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Christian Melsa
14.06.2001 22.00
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Zurück in die Zukunft - vorwärts in die Vergangenheit?

Man sollte vermuten, daß Menschen wie Theodor Pelster es im Grunde gut meinen mit ihren Vorschlägen. Doch seinem Ansatz wohnt eine fatale Naivität inne. Fatal, weil sie die wahren Gegebenheiten so unglaublich simplifiziert, daß die optierte Methode das genaue Gegenteil des Zieles bewirken würde, auf das eigentlich angepeilt wird. Wie in einigen der letzten Beiträge an dieser Stelle wiederholt erwähnt wurde, wird Sprache zunächst intuitiv angewandt. Das menschliche Gehirn besitzt ein Sprachzentrum, das für die unbewußte Synthese und Analyse sprachlich kodierter Information zuständig ist. Die Sprache, die ein Individuum spricht (also Deutsch, Englisch, Koreanisch, Suaheli usw.) ist aber ganz offensichtlich nicht genetisch bedingt. Ein Mensch lernt die Sprache der Umgebung, in der er aufwächst, in der er lebt. Sprache ist das Produkt eines größeren sozialen Gefüges (eines Sprachvolks) bzw. ihrer Untermengen (Dialektgruppen), die sich auf gewissen Ebenen auch mit anderen Übergruppen überschneiden können (Fachtermini), innerhalb dessen sich semantische Codes, grammatische Traktoren und syntaktische Strukturen herausgebildet haben. Die Maschine, die diese herstellt, ist die Praxis der Kommunikation. Ein kleines Gremium kann eine Sprache nur dann praxistauglich regeln, wenn es den absoluten Grundsatz befolgt, den Gegebenheiten des vorliegenden Zustands zu folgen; jeder normative Versuch ist ein Wagnis und birgt das Risiko der Sprachschädigung. Die Praxis der Kommunikation ergibt sich natürlich bei Menschen auch aus den Gegebenheiten der Signalverarbeitung im menschlichen Gehirn. Ähnlich dem Muskelgewebe findet sich dort die Fähigkeit, sich an oft wiederholende Anforderungen anzupassen. Anfangs noch bewußte Abläufe werden allmählich automatisiert und ins Unterbewußtsein verlagert. So lernt man Fahrradfahren genau wie Klavierspielen und Fremdsprachen. So kann man natürlich auch neue Orthographiekonzepte lernen. Jedoch wird mit jeder Veränderung, wie sie Pelster vorschlägt, wieder neue Anpassung, neuer Lernaufwand fällig werden. Da die Sprache und mit ihr die Rechtschreibung ein komplexes, universelles Instrument ist, das sämtliche konkrete wie geistige Welt zu fassen in der Lage sein sollte, sind den Vereinfachungsbestrebungen natürliche Grenzen gesetzt. Ob diese Grenzen bei Normierungsbestrebungen unbedingt berücksichtigt werden, darf man angesichts der aktuellen Reform zwar schon bezweifeln, jedoch wird jede Änderung des Systems zwangsläufig neue Lernanstrengungen für alle Sprachteilnehmer bedeuten, deren Lebensalter ein wenig über dem geplanten Erneuerungszyklus liegt. Die Komplexität der Materie bringt es mit sich, daß auch die Änderungen umfassend immer nur mit hohen Anstrengungen zu lernen sind (die momentan amtliche „Neuregelung der deutschen Rechtschreibung“ stellt bei alledem ja übrigens noch nicht einmal als Erstlehre eine Erleichterung dar, das ist Pelster wohl auch noch nicht aufgefallen). Unbewußte Abläufe der Sprachformung müssen wieder in die bewußte Sphäre emporgehievt und mühsam durch neue ersetzt werden. Ersetzung der alten Gewöhnung durch neue Gewöhnung – der Aufwand ist offensichtlich, doch wo ist der Ertrag? Denn wenn der Überlegene keine Basis mehr für seine Überlegenheit gegenüber dem Unterlegenen haben soll, dann muß die Qualität der Sprache insgesamt herabgesetzt werden, und zwar entlang des Maßstabs, anhand dem der gegenwärtigen Unterschied zwischen beiden festzustellen ist. Das läuft natürlich auf einen Zwang der Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus. Die Unterlegenen werden während dieser Entwicklung aber trotzdem benachteiligt sein, da sie ihr wegen der dauernden Umgewöhnung und des Umlernens nicht so gut folgen können wie die Überlegenen. Die gegenwärtige Überlegenheit geht ja in Zeiten allgemeiner Schulpflicht normalerweise gerade aus einer besseren Lernfähigkeit bezüglich des sprachlichen Systems hervor. Pelsters Pläne würden die von ihm festgestellten gesellschaftlichen Mißstände also noch verschärfen. Wenn anderes als Begabung die Ursache ist, liegen die Probleme nicht im Lernstoff, sondern im Lehrsystem und den realen Begleitumständen. Ein Zyklus einer Normierung, die sich nicht aus Praxis, sondern aus Simplifizierungsideologie nährt, wird zudem die Verständigung zwischen Angehörigen verschiedener Generationen erschweren, da die Menschen, je älter sie sind, von jeder neuen Umformung verwirrter sein werden. Doch die Verwirrung wird ohnehin darüber hinaus auch allgemeiner Natur sein, denn gerade im Bereich der Rechtschreibung ist das Objekt der Übung ja die alltägliche Lektüre, die sich aus Schrifterzeugnissen zusammensetzt, die aus unterschiedlichen Stufen der Entwicklung stammen (im Idealfall zumindest). Aufgrund der derzeit beobachtbaren Folgen der 1996er Reform läßt sich recht gut abschätzen, was auf die Kulturtechnik der Rechtschreibung zukäme, wenn man ihre Regeln, ihr System, in jedem Jahrzehnt neu ändern würde. Vom Sinn der Rechtschreibung würde nichts übrigbleiben, die Schriftsprache würde starke Abstumpfung des Ausdrucks, der Präzision, ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit erfahren. Solche Ergebnisse pflegt man Kulturverfall zu nennen. Das Mittelalter war in Europa nach den kulturellen Blüten der Antike ein Beispiel für so etwas. Es wäre schön, wenn man Lernanstrengungen lieber in lehrreiche Geschichtsbetrachtungen investieren würde anstatt in sinnlose, ja, sinnwidrige Umbauten des Sprachsystems.



Christian Melsa
22149 Hamburg

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Thomas Rhaire
14.06.2001 22.00
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Regressionsoptimierung

Vielen Dank für die Antworten auf die Frage nach dem st!

Offenbar gibt es einige praktische Gründe, die für eine Nichttrennung von st sprechen bzw. deren Entstehung erklären. Natürlich ist der Reim mit dem Wehtun nur eine ›Eselsbrücke‹ zur leichteren Einprägung dieser Regel, die seit der Durchsetzung der sogenannten »Recht«schreibreform ja nun nicht mehr ›amtlich‹ ist. Ob die Neuregelung allerdings eine praxisgerechte ist, wird sich wohl erst noch zeigen.
In keinem Fall erhöht sie jedoch den ›sittlichen Nährwert‹ einer sogenannten »Recht«schreibreform, die zwar den Gesetzgeber irgendwie übertölpelt zu haben scheint, die aber mit ›recht‹ im Sinne von ›richtig‹ absolut nichts zu tun hat.

Und aus diesem Grund vermag ich Herrn Jansens Eifer für eine so ›unrechte‹ Sache, wie sie durch die sogenannte »Recht«schreibreform repräsentiert wird, in keiner Weise nachzuvollziehen. Auch wenn er sich auf die Fahne schreibt, die sogenannte Neuregelung in einigen Punkten ›verbessern‹ zu wollen, so erscheint mir dieses Bemühen als dasjenige eines Unentwegten, der eine auf Treibsand gebaute Hütte durch allerlei zusätzliche Lehmaufschüttungen und -umschüttungen vor dem unvermeidbaren Untergang zu bewahren versucht.

Man könnte diese Technik auch als ›Regressionsoptimierung‹ bezeichnen, also als einen Versuch, dem durch die Reform entstandenen Schaden mit allerlei ›kosmetischen Wundpflästerchen‹ entgegenzuwirken (»Set-Decoration«).
Allerdings erkenne ich nicht den Sinn eines solchen Tuns, weil diese Sprache in der vormals gültigen Schreibweise ja ein sehr brauchbares Ausdrucksinstrument zur Verfügung hatte und immer noch hat.
Ich sehe nicht ein, warum etwas Gutes gegen etwas sehr viel Schlechteres eingetauscht werden sollte! Es ist töricht, in einer Welt, die sich immer weiter differenziert, die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten einer Kultur zu reduzieren! Die Evolution hat jedenfalls einen genau entgegengesetzten Entwicklungsverlauf genommen!

Auf der anderen Seite haben die Einwürfe von Herrn Jansen – so sie denn als ernstgemeint erkennbar sind – auch die Funktion eines ›virtuellen Schleifsteins‹, an dem alle Gegner der sogenannten »Recht«schreibreform sich die argumentative Klinge schärfen können. Oder, um es in den Worten des bekannten Fastenarztes Otto Buchinger zu sagen:

»Nie wird eine Position gehalten,
die keine Opposition mehr duldet,
an welcher ihre Berechtigung und
Stärke sich beweist.«
(aus der Aphorismensammlung »Unterwegs« von Otto Buchinger, Verlag Leonhard Friedrich, Bad Pyrmont 1946, S. 26 )


Abschließend noch ein Kurzkommentar zum Beitrag »Toll!« vom 15.6.2001:
Na, auf die Art von ›Verständigung‹ bin ich ja echt gespannt! Vielleicht sollte man bald damit anfangen, die steinzeitlichen Grunzlaute von ›damals‹ wiederzubeleben ...



Thomas Rhaire
Hamburg

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Gast
14.06.2001 22.00
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Der Weg zum Paradies

Dieser Grundsatz darf natürlich nicht nur für die Rechtschreibung gelten. Er muß gelten für alle Schulfächer, für alle Prüfungen (man sollte sie eigentlich abschaffen, da sie Ungleichheit hervorrufen), für alle Dinge des Lebens.
Dann werden alle Menschen gleich und glücklich sein. Sie werden wie gute Brüder und Schwestern sein. Es wird keine Verbrechen mehr geben, keinen Streit, keine Mißverständnisse, keinen Neid und keinen Haß. Wir werden im Paradies leben!



Wolfgang Illauer
Von-Richthofen-Straße 20, 86356 Neusäß

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Wolfgang Scheuermann
13.06.2001 22.00
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Aus “S-t³ephanus Peils Wörterliste

Den Vorschlag von Herrn Lindenthal aufgreifend, habe ich als ersten Schritt in ein neues Leitthema hineinkopiert, was Stephanus Peil zu dieser Frage in der „Wörterliste“ geschrieben hat.



Dr. Wolfgang Scheuermann

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Theodor Ickler
13.06.2001 22.00
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Handvoll

Da nicht jeder meinen Kritischen Kommentar zur Hand haben kann, erlaube ich mir, den Abschnitt über das Problem „Handvoll“ hierherzusetzen (ohne Kursive):

E2 (1) schreibt vor: eine Zeit lang. Im Wörterverzeichnis wird dies als Neuerung gekennzeichnet, was sachlich unrichtig ist, denn eine solche Konstruktion war nach der deutschen Grammatik immer möglich. Neu ist hingegen die Tilgung des Substantivs Zeitlang, und sie ist unzulässig. Wie schon im Grimmschen Wörterbuch nachzulesen ist, handelt es sich bei Zeitlang um ein echtes Substantiv; das beweisen Fügungen wie auf eine Zeitlang. Ebenso verhält es sich mit Handvoll, Mundvoll. Natürlich kann man sagen eine Hand voll oder zwei Hände voll Kirschen essen; man kann aber auch sagen eine Handvoll, zwei Handvoll Kirschen essen; das Pferd fraß noch zwei Handvoll Heu, ein paar Handvoll Erbsen, mit einigen Handvoll schönen Grases. So steht es im Grimmschen Wörterbuch, nebst weiteren lehrreichen Bemerkungen, auch zum Englischen: two hands full und two handfuls. Dabei ist von stilistischen Problemen noch ganz abgesehen, man vergleiche aber: Oft stehen sie noch im Regal, lange nachdem derjenige, der sie geschrieben hat, zu einer Handvoll Staub zerfallen ist. (F.A.Z. 10.2.1996) 1990 trat er mit einer Handvoll Kollegen für Preisgelder ein. (F.A.Z. 2.1.1996) – Hier und in den meisten der rund 250 Beispiele, die sich pro Jahrgang der Tageszeitung finden, ist die Auflösung untunlich. Bei Grimm findet man auch die mundartlichen Varianten hapfel, haffel, hämpfeli, die ebenso wie Hampfel den Übergang zum Kompositum beweisen. – Die Beseitigung des Substantivs Handvoll war in der Fassung von 1995 noch nicht vorgesehen.  Bei Arm und Mund finden sich auch 1996 keine entsprechenden Einträge. Duden löst Armvoll und Mundvoll auf, Bertelsmann zunächst nur Mundvoll, in der 10. Ausgabe auch Armvoll. – Gegen die Tilgung spricht auch hier u. a. die Existenz mundartlicher Formen wie  Mumpfel, Mümpfele (= Mundvoll), Arfel, Ärfele (= Armvoll). Die Auflösung wäre oft verfehlt: einen Mundvoll Blut (F.A.Z. 9.3.1996); (Der Pavian) biß hinein und riß ein größeres Stück Fleisch und Haut aus dem Körper. Nach einigen weiteren Mundvoll folgte er der Herde (Grzimeks Tierleben Bd. 10, S. 416).



Theodor Ickler
Spardorf

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Theodor Ickler
13.06.2001 22.00
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Toll!

„Aus der Sicht der Schule ist zunächst wichtig, daß überhaupt ein erster Schritt getan wird. Der zweite Schritt wird dann folgen. Zu wünschen wäre eine permanente Reform etwa im Zehnjahresrhythmus. (...) Jede Vereinfachung des Systems wird die Distanz zwischen den Überlegenen und den Unterlegenen verringern und dadurch schon die Möglichkeit der Verständigung verbessern.“

(Der Deutschdidaktiker Theodor Pelster über „Die Rechtschreibreform in der Schule“, in „Sprachdienst 1993, S. 136)



Theodor Ickler
Spardorf

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Theodor Ickler
13.06.2001 22.00
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Handvoll

Da nicht jeder meinen Kritischen Kommentar zur Hand haben kann, erlaube ich mir, den Abschnitt über das Problem „Handvoll“ hierherzusetzen (ohne Kursive):

E2 (1) schreibt vor: eine Zeit lang. Im Wörterverzeichnis wird dies als Neuerung gekennzeichnet, was sachlich unrichtig ist, denn eine solche Konstruktion war nach der deutschen Grammatik immer möglich. Neu ist hingegen die Tilgung des Substantivs Zeitlang, und sie ist unzulässig. Wie schon im Grimmschen Wörterbuch nachzulesen ist, handelt es sich bei Zeitlang um ein echtes Substantiv; das beweisen Fügungen wie auf eine Zeitlang. Ebenso verhält es sich mit Handvoll, Mundvoll. Natürlich kann man sagen eine Hand voll oder zwei Hände voll Kirschen essen; man kann aber auch sagen eine Handvoll, zwei Handvoll Kirschen essen; das Pferd fraß noch zwei Handvoll Heu, ein paar Handvoll Erbsen, mit einigen Handvoll schönen Grases. So steht es im Grimmschen Wörterbuch, nebst weiteren lehrreichen Bemerkungen, auch zum Englischen: two hands full und two handfuls. Dabei ist von stilistischen Problemen noch ganz abgesehen, man vergleiche aber: Oft stehen sie noch im Regal, lange nachdem derjenige, der sie geschrieben hat, zu einer Handvoll Staub zerfallen ist. (F.A.Z. 10.2.1996) 1990 trat er mit einer Handvoll Kollegen für Preisgelder ein. (F.A.Z. 2.1.1996) – Hier und in den meisten der rund 250 Beispiele, die sich pro Jahrgang der Tageszeitung finden, ist die Auflösung untunlich. Bei Grimm findet man auch die mundartlichen Varianten hapfel, haffel, hämpfeli, die ebenso wie Hampfel den Übergang zum Kompositum beweisen. – Die Beseitigung des Substantivs Handvoll war in der Fassung von 1995 noch nicht vorgesehen.  Bei Arm und Mund finden sich auch 1996 keine entsprechenden Einträge. Duden löst Armvoll und Mundvoll auf, Bertelsmann zunächst nur Mundvoll, in der 10. Ausgabe auch Armvoll. – Gegen die Tilgung spricht auch hier u. a. die Existenz mundartlicher Formen wie  Mumpfel, Mümpfele (= Mundvoll), Arfel, Ärfele (= Armvoll). Die Auflösung wäre oft verfehlt: einen Mundvoll Blut (F.A.Z. 9.3.1996); (Der Pavian) biß hinein und riß ein größeres Stück Fleisch und Haut aus dem Körper. Nach einigen weiteren Mundvoll folgte er der Herde (Grzimeks Tierleben Bd. 10, S. 416).



Theodor Ickler
Spardorf

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Theodor Ickler
13.06.2001 22.00
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Toll!

„Aus der Sicht der Schule ist zunächst wichtig, daß überhaupt ein erster Schritt getan wird. Der zweite Schritt wird dann folgen. Zu wünschen wäre eine permanente Reform etwa im Zehnjahresrhythmus. (...) Jede Vereinfachung des Systems wird die Distanz zwischen den Überlegenen und den Unterlegenen verringern und dadurch schon die Möglichkeit der Verständigung verbessern.“

(Der Deutschdidaktiker Theodor Pelster über „Die Rechtschreibreform in der Schule“, in „Sprachdienst 1993, S. 136)



Theodor Ickler
Spardorf

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Wolfgang Scheuermann
13.06.2001 22.00
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Aus “S-t³ephanus Peils Wörterliste

Den Vorschlag von Herrn Lindenthal aufgreifend, habe ich als ersten Schritt in ein neues Leitthema hineinkopiert, was Stephanus Peil zu dieser Frage in der „Wörterliste“ geschrieben hat.



Dr. Wolfgang Scheuermann

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Thomas Rhaire
12.06.2001 22.00
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Wortquälerei

In meiner Schulzeit hieß es noch:

»Trenne nie st,
denn es tut ihm weh!«

Tja, und nun wird durch die sogenannte »Recht«schreibreform eine solche Art von Wortquälerei (die eigentlich eine Buchstabenquälerei ist)salonfähig gemacht! Weshalb das?

Auch von mir eine Frage an die Experten:
Aus welchem Grund verzichtete die alte Rechtschreibung auf eine Trennung von st, und warum wird diese durch die sogenannte neue »Recht«schreibung (die sich in sehr vielen Fällen als ›Falschschreibung‹ erwiesen hat)nunmehr vorgeschrieben?

Tut eine Trennung dem st jetzt nicht mehr weh?



Thomas Rhaire
Hamburg

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Thomas Rhaire
12.06.2001 22.00
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Formatierungen

Also, die etwas absonderlichen Formatierungen in meinem Beitrag gehen tatsächlich nicht auf mein Konto, sondern sind Eigentümlichkeiten dieses Gästebuchs. Nun denn.



Thomas Rhaire
Hamburg

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Theodor Ickler
12.06.2001 22.00
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st

Die Nichttrennung von st soll auf eine Eigentümlichkeit der Druckerei zurückgehen, die s und t auf einem einzigen Block hatte. Ich weiß aber nicht, ob diese Darstellung richtig ist, man kann sie jedenfalls überall lesen.

Vom Grundsatz der Trennung nach Sprechsilben her wäre gegen die Trennung nichts einzuwenden. Allerdings lohnt es keine Rechtschreibreform, nur um diese kleine Unregelmäßigkeit, die niemandem schwerfiel, auszubügeln.



Theodor Ickler
Spardorf

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Gast
12.06.2001 22.00
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... denn es tut ihm (offenbar nicht) weh!

Wie ein Fähnlein im Winde dreht Ickler seine sonstige Argumentation um. Normalerweise klagt er Verstöße der Rechtschreibung gegen die Sprache an. Bei der falschen Untrennbarkeit von st gibt er zu, dass die Sprache die Trennbarkeit eigentlich fordert, suggeriert aber, dass man das doch trotzdem problemlos befolgen konnte.  



Michael Jansen

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Theodor Ickler
12.06.2001 22.00
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Spätberufen

Schon in meinen allerersten Stellungnahmen zur Rechtschreibreform Ende 1994 und dann bei vielen Gelegenheiten habe ich mich in diesem Sinne geäußert; Herr Jansen merkt es aber erst jetzt. Bei sonst großer Systematik enthält die deutsche rechtschreibung, wie wohl jedes historisch gewachsene Gebilde, ein paar harmlose Schnörkel (so habe ich es immer genannt), mit denen man sich abfinden oder die man bei Gelegenheit beseitigen kann. Im übrigen ist die Silbentrennung ein eher technisches Problem und ein Randgebiet der eigentlichen Orthographie. Und die Slbengrenze liegt oft gar nciht eindeutig fest (zum Beispiel in „Karpfen“ u.ä.). Mir kam es immer darauf an, daß ich wegen dieser Änderung – der einzigen, die ich auf die Frage nach „Verbesserungen“ angeben konnte – keine Reform (mit Neudruck usw.) für sinnvoll halte.

Mein Kritischer Kommentar enthält über 200 Seiten mehr oder weniger gewichtige Einwände gegen die Reform. Ich empfehle Herrn Jansen die Beschäftigung damit und nicht mit der allbekannten Ausnahme bei der Silbentrennung. Diese Grundschulweisheit ist einfach zu trivial für eine ernsthafte Diskussion.

Wie kam es zum Beispiel zu der ausdrücklich vorgeschriebenen Zusammenschreibung von „irrewerden“, und wie kam es dann auch wieder zum Verschwinden dieses Wortes im Bericht vom Dezember 1997? (Vergeblich, wie wir wissen, so daß nun in den allerneuesten Wörterbüchern weiterhin „irrewerden, irrwerden“ prangen: „daß er daran irrwird“ usw.) – Welche Überlegungen liegen dem zugrunde? Und warum wurden sie wieder aufgegeben?



Theodor Ickler
Spardorf

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Karl Eichholz
12.06.2001 22.00
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st

Das „st“ des Bleisatzes war ja nicht nur einfach „s“ und „t“ hintereindander, sondern, in Wörtern wie „stehen“ war es eine Ligatur, also ein zusammengegossener Doppelbuchstabe, geformt aus Lang-s, welches unserem „f“ ein wenig ähnlich sieht, und „t“.
Ähnlich, wie auch heute noch in qualitativ hochwertigem Schriftsatz die Verbindung „fi“ als Sonderzeichen zusammengezogen wird, damit unserem Auge keine unschönen und leseunfreundlichen Überschneidungen zugemutet werden, so wurde auch damals die Form des zusammengesetzten „Lang-s-mit-t“ besonders für die Lesefreundlichkeit angepaßt.
Das „st“ kommt ja ungleich viel öfter vor, als „fi“ oder dergleichen. Damit man einen bleigesetzten Text problemlos neu umbrechen konnte, war es nötig, die Ligatur „st“ als solche zu belassen, denn sie hätte sonst umständlich durch zwei einzelne Lettern ausgetauscht werden müssen.

Wohlgemerkt gilt das „trenne nie ‚st‘, denn es tut ihm weh“ ja auch nur für die Fälle, wo das „s“ nicht am WortstammENDE steht.
Das „s“ am Wortstammende hingegen war ja als „rund-s“ ohnehin ein vom „t“ getrennt gesetzter Buchstabe und durfte folglich auch getrennt werden.

Beispiele für „st“ untrennbar:

aufstehen
Kiste
ängstigen
feststellen
bürsten
rüsten
Meister
Kosten


Beispiel für „st“ trennbar:
alltagstauglich
Abgasturbine
Entwicklungstheorie

aber wie steht es mit „sie liebkosten einander“
da „liebkosen“ der Wortstamm ist, ist das „st“ dann trennbar?
Zumindest hat es nicht mit „kosten“ zu tun, weder als Verb noch als Substantiv.

Hier ist der Fachmann gefordert.



Karl Eichholz

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