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Sigmar Salzburg
24.08.2015 09.28
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Welterbestätte in Syrien

IS-Terroristen sprengen Baalschamin-Tempel in Palmyra
Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat einen der bedeutendsten antiken Tempel des Nahen Ostens zerstört. Der Baalschamin-Tempel von Palmyra wurde vor 1900 Jahren errichtet, nun haben die Dschihadisten ihn gesprengt.
spiegel.de 24.8.2015

… und unsere kulturbanausischen Kulturpolitiker haben unser seit 600 Jahren bestehendes Schluß-ß-System gesprengt – wie sich doch beschränkte Geister gleichen.

Nachtrag: Nicolaus Fest drängen sich ähnliche Gedanken auf:
Im Grunde erleben wir auch hier seit Jahren täglich die Kultursprengungen von Palmyra. Nur heißen sie hier Rechtschreibreform, Einheitsschule, Bologna oder frühkindliche Sexualerziehung. Und die Täter sitzen in der Schulbürokratie und bei der GEW.
nicolaus-fest.de 25.8.2015


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Sigmar Salzburg
18.06.2015 10.34
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Gut Ludwigsburg

Am letzten Wochenende hatte ich die Gelegenheit, in der Nähe von Eckernförde Gut Ludwigsburg zu besichtigen.


Quelle: Website Ludwigsburg

Das Gut wurde im 14. Jahrhundert durch die Familie Sehestedt begründet, die dort einen Wirtschaftshof und eine kleine Wasserburg errichten ließ. Der ursprüngliche Name war Kohøved (Kuhhof). Das Anwesen wechselte vielfach den Besitzer, bis es 1729 durch Graf Friedrich Ludwig von Dehn erworben wurde, der 1740 das heutige Herrenhaus errichten ließ. 1762 wurde er vom dänischen König zum Statthalter in Schleswig-Holstein ernannt. Nach seinem Tod 1771 folgten wieder verschiedene adlige Besitzer, bis es 1950 von der Familie Claus gekauft wurde, die es mit viel Liebe und Mühe restaurierte.

Eine besondere Kostbarkeit in diesem Gebäude ist die sogenannte „Bunte Kammer“, ein Raum, der mit 145 Emblem-Bildern vertäfelt ist, die Sinnsprüche, in verschiedenen Sprachen, und Lebensweisheiten darstellen. In dieser Vollständigkeit ist diese Sammlung in Europa einzigartig.


Quelle: Website Ludwigsburg

Embleme waren im Barockzeitalter Kristallisationspunkte, an denen die gebildete Gesprächskultur ihre Themen finden konnte. Sie waren seit etwa 1500 durch Emblem-Bücher, von Italien ausgehend, über ganz Europa verbreitet und wurden vielfach in Bildern und Büchern verwendet.

Auf Gut Ludwigsburg gilt der Leitspruch: „Omnia vincit Amor“, so daß der kleine, nackte Liebesgott die Hauptfigur der meisten Bilder ist. Das Bild zum Spruch stellt den kindlichen Gott, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, auf einem Löwen reitend dar. Es ist die Versinnbildlichung des Verses aus der XI. Ekloge des Ovid: „Omnia vincit Amor et nos cedamus amori“ ... „Die Liebe besieget alles, so wollen auch wir uns der Liebe fügen.“

Etwas deftiger ist die Darstellung eines deutschen Reimsprichworts „Drey gefährliche W“ (Drei W gar bringen uns viel Pein: die Weiber, Würfel und der Wein!): Eine nackte Frau hält in der einen Hand ein Weinglas, zeigt mit der anderen auf die Würfel auf dem Tisch, während im Hintergrund der Alkoven wartet.

Amor führt eine Dame an der Hand: „Nessuna amata e brutta“ ( keine Geliebte ist häßlich); Bedeutung: Liebe macht blind.

Lokaler Bezug wird deutlich, wo über der Darstellung des Schlosses Gottorf drei verschlungene Kränze – Ölzweig, Lorbeer und Eichenlaub – schweben, als Symbole für Kunst, Weisheit und Tapferkeit im Dienst des Vaterlandes. Die Überschrift besagt: „Diese Cronen wil ich haben, oder müß man mich begraben“.

In der Mittagspause wurde uns, von der Goethe-Gesellschaft arrangiert, ein Spargelessen serviert, zu dem die bekannte Autorin Jutta Kürtz einen Vortrag „Goethe und der Spargel“ oder so ähnlich hielt. Nachmittags ging es dann nach St. Marien in Waabs, eine einst zum Gut gehörige, um 1400 erbaute Kirche, die ich aber schon kannte, weil dort Musikerkollegen eine Woche vorher alte Lautenlieder vorgetragen hatten.


http://www.gut-ludwigsburg.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gut_Ludwigsburg

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Sigmar Salzburg
08.06.2015 06.00
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Das Berliner Stadtschloß



Die Rekonstruktion historischer Kulturdenkmäler in den deutschen Städten, die im Krieg und in der Nachkriegszeit, sogar noch in der Nachwendezeit zerstört wurden, sind wir unserer Identität schuldig. Die Russen haben ihr Bernsteinzimmer wiederhergestellt, die Polen ihr Warschau und unser Danzig, die Iraker sollten ihre vom IS zerstörten antiken Bauten wiederherstellen, die Afghanen ihre Buddhafiguren und die Deutschen ihre Rechtschreibung. Man lasse sich nicht abschrecken durch die albernen Behauptungen, es würde ein „Disneyland“ aufgebaut. Wenn es danach ginge, dann dürfte man auch keine klassische Musik mehr aufführen, denn auch sie existiert nur in Bauplänen – den oft unvollkommenen alten Partituren.

Der Krieg hat die Wünsche radikaler Revoluzzer wie Le Corbusier erfüllt, der die alten Stadtzentren sprengen lassen wollte, um seine Wohnmaschinen wie gelandete Raumschiffe in die planierten Flächen zu setzen. Der Komponist Pierre Boulez wünschte das gleiche für die Opernhäuser. Zur Rekonstruktion des Frankfurter Römers tönte der Architekturkritiker Manfred Sack, „es gebe immer noch Architekten, die sich für derlei hergeben.“ Inzwischen möchte wohl kein Frankfurter darauf verzichten.

Zum Berliner Stadtschloß hat sich jetzt die wohl „schlimmste Tröte“ (Matthias Matussek) zu Wort gemeldet, der Spiegelschreiber Georg Diez. Seine „angespitzte These“ ist diesmal:


„Das Berliner Stadtschloss wird ästhetisch und ökonomisch eine Katastrophe. Sein Bau ist genauso mut- und planlos wie die Politik der Bundeskanzlerin. Deshalb ist der historistische Klotz das perfekte Symbol der Merkel-Jahre.“

Der Krampf, das Schloß unbedingt mit Frau Merkel in Verbindung zu bringen, ist ähnlich bemüht, wie vor einiger Zeit der Versuch eines anderen Spiegel-Denkers, Frau Käßmann mit einer Porno-Tussie zusammenzubringen. Diez beschwört ein „demokratisches Fiasko“, obwohl es (im Gegensatz zur Rechtschreib„reform“) ordnungsgemäß diskutiert und beschlossen wurde. Sonst besteht sein Pamphlet aus ausgesuchten Wörtern, die wohl seine Fähigkeiten als Sprachkünstler erweisen sollen:

Der graue Grobian, das plumpe, gewalttätige Stadtschloss, ein Anschlag auf die Sinne, ein ästhetisches Verbrechen. ein Akt der Demütigung, der Auslöschung, des Exorzismus, das kalte Herz des Historismus, reaktionären Denken, das traurige Pathos, eine Art Disney-Preußen, Petrifizierung einer einst offenen Stadt, Staub und Lügen, Heimlichtuer-Lobbyismus, dünkelhaftes Hobby, absurdes Theater mitten im Merkel-Land, Merkel macht einfach, was sie macht, es ist eine Politik der Tautologien.

„Tautologien“ mag Diez besonders gerne, er bringt das Wort gleich noch einmal völlig sinnfrei:

Tautologien, wie gesagt, el-Sisi, G7, Grexit: Es sollen im späteren Humboldtforum im Stadtschloss ... die Straßensperren für den ägyptischen Diktator nachgestellt werden ... die Hinrichtung seines Vorgängers Mursi.

Beim Nachlesen der Geschichte stößt man erstaunt auf einen Ausspruch des zweiten Zerstörers des Schlosses, Walter Ulbricht (n. Wikipedia):

Beispielhaft war die Antwort, die Ulbricht einem protestierenden SED-Genossen erteilte. Dessen „Stellungnahme“ sei ihm „bereits aus Westberliner Zeitungen bekannt“, er empfehle ihm, „eine Protestbewegung gegen jene zu organisieren, die das Schloss durch ihren Bombenterror zerstört haben“ und kündigte an, dass „architektonisch wichtige Partien im Innern des Schlosses, soweit sie den amerikanischen Bombenterror überstanden haben“, in ein Museum überführt werden.

Seine ebenso unberufenen NachfolgerInnen krähen heute dagegen „Harris, do it again!“

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Sigmar Salzburg
02.06.2015 07.51
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Ehemalige Benediktinerinnen-Abtei Marienberg in Boppard im Rheintal

Kürzlich schlug mir Helke Salzburg (meine 1. Frau) in einer handschriftlichen Notiz ein Wiedersehen nach langer Zeit vor: „Wenn es Dir paßt, wäre mir ein Treffen am Samstag am liebsten.“ Das hat nun stattgefunden. Dabei stellte sie mir ihr letztes Projekt vor, das ihr am meisten am Herzen liegt, aber das sie nun aus gesundheitlichen Gründen in andere Hände geben muß. Ich zitiere aus dem Faltblatt:


„Kloster-Boppard“ von Robert Holz – Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

DenkmalMIT!
ist eine Initiative zur Rettung, Sanierung und Nutzung
der ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei Marienberg
in Boppard im Rheintal


Zur aktuellen Situation

Die ehemalige Abtei Marienberg, um 1120 von Bopparder Bürgern gestiftet und nach einer Brandkatastrophe im Barockstil wieder errichtet, befindet sich heute in privatem Besitz. Als größtes Baudenkmal im Rhein-Hunsrück-Kreis krönt sie die Altstadt von Boppard im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal. Hinter dem Gebäudekomplex zieht sich der Klosterpark, ebenfalls als Welterbe-Garten gelistet und Station einer Kette dieser berühmten alten Parks, zum Hunsrück hinauf.

Man sollte erwarten, dass die Pflicht zur Erhaltung dieser Anlage und eine ihrer Würde entsprechende Nutzung unserem kulturellen Erbe gegenüber außer Zweifel ständen. Das Gegenteil ist der Fall: Nicht nur der fortschreitende und eventuell mit dem Mangel an Geld zu rechtfertigende Verfall der Bausubstanz macht dies deutlich, sondern vor allem der unglaubliche Zustand von Verwüstung und mutwilliger Zerstörung! Mit wenig Aufwand hätte er sich verhindern lassen, wenn man dem auch in diesem Winter wieder zu erwartenden Vandalismus Einhalt gebieten würde.

Aber weder die derzeitigen Eigentümer noch die kommunale Aufsicht kümmern sich um die verheerenden Folgen, und es bleibt einzig dem Engagement der Bürgerschaft überlassen, selbst die Initiative zu ergreifen, wie es z.B. die Parkpflege-Aktion zeigt, oder wegen des Umfangs der zu bewältigenden Aufgabe nach geeigneten Partnern zu suchen, allerdings auch nicht ohne vorher den eigenen Kopf anzustrengen, wie es die hier vorgestellte Initiative „DenkmalMIT!“ versucht...

In der jüngsten Vergangenheit haben zum Schaden der Abtei Marienberg die Eigentümer mehrmals gewechselt, ohne dass diese auch nur das Mindeste für die Erhaltung des Gebäudes getan haben. Dies musste mitsamt den jeweils entstandenen Kosten von der kommunalen Denkmalpflege übernommen werden. Außerdem hatte es zur Folge, dass die Bürgerschaft wegen der immer wieder enttäuschten Hoffnungen auf eine Wiederbelebung das Interesse an dem Objekt weitgehend verloren hat. Leider wurden seitens der Stadt immer wieder Investoren akzeptiert, die eine Wohnanlage, gleich welcher Art, auf dem Marienberg zu bauen versprachen, obwohl seit 20 Jahren bekannt ist, dass eine solche Nutzung weder genügend Kaufinteressenten zu überzeugen, noch die vom Denkmalschutz geforderten Auflagen zu erfüllen vermag. Die Mißerfolge reichen inzwischen von dem vergeblichen Antrag auf Abriss bis zu einem enormen Werteverfall durch eine Versteigerung im Schleuderpreis weit unter dem Verkehrswert, so dass der Gebäudekomplex heute nur noch einen symbolischen Kaufpreis rechtfertigt...

Es mag zunächst befremdlich erscheinen, ohne Auftrag eines Eigentümers ein Nutzungskonzept für ein Gebäude zu erarbeiten. Jedoch zwingt die Situation der Marienberger Abtei – wenn man sich denn überhaupt zu ihrer Erhaltung entschlossen hat – zu diesem Vorgehen. So arbeitet die Initiatorin von DenkmalMIT!, eine im „Un“ruhestand lebende und seit 40 Jahren im Kulturmanagement aktive Architektin, seit fast einem Jahr ausschließlich an ihrem nachhaltigen und sich selbst tragenden Konzept für dieses Projekt...

Kontakt: Initiative DenkmalMIT!
c/o Helke Salzburg, Bergweilerweg 2, 54513 Wittlich

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Sigmar Salzburg
15.05.2015 13.45
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Wilhelm Lehmann Tage 2015 in Eckernförde

Kunst des Gedichts

Am 8. und 9. Mai 2015 fanden in Eckernförde die Wilhelm Lehmann Tage statt. Meine Frau hat daran teilgenommen und sogar noch ehemalige Schüler Lehmanns kennengelernt. Da Lehmann heute wenig bekannt ist, zitiere ich aus der Schrift der Wihelm-Lehmann-Gesellschaft, „Merlinszeit“ (Wallstein Verlag 2010):

Uwe Pörksen
Wilhelm Lehmann braucht ein Haus in Eckernförde


Unter den überragenden Dichtern, die Schleswig Holstein im 19. und 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, ist ein Name wenig präsent. Friedrich Hebbel hat sein Haus in Wesselburen, Theodor Storm in Husum – an der Ostseeküste gegenüber ist eine Stelle unbesetzt. Ich meine natürlich Wilhelm Lehmann. Lehmann verdient ein Haus in Eckernförde, zumindest ein paar Räume im schönen Städtischen Museum, er hat alles Recht auf einen sichtbaren Platz im öffentlichen Raum. Dieser Sohn eines Lübeckers und einer Hamburgerin, der am 4. Mai 1882 in Puerto Cabello, Venezuela, geboren wurde und in Hamburg aufgewachsen ist, in Tübingen, Straßburg, Berlin und Kiel studierte, an verschiedenen Landerziehungsheimen unterrichtete, in den ersten Weltkrieg eingezogen wurde und sich ihm durch ›Fahnenflucht‹ entzog, hat dann fünfundvierzig Jahre in Eckernförde gelebt, von 1923 bis zu seinem Tod am 17. November 1968. In dieser Zeit entstand das dauerhafte poetische Werk. Es ist nicht weniger mit Eckernförde und seiner Umgebung verbunden als Storm mit Husum, die Brüder Mann mit Lübeck, Ernst Barlach mit Ratzeburg, Hebbel mit Dithmarschen. Das Gesetz der Literatur, das Werke von Weltgeltung auf lokalem Grund stehen, hat sich auch in seinem Fall bewahrheitet...

Auf die folgende Fülle der Hinweise auf Leben und Werk des Dichters kann hier nicht eingegangen werden. Die Beiträge sind zumeist in der bewährten Rechtschreibung gehalten. Gegen Ende des Büchleins zitiert Klaus Johann aus Wilhelm Lehmanns brieflicher Schilderung einer Ehrung:

… Zum Abschluß möchte ich noch einmal Lehmann zitieren, und zwar seine Schilderung der Feierlichkeiten aus Anlaß seines 75. Geburtstages am 4. und 6. Mai 1957 in Eckernförde bzw. Düsseldorf (bei einer Tagung der Deutschen Akademie für Dichtung und Sprache); darüber schreibt er am 23. Mai 1957 »bei so scheußlichem ›Frühlingswetter‹, daß es einen ganz elend macht« an Schwedhelm:

»Im übrigen verlief es von der kleinen, modellischen (gewissermaßen für Größeres) Feier der Stadt E[ckernförde]. hier bis zur größeren in D[üsseldorf]. höchst schicklich. (Reden des Bürgermeisters,« – das war damals Werner Schmidt – »der ›natürlich‹ mein Schüler gewesen ist, dazu einer, fortunately, mit dem ich durchaus keinen Krach gehabt, er aber mit anderen ›Paukern‹; des noch nicht lang amtierenden Kultusministers« – das war Edo Osterloh – »: Bauernsohn, gegen den Willen des Vaters Theologe, acht Kinder (!), lieh sich vorher vom Oberstudiendirektor« – gemeint ist Heinz Bruns – »einige meiner Schriften und zog sich zur Begründung des Verdienstkreuzumhängens mit einigen Passagen über ›Dienst an der Sprache‹, ›Elite der Hochgebildeten‹ nicht übel aus der Affäre « ...

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Sigmar Salzburg
29.12.2014 14.15
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Nachtrag zum Weihnachtsfest

»Sei uns willkommen, Herre Christ«
Das älteste deutsche Weihnachtslied


25. Dezember 2014, 04:30 |... von Redaktion (josch) [ traditionelle Rechtschreibung]

... Das Singen von Weihnachtsliedern ist eine Tradition, die sich eng mit dem Weihnachtsfest verbindet. Dabei muß man unter dem, was dazu ertönt, unterscheiden zwischen Adventsliedern, die nur von der nahenden Ankunft des Gottessohnes kündigen, wie »Wachet auf, ruft uns die Stimme« und »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit«, den wirklichen Weihnachtsliedern und säkularen Winterliedern wie »Leise rieselt der Schnee«, »O Tannenbaum« oder »Schneeflöckchen, Weißröckchen«.

Immer wieder ist eine Frage, was ist eigentlich das älteste überlieferte deutschsprachige Weihnachtslied? Dabei soll es sich um das heute weniger angestimmte »Sei uns willkommen, Herre Christ« handeln. Ursprünglich war es eine Leise, so bezeichnet man mittelalterliche Kirchenlieder, die auf Kyrieleis, Kyrio-leis, Kirleis, später auch auf Kyrieleison enden.

Die Melodie läßt sich in heutiger Zeit erstmals aus einem Aachener Fragment aus dem 14. Jahrhundert nachweisen. Vermutlich stammt es aus dem 11. Jahrhundert... Es wird zugleich Aachener Schöffenlied bezeichnet, weil es die Schöffen, die ehrbaren, an der allgemeinen Gerichtsbarkeit beteiligten Bürger der Stadt traditionell vom Chorgestühl des Aachener Münsters zur Christmette anstimmten.

Die Bedeutung dieses Liedes hat nachgelassen, auch wenn es als erstes Weihnachtslied bezeichnet wird. Stand es bei den Katholiken noch im Gesangbuch Gotteslob in der Fassung von 1975, ergänzt um eine zweite Strophe aus dem Jahr 1970, verschwand es doch mit der 2013 eingeführten Neufassung völlig ...

Mehr dazu unter youtube.com

Sei uns willkommen, Herre Christ, der du unser alle Herre bist,
Sei willkommen, lieber Herre, hier auf der Erde recht mit Ehren.
Kyrieeleis.


freiewelt.net 25.12.2014

Das Lied „Sei uns willkommen Herre Christ“ (3-stimmig Erfurt 1394) stand schon vor fünfzig Jahren auf dem Programm unserer Weihnachtsmusiken auf alten Instrumenten, daneben auch „Maria zarrt“ aus dem ältesten deutschen Notendruck von 1512, verfaßt vom blinden Organisten und Lautenisten Arnolt Schlick. In der Vahrenwalder Kirche in Hannover flüsterte mir die Organistin zu: „Wir dürfen hier aber eigentlich keine Marienverehrung betreiben!“ – Nun, heute sind selbst Lieder zur Mohammed-Verehrung in Kirchen nicht mehr undenkbar.

Siehe auch Theo Grunden: Teuflisches im Gotteslob

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Sigmar Salzburg
20.11.2014 10.13
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Bardowick

Kürzlich veranstaltete die Kieler Goethe-Gesellschaft eine Exkursion nach Winsen an der Luhe, dem Geburtsort des letzten Goethe-Begleiters Johann Peter Eckermann. Dabei hatte ich die Gelegenheit, einen Abstecher in den kleinen Ort Bardowick zu unternehmen. Bardowick war im 12. Jahrhundert eine bedeutende Stadt und besitzt daher einen kunsthistorisch bemerkenswerten Dom.





Fotos wikipedia

Das Taufbecken stammt aus dem Jahr 1367, der aus Eiche geschnitzte Flügelaltar ist von 1430. Handgeschnitztes Chorgestühl von 1487 ist noch vorhanden. Das Geläut besteht aus drei Glocken, zwischen 1200 und 1250 hergestellt, und einem Zweiergeläut, um 1325 von einem Meister Ulricus gefertigt.

Für mich ist der Dom von Bardowick auch deswegen von Interesse, weil in meiner Vorfahrenliste ein Anton Heshus aufgeführt ist, der um 1581 dort Kanonikus gewesen sein soll. Natürlich war nicht zu erwarten, daß noch irgendwelche Spuren auf ihn weisen würden. Dennoch fand ich in der Literatur ein Buch aus dem Jahr 1704, das sogar im Internet zugänglich ist:


Chronicon
oder
Beschreibung
der Stadt und des Stiffts
Bardewick/
...
Aus untrüglichen Archiven /alten und neuen
bewehrten Scribenten/ nebst andern glaubwürdi-
gen Uhrkunden / und eigener Erfahrung
zusammen getragen
Von
Christian Schlöpken
der Bardewickischen Stiffts-Schulen
Rectore
-----------------
LUBECK
In Verlegung des Autoris,
Anno 1704


Geneigter Leser!
Wie das hohe Alter unsers Bardewicks/und dessen
ehemahls fürtrefflich blühender Zustand / bey
männiglichen jederzeit in sonderbarem Beruff ge-
wesen; so hat es auch an gelehrten Männern nicht
gefehlet / die es für eine beschreibens-würdige
Materie geschätzet. ... Es ist aber kein Zweiffel/wenn diesen berühmten Män-
nern die bißhero in hiesigen und anderen Archiven und Bibliothe
cken verborgen gelegene Uhrkunden und Documenta zu Händen
gekommen wären/ daß sie/nach ihrer fürtrefflichen Geschickligkeit/
die Beschreibung unsers Bardewicks viel ansehnlicher und grösser
würden gemacht haben/an statt sie bey so gestalten Sachen gnug-
sam in ihren Schrifften zu erkennen geben müssen/daß es ihnen
an genauerer Nachricht gefehlet / insonderheit was die Historie
hiesigen Stiffts betrifft / von dessen Ursprung und Zustand / vor-
und nach der Verstörung / sie nicht mehr als einige wenige Nah-
men einiger Stiffts-Personen in Erfahrung bringen / und folglich
nichts ausführliches davon schreiben können.

(Bemerkenswert das seit 500 Jahren übliche „insonderheit“, das durch unsere 16 Kulturbanausenminister seit 1996 als „falsch“ diskriminiert wird.)

Ab Seite 355 wird die Einführung der Reformation in Bardowick beschrieben, die es einem der Canonici erleichterte, mein Vorfahr zu werden. Und auf Seite 429 fand ich ihn dann, allerdings verstarb (obiit) er schon 1577:


III.
Seniores Capituli Bardovicenses, die sich ausdrücklich also/
wie auch zum Theil Vice-Decanos genannt / weil sie in
absentia Decani dessen Stelle vertreten.
...
M. Arnoldus Bulle ob. 1548
Theodericus Düsterhop ob. 1575
Antonius Hesehusen ob. 1577

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Sigmar Salzburg
07.11.2014 22.54
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2000 Jahre lebendige Kultur



Noch zur Hamburger Ausstellung: Der Windgott Zephyros ist auf dem pompejanischen Wandbild als stattlicher junger Mann dargestellt, der sich der schlafenden Chloris vom Himmel herab nähert. 1400 Jahre später sind die beiden auf dem Bild „Primavera“ von Botticelli zu finden. Zephyr ist dort ein eher faunenhafter Luftgott, der die Nymphe verfolgt, um sie zu seiner Frau zu machen. Bei Ovid sagt sie dazu, sie sei zur lateinischen Flora geworden. Vielleicht hat Botticelli tatsächlich dieselbe noch einmal daneben als blumenübersäte Frühlingsgöttin abbilden wollen. Die Renaissance hat nun, ohne es zu wissen, in der Darstellung der Frauen eine Leichtigkeit gewonnen, die die Antike übertroffen hat.

Nochmals 150 Jahre weiter ist die Freude über die Rückkehr des lauen Frühlingswinds von Claudio Monteverdi vollendet in Musik gesetzt worden: „Zefiro¹ torna“, nach einem Sonett von Rinuccini: Man hört den Wind und sanfte Wellen, und wie er murmelnd im Laub die Blumen zum Tanzen bringt, die Lieder von Chloris und Phyllis, ihr Echo in den Bergen und den Tiefen der Täler und Grotten. Am Schluß bleibt dem Dichter eine unerfüllte Sehnsucht, die ihn bald leiden, bald singen läßt. Das Stück ist ein Zwiegesang über einem zweitaktigen Ostinato, eine Chaconne. Die Interpreten dieser Aufnahme sind Nuria Rial und der Contratenor Philippe Jaroussky, sowie ein Instrumentalensemble, das auch die Versübergänge ritornellartig ausfüllt.

(Eine näher am Notentext orientierte, weniger ausgeschmückte Interpretation ist diese.)


¹) Zephyros = „Zefiro“ in der von Konrad Duden bewunderten einfachen italienischen Schreibweise, die die kulturbanausischen Kultusminister nie hinkriegen werden.

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Sigmar Salzburg
05.11.2014 08.14
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Pompeji. Götter, Mythen, Menschen

In Hamburg läuft bis zum 11. Januar 2015 im Bucerius Kunst Forum die Ausstellung „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“. Gezeigt werden vor allem originale Wandfresken, die einst bis zum Ausbruch des Vesuvs die Villen und Wohnhäuser der römischen Kleinstadt schmückten.

Am Wochenende konnte ich die Ausstellung mit den Kieler Freunden der Antike unter der sachkundigen Führung von Peter Petersen besichtigen. Die Fresken sind Ende des 19. Jahrhunderts aus den Wänden herausgesägt worden und daher auch in ihren Farben erhalten geblieben. Die hier gezeigten stammen aus der größten Villa, der sogenannten Casa del Citarista, die L. Popidius Secundus, einem Freigelassenen, gehörte. Er selbst besaß noch kein Bürgerrecht, sondern erwarb es indirekt, indem er seinen sechsjährigen Sohn in den Stadtrat aufnehmen ließ.

Das Bucerius Kunstforum wirbt für die Ausstellung mit dem Bild eines geflügelten jungen Mannes, der von zwei Eroten begleitet wird. Er stellt den Frühlingswind Zephyr dar, der sich hier der schlafenden Chloris oder Flora vom Himmel herab nähert. Eine ebenfalls vollkommene Bronzefigur ist das Standbild des Apoll fast in Lebensgröße, die der Villa ihren Namen gegeben hat. Er hat vermutlich in der linken Hand eine Kithara gehalten, während in der rechten ein massives Plektrum zum Anschlagen der Saiten erkennbar ist. Zum Luxus gehörten auch (nicht erhaltene) Bücher, die sogar im Eßraum oder im Bad bereitgehalten wurden.

Das Lesen war auch Thema der folgenden Sitzung der Antikenfreunde. Hier ging es um entsprechende Texte von Augustinus und Seneca. In „De Tranquillitate Animi“ rügt Seneca, daß manche Neureiche ihre Bücher nur zur Dekoration ihrer Eßzimmer benutzen und mahnt, daß man nur soviel Bücher besitzen solle, wie man auch lesen kann. Die Erwähnung der Bibliothek von Alexandria (9,5) erinnert daran, daß nur ein kleiner Teil der antiken Literatur die Machtergreifung des Christentums überlebt hat.

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Sigmar Salzburg
09.10.2014 05.03
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Schreibtradition

Der Schreibrat Eichinger erwähnt in seinem DLF-Interview als einzige Regel der „Reform“ die „neuen“ ss/ß nach Heyse, und er macht sie so klein und unauffällig, wie es ihm sprachlich nur möglich ist. Tatsächlich sind sie aber der Kulturbruch, das Gift, das alle neu sein wollenden Texte durchzieht und untrüglich erkennbar macht, daß der Schreiber oder Bearbeiter sich dem Diktat der sechzehn KMK-Ochlokraten unterwerfen will. Man muß sich vergegenwärtigen, daß das traditionelle Schluß-ß schon vor 400 Jahren eine mindesten 250jährige Tradition hatte. Als Beispiel sollen hier zwei Ausschnitte aus der Vorrede des Komponisten und Musiktheoretikers Michael Praetorius zu seinem „Syntagma Musicum“(II) aus dem Jahre 1619 folgen:


DEnen Ehrenvesten / Groß- vnnd Hoch-
achtbarn / Hoch- vnd Wolgelarten /Hoch- vnd wolweiſen/
auch Führnemen / Herren Bürgermeiſtern vnd gan-
tzen Raht der Stadt
Leipzig


(fol.3v)
Daß aber im Judenthumb die
Inſtrumenta nicht eigentlich beschrieben; iſt vielleicht die vrſach / weil dieſelbige den Jüden allen bekand geweſen vnd vnnötig von bekanten dingen viel zu ſchreiben: Vber das auch / daß Sie dahero Inſtrumenta, welche ſie bey Verrichtung des wahren Gotteßdienſtes im Tempel dem Ewigen unnd Allmechtigen GOtt zu Ehren / den abergleubiſchen Heyden zu jhrem Götzendienſt vnd Mißbrauch nit haben gönnen vnd Communiciren wollen / damit nicht die Perlen für die Säwe / wie man ſagt geworffen würden...

(fol.4v)
In
Palæſtina, Asia minore vnd Graecia ſind keine Veſtigia mehr verhanden jrgend alter Instrument: Denn es hat Mahometh zur fortpflanzung ſeines Tyrannischen Regiments / Teuffelischen Sect vñ groben vnmenschlichen Barbarey nicht alleine die freyen Künste ſo zur freundlichkeit / ſondern auch alles was zur frölichkeit dienlich / alß Wein vnnd Seytenspiel in seinem gantzen Lande verbotten / vnnd an deren ſtadt eine Teuffels Glocke vnnd Rumpelfaß mit einer ſchnarrenden vnd kikakenden Schalmeyen verordnet / welche annoch bey den Türcken in hohen Wert vnnd ſo wol auff Hochzeiten vnnd Frewdenfesten / alß im Kriege gebrauchet werden. Denn wenn des Türckiſchen Käyſers / oder anderer groſſer Herrn Kinder ſolten Beſchnitten werden / wird ein ſolcher Proceß angestellet.

Erſtlich reiten zween Türcken vorher / einer mit der Heertrummel / der ander mit einer Schalmeyen / darauff folgen etliche wollaußgeſtaffierete Reuter / vnd nach dieſen wieder zween Spielleute den erſten gleich. Nach diesem führet man einen Ochsen mit vergüldeten Hörnern vnd wollriechendem Laub vmbhenget / welchen eine groſſe anzahl Reuter folget. Darauff Spielleut vnd wieder ein Ochse / dem Ersten gleich. Diesem folgen etliche vorneme Herren vnd Reuter / dann ein hauffen wolgeputzter Janitscharn zu Fuß / vnter welchen des Herrn Sohn / ſo beſchnitten werden ſol. Diesem folgen zu letzt viel Spielleut mit Trummeln vnd Schalmeyen biß zur Kirche.

Wenn auch ein Chriſt zum Mammelucken vnd Türcken worden vnd ſich beſchneiden laſſen / ſetzet man jhn auff ein ſchön Pferd/ führet jhn durch die ganze Stadt mit Schalmeyen vnd Trummeln. Dieſe Lumpen-
Muſic wird noch heutiges Tages bey den Türcken in hohem Wert geachtet/ vnſere aber dagegen zum euſſersten verachtet. Denn wie einßmals Francisco I. König in Franckreich / dem Türckiſchen Bluthunde Solymanno Anno Chriſti 1520. der Türckiſchen Hegyræ aber 926. in ſein Tyranniſch Regiment getretten / ein groß vnd ſtatlich Inſtrumentum Muſicum, daran etliche Männer mit verwunderung der Türcken genung zu tragen gehabt / ſampt etzlichen auſſerleſenen in der Muſica wolgeübten Künſtlern vnd Muſicanten zur ſonderlichen Verehrung überſchicket hatte/ iſt es im anfang zwar dem Türckiſchen Käyſer lieb vnd angenehm geweſen. Alß aber bald hernach zu Conſtantinopel das Volk in hauffen zu lieff/ ſolche außländiſche / liebliche Muſicanten zu hören / vnd ſonderliche luſt vnd liebe zu dieſer Kunſt gewan / beſorgete ſich der Türckiſche Käyſer / es möchten die Seinen jhre grobe Barbarey hiedurch ablegen vñ freundlicher/ oder ſeinem vorgeben nach / Weich vnd Weibiſch werden: Ließ derowegen ſolch herrlich Inſtrument zerbrechen / vnnd mit Fewr verbrennen vnnd ſchickete dem Franzoſen ſeine Muſicanten wieder zu Hauſſe.

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Sigmar Salzburg
13.08.2014 10.25
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Zukunftsmusik

Nachdem hier vom Edlen in der Musik die Rede war, ein Blick in die Jauchegrube. Der Arschfick-Rapper Bushido wird von seinem Konkurrenten und ehemaligen Kumpel Kay One angegriffen (neudeutsch „gedisst“):

„Ihr Beleidigt meine Eltern weiter aufs übelste. Ich kann das so nicht mehr. Ich hab euch gewarnt... du fetter Bastard warte ab. Ich werde eure Bärte anzünden...“
focus.de 10.8.2014

Immerhin schreibt Kay One, sicher eher zufällig, die Steigerungsform traditionell. Das Bushido-Deutsch hat Eran Yardeni in einen größeren Zusammenhang gestellt:

„Halt die Fresse, fick die Presse, Kay du Bastard bist jetzt vogelfrei / du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit.“ Dass eine Sprache, die Stefan Zweig, Thomas Mann und Heinrich Heine ein Zuhause war, so entstellt, missbraucht und misshandelt werden kann, hat weniger mit Bushido als mit der Art und Weise zu tun, wie Sprachen auf soziopolitische Entwicklungen bzw. Fehlentwicklungen reagieren.

Angesichts des Kulturverfalls wird wohl in wenigen Jahrzehnten ein deutscher Schriftsteller, bevor er Selbstmord begeht, ein Buch veröffentlichen: „Die Welt von Vorgestern“. Zufällig kam ich wieder an die Stelle in Stefan Zweigs „Welt von Gestern“:

„In kaum einer Stadt Europas war nun der Drang zum Kulturellen so leidenschaftlich wie in Wien. [...] Innen sprachen die alten Paläste des Hofs und des Adels versteinerte Geschichte; hier bei den Lichnowskys hatte Beethoven gespielt, hier bei den Esterházys war Haydn zu Gast gewesen, da in der alten Universität war Haydns ›Schöpfung‹ zum erstenmal erklungen, die Hofburg hatte Generationen von Kaisern, Schönbrunn Napoleon gesehen, im Stefansdom hatten die vereinigten Fürsten der Christenheit im Dankgebet für die Errettung vor den Türken gekniet, die Universität hatte unzählige der Leuchten der Wissenschaft in ihren Mauern gesehen... Es war wundervoll hier zu leben, in dieser Stadt, die gastfrei alles Fremde aufnahm ...
gutenberg.spiegel.de

Nun hat sich Europa übernommen mit der gastfreien Aufnahme von Abkömmlingen aus den Gebieten des einstigen Osmanischen Reiches, und in Wien darf kaum noch an das Jahr 1683 erinnert werden. Schon wollen weitere Millionen die frei werdenden Räume besiedeln. Wie seit langem bekannt, schrumpft die europäische Urbevölkerung bei einer Geburtenrate von 1,3 pro Elternpaar mit jeder Generation um ein Drittel. Die Kultur auch.

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Sigmar Salzburg
27.07.2014 10.57
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Archäologische Forschung ist heute im Nahen Osten kaum noch möglich.

Man bearbeitet jetzt die riesigen Bestände früherer Funde in den westlichen Museen. Zwei neue Übersetzungen alter Keilschrifttafeln sind darunter bemerkenswert:

Angelika Franz schreibt im Spiegel-Blog über die Mathematik der Babylonier:


Ohne Frage, die Babylonier waren hervorragende Astronomen. Die Mathematik, dacht[e] man bisher, diente ihnen dabei lediglich als Hilfswissenschaft – als Nutztier für die höheren Sphären der Astronomie. Neue Erkenntnisse zeigen, es könnte ihnen auch einfach Spaß bereitet haben... Darauf lassen zumindest die Fragmente von zwei neu übersetzten Tontafeln aus dem Bestand des British Museums in London schließen. In der aktuellen Ausgabe des Journal of Cuneiform Studies stellt Mathieu Ossendrijver, Professor für Wissenschaftsgeschichte der Antike an der Berliner Humboldt-Universität, die Zahlenzaubereien aus der spätbabylonischen Zeit (450 bis 200 v. Chr.) vor...

Schon der erste dieser beiden Rechentürme ist beeindruckend: Er beginnt mit jener Zahl, die im Dezimalsystem 946 entspricht. Doch richtig virtuos wird es in der zweiten Tabelle. Deren Ausgan[g]szahl würden wir im Dezimalsystem als 911 mal 1239 darstellen: eine Zahl mit 30 Stellen. „Das macht sie zur längsten bekannten Zahl, die jemals in Keilschrift notiert wurde“, schreibt Ossendrijver. Nur warum ein Babylonier sich hinsetzte und die ellenlange Zahl immer wieder dividierte, wird schwer herauszufinden sein...

Der Aufruf von Bel und Beltiya [Herr, Herrin] am Anfang der Berechnungen spricht dafür, dass auch der Verfasser dieser Matheaufgabe im Dienste [des Gottes] Marduks stand. Wo genau die Tafeln gefunden wurden, lässt sich auch nicht mehr nachvollziehen. Sie stammen aus der so_genannten Babylon-Sammlung des British Museum, die weltweit grösste und wichtigste Sammlung für spätbabylonische Astronomie und Mathematik.
spiegel.de 27.7.2014

Die “Welt” schrieb kürzlich von der Entdeckung einer Vorform des Adam- und Eva-Mythos, die 800 Jahre älter als die Bibel ist. Auch dies stammt von einer Tontafel, die bereits 1929 gefunden wurde:

Wie die Alttestamentlerin Marjo Korpel und der Altorientalist Johannes de Moor von der Protestantischen Theologischen Universität Amsterdam in ihrem neuen Buch „Adam, Eve and the Devil“ berichten, wurde die Erzählung in der nordsyrischen Hafenstadt Ugarit aufgezeichnet. Dieser reiche Stadtstaat wurde um 1200 v. Chr. von Invasoren, möglicherweise den sogenannten Seevölkern*, vernichtet. In den Ruinen entdeckten Archäologen um 1928 zahlreiche Schrifttafeln. In einer semitischen Sprache geschrieben, markieren sie den Übergang von der Silbenschrift zur Alphabetschrift, aus der dann das Phönizische und später noch das Griechische [nur das Alphabet!] hervorgehen sollten...

Zahlreiche Texte aus Ugarit enthalten Mythen und sagenhafte Erzählungen, die von Korpel und de Moor neu übersetzt und erstmals im Zusammenhang interpretiert wurden. Dabei stießen die Forscher auf einen Text aus dem 13. Jahrhundert, in dem ein Gott mit einem bösen Widersacher kämpft.

El soll die Menschheit retten

Der gute Schöpfergott El lebt mit seiner Frau Asherah in einem paradiesischen Garten. Ungemach kommt mit dem bösen Gott Horon, der vom Berg der Götter verbannt wurde und auf Rache sinnt. Dafür verwandelt er den Baum des Lebens, der in Els Garten steht, in einen Baum des Todes und verhüllt die Welt mit giftigem Nebel. Als El das Leben auf der Erde erneuern will, stellt sich ihm Horon in Form einer großen Schlange in den Weg. Ihr Biss nimmt El die Unsterblichkeit. Indem El aber mit seiner „guten Frau“ Nachkommen zeugt, überwindet er den Fluch und gewinnt eine Art von Unsterblichkeit zurück. El alias Adam war in dieser Urversion also zunächst eine Gottheit. „In dieser Urversion trägt auch Eva keinerlei Schuld“, erklärt Marjo Korpel.
welt.de 20.5.2014

El ist der Name des altsemitischen Gottes, der auch in Allah erkennbar ist. Seine Gattin Aschera ist aus der Bibel dadurch bekannt, daß ihre Verehrung verboten und fortan die Vernichtung ihrer Heiligtümer eifrig betrieben wurde.

Als Gott seiner Ehefrau müde geworden war, tat er, was Männer heute in der gleichen Situation auch tun würden: Er nahm sich einen Anwalt. Der Anwalt hieß Hosea und er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus in Israel, dem nördlichen der beiden hebräischen Königreiche. Der Scheidebrief, den Hosea im Namen seines mächtigen Mandanten ausstellte, ist in den Prophetenbüchern der Bibel überliefert: „Sprecht das Urteil über eure Mutter. Sie sei nicht mein Weib und ich will sie nicht haben [... eine Hure]" übersetzte Luther die entsprechende Stelle (Hosea 2,4).
welt.de 23.12.2012

Es handelt sich also um eine sexistische „Gottesreform“, die in bestem Deutsch der „Rechtschreibreform“ die alten Götterbilder grau erscheinen läßt:

Auch die Höhen, die östlich von Jerusalem waren, zur Rechten am Berge des Verderbens, die Salomo, der König von Israel, gebaut hatte der Astarte [=Aschera], dem gräulichen Götzen von Sidon, und Kemosch, dem gräulichen Götzen von Moab, und Milkom, dem gräulichen Götzen der Ammoniter, machte der König unrein. Und er zertrümmerte die Gedenksteine und hieb die Ascherim um und füllte ihre Stätte mit Menschenknochen.
2.Kön. 23,13

Inzwischen meiden die Reformübersetzungen die Anhäufung von Gräulichem.

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Sigmar Salzburg
29.06.2014 08.52
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Glaubensstreit in der Türkei

„Die Hagia Sophia muss wieder eine Moschee werden“

Erst war sie 916 Jahre lang die größte Kirche der Welt im byzantinischen Imperium, dann 482 Jahre lang eine Moschee im Osmanischen Reich. Die Hagia Sophia ist ein atemberaubendes Monument und Wahrzeichen der Stadt Istanbul. 1935 wurde sie von Mustafa Kemal Atatürk zu einem Museum erklärt.


Jetzt fordern nationalistische Politiker und konservative Muslime in der Türkei, die Hagia Sophia wieder als Moschee zu nutzen. Der türkische Vizepremierminister Bülent Arinc sagte im vergangenen Jahr, die Hagia Sophia scheine „betrübt“ zu sein. ... Der 47 Jahre alte Ali Ugur Bulut, grauer Anzug und Krawatte, ist der Chef der [Jugend-]Organisation in Istanbul. Er ist guter Hoffnung, dass das Vorhaben Erfolg hat.
[...]
Bulut: Muslime haben seit dem Bau der Hagia Sophia von 532 bis 537 nach Christus versucht, die Stadt zu erobern. Erst Sultan Mehmet II. ist es gelungen. Das Erste, was er tat, als er mit seinem Schimmel in die Stadt einritt, war, die Hagia Sophia aufzusuchen, Erde vom Boden zu nehmen, sie über seinen Turban zu streuen und sich gen Mekka zu verneigen. Damit war die Hagia Sophia endlich eine Moschee. Sie sollte es auch heute wieder sein.
[...]
SPIEGEL ONLINE: Das Gebäude war sehr viel länger eine Kirche als eine Moschee.

Bulut: Das stimmt, und bis zur Erscheinung unseres Propheten Mohammed war das Christentum die einzig wahre Religion. Durch ihn kam der Islam und löste das Christentum darin ab. Aber Sultan Mehmet II. hat den Namen der Kirche Sankt Sophia ja beibehalten, aus Respekt vor den Christen. [...]
spiegel.de 29.6.2014

Wie der Respekt Mehmets vor den Christen sonst aussah, habe ich zufällig anläßlich einer Untersuchung zu Dürer gerade im Kasten:

Im Jahre 1505 machte Albrecht Dürer seine große Studienreise nach Italien und schrieb von dort an Pirckheimer, „Sambelling“ sei noch immer der „pest jm gemoll“. Gemeint war Giovanni Bellini, auch Gian genannt. Sein Bruder Gentile war da schon gestorben. In Kapps „Italien. Schilderungen für Freunde der Natur und Kunst“ von 1837 steht folgende nette Begebenheit:


Die Gattin des Mantegna war die Schwester der Venezianer Giovanni und Gentile Bellini. Der letztere¹, Gentile, war ein Maler von mäſsigem Talent. Als sein Hauptwerk gilt ein groſses figurenreiches Bild, welche die Predigt des heiligen Markus auf dem Markte zu Alexandria vorstellt...

Merkwürdig ist Gentile auch darum, weil er, wie man sagt, vom Sultan Mahomed II. gegen das Gebot des Koran nach Konstantinopel eingeladen wurde, um für ihn zu malen. Während seines Aufenthalts in dieser Stadt habe er, erzählt man weiter, von den Basrelief's an der von Arcadius dem Theodosius errichteten Ehrensäule Zeichnungen genommen. Als er einst für den Sultan eine Enthauptung Johannes des Täufers gemalt, soll dieser Einiges² an dem Bilde getadelt und um dem Bellini seinen Fehler zu beweisen, auf der Stelle befohlen haben, einen Sklaven in ihrer Gegenwart zu enthaupten. ...

¹) Großschreibung seit 1996 gefordert. ²) Großschreibung seit 1996 wieder „fortschrittlich“.

Das „Neue allgemeine Künstler-Lexikon“, München 1835, schildert die Begebenheit so:

Die Republik brauchte ihn, wie seinen Bruder, beim grossen Rathsaale, und als der Grosssultan Muhamed II. selbe um einen vorzüglichen Bildnissmaler ersuchte, sendete sie ihn nach Constantinopel. Als Gentile in dieser Stadt die Enthauptung des Johannes gemalt hatte, besprach sich der Sultan über die fehlerhafte Darstellung des Halses, und liess, um den Künstler zu überzeugen, sogleich einen griechischen Sklaven kommen, den er auf der Stelle mit dem Säbel den Kopf abhieb. Bellini widersprach klüglich seiner Critik nicht länger, schlich sich eilends nach dem Hafen und segelte nach Venedig ab.

„Griechisch“ stand damals für „christlich“ – wie noch kürzlich die Griechen versuchten, die Eintragung der Religionszugehörigkeit in den europäischen Pässen durchzusetzen, da sie die eigentliche ethnische Identifikation sei.

Seit den 60ern geht die Eroberung weiter: In Deutschland wurden bislang 50 Fatih-Moscheen (türk. Fatih Camii = Eroberer-Moschee) mit dem Beinamen Sultans Mehmed II. (Fatih, der Eroberer) gebaut, v. arab. „fatah“ öffnen, erobern.

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Sigmar Salzburg
10.06.2014 10.43
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Aus der guten alten Zeit

Klassik: Ästhetische Differenzen

von Michael Klonovsky

... Des vorerst letzten deutschen Kaisers Bemerkung „Die janze Richtung paßt mir nicht“ galt der sogenannten künstlerischen Moderne und schloss seinen Hofkapellmeister Strauss fest mit ein. Die erste Begegnung mit Wilhelm II. verlief Strauss zufolge so:

Der Kaiser betrachtet ihn stirnrunzelnd: „Sie sind auch einer dieser modernen Musiker?“
Strauss salutiert.
„Ich habe Ingwelde von Schillings gehört, das ist abscheulich, es gibt da keine Melodie.“ –
„Verzeihung, Majestät, es gibt Melodien, aber sie werden von der Polyphonie überdeckt.“ –
Der Kaiser sieht ihn streng an: „Sie sind einer der Schlimmsten.“
Er salutiert wieder. –
„Die ganze moderne Musik taugt nichts, es gibt darin keine Melodie.“ –
Dieselbe Geste. –
„Ich ziehe den Freischütz vor.“ –
„Majestät, auch ich höre lieber den Freischütz.“ –
„Der Falstaff von Verdi ist etwas Scheußliches.“ –
„Majestät, man darf nicht vergessen, dass Verdi achtzig Jahre alt ist und dass es eine schöne Sache ist, wenn man sich in diesem Alter – nach Troubadour und Aida – schöpferisch noch so erneuern kann, dass man einen so genialen Wurf wie Falstaff fertigbringt.“ –
„Ich hoffe, dass Sie mit achtzig eine bessere Musik schreiben werden.“
Darauf, schließt Strauss, gab es nichts mehr zu erwidern...

acta-diurna u. ef-magazin.de

Klonovsky ist Ästhet, hat einen Blick fürs Ungewöhnliche und schreibt originell – auch über die „Rechtschreibreform“. Schade, daß er sich dennoch, wohl aus Gründen der Vermarktung seiner Texte, dem unästhetischen Kultusministerdiktat unterworfen hat.

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Sigmar Salzburg
17.04.2014 08.07
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Mit raucher Stymme

Meinen eigentlichen Interessen nachgehend stieß ich im Königsteiner Liederbuch von etwa 1470 auf den Liedanfang:

„Dein gestalt und styme¹ ist rauch und gryme¹, ich mircke wol, waß dich muertz thut; wer mich anelachet, des hastu acht; meyn wis die tüngkt dich nit gar güt; nit laß dichs irren ...“

Von den 169 Liedern dieser Handschrift ist dieses deswegen bemerkenswert, weil es eins von vieren ist, dem am Ende eine Melodie beigefügt ist, und zwar in der Griffschrift der deutschen Lautentabulatur. Noch bemerkenswerter ist, daß diese aus Buchstaben und Zahlen zusammengesetzte Reihe 30 Jahre älter ist als alle anderen bekannten Aufzeichnungen für dieses Instrument. Ihre Erfindung soll auf den berühmten blinden Organisten Conrad Paumann (1410-1473) zurückgehen. Der Melodieanfang für den obigen Text sieht so aus: n n c n 4 d 4 n g c 3 g, was in Notenbuchstaben d d c d e f e d a c h a heißen könnte. Die Unterlegung des Textes unter die Melodie ist schwierig, weil keine Notenlängen angegeben sind, bei Nr. 82 ist es sogar ein reines Ratespiel.

Für das Thema dieses Forums kann man den ersten Liedzeilen entnehmen: 1. Das „h“ in „rauh“ ist ein Stammlaut, der heute zwar abgeschwächt, aber in deutlicher Aussprache immer noch hörbar sein sollte. 2. Die 1901 endgültig abgeschaffte th-Schreibung hat eine lange Tradition. 3. Das Schluß-ß ist hiernach mindestens 544 Jahre alt, tatsächlich aber wohl noch 100 Jahre älter. Für die nichtsnutzigen Reformer war die Abschaffung dieser Tradition eine Ersatzhandlung dafür, daß sie ihre Kleinschreibobsessionen nicht durchsetzen konnten, die, wie man hier sieht, doch recht mittelalterlich sind.

P.S.: Ich habe mir gerade die Ausgabe des Königsteiner Liederbuches in der 1970 gedruckten Dissertation von Paul Sappler kommen lassen. Leider hat er die Orthographie vereinheitlicht und beispielsweise die stummen „e“ fortgelassen, so daß mir wieder einige Fragen offen bleiben. Außerdem hat er mit Hilfe von Kurt Dorfmüller eine andere Textvariante aus dem gleichen Buch unterlegt:
„Din gsiecht und stimm ist sur und grimm. Ich merck woil ...“ Dem folgt auch der österreichisch-amerikanische Musikologe Hans Tischler.

Das Königsteiner Liederbuch (Ms.germ.qu. 719 Berlin) wurde übrigens nach unbekannter Vorgeschichte von Clemens Brentano 1804 erworben und den Brüdern Grimm ausgeliehen. Als er es weiterverkaufen wollte, rückten sie es nicht wieder heraus. Schließlich kam es in die Hände des Bibliophilen von Meusebach und von dort 1850 in die Preußische Staatsbibliothek.


¹) Mit waagrechtem Querstrich, der wohl eine m-Verdopplung andeuten soll.

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