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Hamburger Abendblatt
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Detlef Lindenthal
09.08.2006 20.31
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Kunstfehler

http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/09/596052.html

>>Wichtige Hirnteile seien zerstört worden, dass Kind liege im Koma.<<

______

Ärztin und Zeitungsschreiber überfordert.
„... daß Kind liege im Koma“ wäre, so vermute ich, dem Verfasser aufgefallen. Nach der Umstellung bei Axel Springers Zeitungenverlag klappt es wohl nicht so recht mit der 50%igen Fehlereinsparung.
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Detlef Lindenthal

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Norbert Lindenthal
08.10.2004 07.00
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Hamburger Abendblatt



Freitag, 8. Oktober 2004

Politik

60 Prozent gegen neue Schreibweise

Allensbach/Berlin
– Die wieder aufgeflammte Diskussion über die Rechtschreibreform hat nach einer Allensbach-Umfrage dem Lager der Gegner Zulauf beschert. Gegen die neuen Schreibweisen haben sich im September 60 Prozent ausgesprochen. Im April waren es 49 Prozent. Nur noch 26 Prozent möchten die neue Rechtschreibung beibehalten.

Dessen ungeachtet schließen die Ministerpräsidenten eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung aus. Dies zeichnete sich gestern zum Auftakt von zweitägigen Beratungen der Länderchefs in Berlin ab. Auch für die Forderung von Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) nach Aufschub des offiziellen Einführungstermins an den Schulen zum 1. August 2005 gab es keine Mehrheit. HA

erschienen am 8. Oktober 2004 in Politik

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Dominik Schumacher
05.10.2004 07.53
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Hamburger Abendblatt

Dienstag, 5. Oktober 2004

Norddeutschland

Wulffs Solo um die Macht
Kündigung: Niedersachsen verläßt heute die Kultusministerkonferenz. Ein Mann sucht Profil – als Kompromißkandidat fürs Kanzleramt

Von Ludger Fertmann

Hannover
– Als Kultusminister von Niedersachsen hat Bernd Busemann (CDU) binnen anderthalb Jahren die radikalste Schulreform in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland durchgepaukt. Er wird es verkraften, wenn er heute auf einer Pressekonferenz nur die zweite Geige spielt. Ministerpräsident Christian Wulff persönlich möchte berichten, daß Niedersachsen rechtlich verbindlich die Mitarbeit in der Kultusministerkonferenz aufkündigt. Mit seinen Vorstößen, erst gegen die Rechtschreibreform und dann gegen die Kultusministerkonferenz, hat Wulff Freund und Feind gleichermaßen überrascht. Was treibt ihn?

Wie der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder versuche auch Wulff, sich durch freche Alleingänge auf Kosten der eigenen Partei für höhere Aufgaben zu profilieren, mutmaßt eine Zeitung. Und ein Mitarbeiter der SPD-Fraktion frohlockt, Wulff mache die gleichen Fehler wie sein sozialdemokratischer Vorgänger Sigmar Gabriel, indem er sich ohne viel Nachdenken auf jedes vermeintlich populäre Thema stürze.

Tatsächlich reibt Wulff sich zielgerichtet an bildungspolitischen Themen, weil dieses Feld bundespolitisch quasi brachliegt. Der CDU-Vize kann so bundesweit seine Bekanntheit und Beliebtheit steigern, ohne sich gegen die Vorsitzende Angela Merkel zu positionieren.

Es gibt eine Parallele in Niedersachsen. Ende der 70er Jahre schaffte der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht beinahe den Sprung zur Kanzlerkandidatur, weil Helmut Kohl mit der Nominierung von Albrecht als Kompromißkandidat die Kandidatur von CSU-Chef Franz Josef Strauß verhindern wollte. Falls es so auch zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber kommt, ist Wulff der geborene Kompromißkandidat.

Und sonst gilt: Der Mann hat warten gelernt. Erst im dritten Anlauf, als es für Wulff mit nur 43 Jahren bereits um alles oder nichts ging, schaffte er Anfang 2003 den Sprung auf den Sessel des Regierungschefs. Mit jetzt 45 Jahren hat er also Zeit – und alle Optionen im Blick: auch ein Scheitern von Angela Merkel als Kanzlerkandidatin 2006.

Auf Nachfrage bestreitet Wulff zwar Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur selbst in den fernen Jahren 2010 und 2014. Aber das ist eine gefahrlose Festlegung. Die offene Feldschlacht gegen Konkurrenten ist ohnehin seine Sache nicht. Er kann nur nach Berlin gehen, wenn er gerufen wird. Solch ein Ruf würde ihn aller früheren Versprechen entledigen. Eben weil Wulff sich inzwischen für alle Eventualitäten positioniert, hat in Hannover auch schon ein leises Vordenken über die möglichen Wulff-Nachfolger begonnen. Vier Finger heben die Gesprächspartner gern hoch, wenn man nachfragt.

. David McAllister, 33jähriger Fraktionschef und Liebling der Partei, dürfte auf eine späte Entscheidung hoffen. Das Image eines trinkfesten und wortgewaltigen Angreifers allein reicht nicht, und der notwendige Rollenwechsel ins seriöse Fach wird Zeit kosten. Eingeleitet hat ihn McAllister vor wenigen Wochen auf einem Landesparteitag, als er sich selbst ungefragt als Fleißarbeiter pries, der nachts nach 23 Uhr noch am Schreibtisch sitzt und arbeitet: „Da ist dann im Landtag außer mir nur noch der Pförtner.“

. Sozialministerin Ursula von der Leyen jongliert gekonnt mit der Doppelrolle als Tochter des früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und Mutter von sieben Kindern. Die 45 Jahre alte Ärztin dürfte aber noch eine weitere Karrieremöglichkeit im Auge haben: Gewinnt Angela Merkel 2006, hat von der Leyen gute Chancen auf einen Platz an ihrem Kabinettstisch in Berlin.

. Innenminister Uwe Schünemann dürfte wie McAllister hoffen, daß Wulff erst spät geht. Der 40jährige braucht nach kleineren Pannen bei der geplanten Verwaltungsreform erst echte Erfolge, um sich in Szene zu setzen.

. Kultusminister Bernd Busemann dagegen steht mit 52 Jahren glänzend da. Der Emsländer repräsentiert die CDU-Hochburg Weser-Ems und kann für sich reklamieren, daß er in Oppositionszeiten als einziger gewagt hat, sogar Wulff Paroli zu bieten.

erschienen am 5. Oktober 2004 in Norddeutschland

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Norbert Lindenthal
27.09.2004 09.07
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Hamburger Abendblatt

Montag, 27. September 2004

Politik

Wulff schockt die Kultusminister
Kündigung: Die Kultusministerkonferenz sei ineffizient und zu teuer. Deshalb will Niedersachsen jetzt aussteigen


[Bild Wulff]
Will eine Reform der Kultusministerkonferenz erzwingen: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Foto: dpa

Hamburg/Hannover – Die Bildungspolitik in Deutschland hat einen neuen Zankapfel. Das Land Niedersachsen will notfalls im Alleingang eine grundlegende Reform der Kultusministerkonferenz (KMK) erzwingen. Die überraschende Ankündigung von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), sein Land werde deshalb in dieser Woche den KMK-Vertrag kündigen, stößt aber wie sein vor wenigen Wochen gescheiterter Vorstoß für eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung auf weit mehr Kritik als Zustimmung – sogar in den eigenen Reihen.

Wirksam würde eine Kündigung mit dem Ende des Jahres 2005. In Frage gestellt wäre ohne Anschlusslösung die gegenseitige Anerkennung von Schulabschlüssen, für die die 16 Bundesländer wegen der Kulturhoheit allein zuständig sind.

So steht auch der Hamburger CDU-Senat der Kündigung kritisch gegenüber. „Es gibt sicher Anlass, Effizienz und Arbeitsgeschwindigkeit der KMK kritisch zu beleuchten. Beides ist optimierbar“, sagte Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig dem Abendblatt: „Ob der Weg einer Staatsvertragskündigung das richtige Mittel ist, halte ich für fragwürdig.“

„Abwegig“ ist Wulffs Vorgehen für die schleswig-holsteinische Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Die neuen von der KMK entwickelten Bildungsstandards seien eine Beweis für die Handlungsfähigkeit der Behörde. Für Erdsiek-Rave ist Wulffs Vorgehen eine „absurde Reaktion“ auf sein Scheitern bei der Revision der Rechtschreibreform. Kritik kam auch von der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU): „Im Zeitpunkt und in der Sache höchst schädlich.“

Wulff verteidigte die Vertragskündigung. Er wolle die KMK nicht abschaffen, sondern reformieren. Dabei hat er erklärtermaßen gleich zwei Stoßrichtungen. Zum einen soll die Behörde schlanker werden. Sie sei derzeit „eine Bürokratie von 250 Leuten, die zum Teil nichts anders tun, als vom grünen Tisch aus Konzepte theoretisch zu entwerfen und dann gegen gewichtige Einwände zu verteidigen“. Bis zu 35 Ausschüsse und andere Gremien hat etwa Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) gezählt. Mindestens einen Teil von 2,5 Millionen Euro, die Niedersachsen derzeit zahlt, will Wulff stattdessen für zusätzliche Lehrer einsetzen.

Zum Zweiten will Wulff die KMK schlagkräftiger machen für rasche Reaktionen bildungspolitischer Herausforderungen durch Aufgabe des Einstimmigkeitsprinzips. Es müsse reichen, wenn 12 oder 13 Länder für einen Beschluss seien: „Sonst bestimmen dort die Verlierer-Länder der Pisa-Studie das Tempo.“

Die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) warnte, mit seiner Kündigung gefährde Wulff „die Vergleichbarkeit und gegenseitige Anerkennung von Zeugnissen“. Dies befürchtet auch der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Wenn die notwendige Einstimmigkeit für das Zustandekommen eines neuen Vertrages ausbleibe, gefährde dies nicht nur die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und Lehrerexamina: „Dann ist der gesamte Bildungsreformprozess gefährdet.“

Schützenhilfe für Wulff kam vom Kulturrat, dem Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Geschäftsführer Olaf Zimmermann verteidigt die Forderung nach Einführung des Mehrheitsprinzips an Stelle der einstimmigen Beschlüsse: „Nur so kann erreicht werden, dass nicht der Langsamste das Tempo bestimmt.“ Unterstützung kommt auch aus dem Saarland. „Wenn sich die Auflösung der KMK als der bessere Weg zur Selbstreform erweist, dann sollten wir diese auch durchführen“, sagte Saarlands Kultusminister Jürgen Schreier (CDU). Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) sagte, notwendig sei nun eine sachliche Diskussion über die Neuordnung der KMK: „Wir wollen keinen zentralistischen Einheitsbrei in der Bildungspolitik. Wir brauchen Abstimmung zwischen den Ländern – sie muss aber effizient und unbürokratisch sein.“ fert/ubi/jmw

erschienen am 27. September 2004 in Politik

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Norbert Lindenthal
25.09.2004 08.23
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Hamburger Abendblatt

24. September 2004

Kultur / Medien

Kanzler versteht Reformgegner

Berlin – Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Verständnis für die Gegner der Rechtschreibreform gezeigt. Die Entscheidung über Änderungen sei jedoch Sache der Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder, sagte Schröder der „FAZ“. Er sehe nur die Möglichkeit, dass der von den Kultusministern eingesetzte neue Rat für die deutsche Rechtschreibung bei der weiteren Umsetzung der Reform das eine oder andere Detail korrigiert. Es wird erwartet, dass die Kultusminister bei ihrem Treffen am 14./15 Oktober im Saarland den neuen Rat für die deutsche Rechtschreibung einsetzen. Bei dem Rat sollen auch Kritiker der Reform mitarbeiten. dpa

erschienen am 24. September 2004 in Kultur / Medien
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Norbert Lindenthal

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Norbert Lindenthal
12.08.2004 15.23
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Hamburger Abendblatt



Donnerstag, 12. August 2004

Kultur / Medien

Zurück zu einem Neuanfang
Rechtschreibung: Die Geschichte der Reform und was von ihr am Ende übrig geblieben ist

Von Fee Isabelle Lingnau

Hamburg – Geradezu babylonisch ist das Stimmengewirr um die Rechtschreibreform, seit der Verlag Axel Springer der Spiegel-Verlag und der Süddeutsche Verlag am vergangenen Freitag beschlossen haben – wie die FAZ – zur Rechtschreibung vor 1998 zurückzukehren. Die einen wollen die „alte“ Rechtschreibung, die anderen die „neue“, und wieder andere wollen ganz anders schreiben. Die Rechtschreibreform erhitzt die Gemüter. Was will sie? Wie ist sie zu Stande gekommen?

Die Geschichte der Rechtschreibung und ihrer Reform beginnt um 1870. In den einzelnen deutschen Ländern gibt es keine festen Schreibregeln, was spätestens seit der Reichsgründung 1871 als störend empfunden wird. Der Wunsch nach einer einheitlichen Schreibung entsteht. Die erste Regelung versucht 1880 das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden, der so genannte „Urduden“. Dieser bildet auch die Grundlage der ersten Rechtschreibreform von 1901. Der Duden wird zum Regelwerk der deutschen Schriftsprache.

Seitdem verändern sich die Regeln mit dem Usus im Volk. Der Duden ist also eine beschreibende, nicht aber vorschreibende Instanz. Gesetzlich wird die Rechtschreibung nie geregelt – bis heute kann theoretisch jeder schreiben, wie er will. Nur rechtliche Organe und Schulen sind verpflichtet, den Rechtschreibregeln zu folgen.

Im Laufe der 70er-Jahre entsteht unter Germanisten, Lehrern und Politikern die Meinung, dass sich die Schreibregelung zu einem komplizierten Gewucher verwachsen hat, das dringend gelichtet werden müsste. Außerdem gibt es keine gesamtdeutschsprachige Schreibregelung: In Deutschland schreibt man anders als in der Schweiz oder in Österreich. Die Idee einer (zweiten) Rechtschreibreform kommt auf.

Die „Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung“, die eine für den deutschsprachigen Raum einheitliche Rechtschreibung entwickeln soll, wird 1987 im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) gegründet. Zwölf Germanisten aus der Schweiz, der DDR, der BRD und Österreich sollen eine Orthografie erarbeiten, die für den gesamten deutschsprachigen Raum gültig ist. Die Schreibung soll zukünftig ausschließlich nach grammatischen Gesichtspunkten entschieden werden, die Getrenntschreibung soll klarer geregelt werden – last but not least soll die Rechtschreibung aus dem Machtbereich des Duden in öffentliche Hände übergehen.

Als die „Zwischenstaatliche Kommission“ ihre ersten Entwürfe vorlegt, beginnt die Verwirrung. Zwar wird die Anzahl der Schreibregeln halbiert. Doch ist es fraglich, ob beispielsweise grammatische Regeln allein maßgeblich für die Schreibweise sein sollten oder ob dadurch die Semantik (die Bedeutung) von Wörtern oder Wortgruppen belastet wird.

An den Diskussionen möchte sich nun jeder beteiligen, auch wenn er oft nur glaubt, etwas davon zu verstehen. Politiker, Schriftsteller, Lehrer, Lektoren, Eltern und Journalisten echauffieren sich. Die Folge: Die Reform verwässert und wird inkonsequent. Die ständigen Nachbesserungen tragen bei den Bürgern nicht gerade zum Vertrauen in die Rechtschreibreform bei – geschweige denn zum Glauben an ihre Notwendigkeit. Zu viele Stifte haben diese Reform verkrakelt.

Unterdessen plädiert die Akademie für Sprache und Dichtung für einen Kompromiss. Die Institution schlug gestern einen Rückbau umstrittener Regelungen vor unter Beibehaltung einzelner Verbesserungen; den Schreibenden sollten außerdem Freiheiten gelassen werden.

erschienen am 12. August 2004 in Kultur / Medien

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Norbert Lindenthal
10.08.2004 21.27
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Hamburger Abendblatt



Dienstag, 10. August 2004

Politik

Volksabstimmung über die Rechtschreibung?
Forderung von 70 Rechtsprofessoren


Berlin/Hamburg – In der Debatte um die künftige Rechtschreibung hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegen eine Rücknahme der Reform gewandt. „Es gibt seitens der Bundesregierung keine Überlegungen, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen“, sagte Vize-Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth gestern.

Die Axel Springer AG bleibt bei ihrer Entscheidung zur Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung. „In etwa vier Wochen“ werde auf die alten Regeln umgestellt, sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels. Bei der „Süddeutschen Zeitung“ werde „intern diskutiert, ob und welche Regelungen der neuen Rechtschreibung bei der Rückkehr zur alten beibehalten werden“, sagte Sebastian Lehmann, Sprecher des Süddeutschen Verlags. Auch der Spiegel-Verlag will künftig auf Basis der alten Regeln schreiben. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief die Medien zu einer einheitlichen Linie bei der künftigen Rechtschreibung auf.

Der deutsche Schriftstellerverband PEN verlangte erneut eine möglichst schnelle Rücknahme der neuen Orthografie. Der Deutsche Lehrerverband und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderten lediglich eine schnelle Einigung.

Rund 70 Rechtsprofessoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz forderten eine Volksabstimmung. Der Sprecher der Initiative, der Münchner Rechtsanwalt Johannes Wasmuth, sagte, die Entscheidung über die Reform müsse den Kultusministern genommen werden. Das Grundgesetz sieht solche bundesweiten Volksentscheide aber nicht vor.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen (SPD), wandte sich gegen eine Volksabstimmung. Sie verwies erneut auf den „einstimmigen Beschluss“ in der KMK, die Rechtschreibreform nach mehrjähriger Übergangszeit zum 1. August 2005 verbindlich zu machen.

Die Kultusministerkonferenz wird sich am 14. und 15. Oktober abermals mit der Rechtschreibung befassen, eine Woche zuvor tagen die Ministerpräsidenten. Die Schweiz drängt Deutschland, an der Reform festzuhalten. „Mehrere gleichzeitig gültige Rechtschreibungen wären fatal“, erklärte die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Die österreichische Regierung betonte, die neue Rechtschreibung sei gut angenommen worden. Zum weiteren Vorgehen wolle man ein Treffen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz Ende August abwarten. (HA)

erschienen am 10. August 2004 in Politik

weitere Artikel zum Thema:
Rechtschreibreform vom 10. August 2004 (Deutschland)

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