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Sigmar Salzburg
22.05.2021 04.45
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Christlich-musikalische Tradition gegen „Gleichberechtigung“

Der Staats- und Domchor Berlin ist ein reiner Knabenchor.

Das allerdings will die Rechtsanwältin Susann Bräcklein nicht hinnehmen. Sie hat eine elfjährige Tochter, die seit vielen Jahren singt, musiziert und Stimmbildung erhält. Das Mädchen war an der Domsingschule in Frankfurt, derzeit singt es im Chor der Komischen Oper in Berlin. 2016 las das Mädchen in einem Flyer vom Staats- und Domchor Berlin, und weil es alte Musik mag, wollte es sich dort bewerben. Die Mutter schrieb dem Dekan der Berliner Musikfakultät der Universität der Künste (UdK), die den Chor betreibt, eine E-Mail und erhielt zur Antwort: „Ihr Wunsch ist aussichtslos. Niemals kann ein Mädchen in einem Knabenchor mitsingen. Genauso wie eine Klarinette nicht in einem Streichquartett spielen kann.“...

Vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg stellt der Vorsitzende Richter am Freitag erst mal viele Fragen zu den aktuellen Kulturdebatten. Darf ein Ballett eine schwarze Ballerina vom „Schwanensee“ ausschließen, weil Schwäne in einer bestimmten Inszenierung zwingend weiß sein müssen? Darf ein weißer Tenor den Part des Othello singen? Soll die Übersetzerin der Lyrikerin Amanda Gorman eine ähnliche Person sein wie sie, also eine junge schwarze Frau? Die Fragen bleiben unbeantwortet ...

Am Ende verliert Susann Bräcklein abermals vor Gericht. Das Oberverwaltungsgericht weist die Berufung ab...

sueddeutsche.de 21.5.2021

Der Knabengesang war ursprünglich eine Notlösung, um dem Gebot des Christentum-Erfinders Paulus entgegenzukommen: „EWer Weiber lasset schweigen vnter der Gemeine“. Dann entdeckte man die Kastraten, „Evnuchis“, wie Praetorius 1619 schreibt, mit der Stimmkraft von „zween oder drey Knaben“. Das bewirkte die Entstehung einer Entmannungsindustrie für kleine Jungen, besonders in Italien, wo arme Familien für ihren Nachwuchs eine musikalische Karriere erhofften.

PS: Echten Juden untersagte „Gott“ Kastrationen, bestand aber doch unnachsichtig auf der Opferung eines Stückchens ihrer männlichen Neugeborenen.

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Sigmar Salzburg
18.05.2021 06.12
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Gert Fröbes Anfänge

Gestern abend sah ich, nach Vorschlag von Google, das mein Interesse ausspioniert hatte, die selbst erzählten Anekdoten des Schauspielers Gert Fröbe von seinen Anfängen als Bühnenmaler:

»Als wär’s heut gewesen«
https://youtu.be/MyDhWo-ASJ8

Ganz zum Schluß erzählte er, wie er zur Dresdener Uraufführung von Mark Lothars Oper „Münchhausen“ (1933) den Kanonenschuß zum Mond durch eine besondere Schwarzpulvermischung darstellen wollte. – In dem Augenblick fiel, wie auf höhere Regieanweisung, in unserem Dorf der Strom für acht Stunden aus, so daß ich den großen Knall bei der Generalprobe, der „aus technischen Gründen“ eine Verschiebung der Premiere um drei Tage erzwang, erst heute morgen erleben durfte.

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Sigmar Salzburg
13.05.2021 21.34
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Himmelfahrts-Gedanken

Die Himmelfahrt einer Gottheit nach einer Grablegung war in der Antike nichts Ungewöhnliches. Den Göttern verschiedener Kulturen widerfuhr das häufig, z.B. Ischtar bzw. Astarte im alten Babylonien. Auch vergöttlichte Heroen fuhren zum Himmel auf. Der Sonnengott tat es täglich.

Vor über 40 Jahren beschäftigten mich die auf drei Goldplättchen eingravierten Weiheinschriften in etruskischer und punischer Sprache, die 1964 in den Überresten eines Tempels in Pyrgi in der Nähe Roms gefunden worden waren. Der Tempel war der etruskischen Göttin Uni (Juno) geweiht, der die phönizische Göttin Astarte gleichgesetzt wurde. Der gleichzeitige punische Text in der Sprache Karthagos zeigt die enge (Handels-)Beziehung zu den Etruskern.

Das war vielleicht auch ein Grund für Hannibal, 200 Jahre später die Römer von Norden anzugreifen (der benutzte Alpenpaß wurde kürzlich durch Pferdeäpfel der Zeit identifiziert). Neben Astarte wird die Sonne oder der Sonnengott genannt. Der Text lautet im übertragenen punischen Alphabet (Worttrennung zugefügt, ʻAin nach IPA):

l rbt l ʕštrt ʼšr qdš ʼz
ʼš pʕl w ʼš ytn tbryʼ wlnš mlk ʕl kyšryʼ
b yrḥ zbḥ šmš b mtnʼ b bt
w bn tw k ʕštrt ʼrš b dy l mlky šnt šlš
b yrḥ krr b ym qbr ʼlm
w šnt l mʼš ʼlm b bty šnt km h kkbm ʼl


Für die Herrin, für Astarte (ist) dies der heilige Ort; den machte und den übergab Tiberius Velianas, König von Caeseria, im Monat Opfer des Sonnengottes als Geschenk für den Tempel, und er baute (ihr darin) die Kammer, weil Astarte ihre Hand über sein Königreich drei Jahre lang gehalten hatte, im Monat Churvar am Tage der Grablegung der Gottheit. Und (es seien) die Jahre der Statue der Gottheit in ihrem Tempel ebensoviele wie die Sterne am Himmel.
Die Etrusker, deren Sprache nur mühsam erraten werden kann, waren ein sehr gläubiges Volk. Kaiser Claudius soll mehrere Bücher über sie geschrieben haben, die verloren sind. Von ihnen stammte wohl die Wahrsagerei aus Vogelflug und Eingeweiden von Opfertieren. Bronzene Nachbildungen von Lebern mit etruskischer Bezeichnung der zu beachtenden Stellen sind noch überliefert.

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Sigmar Salzburg
17.04.2021 08.36
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Ausverkauf Europas

Mozart wird billig nach den USA verkauft – laut Spiegel:

Ein Manuskript des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) ist in Berlin für 130.000 Euro versteigert worden. Das zweiseitige Original, das an einen privaten Bieter aus den USA ging, enthalte die vollständige erste Violinstimme für zwei Orchestertänze (Köchel-Verzeichnis 609 und 463) sowie drei Entwürfe für eines der wichtigsten Konzerte im Leben des Komponisten, wie das Auktionshaus J.A. Stargardt am Freitag mitteilte...

Neben eigenhändigen Kritzeleien und Worten («. und und und und .») hatte sich Mozart Notizen für sein Wiener Konzert vom 23. März 1783 gemacht...

In einem Brief an seinen Vater Leopold am 29. März schrieb Mozart »das theater hätte ohnmöglich völler seyn können, und alle logen waren besezt. das liebste aber war mir, daß seine Mayestätt der kayser auch zugegen war, und wie vergnügt er war, und was für lauten beyfall er mir gab...«.

spiegel.de 16.4.2021
Während die y-Schreibweise schon um 1800 mit Adelung außer Gebrauch kam, erpreßten die kulturbanausischen Kulturminister ab 1998 die deutsche Bevölkerung zum Dass-Deutsch, um uns von unserer kulturellen Vergangenheit abzuspalten.

Es ist auch ein Elend, daß Kulturgüter in Privatbesitz und sogar nach Übersee verkauft werden dürfen, wo sie nicht mehr zugänglich sind. Bachs Lautensuite „pour la Luth“ soll unzugänglich in einem Tresor in Tokio ruhen. Spiegelleser schrieben:
AITheKingBundy
Ich war gestern bei der Auktion (online) dabei. Erstaunlich, dass die Dokumente der Musikgeschichte ersteigert werden können und erstaunlich, wie „günstig“ das Exponat zu haben war...

unglaeubig
Habe ich auch beim Lesen gedacht: Irrsinn, wenn man sieht wie irgendwelche NFTs zur gleichen Zeit für Millionen und Abermillionen weggehen!
Mir als atavistischem Kulturfreund bleibt da nur, bei Wiki nachzuschlagen:
Ein Non-Fungible Token (NFT) ist ein einmaliges kryptografisches Token, das (im Vergleich zum Fungible Token wie z. B. Bitcoin) nicht austauschbar ist.
Bei NFT muß es sich wohl um eine neue kapitalistische Kunst- und Kulturform handeln, die unsereinem so fern ist wie einem Schimpansen die Musik Mozarts. Die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit ist offensichtlich eingeleitet.

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Sigmar Salzburg
31.03.2021 09.35
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Komplott weißer Selbstzerstörer und schwarzer Wichtigtuer?

Beethoven und Mozart werden jetzt »gecancelt«

Oxford: Klassische Musik ist zu weiß


Die Oxford University will den Lehrplan »dekolonialisieren« und nennt z.B. klassische Musik »weiße Musik der Sklavenära«, wie der Telegraph enthüllt.

Der Telegraph hat interne Dokumente der ältesten englischsprachigen Universität der Welt eingesehen, nach dem Dozenten den Lehrplan kritisieren, wegen »Mittäterschaft mit weißem Nationalismus«. Die Musik von Mozart, Beethoven und anderen klassischen Komponisten sei »weiße Musik der Sklavenära« und Teil der »weißen Vorherrschaft«, kritisieren die Dozenten. Das Notensystem müsse reformiert werden, da es Teil des »kolonialistischen Repräsentationssystems« sei. Musikalische Notenschreibung, die ihre »Verbindungen zur kolonialen Vergangenheit nicht abgeschüttelt« habe, sei ein »Schlag ins Gesicht« für manche Musikstudenten.

Die klassischen musikalischen Fertigkeiten wie Klavierspielen oder Dirigieren sollten nicht mehr verpflichtend sein, da sie »weiße Musik strukturell bevorzugen« und daher »farbigen Studenten großes Leid verursachen«. Außerdem werde kritisiert, dass die »überwiegende Mehrzahl von Musiklehrern weiße Männer« seien, berichtet der Telegraph.

Dozenten beklagen, dass »die Struktur des Lehrplans weiße Überlegenheit befördert«, dass der Lehrkörper »fast rein weiß« sei, und »daher weiße Musik privilegiere«.

Zu den Reformvorschlägen gehören ein Fokus auf »die Musik Afrikas und der afrikanischen Diaspora«, »Weltmusik« und »Popmusik«, so wie Hiphop und Jazzmusik.

freiewelt.net 31.3.2021. Siehe auch JF 31.3.2021

Um 1600 waren englische Musiker noch stolz, „Bachelor of Musicke in both the Uniuersities“ zu sein. Bald reicht‘s nur bis zum Trommel-Abitur. Nach Steven Weinberg, Nobelpreis 1979, sind die moderne Naturwissenschaft und die polyphone Musik Geschenke des (weißen) Westens an die Welt. Die Schwarzen konnten mit ihrer Musikbegabung ein bis dahin unbekanntes Terrain erschließen. Aber erst die wissenschaftliche Notation Europas ermöglichte die weitere Entwicklung.

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Sigmar Salzburg
20.03.2021 04.52
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Frühlingsanfang 20. März 2021

Im alten China kam im buddhistisch missionierten Teil der Bevölkerung die Vorstellung eines vielarmigen weiblichen Bodhisattva auf. Dieses indisch inspirierte Geistwesen (Avalokiteshvara, chin. Guanyin 觀音 Reform:观音), Symbol des Mitempfindens, nahm bald den Rang einer Göttin ein, deren Fest im Frühjahr gefeiert wurde. Erst vor wenigen Jahren sollte eine 99 m hohe Statue, errichtet bis 2009 von örtlichen Vereinen in Ningxiang, Hunan, die vernichtende „Kulturrevolution“ vergessen machen.

Ab 1997 verfolgte der Choreograph Zhang Jigang den Gedanken, gehörlose Mädchen diese Figur darstellen zu lassen. Berühmt wurde die Aufführung von 21 als Tempeltänzerinnen gekleideten jungen Frauen, die ohne die Musik zu hören, nach Handzeichen eine perfekte Choreographie vollführten. Kürzlich stellte man für ein Frühlingsfestival die junge Schauspielerin Guan Xiaotong
(关晓彤 ) an die Spitze der kleinen Truppe – anstelle von Tai Lihua ( 邰丽华 *1976, ertaubt mit 2 nach einer Impfung). Auch als kurze Werbe-Show für das Vivo-Smartphone ist der Reiz noch erhalten geblieben.



Geä. 31.3.2021

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Sigmar Salzburg
20.12.2020 08.37
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Musik zum 4. Advent



John Cage – Organ2/ASLSP (As Slow As Possible) – Christoph Bossert – Orgel 4:02 min

In seinen letzten Lebensjahren schuf der Happening-Komponist John Cage (1912-1992) das Orgelstück „So langsam wie möglich“. Ob er noch selbst auf den Gedanken kam, die Dauer dieses Stücks auf die 639 Jahre auszudehnen, die im Jahre 2000 seit dem Bau der ersten europäischen Großorgel im Dom zu Halberstadt vergangen waren, weiß ich nicht.

Michael Praetorius hat diese Orgel noch gesehen und in seinem „Syntagma Musicum“ 1619 beschrieben. Zu ihrem Betrieb waren zehn Kalkanten (Orgelbalgtreter) notwendig. Sie soll als erste eine chromatische Tastatur (besser Hebelwerk) besessen haben. Das heute in Halberstadt laufende Cage-Stück wird (vielleicht) bis zum Jahre 2640 dauern. Hier kann man es auf vier Minuten zusammengedrängt hören.


https://youtu.be/lW3FP_atp1w

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Sigmar Salzburg
13.12.2020 14.30
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Musikgenuß zum 3. Advent



EARLY MUSIC MIDI

Die drei jungen Damen des Meisters der weiblichen Halbfiguren spielen gerade die Chanson von Claudin de Sermisy „Jouyssance vous donneray“ nach Worten von Clément Marot.

Der Text ist sicher weltlich gemeint; der in seiner Zeit berühmte Komponist war aber Geistlicher.

Vom namentlich unbekannten Maler sind zahlreiche ähnlich typisierte Bildnisse musizierender Frauen überliefert, deren sorgfältig abgemalte Noten lesbar und deren Lautentabulaturen spielbar sind.

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Sigmar Salzburg
17.11.2020 13.04
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Neues zur Geschichte der Newtonschen Physik

Hunderte Erstausgaben von Newtons „Principia“ aufgespürt

Mit seinem Hauptwerk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“ begründete Isaac Newton im Jahr 1687 die klassische Physik. Doch bislang war unklar, wie viele Exemplare von diesem Werk damals kursierten und wie stark es gelesen wurde. Jetzt haben Historiker in zehnjähriger Suche 387 Erstausgaben der „Principia“ aufgespürt, davon rund 200 zuvor unbekannte Exemplare. Ihre Untersuchungen belegen zudem, dass keineswegs nur Mathematiker dieses Werk lasen.

Ob das Trägheitsprinzip, der Impulserhaltungssatz oder das Reaktionsprinzip: Die Gesetze von Isaac Newton bilden bis heute die Grundlage der klassischen Mechanik. Seine Forschung legte aber auch die Grundlage für das Verständnis der Schwerkraft und der Bahnen von Himmelskörpern. Veröffentlicht hat der englische Gelehrte seine Schlussfolgerungen im Jahr 1687 in seinem dreibändigen Hauptwerk „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“, kurz „Principia“...

wissenschaft.de 17.11.2020

Einer der Leser muß auch Voltaire gewesen sein. Mir wurde einmal ein Original seines Buches „Elemens de la Philosophie de Neuton“ angeboten, das die Schwerkrafttheorie popularisierte – leider zu stark beschädigt.

Jetzt sehe ich, daß Newtons Werk mit Imprimatur von „S. PEPYS, Reg. Sec. PRÆSES julii 5. 1686“, gedruckt wurde. Samuel Pepys, der hohe Londoner Regierungsbeamte, ist berühmt für seine intimen Tagebuchnotizen, die er jahrelang in damaliger Eilschrift verfaßt hat, lange verkannt als Geheimschrift.

Ein kürzlich verstorbener Bekannter erinnerte mich immer an ihn in seiner hedonistischen Lebenseinstellung: „Wir Juristen können alles.“

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Sigmar Salzburg
21.10.2020 05.01
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Am Tag der Deutschen Einheit

Berichte: Anschlag auf Kunstwerke und Antiken auf Berliner Museumsinsel
21.10.2020, 01:46 Uhr | dpa, aj

Sinnloser Vandalismus oder eine gezielte Tat? In den weltberühmten Museen im Herzen Berlins wurden am 3. Oktober offenbar mutwillig umfangreiche Schäden an Kunstwerken und Artefakten angerichtet.

Auf der Berliner Museumsinsel sind Dutzende Ausstellungsobjekte nach Medienberichten von Unbekannten beschädigt worden. Laut „Zeit“ handelt es sich um einen „der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands“.

Ein oder mehrere unbekannte Täter hätten mindestens 70 Objekte im Pergamonmuseum, dem Neuen Museum, der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt, hieß es in einem Bericht der „Zeit“ und des Deutschlandfunks. Darunter seien ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Gemälde des 19. Jahrhunderts. Die Flüssigkeit habe darauf sichtbare Flecken hinterlassen.

Die Vorfälle sollen sich bereits am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zugetragen haben und bislang nicht öffentlich gemacht worden sein. Ob der Tag absichtlich gewählt wurde, war zunächst unklar. Zu den Motiven des Täters oder der Täter war zunächst nichts bekannt...

t-online.de 21.10.2020

Als sich der Kultusminister Zehetmair anläßlich der Rechtschreib„reform“ darüber freute, daß die deutsche Sprache wieder Gesprächsstoff sei, verglich ein Leser dies mit der Freude eines Museumswärters über das Säureattentat auf Rubens‘ „Höllensturz der Verdammten“ 1959, das nun zu einer intensiveren Beschäftigung mit Rubens geführt habe.

Wer könnte sich jetzt über diesen Anschlag eines wahrscheinlich unterbelichteten Wichtigtuers freuen? Der Islamische Staat, der in Nahost so etwas sogar mörderisch betrieben hat? Sonstige Sekten? Die linke Antifa, die die Schaustellung angeblich kolonialen Erbes wittert? Oder die neudeutsche Journalistin Ferda Ataman, die meinte, die deutsche Wiedervereinigung habe für viele einen „völkischen Beigeschmack“ gehabt. Noch nie hatte Deutschland innerhalb Deutschlands so viele Feinde.

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Sigmar Salzburg
09.10.2020 09.00
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Pompeji

Polly Lohmann haben wir hier schon mit ihrem Buch über römische Graffiti kennengelernt. Jetzt hat sie bei Scinexx ein „Dossier“ über das Kulturerbe „Pompeji“ veröffentlicht.

Römisches Erbe zwischen Kultur und Natur
Pompeji – Zeitreise in die Antike


scinexx.de 6.10.2020

Sehr empfehlenswert!

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Sigmar Salzburg
10.09.2020 09.29
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Ass-Art

Zufällig wurde ich an meine Studienzeit erinnert:

Timm Ulrichs ist ein deutscher Künstler und emeritierter Professor.
Geboren: 31. März 1940 (Alter 80 Jahre), Berlin
Ausbildung: Leibniz Universität Hannover (1959–1966) [Wikipedia]
Damals hieß die „Ausbildungs“stätte noch „Technische Hochschule“:
(dpa) Die schiere Masse und Vielfältigkeit von Ulrichs unterschiedlichsten Einfällen suche ihresgleichen, lobte die Jury des mit 12 000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preises, den der Autodidakt mit abgebrochenem Architekturstudium in diesem Januar erhielt. Ulrichs selbst kokettiert häufig damit, dass andere deutsche Künstler seiner Generation wie Gerhard Richter oder Georg Baselitz international berühmt und reich wurden, während er nach viel_versprechendem Beginn leider nicht über die „zweite Liga“ hinausgekommen sei.
monopol-magazin.de 31.3.2020
Ich erinnere mich noch, daß mein Studienkollege bei unserem Malprofessor Kurt Sohns unbeholfen mit Kartoffelstempeln versuchte, etwas Neues zu kreieren, was ihn nach seiner Aussage berühmter als Sohns machen sollte. Bald darauf erklärte er Eier durch den Stempelaufdruck „Kunstwerk“ zu einem solchen und schenkte eins davon unserem Statikprofessor. Der sagte, solche Leute gehörten nicht auf die Hochschule. Das nahm er wohl wörtlich, schlug sich weiter als Gagerfinder durch und wurde ganz schnell von einem linken Kultusminister zum Professor ernannt.

Immerhin war er nicht so zerstörerisch wie sein Vorläufer Arnulf Rainer, der nun schon neunzig ist:
In den Jahren 1953 bis 1959 lebte Rainer zurückgezogen in einer möbellosen, verlassenen Villa seiner Eltern ... Dort begann er die Werkgruppe der Reduktionen, die als Vorstufe seiner weltberühmten Übermalungen gilt... 1961 wurde Arnulf Rainer in Wolfsburg wegen der öffentlichen Übermalung eines prämierten Bildes gerichtlich verurteilt... 1981 erhielt er eine Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien ...
Als die Bilder zu einförmig schwarz wurden, ließ er Teile des Originals sichtbar. Kollegen sandten ihm daraufhin mißratene Bilder, um ihnen auf diese Weise doch noch etwas Ewigkeitswert zu verschaffen.

Kürzlich kopierte auch der geheimnisumwitterte Straßenkünstler Banksy den Zerstörungstrick:
Es war ein riesiger Schock bei der Versteigerung: Ein Werk des weltbekannten Street-Art-Künstlers Banksy hat sich nach der Auktion selbst zerstört. Kaum war das Bild „Girl with Balloon“ (Mädchen mit Ballon, 2006) bei Sotheby’s in London für den Rekordpreis von umgerechnet 1,2 Millionen Euro versteigert worden, schaltete sich ein im Rahmen versteckter Schredder ein und zerkleinerte es...
bild.de 5.2.2019
Banksy wußte wohl nicht, wohin mit seinen Millionen und stieg in die „Seenot“rettung zur Neubesiedlung Europas ein:
Banksy’s involvement in the rescue mission goes back to September 2019 when he sent an email to Pia Klemp, the former captain of several NGO boats that have rescued thousands of people over recent years.

“Hello Pia, I’ve read about your story in the papers. You sound like a badass*,” he wrote. “I am an artist from the UK and I’ve made some work about the migrant crisis, obviously I can’t keep the money. Could you use it to buy a new boat or something? Please let me know. Well done. Banksy.”

Klemp, who initially thought it was a joke, believes she was chosen by Banksy due to her political stance. “I don’t see sea rescue as a humanitarian action, but as part of an anti-fascist fight,” she told the Guardian.

theguardian.com 27.8.2020
Damit sind wir in der Gegenwart, wo „wir es so herrlich weit gebracht“.

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Sigmar Salzburg
07.08.2020 21.52
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Das Voynich-Manuskript

Vor zwei Jahren hatten wir über den Entzifferungsversuch des englischen Romanisten Gerard Cheshire am berühmten Voynich-Manuskript aus der Zeit um 1500 berichtet. Überzeugende Erfolge sind ihm wohl versagt geblieben. Jetzt schreibt die taz, neuerdings im Lübecker Lokal-Gender-Dialekt, daß Professor Rainer Hannig, „der zu den bedeutendsten Ägyptolog:innen und Expert:innen zählt“, eine Lösung gefunden habe:

Dekodierung des Voynich-Manuskriptes:
„Nachher ist es ein Kochbuch“


... Seit Jahrzehnten schon stellt das Voynich-Manuskript Linguist:innen und Historiker:innen vor ein Rätsel – weil bisher niemand wusste, was auf diesen sechs Jahrhunderte alten Seiten eigentlich steht. Rainer Hannig, Forscher am Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim, will das Problem nun gelöst haben. ...

Der Professor zählt gegenwärtig zu den weltweit bedeutendsten Ägyptolog:innen und Expert:innen im Bereich der Hieroglyphen. Er spricht mehrere Sprachen, darunter Altägyptisch und Chinesisch, und arbeitet als wissenschaftlicher Berater am Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim. ...

Seit Jahrzehnten versuchen Forscher:innen, das Rätsel zu lösen, und folgen dabei verschiedensten Ansätzen: die Dechiffrierung des angeblich ursprünglich lateinischen Textes, die Entzifferung mittels eines Algorithmus oder gar das Absprechen des Voynich von jeglichem Inhalt, die sogenannte Schabernack-Hypothese.

Vermutlich aus dem südosteuropäischen Raum

Doch noch keine dieser Herangehensweisen führte zum Ziel. Jetzt, mehr als hundert Jahre nachdem das Manuskript wieder aufgetaucht ist, will Rainer Hannig den „Weg zur Entzifferung“, so heißt sein aktuelles Forschungspapier, entdeckt haben...

Die Sprache, auf der Hannigs Entschlüsselung basiert, ist Hebräisch. Das erkennbare Sprach- und Schriftmuster des Voynich entspreche demnach dem der afro-asiatischen Sprachen und im Speziellen der Untergruppe der semitischen Sprachen. ... Das Manuskript, mutmaßt die Historikerin, könne eine Art „Insider-Schrift“ beinhalten, die das Wissen der Minderheit schützen sollte.

Um welche Formen des Wissens es sich handelt, kann nicht zuletzt anhand der konsequenten Bebilderung der Texte interpretiert werden: botanische Zeichnungen, Sternenhimmel, Organe, Tiere. „Zu den Pflanzen gibt es schon viele Deutungen, erklärt Daniela Rutica. Ein Erfolgserlebnis ihres Mannes sei gewesen, als er eine Passage mit „roter Stiel“ übersetzte und auf der Seite eine Pflanze mit einem roten Stengel zu sehen war...

In einer von Hannigs interpretativen Übersetzungen ist die Rede von einem kranken Bauern, der eine Suppe isst und dann zum Arzt geht. Um aber genauer zu verstehen, was es mit dieser Passage auf sich hat, bedarf es nun der weiteren Forschung durch Hebraist:innen. „Jetzt brauchen wir die Spezialisten“ [Spezialist:innen?], erklärt Schulz.

„Ein Wort zu übersetzen, heißt, den kulturellen Hintergrund zu verstehen“, sagt Daniela Rutica. Ihre Kollegin Angela Kaiser lacht: „Nachher ist es ein Kochbuch.“ Ob mittelalterliche Apothekenumschau oder 246-Seiten-Rezeptkatalog: Das Team um Rainer Hannig wolle möglichst bald ein Kolloquium einberufen, bei dem sich Forscher:innen verschiedener Fachbereiche dem Voynich und der Frage, worum genau es denn jetzt geht, widmen können.
...
taz.de 2.8.2020

802 Wörter: 3 dass , 2 sonst. ss -„ Reformerleichterungen ”, umso , auf Hebräisch „Genderwahn“: 8mal …:innen ; traditionell: sogenannte, Stengel.
Der erwähnte rote Stengel findet sich auf dem herunterladbaren PDF Dokument
kᶟwˁn-ᶟ ᶟp:er wˁm et:ˁr ad:ˁm Kerḥᶟ
„Aschfarbene Flockenblume mit rotem, kahlem Stengel“.

... et:ˁr חֹּטֶר ḥoter „Stengel“.
Das ḥ am Wortanfang wird nicht geschrieben und gesprochen. Aussprache: *eter.

...ad:ˁm אָדֹּ ם ᶟadom „rot“. Aussprache: *adom.

Man vergleiche die rote Bemalung des Stengels in der Zeichnung!
Hebräisch ist mir leider nicht zugänglich, die lexikalischen Notizen zu den verwandten Sprachen Akkadisch und Ugaritisch schon eher. Es ist zu hoffen, daß der Inhalt des Manuskripts bald systematisch erfaßt werden kann.

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Sigmar Salzburg
10.07.2020 14.42
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Die Religion des Unfriedens greift wieder zu

Türkei
Gericht hebt Museumsstatus der Hagia Sofia auf


... Nun hat das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei entschieden, dass die Hagia Sophia kein Museum mehr ist – sie kann damit wieder zur Moschee umgewidmet werden.

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit Langem, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln...

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden.

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. („Der Eroberer“) die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte ihr als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an. Um die Gültigkeit dieses Beschlusses des damaligen Ministerrats ging es nun vor dem türkischen Gericht.

spiegel.de 10.7.2020

Eine weise Entscheidung Atatürks wurde zunichte gemacht – aus dem Herrschaftsanspruch einer absurden Religion heraus. Näheres wurde bei uns schon angesprochen: hier, da, dort und so fort – bis zu aktuellen Auswirkungen der Eroberung von 1453 auf Deutschland.

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Sigmar Salzburg
09.07.2020 08.13
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Mohrenstraße

Berliner Zeitung
Kolumne:
Auf zur Rettung der Mohrenstraße!
Götz Aly


Berlin Seit einigen Jahren will eine Aktivistengruppe die Berliner Mohrenstraße wegbenennen, weil der Name Menschen afrikanischen Ursprungs beleidige. Das ist nicht der Fall.

Denn die fragliche Straße ist Teil der unter König Friedrich I. vor mehr als 300 Jahren errichteten Berliner Friedrichstadt. In deren Mitte verlaufen daher die Friedrichstraße und parallel dazu die Charlottenstraße, benannt nach Friedrichs Gattin Sophie Charlotte. Die Regierungszeit beider steht für das wirtschaftliche und geistige Wiedererwachen Berlins nach den menschlichen und materiellen Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges. Die neue Vorstadt wurde schachbrettartig angelegt. Grundstruktur und Straßennamen haben sich bis heute erhalten.

Da König und Königin städtischen Fortschritt herbeiwünschten, ehrten sie besonders die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten...

Zu den Querstraßen dieses Viertels zählen die Jäger-, Tauben-, Krausen-, Schützen-, Kronen-, Koch- und Zimmerstraße. Alle diese Straßennamen bezeichnen aufstrebende Berufsstände und Aktivitäten des entstehenden Bürgertums – und mitten drin finden wir die Mohrenstraße...

Berlin ist arm an historischer Substanz. Immerhin erhielten sich in den Namen von Straßen und Plätzen wichtige Schriftdenkmale. Sie widerstanden wilhelminischer Großmannssucht, Hitlers Germania-Plänen, Bombenkrieg und nazistischem Endkampf; sie überdauerten den Furor der autogerechten Stadt, der nach 1945 in beiden Stadthälften Berlins zu weiteren großflächigen Zerstörungen führte. Retten wir also, was zu retten ist!

Das Berliner Gesetz zum Denkmalschutz schließt nicht nur Bauwerke ein, sondern auch „Denkmalbereiche“. Laut Paragraf 2, Absatz 3 umfassen sie „eine Mehrheit baulicher Anlagen einschließlich der mit ihnen verbundenen Straßen und Plätze“. Dazu gehören in der Grundstruktur erhaltene städtische Ensembles wie die Friedrichstadt und selbstverständlich die historischen Straßennamen.

Es wäre gut, wenn das Berliner Abgeordnetenhaus dieses Gesetz entsprechend präzisierte. Denn schon versucht Stadträtin Sabine Weißler (Grüne, Bezirk Mitte) – unterstützt von Mitgliedern ihrer schon im Afrikanischen Viertel kenntnisarm tätigen Geheimjury –, in der winzig klein gewordenen historischen Substanz Berlins herumzupfuschen.

berliner-zeitung.de 30.6.2020

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