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Forum > Beispielsammlung über Sinn und Unsinn
Politisch korrekte Sprache
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Sigmar Salzburg
18.04.2010 09.51
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Deutsch soll noch mehr Orwellscher Neusprech werden

George Orwell hat in seinem antitotalitären Roman „1984“ die staatlich betriebene Simplifizierung der Sprache und ihre Säuberung von unerwünschten Wörtern beschrieben, die Schaffung von „Newspeak“, so daß unerwünschte Begriffe nicht einmal gedacht werden können.

Während die „Rechtschreibreform“ noch die Vereinfachung unter der Tarnbezeichnung „Erleichterung“ betrieb, in Wirklichkeit aber den Vorsprung der Lernfähigeren zurückstutzen wollte, ist jetzt das „falsche“ Denken der Angriffspunkt derer, die die Verfassung wieder einmal ihrer Ideologie anpassen wollen:

Rasse-Begriff soll aus dem Grundgesetz verschwinden

Berlin (afp). Die Fraktionen von SPD und Grünen im Bundestag wollen den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz streichen. Sie unterstützen damit einen Vorschlag des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Im Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es, dass niemand wegen „seiner Rasse (...) benachteiligt oder bevorzugt werden“ dürfe. Das Institut hat gefordert, diesen inzwischen international vermiedenen Begriff durch das Verbot „rassistischer“ Benachteiligung zu ersetzen.

Rheinische Post online 15.4.2010
Es soll also die unterschiedliche Herkunft mit verschiedenem Aussehen und anderer Mentalität nicht einmal mehr benannt und gedacht werden können. Als Begründung muß natürlich wieder der Mißbrauch des Begriffes vor allem unter der Nazi-Herrschaft herhalten.

Gewiß waren die Nazi-Rassetheorien genauso Pseudowissenschaft wie Homöopathie, Psychoanalyse und heute der Genderkult. Aber das darf doch nicht dazu führen, daß ein seit Jahrhunderten eingeführtes, in der Verfassung sinnvolles Wort deswegen beseitigt wird.

Die Etymologie des Wortes ist unsicher. Am überzeugendsten ist die Herleitung vom arabischen „ra’as“ (Kopf, … Anfang, Gipfel usw.) mit Anlehnung an ähnlich klingende romanische Wörter. Das Arabische stand im Mittelmeerraum in enger Verbindung zu den nördlichen Nachbarn – durch die spanischen Mauren, auf Sizilien, aber auch im Osten. Malta gehörte sogar seit 1530 zu Italien.

(Die Mutter eines Klassenkameraden unseres Sohnes, eine Malteserin, war überrascht, als ich ihr anhand einiger Schlüsselwörter, ra’as z.B., zeigte, daß ihre Muttersprache eine Variante des Arabischen ist.)

Das Wort hat an sich nicht die geringste abwertende Bedeutung, sondern bezeichnete zunächst nur abweichende Abstammung oder Aussehen. Noch heute ist es positiv gemeint, wenn gesagt wird, eine Frau habe „Rasse“, wobei sie noch nicht einmal zur eigenen gehören muß.

Der Begriff „Rasse“ eignet sich aber nicht zur Klassifizierung von Menschengruppen, weil die genetische Vielfalt ein räumliches Kontinuum ist, dessen Unterschiede sich oft nur durch die Religion erhalten. Nur die Gegenüberstellung lang getrennter Entwicklungslinien läßt deutlichere Abweichungen erkennen.

Nach der Ideologie der politisch Korrekten gibt es daher keine Rassen, was im Hinblick auf die Schwarzafrikaner, die von der übrigen Weltbevölkerung seit etwa 120000 Jahren genetisch abgespalten sind, gewiß falsch ist. Wenn sich auch der Begriff „Rasse“ nicht zur Klassifizierung von Menschengruppen eignet, so bewirkt doch gerade diese Unschärfe, daß alle Menschen damit im Gesetz erfaßt sind.

Der beabsichtigte Ersatz durch „rassistische Benachteiligung“ verwendet wieder das umstrittene Wort, jetzt aber mit dem Stempel des „Ismus“ als pawlowsches Signal (ebenfalls bei Orwell beschrieben) zum Haß gegen Andersdenkende, nicht unähnlich den bekämpften Rassisten. Eine ähnliche „Sprachreform“ streben die wörtlichen Feinde der Verfassung auch beim Begriff „Volk“ an.

Wenn man den politisch korrekten Zirkus nicht mitmacht, wird man schnell selbst zum Rassisten befördert. Daher nur der Hinweis: Auf meine halbafrikanische Nichte lasse ich nichts kommen.

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Sigmar Salzburg
04.01.2010 10.20
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Sprachregler

Da wollte der NDR wohl besonders lustig sein.
Moderator Jan Hofer (57) stellte in der NDR-Show „2009 das Jahresquiz“ die Frage: „Was durfte Madonna laut Gerichtsbeschluss im April nicht aus Malawi mit nach Hause nehmen?“
Die Antwortmöglichkeiten: „A) Pelzmantel, B) High Heels, C) Designerfummel, D) das kleine Schwarze“.
Nach der Frage ging ein Raunen durchs Publikum.
Hofers Kommentar: „Wir sind ganz schön frech, ne?”
Oder peinlich.
BILD.de 1.1.10

Die Neu-Duden treten auch als Blockwarte politisch korrekter Sprache auf:

Duden 2004

Neger
Viele Menschen empfinden die Bezeichnungen Neger, Negerin heute als diskriminierend. Alternative Bezeichnungen sind Schwarzer, Schwarze, Schwarzafrikaner, Schwarzafrikanerin oder auch Afroamerikaner, Afroamerikanerin, Afrodeutscher, Afrodeutsche. Vermieden werden sollten auch Zusammensetzungen mit Neger wie Negerkuss, stattdessen verwendet man besser Schokokuss.

Duden 2006 verschärft die Tabuisierung noch:

Neger
Viele Menschen empfinden die Bezeichnungen Neger, Negerin heute als diskriminierend. Alternative Bezeichnungen sind Schwarzafrikaner, Schwarzafrikanerin oder auch Afroamerikaner, Afroamerikanerin, Afrodeutscher, Afrodeutsche; in bestimmten Kontexten auch Schwarzer, Schwarze. Vermieden werden sollten auch Zusammensetzungen mit Neger wie Negerkuss, stattdessen verwendet man besser Schokokuss.

Offensichtlich hatte der NDR nicht den richtigen Duden zu Hand oder war sich über die „bestimmten Kontexte“ nicht im klaren. Nicht klar ist auch, ob das „Raunen im Publikum“ nun schon die erfolgreiche PC-Dressur anzeigt.

Mein 19. Duden kennt die angebliche Diskriminierung nicht, mein Etymologisches Wörterbuch von 1995 enthält auch geschichtlich keinen Hinweis darauf.


P.S.:
1. Der Verzicht auf die feministischen Doppelnennungen hätte ein bis zwei Zeilen gespart.
2. Wer bestimmt überhaupt, daß die defektive Neuschöpfung „Schokokuss“ ein gleichwertiger Ersatz für „Negerkuß“ ist?

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Sigmar Salzburg
24.05.2009 06.45
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Geldschneiderei mit der „Reform“

Rechtschreib-Seminare von und mit Sprachprofi Dagmar Jenner
Sprachexpertin findet: Die Rechtschreibreform ist besser als ihr Ruf!
Auch 13 Jahre nach ihrer Einführung bereitet die neue deutsche Rechtschreibung vielen Menschen Schwierigkeiten. Wer allerdings heute noch in alter Rechtschreibung kommuniziert, vermittelt einen schwerfälligen und unzeitgemäßen Eindruck. ….
Gleichzeitig möchte die Trainerin eine Lanze für die neue deutsche Rechtschreibung brechen, durch die tatsächlich vieles einfacher und logischer geworden ist. „Ich garantiere Ihnen: Die neue deutsche Rechtschreibung ist besser als ihr Ruf!“, versichert der eingefleischte Sprachfan.
Die „Texterei“ ist eine One-Woman-Show von Dagmar Jenner, einer professionellen Lektorin, Übersetzerin und Rechtschreib-Trainerin.

5.5.2009
http://pressemitteilung.ws/node/155902

Aber nicht wegen der beabsichtigten Geldschneiderei mit der „Reform“ und der denunziatorischen Herabsetzung der traditionellen Schreibweisen soll dieser Text hier stehen, sondern weil an zwei Stellen die Zwangsfeminisierung der Sprache mißlingen muß:

[Der] Sprachprofi Dagmar Jenner
und
der eingefleischte Sprachfan [Dagmar Jenner].

Die „Profiin“ und die „Fännin“ haben sich noch nicht durchgesetzt.

P.S.:
„Wer allerdings heute noch in alter Rechtschreibung kommuniziert, vermittelt einen schwerfälligen und unzeitgemäßen Eindruck.“

Umgekehrt: Wer heute noch „so genannt“ und „aufwändig“ schreibt, vermittelt den Eindruck hinterwäldlerischer Servilität.

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Sigmar Salzburg
02.11.2008 08.28
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Klimaschädliche Doppelnennungen

Gestern abend setzte bei „Schrift & Rede“ ein Anonymus „Steinlaus“ folgende Beobachtung ein:

Aus dem Koalitionsvertrag SPD/Grüne in Hessen:
- Anwärterinnen und Anwärter
- Altbewerberinnen und Altbewerber
- Künstlerinnen und Künstlern
- Verbraucherinnen und Verbraucher
- Hessinnen und Hessen
- Einwohnerinnen und Einwohner
- Erzieherinnen und Erzieher
- Schülerinnen und Schüler
- Lehrerinnen und Lehrer
- Mieterinnen und Mieter
- Verbraucherinnen und Verbraucher
- Richterinnen und Richter
- Landwirtinnen und Landwirte
- Staatssekretäre und Staatssekretärinnen
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Migrantinnen und Migranten
- Bürgerinnen und Bürger
- Polizistinnen und Polizisten
- Bewerberinnen und Bewerber
- Beamtinnen und Beamte
- Professorinnen und Professoren
- Zuschauerinnen und Zuschauern
- Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
- Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
- Patientinnen und Patienten
- Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen

Fehlt noch was? Ja, in der Pressekonferenz:

- „Skeptiker und Skeptikerinnen“ (Tarek Al Wazir, zweimal)

Und:

- „Wortbrecher und Worbrecherinnen“
(kam allerdings nicht in der Pressekonferenz)

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Sigmar Salzburg
20.06.2008 06.26
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Politisch korrekte Sprache

Spiegel online EINESTAGES:

Über den Boxer Johann Trollmann
… Im zunehmend rassistischen Klima dieser Zeit gerät Trollmann noch aus einem anderen Grund ins Kreuzfeuer der völkischen Ideologen: Rukeli Trollmann ist Sinto oder, im Jargon der Nazis, ein „Zigeuner“. … Dann kommt der Krieg. Sinti und Roma werden, anders als die deutschen Juden, in den ersten Kriegsjahren noch zur Wehrmacht eingezogen – auch Rukeli Trollmann muss Hitler als Soldat dienen, zuletzt an der Ostfront, wo er verwundet wird. Dann nimmt die rassistische Tötungsmaschinerie der Nazis auch Sinti und Roma im Visier. 1942 werden die „Zigeuner“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen.

Spiegel online EINESTAGES – 17. Juni 2008 18:37
einestages

„Zigeuner“ ist mitnichten „Nazijargon“, sondern ein seit etwa 1400 in Mitteleuropa übliches Wort unsicheren Ursprungs. Die Selbstbezeichnung „Sinto“ war noch 1961 dem Duden völlig unbekannt. Mag es dem Roma-Rat auch nicht gefallen: Niemand käme auf die Idee, die Deutschen zu verpflichten, „Dschungguoren“ statt „Chinesen“ zu sagen.

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