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Sigmar Salzburg
04.09.2010 05.32
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Dieter Hallervorden 75

DIE WELT: 06:19

Kopfnoten

Handeln statt quatschen: Dieter Hallervorden
Von Sabine Menkens

Wer Dieter Hallervorden in den vergangenen Jahrzehnten vorwiegend auf dem Bildschirm erlebt hat, wird vielleicht nicht glauben wollen, dass sein Lebensmotto eigentlich lautet: „Ein Gramm Handeln wiegt mehr als eine Tonne Gequatsche“. Seine nervtötende Kunstfigur „Didi“ war derart omnipräsent, dass man ihn gern in die Klamaukkiste verbannen wollte. Dabei ist der Gründer der „Wühlmäuse“ ein großer Kabarettist, Schauspieler und Theatermanager. Seit 2009 führt er das bereits totgesagte Berliner Schlossparktheater [Schloßparktheater].
Heute wird er 75. Glückwunsch!

welt.de 4.9.2010

Unvergeßlich – Die Rechtschreibreform

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Norbert Lindenthal
20.08.2010 16.11
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Der Volksentscheid aus Deutschlands Norden wird nicht genannt

Die Welt, 20. August 2010

Selbstbewusste Bürger zwingen Politik in die Knie
Sie machen gegen Stuttgart 21 mobil, kippen die Schulreform in Hamburg. Stoppen sie jetzt auch die deutsche Atomlobby?

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Atomstromlieferanten der Bundesrepublik
FOTO: DPA

In Deutschland läuft die Debatte um die Abkehr vom Atomausstieg. Bis etwa 2020 sollen hierzulande – bisher – alle Meiler abgeschaltet werden. Wir zeigen die deutschen Atomkraftwerke. Zum Beispiel Biblis in Hessen: Kernkraftwerke gibt es in Deutschland bereits seit 1960, das erste Versuchskraftwerk wurde damals von der Firma AEG gebaut.

Von Günther Lachmann

In den vergangenen Jahren haben Affären, gebrochene Wahlversprechen und öffentlich ausgetragene persönliche Auseinandersetzungen das Ansehen der deutschen Politik schwer geschädigt. Ihre Autorität und damit ihre Entscheidungssouveränität blieb bislang jedoch weitgehend erhalten.

Inzwischen gerät aber auch diese zunehmend in Gefahr. Denn politische Entscheidungen werden nicht nur angezweifelt, sie werden sogar erfolgreich bekämpft und etwa durch Volksentscheide revidiert. In Hamburg kippten Bürger eine von den regierenden Parteien geplante Schulreform, in Bayern erstritten sie gegen den Willen der Politik ein strenges Rauchverbot. In beiden Fällen verkannte die Politik die wahren Interessen der Bürger, die sich daraufhin selbst organisierten. In Hamburg und Bayern setzten sie ihre Vorstellungen vom Gemeinwohl schließlich mit Hilfe der aus den öffentlichen Protesten hervorgegangenen Volksabstimmungen durch und erschütterten das parteipolitisch organisierte System der Bundesrepublik nicht unerheblich.

VIDEO
Hamburger stimmen gegen Schulreform

In Stuttgart könnte es nun zu einer weiteren schweren Niederlage der Politik kommen. Dort wollen tausende Bürger den Umbau des Hauptbahnhofs verhindern. Das sogenannte Projekt Stuttgart 21 ist ihnen erstens zu teuer, zweitens zweifeln sie an seiner Praktikabilität. Seit Tagen erhalten die Bürger, die die Bagger am Abriss des Bahnhofnordflügels hindern, weiteren Zulauf.

Die Aktionen in Bayern, Hamburg und Stuttgart sind urdemokratische Reflexe gegen ein parteipolitisch organisiertes parlamentarisches System, bei dem der Dialog zwischen Parlament und Gesellschaft nicht mehr funktioniert. Das Volk und diejenigen, die es regieren bzw. regieren wollen, sind sich fremd geworden. Es gab eine Entwicklung, in deren Folge die Lebenswirklichkeit von den Parteien und ihren Fraktionen anders wahrgenommen wird als von der Gesellschaft.

VIDEO
Baubeginn für „Stuttgart 21“

In ihren Abgeordnetenbüros haben die Parlamentarier ständigen Kontakt zu Lobbyisten aus allen Bereichen der Wirtschaft, von Berufsverbänden und anderen Institutionen. Den Menschen in ihrem Wahlkreis begegnen sie nur alle paar Wochen einmal.

Schon vor der parlamentarischen Sommerpause liefen ihnen die Vertreter der Atomlobby die Türen ein. Anlass ist die im September anstehende Entscheidung der Bundesregierung über die künftige Energiepolitik im Land. Da wollen die Vertreter der Kernenergie unter anderem eine Verlängerung der Laufzeit älterer Kraftwerke durchsetzen.

Welche Bedeutung die Atomindustrie der Entscheidung im September beimisst, belegt eine in den kommenden Tagen startende Kampagne mit dem Ziel, die Energiepolitik der Bundesregierung noch im Prozess der Entscheidungsfindung im Sinne der eigenen Interessen zu lenken. Es geht darum, die Folgen der historischen Niederlage vom Dezember 2001, als der Bundestag mit den Stimmen von SPD und Grünen den Atomausstieg beschloss, zu beseitigen.

1 von 7
Der komplizierte Weg zum Atomkompromiss

Die geplante Verlängerung der Atomlaufzeiten hält die deutsche Politik derzeit in Atem. Verantwortlich dafür ist nicht nur der ideologische Richtungsstreit zwischen und in den Parteien über die zivile Nutzung der Nuklearenergie. Erschwert wird eine Entscheidung dadurch, dass die Laufzeitverlängerung mit vielen verschiedenen Fragen verknüpft ist. Ein Überblick:

Zu diesem Zweck suchten sich die Energiekonzerne namhafte Mitstreiter. So wurde der Aufruf unter der Überschrift „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“ neben den Chefs der vier großen Energiekonzerne, Johannes Teyssen (E.on), Jürgen Großmann (RWE), Hans-Peter Villis (EnBW) und Tuomo Hatakka (Vattenfall) unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, von Bayer-Chef Werner Wenning und dem Thyssen-Krupp-Vorstand Ekkehard Schulz unterzeichnet. Ihnen wiederum schlossen sich ehemalige Politikgrößen wie Friedrich Merz, Otto Schily und Wolfgang Clement an. Zumindest die Unterschrift der beiden Letztgenannten ist überraschend, haben sie doch, wenn auch widerwillig, damals den Atomausstieg mitgetragen.

Wie die Bürgerproteste in Hamburg, Bayern und Stuttgart ist die konzertierte Aktion der Atomlobbyisten ein massiver Angriff auf die Politik. Doch anders als in Hamburg, Bayern und Stuttgart ist das Vorgehen der deutschen Wirtschaftsführer nicht Ausdruck eines in der Gesellschaft tief verankerten politischen Konsenses, den Regierende und Parlamentarier missachteten. Er richtet sich im Gegenteil gegen einen solchen gesellschaftlichen Konsens und ist einzig und allein Ausdruck handfester wirtschaftlicher Interessen.

Eine Physikerin besucht die Energie
FOTO: DDP/DDP
Merkels Energiereise, Tag 2: Die Kanzlerin, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD, r.) und der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) besuchten die Strombörse in Leipzig.

Erst im Juni wurde dem Deutschen Atomforum in einer von ihm selbst beim Meinungsforschungsinstitut Emnid in Auftrag gegebenen Umfrage erneut die ablehnende Haltung der Deutschen gegenüber der Kernenergie bescheinigt. Darin sagten 50 Prozent der Befragten, sie seien gegen die Atomenergie. Bei der Frage, welche Energieträger die Stromversorgung in den kommenden Jahren „im Wesentlichen sichern“ können, erhielt die Solarenergie mit 69 Prozent den höchsten Zustimmungswert, gefolgt von der Windenergie mit 66 Prozent und der Wasserkraft mit 44 Prozent. Die Atomenergie folgten mit 30 Prozent Zustimmung auf Rang vier.

Anders als die gescheiterte Schulpolitik in Hamburg, als das umstrittene Bahnprojekt in Stuttgart und die Nichtraucherpolitik in Bayern basiert der Atomausstieg auf dem Willen einer klaren Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Obwohl das Land in den 1970-iger Jahren unter einer Energiekrise litt, wuchsen die Zweifel an der Kernenergie. Auch damals ignorierte die Politik die Interessen der Bürger, was letztlich zur Gründung der Partei „Die Grünen“ und schließlich 2001 zum Ausstieg aus dieser Politik führte.

In einer Phase, in der die Politik viel Vertrauen der Menschen verspielt hat, sind die Proteste in Stuttgart und die Volksentscheide in Hamburg und Bayern ermutigende Signale aus einer Gesellschaft, die für ihr demokratisches Recht der Selbstbestimmung kämpft. Das beharrliche Engagement der Bürger dort sollte allen Demokraten neuen Mut machen, die an der fehlenden Sensibilität der Parteien für gesellschaftliche Befindlichkeiten und der Ignoranz ihrer parlamentarischen Vertreter verzweifeln.

Aus vielerlei Gründen gerät die Politik zurzeit von vielen Seiten unter Druck. Man kann nur hoffen, dass sie daraus die richtigen Schlüsse zieht und nicht weiterhin unnötig ihre Autorität riskiert.
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Norbert Lindenthal

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Norbert Lindenthal
04.07.2010 18.57
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öfter einmal das Volk entscheiden lassen

Die Welt 4.7.2010


Die CSU und ihr Chef Horst Seehofer rühmen sich gerne der Kontinuität ihrer Politik. Die Geschichte des Rauchverbots ist das beste Beispiel, dass das christsoziale Selbstlob nicht ganz mit der Realität übereinstimmt. „Liebe Staatsregierung, lieber Herr Seehofer: Vielleicht sollten Sie öfter einmal das Volk entscheiden lassen. Wenn Sie einmal ein gutes Gesetz gemacht haben, stehen Sie dazu“, spottete Ober-Nichtraucher Sebastian Frankenberger.

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Norbert Lindenthal

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Norbert Lindenthal
30.06.2010 12.38
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hätte er doch die Rechtschreibreform gekippt …

Die Welt 30.6.2010

Christian Wulff fällt im ersten Wahlgang klar durch

Der spannende Polit-Krimi Gauck vs. Wulff geht in die zweite Runde. WELT-ONLINE-Autor Thomas Vitzthum berichtet live aus der Bundesversammlung.





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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
08.05.2010 11.47
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Henri-Nannen-Preis

Helmut Schmidt liest Journalisten die Leviten

Der Henri-Nannen-Preis, eine der wichtigsten Auszeichnung für Journalisten, ist in Hamburg vergeben worden. … Altkanzler Helmut Schmidt wurde für seine publizistisches Lebenswerk geehrt. Und ließ auch auf der Bühne nicht von seinen Glimmstengeln.
… im Gespräch mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zeigte Schmidt, dass er geistig hellwach ist und nichts von seinem Biss verloren hat. Er habe viele Menschen schlecht behandelt und es gebe vielleicht einiges in seinem Leben, was er bereuen sollte. Aber: „Die Journalisten und ihre Behandlung gehören nicht dazu.

welt.de 8.5.2010

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Sigmar Salzburg
19.04.2010 13.31
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Ohne Reform sähe es besser aus

Vom „Fernsehprogramm“ überfordert

Von Insa Gall
Laut Kess-Studie steht es schlecht um die Schreibkompetenz von Schülern
Dass die deutsche Sprache nicht ganz einfach ist, weiß schon der Volksmund. Lehrer und Hochschullehrer, Kammern und Ausbildungsbetriebe kritisieren allerdings in regelmäßigen Abständen, dass viele Schüler und sogar manche Studenten ohne Rechtschreibprogramm kaum mehr einen Satz korrekt geschrieben zu Papier bringen können.
Wie es tatsächlich um die orthografischen Fähigkeiten der Hamburger Schüler bestellt ist, hat jetzt – quasi nebenbei – die Bildungsstudie „Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“ (Kess 8) mit wissenschaftlicher Genauigkeit beleuchtet. Die Erhebung des Dortmunder Bildungsforschers Wilfried Bos, die der WELT bereits vorliegt, soll heute veröffentlicht werden.
Die gute Nachricht ist, dass mehr als 90 Prozent der Hamburger Achtklässler Wörter wie „zieht“, „Staubsauger“ und „Briefträger“ richtig schreiben können. „Fahrradschloss“ und „Gießkanne“ bringen immerhin drei Viertel der Jugendlichen korrekt zu Papier. Beim „Reißverschluss“ und der „Sekretärin“ wird es dann allerdings schon kompliziert. Diese Wörter bekommen nur 53 beziehungsweise 55 Prozent der Jungen und Mädchen am Ende der achten Klasse korrekt hin. Getestet wurden Jungen und Mädchen in allen Schulformen.
Selbst das „Fernsehprogramm“, dem sich viele Schüler in ihrer Freizeit sehr verbunden fühlen, können nur 23 Prozent der Viertklässler, 50 Prozent am Ende der Jahrgangsstufe sechs und zwei Drittel (67 Prozent) der Achtklässler richtig buchstabieren.
Von weniger als einem Drittel der Schüler in der achten Klasse werden Wörter mit besonderen Schwierigkeiten richtig geschrieben. Dazu zählen die Bildungsforscher „allmählich“, das nur 32 Prozent korrekt buchstabieren, „quietschen“ (26 Prozent) und „ermüdend“ (18 Prozent).
Die Groß- beziehungsweise Getrenntschreibung stellt die Achtklässler bei „nahe gelegenen“ (21 Prozent richtig) und „zum ersten Mal“ (neun Prozent) vor Probleme. Fremdwortschreibungen wie „Goldmedaille“ gelingen nur noch zehn Prozent, „Eisenbahnwaggon“ sogar lediglich sechs Prozent der Schüler. Sätze wie „Zum ersten Mal finde ich dieses Fernsehprogramm mit den vielen Goldmedaillen ermüdend“ sollten demzufolge tunlichst vermieden werden.
Tröstlich ist dabei der zentrale Befund der Bildungswissenschaftler. So haben sich die Schüler laut Kess 8 in allen Schulformen bei allen Wörtern von der vierten bis zur achten Klasse in der Rechtschreibung verbessert – immerhin.

welt.de 19.4.2010

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Norbert Lindenthal
28.03.2010 09.19
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zum Kopfschütteln

Welt 28. März 201011:10 Uhr

Merkel fordert Migranten zum Deutsch lernen auf
Kann mir jemand erläutern, wie es oft, zu oft, zu dieser Satzbildung kommt? Meine Lehrer-Schwester macht ebensolche Fehler.

»zum Deutsch lernen« ist falsch.
Es muß heißen zum Deutschlernen.

Andere Zeitungen schreiben dazu heute so:

Süddeutsche 27.03.2010, 19:09
Merkel: Migranten sollen Deutsch lernen
Wie wäre es, wenn der zuständige Redakteur bei Dankwart Guratzsch zur Schule ginge?
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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
13.11.2009 20.17
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Dank! Uns rettet nur die „Reform“ vor englischen Verhältnissen!

Premierminister Gordon Brown

... Dieser hatte vor einer Woche an eine gewisse Mrs. Jacqui Janes ein handschriftliches Kondolenzschreiben abgeschickt, zum Tod ihres 20-jährigen Sohnes, Soldat in den Grenadier Guards, der am 5. Oktober Opfer einer Straßenbombe geworden war. Gordon Brown nun hat eine bekannt krakelige Handschrift, deren hastige Züge, noch dazu in Filzstift hingeworfen, die Lektüre nicht gerade erleichtern. Obendrein teilt er mit vielen Briten – unter anderem mit Tony Blair – auch dies Problem: Er steht mit der Orthografie auf Kriegsfuß. Der seitenlange Brief enthielt peinlich viele Schreibfehler, …

welt.de 13.11.09

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Sigmar Salzburg
20.08.2009 09.09
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Zum Artikel „Rechtschreibreform endgültig gescheitert“

Umfrage

Was halten Sie heute von der Rechtschreibreform?


Eine sehr gute Sache. Sie war damals dringend notwendig. 5 %
Sie war in Ordnung, hat aber einige Merkwürdigkeiten hervorgebracht. 17 %
Schlimm! Sie hat großen Schaden angerichtet. 79 %

Zuletzt abgegeben: 4887 Stimmen

WELT.de ab 3.8.09

Das Ergebnis war am 21.8.09 wieder sichtbar, wurde im obigen Text aktualisiert und hier unter „Umfragen ... seit 1996“ nachgetragen.
– geändert durch Sigmar Salzburg am 21.08.2009, 09.38 –

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DS
01.08.2009 09.04
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Sigmar Salzburg
31.07.2009 10.19
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Die „Leid Tragenden“ waren die Schüler und ...

Die Leidtragenden sind die Schüler

Von Dankwart Guratzsch 31. Juli 2009

Unterschiede in den Neuausgaben von Duden und Wahrig zeigen: Die Rechtschreibreform ist gescheitert

Im verflixten 13. Jahr nach der umstrittenen Rechtschreibreform legen Duden und Wahrig parallel zwei neue deutsche Wörterbücher vor – und bescheinigen damit ungewollt der größten Umstellung der deutschen Schriftsprache seit Konrad Duden ihr völliges Scheitern. Denn statt einer gemeinsamen Orthographie – also Richtigschreibung – für das Deutsche präsentieren sie zwei. Das bereits bestehende Rechtschreibchaos wird dadurch fortgeschrieben – und der von der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Koordination eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung schweigt.

Das Pikante an der Sache: Wahrig und Duden erscheinen neuerdings quasi unter einem Dach: Der neue Herr im Bibliographischen Institut, dem Hausverlag des Duden, ist derselbe Verlag Cornelsen, der mit Bertelsmann auch den Wahrig herausbringt. Wenn also hätte bewiesen werden sollen, dass die linke Hand nicht mehr weiß wie die rechte schreibt, dann hätte man kein besseres Arrangement dafür erdenken können. Doch der Vorsitzende des Rates, der frühere bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair, hat von den Diskrepanzen zwischen beiden Wörterbüchern offenbar noch nichts gemerkt. „Gibt es die?“, fragte er unlängst in einem Zeitungsinterview – und bewies damit, dass er die Arbeit der Wörterbuchredaktionen keineswegs verfolgt hat.

Denn es gibt diese Diskrepanzen zuhauf, und das, obwohl dem Rat vor drei Jahren aufgetragen worden war, das durch die Reform angerichtete Chaos zu entwirren. Wenn sich der „Rat“ damit überfordert fühlt, so hätte er sich Hilfe holen müssen, etwa bei der Berliner Forschungsgruppe Deutsche Sprache, die in einer ersten Übersicht 350 Abweichungen aufgelistet hat.

Soll man laut Duden zum Beispiel „bei Weitem“ schreiben, so schließt sich Wahrig „bei weitem“ noch nicht an. Hält der Duden an der „bismarckschen“ Sozialgesetzgebung fest, meint man bei Wahrig, mit den amerikanisch verfremdeten „Bismarck'schen“ Sozialgesetzen besser zu fahren. Und so geht es munter weiter: „Schimäre“ oder „Chimäre“, „tschau!“ oder „ciao!“, „Kortison“ oder „Cortison“, „dahin gehend“ oder „dahingehend“, „Kakofonie“ oder „Kakophonie!“, „seit Neuestem“ oder „seit neuestem“, „Play-back“ oder „Playback“, „Große Koalition“ (für den Duden immer, für Wahrig nur von 1966-1968), „große Koalition“ (für den Duden nie, für Wahrig von 1928-1930) – in beiden Redaktionen herrscht offenbar vollkommene Konfusion über das, was laut Rechtschreibreform „richtig“ oder „falsch“ ist und was, ganz unabhängig von richtig und falsch „allgemeiner Usus“ (also Schriftgebrauch) ist. Aber Ratschef Zehetmair findet „kein Unbehagen“ dabei. „Ich habe kein Problem mit Wahrig, der den jetzigen Stand der Orthografie wiedergibt.“

Tut er das wirklich? Der „Münchner Merkur“ rät zu einem Blick ins Internet: 69 Prozent der Internet-Nutzer schreiben Gemse – und nicht Gämse, wie die Reformer wollten; 72 Prozent ziehen „selbständig“ dem reformierten „selbstständig“ vor, „und wer das neudeutsche 'Spagetti' eingibt, wird vom Computer wie selbstverständlich gefragt: ,Meinten Sie: Spaghetti?'"

Wenn die KMK dem famosen Rat die Aufgabe gestellt hat, die Schreibweise dem Schriftgebrauch anzupassen, hätte Zehetmair unverzüglich tätig werden und die neuen Unsinnsschreibungen diesem „allgemeinen“ Gebrauch anpassen (also zurücknehmen) müssen. Stattdessen bekennt sich der Oberverweser der neuen deutschen Schriftsprache zur altersweisen Untätigkeit: „Der Rat wird intensiv in der Stille arbeiten und die Sprache beobachten – ohne zeitliche und inhaltliche Aufgeregtheit. Er wird nicht durch Beschlüsse weitere offizielle Empfehlungen abgeben.“ Das heißt aber mit anderen Worten, er gibt seinen Auftrag zurück. Müsste die KMK da nicht unverzüglich die Konsequenz ziehen und die Finanzmittel für diese Rechtschreibvoyeure streichen. Untersucht man die Abweichungen näher, kommt eine interessante Tatsache zutage: Nicht der Rechtschreibrat scheint eine erkennbare Funktion auszuüben, wohl aber die Deutsche Presse-Agentur (dpa) als Sachwalterin des gedruckten Deutsch. Zumindest Wahrig stützt sich mit seinen Schreibweisen weitgehend auf ihre Empfehlungen.

Damit wiederholt sich ein Phänomen, mit dem sich schon der Schöpfer der deutschen Einheitsrechtschreibung, Konrad Duden, konfrontiert gesehen hatte: Mehrfachschreibweisen ließen sich nicht durchsetzen. Der Widerstand ging von den Buchdruckern aus. Auf einer Tagung in Konstanz 1902 „gaben sie ganz unverhohlen ihrer Missstimmung über die durch die neuen Regelbücher nur noch vermehrte Unsicherheit in der Rechtschreibung Ausdruck“. Und so waren es schon damals die gedruckten Medien, die im Kampf um eine einheitliche Schreibweise letztlich obsiegten.

1903 lieferte Duden erstmals einen „Buchdruckerduden“ aus, der später mit dem „normalen“ Duden verschmolz. Im Untertitel wurde darauf hingewiesen, dass er „auf Anregung und unter Mitwirkung des Deutschen Buchdruckervereins, des Reichsverbandes Österreichischer Buchdruckereibesitzer und des Vereins Schweizerischer Buchdruckereibesitzer“ entstand.

Ganz auf diese Linie scheint der neue Wahrig eingeschwenkt zu sein, der sich über weite Strecken an die von dpa vorgeschlagene Gemeinschaftsschreibweise der gedruckten Medien hält. Getreu der Regel, dass in Zweifelsfällen die herkömmliche Schreibweise gelten soll, macht er so manche Eskapaden der Schreibreform nicht mehr mit. Der neue Duden hingegen wirkt wie eine Kampfansage an dieses Konzept. Dabei setzt er jeweils eigene Schreibweisen an die erste Stelle seines Variantensalats und verzichtet auch noch darauf, die Schreibweisen wie bisher je nach Quelle farbig voneinander abzuheben. Der Benutzer soll nicht mehr erfahren, ob er sich in den Ruinen der alten Rechtschreibung oder im Niemandsland der neuen bewegt.

Unterstützung für Wahrig kommt von „Anwendern der Presse und der Verlage“ in der Schweiz. Wie die Kollegen in Deutschland unter Führung der dpa, haben auch sie sich auf die Ausarbeitung eigener Rechtschreibregeln geeinigt. Auch hier heißt die Generalregel: „Bei Varianten die herkömmliche“, auch hier ist das Ziel, die von den Rechtschreibreformern um den Siegener Linguisten Gerhard Augst zerstörte Einheitlichkeit der Rechtschreibung zurückzugewinnen.

Aber anders als der untätige deutsche „Rat“ bietet die „Schweizer Orthographische Konferenz (SOK)" dazu auch Sprachwissenschaftler auf, die sich als kooperativ erweisen.

Als Hauptleidtragende der inzwischen mehrmals nachgebesserten Rechtschreibreform macht die Redaktion der reformkritischen Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ die Schüler aus. „Nicht die Schüler sind zu dumm für die Neuregelung, sondern umgekehrt ist die Rechtschreibreform zu dumm für die Schüler“, so Chefredakteur Thomas Paulwitz. Tatsächlich hat der saarländische Germanist Uwe Grund jüngst nachweisen können, dass die Reform ihren Hauptzweck, die Vereinfachung der Rechtschreibung, gerade bei den Heranwachsenden verfehlt.

In einer umfangreichen Studie, in der die Rechtschreibleistungen in Schülertexten vor und nach der Rechtschreibreform verglichen werden, kommt Uwe Grund zu dem Befund, dass die Fehlerquote nicht abgenommen, sondern zugenommen hat: „1. Nach der Rechtschreibreform werden in der Schule erheblich mehr orthographische Fehler gemacht als davor. 2. Die Fehler haben sich – möglicherweise sogar überproportional – in den Bereichen vermehrt, in denen die Reformer regulierend in die Sprache eingegriffen haben. 3. Die Vermehrung der Fehler hat Konsequenzen, die vor allem die Lehrenden und Lernenden schlechter stellen, also jene Sprachteilnehmer, um deretwillen das Reformwerk angeblich geschaffen wurde.“

Als Resümee stellt der Germanist Grund die rhetorische Frage: „Gibt es Auswege aus dem ,nationalen Desaster'?“ Seine Antwort fällt bildkräftig aus: „Der Teufel muss, wie der Volksmund weiß, zu dem Loch wieder hinaus, zu dem er hereingekommen ist. Das gilt auch für den Fehlerteufel.“

welt.de 31.7.09

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Norbert Lindenthal
01.03.2009 11.21
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Was die Rechtschreibreform mit der Freiheit zu tun hat

Welt online 1. März 2009, 02:22 Uhr

Was die Rechtschreibreform mit der Freiheit zu tun hat

Reiner Kunze beklagt die Ignoranz der Politiker. Mit ihrer Machtarroganz arbeiten sie jenen in die Hände, die die Freiheit nicht achten und ein anderes System wollen

Was ich Ihnen zu Beginn erzählen werde, betrifft die Sprache. Ich erzähle es Ihnen der Einblicke wegen, die in den vergangenen Jahren manchem die Sprache verschlugen. Als das inzwischen herrschende Orthographieelend noch nicht völlig unabwendbar zu sein schien, fragte ich einen Ministerpräsidenten, der am Rande eines Empfangs meine Frau und mich eines längeren Gesprächs gewürdigt hatte, wie er zur Rechtschreibreform stehe. Er antwortete: „Herr Kunze, ich habe keine Ahnung, worum es da geht.“ Vielleicht war es diese Ehrlichkeit, der er seine landesväterliche Popularität verdankte. Zwei, drei Tage später hörten wir ihn im Radio mit staatstragender Bestimmtheit sagen, die Rechtschreibreform werde ohne jede Änderung eingeführt, denn sie halte „allen Einwänden stand“. Ich werde hier nicht aussprechen, was ich in diesem Augenblick empfand. Nur dies: Für uns, meine Frau und mich, hatte der Mann seine Glaubwürdigkeit verloren.

Anfang 2006 sagte eine Kultusministerin im persönlichen Gespräch, die Rechtschreibreform werde am 1. August kommen, und was danach an der Rechtschreibung geändert werde, interessiere sie nicht mehr. Diese Skrupellosigkeit war mit der Amtsmacht ausgestattet, der Sprache von 100 Millionen Menschen eine jahrzehntelange, vielleicht eine ein Jahrhundert währende Leidenszeit zuzufügen.

Ein führender Parteipolitiker nannte jene, die bis zuletzt darauf gedrängt hatten, wenigstens von den grammatisch falschen und das Sprachgefühl außer Kraft setzenden Regelungen abzusehen, „nur einige Hochwohlgeborene“, die meinten, „aus ästhetischen oder sonstigen Gründen“ noch immer Einspruch erheben zu müssen. Da schlug Machtarroganz in Herabwürdigung um, und als hochwohlgeborener Bergarbeitersohn entsann ich mich nostalgisch der Finsternis unter Tage, die sich mit der Grubenlampe aufhellen ließ.

Der Bürger, der über Jahre solche oder ähnliche Erfahrungen macht und sich einem Establishment der Gesichts- und Amtsstandswahrung gegenübersieht, das dem Sachargument keine Chance läßt, dieser Bürger kann zu unterschiedlichen Schlüssen gelangen. Derjenige, der weiß, daß die Demokratie nicht besser sein kann als die Menschen, die jeweils für sie verantwortlich sind, wird sich in sein Los schicken, auf unbestimmte Zeit zum stillgelegten gesellschaftlichen Potential zu gehören, vielleicht resigniert, vielleicht aber auch auf das Selbstwehrpotential der Wirklichkeit vertrauend. Wo Sachargumente auf dem toten Gleis stehen, steht Wirklichkeit auf totem Gleis, was sich irgendwann rächen wird, denn jener Teil der Wirklichkeit, in dem von Menschen unabhängige Gesetze gelten, gehorcht uns bekanntlich nicht, ehe nicht wir ihm gehorchen. Der Schluß, den der Bürger zieht, kann aber auch darin bestehen, über Alternativen zu einem Staatswesen nachzudenken, das in bestimmten Bereichen dem Mißbrauch der demokratisch verfaßten Freiheit nicht nur ausgeliefert zu sein scheint, sondern in ihn involviert ist – unbelangbar.

Das jedoch ist die Stunde derer, die, obwohl widerlegt durch ein Jahrhundert systemimmanenter Verweigerung von Grundfreiheiten und Ausrottung ganzer gesellschaftlicher Klassen und Schichten, auf die rechtsstaatliche parlamentarische Demokratie als System verweisen und vorgeben, über den besseren und einzig gerechten Gesellschaftsentwurf zu verfügen. Dabei lassen sie weder über ihr Ziel noch über ihre Strategie im unklaren. Schon 1990 sagte ein in Ost-Berlin lebender Geheimdienstoberstleutnant a. D. einem westdeutschen Reporter: „Die Partei, die ist noch da. Die KPD hat unter viel schwierigeren Umstanden gekämpft. Sie hat nie aufgegeben. Sie gibt vielleicht ihren Namen auf, heißt SED oder PDS, aber sie gibt nie ihr Ziel auf. Warten Sie ab. Das, was hier in der DDR passiert, ist noch lange nicht fertig ... Die darauf hoffen, daß der Kommunismus am Ende ist, hoffen vergebens.“

Eine Kernideologin äußerte vor kurzem, es gebe keinen Grund, die Partei „Die Linke“ vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Die „Linke“ habe es nicht nötig, gegen die Verfassung zu verstoßen, denn diese biete ihr alle Möglichkeiten, den Systemwechsel herbeizuführen. Gefragt, warum er zur Bundespräsidentenwahl antrete, antwortete der Kandidat der Partei „Die Linke“ am 15. Oktober 2008 im Sender MDR-info, sein Herz habe schon immer links geschlagen, und er wolle „der 'Linken' helfen, das Haus zu bauen, das sie gern haben möchte“. Die nicht ganz unerhebliche Minderheit, die in einem solchen Haus nicht leben möchte, hatte der Kandidat in diesem offenherzigen Augenblick ausgeblendet.

Das Establishment der anderen Parteien geht aber nicht etwa geschlossen auf Distanz zu jener Partei, sondern um eines mehr oder weniger kurzzeitigen Machtgewinns willen umwerben sie Politiker unterschiedlicher Parteiebenen und werten sie Schritt für Schritt auf. Gewiß, man argumentiert, das Gros der Umworbenen hätte sich vom Stalinismus distanziert, und ich bin überzeugt, daß das ehrlich ist. Nur würde man nach der Machtübernahme auf dieses Gros keine Rücksicht nehmen – im Gegenteil. Die Vorstellung, auf welcher Seite dann Demokraten stehen könnten, die heute Parteitagsbeifall spenden, wenn einer „Abweichlerin“ gewünscht wird, ihr mögen „die Beine abfaulen“, läßt mich schaudern. Nicht wenige Demokraten waren und sind auf einem Auge ideologisch blind und in bestimmter Hinsicht auf beiden Ohren historisch taub, was bereits Lenin 1922 in einem Brief an Tschitscherin in sein internationales politisches Kalkül einbezog. Der Arbeitstitel dieses Kongresses lautet: „Freiheit ein Luxus? Der Arbeiter-und-Bauern-Staat als Paradies in den Köpfen.“

Die Frage, wie man „den Freiheitsgedanken attraktiver machen“ kann, klingt mir zu sehr nach Herrenausstatter. Es kommt nicht darauf an, den Freiheitsgedanken attraktiver zu machen, sondern es käme – ich bediene mich bewußt des Konjunktivs – darauf an, in der freiheitlichen Demokratie so zu leben und, was das politische, ökonomische und im weitesten Sinne intellektuelle Establishment betrifft, die Demokratie so vorzuleben, daß die Bürger auf den Gedanken kommen, es gibt im Zusammenleben der Menschen Gleichwertiges, aber nichts Wertvolleres als die Freiheit.

Der Autor ist Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken zählten „Die wunderbaren Jahre“. Er hielt die Rede während des Freiheitskongresses der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Januar in Berlin

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Norbert Lindenthal
01.12.2008 06.55
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was Beamte und Politiker für ein Chaos mit der Rechtschreibreform geschaffen haben

Welt online 30. November 2008 13:04 Uhr

KLARTEXT, BITTE!
Wickert fordert neuen Umgang mit der Sprache

Immer wieder tauchen umstrittene Worte in der Öffentlichkeit auf. „Unterschicht“ etwa, „Blutrecht“ oder „Ehrenmord“. Fernsehmoderator Ulrich Wickert streitet für einen neuen Umgang mit der Sprache. Man soll die Dinge deutlich beim Namen nennen: Es heißt „Gier“ und nicht „Profitmaximierung“

[Bilder] 19 Stück

In seiner „Ode an die deutsche Sprache“ schreibt der große argentinische Dichter Jorge Luis Borges: „Dich aber, süße Sprache Deutschlands, / Dich habe ich erwählt und gesucht, / ganz von mir aus. / In Nachtwachen und mit Grammatiken, / aus dem Dschungel der Deklinationen, / das Wörterbuch zur Hand, / das nie den präzisen Beiklang trifft, / näherte ich mich Dir? / Du Sprache Deutschlands, bist Dein Hauptwerk; / Die verschränkte Liebe der Wortverbindungen, / die offenen Vokale, die Klänge, / angemessen dem griechischen Hexameter?“
Da horche ich auf: Dich aber, süße Sprache Deutschlands, Dich habe ich erwählt und gesucht, ganz von mir aus. Mit einer Sprache kann wohl nur der glücklich werden, der sie erwählt und sucht, ganz von sich aus.
Anders ausgedrückt: Glücklich kann nur werden, wer die Sprache bewusst anwendet. Sprache und Geschichte lassen sich nicht trennen. Und Feinfühligkeit gegenüber dem Sinn von Worten gilt in besonderem Maße für die Deutschen – wegen der zwölf Jahre des Nationalsozialismus, wegen des Weltkrieges, der Konzentrationslager, Gaskammern, wegen der Judenvernichtung.

Nach dem Dritten Reich haben sich die Deutschen angewöhnt, mit ihrer Sprache besonders kritisch umzugehen. Doch häufig habe ich den Eindruck, dass schon eine Tabu-Haltung gegenüber Worten als kritisches Denken angesehen wird. Mit Bewusstsein hat das nichts zu tun. Denn der Sinn von Tabus ist ja, das Denken auszuschalten. Und Tabu sind – wegen Auschwitz – Worte wie etwa „Führer“.
So erklärte Rolf Hochhuth dem Literaturkritiker Hellmuth Karasek, er habe nie den „Führerschein“ gemacht, weil darin das Wort „Führer“ vorkomme. In seiner Strenge ist Hochhuth sehr deutsch. Er bestimmt als Kritiker die Gebote und Verbote. Karasek machte sich darüber lustig: „ Ich habe ja, obwohl man in meiner Kindheit mit erhobenem Arm „Heil Hitler“ grüßte, was damals alles andere als komisch war, Heil Hitler und Sieg Heil, trotzdem im Nachkrieg Heilbutt gegessen und Heilkräutertee getrunken.“
Ganz banal scheinende Worte unterliegen Tabus. Wird an deutschen Schulen die Frage von Schuluniformen angesprochen, dann kochen die Gefühle schon allein wegen des Begriffs Uniform hoch. Klüger ist, wer dann von Schulkleidung spricht. In Frankreich, England, Spanien sprechen alle von Uniformen, weil Uni-Form ja nur die Einförmigkeit der Kleidung bezeichnet. Aber Uniform heißt dann für die Wahrer der Tabus: Wehrmacht, heißt Verbrechen.
Das zeigt: Tabus verhindern das Denken. Wir wollen nicht mehr unmenschlich scheinen. Also verdrängen wir Worte, aber mit den Worten auch die Probleme, die diese Worte schildern.

So haben wir das gesellschaftlich bedeutende Wort „Unterschicht“ aussortiert. Weil ich persönlich Tabus hasse, habe ich in einem Fernsehgespräch den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder gefragt, ob er aus der Unterschicht stamme. Er ist ein Barackenkind, die Familie lebte von Sozialhilfe und Schwarzarbeit der Mutter, Schröder konnte nicht auf das Gymnasium, weil das Geld fehlte.
Er hat das Wort angenommen und bestätigt: Ja, er sei ein Kind der Unterschicht. Schröder schilderte seine Jugend, fügte aber hinzu: ich habe alles getan, um aus der Unterschicht nach oben zu gelangen.
Weil das Dritte Reich für Rassenpolitik und die Verfolgung anders denkender Menschen steht, erleben wir in Deutschland allerdings auch unkritische Milde, ja, ein Übermaß an Toleranz, wenn es um Worte geht, die unseren Werten widersprechen, mit denen aber aus dem Ausland stammende Bürger in Deutschland Verbrechen rechtfertigen wollen.
Ich ärgere mich regelrecht, wenn ich das Wort „Ehrenmord“ höre. Selbst in Anführungszeichen oder mit einem „so genannt“ möchte ich es nicht lesen. Ehre und Mord widersprechen sich. Die Ehre eines Menschen beruht auf der Menschenwürde. Der Mord ist die Vernichtung des Menschen. Einen Mord aber mit der Menschwürde zu begründen ist aberwitzig, ist dumm.
Immer wieder hören wir, dass junge Frauen, die in Deutschland so leben wollen, wie junge Frauen in Deutschland leben, nach Beschluss des Familienrates von ihren jungen Brüdern oder Verwandten kaltblütig ermordet werden. Die Mörder kommen vor Gericht. Sie werden auch verurteilt. Aber weil sie sich mit dem Begriff „Ehrenmord“ verteidigen, haben Richter in Deutschland sich immer wieder dazu verleiten lassen, eine mildere Strafe zu verhängen, da es sich ja in der Heimat der Täter um einen „Ehrenmord“ handle.

GEORGE ORWELL UND DAS „NEUSPRECH“

Ich glaube, viele Begriffe in der gesellschaftlichen und politischen Debatte müssen wieder ihrer ursprünglichen Bedeutung zugeordnet werden. Sie müssten wieder klar ausdrücken, was der meint, der sie benutzt, und nicht dazu dienen, das eigentlich Gemeinte schönrednerisch zu verschleiern.
Denn in der modernen Wohlstandsgesellschaft hat sich breitgemacht, was George Orwell in seinem Roman 1984 als „newspeak“, als Neusprech, bezeichnet hat. „Newspeak“ wird in der Gesellschaft von Orwells Roman angewendet, um den Menschen dort gedanklich die Möglichkeiten vorzuenthalten, Missstände klar benennen zu können. In der utopischen Zwangsgesellschaft von 1984 wird Klartext zur Gefahr für die Machthabenden. Und ohne dass wir es merken, leben auch wir längst in einer Art gedanklichen und sprachlichen Zwangsgesellschaft.
Wie das „Unterschicht“-Beispiel zeigt, wird auch bei uns häufig Neusprech angewendet, um einen gesellschaftlichen Missstand zu verschleiern. Unterschicht tut weh – als Wort. Prekariat versteht die Masse nicht – und vergisst das gesellschaftliche Problem.

PROBLEME LIEBER KLAR AUSSPRECHEN

Klartext reden aber bedeutet: ein Problem beim Namen nennen. Selbst wenn es wehtut. Sonst können die Probleme nicht in ihrer wirklichen Tragweite wahrgenommen und erst recht nicht gelöst werden.
Klartext reden genügt aber nicht. Wer sich über einen Zustand beklagt, wer klare Rede und klares Denken einfordert, muss auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu handeln.

Sehr früh in meinem Leben als Fernsehjournalist erreichte mich der Brief einer Zuschauerin. Sie hatte in einer Sendung mehr als siebzig Fremdworte gezählt und beklagte sich darüber mit der Feststellung, viele Zuschauer würden diese Worte nicht verstehen. Gilt es eine Aussage zu treffen, so hat man häufig die Wahl zwischen einem Wort mit deutschem Stamm oder ein Fremdwort. Ich habe gelernt, das deutsche Wort wirkt stets stärker.
So benutzte ich nicht den Begriff „Sanktionen“. Die kommen immer dann vor, wenn vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wieder einmal Sanktionen gefordert oder beschlossen werden. Aber bitteschön, was sind Sanktionen? Strafmaßnahmen. Ja, den Begriff verstehe ich: Da steckt Strafe drin. Was Strafe bedeutet, weiß jeder von Kindesbeinen an, wahrscheinlich ist es selbst das eine oder andere Mal gestraft worden. Gegen welches Kind werden schon Sanktionen verhängt?
Politiker sehen es manchmal gar nicht gern, wenn Journalisten das deutsche Wort für einen Terminus technicus benutzen, eben weil es deutlicher ausdrückt, worum es geht. Ein Beispiel: 1999 machte sich der sozialdemokratische Innenminister Otto Schily daran, das Staatsbürgerschaftsrecht zu ändern, also die Bedingungen, unter denen man Deutscher wird. Bisher herrschte das ius sanguinis. Deutscher war, wer von deutschen Eltern abstammte.
Was aber bedeutet ius sanguinis? Das deutsche Wort dafür heißt: „Blutrecht“. Ei verdammt! Das klingt nicht gut. Da denken wir sofort an Blut und Scholle.

NIE IM FERNSEHEN „HOLOCAUST“ GESAGT

Aber ius sanguinis heißt nun einmal Blutrecht. Und dieses Recht wollte der SPD-Innenminister abschaffen. So habe ich in meinen Moderationen zu der politischen Auseinandersetzung um das neue Staatsbürgerschaftsrecht gesagt, dass die Opposition sich gegen die Abschaffung des Blutrechts wende.
Auch der Begriff „Holocaust“ kam in meinen Moderationen nicht vor. Oder gar „Shoa“. Beide Worte sind über Filmtitel nach Deutschland gelangt: Holocaust über die gleichnamige Serie, die Ende der Siebzigerjahre gesendet wurde. Deren Ausstrahlung durch die ARD war heftig umstritten. Aber erst durch diese Serie bürgerte sich bei den Deutschen das Wort Holocaust ein, das aus dem Griechischen kommt und Brandopfer bedeutet. Ähnlich ging es dem Wort Shoa, so nannte Claude Lanzmann seinen bedrückenden Dokumentarfilm über die Judenverfolgung. Shoa, das ist hebräisch für Unheil. Statt Holocaust oder Shoa zu verwenden, sprach ich stets von der Vernichtung der Juden.
In den Zeiten der Finanzkrise können wir auch über die Ökonomisierung des Lebens – und damit der Sprache nachdenken. Die Ökonomisierung des Lebens bedeutet: alle Bereiche des Handelns werden nur noch nach dem Maßstab gewertet, ob es der Ökonomie nutzt. Was der Ökonomie nutzt, ist gut. Die ökonomische Begründung gibt Begriffen eine positive Deutung.

JOSEF ACKERMANN UND DIE GIER

Die Gier ist eine der sieben Hauptsünden. Also nennen wir den Begriff um. Statt „Gier“ sagen wir „Profitmaximierung“, und schon wird aus der Sünde eine Tugend. Nun klagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann jüngst in der SZ, er könne das Wort „Gier“ nicht mehr hören. Von Sünden reden Sünder ungern. Sie geben sich lieber tugendhaft, so wird Herrn Ackermann die „Profitmaximierung“ genehm sein. Auch wenn dieser „Neusprech“ die Welt ins Unglück führt.
Rolf Hochhuth hat ein Sprachgesetz nach französischem Vorbild gefordert. Werfen wir also einen Blick auf das französische Gesetz für die Reinheit der Sprache. Staatlich diktiert werden da französische Worte für englische Ausdrücke: statt walkman baladeur (Spaziergänger); aus jumbo-jet wird grosporteur (Großträger); fast food wird verdaulich als prêt-à-manger (Konfektionsessen).
Doch manchmal sind selbst Beamte überfordert. Mit Beschluss vom 12. August 1976 verfügte die offenbar hilflose Terminologiekommission des Verteidigungsministeriums, das deutsche Wort „der Schnorchel“ sei im Französischen als „le schnorchel“ zu verwenden.

FRANKREICHS GESETZ ZUR REINHEIT DER SPRACHE

Die Begründung für das Gesetz zur Sprachreinheit in Frankreich klingt kabarettreif. Es sei eine „unverzichtbare Waffe im Kampf um den Erhalt der nationalen kulturellen Identität. Das größte Verbrechen ist der Mord an der Sprache einer Nation. Es gibt verschiedene Arten der Kolonisation, die schlimmste ist die innere Entfremdung von der eigenen Kultur, der eigenen Sprache. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird bald eine Handvoll Tauber über Millionen von Stummen regieren. Zum Schutz bedrohter Tierarten gibt es schon lange Gesetze. Es wurde höchste Zeit für ein Gesetz zum Schutz unserer bedrohten Sprache.“
Ich möchte nicht, dass der Staat sich in die Sprache einmischt. Reicht nicht, was Beamte und Politiker für ein Chaos mit der Rechtschreibreform geschaffen haben? Die Sprache lebt im Volk. Vergessen wir nicht, dass französische Hugenotten zur Zeit des Großen Kurfürsten nach Deutschland auswanderten, dass Verfolgte der Französischen Revolution auch ihre Sprache mit nach Preußen brachten.

Heute benutzen wir Worte, deren fremden Ursprung wir gar nicht mehr kennen. Wenn jemand etwas „ratzekahl“ auffrisst, dann leitet sich dieses Wort vom französischen „radical“ ab. Forschsein hat mit „force“ (mit Kraft) zu tun, und der Deez leitet sich von der „tête“ ab. Lassen wir die Sprache leben, wenn wir sie lieben und mit ihr glücklich sein wollen.

Ulrich Wickert (65) moderierte von 1991 bis 2006 die ARD-Tagesthemen. Seitdem widmet er sich schreibend und moderierend den Büchern. Im sommer erschien sein zweiter Krimi, „Der nützliche Freund“ (Piper).

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Detlef Lindenthal
22.10.2008 21.04
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>>Deutschland zeigt kein Gefühl für seine Soldaten<<. Und für seine Rechtschreibung auch nicht.

DIE WELT macht hier allerdings den Fehler, daß sie Deutschland gleichsetzt mit Deutschlands veröffentlichter Meinung, die von einer gleichgeschalteten, demokratisch nicht legitimierten Minderheit hergestellt wird.

Die getöteten Soldaten kehren Heim

Quelle: Die Welt
––––––

Eines trauriger als das andere:
Kein Verteidigungs-und-Angriffs-Minister hat mir erläutern können, wieso Deutschlands Freiheit ausgerechnet am Hindukusch zu verteidigen wäre; und
kein Kultus-und-Kulturabbau-Minister oder Lehrer konnte irgendwem nachvollziehbar erklären, wofür der Großschreib-Umsturz, genannt Rechtschreib„reform“, gut sein soll.
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Detlef Lindenthal

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Norbert Lindenthal
04.07.2008 06.29
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Waldschlößchenbrücke

Welt 4.7.2008

In Sachsen sind zahlreiche Gerichtsverfahren anhängig, mit denen ein neuer Bürgerentscheid erzwungen werden soll. Größtes Hindernis für einen Kurswechsel zur Tunnellösung ist bisher nämlich ein Bürgerentscheid von 2005, in dem sich die Dresdner mit klarer Mehrheit (67,9 Prozent) für den Brückenbau ausgesprochen hatten.

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Norbert Lindenthal

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