrag in einem Parallelstrang hin machen:

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Michael Krutzke (unter »VDS und Rechtschreibreform«; 07.02.2002)
Sehr oft treffe ich auf Eltern von Schulkindern, die sich mit der neuen Schreibung beschäftigen müssen, obwohl sie die Reform kritisch oder ablehnend betrachten. Sie wollen ihren Kindern ja auch helfen können, fürchten einen Spagat zwischen alter (die ihnen angenehmer ist) und neuer Schreibung und arrangieren sich deshalb mit der neuen.
Es mag zwar etwas kleinkariert wirken, aber mir gefallen die Bezeichnungen reformierte bzw. unreformierte Schreibung besser als neue bzw. alte Rechtschreibung. Weder ist die „neue“ Schreibung in allen Teilen wirklich neu – sie greift ja verschiedene Dinge aus dem (inzwischen) vorletzten Jahrhundert (oder noch älteres) auf –, noch ist die „alte“ wirklich veraltet, d. h. mehr oder weniger außer Gebrauch gekommen! In der Ausdrucksweise »alte Rechtschreibung« klingt unterschwellig „alt = überholt“ durch, und das stimmt ja nicht. Ich halte es daher für „psychologisch“ sinnvoll, beim Eintreten für die »Rückkehr zur Vernunft« nie von „der alten Rechtschreibung“ zu sprechen!

Politiker wollen immer, daß es vorangeht, genauer: daß sie das, was sie tun, als Fortschritt darstellen können. Ich vermute, die „alte Rechtschreibung“ wird – trotz ihrer Vorzüge –, wenn sie so bezeichnet wird, kaum als fortschrittlich aufgefaßt werden.

Diese Bezeichnung hat sich ja lediglich zur Unterscheidung von der »neuen Rechtschreibung« eingebürgert. Allerdings bringt es logischerweise mit sich, wenn man vermeidet, von „alter Rechtschreibung“ zu sprechen, daß man auch mit dem Ausdruck „neue Rechtschreibung“ Probleme bekommt. Im amtlichen Text heißt es nur »neue Rechtschreibregelung«. Man könnte zwar verkürzt von »neuer Amtsschreibung« sprechen, aber das halte ich für psychologisch ungeschickt, weil es zu sehr an Orwellsche Verhältnisse denken läßt. Mir erscheint letztlich die Bezeichnung »neue amtliche Regelung« recht sinnvoll, die man der »unreformierten Schreibung« gegenüberstellen kann, ohne sprachlich weder „vorauseilenden Gehorsam“ zu leisten noch systematisch-logische Probleme zu bekommen oder sich gar sachlich falsch auszudrücken.
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Jan-Martin Wagner

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J.-M. Wagner
10.02.2002 16.19
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Fromme Lügen, unfromme Wahrheiten

Dieser Beitrag von Th. Ickler steht im Original im Strang »Unwichtige Geschichtsfälschungen«; ich erlaube mir, ihn wegen des Themenbezuges hierher zu kopieren.   J.-M. Wagner

Auch die Bundesjustizministerin behauptet ja ganz amtlich, durch die neue Rechtschreibung trete nirgendwo eine Bedeutungsänderung ein, und damit rechtfertigt sie die Umstellung der Gesetzestexte. Sie irrt aber, und das tun alle, die ihr nacheifern.

Für Argumente und Beweise sind diese Leute aber nicht zugänglich.
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Th. Ickler

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Jörg Metes
09.02.2002 09.12
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Historisches

»...über dem Stillstand der späten Kohl-Jahre ist vergessen worden, daß Helmut Kohl einmal als der „Junge Wilde“ des deutschen Konservatismus gegolten hatte, der Mitte der fünfziger Jahre, also schon während der fetten Jahre des Kanzlerwahlvereins, gegen die „Verbürgerlichung der Partei“ antrat. Das Establishment der Partei lernte ihn erst fürchten und dann bewundern, als er mit meisterhaft eingefädelter Intrige den Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Altmeier ausschaltete, der die CDU noch wie eine Honoratiorenpartei führte. Kohl war ein Modernisierer – zunächst der Partei, schließlich des Bundeslandes, dem er vorstand. Er stand als Ministerpräsident für Schul-, Verwaltungs-, Justiz- und – jawohl! – Rechtschreibreform.«

Aus: Jörg Lau, Auf der Suche nach der verlorenen Normalität – Helmut Kohl und Hans Magnus Enzensberger als Generationsgenossen / erschienen in: Klaus Naumann (Hrsg.), Nachkrieg in Deutschland. Hamburger Edition 2001.

http://www.eurozine.com/article/2001-09-03-lau-de.html
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Jörg Metes

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Norbert Schäbler
06.02.2002 19.33
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Petition

„Allein mir fehlt der Glaube“

Ich würde gerne daran glauben, daß man Politiker überzeugen kann, aber schon alleine meine Erfahrungen im Zusammenhang mit der Rechtschreibreform belehren mich eines Besseren.
Dabei akzeptiere ich sehr wohl, daß sich die Zeiten ändern, und ich weiß aus eigener Erfahrung, daß z.B. Herr Zehetmair in Abwesenheit seiner Bodyguards vor der Frankfurter Paulskirche im Jahre 1998 im Privatgespräch versicherte, zwei Jahre zuvor bezüglich der Rechtschreibreform einen Fehler gemacht zu haben. Ich weiß aber auch, daß gleicher Zehetmair wiederum drei Jahre später ein Buch in Neuschrieb veröffentlichte, und dabei ist es mir eigentlich sch...egal, daß er durch die Blume ausdrückte, daß er mit der altbewährten Rechtschreibung liebäugele.

Zahlreiche derartige Eingeständnisse von „hoch rangigen“ Politikern und „eben solchen“ Funktionären habe ich miterlebt. Sie waren leicht und im Vorbeigehen einem wildfremden Menschen gegenüber abzulegen, genauso wie man ein Wahlversprechen gibt, an das man sich ohnehin nicht halten muß, weil die Realität eine ganz andere ist, wenn man das erreicht, was man sich durch Versprechen ermogelt.
Der Charakter verbiegt sich ab einem gewissen Niveau und ab einem bestimmten Karrieregrad.

Trotzdem bin ich gerne bereit, an der Sammlung überzeugender Argumente gegen die Rechtschreibreform mitzuarbeiten. Eine derartige Liste von Argumenten hat unser VRS-Vereinsvorsitzender, Christian Melsa, begonnen.
Man könnte diese Liste offenlegen und als Petition an diverse Gremien weiterreichen.
Dann wird man ja sehen, was die Argumente – oder aber unsere Politiker – wert sind.




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nos

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