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Norbert Lindenthal
22.07.2006 04.22
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„für die Schulen nicht geeignet“

Die Welt, 22. Juli 2006

Politik

„Für die Schulen ist er nicht geeignet“

Die größte Überraschung des „neuen Dudens“ ist seine vermeintliche Modernität. Er setzt sich ostentativ allen Empfehlungen entgegen, in Zweifelsfällen der neuen Rechtschreibung zur herkömmlichen deutschen Orthographie zurückzukehren. Der prominente Kritiker der Rechtschreibreform, der Erlanger Linguist Theodor Ickler, hat dafür in ersten Analysen und vergleichenden Betrachtungen eine Fülle von Beispielen ermittelt und kommt zu dem vernichtenden Fazit, der neue Duden sei „für die Schulen nicht geeignet“.

So sollen die erst eben vom Deutschen Rechtschreibrat neu zugelassenen „alten“ Zusammenschreibungen laut neuem Duden nun doch besser wieder auseinandergerissen werden. Was für Wörter sind davon betroffen? Ickler nennt „klein schneiden“, „kaputt machen“, „frei machen“, „bloß strampeln“, daneben aber auch solche, die Bedeutungsunterschiede bezeichnen. Hierunter fällt auch das berühmte „sitzen bleiben“, das bei einheitlicher Getrenntschreibung keine Differenzierung zwischen Schule und Parkbank mehr ermöglicht. Freilich soll „freikratzen“ weiterhin zusammengeschrieben werden, wie auch für alle Verben mit „tot“, „fest“, „voll“ („vollpumpen“, „totlaufen“, „festzurren“) Zusammenschreibung empfohlen wird, so daß von einem durchgängig angewandten neuen Prinzip nicht gesprochen werden kann.

Ähnliches gilt für die Großschreibung fester Begriffe. Auch hier will der Duden wieder hinter die Neuerungen des Rechtschreibrates zurück und Großschreibungen nur noch als „Ausnahmen“ zulassen. Ein solcher Sonderfall wäre demnach die „Erste Hilfe“ (warum?), nicht aber das „ewige Licht“ und der „grüne Tisch“.

Gravierend sind diese Empfehlungen deshalb, weil sie in Tausenden Schreibweisen von denen anderer Verlage abweichen. So hat das erst zwei Wochen vor dem Duden erschienene neue Wörterbuch Wahrig die Empfehlungen des Rechtschreibrates weitgehend umgesetzt. Hier werden der „Blaue Brief“ und der „Runde Tisch“ wieder großgeschrieben, „sitzenbleiben“ (in der Schule) und die „freilaufenden Hühner“ zusammen.

Auch mit der Handhabung der neuen Rechtschreibung in den Nachbarländern gerät der neue Duden in Konflikt. Denn, so hatte die Schweizer Orthographische Konferenz den Medien und den Buchverlagen erst Anfang Juni empfohlen, wo immer der Rat für deutsche Rechtschreibung Varianten der neuen Rechtschreibung zulasse, soll „in der Schweiz inskünftig die herkömmliche Schreibweise verwendet werden“. Aufgezählt werden Beispiele wie „aufwendig“ statt „aufwändig“, „kennenlernen“ statt „kennen lernen“, „fleischfressende Pflanze“ statt „Fleisch fressende Pflanze“ und „er hat recht“ statt „er hat Recht“.

Dasselbe gilt für große Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wie beispielsweise den Verlag Axel Springer. Auch sie hatten die Empfehlungen des Rechtschreibrates – der mit seiner Arbeit noch keineswegs fertig ist – begrüßt (siehe auch Kasten links), um die „Einheitlichkeit des Schriftgebrauchs ... wiederherzustellen“. Offen ist bis heute, auf welche Schreibweise sich die Deutsche Presse-Agentur (dpa) festlegt. Sie wird über ihre künftige Schreibung erst gegen Ende des Jahres entscheiden.

gur
Artikel erschienen am Sonnabend, 22. Juli 2006

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Detlef Lindenthal
14.07.2006 13.18
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Die Welt schrieb:
„Von den insgesamt 4874 Rechtschreibfehlern (ohne Interpunktionsfehler; d. Red.) fällt etwa die Hälfte in die Großbereiche der Orthographie, die 1996/ 98 reformiert wurden (Laut-Buchstaben-Beziehung; Groß-Kleinschreibung; Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung am Zeilenende).“ Um die Entwicklung der einzelnen Fehlerarten vor und nach der Reform stichprobenartig zu ermitteln, zog der Wissenschaftler eine DDR-Studie über die Klassen 5 bis 10 heran. Während der Fehleranteil bei Worttrennung und Getrennt-/Zusammenschreibung gleich geblieben ist, sind die Abiturienten von heute bei der Groß- und Kleinschreibung auf das Niveau von Mittelschülern von damals abgeglitten.
Das macht mich nun aber betroffen.
Bisher wurde hier im Forum 6mal nach der Fehlereinsparung gefragt, übrigens jedesmal von mir, und niemand konnte mir das beantworten.
Früher hieß es immer: 50 % Fehlereinsparung durch die „Reform“; nun aber sieht es so aus, als wenn die Fehler durch sie deutlich mehr geworden sind? Stimmt es etwa, daß die „Reform“ unlernbar sei?
Wenn das nun wirklich stimmt mit der Fehlerzunahme, muß man dies nicht auch den Ministerpräsidenten mitteilen?
Ich habe mir vorgenommen, daß ich in den nächsten Tagen an Herrn Carstensen nach Kiel schreibe. Er hatte mich 1996 wegen RS„R“ und Volksentscheid angerufen, da freut er sich sicherlich, wenn ich nun an unsere Gespräche anknüpfe.

Mit freundlichen Grüßen,
__________________
Detlef Lindenthal

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Norbert Lindenthal
14.07.2006 05.29
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extrem zugenommen


Kultur
Die Welt 14.7.2006

Schreibreform: Mehr Fehler als zuvor

Wenige Tage vor der Verbindlichkeit der neuen Rechtschreibung: Studien belegen, daß die Fehlerquote in Rechtschreibaufsätzen seit Einführung der Reform extrem zugenommen hat.

von Dankwart Guratzsch

Eine Langzeitstudie des Max-Planck-Instituts und der Universität Würzburg sowie vergleichende Studien des saarländischen Pädagogen Uwe Grund kommen zu übereinstimmenden und einander ergänzenden Resultaten. Danach erweist sich das Hauptziel der Rechtschreibreform, die Beherrschung der deutschen Schriftsprache zu erleichtern, als gescheitert.

Die Bedeutung der Würzburger Untersuchung liegt in der unmittelbaren Vergleichbarkeit der Rechtschreibleistungen von Kindern an heutigen Schulen und jenen vor 40 Jahren. Wie der Würzburger Psychologe und Leiter der Studie, Wolfgang Schneider, erläutert, wurden dazu 200 Kinder über 20 Jahre beobachtet. Für die Beurteilung der Rechtschreibkenntnisse wurde ein Diktat aus den 60er Jahren herangezogen. Das Ergebnis versetzte selbst Wissenschaftler in Staunen: „Würde man das Rechtschreibniveau der Schüler von damals zum Maßstab nehmen, wären drei Viertel der heutigen Kinder Legastheniker.“


Von einer „Bankrotterklärung des Rechtschreibunterrichts“ spricht der Saarbrücker Experte für Fachdidaktik des Deutschen und Geschichte des Deutschunterrichts, Uwe Grund. Seine bislang unveröffentlichten Erkenntnisse fußen auf dem Vergleich von deutschen und schweizerischen Studien zur Rechtschreibkompetenz von Schülern der Oberstufen. Sie kommen zu dem Ergebnis, daß sich die Zahl der Rechtschreibfehler in Abituraufsätzen des deutschsprachigen Raums gegenüber dem Abiturjahrgang 1978 verdoppelt, gegenüber dem Abiturjahrgang 1962 sogar verdreifacht hat.

Den Befund macht Grund an Ergebnissen des Zürcher „Sprachfähigkeiten“-Projekts aus den Jahren 1962, 1978 und 1989/ 90 sowie an einem Potsdamer Projekt zur Fehleranalyse aus den Jahren 2000/ 2002 fest. Laut der jüngsten Erhebung fanden sich in 333 Abituraufsätzen 9169 Verstöße gegen die aktuelle Norm der Richtigschreibung. Wie der Autor erläutert, bedeutet das, „daß im untersuchten Korpus in jedem Abituraufsatz durchschnittlich 27 Fehler allein im elementaren Bereich gezählt wurden (Syntaxfehler und sogenannte Ausdrucksfehler sowie stilistische Mankos kommen noch hinzu). Läßt man die Interpunktionsfehler einmal beiseite, so haben die Korrektoren in jedem Aufsatz durchschnittlich 141/2 orthographische Fehler gezählt.“

Als überraschend hoch erweist sich dabei der Anteil neuartiger Schreibweisen, wie sie erst durch die Reform zur Norm erklärt worden sind. „Von den insgesamt 4874 Rechtschreibfehlern (ohne Interpunktionsfehler; d. Red.) fällt etwa die Hälfte in die Großbereiche der Orthographie, die 1996/ 98 reformiert wurden (Laut-Buchstaben-Beziehung; Groß-Kleinschreibung; Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung am Zeilenende).“ Um die Entwicklung der einzelnen Fehlerarten vor und nach der Reform stichprobenartig zu ermitteln, zog der Wissenschaftler eine DDR-Studie über die Klassen 5 bis 10 heran. Während der Fehleranteil bei Worttrennung und Getrennt-/Zusammenschreibung gleich geblieben ist, sind die Abiturienten von heute bei der Groß- und Kleinschreibung auf das Niveau von Mittelschülern von damals abgeglitten.

Artikel erschienen am Fr, 14. Juli 2006

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Norbert Lindenthal
09.03.2006 18.15
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Ende eines langen Streits

Die Welt, 8.3.2006

Ende eines langen Streits
Vergeblich haben die Schreibreformer jahrzehntelang versucht, die bestehenden Regeln zu ändern

von Dankwart Guratzsch

Berlin – Das jahrelange Ringen um Nachbesserungen der umstrittenen Rechtschreibreform hat ein Ende: Mit Ausnahme der FAZ wollen die deutschen Verlage die von den Kultusministern beschlossenen Nachbesserungen zum 1. August umsetzen. Der Verlag Axel Springer, zu dem auch die WELT gehört, war (ähnlich wie der „Spiegel“) im August 2004 zu den Schreibweisen der alten Rechtschreibung zurückgekehrt. Nachdem die Kultusministerkonferenz kürzlich den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibung gefolgt war, wollen sich die Verlage einem möglichen Konsens nicht länger entgegenstellen.

Damit endet eine 34jährige Phase mit zum Teil dramatischen Auseinandersetzungen. Ausgelöst wurde der sogenannte Rechtschreibkrieg durch eine Bürgerinitiative „aktion kleinschreibung“ am 25. Juni 1972. In ihrem Mahnbrief an die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) konnte sie sich sogar auf eine noch viel frühere Willensbekundung der Politiker berufen. Denn schon 1950, nur ein Jahr nach Gründung der Bundesrepublik, hatte die KMK gelobt: „Die Kultusministerkonferenz wird die deutsche Rechtschreibung vereinfachen und organisch weiterentwickeln.“


Am 4. Oktober 1973 folgte der dreitägige Kongreß der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Verbands Deutscher Schriftsteller und des PEN-Zentrums „vernünftiger schreiben“ in Frankfurt/Main. Doch Baden-Württembergs Kultusminister Wilhelm Hahn machte den Reformern mit einem Interview in dieser Zeitung nur anderthalb Monate später einen Strich durch die Kleinschreibpläne. Seitdem mußten sich die Schreibreformer auf die Änderung einzelner Schreibregeln beschränken: Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Silbentrennung, s-Schreibung, Zeichensetzung und Fremdwörter.

Die Aufgabe übernahm die 1977 am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim gegründete „Kommission für Rechtschreibfragen“, die sich aus Mitgliedern der Bundesrepublik, der DDR, der Schweiz und Österreichs zusammensetzte. Sie erarbeitete in jahrelangen Sitzungen Regelvorschläge, die 1985 und 1989 in Buchform publiziert wurden. Nach heftiger öffentlicher Kritik an Schreibweisen wie „keiser“ und „opst“ mußte wie zuvor die Kleinschreibung erneut zurückgezogen und völlig überarbeitet werden.

Am 1. Dezember 1995 stimmte die KMK den Vorschlägen in der abgeänderten Fassung zu und legte fest, daß sie – die Zustimmung der Bundes- und deutschsprachigen Länder vorausgesetzt – ab 1998 an den Schulen in Kraft gesetzt werden solle. Bis 31. Juli 2005 sollten jedoch bisherige Schreibweisen nicht als falsch, sondern lediglich als überholt gekennzeichnet werden. Dieses Procedere wurde von den Regierungen im Oktober 1995 abgesegnet.

Gegen die „Reform von oben“ erhob sich Widerstand in fast allen Bundesländern. Schriftsteller von Günter Grass bis Reiner Kunze, namhafte Buchverlage sowie verschiedene Lehrer- und Elternvertretungen liefen gegen die zwangsweise Einführung über die Schulen Sturm. In mehreren Ländern sammelten Bürgerinitiativen Unterschriften für Bürgerbegehren, in Schleswig-Holstein wurde die Reform durch Bürgerentscheid gekippt. Erst nachdem das Bundesverfassungsgericht im Sommer 1998 geklärt hatte, daß die Einführung der neuen Schreibweisen über einen Erlaß an Schulen und Behörden Rechtens sei, konnten die Proteste eingedämmt werden.

- Seite 2 -

Zahllose Meinungsumfragen, in denen sich nie mehr als zehn Prozent der Befragten für, aber weit über 50 Prozent bis zu zwei Drittel gegen die Reform aussprachen, blieben wirkungslos. Zugleich schossen die „Hausorthographien“ wie Pilze aus dem Boden. 15 Jahre nach Wiedererlangung der politischen Einheit schien die Einheit der deutschen Schriftsprache verloren.

Die Wende erreichten die Kultusminister erst dadurch, daß sie die Mannheimer Rechtschreibkommission 2005 in die Wüste schickten und einen 36köpfigen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ einsetzten, der die Reform ein weiteres Mal revidieren sollte. Am 2. März haben die Kultusminister diese Vorschläge gebilligt und den „Rechtschreibfrieden“ ausgerufen.



Aufgehoben wurden vor allem zahlreiche sinnwidrige Auseinanderschreibungen („wenn Schüler sitzen bleiben“ wird wieder zu „sitzenbleiben“), falsche Großschreibungen („Leid tun“ wird zu „leidtun“) und aberwitzige Silbentrennungen („Tee-nager“ wird wieder „Teen-ager“).

Allerdings stoßen die zahllosen neu eingeführten „optionalen Schreibweisen“ auch auf anhaltende Kritik. Einem an das überarbeitete Regelwerk angehängten vorläufigen Wörterverzeichnis ist zu entnehmen, daß „kleinschneiden“ auch getrennt geschrieben werden darf, „warm laufen“ nur getrennt, „volltanken“ und „hochbetagt“ hingegen nur zusammen, „hoch begabt“ aber auch auseinander, „sich kaputtmachen“ nur zusammen, „etwas kaputt machen“ auch auseinander. Österreich und die Schweiz behalten sich deshalb vor, für die Prüfung der Vorschläge größere Zeiträume zu beanspruchen.

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Sigmar Salzburg
06.03.2006 08.37
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Die „kostenneutrale“ Reform

Schulbücher werden umgehend umgeschrieben

Verlage versprechen schnelle Reaktion auf die künftig geltenden Rechtschreibregeln – 6000 Euro Kosten pro Titel
Hamburg – Nach der Korrektur der umstrittenen Rechtschreibreform sollen neue Schulbücher bereits zum neuen Schuljahr Anfang September erscheinen. Man werde umgehend die ersten Deutsch-Bücher korrigieren, sagte Programm-Geschäftsführer Peter Schell vom Verlag Westermann/Schroedel/Diesterweg in Braunschweig, auch wenn das „einen Haufen Geld“ kostet. Der Verlag gibt knapp 10 000 unterschiedliche Schulbücher heraus. Auch der Ernst Klett Verlag in Stuttgart will Zug um Zug die Änderungen umsetzen, die die Kultusministerkonferenz (KMK) vergangene Woche beschlossen hatte.

Die Nachrichtenagenturen, die an der Erarbeitung der modifizierten Regeln beteiligt waren, wollen sich noch in diesem Monat treffen, um über ihre künftigen Schreibweisen zu beraten. Danach wollen sie ihren Kunden einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte bereits zum Jahreswechsel die Empfehlungen des Rates für Rechtschreibung umgesetzt. Der größte Teil der Printmedien und die Nachrichtenagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten 1999 die wesentlichen Teile der neuen Rechtschreibung eingeführt, allerdings mit einigen Besonderheiten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kehrte ein Jahr später zur alten Rechtschreibung zurück, 2004 folgte der Axel-Springer-Verlag diesem Beispiel. Springer will bis Ende März prüfen, ob nach der KMK-Entscheidung etwas geändert wird. Über den künftigen Kurs des Verlags sagte Sprecherin Edda Fels am Freitag: „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.“ Am 30. März trifft sich die Ministerpräsidenten-Konferenz, die dem KMK-Beschluß noch formell zustimmen muß.

Der Verband VdS Bildungsmedien – früher Verband der Schulbuchverlage – hält die Korrektur der Rechtschreibung für eine „richtige Entscheidung“. „Sie wird hoffentlich lange Bestand haben“, sagte Geschäftsführer Andreas Baer in Frankfurt am Main. Der Verband vertritt die Interessen der Firmen, die Medien für das Bildungswesen produzieren und war im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten, der die Änderungen nach einjähriger Arbeit vorgeschlagen hatte.

Der Aufwand sei überschaubar, weil die Schulen mit den bestehenden Büchern weiter machen könnten – ergänzt durch einige Materialien vor allem zur Getrennt- und Zusammenschreibung, sagte Baer. „Wir sind nicht mehr in der Situation wie 1996, daß wir wirklich mit Kraft neue Schulbücher- und Mediengenerationen entwickeln müssen.“ Der Übergang könne jetzt schrittweise erfolgen und „sprengt den Kostenrahmen nicht“. Pro Schulbuchtitel, der nicht mehr einfach nachgedruckt, sondern überarbeitet werden muß, rechnet Baer mit Kosten von rund 6000 Euro. „Wie viele Titel das sind, kann man jetzt aber noch nicht sagen.“

Ab August gelten bundesweit wieder an allen Schulen die gleichen Rechtschreibregeln. DW




Artikel erschienen in DIE WELT am Mo, 6. März 2006

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Sigmar Salzburg

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Detlef Lindenthal
05.02.2006 12.56
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Rerereform


X-te Reform der Reform

Der Rat für deutsche Rechtschreibung, Reparaturbetrieb für die mißglückte Rechtschreibreform, hat seine Arbeit abgeschlossen. Nun ist der Schwarze Peter wieder bei der Schreibgemeinschaft, die allein entscheidet, was sie von der Reform und von den Vorschlägen des Rates annimmt oder verwirft. Dazwischen rudert hilflos die Kultusministerkonferenz (KMK), die die Reform an den Schulen von 14 Bundesländern durchgesetzt hat, ohne daß ein verbindliches Wörterbuch vorliegt, das den Lehrern als Richtschnur für die Korrektur von Schülerarbeiten dienen könnte.

Was der Rat zum (vorläufigen) Abschluß seiner Arbeit gestern an Empfehlungen für die „Reform der Reform“ präsentierte, wirft zahllose der an den Schulen eingeführten Schreibweisen über den Haufen. Das gilt vor allem für die schon bekannten Vorschläge zur Getrennt- und Zusammenschreibung. Darüber hinaus greift der Rat nun auch in Bereiche wie Groß- und Kleinschreibung ein, die von der KMK noch vor wenigen Monaten „verbindlich“ an den Schulen eingeführt worden waren.

Gerade deshalb ist durchaus noch offen, ob sich die KMK den Ratschlägen des 36köpfigen Gremiums tatsächlich beugt. Denn noch nie war die Konfusion größer als jetzt. Immer mehr Verbände fordern verbindliche Wörterbücher, in der Schweiz hat eine Absetzbewegung eingesetzt, Bayern, das die „Verbindlichkeit“ bisher nicht eingeführt hat, prescht vor und will die Ratschläge der „hochqualifizierten Experten“ für die partielle Rücknahme der Reform übernehmen, Nordrhein-Westfalen könnte folgen. Um klare Verhältnisse zu schaffen, bleibt nur ein Weg: das Pfuschwerk komplett zu kippen. Da die Schulbücher ohnehin neu gedruckt werden müssen, wäre es auch die preiswerteste Lösung.
Dankwart Guratzsch

http://www.welt.de/data/2006/02/04/840851.htmlX-te Reform der Reform

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Danke, Herr Guratzsch, daß Sie standhaft bleiben und sich nicht von den „Reform“-„Reformern“ einbinden lassen!
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Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
14.12.2005 06.36
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Guratzsch unermüdlich

Zu viele Ungereimtheiten
Rechtschreibchaos geht weiter

von Dankwart Guratzsch

Was wird aus der Rechtschreibreform? Seit dem Regierungswechsel in Berlin und der Absetzung der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission ist die Situation unübersichtlicher denn je. In der neuen Bundesregierung sitzen drei Reformbetreiber der ersten Stunde: Schäuble, Müntefering und Schavan. Aber in der Kultusministerkonferenz sind die Meinungen über die Reform inzwischen geteilt. Eine „Autorität“ in Sachen neue Schreibweisen gibt es nicht mehr. Nach jüngsten Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg können Schüler sogar den „Anspruch“ erheben, „in der herkömmlichen Schreibung unterwiesen zu werden“. Andererseits hat das Gericht jedoch keinen „vollstreckbare[n] Titel geschaffen“, so der Arbeitsrichter und Autor der Arbeit „Rechtschreibreform und Verfassungsrecht“, Wolfgang Kopke.
Und doch hat das Urteil für die „Verbindlichkeit“ der neuen Regeln unübersehbare Relevanz. Denn unabhängig von einem „vollstreckbaren Titel“, so Kopke, sei das Land Niedersachsen fortan „gehalten, den vom höchsten für die Auslegung des Schulgesetzes zuständigen Gericht festgestellten Anspruch der Schülerin zu erfüllen“. Dies auch im eigenen Interesse, da es andernfalls „zu unnötigen weiteren und (zumindest im Hauptsacheverfahren) für das Land kostenträchtigen Klagen“ kommen könne. In jedem Fall seien die Länder „dauerhaft verpflichtet, beide Schreibweisen zu lehren“, solange auch die herkömmliche weiterhin außerhalb der Schulen üblich bleibe.
Inzwischen ist der Rat für deutsche Rechtschreibung dabei, das gesamte Reformwerk einer Revision zu unterziehen. Als vorerst „letzten“ Komplex hat er sich die Groß- und Kleinschreibung vorgenommen, die von den Kultusministern von 14 der 16 Bundesländer bereits für „unstrittig“ erklärt worden war und an den Schulen dieser Länder seit Schuljahresbeginn „verbindlich“ benotet wird.
Bis Mitte Januar soll die vom Rechtschreibrat eingesetzte Arbeitsgruppe eine Beschlußvorlage mit folgenden vier Punkten erarbeiten: Schreibung des Anredepronomens „du“, Schreibung fester Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv (z.B. gelbe/Gelbe Karte), Schreibung von Einzelfällen zumal aus dem Überschneidungsbereich von Groß-Klein- und Getrennt-Zusammen-Schreibung (Pleite gehen, Recht haben) sowie Schreibungen im Randbereich (z.B. auf allen vieren (gehen).
Das Durcheinander scheint der vorsichtigen Vorgehensweise recht zu geben, derer sich die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie der schweizerische Kanton Bern befleißigt haben. Sie wollen die neue Rechtschreibung an den Schulen erst „verbindlich“ einführen, wenn der Rechtschreibrat seine Arbeit abgeschlossen hat.
Artikel erschienen am Mi, 14. Dezember 2005
http://www.welt.de/data/2005/12/14/817269.html
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Sigmar Salzburg

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Karl Eichholz
18.08.2005 22.00
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Rechtschreibung spaltet ein Dorf

Die Welt schreibt:


Siedlung wird durch Landesgrenze geteilt – Verwirrung für Schüler

von Juliane Albrecht

Bruchmühlen – Die Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist im gespaltenen Ort Bruchmühlen allgegenwärtig – nicht erst seit der unterschiedlichen Handhabung der Rechtschreibreform. An Fronleichnam und Allerheiligen ist auf der einen Straßenseite – nämlich in Bruchmühlen im NRW-Kreis Herford – Feiertag und die Geschäfte sind dicht. Auf dem Bürgersteig gegenüber – in Bruchmühlen im niedersächsischen Kreis Osnabrück – wird munter der Einkaufslust gefrönt.


Zum bevorstehenden Schulbeginn nun wird die imaginäre Mauer noch höher: Das Gezänk um die Rechtschreibreform spaltet das Zweiländer-Dorf und sorgt bei Bewohnern wie Lehrern für Unverständnis. Während das CDU-geführte Niedersachsen die neue Rechtschreibung zum 1. August verbindlich eingeführt hat, wird im ebenfalls CDU-dominierten Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Bayern gemauert. Die neuen Regeln gelten hier zwar auch, nur haben sogenannte Verwechslungsfehler keine Auswirkungen auf die Note.


Eine „echte Lachnummer“ sei das, findet Schulleiter und Deutschlehrer Andreas Stork (48), allerdings weniger mit Blick auf die Rechtschreibung als vielmehr auf die Eskapaden der föderalen Schulpolitik. An der Gesamtschule der Gemeinde Rödinghausen, zu der der NRW-Teil Bruchmühlens gehört, werden nächste Woche wieder rund 800 Schüler unterrichtet – etwa 100 davon „reisen“ aus dem nahen Niedersachsen an. Geschwisterpaare, die dies- und jenseits die Schulbank drücken, könnten also demnächst bei gleicher Leistung unterschiedlich benotet werden.


„Alles nur rein theoretisch“, sagt der didaktische Leiter der Gesamtschule, Wolfgang Ermshaus, „die neuen Rechtschreibregeln sind den Schülern längst ins Blut übergegangen“. Die Quote der Verwechslungsfehler liege im Promillebereich. „Da wird „Fluss“ eher mit nur einem „s“ geschrieben, aber das frühere "ß" ist Vergangenheit“, schildert der 58jährige.


Die Teilung selbst ist kein Akt von Willkür: Der Grenzverlauf – einst zwischen Preußen und dem Königshaus Hannover – existierte schon vor Entstehung einer Siedlung.


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mit herzlichen Grüßen
Karl Eichholz

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1
30.07.2005 09.07
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(Die DDR lebt)

Kraftakt der Sprach-Technokraten
Erstmals werden die Rechtschreib-Regeln durch eine Regierung verordnet – Bruch mit der Tradition

von Dankwart Guratzsch

Berlin – Am 1. August tritt an Deutschlands Schulen die neue Rechtschreibung in ihren wichtigsten Teilen formell in Kraft. Von diesem Tage an müssen Verstöße gegen die neuen Regeln der Groß- und Kleinschreibung, der Schreibung mit Bindestrich sowie der Laut-Buchstaben-Zuordnung in Schülerdiktaten als Fehler angestrichen werden. Lediglich die von Anfang an heftig umstrittene Getrennt- und Zusammenschreibung, die Silbentrennung am Zeilenende und die Zeichensetzung bleiben weiterhin von der Bewertung ausgenommen.

Damit ist ein geschichtliches Datum gesetzt. Denn zum erstenmal seit Beginn deutschsprachiger schriftlicher Aufzeichnungen wird eine Reform der Rechtschreibung durch eine Regierung angeordnet. Die große deutsche Schreibreform des Schriftvaters Duden vor mehr als hundert Jahren hat demgegenüber nur behutsam anzugleichen versucht, was sich an Schreibgebräuchen in den deutschsprachigen Ländern herausgebildet hatte.

Diese Schreibgebräuche hatten sich, wie der Erlanger Linguist Theodor Ickler herausgearbeitet hat, über Jahrhunderte in einer „Stafettenkontinuität“ von Generation zu Generation intuitiv herausgebildet. Dabei folgte die „Verschriftlichung“ dem Bemühen, Gedanken, Gefühle und Absichten möglichst differenziert, exakt und klar auszudrücken, niemals aber der Absicht, bestimmte „Regeln“ aufzustellen. Diese möglichst breite Bereiche abdeckenden Regeln sind jeweils erst im nachhinein von Sprachwissenschaftlern aus dem vorherrschenden Schreibgebrauch abgeleitet worden. Bis in die jüngste Gegenwart hinein hat das deutsche Rechtschreibwörterbuch, der Duden, diese Tradition beibehalten und neue Schreibweisen erst dann übernommen, wenn sie sich eingebürgert hatten.

Die neue Rechtschreibung bricht mit dieser Tradition und setzt ein anderes Verfahren an die Stelle. Für das Regelwerk zeichnet nicht der Schriftgebrauch, also „das Volk“, sondern ein Team von Experten verantwortlich, das sich abseits der Öffentlichkeit, am grünen Tisch, über neue Schreibregeln verständigt hat. Der Korrespondent dieser Zeitung wurde dreimal des Raumes verwiesen, als er um Teilnahme nachsuchte. Den beteiligten Wissenschaftlern kamen bei dieser Vorgehensweise die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu Hilfe. Sie ermächtigten die Linguisten nicht nur zu Korrekturen an strittigen Schreibweisen, sondern zu einer grundlegenden Reform der deutschen Orthographie, und erhoben die Reform zum gemeinsamen politischen Projekt aller deutschsprachigen Staaten.

Dieses Verfahren ist von Anfang an auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung gestoßen. Mehrere Volksbegehren und ein Volksentscheid in Schleswig-Holstein gegen das neue Regelwerk blieben jedoch folgenlos, weil sich die Kultusministerkonferenz beharrlich über alle Einwände und Proteste hinwegsetzte. Klagen von Eltern wurden von Gerichten in allen Instanzen, zuletzt 1997 vom Bundesverfassungsgericht, niedergeschlagen. Die staatliche Durchsetzung der neuen Orthographie an den Schulen stellt den zunächst letzten Akt der Einführung des Regelwerks dar, das trotz Rücknahme zahlreicher ursprünglich beabsichtigter, tiefreichender Eingriffe (Kleinschreibung, Keiser statt Kaiser, Bot statt Boot) auch heute noch den vorherrschenden Schreibgebrauch ignoriert und laut Meinungsumfragen von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

(2) Der enorme staatliche Kraftaufwand zur Durchsetzung eines derart unpopulären Projektes ließ schon früh die Frage aufkommen, ob es neben den offiziellen Gründen für die Einführung ungebräuchlicher Schreibweisen geheime Nebengründe geben könne? Es wurden personelle Verflechtungen zwischen der anfangs tonangebenden Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Mitgliedern der Rechtschreibkommission und einigen Großverlagen aufgedeckt, die an der Beteiligung am lukrativen Wörterbuchgeschäft und der Abschaffung des Duden-Monopols ein vehementes Interesse hatten. Erst jüngst kamen Spekulationen auf, daß sogar Parteispenden geflossen seien, jeden Angriff auf die Reform rechtzeitig abzublocken.

Viel einfacher und vermutlich plausibler ist der Blick in die Ideologie-Geschichte der Reform. Danach ist die Rechtschreibreform unzweifelhaft ein Erbstück der 68er-Bewegung – inzwischen vielleicht sogar das einzige, das überlebt. Es war auf dem von der GEW dominierten Kongreß „vernünftiger schreiben“ vom 4. bis 6. Oktober 1973 in Frankfurt/Main, daß erstmals die Rechtschreibung als Instrument des Klassenkampfes angeprangert wurde. Durch eine neue Rechtschreibung einschließlich Kleinschreibung der Substantive, so wurde dort gefordert, solle dem „Establishment“ die Verfügungsgewalt über jenen „elaborierten Code“ entwunden werden, mit dem die Volksmassen jahrhundertelang niedergehalten und unterdrückt worden seien. Auch wenn von diesem Pathos nicht viel geblieben ist – in Schriftsätzen von Mitgliedern der inzwischen abgesetzten Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission finden sich bis heute Spuren davon.

Für die politische Durchsetzung der Reform wurde ein zweites Faktum wichtig. Zu Zeiten der deutschen Teilung wußten westdeutsche Reformer bei bundesdeutschen Politikern von früh an den Argwohn zu nähren, die DDR bereite auf eigene Faust eine Rechtschreibreform vor, um die deutsche Teilung auch schriftsprachlich zu zementieren. Das geschickt gestreute, offenbar aus der Luft gegriffene Gerücht, das auch die Medien erreichte, verfehlte seine Wirkung nicht. Voller Nervosität willigten die zuständigen Ministerien der westlichen Länder in Rechtschreibkonferenzen mit DDR-Wissenschaftlern auf „neutralem Boden“, in Österreich, ein, die dazu dienen sollten, die DDR einzubinden. Hier wurde – weitab von jeder Öffentlichkeit – die Reform auf scheinbar unumkehrbaren Kurs gebracht.

Heute ist dennoch schwer abzuschätzen, was von der Rechtschreibreform am Ende bleibt. Der neu berufene Rat für deutsche Rechtschreibung hat angekündigt, sich auch die neuen „verbindlichen“ Schreibweisen vorzunehmen und gründlich zu überarbeiten. Bayern und Nordrhein-Westfalen wollen ihren Schülern nicht zumuten, in einem Jahr zweimal umzulernen, und warten die „Reform der Reform“ noch mindestens ein Jahr lang ab. Aber auch in den anderen Ländern steht die neue Rechtschreibung weiterhin auf wackligen Füßen. Da es kein Wörterbuch für die „verbindlichen“ Schreibweisen gibt (und wegen der bevorstehenden „Reform der Reform“ bis auf weiteres keines geben wird), kann es zu neuen Klagen gegen falsche oder unsichere Benotungen kommen. Der Schreibfrieden scheint ferner denn je.

Artikel erschienen am Sa, 30. Juli 2005

http://www.welt.de/data/2005/07/30/752631.html

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Detlef Lindenthal
05.06.2005 07.52
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Die Welt

„Frickeln“, „daddeln“ oder „merkeln“
von Hans Zippert

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich gestern über Nachbesserungen bei der Rechtschreibreform geeinigt. Folgende Änderungen wurden beschlossen. Rotgrün schreibt man ab Herbst auseinander, und zwar möglichst weit auseinander. Getrennt schreibt man aber merkwürdigerweise zusammen. Klassenarbeiten werden auch zusammengeschrieben, und zwar in einem Raum. Ganz groß schreibt man VOLLBESCHÄFTIGUNG und WIRTSCHAFTSWACHSTUM. Einschnitte ins soziale Netz schreibt man so wie immer, aber möglichst unauffällig. Kurze Zeitwörter haben die Möglichkeit, sich ein paar Buchstaben dazuzuverdienen. Beispiel: holen / überholen / herüberholen.

Neu ist die Einführung von Teilzeitwörtern wie „frickeln“, „daddeln“ oder „merkeln“. Einkünfte aus Nebensätzen müssen offengelegt werden, sind aber bis zur achten Silbe steuerfrei. Die diskriminierende Unterscheidung von Tuwörtern (schuften) und Nichtstuwörtern (herumhängen) wird gestrichen, ebenso wie die umstrittene Eigenschaftswörterzulage. Während eines Textes dürfen nicht mehr als drei Wörter ausgewechselt werden, die Entscheidungen des Linienrichters gelten, auch wenn man ein Kästchenheft benutzt.

Artikel erschienen am Sa, 4. Juni 2005
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Detlef Lindenthal

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