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Schleswig-Holsteinischer Elternverein e.V.
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Kevin Kraus
15.11.2018 10.08
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Rechtschreib-Rat brütet

Lehrer*in, Lehrer_in oder Lehr_er_in? Experten beraten über korrekte Gendersprache

Dienstag, 13.11.2018, 14:55

Wie soll künftig geschrieben werden, um Männer, Frauen und weitere Geschlechter gleichermaßen zu berücksichtigen? Mit dieser Frage hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung befasst. Am Freitag will er Ergebnisse vorlegen.

Ein Sternchen als Zeichen für Gleichberechtigung – wie kann im Schriftdeutsch neben dem männlichen und dem weiblichen auch das dritte Geschlecht sichtbar gemacht werden? Diese Frage beschäftigt den Rat für deutsche Rechtschreibung.

Asterisk oder Unterstrich?

Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im vergangenen Jahr, nach dem im Geburtenregister neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Option geschaffen werden soll, hat sich die Debatte verschärft. Am Freitag werden die Rechtschreibexperten bei einer Tagung in Passau voraussichtlich Empfehlungen zum geschlechtergerechten Schreiben geben.

Möglich sind Varianten wie die mit dem Sternchen – Asterisk – im Wort wie bei „Lehrer*in“ oder mit dem Tiefstrich – Gendergap – wie bei „Lehrer_in“ oder „Lehr_er_in“. Bei seiner Sitzung im Juni in Wien war der Rat übereingekommen, dass geschlechtergerechte Sprache verständlich, lesbar, vorlesbar, grammatisch korrekt sowie eindeutig und rechtssicher sein soll. Eine klare Tendenz, wie durch Orthografie die Schreibung geschlechtergerecht gestaltet werden könne, hatten die Experten noch nicht ausmachen können.

Oder einfach „Lehrperson“?

Man dürfe nicht darüber hinwegsehen, dass sich die deutsche Sprache historisch entwickelt habe und weiter entwickeln werde, sagt Josef Lange, Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung mit Sitz in Mannheim. Eine Variante, die verstärkt praktiziert werde, sei die Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe wie „Studierende“ statt „Studenten und Studentinnen“ oder „Lehrperson“ statt „Lehrer“.

Es sei auch zu unterscheiden, um welche Art Text es sich jeweils handele, sagt Lange. Bei einem Gesetzes- oder Verwaltungstext gebe es andere Maßstäbe als bei einem journalistischen oder literarischen Text.

Elektriker (m,w,d)

Henning Lobin, neuer Direktor des Instituts für Deutsche Sprache und jetzt auch Ratsmitglied, erklärt, dass bestimmte Gruppen von Menschen auch in sprachlicher Hinsicht deutlicher erkennbar werden wollen. Sprache werde als ein wichtiger Bestandteil des Ausdrucks gesellschaftlicher Prozesse und Strukturen gesehen. „Insofern hat die Frage nach der geschlechtergerechten Personenbezeichnung eine Art Symbolcharakter erhalten, die etwas überhöht diskutiert wird“ , räumt Lobin ein.

Die Debatte sei jedoch nicht nur eine Marotte einer Gruppe, sondern durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für öffentliche Einrichtungen hochrelevant geworden. „Die Binarität des Geschlechtes besteht rechtlich nicht mehr.“

Im Alltag zeige sich das beispielsweise in Stellenausschreibungen, wenn etwa nach einem „Elektriker (m, w, d)“ gesucht werde. Lobin betont, dass es dem Rat nicht darum gehe, den Sprachgebrauch regulieren zu wollen, sondern den staatlichen Stellen der beteiligten Länder lediglich Empfehlungen zu Rechtschreibung und Zeichensetzung zu geben.

Auch „Lehrer*in“ ist eigentlich nicht gerecht

Ein scharfer Kritiker von Schreibweisen mit Sternchen oder Tiefstrich ist der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg. Seiner Ansicht nach ist der Asterisk ein sprachfremdes Element. Er fürchtet, dessen Einführung in der Behördensprache sei nur ein erster Schritt. „Jetzt wird er toleriert, in zwei bis drei Jahren akzeptiert und dann heißt es: 'Warum kommt er nicht auch in Schulbücher?'“ Er spricht von einer bedrohlichen Entwicklung, die von geschlossenen Zirkeln gewaltig vorangetrieben werde.

Die Schreibweise „Lehrer*in“ sei genau genommen auch nicht gerecht, fügt Eisenberg an. Nicht nur, weil die männliche vor der weiblichen Form stehe, sondern weil sich sämtliche andere Geschlechtsidentitäten „hinter dem Sternchen verstecken“ müssten.

„Das Deutsche kann alles, was man von ihm verlangt“

„Ich habe immer für die Gleichberechtigung der Frau gearbeitet“, sagt Eisenberg. Eingriffe in die deutsche Sprache seien dafür jedoch nicht notwendig. „Das Deutsche kann alles, was man von ihm verlangt.“ Er verweist darauf, dass der Begriff „Richter“ im Sinne des generischen Maskulinums für die Berufsgattung stehe und nicht für die männliche Form. Als Beispielsatz sagt er: „In Berlin sind 60 Prozent der Richter Frauen“ – und eben nicht „60 Prozent der Richterinnen“.

Für Eisenberg ist jedenfalls klar: Niemand dürfe zu Gendersprache gezwungen werden. „Das wäre das Ende des freien Sprachgebrauchs.“

https://www.focus.de/familie/schule/rechtschreib-rat-bruetet-lehrer-in-lehrer-in-oder-lehr-er-in-experten-beraten-ueber-korrekte-gendersprache_id_9902494.html

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Astrid Schulz-Evers
Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V.
Bürgermeister-Kinder-Str.9
24306 Plön am See

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Kevin Kraus
14.11.2018 15.08
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] NEUTRALITÄT? – Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes:

Anti-Aufklärung
Der Bundespräsident freut sich über „Gesinnungstage“ an Schulen
tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/der-bundespraesident-freut-sich-ueber-gesinnungstage-an-schulen/

November 12, 2018
Von Josef Kraus

Mo, 12. November 2018

Manchmal zeigt ein einziges ausgesprochenes Wort, wes Geistes Kind einer ist. Mit Verlaub: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist so einer. Wenn es noch eines oder eines weiteren Beweises bedurfte, so hat er ihn soeben geliefert. Vor wenigen Tagen, am 1. November, hat er eine Schulklasse bei deren Besuch im Dresdner Hygienemuseum begleitet. Es gibt dort eine Ausstellung zum Thema Rassismus. Dort auch fiel das Wort „Gesinnungstag“. Steinmeier lobte die 12. Klasse des katholischen Peter-Breuer-Gymnasiums Zwickau dafür, dass sie den Allerheiligentag in der Ausstellung verbringe, weil ein solcher „Gesinnungstag“ der ganzen Gesellschaft guttue.

So weit, so gut. So weit, so schlecht? Damit kein falscher Zungenschlag aufkommt: Ich bin derjenige, der seit Jahr und Tag einen um sich greifenden historischen Analphabetismus anprangert. Schlimm genug, dass immer weniger junge – und ältere – Bürger mit Daten wie dem 9. November 1918/1938/1989, dem 1. September 1939, dem 8. Mai 1945, dem 17. Juni 1953, dem 13. August 1961 etwas anzufangen wissen. Von den Jahren 1789 oder 1848 ganz zu schweigen.

Aber es geht um wissensbasiertes Urteilen, denn wer nichts weiß, muss alles glauben. Gesinnung ist etwas anderes; Gesinnung kommt ohne rationales Urteilen aus, sie kommt aus dem Bauch, sie kommt im besten Fall aus einem wohligen Fühlen.

Steinmeier sollte mal ein großartiges Buch eines großartigen zeitgenössischen Philosophen lesen, den ich übrigens soeben bei einem Seminar an Adenauers früherem Urlaubsort Cadenabbia erleben durfte. Es ist Hermann Lübbe. Der heute 91-Jährige, nach wie vor höchst vigilant sowie messerscharf denkend und formulierend, hatte 1989 ein Buch mit einem bezeichnenden Titel und einem noch markanteren Untertitel geschrieben: „Politischer Moralismus – Der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft“. Der Untertitel bringt es auf den Punkt: Gesinnung ist Anti-Aufklärung, ist Unterwerfung unter Vormünder im Sinne Immanuel Kants, der 1784 gemahnt hatte: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen gerne zeitlebens unmündig bleibt; und warum es andern so leichtfällt, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Wir haben noch eine zweite Lektüreempfehlung an den Bundespräsidenten: George Orwells „1984“ . Dort bastelt der Sprachwissenschaftler Syme an einem Wörterbuch der Neusprache“. Er sagt zur Hauptfigur des Romans, zu Winston Smith: „Wir geben der Neusprache ihren letzten Schliff … Wir merzen jeden Tag Worte aus … Siehst du denn nicht, dass die Neusprache kein anderes Ziel hat, als die Reichweite der Gedanken zu verkürzen? … Es ist lediglich eine Frage der Wirklichkeitskontrolle. … Die Revolution ist vollzogen, wenn die Sprache geschaffen ist …“ Und dann die verräterische Passage: „Es wird überhaupt kein Denken mehr geben … Strenggläubigkeit bedeutet: nicht mehr denken – nicht mehr zu denken brauchen. Strenggläubigkeit ist Unkenntnis.“ An anderer Stelle wird Winston Smith, in der Nähe des allgegenwärtigen „big-brother-Televisors“ stehend, beschrieben: „Er hatte die ruhige optimistische Miene aufgesetzt, die zur Schau zu tragen ratsam war.“ Demonstration von Gesinnung eben!

Wir nehmen nicht an, dass Steinmeier so etwas will. Dann sollte er aber auch aufpassen mit seiner Wortwahl oder zumindest Max Webers Unterscheidung von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik zu Kenntnis nehmen. Siehe Webers Vortrag „Politik als Beruf“ (1919): Weber hält dem Gesinnungsethiker dort vor, dass er sich nur zuständig für den Erhalt der Flamme der reinen Gesinnung fühle. Angefügt sei: Nichts gegen eine solche Flamme, wenn sie denn faktengesättigt ist und eine rationale Basis hat!

Ist Steinmeiers empfohlenes Konzert auch ein Gesinnungstag?

Aber ist Steinmeiers aktuelle Wortwahl nur ein kleiner Ausrutscher? Wohl kaum, wenn man sich etwa Steinmeiers instinktloses Werben für die Auftritte unter anderem der sogenannten Musik-Bands „K.I.Z.“ und „Feine Fahne Fischfilet“ Anfang September 2018 in Chemnitz anschaut. Dort gab es „Texte“ wie die folgenden: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse“. Oder über die Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman: „Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‚Was‘n Deutscher!‘/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.“

Gehören solche „Konzerte“ auch zu dem, was der Bundespräsident mit „Gesinnungstag“ meint? Übrigens: Ich weiß von zahlreichen Bürgern, die Steinmeier in höflichen (!) Briefen dazu aufgefordert haben, sich wenigstens im Nachhinein von diesen Texten zu distanzieren. Ergebnis: Es folgte weder eine Distanzierung, noch bekamen die Verfasser der Briefe eine Antwort. Wahrscheinlich haben diese besorgten Bürger eine „falsche“ Gesinnung.

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Astrid Schulz-Evers
Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V.
Bürgermeister-Kinder-Str.9
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Kevin Kraus
06.11.2018 09.32
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] EINHEITSSCHULE / REFORMPÄDAGOGIK – Josef Kraus,
Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes:


4.11.18
Zurück zu Autorität

von Josef Kraus

Schule in Deutschland : Die Kinder müssen wieder gefordert werden

In keinem gesellschaftlichen Bereich hat sich ein ideologisch motivierter Reform-, Machbarkeits-, Gleichheits- und Beglückungswahn so schädlich ausgetobt wie in der Bildung. Dichtung und Wahrheit klaffen hier weit auseinander. Hier immer höhere Quoten an Studierenden, immer mehr 1,0-Abiturzeugnisse, immer bessere Hochschulzeugnisse usw. Und dort gigantische Wissensdefizite, immer mehr Rechtschreibfehler, nur noch rudimentäres sprachliches Ausdrucksvermögen, null Zahlenverständnis ohne Taschenrechner, kein Durchhaltevermögen usw. Defizite sind das, die von immer mehr Hochschulen und Ausbildungsbetrieben durch Nachhilfe- und Liftkurse bewältigt werden sollen.

Die offizielle Bildungspolitik samt der sie antreibenden progressiven Pädagogik versucht all dies zu kaschieren: mit Einheits-, Gesamt- und Gemeinschaftsschule, Ganztagsschule, Spaßschule, schülerzentriertem Unterricht, Schreiben nach Gehör, Digitalisierung und Laptop schon in der Grundschule und vielem anderem mehr.


Das Leistungsprinzip muß geachtet werden

Dabei wäre es so einfach, Schule gelingen zu lassen. Ein Heer an „Experten“ könnte man sich sparen. Worauf kommt es an?

1. Bildung geht nur mit Anstrengung. Wer das Leistungsprinzip diskreditiert, verweigert jungen Leuten die Chance, sich zu entfalten, und er entzieht dem Gemeinwesen, vor allem dem Sozialstaat, jegliche Basis. Kinder und Jugendliche wollen etwas leisten. Mit den regelmäßigen seltsamen Debatten um Schulstreß suggerieren wir unseren jungen Leuten, daß Anstrengungsbereitschaft, Durchhaltevermögen, (Selbst-)Disziplin, Wissensdurst und Neugier überflüssig seien. Wir müssen den Kindern und Jugendlichen aber wieder mehr zutrauen, dann dürfen wir ihnen auch wieder mehr zumuten. Zum Beispiel in einem klar strukturierten, fordernden Unterricht.

2. Noten müssen ehrliche Noten sein. Viele Zeugnisse sind zu ungedeckten Schecks geworden. Sie gaukeln den jungen Leuten vor, daß sie fit seien, obwohl sie es nicht sind. Deshalb müssen Politik, Schulverwaltung, Einzelschule und Einzellehrer dafür sorgen, daß Noten und Zeugnisse wieder aussagekräftige und nicht geschönte Bilanzen sind – notfalls auch gegen den Widerstand überehrgeiziger Kampfhubschraubereltern.

Wir brauchen ein differenziertes Schulwesen

3. Schule ist keine Einrichtung zur Herstellung von Gleichheit, sondern zur Förderung von Verschiedenheit und Individualität. Denn nichts ist so ungerecht wie die gleiche Behandlung Ungleicher. Eine einheitliche Schule schadet unseren Kindern. Mit ihrem Geleitzugtempo überfordert sie einen erheblichen Teil der Schülerschaft, und einen erheblichen Teil unterfordert sie. Einheitliche deutsche Gesamtschule hat zudem eine Geschichte durchschlagender Erfolglosigkeit hinter sich. Gesamtschüler rangieren hinsichtlich Wissen und Können um bis zu zwei Jahre hinter Realschülern, wiewohl die Gesamtschule immer privilegiert ausgestattet war. Was wir brauchen, ist ein differenziertes Schulwesen mit klaren Schulformprofilen sowie ein Bildungswesen, das Spätstartern eine vertikale Durchlässigkeit garantiert.

4. Der Mensch beginnt nicht beim Abitur. Deutschland ist immer gut gefahren mit seinen nichtgymnasialen Bildungswegen, vor allem mit der beruflichen Bildung im dualen oder im vollzeitschulischen System. Eine Pseudoakademisierung der Gesellschaft ist ein Irrweg. Deshalb muß Schluß sein mit der fixen Idee, daß man ohne Abitur keine Chance habe. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man den eklatant sich vergrößernden Fachkräftemangel anschaut. Zudem gilt: Wenn alle am Gymnasium sind, ist keiner mehr am Gymnasium, und wenn alle Abitur haben, dann hat keiner mehr Abitur.

5. Wer nichts weiß, muß alles glauben; deshalb brauchen wir Lehrpläne statt Leerpläne. Unter dem Einfluß einer hysterisierten Pisa- und Lehrplanentrümpelungs-Debatte soll es in der Schule nur noch um die Vermittlung von „Kompetenzen“ gehen. Diese gedeihen aber nur auf der substantiellen Basis fachlicher Inhalte. Wir müssen unseren jungen Leuten wieder konkretes Wissen und Können beibringen und abverlangen. Es ist dies auch eine Frage der politischen Mündigkeit. Von Schülern nur zu erwarten, daß sie über Download-, Just-in-Time- und Instant-Knowledge verfügen, gefährdet deren Entwicklung zur Mündigkeit.

Die Eltern sind in der Pflicht

6. Es gibt keine Bildungsoffensive ohne häusliche Erziehungsoffensive. Der Staat darf nicht zur Erziehungsmacht werden, weil damit Eltern entmündigt werden. Zudem ist Ganztagsschule zugleich Entschulung von Schule und Verschulung von Freizeit. Oder noch einfacher: Wenn es zu Hause nicht klappt, dann klappt es in der Schule auch nicht. Eltern stehen in der Verantwortung; das Grundgesetz sieht dies in Artikel 6 (2) vor: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“

7. Es ist das Schicksal eines Volkes, wie es seine Lehrer achtet. Die Autorität des Lehrerberufes und damit der Schulen insgesamt hat gelitten. Die Folge ist, daß Schüler die Schule oft nicht mehr ernst nehmen. Es geht aber nicht ohne Autorität, was etwas anderes ist als autoritäres Verhalten. Lehrer und Schüler können nicht Kumpel auf Augenhöhe sein.

Zum Schluß: Alle Verirrungen „progressiver“ Pädagogik gehen zu Lasten der schwächsten Schüler. Kinder bildungsbürgerlicher Herkunft bekommen die Mängel „reformierter“ Schulen durch ihre Eltern oder durch Nachhilfe oder durch Privatschulen ausgeglichen. Außerdem gilt: Einmal keine Reform, das wäre doch mal eine Reform. Auf daß sich die Schulen wieder konsolidieren können. Und schließlich sind Schüler keine Versuchskaninchen; sie haben nur eine Bildungsbiographie, mit der es verantwortungsvoll umzugehen gilt.

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/zurueck-zu-autoritaet/

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Astrid Schulz-Evers
Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V.
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24306 Plön am See

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Kevin Kraus
31.10.2018 07.12
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

(Am 31.10.18 ist Reformationstag – erstmalig ein arbeitsfreier Feiertag in SH. Zufall – daß ausgerechnet zu diesem Termin diese Forderung der Grünen in den Medien erscheint?)

Grüne fordern neuen Religionsunterricht

Imame und Rabbiner sollen künftig in den Religionsstunden der Schulen mit unterrichten, fordern die Grünen. So soll allmählich ein „Religionsunterricht für alle“ entstehen. Die Kirchen lehnen ab.

Die Grünen im Norden wollen den Religionsunterricht reformieren. Es soll ein Unterricht „für alle“ werden, gleich welcher Konfession und Religion.

Kiel

Schleswig-Holsteins Grüne wollen den Religionsunterricht in den Schulen im Norden umkrempeln. Einen entsprechenden Vorstoß hat Landtags-Fraktionschefin Eka von Kalben jetzt in der Jamaikakoalition gestartet. Das Ziel sei ein „Religionsunterricht für alle“, in dem Imame und Rabbiner verpflichtend mit unterrichten sollen.

Grüne: Klassen nicht auseinanderreißen, wenn es um Werte geht

„Wir wollen den Religionsunterricht interreligiöser machen“, sagt Eka von Kalben. Er werde dann ein Angebot an alle Schüler aller Religionen, Konfessionen und auch für Atheisten. „Denn es ist doch grundfalsch, Klassen gerade dann auseinanderzureißen, wenn im Unterricht über Werte gesprochen wird“, sagt die Grünen-Politikerin.

Grünen-Landtagsfraktionschefin Eka von Kalben will den Religionsunterricht im Land hin zu einem überkonfessionellen reformieren. Quelle: Olaf Malzahn

Bislang gibt es an Schleswig-Holsteins Schulen nur evangelischen und katholischen, dazu noch an einigen Schulen einen beide Konfessionen verbindenden Religionsunterricht. Schülerinnen und Schüler, die weder evangelisch noch katholisch sind – in Schleswig-Holstein etwa 44 Prozent –, können auf Antrag an diesem Religionsunterricht teilnehmen. Vor allem an den Grundschulen ist das häufig der Fall. Hier wird der evangelische Religionsunterricht von 88 Prozent aller Schüler besucht. Eltern – und ab 14 Jahren die Schülerinnen und Schüler selber – können aber in allen Jahrgangsstufen auch ersatzweise Philosophieunterricht wählen.

Lehrer als Moderatoren eines interreligiösen Unterrichts

Der evangelische und katholische Religionsunterricht ist bislang „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Kirchen“, zu erteilen, wie es im Schulgesetz heißt. Auch auf die Ausbildung der Lehrer haben die Kirchen entscheidenden Einfluss. Die Lehrer studieren Religion zwar als eines ihrer Unterrichtsfächer an den staatlichen Hochschulen, brauchen aber auch eine kirchliche Lehrerlaubnis. Von Kalben würde auch das gerne ändern. Denn die Religionslehrer sieht sie künftig in erster Linie als Moderatoren eines Unterrichts, der den Schülern alle Religionen im Vergleich vorstellt – also einer Art Religionskunde, bei der die eigene Konfession oder Religion der Lehrer für den Unterricht unwichtig werde.

Grüne wollen einen eigenen Islamunterricht überflüssig machen

Sollte es für eine solch weitreichende Umstellung noch keine politische Mehrheit geben, sollten die evangelischen und katholischen Religionslehrer zunächst verpflichtend Imame und Rabbiner in den Unterricht mit einbeziehen müssen, sagt von Kalben. Sie könnten einen bestimmten Anteil der Stunden gestalten. Die Religionslehrer würden auch das moderieren. Evangelische und katholische Pfarrer und Pastoren brauche es im Unterricht hingegen nicht, sagt die Grüne. „Die Rolle als Vertreter ihrer Kirche übernehmen die konfessionell ausgebildeten Religionslehrer.“ Auch ein eigener Islamunterricht an den Schulen werde damit überflüssig.

Religionsunterricht in Schleswig-Holstein

Im Schuljahr 2018/2019 gehören 140 530 der 278 826 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein der evangelischen Kirche an. Das sind 50,4 Prozent. Römisch-katholischer Konfession sind 15 388 Schülerinnen und Schüler oder 5,5 Prozent. Muslimischen Glaubens sind 21 727 Schülerinnen und Schüler oder 7,8 Prozent. Anderen Religionen gehören 34 785 Schülerinnen und Schüler an, das sind 12,5 Prozent. Keine Religionszugehörigkeit haben 66 390 Schülerinnen und Schüler, das sind 23,8 Prozent.
[...]

Wolfram Hammer


http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Nord-Gruene-fordern-einen-Religionsunterricht-fuer-alle-mit-Rabinern-und-Imamen

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Kevin Kraus
25.10.2018 13.51
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Wer mit Büchern aufwächst, hat Vorteile im Lesen, Schreiben, Rechnen
23.10.2018 [...]

Das zumindest ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die im Fachblatt „Social Science Research“ veröffentlicht wurde.

Eine Forschergruppe unter der Leitung der Soziologin Joanna Sikora von der Australian National University hat dafür 31 Länder miteinander verglichen: Das Forscherteam nutzte für die Untersuchung die Daten einer großen Umfrage, an der 160.000 Erwachsene zwischen 25 und 65 Jahren im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 teilnahmen.


Erwachsene Menschen wurden darin gefragt, wie viele Bücher sie als Teenager zu Hause hatten. Im Anschluss mussten die Versuchspersonen in einem Test ihre Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten unter Beweis stellen.

Die Wissenschaftler machten eine erstaunliche Entdeckung:

Schulabgänger, die keinen höheren Schulabschluss gemacht, aber mit vielen Büchern aufgewachsen sind, waren ebenso gut im Lesen, Schreiben und Rechnen wie Uni-Absolventen, die mit einer geringen Anzahl an Büchern aufwuchsen.


Dabei spielten die Fähigkeiten, die ihnen Eltern, Schule oder Job mitgegeben hatten, keine entscheidende Rolle.

Im Schnitt hatten die befragten Personen im Alter von 16 Jahren 115 Bücher zu Hause. Allerdings variierte die Anzahl je nach Land stark: Während Jugendliche in Estland, Norwegen, Schweden und Tschechien sogar Zugang zu über 200 Büchern hatten, waren es in Chile, Singapur und der Türkei nicht einmal 60. Deutschland liegt übrigens mit durchschnittlich 151 Büchern deutlich über dem Durchschnitt.

Es zeigte sich bei der Untersuchung der überregionale Effekt: Je mehr Bücher, desto besser die Kompetenzen!


Eine frühe Auseinandersetzung mit Büchern im Elternhaus ist wichtig, weil Bücher ein integraler Bestandteil von Routinen und Praktiken sind, die lebenslange kognitive Kompetenzen verbessern.


Joanna Sikora, Soziologin und Studienautorin

Daran ändert sich auch in Zukunft nichts, glauben Sikora und ihr Team. Obwohl in Kinderzimmern Tablets und Smartphones immer häufiger auftauchen, wird das klassische Buch nicht an Bedeutung verlieren. Die Wissenschaftlerin sagte uns:

Meine Co-Autoren und ich glauben, dass der Umgang mit gedruckten Büchern auch in Zeiten der Digitalisierung weiterhin entscheidend für die Lese- und Schreibfähigkeiten sein wird.
Joanna Sikora, Soziologin an der Australian National University

Sie warnt auch davor, dass digitale Medien gefährlich sein können: Nämlich dann, wenn wir zu viel Zeit ausschließlich mit Unterhaltung verbringen – nicht aber mit Bildung.

https://www.welt.de/kmpkt/article182097432/Wer-mit-Buechern-aufwaechst-hat-Vorteile-im-Lesen-Schreiben-Rechnen.html

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Kevin Kraus
13.10.2018 13.15
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Die Ethnien, die sich zu Hause bekriegt hatten, saßen nebeneinander, Toleranzlevel kaum vorhanden
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Berlin-Neukölln
Wie eine Schulleiterin gegen die Clan-Kriminalität kämpft

Bei einer Diskussion zur Kriminalität in Neukölln schildert Schulleiterin Astrid-Sabine Busse ihren täglichen Kampf um die Kinder der Clans.
11.10.2018, 05:57
Alexander Dinger

Schulleiterin Astrid-Sabine Busse ist für eine engere Zusammenarbeit von Schule, Polizei und Jugendamt.

Die Schule in der Köllnischen Heide an der Hänselstraße in Neukölln liegt mitten in einem Brennpunkt. Die Sonnenallee ist nur wenige Meter entfernt. Auch die Al-Nur-Moschee liegt im Einzugsgebiet der Einrichtung. 96 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund. 77 Prozent sind arabischstämmig. Viele Kinder kommen aus bekannten Großfamilien. „Wir haben Zweitklässler, die uns erklären können, wie man mit einem Bolzenschneider umgeht“, sagt Schulleiterin Astrid-Sabine Busse.

Busse, feuerrote Haare, resolutes Auftreten, hat 36 Jahre Erfahrung. Die Vorsitzende des Interessenverbandes Berliner Schulleitungen (IBS) ist seit 1982 Lehrerin und seit 1992 Schulleiterin. Wenn die Sprache auf kriminelle Clans in Neukölln kommt, wird die 60-Jährige ungehalten. „Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren“, berichtet sie bei einer Diskussionsrunde der Neuköllner SPD am Dienstagabend, zu der auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), SPD-Innenexperte Tom Schreiber, der Publizist Ralph Ghadban und der Ermittler Thomas Spaniel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) geladen sind. Die Diskussion findet in der Mensa der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg statt – direkt neben der Wohnsiedlung Gropiusstadt.

Mensa ist bis auf den letzten Platz gefüllt

Dass das Thema die Neuköllner interessiert, zeigt sich an dem großen Zuspruch. Die Mensa ist mit 200 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Publikum sitzen Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten, Staatsanwälte. Als Busse von ihrer Arbeit berichtet, ist es in dem Saal ruhig. Niemand tuschelt, alle hören zu. „Wir haben den Nachwuchs der großen Familien und der großen Namen“, berichtet Busse. Sie warne zwar davor, alle in einen Topf zu werfen, man dürfe aber nicht die Augen vor Problemen verschließen. Solche Probleme gebe es etwa, wenn sie das Gespräch mit namenhaften Großfamilien suche. „Man darf da nicht im Konjunktiv sprechen. Man muss sich Respekt erarbeiten“, sagt Busse.

Die Schulleiterin berichtet aber auch von wissbegierigen Viertklässlern, die auf sie zukommen und umarmt werden wollen, weil sie, obwohl die Familie groß ist, nicht die Zuneigung bekämen, die sie eigentlich in diesem Alter brauchen. Seit einiger Zeit beobachte sie auch die Zunahme einer „Pseudoreligiosität“. Mädchen, die im Hochsommer Kopftuch tragen, und Jungen, die ihr sagen, dass etwas „Haram“ sei, aber im gleichen Atemzug nicht wüssten, wofür das Opferfest stehe.

Busse wünscht sich eine engere Zusammenarbeit von Schule, Polizei und Jugendamt, um bei Fehlentwicklungen frühzeitig gegensteuern zu können. Unterstützung bekommt Busse dabei von Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der sich für eine bessere Vernetzung der Behörden im gesamten Bundesgebiet ausspricht und seit längerer Zeit etwa eine einheitliche Definition von Clankriminalität fordert. Neben einer besseren Vernetzung der Behörden ist für den ehemaligen Mathelehrer Hikel aber vor allem Bildung der Schlüssel, um Kindern aus bekannten Großfamilien ein Leben abseits der Kriminalität zu ermöglichen. „Wir müssen die legalen Wege attraktiv machen“, sagt Hikel.

Acht relevante arabische Clans mit mehreren Hundert Mitgliedern

Laut Martin Hikel gibt es in Neukölln acht relevante arabische Clans mit mehreren Hundert Mitgliedern, die für zahlreiche Straftaten verantwortlich gemacht werden. Hikel plädiert gegenüber diesen Familien für eine Null-Toleranz-Politik. Zu der würden etwa Schwerpunkteinsätze in Shisha-Bars, die Arbeit der Müllsheriffs, Wachschutz vor Schulen, die Arbeit der Staatsanwaltschaft vor Ort sowie eine Sonderkommission für Abrechnungsbetrug gehören. „Das klingt nach Nadelstichen. Die sind aber notwendig“, sagt Hikel. Man könne niemandem erklären, wenn junge Männer, die gerade erst den Führerschein gemacht haben, hinter dem Steuer von 120.000-Euro-Autos sitzen würden. „Der illegale Weg muss ein steiniger sein“, so Hikel.

Von steinigen Wegen kann allerdings auch Schulleiterin Busse berichten. Sie kennt die Väter, die eigentlich Sozialhilfe kassieren und sich nicht einmal das Geld für die Klassenfahrt ihrer Kinder leisten können, aber den Nachwuchs mit Luxusautos von der Schule abholen. Sie habe vor langer Zeit versucht, Kontakt mit dem Jobcenter aufzunehmen. Antwort erhielt sie nie.

Das ist eine Erfahrung, die Busse mit dem Publizisten und Islam-Experten Ghadban teilt, der das Thema seit den 70er-Jahren begleitet. Abgeschottete patriarchalische Strukturen treffen auf eine freiheitliche Gesellschaft. „Diese Parallelwelt wurde viel zu lange von der Politik ignoriert“, sagt Ghadban und bekommt dafür sehr viel Applaus.

https://www.morgenpost.de/bezirke/neukoelln/article215535181/Die-Unerschuetterliche.html
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Mehr Taten als im Vorjahr
Warum die Gewalt unter Schülern so deutlich zunimmt

Matthias Korfmann
11.10.2018 – 18:28 Uhr
Szenen, wie diese, sind an Schulen in NRW leider wieder Alltag. Die Zahl der Körperverletzungen nahm im vergangenen Jahr auf 6200 Fälle zu

Düsseldorf/Ruhrgebiet. Der Hass bahnt sich seinen Weg in die Schulen. Über 22.000 Gewaltdelikte wurden im vergangenen Jahr registriert. Eine Ursachenforschung:

Der Fall löste Bestürzung weit über Nordrhein-Westfalen hinaus aus: Im Januar 2018 sticht ein 15-jähriger Junge in einer Gesamtschule in Lünen einem 14-Jährigen ein Messer in den Hals. Das Opfer stirbt, der Täter begründet die Gewalttat damit, dass seine Mutter von dem Jungen „provozierend“ angeschaut worden sei. Solche Verbrechen sind sehr selten im schulischen Umfeld, im Jahr 2017 gab es hier in NRW zwei Tötungsdelike. Aber Gewalt insgesamt hat an Schulen wieder deutlich zugenommen. Grund genug für die Landesregierung, am Donnerstag Experten zu einem „Gipfel zu Gewalt an Schulen“ einzuladen.

Andreas Zick, Konfliktforscher an der Universität Bielefeld, ist einer dieser Experten. Der Professor geht den Ursachen der zunehmenden Schul-Gewalt auf den Grund. Die Datenbasis ist dünn, die Unlust mancher Rektoren, ihre Schule als Hort der Gewalt beschrieben zu sehen, groß. Zick hat aber eine Theorie, die etwas von den Schulen wegführt: „In einer aufgeheizten Gesellschaft darf man sich nicht wundern, dass es auch in den Schulen ruppiger zugeht“, sagte er gestern bei einem Pressetermin im Schulministerium.

Mehr Mobbing, mehr Nötigung, mehr Stigmatisierung

Auch ohne Datensatz sei zu spüren, dass in den vergangenen Jahren die Vorurteile gegenüber Migranten und Flüchtlingen zugenommen hätten. Auch in den Schulen. Mehr Mobbing, mehr Nötigung, mehr Stigmatisierung gebe es dort. In der Klasse, auf dem Schulhof, in den sozialen Medien. „Der Hass in der Gesellschaft, vor allem auf Minderheiten, bahnt sich seinen Weg in die Schulen“, warnt der Wissenschaftler.

Während Rechtspopulisten und Rechtsextreme oft direkt in den Schulen Anhänger suchten oder Opfer auswählten, wirkten Islamisten in der Regel eher vor den Schulen oder beschränkten sich darauf, ihre kruden und gefährlichen Botschaften im Internet zu verbreiten. Die Entwicklung ist aus der Sicht von Andreas Zick bedenklich, es gibt aber auch Hoffnung: Schulen, die das Thema Gewaltvorbeugung nicht scheuen, die Zivilcourage fördern, gute Sozialarbeiter beschäftigen und Opfer nicht im Stich lassen, hätten kaum Probleme.

Eigentlich waren die Schulen beim Thema Gewalt zuletzt auf einem guten Weg. Die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten sank zwischen 2010 und 2016 immer weiter. Dann aber „knickte die Kurve leider wieder nach oben“, erklärte gestern Schul-Staatssekretär Mathias Richter. Die Gewaltdelikte an Schulen nahmen im vergangenen Jahr um fast 1100 Taten auf 22.900 zu. Die Zahl der Körperverletzungen stieg von 5600 auf 6200, die der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen von 40 aus 55 Fälle. Auch bei Raubdelikten ist ein Zuwachs zu verzeichnen.

Körperliche Gewalt gegen Lehrer

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW präsentierte das Thema Gewalt gegen Lehrer im Frühjahr 2018 nach einer großen Umfrage unter Schulleitern. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Mehr als die Hälfte der Schulleitungen in NRW (55 Prozent) gaben an, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Fälle von psychischer Gewalt gab, also Fälle, bei denen die Pädagogen beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Jede dritte Schulleitung berichtete von körperlicher Gewalt gegen Lehrer.

https://www.waz.de/region/rhein-und-ruhr/die-gewalt-unter-schuelern-nimmt-deutlich-zu-id215543019.html

Astrid Schulz-Evers
Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V.
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Kevin Kraus
24.09.2018 10.57
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] Presseeinladung: Verleihung des Deutschen Sprachpreises an Josef Kraus am 28.09.2018 in Weimar

20.09.2018 10:00

Presseeinladung: Verleihung des Deutschen Sprachpreises an Josef Kraus am 28.09.2018 in Weimar

Anke Meis
DSZ – Deutsches Stiftungszentrum
Stifterverband

Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Oberstudiendirektor a.D., ist Preisträger des diesjährigen Deutschen Sprachpreises. Die Auszeichnung wird von der Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache im Stifterverband vergeben. Die feierliche Preisverleihung findet am 28. September 2018 um 18 Uhr im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar (Jenaer Straße 1, 99425 Weimar) statt. Die Laudatio wird Hellmut Seemann, Präsident der Klassik-Stiftung Weimar, übernehmen.

Josef Kraus (*1949) hat in zahlreichen Reden, Fernseh- und Rundfunkauftritten, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen und in seinen äußerst erfolgreichen Büchern die deutsche Bildungspolitik der vergangenen Jahrzehnte mit ihren großen Traditionsbrüchen und -verlusten mit umfassender Sachkenntnis schonungslos analysiert. Er wurde so zum vielbeachteten, oft gefürchteten Kritiker der für diese Politik Verantwortlichen. Dabei lag sein Hauptaugenmerk immer auf dem Medium aller Bildung, der Sprache. So kritisierte er bereits 1993 überzeugend die Rechtschreibreform, forderte immer wieder eine Ausweitung des Deutschunterrichts zur Stärkung der sprachlichen und literarischen Bildung, gründete 2005 mit Walter Krämer (dem Träger des Deutschen Sprachpreises 1999) und dem Journalisten Wolf Schneider die „Aktion Lebendiges Deutsch“, die sich gegen die zunehmende Anglisierung des Deutschen richtete. Er wandte sich mit guten Gründen gegen den Bedeutungsverlust der deutschen Sprache in den Wissenschaften, gegen die sogenannte „Gendersprache“ sowie die „Einfache Sprache“ und übte bissig-humorvolle Sprachkritik an der „lingua paedagogica correcta der Gutpädagogen“. In Josef Kraus ehrt die Henning-Kaufmann-Stiftung ganz im Sinne ihres Gründers einen großen Lehrer, Pfleger und Förderer der deutschen Sprache.

Josef Kraus war ab 1980 Gymnasiallehrer für Deutsch und Sport in Landshut, gleichzeitig Schulpsychologe und Ausbilder von Schulpsychologen für den Regierungsbezirk Niederbayern. Von 1995 bis 2015 leitete er als Oberstudiendirektor das Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium Vilsbiburg (Landkreis Landshut), von 1987 bis 2017 war er Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der Dachorganisation der Verbände der Lehrer an Gymnasien, Realschulen, beruflichen Schulen und Wirtschaftsschulen. 1991 bis 2013 gehörte er dem Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung an.

Der Preisträger schrieb u. a. die Bücher: Spaßpädagogik. Sackgassen deutscher Schulpolitik. 2. erg. Aufl. 1998; Der Pisa-Schwindel, 2005; Helikopter-Eltern. Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung, 2013; Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt. Und was Eltern jetzt wissen müssen, 2017; Sternstunden – Große Texte deutscher Sprache, 2018 (hrsg. zusammen mit Walter Krämer); 50 Jahre Umerziehung – die 68er und ihre Hinterlassenschaften, 2018.

Die Preisverleihung ist presseöffentlich. Der Preisträger Josef Kraus steht um 17.30 Uhr für Interviews zur Verfügung. Pressevertreter werden gebeten, sich hierfür vorab per Mail bei dominik.petermann@stifterverband.de anzumelden.

Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache
Die Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache wurde 1983 als Nachlassstiftung des Gymnasiallehrers und Namenforschers Dr. Henning Kaufmann (1897–1980) begründet. Die Stiftung wird vom Stifterverband treuhänderisch verwaltet. Sie will an die lange Tradition deutscher Sprachpflege und -kritik anknüpfen und im Geiste der Treue zur eigenen Sprache auf einen sorgfältigen Sprachgebrauch, ein gutes und verständliches Deutsch hinwirken. Die Stiftung verleiht jährlich den „Deutschen Sprachpreis“ für Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache.

Der Vorstand der Henning-Kaufmann-Stiftung: Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Glück (Bamberg, Sprecher des Vorstands), Patricia Conring (Weimar), Dr. Michael Knoche (Weimar), Dominik Petermann (Essen), Prof. Dr. Heinz-Günter Schmitz (Kiel), Dr. Heike Schmoll (Berlin).

Stifterverband & Deutsches Stiftungszentrum
Der Stifterverband ist die Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen, die als einzige ganzheitlich in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Innovation berät, vernetzt und fördert. Das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ) ist das Dienstleistungszentrum des Stifterverbandes für Stifter und Stiftungen. Das DSZ betreut derzeit über 660 rechtsfähige und nichtrechtsfähige Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von über drei Milliarden Euro. Für die Stiftungszwecke stehen den gemeinnützigen Stiftungen pro Jahr rund 120 Mio. Euro zur Verfügung. Seit über 60 Jahren betreut das DSZ Stifter in allen Fragen rund um die Stiftungserrichtung sowie gemeinnützige und mildtätige Stiftungen bei der Verwirklichung ihrer satzungsmäßigen Zwecke.


Für weitere Informationen:

Dominik Petermann
Stiftungsmanagement
Deutsches Stiftungszentrum im Stifterverband
Barkhovenallee 1 . 45239 Essen
T 0201 8401-187
dominik.petermann@stifterverband.de
______________________________________

Weitere Informationen:
http://www.henning-kaufmann-stiftung.de – Webseite der Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache
http://www.stifterverband.org – Website des Stifterverbandes
http://www.deutsches-stiftungszentrum.de – Website des Deutschen Stiftungszentrums (DSZ)

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Kevin Kraus
16.09.2018 17.55
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] GRUNDSCHULE / „LESEN DURCH SCHREIBEN“? – Studie: Kinder lernen Rechtschreibung am besten mit der Fibelmethode.

Datum: 10.09.2018

Die „Fibel“ führt zu besserer Rechtschreibung Studie der Uni Bonn: Psychologen verglichen die Leistungen von über 3.000 Grundschulkindern in NRW

Der „Fibelunterricht“ führt bei Grundschülern zu deutlich besseren Rechtschreibleistungen als mit den Methoden „Lesen durch Schreiben“ oder „Rechtschreibwerkstatt“.
Das haben Psychologen um Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier von der Universität Bonn in einer groß angelegten Studie herausgefunden. Der „systematische Fibelansatz“ führt schrittweise und unter Anleitung einzelne Buchstaben und Wörter ein. Die Ergebnisse werden am 17. September auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt am Main vorgetragen.

Seit etlichen Jahren machen sich viele Eltern Sorgen, weil ihre Kinder auch im dritten und vierten Schuljahr kaum die Regeln der Rechtschreibung beherrschen. „Sie fragen, ob dies auch mit der eingesetzten freien Lehrmethode zusammenhängen könnte, nach der die Kinder nur nach ihrem Gehöreindruck schreiben sollen“, berichtet Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier von der Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der Universität Bonn. Zusammen mit Mitarbeiter Tobias Kuhl hat die Wissenschaftlerin mit einem größeren Team die Rechtschreibleistungen von mehr als 3.000 Grundschulkindern aus Nordrhein-Westfalen systematisch untersucht.

Die Wissenschaftler verglichen dabei die Rechtschreibleistungen der Kinder, die mit drei unterschiedlichen Methoden das Schreiben erlernt haben. Der „systematische Fibelansatz“ führt schrittweise einzelne Buchstaben und Wörter ein. Gesprochene Wörter werden unter Anleitung in Einzellaute zerlegt und jeder Laut einem Buchstaben zugeordnet. Fibeln sind so aufgebaut, dass die Kinder die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen erlernen und einen schriftsprachlichen Grundwortschatz aufbauen. Hilfestellungen und Korrekturen durch die Lehrperson gehören dazu. Beim Ansatz „Lesen durch Schreiben“ (von Jürgen Reichen) werden Kinder angehalten, möglichst viel frei zu schreiben – das Lesen soll über das Schreiben mitgelernt werden. Korrekturen falsch geschriebener Wörter sollen unterbleiben, da so die Schreibmotivation der Kinder beeinträchtigt würde. Auch die „Rechtschreibwerkstatt“ (von Norbert Sommer-Stumpenhorst) gibt den Schülern keine feste Abfolge einzelner Lernschritte vor, sondern stellt lediglich Materialien zur Verfügung, die die Kinder selbstständig in individueller Reihenfolge und ohne zeitliche Vorgaben bearbeiten.

Die Wissenschaftler der Universität Bonn testeten die Erstklässler kurz nach der Einschulung auf ihre Vorkenntnisse und nachfolgend an fünf weiteren Terminen bis zum Ende des dritten Schuljahres mit der Hamburger Schreib-Probe. Sie erfasst als Standardverfahren die Rechtschreibleistungen von Schülern in Form eines Diktats. „Die Fibelgruppe hat sich gegenüber den beiden anderen Didaktikgruppen als überlegen erwiesen. Zu allen fünf Messzeitpunkten haben die Fibelkinder bessere Rechtschreibleistungen erbracht“, fasst der Doktorand Tobias Kuhl die Ergebnisse zusammen. So machten Kinder, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet wurden, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder. In der „Rechtschreibwerkstatt“ unterliefen den Schülern sogar 105 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkindern.

„Die Studienergebnisse weisen klar darauf hin, dass alle Kinder gleichermaßen vom Einsatz einer Fibel im Unterricht profitieren“, sagt Röhr-Sendlmeier. Die Überlegenheit des Fibelansatzes zeige sich sowohl bei Kindern mit deutscher Muttersprache als auch mit anderen früh erlernten Sprachen. Die Wissenschaftler der Universität Bonn haben ihre Studienergebnisse bereits der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin mitgeteilt. Beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt am Main werden sie die Studie am 17. September vorstellen.

Kontakt für Medien:

Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier
Institut für Psychologie
Universität Bonn
Tel. 0228/734269
E-Mail: uroehr@uni-bonn.de

Tobias Kuhl
Institut für Psychologie
Universität Bonn
Tel. 0228/734411
E-Mail: tobias.kuhl@uni-bonn.de
https://www.uni-bonn.de/neues/237-2018
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Astrid Schulz-Evers
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Kevin Kraus
13.09.2018 09.10
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] HOCHSCHULE / STUDIUM / INTEGRATION?
Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes:

Die ehrwürdige Humboldt-Universität wählt den traditionellen Islam

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/die-ehrwuerdige-humboldt-universitaet-waehlt-den-traditionellen-islam/

Von Josef Kraus
Mi, 12. September 2018

Manchmal lohnt es sich tatsächlich, „Emma“ zu lesen. Eines nämlich muss man “Emma“ lassen: Wenn es um die Benachteiligung oder gar Unterdrückung von Frauen im Islam geht, dann ist mit „Emma“ nicht zu spaßen. Das ist gut so. Nun hat „Emma“ einen skandalösen Fall aufgedeckt. Denn die ehrwürdige Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) hat für ihr Islam-Institut einen Beirat berufen. An diesem Institut sollen Imame und Religionslehrer ausgebildet werden. Und jetzt der Knüller: Der Beirat ist ausschließlich mit konservativen, scharia-orientierten Verbänden besetzt. Die Kosten des Instituts belaufen sich bis 2022 übrigens auf exakt 13,8 Millionen Euro.

Vor allem zeigt sich hier einmal mehr, was traditionalistische, ja gar reaktionäre Islamverbände an politischem und medialem Gewicht in Deutschland mittlerweile haben, wiewohl sie zum Teil nur Bruchteile von Muslimen repräsentieren. Strenggläubige Verbände sollen nun also die Ausrichtung des Islam-Instituts und die Besetzung von Professuren bestimmen. HUB und rot-rot-grüner Berliner Senat wollen jedenfalls eine Kooperation mit folgenden drei Partnern: dem „Zentralrat der Muslime in Deutschland“, der „Islamischen Föderation Berlin“ und der „Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands“ (IGS). Der „Zentralrat der Muslime“ beispielsweise vertritt weniger als ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Vorsitzender ist der gleichwohl medial omnipräsente Aiman Mazyek, der bezüglich Stellung der Frau, Umgang mit Homosexuellen usw. sehr traditionelle, scharia-orientierte Positionen vertritt. Ähnlich die „Islamische Föderation Berlin“; das ist eine lokale Ausprägung der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş“. Ähnlich auch die „Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands“ (IGS): Sie ist ein Ableger des iranischen Mullah-Regimes. Liberale Musliminnen und Muslime kommen weder im Beirat noch in diesen Verbänden vor. Ja mehr noch: Muslime, die für einen aufgeklärten Islam werben, werden von den traditionalistischen Verbänden schon auch gerne mal mit den Etiketten „Islamfeindlichkeit“ bzw. „Islamophobie“ belegt. Wütend agieren die konservativen Verbandsvertreter zum Beispiel gegen Seyran Ateş und ihre liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin.

Gegen diese einseitige Ausrichtung des Instituts bzw. des Beirats haben Studenten, vor allem Studentinnen protestiert. Sie beklagen, dass diese Verbände einen Islam vertreten, der nicht grundgesetzkonform sei. Die Studenten kritisieren deren von Ungleichheit geprägtes Frauenbild und die Pflicht der Frauen zur Verhüllung. Die „Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands“ (IGS) sei es etwa auch gewesen, die sich im Juni 2018 an dem anti-israelischen al-Quds-Tag in Berlin beteiligte und dort Parolen gegen das Existenzrecht Israels skandierte. Das schiitisch-islamische Internetportal ‚Muslim-Markt‘ lanciert permanent Boykottaufrufe gegen israelische Waren und die Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Die Studenten haben denn auch Einspruch gegen diese Machenschaften eingelegt. Aber ihr Protest war erfolglos. Das Verwaltungsgericht lehnte den Einspruch formal mit dem Argument ab: Das Veto hätte sich gegen den Akademischen Senat richten müssen.

Hier drängen sich jede Menge Parallelen zu einem aufsehenerregenden Roman des Jahres 2015 auf: Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ (französisch: „Soumission“).
[...]
Humboldt heute – Sorbonne 2022: Noch Fragen?

[vollständig bei tichyseinblick.de/]


RÜCKBLENDE:

Am 11.09.2018 um 15:45 zitierte Astrid Schulz:
Reaktionäres Islam-Institut kommt!
Der https://www.emma.de/artikel/studierende-contra-islam-institut-335929 >Protest der StudentInnen an der Humboldt-Universität Berlin war vergeblich. Das Verwaltungsgericht lehnte den Einspruch formal ab. Argument: Das Veto hätte sich gegen den Akademischen Senat richten müssen. Islamwissenschaftlerin Rita Breuer analysiert die Folgen.
11. September 2018 von Rita Breuer
https://www.emma.de/artikel/hu-berlin-reaktionaeres-islam-institut-kommt-336051

Am 29.08.2018 um 21:52 zitierte Astrid Schulz:
Studenten ziehen vor Gericht – gegen ein Institut mit reaktionären Islam-Verbänden – Einig im Widerstand gegen falsch verstandene Toleranz
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/hochschule/studenten-ziehen-gegen-das-islam-institut-vor-gericht-15758970.html

Am 17.06.2018 um 18:38 zitierte Astrid Schulz:
Antiliberaler Islam: Studenten gegen Verbände
Von Regina Mönch
-Aktualisiert am 16.06.2018-11:32
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/antiliberaler-islam-studenten-gegen-verbaende-15642004.html

Islamische Theologie in Berlin: Gründung wird absehbar scheitern
Islamische Theologie : Ein fundamentaler Irrweg
Von Regina Mönch
-Aktualisiert am 11.04.2018-16:33
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/islamische-theologie-in-berlin-gruendung-wird-absehbar-scheitern-15534489.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Astrid Schulz-Evers
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Kevin Kraus
30.08.2018 15.08
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] HOCHSCHULE / STUDIUM / INTEGRATION? – Studenten ziehen vor Gericht – gegen ein Institut mit reaktionären Islam-Verbänden

Studenten ziehen gegen das Islam-Institut vor Gericht

Islam-Institut in Berlin : Einig im Widerstand gegen falsch verstandene Toleranz

Von Hannah Bethke
-Aktualisiert am 29.08.2018-09:25

Ein Institut mit reaktionären Islam-Verbänden: Können die Studenten der Humboldt-Universität das Islam-Institut noch aufhalten?

Mit einem gerichtlichen Eilverfahren wollen Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin das Islam-Institut stoppen. Sie kritisieren die politische Ausrichtung der beteiligten Islam-Verbände.


Immer wieder für eine Überraschung gut sind die Studentenvertretungen an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die im „Refrat“ (Referent_innenrat) und „Stupa“ (Studierendenparlament) organisiert sind und regelmäßig anprangern, was Studentenvertretungen üblicherweise gerne anprangern: zu wenig studentische Rechte, zu wenig Mitbestimmung, zu wenig Freiheit – um im Gegenzug das moralisch Richtige zu fordern wie Antirassismus, radikale Partizipation, soziale Gleichheit. Wo mit einem solchen politischen Profil interreligiöse Toleranz oft sehr weit ausgelegt wird und jede Kritik unter Rassismusverdacht steht, zeigen sich die Berliner Studentenvertreter in einem Fall erstaunlich differenziert.
Hannah Bethke

Schon vor dem verkündeten Beschluss des Kuratoriums der HU nämlich, ein Institut für Islamische Theologie einzurichten, hatten sie das Verfahren als intransparent und die Zusammensetzung des Institutsbeirats, in dem drei islamische Dachverbände vereinigt sind, die nicht gerade für eine liberale Auslegung des Islams bekannt sind, als politisch einseitig kritisiert. Nach dem Beschluss der Universität folgte eine öffentliche Stellungnahme des Stupas, in der sich die Studenten gegen die Einrichtung des Islam-Instituts in seiner jetzigen Form aussprachen: „Ein Institut, an dessen Gründung reaktionär-konservative Islamverbände beteiligt sind, in diesem Falle sogar ausschließlich, ist inakzeptabel.“ Dies sei mit dem Leitbild der Universität, das die Gleichstellung von Männern und Frauen vorsehe und sich gegen jede Form von Diskriminierung wende, nicht vereinbar.

Dabei aber beließen es die Studentenvertreter nicht. Inzwischen gehen sie auch gerichtlich gegen die Hochschule vor. Die Begründung: Beim Beschluss zur Etablierung des Islam-Instituts im Akademischen Senat sei das „suspensive Gruppenveto“ der Studentenvertretung übergangen worden. Laut Paragraph 41 der HU-Verfassung steht das Veto jeder Statusgruppe in einem Gremium „mit Entscheidungsbefugnis in Angelegenheiten der Forschung, der künstlerischen Entwicklungsvorhaben, der Lehre und der Berufung von Professorinnen und Professoren“ zu; wird es geltend gemacht, so schreibt es die Verfassung vor, „muss über die Angelegenheit erneut beraten werden“.

Die Universität streitet die Vorwürfe ab

Per Eilverfahren am Berliner Verwaltungsgericht soll der Vorgang nun geprüft werden; nach Auskunft des Gerichts ist noch im kommenden Monat mit einer Entscheidung zu rechnen. Besteht für die Studenten Grund zur Hoffnung, die Durchsetzung des Islam-Instituts in seiner jetzigen Gestalt aufhalten zu können? Überraschend einig votierten die Studenten gegen das Institut: Im Stupa, das so unterschiedliche Listen wie den RCDS und die Linke Liste vereinigt, habe es keine einzige Gegenstimme gegeben, berichtet João Fidalgo, studentischer Vorsitzender der Kommission Lehre und Studium. Der Position schloss sich auch der Refrat an, der wiederum selbst in der Kritik steht, weil manche Referenten es mit der demokratischen Praxis in ihren eigenen Ämtern nicht so genau nehmen, wie es diejenigen von ihnen erwarten, die sie vertreten: eben die Studenten. Das wurde auch der Hochschule zu bunt, die ihrerseits Klage gegen die Studentenvertretung eingereicht hat – knapp einen Monat nachdem die Studenten das Eilverfahren gegen das Islam-Institut auf den Weg gebracht haben. Auch in den sozialen Netzwerken regt sich studentischer Widerstand. „HU gegen Studis“ lautet der Hashtag, unter dem seit einigen Tagen „Erfahrungen zum Umgang der HU mit den eigenen Studis“ gesammelt werden.

Die Universitätsleitung zeigt sich davon unbeeindruckt. „Das Veto greift hier nicht“, meint Hans-Christoph Keller, Pressesprecher der HU. Aus Sicht der Universität handelt es bei dem Vorgang um eine Beschlussempfehlung des Akademischen Senats an das Kuratorium und nicht um einen fertigen Beschluss. Weil das Kuratorium darüber entscheide und nicht der Akademische Senat, sei das Gruppenveto nicht wirksam. João Fidalgo kann sich darüber nur wundern: Das sei eine ganz neue Interpretation. Schon häufiger habe es im Akademischen Senat Vetos gegeben, die sich gegen vorgeschlagene Beschlüsse richteten, ohne dass dies beanstandet worden sei. Nach Meinung der Studenten, die sich anwaltlich vertreten lassen, greift das Gruppenveto auch bei Vorschlägen.

Dass ihre Bedenken ernst genommen und „ausführlich reflektiert“ worden seien, wie die Universität angibt, kann Fidalgo nicht erkennen. „Es ist nicht so, dass wir Islam an der Hochschule grundsätzlich ablehnen“, sagt er. Es gehe vielmehr um die Konstruktion des Instituts, die noch immer hochproblematisch sei. Ihrer Forderung, liberale Verbände in die Kooperation aufzunehmen, sei die Universität nicht nachgekommen. „Es ist deshalb nicht sichergestellt, dass dieses Institut nicht zur Spielwiese für konservative Kräfte wird“, sagt Fidalgo. Klar ist jedenfalls, dass schnell entschieden werden muss – sonst steht das Islam-Institut bald unwiderruflich.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/hochschule/studenten-ziehen-gegen-das-islam-institut-vor-gericht-15758970.html

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28.08.2018 15.33
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[SHEV] LEHRERMANGEL / INTEGRATION? – In der Schöneberger Teltow-Grundschule stand zum neuen Schuljahr nur noch Islamunterricht auf dem Stundenplan ...


27. August 2018

Teltow-Schule unterrichtet nur Islamkunde

Religionsunterricht in Berlin nur bei ausreichend Interesse

In der Schöneberger Teltow-Grundschule stand zum neuen Schuljahr nur noch Islamunterricht auf dem Stundenplan

In einer Teltower Grundschule steht als Religionsunterricht nur Islamkunde zur Verfügung, kein christlicher Unterricht. Gründe sind unter anderem zu kleine Interessengruppen und zu wenig Lehrkräfte.


Die Berliner Landeskirche hat das Fehlen evangelischen Religionsunterrichts an einer Schöneberger Grundschule bedauert und dies mit fehlendem Interesse auf Schülerseite begründet. „Sehr gerne würden wir überall dort Religionsunterricht anbieten, wo es gewünscht ist“, sagte die Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Heike Krohn-Bräuer, am Montag auf epd-Anfrage. In der betreffenden Teltow-Grundschule sei die durchschnittliche Größe der Lerngruppen allerdings zu klein. Berlinweit werde an rund 70 Prozent aller Schulen Religionsunterricht angeboten.

In der Schöneberger Teltow-Grundschule stand zum neuen Schuljahr nur noch Islamunterricht auf dem Stundenplan – und kein evangelischer Religionsunterricht, wie es Eltern und Schüler gewünscht hatten. Ein Vater wandte sich an B.Z.: „Ich bin eigentlich für die Trennung von Staat und Kirche, also auch von Staat und Moschee“, sagt der Mann. „Aber wenn in einer normalen Grundschule nur noch Islamunterricht, doch kein Religionsunterricht mehr angeboten wird, läuft etwas schief im christlichen Abendland.“

Religionsunterricht im Rahmen der Möglichkeiten


Die Sprecherin der evangelischen Landeskirche betonte, mit den Mitteln der Mitglieder müsse verantwortlich umgegangen werden. Daher könne Religionsunterricht nur im Rahmen der entsprechenden Möglichkeiten angeboten werden. Die Personalkosten für die Religionslehrer würden zu 90 Prozent vom Land Berlin refinanziert, den Rest zahlt die Kirche. Die Mindestgruppengröße für das Angebot beträgt den Angaben zufolge acht Schüler.

Allerdings biete die Landeskirche in Schulen, in denen kein Religionsunterricht angeboten werden kann, ein alternatives Projekt. Dieses Projekt mit dem Titel „Kinder begegnen Religion“ gebe es auch an der Teltow-Grundschule für die vierte und fünfte Klasse. Es handelt es dabei um einen einwöchigen Projektunterricht. In diesem Rahmen würden unter anderem Kirchen, Synagogen und andere Gotteshäuser besucht, sagte Krohn-Bräuer.

Zahl der Interessierten steigt


Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erteilen aktuell rund 500 Religionslehrer entsprechenden Unterricht. Auch für die Zukunft zeichne sich ab, dass unter Umständen nicht alle interessierten Schüler Religionsunterricht erhalten können, hieß es. Seit 2012 ist die Zahl der Teilnehmer Jahr für Jahr leicht gestiegen.

Im Oktober 2017 gab es allerdings mit 77.635 Schülern einen Rückgang um 2400. Die Teilnehmerquote ging von 23,1 auf 22,1 Prozent zurück. Für das aktuelle Schuljahr würden die Teilnehmerzahlen als stabil eingeschätzt.

https://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/religionsunterricht-in-berlin-nur-bei-ausreichend-interesse


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Kevin Kraus
24.08.2018 05.57
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[SHEV] INTEGRATION? – Der Verfassungsschutz ist alarmiert: Indoktrination von Kleinkindern ...


Bundesamt für Verfassungsschutz
[Auszug:]

Die allgemeine sprachliche Abgrenzung zwischen „In-“ und „Out-Group“ bringt eine Degradierung anderer, nicht jihadistischer Menschen sowie allgemeingesellschaftlicher Institutionen zum Ausdruck. Beispielhaft kann hier die offene, bewusste Missachtung von Regeln in der Schule oder dem Staat als Ganzem genannt werden. Lehrerinnen werden nicht ernst genommen, Anwesenheit in der Schule spielt eine untergeordnete Rolle. Aber auch der Vater, der zwischen der „Kuffar“-Schule (arabisch für „Ungläubige“ oder „Gottlose“) und der „normalen“ Schule unterscheidet, ist ein Beispiel für die sprachliche Abgrenzung der zwei Gruppen. Mit „normaler“ Schule meint dieser Vater wahrscheinlich eine Einrichtung in der zugehörigen einschlägigen Moschee.

Um möglichst früh eingreifen und Schäden – sowohl von den Minderjährigen als auch von der Gesellschaft – abwenden zu können, müssen Sicherheits- und Nicht-Sicherheitsbehörden sowie zivilgesellschaftliche Träger informiert und sensibilisiert werden. Dies gilt unter anderem für Schulen, Jugendämter oder Sportvereine.

Bundesamt für Verfassungsschutz
https://www.verfassungsschutz.de/de/aktuelles/schlaglicht/schlaglicht-2018-06-jihadistische-sozialisation
________________________________________

Dazu: Kieler Nachrichten

Indoktrination von Kleinkindern – Kölnerin verkauft Kinderpuppen im Salafisten-Look

19:34 23.08.2018
Statt mit Barbie und Ken spielen einige Kleinkinder in Deutschland womöglich mit Puppen, die mit Vollverschleierung und ihrem Namen an Salafisten erinnern. Der Verfassungsschutz ist alarmiert: Die Produkte könnten ein Einstieg in die extremistische Ideologie sein...

http://www.kn-online.de/Nachrichten/Politik/Koelnerin-vertreibt-Kinderpuppen-im-Salafisten-Look

--
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Kevin Kraus
21.08.2018 12.19
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[SHEV] LEHRERMANGEL... hausgemacht? – Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes:

Am 20. August beginnt dort das neue Schuljahr

Berlin: Von Politik und Verwaltung alleingelassen, quittiert Schulleiterin den Dienst

tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/berlin-von-politik-und-verwaltung-alleingelassen-quittiert-schulleiterin-den-dienst/

Von Josef Kraus

So, 19. August 2018

Wer auf die Webseite der Spreewald-Grundschule im Norden des Berliner Bezirks Schöneberg geht, findet dort eine Traumvision von Schule vor. Unter „Aktuelles“ (Aufruf vom 18. August) ist dort zwar nichts zu lesen. Dazu später! Aber sonst? Alles „easy“: „Herzlich willkommen an unsrer lebendigen Schule“, steht dort, und dann unter anderem: „Wir freuen uns sehr, dass Sie sich für unsere Schule interessieren. Seien Sie gespannt auf Berichte und Fotos von den vielen Aktivitäten, die es bei uns gibt. Falls Sie im Moment überlegen, auf welche Schule Ihr Kind demnächst gehen sollte, besuchen Sie uns und hospitieren in der Schulanfangsphase … Die Spreewald-Grundschule bietet neben dem gebundenen Ganztagsbetrieb (kostenfrei bis 16 Uhr) wahlweise auch einen offenen Ganztag an (Schulschluss um 14.30 Uhr)!“ Und weiter ist die Rede von „einem modernisierten Schulgebäude mit einem speziellen Theaterraum und einem futuristischen Freizeithaus mit Sporthalle.“ Dazu: „Unser Schulhof ist einzigartig in Berlin: viel Grün, tolle Spiel – und Sportgeräte … Kein Kind darf zu kurz kommen – das ist unser Ziel! Ein gutes Schulklima ist Voraussetzung für gutes Lernen. Deshalb ist es uns wichtig, dass es an unserer Schule friedlich zugeht. Gewalt dulden wir nicht … Die Schule wird gefördert im Rahmen des eEducation Berlin Masterplan.“

Forscht man im Netz weiter, stößt man auf folgende Schuldaten: Es gibt rund 300 Schüler in den Klassenstufen 2 bis 6, davon 81 Prozent NDHs (nichtdeutscher Herkunftssprache). Vor zwanzig Jahren waren es 50 Prozent. Und: Mehr als 95 Prozent der Eltern leben von Transferleistungen. Ferner: Die Schule hatte zuletzt 83 Prozent Unterrichtsversorgung. Unter den Lehrern (zu mehr als 80 Prozent Lehrerinnen) sind nur 50 Prozent gelernte Lehrer.

Nun, so ganz außergewöhnlich ist all dies nicht für Berlin. Jetzt aber das doch Spektakuläre: Die dort seit 2014 tätige Schulleiterin Doris Unzeitig hat gekündigt und geht zurück in den Schuldienst nach Österreich. Sie begründete dies mit mangelnder Unterstützung durch die Schulaufsicht. Am Engagement der Rektorin wird es nicht gefehlt haben, sie wirkt in ihren Aussagen markant und auf den Bildern resolut. „Meine Kräfte reichen nicht aus, um eine nachhaltige Änderung der Arbeitsbedingungen der Lehrer und der Lernbedingungen der Schüler zu bewirken“, sagte Unzeitig dem Tagesspiegel.

Zugespitzt hatte sich die Lage, als auf dem Schulgelände ein akutes Drogenproblem auftrat. Rektorin Unzeitig hatte stets auf die Probleme hingewiesen. Sogar einen Wachschutz hatte sie angefordert, ihn aber erst nach monatelangen Auseinandersetzungen bekommen. Die Schule ist zudem höchst renovierungsbedürftig. Der Hort und die Mensa sind nicht nutzbar, weil ein Fluchtweg fehlt. Zudem erhielt Unzeitig soeben aus dem Schulamt die Mitteilung, dass der Wachschutz zwar wieder seinen Dienst aufnehmen dürfe, aber erst mal nur bis zu den Herbstferien. Und das in einer Situation, die die Schüler extrem gefährden könnte. Denn in den Sommerferien haben sich Obdachlose auf bzw. in der Nähe der Schule angesiedelt. Ein Drogensüchtiger soll sich auf dem Schulhof einen Schuss gesetzt haben. Auf dem Schulhof werden Drogenverstecke vermutet. Diese Probleme zu lösen ist freilich nicht die einzige Aufgabe der Wachleute. Sie sollen auch innerhalb der Schule patrouillieren und Schüler zur Ordnung zu rufen. Zum Beispiel gab es Gewalttaten und Mobbing sowie körperliche Übergriffe auch auf Lehrer sowie auf dem Schulhof heftige Streitereien von Eltern untereinander. Es kam im Frühsommer schon mal vor, dass sich die Schulleiterin mit Mitarbeitern und Kindern bis zum Abend im Schulgebäude einschließen musste, weil ein gewalttätiger Übergriff durch einen Vater zu befürchten stand.

Das ist Schule mitten in Deutschland, mitten in Deutschlands Hauptstadt, recht exakt drei Kilometer von Kanzleramt und Reichstag entfernt. Die Sorge, dass es in solchen Schulen fast nur noch um sozialtherapeutische Bändigung von Schülern, aber kaum noch um Wissensvermittlung geht, liegt nahe. Mal sehen, wann die Kanzlerin – wie sie dies 2008 erstmals tat – den nächsten Bildungsgipfel einberuft und Deutschland erneut zur Bildungsrepublik ausruft. Vielleicht sollte sie diesen „Gipfel“ an der Spreewald-Schule veranstalten, damit sie den Zustand der „Bildungsrepublik“ nicht nur aus dem Raumschiff Kanzleramt anschauen muss.
______________________________________

Josef Kraus war Oberstudiendirektor, Präsident des deutschen Lehrerverbands, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und als „Titan der Bildungspolitik“ bezeichnet. Er hat Bestseller zu Bildungsthemen verfasst und sein jüngstes Werk Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt erhalten Sie in unserem Shop: http://www.tichyseinblick.shop

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/berlin-von-politik-und-verwaltung-alleingelassen-quittiert-schulleiterin-den-dienst/


Astrid Schulz-Evers
Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V.
Bürgermeister-Kinder-Str.9
24306 Plön am See

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Kevin Kraus
05.08.2018 05.06
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

[SHEV] RECHTSCHREIBREFORM wird 20 Jahre „alt“ ... Sprachwissenschaftler Dr. Jan Henrik Holst:

Das Beste wäre eine komplette Abschaffung der Reform. Das sollte nicht jenseits vom Vorstellungsvermögen sein. Die Sommerzeit wurde in Großbritannien wieder abgeschafft, und die EU erwägt dies ebenfalls, das „Gendern“ der Sprache ist in Frankreich per Académie française abgeschafft (vgl. Bericht in DSW 70, S. 6), G8 in Gymnasien ist vielerorts wieder zu G9 gemacht. Unsere Sprache ist wichtig, wir müssen etwas für sie tun.

[Stark gekürzte Fassung des profunden Artikels in „Tichys Einblick“!]

STAATLICH VERORDNETE LEGASTHENIE

Über das Problem Rechtschreibreform sind in der breiteren Öffentlichkeit bis heute zu wenige Informationen bekannt. Zeit, den 1. August als Anlass zu nehmen, um über einige Hintergründe zu berichten.


Der 1. August: Schicksalstag der Rechtschreibung

tichyseinblick.de/meinungen/der-1-august-schicksalstag-der-rechtschreibung/
Von Jan Henrik Holst
Mi, 1. August 2018

Es gibt Tage, die gleich auf mehrere Arten in der deutschen Geschichte eine Rolle spielten. Der 9. November ist ein Beispiel (1918, 1938, 1989), vgl. auch Wikipedia.

Der 1. August ist wiederholt in die Geschichte der deutschen Sprache verwoben, und zwar im Zusammenhang mit der Rechtschreibreform. Das hängt unter anderem mit dem formalen Beginn der Schuljahre zusammen. Der offizielle Beginn für die Rechtschreibreform war am 1.8.1998; die Politik wollte die Reform aber schon zuvor in den Schulen durchdrücken und tat dies in zehn Bundesländern ab 1.8.1996, als anderswo noch überhaupt kein Reformschrieb angewendet wurde. Der 1.8.1998 wurde dann als Starttermin von der Presse verschlafen; die Nachrichtenagenturen und viele Zeitungen stellten erst am 1.8.1999 um. Dann aber stiegen wieder Zeitungen aus der Reform aus, so die FAZ am 1.8.2000. Nach einer größeren Krise der Reform, bei der zahlreiche Zeitungen zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt waren (darunter die von Springer), war der 1.8.2005 ein Tag ihrer Wiedereinführung. Weitere erste Auguste spielten eine Rolle in der wirren Geschichte der Reformiererei.

Eine Geschichte der Reform wurde 2016 veröffentlicht in der Zeitung „Deutsche Sprachwelt“ (DSW): Thomas Paulwitz: „Irrungen und Wirrungen: Ein Rückblick auf die Rechtschreibreform“, Teil 1 in DSW 65, Herbst 2016, S. 3, Teil 2 in DSW 66, Winter 2016 / 2017, S. 4. Die Pläne waren bis Dezember 1994 geheimgehalten worden (Paulwitz, DSW 65, S. 3); ab dann beginnt die Geschichte.

Schon das Sprechen von „der“ Rechtschreibreform ist vereinfachend, denn es gab teilweise Zurücknahmen, Weiterreformierereien, Alternativenzulassungen, Protestbewegungen von Germanisten, Schriftstellern, Eltern und anderen, eine Volksabstimmung in Schleswig-Holstein und das Ignorieren deren Ergebnisses, Gerichtsentscheide und vieles mehr; die Sache legte einen chaotischen Weg zurück. Es gibt viele Gründe, die Rechtschreibreform abzulehnen.

1. Zunächst sei im Vorübergehen erwähnt, dass man dies tun kann, weil man emotional an die alte Schreibung gebunden ist. An Liebgewonnenem festzuhalten, ist in der Demokratie ein legitimes Anliegen. Es gibt jedoch auch handfestere Gründe.

2. Es lagen sehr undemokratische und unfaire Umstände bei der Einführung der Reform vor; sie wurde durchgedrückt wie der Euro. So unterzeichneten z. B. am 1. Juli 1996 Staatsvertreter eine „Gemeinsame Absichtserklärung“ zur Neuregelung der Orthographie, und nur einen Tag später erschien ein neues Wörterbuch des Verlags Bertelsmann. Da man ein Buch nicht über Nacht schreiben kann, war das natürlich nur durch Querverbindungen (so wollen wir es mal nennen) zwischen Politik und Wirtschaft möglich. Paulwitz, DSW 65, S. 3, berichtet, dass bei der „Absichtserklärung“ ein starker Druck zum Unterzeichnen herrschte, „weil Bertelsmann schon gedruckt hatte“. Wer an der Reform verdiente, und wer bezahlen durfte, ist kein irrelevantes Thema.

3. Zudem herrscht seitdem Uneinheitlichkeit in der Rechtschreibung. Die Einheitlichkeit im Schrifttum ist abgebrochen.

4. Wirklich ernst sind die Probleme mit dem Funktionieren der Sprache seit der Reform. Darauf liegt im folgenden der Schwerpunkt.

Die Bereiche der Rechtschreibreform

[...]

Rechtschreibreformen und undemokratische Systeme

Eine Untersuchung der Rechtschreibgeschichte der Länder der Welt zeigt: Es gibt einen Zusammenhang von Rechtschreibreformen zu Diktaturen und unfreien Systemen.
In Rumänien beispielsweise führten die Kommunisten nach ihrer Machtergreifung eine Rechtschreibreform an der rumänischen Sprache durch. Die Sowjetunion machte nach der Oktoberrevolution ebenfalls eine. In Japan wurde von der Besatzungsmacht USA die Zahl der Kanji (bestimmter Schriftzeichentyp) auf 1850 beschränkt, was eine Art Morgenthau-Plan für die japanische Sprache darstellte; später wurde wieder mehr Zeichen zugelassen. Rot-China führte unter Mao ebenfalls eine Zeichenreform durch, die übrigens Taiwan nicht mitmachte, wodurch sich die Insel bis heute vom Festland unterscheidet. In Südamerika führte eine Diktatur eine Rechtschreibreform am Spanischen durch, wodurch sie zum Gespött der umliegenden Staaten wurde.

In Fall der deutschen Sprache ist die geplante Rechtschreibreform der Nazis relevant. Sie wurde von Hitler als „nicht kriegswichtig“ eingestuft und daher gestoppt; eine Million bereits gedruckter Bücher mußte wieder eingestampft werden. Der Reichserziehungsminister Rust war mit dieser Reform beauftragt gewesen. Sie zeigt obendrein auffällige inhaltliche Übereinstimmungen mit der jetzigen Rechtschreibreform. Rust wollte z. B. aus „potentiell“ und „national“ „potenziell“ und „nazional“ machen. Heute haben wir „potenziell“ und „national“. Der Entwurf von 1941 sieht außerdem vor, „für stimmloses s nach kurzem Vokal im Inlaut und Auslaut ss, nach langem Vokal ß zu schreiben, z. B. Fluss, Flüsse, Fuß, Füße, miß- wird mit ss, nis wie bisher geschrieben.“ (zitiert nach Hanno Birken-Bertsch / Reinhard Markner: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus, S. 54). Dies ist verblüffenderweise exakt das, was jetzt umgesetzt ist.

[...]

Reformen und Rechtschreibreformen

Reformen in Deutschland haben es oft so an sich, daß hinterher die Lage schlechter ist als vorher. Es ist so weit gekommen, daß einem bei dem Wort „Reform“ reflexartig der Angstschweiß auf der Stirn erscheinen kann...


Auch heute setzen sich zahlreiche Menschen mit der Rechtschreibreform (und mit anderen Aspekten der deutschen Sprache) auseinander. Erwähnt sei die Internet-Plattform „Schrift und Rede“. Nochmals hinzuweisen ist auf die vierteljährlich erscheinende Zeitung „Deutsche Sprachwelt“ (DSW). Zudem existieren Bücher wie z. B. die Klassiker von Theodor Ickler oder auch Uwe Grund: „Orthographische Regelwerke im Praxistest – Schulische Rechtschreibleistungen vor und nach der Rechtschreibreform“. Eine Stellungnahme meiner Person von 2005 ist im Internet hier lesbar.

Am 19. Oktober 2016 wurde von zahlreichen Prominenten die „Frankfurter Erklärung“ unterzeichnet, die mögliche Wege einer Lösung aufzeigen will und fordert, daß Schreibweisen nach der alten Rechtschreibung nicht als „falsch“ gelten dürfen (DSW 66, S. 4).


[...] Günter Grass und viele andere Schriftsteller haben verfügt, daß ihre Werke nur in der Rechtschreibung erscheinen sollen, in der sie geschrieben sind.

Als Roman Herzog Bundespräsident war, sagte er, die Rechtschreibreform sei „unnötig wie ein Kropf“.
Die Reform ist aber nicht nur unnötig, sondern in großen Teilen sogar schädlich – was ein Unterschied ist. Die oben ausgeführten Punkte zeigen: Das Thema Rechtschreibreform ist nicht durch und wird es aufgrund der schlechten Qualität der Reform auch nie sein, solange die Reform existiert.

Die Einsicht ist bei manchen Verantwortlichen schon seit langem vorhanden:– Hans Zehetmair, bayrischer Kultusminister: „Aus heutiger Sicht und noch deutlicherer Kenntnis der deutschen Wesensart würde ich die Sache heute ganz zum Scheitern bringen. Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen.“ (Passauer neue Presse, 2003.)– Johanna Wanka, Präsidentin der Kultusministerkonferenz: „Die Kultusminister wissen längst, daß die Reform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“ (Der Spiegel, 2006.) Der Amtseid besagt aber, daß Schaden vom deutschen Volk abzuwenden ist. Man muß also für eine Umkehr bereit sein.

[...]

Was das Motiv angeht, Ausländern den Zugang zur deutschen Sprache zu erleichtern: Dies ist nicht gelungen. Die deutsche Sprache hat nun mal eine gewisse Schwierigkeit, sie gehört aber zu unserer Kultur und ist, wird sie gut angewendet, von einer außerordentlichen Leistungsfähigkeit. Der Weg muß der sein, daß die Ausländer sich der Sprache und Schreibung anpassen, nicht umgekehrt. Ein Deutscher kann auch nicht erwarten, wenn er in den Iran, nach Großbritannien oder nach Thailand auswandert (drei Länder mit nicht ganz einfacher Rechtschreibung), daß aufgrund seiner etwaigen Schwierigkeiten die Orthographie geändert wird.


Hoffentlich entwickelt sich in Deutschland ein Mut zum Weg zurück. Die Frage stellt sich, ob sich Parteien oder Politiker finden, die den Handlungsbedarf erkennen. Das Beste wäre eine komplette Abschaffung der Reform. Das sollte nicht jenseits vom Vorstellungsvermögen sein. Die Sommerzeit wurde in Großbritannien wieder abgeschafft, und die EU erwägt dies ebenfalls, das „Gendern“ der Sprache ist in Frankreich per Académie française abgeschafft (vgl. Bericht in DSW 70, S. 6), G8 in Gymnasien ist vielerorts wieder zu G9 gemacht. Unsere Sprache ist wichtig, wir müssen etwas für sie tun.

Jan Henrik Holst (* 1969) ist ein Sprachwissenschaftler aus Schleswig-Holstein. Er veröffentlicht zu verschiedensten Sprachen der Erde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Henrik_Holst

https://www.tichyseinblick.de/autoren/jan-henrik-holst/

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Kevin Kraus
02.08.2018 13.46
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[SHEV] RECHTSCHREIBREFORM wird 20 Jahre „alt“ ... Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes:

Für Reiner Kunze, einen der größten lebenden deutschen Lyriker, war die Rechtschreibreform ein Beispiel von Machtarroganz und Skrupellosigkeit; man habe dem Sachargument keinerlei Chance gelassen.


20 Jahre Rechtschreibung – 20 Jahre Schlechtschreibung*

tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/20-jahre-rechtschreibung-20-jahre-schlechtschreibung/

Von Josef Kraus

Mi, 1. August 2018

Den „Achtundsechzigern“ galt sie als Herrschafts- und Selektionsinstrument, dem der Garaus zu machen sei. Gemeint ist die Rechtschreibung. Eine Spätfolge dieses furiosen Eifers ist die Reform der Rechtschreibung: Seit 1. August 1998 ist sie für Ämter und Behörden verbindlich. Zum 1. August 1999 stellten die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen und die meisten Zeitungen auf die neue Schreibung um. Nur die FAZ machte „Zicken“: Sie kehrte am 1. August 2000 zur klassischen Schreibung zurück. Aber auch sonst gab es Widerstände und Proteste zuhauf. Mit dem August 2004 kündigen der Axel-Springer-Verlag, der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung an, zur bewährten Rechtschreibung zurückzukehren. „Spiegel“ und „Süddeutsche“ vollzogen ihren Plan allerdings nie.

Am 17. Dezember 2004 konstituierte sich unter Vorsitz des vormaligen bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) der 40-köpfige Rat für deutsche Rechtschreibung. Zehetmair stand dem Rat bis Ende 2016 vor. Der „Rat“ sollte die Entwicklung der Rechtschreibung in der Praxis beobachten und Empfehlungen zu besonders strittigen Punkten erarbeiten. Zehetmair selbst hatte wohl auf andere Ziele gesetzt, denn in der Passauer Neuen Presse vom 30. April 2003 hat er erklärt: „Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen.“

Immer noch mehr Verwirrung

Gleichwohl modifizierte der Rat die neuen Regeln mehrfach, wodurch zusätzliche Verwirrung entstand. Zum Beispiel plädierte er am 8. April 2005 dafür, die Reform teilweise rückgängig zu machen; es sollten wieder mehr Verben zusammengeschrieben werden, es sollten keine Abtrennung von Einzelbuchstaben mehr (also nicht mehr E-sel, A-bend) und auch keine sinnentstellende Trennung mehr stattfinden (also nicht mehr Urin-stinkt, Anal-phabet); das ck jedoch sollte als Ganzes erhalten bleiben und nicht in k-k getrennt werden. Die in weiten Kreisen der Bevölkerung als unhöflich empfundene Schreibung „du/dein….“ statt „Du/Dein…“ wollte man zunächst nicht zurücknehmen, um sie später immerhin wieder zu „erlauben“. Unsystematisch blieb auch die e/ä-Schreibung. ä statt e haben die Reformer nur bei 14 Wörtern ersetzt, etwa bei behände, Gämse, Schlägel, schnäuzen, nicht aber bei Eltern, die sich getreu dem Stammvokal bzw. dessen Umlautung eigentlich Ältern schreiben müssten.

Ab 1. August 2006 praktizierten die Springer-Zeitungen wieder die Reformschreibung (mit Hausorthographie). Am 1. Januar 2007 schloß sich die FAZ an – alle Redaktionen übrigens mit eigener Hausorthographie. Der Rechtschreibrat** blieb weiter tätig. Im Jahr 2010 erklärte er, dass sich die sog. Volksetymologien belämmert, einbläuen, Tollpatsch, Quäntchen usw. sowie die Variantenschreibungen Butike, Fassette, Kabrio, Katarr, Kupee, Maffia, Maläse, Sketsch nicht durchgesetzt hätten und deshalb gestrichen werden sollten. Was nun wirklich gilt, weiß keiner mehr.

Rechtschreibfrieden ist nicht eingekehrt. Laut Meinungsforschungsinstitut Allensbach war es über die Jahre hinweg konstant immer nur rund ein Zehntel der Bevölkerung, das für die Rechtschreibreform war: 10 Prozent im Jahr 1997, 13 Prozent 2000, 10 Prozent 2002, 8 Prozent 2005, 9 Prozent 2008. Eine Online-Umfrage des Bayerischen Rundfunks ergab am 30. Juli 2015 auf die Frage „War die Rechtschreibreform nötig?“ ein Nein bei 89,1 Prozent. Einmal mehr zeigte und zeigt sich, wie sehr so manche Politik sich von der Bevölkerung entfernt hat. Politik und ein Experten(un)wesen haben sich arrogant und ignorant durchgesetzt. Ein „obrigkeitlicher Gewaltakt“ sei dies gewesen, so die renommierte Bildungsjournalistin Heike Schmoll in der FAZ vom 1. August 2015. Für Reiner Kunze, einen der größten lebenden deutschen Lyriker, war die Rechtschreibreform ein Beispiel von Machtarroganz und Skrupellosigkeit; man habe dem Sachargument keinerlei Chance gelassen (Reiner Kunze in der Welt vom 1. März 2009).

Die Schwindelei und Tricks der Reformer

Von Anbeginn an wurde getrickst und geflunkert. Zum Beispiel wurde behauptet, dass durch die Reform mehr Übersichtlichkeit erfolge, indem aus bislang 212 Rechtschreibregeln nunmehr 112 Regeln, in Sonderheit aus 52 Regeln zur Kommasetzung 9 Regeln wurden. Das ist aber nur ein Numerierungstrick. Beispiel: Der Paragraph 77 der Neuregelung (Komma bei Appositionen) enthält sieben Unterregeln, in denen elf bisherige Duden-Regeln eingearbeitet sind. Der Umfang des Regelwerkes hat sich also keineswegs reduziert.

Reformschwindel Nummer 1 aber war: Die Schüler würden mit der neuen Schreibung weniger Fehler machen. Falsch! Hochtrabende Schätzungen von Prozentanteilen vermiedener Fehler stellten sich als völlig unsinnig heraus. Diesen Prognosen zufolge sollten nach der Reform zwischen 40 und 70 Prozent der Fehler weniger gemacht werden. Faktum ist: Falls es überhaupt zu einer Verringerung der Fehler kam, dann hat das mit dem Prinzip „Beliebigkeit“ zu tun. Beliebigkeit heißt: Wenn ich ein Komma setzen kann, aber nicht muss, dann passieren hier eben weniger Fehler. Keineswegs verbessert hat sich bei Schülern die s-Schreibung, denn die Probleme beim Wechsel zwischen langem und kurzem Stammvokal blieben erhalten (ließ – lässt, fließt – floss, weiß – wusste). Überhaupt nicht erleichtert hat sich die Schreibung des vermutlich häufigsten Schreibproblems, nämlich die Schreibung von das/daß bzw. das/dass. Darüber hinaus machen Schüler neue Fehler: Sie schreiben fälschlicherweise aussen, heissen, grössere, Preussen, geniessen, Strasse, Massnahme usw. Generalisierungsfehler nennt man dergleichen.

Sehr aufschlussreich ist auch die Studie von Professor Wolfgang Steinig et. al. (Universität Siegen) aus dem Jahr 2009. Die Autoren hatten eine Längsschnittstudie durchgeführt. Darin verglichen sie anhand eines identischen Textes mit 100 Wörtern die Fehlerhäufigkeit von Viertklässlern im Jahr 1972 mit der Fehlerhäufigkeit von Viertklässlern des Jahres 2002. Ergebnis: Im gleichen Text machten die Schüler im Jahr 1972 im Schnitt 6,9 Fehler, im Jahr 2002 12,2 Fehler. Das ist fast eine Verdoppelung. Steinig dazu wörtlich: „Wir vermuten, dass dieser außergewöhnlich hohe Anstieg zumindest teilweise mit der Verunsicherung durch die Rechtschreibreform zu erklären ist.“

Konstruktionsfehler „Pädagogisierung“

Der wohl größte Konstruktionsfehler der Rechtschreibreform war, dass man sie nicht an linguistischer Logik, sondern am Horizont von Grundschülern ausrichtete. Sprachpolitik und Sprachpädagogik dürfen sich aber nicht am Kriterium Kindgemäßheit orientieren, sondern sie müssen orientiert sein an der Logik der Sprache. Eine Pädagogisierung, ja eine Infantilisierung der Rechtschreibung ist der falsche Weg. Es gibt schließlich eine Sprache außerhalb der Schule, und die ist komplexer, als es Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik annehmen möchten.

Gewiss gibt es Wichtigeres als die Rechtschreibung, alles ist relativ. Aber es ist nun mal so: Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, hat im Leben schlechtere Karten. Und selbst in Zeiten neuer Medien und einer fortschreitenden Digitalisierung von Information gilt: Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, weil er falsch geschriebene Suchbegriffe eingibt, versagt auch bei Internetsuchen.

Gelitten hat die Ernsthaftigkeit, mit der Schüler an die Rechtschreibung herangehen sollen.
Schuld daran ist die Beliebigkeit von Schreibungen (Variantenschreibungen). Schüler entwickelten nämlich bald das diffuse Gefühl, dass man etwas „so oder so oder auch anders“ schreiben kann. Und sie tun dies umso mehr, je unterschiedlicher bei vielen Wörtern die verschiedenen Wörterbücher (Duden, Wahrig, Bertelsmann) mit ihren Hunderten von Abweichungen voneinander taten und tun.

Gelitten haben die Möglichkeiten der semantischen Differenzierung. So sollte es laut Reform viele Unterscheidungsmöglichkeiten nicht mehr geben, weil dann etwa folgende Schreibungen bevorzugt werden sollen: wohl bekannt statt bisher wohlbekannt, schwer fallen statt bisher schwerfallen, fertig bringen statt bisher fertigbringen, schlecht machen statt bisher schlechtmachen, bewusst machen statt bewusstmachen. Man stelle sich einmal vor: Da will einer sagen oder schreiben, man müsse die Diskriminierung von Fremden bewusst machen (also willentlich machen), wo er doch bewusstmachen (darüber aufklären) meint.

Verwirrend wirkte und wirkt die Eindeutschung von Fremdwörtern – und das in Zeiten, in denen immer mehr Fremdsprachenkenntnisse verlangt werden. Es führt nun einmal sogar bei fremdsprachlich Kundigen zu Verwirrungen, wenn Schreiber zum Beispiel innerhalb eines deutschen Textes Obergine, Pitza oder Spagetti und innerhalb eines französischen oder italienischen Textes Aubergine, Pizza und Spaghetti hätten schreiben sollen. Oder wenn sie wählen sollen zwischen Dekolleté – Dekolletee, Exposé – Exposee, Kommuniqué – Kommunikee, Séparée – Separee, Varieté – Varietee, Delphin – Delfin, Justitiar – Justiziar, Portemonnaie – Portmonee.

Was wäre zu tun gewesen?

Es hätte eine besonders wirksame Möglichkeit gegeben, die Rechtschreibung der jungen Leute zu verbessern: sie in den Schulen konsequenter zu üben und zu bewerten, anstatt sie zu diskreditieren und das Schreiben auf das Ausfüllen von Lückentexten zu reduzieren. Die Devise kann deshalb nur heißen: üben, üben, üben! Ansonsten ist die real existierende amtliche Rechtschreibung kaum reformierbar, sie hat schließlich schon so manche Reform der Reform der Reform hinter sich, und es mangelt ihr immer noch an Transparenz und Systematik.
Also kann die Lösung nur lauten: Zurück zur Schreibung vor 1996!


* Wie unsinnig die Existenz des Rates für Rechtschreibung geworden ist, zeigt dessen neueste, selbstgestellte Aufgabe: Der Rat will sich mit „gendergerechter“ Schreibung befassen, zum Beispiel – Achtung, liebe Leser! – mit der Frage der Zulässigkeit von Schreibungen wie Leser*innen, Leser_innen
_____________________________________

In Kürze erscheint: Josef Kraus, 50 Jahre Umerziehung. Die 68er und ihre Hinterlassenschaften. Manuscriptum. 190 Seiten, 19,90 €.

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/josef-kraus-lernen-und-bildung/20-jahre-rechtschreibung-20-jahre-schlechtschreibung/

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