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Frankfurter Allgemeine Zeitung, F.A.Z., FAZ, faz.de, faz.net, faznet.de und die Rechtschreibung
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Norbert Lindenthal
03.12.2009 20.44
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Mehr Unterschriften als 1997 in Schleswig-Holstein

Frankfurter Allgemeine Zeitung 3. Dezember 2009

Volksbegehren erfolgreich
Weiß-blaue Rauchzeichen

[Bild]
In Bayern wird der Nichtraucherschutz abermals zum strittigen Thema
03. Dezember 2009 Knapp 1,3 Millionen Bürger – knapp 13,9 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern – haben es mit ihrer Unterschrift der schwarz-gelben Staatsregierung ins Stammbuch geschrieben: „Die Lockerung des Rauchverbots gefährdet Ihre Gesundheit.“ Nach dem erfolgreichen Volksbegehren, dass sich für eine Gesetzesänderung ausspricht, mit der der Nichtraucherschutz verbessert werden soll, müssen CSU und FDP sich nun im nächsten Jahr auf einen erbitterten Wahl- und Kulturkampf einstellen.
Noch nie seit 1967 hat ein Volksbegehren in Bayern eine so hohe Zustimmung erreicht. Es zielt darauf ab, in allen gastronomischen Betrieben und vielen öffentlichen Gebäuden das Rauchen zu verbieten. Im Gegensatz zu derzeit gültigen Rauchverboten soll es keine Ausnahmen mehr für kleine Lokale und abgetrennte Raucherbereiche geben. Auch in Bierzelten am Münchner Oktoberfest dürfte nach Annahme des Gesetzes im Jahr 2010 nicht mehr geraucht werden.

[Bild]
Ein Plakat der Nichtraucher-Kampagne der ÖDP in der Nähe des Münchner Siegestor
Sofern die Koalition nicht doch noch nachgibt, ist 2010 die gesamte Bevölkerung des Freistaats aufgerufen, in einem Volksentscheid über das Rauchverbot abzustimmen. Das bestehende Rauchverbotsgesetz war vom Landtag erst im August diesen Jahres aufgeweicht worden. Diese Änderung gilt als Anlass für das Volksbegehren. Der Entwurf der Gesetzesinitiative übernahm das ursprüngliche, strengere bayrische (sic) Landesgesetz aus dem Jahr 2007, strich jedoch eine Ausnahme heraus, die die Umwidmung von Lokalen zu „Raucherclubs“ erlaubte.
„Eine Ohrfeige für Gesundheitsminister Söder“
Die Initiative für das Volksbegehren ging von der nicht im Landtag vertretenen Kleinpartei ÖDP („Ökologisch-Demokratische Partei“), einer bürgerlichen Splittergruppe der Grünen, und Nichtrauchergruppen aus. Sie wurde von der SPD und den Grünen unterstützt.

Mit dem Erreichen der nötigen Stimmenanzahl wird der Gesetzesvorschlag nun an den Landtag weitergereicht. Der bayrische (sic) Innenminister Herrmann (CSU) sagte am Donnerstag, er erwarte, dass sich die Fraktionen der Regierungsparteien dagegen aussprechen werden. Die Regierung wolle zwar am gegenwärtigen Gesetz festhalten, das Volk müsse nun jedoch selbst entscheiden, wie rigoros das Rauchverbot sein soll. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Kathrin Sonnenholzner, nannte die Annahme des Volksbegehrens einen „Schlag für die wankelmütige CSU und eine Ohrfeige für Gesundheitsminister Söder“.
Das Volksbegehren muss vom Bayrischen (sic) Landtag spätestens bis Mitte April 2010 behandelt werden. Lehnt der Landtag das Gesetz ab, muss es bis Mitte Juli selben Jahres zu einem Volksentscheid kommen. Bei der Abstimmung reicht eine einfache Mehrheit aus, um das Gesetz zu beschließen. Der Landtag hat die Möglichkeit, bei dem Volksentscheid einen eigenen Vorschlag als Alternative zum Entwurf des Nichtraucher-Volksbegehrens vorzulegen.
Leidiges Thema für die CSU
Kaum ein Thema ist so geeignet, die Bevölkerung in zwei Lager zu spalten. Insbesondere die CSU leidet nach mittlerweile mehr als dreijährigem Hin und Her an einer „chronischen Rauchvergiftung“: Die Partei wird das Thema nicht mehr los – und hat immer einen beträchtlichen Teil der bayerischen Bevölkerung gegen sich, ob sie sich nun für oder gegen ein strenges Rauchverbot entscheidet.

Sebastian Frankenberger, der Hauptorganisator des erfolgreichen Volksbegehrens
Das erfolgreiche Volksbegehren ist auch nach Einschätzung von CSU-Abweichlern die Quittung für den Zickzack-Kurs der vergangenen Jahre. „Glaubwürdigkeit und Kontinuität waren nicht mehr gegeben“, sagt der Nürnberger CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Imhof, der offen gegen die Lockerung des Rauchverbots im vergangenen Sommer rebelliert hatte.
Denn bei der CSU machten viele das Rauchverbot für den traumatischen Verlust der absoluten Mehrheit 2008 mitverantwortlich. Nun hoffen vor allem SPD und Grüne, der Staatsregierung auch beim Volksentscheid eine Niederlage zufügen zu können
„Der CSU-Glimmstengel ist abgebrannt, in der Räucherkammer des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer“, sagt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher. Seehofer hat zwar gar keine Räucherkammer, denn er ist Nichtraucher. Doch hatte der CSU-Chef im Oktober 2008 höchstpersönlich die Lockerung des Rauchverbots angekündigt – eine Niederlage beim Volksentscheid wäre daher auch seine Niederlage.
Ob die CSU das Rauchverbot auch heute noch lockern würde, ist fraglich. In der Partei herrscht mittlerweile die Einsicht, dass die Niederlagen der vergangenen Jahre tiefere Ursachen hatten als die Frage, ob in Bayerns Wirtshäusern der freie Griff zur Zigarette erlaubt ist oder nicht.
Denn zwischenzeitlich hat die CSU auch bei der Bundestagswahl einen weiteren Tiefschlag einstecken müssen, bei der das Rauchen keine Rolle spielte.
SPD-Fraktionschef Rinderspacher jedenfalls sieht in einer qualmenden Vision die CSU/FDP-Abgeordneten bereits als „Räucherstäbchen“ herumlaufen – „mit der Duftmarke schlechte Laune“.
Auch für die FDP wäre ein erfolgreicher Volksentscheid ein schwerer Rückschlag. Erste Rauchwolken des kommenden Wahlkampfs stiegen bereits am Donnerstag auf. Die Koalition will nicht nachgeben, die CSU nach mehreren Kurswechseln nicht schon wieder umschwenken.
Der FDP-Abgeordnete Andreas Fischer warnte „vor einer gesellschaftlichen Spaltung, die ein totales Rauchverbot in der Gastronomie mit sich bringen würde“. Die erfolgreichen Organisatoren des Volksbegehrens bei der ÖDP dagegen jubelten bereits: „Jetzt kommt das bayerische Reinheitsgebot für Wirtshaus- und Festzeltluft.“ Das letzte Wort haben die Bürger.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa
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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
08.10.2009 13.44
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Herta Müller erhält den Literaturnobelpreis

08. Oktober 2009 …
Herta Müller gilt als „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“, die ihre Kindheit in Rumänien als Schule der Angst durchlebt hat und davon in ihren Werken beredet und bedrückend Zeugnis ablegt. Seit Anfang der 90er Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Müller mit Büchern wie „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“, „Herztier“ und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb. Das Lebenswerk der heute 56 Jahre alten deutsch-rumänischen Autorin zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime, dem sie erst 1987 entkommen konnte, ……

Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf im Kreis Temeschwar im lange Zeit deutschsprachigen Banat in Rumänien geboren. Nach den Eingriffen der Zensur in ihr erstes Buch und wiederholten Verhören und Hausdurchsuchungen verließ Müller 1987 schließlich ihre Heimat und siedelte in das damalige West-Berlin über. Schon 1984 war im Westen ihr Erzählband „Niederungen“ erschienen.
Der später folgende Prosaband „Reisende auf einem Bein“ entstand 1989 bereits in West-Berlin und spiegelt das Fremdsein in der neuen Heimat wider. Der Alltag in einem totalitären System ist Thema ihres Romans „Der Fuchs war damals schon der Jäger“ (1992). „Herztier“ (1994) beschreibt das Leben der Oppositionellen in Rumänien. …

faz.net 8.10.09


Auch Herta Müller hatte 1997 den Aufruf der Autoren gegen die „Rechtschreibreform“ unterzeichnet und weiterhin Distanz gezeigt:

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.7.00
F.A.Z. FRANKFURT, 27. Juli.[2000] Der Beschluss der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, am 1. August zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, hat zur Wiedereröffnung der Debatte über die Rechtschreibreform geführt. Bei den Lesern dieser Zeitung stieß die Entscheidung, die eine beispiellose Flut von schriftlichen und telefonischen Reaktionen zur Folge hatte, auf nahezu einmütige Zustimmung. …
Alle Verlautbarungen der Kulturbürokratie hätten ohnehin das Fehlen jeglichen Sprachgefühls bewiesen, selbst die „Autoren von Trivialromanen“ seien solcher „Dummheit“ im Umgang mit der Muttersprache „weit überlegen“. Wie Herta Müller sieht auch Günter Kunert in dem Entschluss einen Sieg der Sprache über die Kulturbürokratie. Der „Anschlag von Beamten“, meinte Kunert, sei damit noch einmal vereitelt worden; dies sei für ihn „tröstlich“.

Spiegel, KN u.a.:
Das Lebenswerk der heute 56-Jährigen deutsch-rumänischen Autorin zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime, …
spiegel.de 8.10.09
kn-online.de 8.10.09


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glasreiniger
16.07.2009 12.34
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Re: Einigkeit nur beim Volksentscheid

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Norbert Lindenthal
FAZ, 16.7.2009

CDU kündigt Bündnis auf
Große Koalition in Schleswig-Holstein geplatzt



Bei SpOn heute:

... Neuwahlen, nach der das Land lächzt.

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Norbert Lindenthal
16.07.2009 04.27
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Einigkeit nur beim Volksentscheid

FAZ, 16.7.2009

CDU kündigt Bündnis auf
Große Koalition in Schleswig-Holstein geplatzt


Auslöser der jüngsten Krise waren Konflikte um die staatliche HSH Nordbank.


[Anmerkung:
Die Regierung bürgt für die HSH Nordbank, womit jeder Schleswig-Holsteiner mit paar Tausend Euro verschuldet ist]
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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
05.05.2009 06.57
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Leserbrief von Hans Krieger

Die Sprache gehört niemandem

Es ist Peter Eisenbergs großes Verdienst, den Streit um die Rechtschreibung, den er für beendet erklärt, neu eröffnet zu haben („Lehrer, euch gehört die Sprache nicht!“, F.A.Z. vom 17. April). Denn die Folgeschäden der Reform sind täglich zu beobachten. Der gegenwärtige Schreibusus ist geprägt von allgemeiner Desorientierung, und selbst der partielle Rückbau der Reform, vor allem in der Getrennt- oder Zusammenschreibung, scheint mehr von Zufall und Beliebigkeit bestimmt zu sein als von einer Wiedergewinnung des Sprachverständnisses.

Das Problem hat Eisenberg mit wünschenswerter Schärfe formuliert: „Die Orthographie ist weder dazu gemacht, dass man mit ihr erfolgreich Wörterbuchverlage betreibt, noch dazu, in den Schulen gelehrt zu werden. Sie ist, wie sie ist... Jede noch so gutwillige, gutgemeinte Manipulation am Gegenstand hat zu unterbleiben.“ Aus ebendiesem Grund wäre der Rat für deutsche Rechtschreibung auch dann zum Scheitern verurteilt gewesen, wenn es all die Behinderungen seiner Arbeit, die Eisenberg aufzählt, nicht gegeben hätte. Er scheiterte nicht nur daran, dass er die Folgeschäden einer groben „Manipulation am Gegenstand“ nicht konsequent beheben, sondern nur mit Willkürspielräumen camouflieren durfte. Auch seine länger-fristige Aufgabe der „ständigen Beobachtung der Schreibentwicklung“ und der Erarbeitung von Vorschlägen zur „Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache“ krankt an einem unlösbaren Selbstwiderspruch. Denn nach der „Manipulation am Gegenstand“ gibt es keinen ungestörten „Wandel der Sprache“ mehr, an dem die Schreibentwicklung sich orientieren könnte. Aus den Chaosfrüchten der Deregulierung lassen sich Hinweise für ein angepasstes Regelwerk so wenig gewinnen, wie die marode Finanzwirtschaft aus ihrem unsoliden Derivatenhandel das Heilmittel der Gesundung schöpfen kann.

Auch ein neuer, schlankerer, vom Druck der Geschäftsinteressen weitgehend befreiter Rat für deutsche Rechtschreibung wird da wenig ausrichten können, wenn die Aufgabe nicht klar definiert ist. Mit der „Erhebung und Auswertung von Sprachdaten“ ist es nicht getan, denn erfasst würde ein künstlich gestörter Schreibgebrauch. Erst wenn ein konsistentes Regelwerk den Usus neu konsolidiert hat, kann das „Übliche“ wieder zum Kriterium des „Richtigen“ werden. Ausgangspunkt für die Wiedergewinnung vernünftiger Rechtschreibregeln kann also nicht die Reformschreibung sein, deren logische Dürftigkeit an den hilflosen Selbstkorrekturen von Duden-Auflage zu Duden-Auflage abzulesen ist (mit der besonderen Pikanterie, dass die jüngste Duden-Auflage die vom Rat für deutsche Rechtschreibung erarbeitete „Reform der Reform“ gezielt sabotiert). Leider kann auch der Kompromissvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nicht Richtschnur sein, weil er zu viele grammatikwidrige Schreibungen akzeptiert. Wir müssen dort wieder anknüpfen, wo wir noch verlässliche, durchschaubare und sprachadäquate Regeln hatten. Das ist die Rechtschreibung, die zuletzt der Duden von 1991 dokumentiert hat.

Die neue ss/ß-Schreibung wird man inzwischen als etablierte Üblichkeit akzeptieren müssen, auch wenn sie das Lesen erschwert und nachweislich die Verwechslung von „das“ und „daß" erleichtert. Wahrscheinlich auch die unsinnigen Dreifachkonsonanten. Alles Übrige, vor allem die heiklen Fragen der Groß- und Kleinschreibung und der Getrennt- oder Zusammenschreibung, war in der vor 1996 üblichen Schreibung so überzeugend geregelt, wie man es von einem Traditionsgebilde wie der Orthographie realistischerweise erwarten kann. Auf dieser Grundlage ein angepasstes Regelwerk zu erarbeiten ist eine überschaubare Aufgabe, die nicht „mittelfristig“, sondern ziemlich rasch zu bewältigen ist, wenn der Wille da ist.

Eisenberg spricht von der Verantwortung des Staates. Mit dem Eingriff in die Sprachentwicklung hat der Staat sich eine Kompetenz angemaßt, die ihm nicht zukommt; er ist nun verantwortlich für die Behebung des Schadens, den er damit angerichtet hat. Die Sprache gehört nicht den Lehrern, gewiss. Sie gehört niemandem. Am ehesten noch gehört sie jenen, die den diszipliniertesten und verantwortungsvollsten Gebrauch von ihr machen.

HANS KRIEGER, MÜNCHEN

FAZ 4.5.2009 S.8

Scannerfehler vorbehalten. (Leider hat er nicht „Übelkeit“ statt „Üblichkeit“ gelesen.)

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Sigmar Salzburg
30.04.2009 07.28
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Resignation der Lehrer ...

Da ich die FAZ nicht mehr kaufe, entgeht mir natürlich der folgende, sehr treffende Leserbrief von Wolfgang Steinbrecht, Studiendirektor a.D. aus Bad Nenndorf.
Deshalb hier ein Hinweis auf die Seite der FDS:

F.A.Z., 30.04.2009, Nr. 100 / Seite 35

http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=615#7635

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
18.04.2009 15.32
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Eisenberg in der FAZ

[Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der internen Information in der Bürgerinitiative]

Rechtschreibreform

Lehrer, euch gehört die Sprache nicht!

Das Problem der Rechtschreibreform war die bürokratische Verfassung ihrer Gremien

17. April 2009 Vor gut fünf Jahren hat die Ständige Konferenz der Kultusminister den Rat für deutsche Rechtschreibung ins Leben gerufen. Zu seinen Aufgaben gehören laut Statut „die ständige Beobachtung der Schreibentwicklung“ und „die Erarbeitung und wissenschaftliche Begründung von Vorschlägen zur Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache“. Der Rat hat nächstes Jahr mit Ende seiner ersten Amtszeit einen Tätigkeitsbericht vorzulegen. Und es zeichnet sich ab, dass auch personelle Veränderungen zu erwarten sind.

Trotz aller Rechtschreibfrustration verliert die Frage, wer die orthographische Norm künftig wie bearbeitet und entwickelt, nichts von ihrer Tragweite. Einheitlichkeit der Schreibung bleibt das stärkste Band im vielfältig gegliederten deutschen Sprachgebiet. Auch nimmt seine Bedeutung eher zu als ab. Alle vergleichenden Leistungstests der vergangenen Jahre setzen ja im Kern bei Schreib- und Lesekompetenzen an. Mit der Orthographiereform von 1996 hat der Staat die Verantwortung für den Normierungsprozess an sich gezogen. Der öffentliche Diskurs ist gegenwärtig einer mit dem Staat, in Deutschland an erster Stelle mit der KMK.

Weg zur Entscheidung

Die Einrichtung eines neuen Gremiums war unvermeidlich geworden, weil die alte zwischenstaatliche Rechtschreibkommission den Anforderungen nicht gerecht wurde. Man hat sie regelrecht gefeuert. Ihr war entgangen, dass die Kultusminister nach Jahren quälender Debatten, juristischer Auseinandersetzungen und politischer Querelen von der Neuregelung herunterwollten. Aber als dann im Herbst 2004 die zwölfköpfige Kommission durch einen sechsunddreißigköpfigen Rat ersetzt wurde, war die erste Reaktion ein allgemeines Rätselraten über die Motive der Politiker. Ein Gremium dieser Größe kann nicht effektiv arbeiten, aber andererseits musste etwas passieren. Der Rat sollte die Kastanien aus dem Feuer holen – und wider alle Erwartung tat er das. Innerhalb weniger Monate legte er ein in wichtigen Teilen überarbeitetes Regelwerk vor, das im Sommer 2006 politisch abgesegnet wurde und, abgesehen von kleineren Nachhutscharmützeln, die öffentliche Rechtschreibdebatte beendete. Drei Hauptgründe ermöglichten den Erfolg.

Der erste ist in der Person des Ratsvorsitzenden Hans Zehetmair zu sehen. Der ehemalige bayerische Staatsminister hat mit Geduld, Geschick und klaren Zielvorgaben dem heterogenen Gremium zu konstruktiven, inhaltlich verantwortbaren Entscheidungen verholfen. Der zweite Grund liegt bei den Arbeitsformen des Rates. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hatte ihre Mitwirkung an die Bedingung effektiver Arbeitsformen geknüpft. Es wurden Arbeitsgruppen zu Einzelthemen eingerichtet, deren wichtigste eine Neuformulierung der Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung vorlegte. Drittens musste der Rat inhaltlich nicht bei null beginnen. Er stützte sich auf den Kompromissvorschlag der Akademie, der seit 2003 als kommentierte Wörterliste gedruckt vorlag und später auch einen Formulierungsvorschlag für Teile des Regelwerks umfasste. Alles zusammen war eine glückliche Fügung, aber eine, deren Bestandteile vielleicht der künftigen Lösung Pate stehen können.

Gremium ohne Erfolgsdruck
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Seit dem Sommer 2006 arbeitet der Rat, aber substantielle Vorschläge zu Entwicklung oder Rückbau der Orthographie hat er nicht mehr gemacht. Das war politisch so gewollt, sachlich gerechtfertigt war es nicht. Die geltende Regelung enthält noch immer zahlreiche Ungereimtheiten und Fehlschreibungen. Vieles wurde von der Deutschen Akademie unternommen, um den Rückbauprozess in Gang zu halten, im Ganzen ohne Erfolg. Ausschlaggebend war letztlich, dass die „zuständigen politischen Stellen“ keine Bewegung mehr wollten und sich darin mit starken Kräften innerhalb des Rates einig wussten. Immerhin trat unübersehbar zutage, was ein solches Gremium tut, wenn es nicht unter Erfolgsdruck steht, wie es sich spreizt und zu entfalten beginnt. Man kann versuchen, daraus etwas zu lernen.

Die deutschen Vertreter im Rat werden von Institutionen benannt. Zu ihnen gehören unter anderen das Institut für Deutsche Sprache, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Union der Akademien, die großen Wörterbuchverlage, Verleger-, Didaktiker- und Journalistenverbände, Beamten- und Gewerkschaftsbund. Eine solche Zusammensetzung führt zwangsläufig zu Versuchen, die jeweils eigene Perspektive zur Geltung zu bringen, sei es als materielles Interesse wie bei den Verlagsvertretern oder sei es als Verbands- und Berufsinteresse.

Letzteres betrifft vor allem die Fraktion der Schulvertreter. Beispielsweise finden manche von ihnen nichts dabei, bestimmte Rechtschreibregeln zu favorisieren, weil sie sich einfach formulieren lassen. Das kann bis zu dem Punkt gehen, an dem die Einfachheit der Regel über die Angemessenheit der Schreibung triumphiert. Von Didaktikerseite kommt auch das Ansinnen, der Rat möge eine Umstellung literarischer Texte auf neue Orthographie empfehlen, soweit diese im Schulunterricht verwendet werden.

Ein Rat ohne Spesenabrechnung

Mehrfach hatte sich der Rat unter Mühen auf seine eigentliche Aufgabe zu besinnen. Die orthographische Norm entsprechend dem allgemeinen Schreibgebrauch zu erfassen und zu entwickeln ist etwas anderes, als sie den Bedürfnissen bestimmter Institutionen anzupassen. Um es ganz einfach zu sagen: Die Orthographie ist weder dazu gemacht, dass man mit ihr erfolgreich Wörterbuchverlage betreibt, noch dazu, in der Schule gelehrt zu werden. Sie ist, wie sie ist. Erst daraus gewinnt sie ihre Würde als allgemein verfügbares kommunikatives Werkzeug, als Gegenstand des öffentlichen Sprachdiskurses, der Dokumentation in Wörterbüchern, der Fachwissenschaft und erst recht der Fachdidaktik Deutsch. Jede noch so gutwillige, gutgemeinte Manipulation am Gegenstand hat zu unterbleiben. Der Rat soll ihm so zur Sichtbarkeit verhelfen, dass ein vernünftiger Umgang mit ihm möglich wird. Das ist ziemlich aufwendig, aber eine wichtige und lohnende Aufgabe.

Um die Aufgabe zu erfüllen, braucht der Rat eine materielle Grundausstattung. Datenerhebung und -auswertung zum allgemeinen Schreibgebrauch kosten Geld. Bisher behilft man sich und bittet Ratsmitglieder, die über elektronische Sprachkorpora verfügen, um Recherchen. Dieser Weg aber ist aus vielen Gründen auf Dauer versperrt. Und noch einmal sei an die Peinlichkeit erinnert, dass den deutschen Ratsmitgliedern im Gegensatz zu allen anderen nicht einmal Reisekosten erstattet werden. Man braucht keine sich aufblähende Organisation, um das Notwendige zu tun. Freundliche und aufmunternde Worte, wie wir sie von der KMK gelegentlich hören, reichen nicht. Der Staat hat eine Verantwortung übernommen.

Orthographische Ausweichmanöver

Ein weiteres, durchaus demotivierendes Manko ist eine gewisse Ziellosigkeit der Ratsarbeit. Es gibt keinen geregelten Weg, auf dem Vorschläge umgesetzt oder abgelehnt werden. Dies war von Beginn an so etwas wie die politische Achillesferse der Neuregelung. Wir stehen als Bittsteller da, müssen mit schlichter Nichtbefassung rechnen und haben nicht einmal ein verbrieftes Vortragsrecht, ganz zu schweigen von einem Anspruch auf internationale Abstimmung.
Schließlich liegt das geltende amtliche Regelwerk wie ein Felsbrocken in der Tür zu einer sich verstetigenden Arbeit. Der Text ist, was die Textsorte betrifft, unentschieden, er ist unverständlich, voller Widersprüche, viel zu kompliziert, wissenschaftlich nicht auf dem Stand der Technik, er erfasst zu wenig elementare Regularitäten, regelt aber zu viele Details. Die Deutsche Akademie wird deshalb für die nächste Ratssitzung am 24. April einen Textvorschlag zum kritischen Bereich Substantivgroßschreibung vorbereiten, der einige unhaltbare Fehlschreibungen ausschließt und hoffentlich zeigt, wie einfach das Regelwerk sein könnte.

Vorschlag für die Zukunft

Die Rechtschreibdiskussion ist in Deutschland verstummt, gewichtige Folgeschäden der Neuregelung sind geblieben. Das Vertrauen der Sprachgemeinschaft in die Tragfähigkeit der geltenden Regelung ist erst teilweise hergestellt, das gilt ausdrücklich auch für die Schule. Man umschifft den Orthographieunterricht eher als vor 1996 und tut den Kindern damit keinen Gefallen. Die Rechtschreibfähigkeiten werden so keinesfalls besser, nicht einmal dort, wo die Neuregelung nichts geändert hat.

Riskieren wir deshalb einen konkreten Vorschlag, mit dem sich zahllose Diskussionen unter Fachleuten bündeln lassen. Ein Rat für Rechtschreibung, dem mittelfristig die Regelung der Orthographie des Deutschen obliegt, hat eine ungerade Zahl von weniger als zehn Mitgliedern. Sie sind Fachleute für Erhebung und Auswertung von Sprachdaten, für deren systematische Beschreibung wie für die Umsetzung der Beschreibungen in ein transparentes, einer größeren Öffentlichkeit zugängliches Regelwerk. Der Rat verfügt über Mittel zur Erfüllung seiner Aufgaben. Ihm steht ein Weg offen, den er zum Inkraftsetzen seiner Vorschläge beschreiten kann.

Peter Eisenberg lehrt Linguistik in Potsdam und gehörte zu den engagiertesten Kritikern der Rechtschreibreform. Seit 2005 ist er Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
faz.net 17.4.09

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Sigmar Salzburg
24.03.2009 05.02
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Unbeschreibliches bei Tauss, schreibliche Libertinage bei der F.A.Z.

Causa Tauss
Im stinkenden Schweinestall
Tauss wollte demnach die Szene erforschen, in der Kinderpornographie gehandelt wird. … Tauss wiederum soll H. nach Medienberichten mindestens ein kinderpornografisches Bild aufs Handy geschickt haben. … der Austausch pornographischen Materials … Kinderpornographie … Kinderpornographie … Pornographie … Kinderpornographie … Kinderpornographie … Kinderpornografie
Text: F.A.Z.
FAZ.net 20.3.09

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Sigmar Salzburg
21.04.2008 11.27
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FAZ mit zaghafter Kritik

... Über eine hilfreiche Fibel zum besseren Verständnis der neuen Regeln der Rechtschreibung berichtet die „FAZ“. Nach der Rechtschreibreform sei die Rechtschreibung weiterhin voller Unstimmigkeiten, aber der Autor Karl-Heinz Göttert – Rhetorikspezialist an der Universität Köln – wolle nicht klagen, schreibt die „FAZ“. „Denkbar unterhaltsam“ gelinge es ihm, die Hintergründe der Regeln zu erläutern. Er verteidigt und kritisiert, wo er es für angemessen hält. Der „kurvige Weg des jüngsten orthographischen Projekts“ werde so nachvollziehbar...

Berliner Literaturkritik 21.04.08

http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=17822

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Norbert Lindenthal
09.04.2008 06.17
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wenn die hohen staatsgewalten

FAZ.NET 9. April 2008

Wulf Segebrecht
Es lebe die Trikolore



Reiner Kunze:
Die sprache hat den mund zu halten, / wenn die hohen staatsgewalten / sich für ihren vormund halten / und barbaren sie verwalten.

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Detlef Lindenthal
24.01.2008 10.53
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Re: Zerrüttete Rechtschreibung

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
... Schweiß gebadet aufgewacht ... faz.net ...

(Bei Provinzblättern wie den Kieler Nachrichten kommt so etwas kaum noch vor!)
Wie meinen Sie das – was kommt bei den KN kaum noch vor?

Bei der Gelegenheit habe ich mir mal wieder faz.net angeschaut: Flachdummer Fernsehtratsch, Leserveralberung, Uri-Geller-Schwachsinn, Lüge: Wenn F.A.Z. das Flaggschiff deutscher Geistigkeit ist, läßt sich ermessen, wie Deutschland und Europa drauf sind.
__________________
Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
24.01.2008 07.37
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Zerrüttete Rechtschreibung

Protokoll einer Zerrüttung
Schönen Dank auch, Uri Geller!

[…]
2.46 Uhr Kalter Wind zieht durchs Schlafzimmerfenster. Die Katzen sind irgendwie unruhiger als sonst. Die drei Uhren laufen synchron. Die Uhr im Bad hinkt drei Minuten hinterher, aber das tut sie immer. Ich schließe die Fenster. Hat meine Frau im Schlaf gezuckt?
3.51 Uhr Schweiß gebadet aufgewacht, von meiner Schwiegermutter geträumt. Blicke reflexartig auf alle zur Verfügung stehenden Ziffernblätter, die alte Uhr läuft immer noch. …

faz.net ...

(Bei Provinzblättern wie den Kieler Nachrichten kommt so etwas kaum noch vor!)

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Sigmar Salzburg
06.10.2007 07.27
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Kempowski nach faz-net vor drei Jahren

08. August 2004 Bei Intellektuellen und Autoren stößt das Wiederaufflammen des Streits um die Rechtschreibreform auf ein geteiltes Echo. Unverständnis äußerte der Philosoph Peter Sloterdijk in der „Financial Times Deutschland“ (Montagausgabe) über die Ankündigung von einigen Medienkonzernen, wieder die frühere Ortografie einzuführen: „Die Verlage sind genauso wenig befugt eine Rechtschreibreform durchzuführen wie die Kommission, die das seinerzeit beschlossen hat. Das war bei der Reform, wie auch jetzt, die Gremien-Erotik von Männern in gehobener Stellung.“ Tatsächlich könnten dies nur die Schreibenden selbst entscheiden – „die Schriftsteller und das alphabetisierte Volk“.

Uneingeschränkt zufrieden äußerte sich der Schriftsteller Walter Kempowski in der Zeitung: „Daß in dieser Hitze eine so gute Nachricht ins Haus flattert, ist wunderbar. Ich habe mich sehr gefreut über die Initiative der genannten Verlage und hoffe, daß ihnen andere folgen werden.“


- – - – -

P.S., dem Meisterdenker, entgleitet die Logik: Eine Abkehr von der „Reform“ ist doch keine Reform.

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Norbert Lindenthal
16.07.2007 19.55
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Dümmer auf Englisch

FAZ vom 6.7.2007

Wissenschaftssprache
Dümmer auf Englisch

Von Stefan Klein

Vor kurzem tagte in Berlin eine Konferenz mit dem schönen Titel „Gedankenforscher“. Es ging um die Frage, ob und wie man mit neuen Verfahren der Neurowissenschaften Gedanken und Gefühle künftig direkt aus dem Gehirn herauslesen kann. Im Auditorium saßen Wissenschaftler, Vertreter von Stiftungen und des Nationalen Ethikrats, auch das Bundeskriminalamt hatte eine Abordnung entsandt. Alle Referenten – sechs Deutsche, drei aus den Vereinigten Staaten, ein Brite – waren hervorragend. Und alle sprachen Englisch oder, im Fall der deutschen Redner, mitunter auch so etwas Ähnliches. Seltsam gewählte Worte und verschlungene Sätze ließen so manchen Vortrag weniger brillant wirken, als er inhaltlich war.

Wer aber sprach im Publikum Englisch? Niemand. Und auch die vier ausländischen Redner hätten einen deutschen Vortrag ohne Mühe verstanden, denn überall lagen Kopfhörer für die Simultanübersetzung bereit. Selbstverständlich habe man es sich gewünscht, dass die einheimischen Redner Deutsch sprächen, erklärte mir die finanzierende Stiftung. So wäre die Resonanz in der Öffentlichkeit stärker gewesen. Aber die Professoren wollten es anders. Ihr Argument: Nur eine Veranstaltung mit Konferenzsprache Englisch nehme man ernst. Nun könnte man grübeln über das Selbstbewusstsein von Forschern, die meinen, ihre Glaubwürdigkeit hänge an einer Fremdsprache. Oder sich ärgern über die Missachtung des Publikums, wenn für die Organisatoren nur das Ansehen bei ihresgleichen zählt. Immerhin hatten die „Gedankenforscher“ Geld für eine öffentliche, nicht für eine Fachtagung bekommen.

Es geht um die Demokratie

Vor fünfhundert Jahren verabschiedete sich Luca Pacioli, ein Pionier der modernen Mathematik und des Rechnungswesens, einhundert Jahre später auch Galileo Galilei von der damaligen Wissenschaftssprache Latein. Sie schrieben auf Italienisch, und ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit bestand darin, in der Volkssprache erst einmal Begriffe für die neuen Konzepte zu schaffen. Der Zugang zum Wissen sollte jedem offenstehen.

Heute sind die Wissenschaftler dabei, Paciolis Revolution rückgängig zu machen. Aber wie wollen sie Verständnis in einer Gesellschaft finden, mit der sie nicht einmal mehr die Sprache verbindet? Und werden wir bald auf Deutsch überhaupt nicht mehr über neue Forschungsergebnisse sprechen können, weil uns die Worte fehlen? Die Gesellschaft droht sich zu spalten zwischen den Nutzern einer Elitesprache und all den anderen, an denen die aktuellen Entwicklungen vorübergehen. Ob Deutsch eine Wissenschaftssprache bleibt oder nicht, ist darum keine Frage des Nationalstolzes. Es geht um viel mehr: um die Demokratie.

Wer Wissenschaft nur in einer Fremdsprache begegnet, bezahlt selbst dann mit Verlusten, wenn er dieses Idiom hervorragend beherrscht. „We are dumber in English“, zu diesem Schluss kamen Untersuchungen in Schweden und den Niederlanden, wo Kinder von ihrem ersten Schultag an mit dem Englischen vertraut gemacht werden. Vorlesungen auf Englisch sind dort Teil jedes Studiums, doch die Prüfungsergebnisse fallen im Schnitt zehn Prozent schlechter aus als bei Lehrveranstaltungen in der Muttersprache. In englischen Seminaren stellen und beantworten die Studenten weniger Fragen, sie wirken insgesamt hilfloser. Weder Studenten noch Lehrern ist das Problem gewöhnlich bewusst, weil alle ihre Gewandtheit im Englischen überschätzen.

Die griffigen Namen der Algebra

An deutschen Universitäten ist Englisch inzwischen in 250 von insgesamt 1976 weiterführenden Studiengängen (,Master“) alleinige Unterrichtssprache. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird sie für das Deutsche als Wissenschaftssprache den sicheren Tod bedeuten. An der renommiertesten Universität Schwedens in Uppsala hingegen erwägt man bereits, wieder mehr Veranstaltungen auf Schwedisch anzubieten oder im Grundstudium ganz zur Landessprache zurückzukehren.

Nicht nur Verständigungsschwierigkeiten machen Studenten und Hochschullehrern zu schaffen. Sprache vermittelt auch eine emotionale Bindung an einen Gegenstand. Und umso abstrakter eine Disziplin ist, desto mehr lebt sie von dieser Beziehung. Ich erinnere mich gut an meine Begeisterung, als ich in Mathematikvorlesungen zum ersten Mal die wunderbar griffigen Namen der Algebra hörte. Da gibt es Kerne (Mengen, die auf die Null abgebildet werden) und Ringe (Mengen von Zahlen mit bestimmten Verknüpfungen). Sofort hatte ich für diese Konzepte ein Bild.

In der wahrlich unanschaulichen Quantenphysik prägte Erwin Schrödinger den Begriff der „Verschränkung“ für Teilchen, die, obwohl weit voneinander entfernt, stets denselben Zustand einnehmen. Anders als beim englischen „entanglement“ ahnt man sofort, was gemeint ist. Einstein hat die daraus entstehende Irritation auf den Punkt gebracht: Es müsse sich um eine „spukhafte Fernwirkung“ handeln – ein Rätsel, das die Physiker bis heute beschäftigt. Solche Anschaulichkeit ginge für immer verloren, trügen die Konzepte der Wissenschaft nur noch englische Namen.

Ein Haufen Puzzleteile

Was also ist zu tun? Deutsch sollte die Sprache der Seminare und Vorlesungen bleiben. Die Entwicklung hingegen, dass Natur- und zunehmend auch Geisteswissenschaftler im internationalen Kontakt nur noch auf Englisch kommunizieren, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Es geht den Forschern um Einfluss, und der ist am größten, wenn alle eine Lingua franca verwenden.

Es muss für die deutsche Wissenschaftssprache auch kein Schaden sein, wenn Veröffentlichungen im täglichen Forschungsbetrieb auf Englisch erscheinen. Solche Artikel behandeln fast immer winzige Erkenntnisfortschritte – die Frage etwa, ob Gen X nun unter Wirkung von Protein Y exprimiert wird oder nicht. Sie richten sich an ein kleines Publikum, prägen selten wissenschaftliche Konzepte und sind, selbst wenn sie von Muttersprachlern verfasst wurden, sprachlich in der Regel so herausragend wie die Gebrauchsanweisung eines DVD-Players.

Aber ein Haufen Puzzleteile ist noch keine Wissenschaft. Jede Disziplin braucht auch Veröffentlichungen, die Zusammenhänge aufzeigen, aufregende Ideen vermitteln und neue Konzepte umreißen. Diese Arbeiten sind an die Kollegen jenseits der engsten Grenzen der eigenen Fachwelt gerichtet, aber auch an weitere Kreise der Öffentlichkeit. Sie leben vom sprachlichen Ausdruck, weil der Autor das Publikum durch ein weites, fremdes Terrain führen und es dafür begeistern möchte. Um das Deutsche als Wissenschaftssprache zu erhalten, sollten wir uns um diese Art von Veröffentlichungen bemühen.

Anreize bieten

Nötig ist etwas Initiative. Denn mit Prestige und mittelbar Geld belohnt werden Forscher derzeit vor allem für eine Publikation in einem möglichst angesehenen internationalen Journal oder für einen Auftritt auf einer internationalen Fachkonferenz. Nicht aber für einen elegant formulierten Essay über die geistigen Konzepte, die ihrer Arbeit zugrunde liegen, nicht für ein Buch, das die eigene Forschung in ihren Zusammenhängen darstellt, erst recht nicht für einen Vortrag in einer Ringvorlesung. Dabei bereiten solche Arbeiten mehr Mühe als eine eilig zusammengeschriebene Veröffentlichung in einem Fachjournal. Und wie man diese Aufgabe am besten bewältigt, lehrt an unseren Universitäten niemand.

Doch Wissenschaftler leben von ihrer Lernfähigkeit und sind wie alle Menschen für Belohnung empfänglich. Man muss ihnen also Anreize bieten, sich ihres sprachlichen Verstands zu bedienen – und sich in die Gesellschaft einzumischen.

Zwei sofort umsetzbare Maßnahmen könnten einen Stimmungsumschwung einleiten: Erstens sollten Abschlussarbeiten an allen Fakultäten künftig eine mehrseitige allgemeinverständliche Zusammenfassung in deutscher Sprache enthalten, die in die Examensnote eingeht. Auch Anträgen auf öffentliche Mittel muss eine ausführliche Inhaltsangabe beigefügt werden, die jeder interessierte Laie versteht. Diese Mühe schuldet jeder Forscher der Demokratie.

Wissenschaft erzählen

Zweitens sollte künftig ein hochdotierter Preis die besten Wissenschaftler zum Schreiben anregen. Prämieren könnte man deutschsprachige Arbeiten aus verschiedenen Kategorien: das beste wissenschaftsliterarische Gesamtwerk; den besten Essay; den besten Forschungsbericht; das beste Lehrbuch, dazu je ein natur- und ein geisteswissenschaftliches Sachbuch des Jahres. Der Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung kann das Erforderliche nicht leisten. Aus den Lesefrüchten der Jury ließe sich ein Jahrbuch der besten deutschen Wissenschaftsprosa zusammenstellen – Entsprechendes gibt es in den Vereinigten Staaten längst.

Ob und wie wir die Sprache in der Wissenschaft pflegen, hängt letztlich davon ab, wie wir das Unternehmen Wissenschaft insgesamt begreifen. Zu oft gerät in Vergessenheit, dass Forschung viel mehr ist als das Aufstellen von Hypothesen, das Sammeln von Daten und das Falsifizieren von Theorien. Das ist die tägliche Arbeit. Doch aus dieser kollektiven Anstrengung ergibt sich ein viel größeres Bild: Wissenschaft ist auch eine Erzählung von Menschen, die auszogen, die Welt zu begreifen und zu verbessern. Deshalb sind die Werke von Darwin, Galileo und Einstein bis heute so faszinierend. Nur wenn wir wieder lernen, Wissenschaft zu erzählen, hat Deutsch als Sprache der Wissenschaft eine Zukunft.

Der Autor ist Biophysiker und Wissenschaftsjournalist. Sein Sachbuch „Die Glücksformel“ wurde in vierundzwanzig Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien von ihm „Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist“ im S. Fischer Verlag.

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-- Mit freundlichen Grüßen Eva-Maria Kieselbach Vorstandsmitglied im Verein Deutsche Sprache e.V. Carlo-Mierendorff-Straße 15a, 34132 Kassel Tel./Fax 0561 / 405323

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Sigmar Salzburg
15.03.2007 07.49
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F.A.Z. – jetzt ohne Not linientreu

[oll] Im Dezember 2002 hatte der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass die von der Landesregierung beabsichtigte verbindliche Einführung des Grundschulfranzösischs rechtens sei… Unklar ist, … ob die Einschränkung der Sprachenwahl schon im Jahr 2001 beabsichtigt war, aber geheim gehalten wurde.
F.A.Z., 15.03.2007, Nr. 63 / Seite 4

Der Schock über das „geheim gehalten“, das Frau Schmoll oder der sie „korrigierende“ Automat in die F.A.Z. v. 15.03.07 gesetzt hat, weicht schnell dem Befremden, daß lt. Duden 06 hier die Zusammenschreibung immer noch nicht wieder zugelassen sein soll, obwohl dies sogar in abseitigen Fällen neuerdings gefordert wird.

Die komischste Wirkung hatte diese Spaltschreibung im Titel einer Fernsehsendung: „Mitterands geheim gehaltene Tochter“. Irgendwie erinnert das an das verbotene geheime Halten „individueller“ Schweine in einer Ausprägung des realen Sozialismus.

(„Rechtens“ adverbial aufzufassen ist als Möglichkeit akzeptabel, nicht aber als Verpflichtung – schon gar nicht in der Rechtssprache.)

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Sigmar Salzburg

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