Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen
Hamburger Abendblatt
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 4 Seiten lang:    1  2  3   4  Post New Thread     Post A Reply
Sigmar Salzburg
04.10.2012 09.22
Diesen Beitrag ansteuern
Kindische Erleichterungen

[Schmachthagens] DEUTSCHSTUNDE

Als ein Tollpatsch durch die Straßen wankte

Wie die Fußlappen ungarischer Soldaten die deutsche Rechtschreibung bestimmten.
Einige notwendige Angleichungen durch die Reform


Von Peter Schmachthagen

Wissen Sie, was ein Tollpatsch ist? Natürlich, ein ungeschickter Mensch, der schwerfällig durch die Gegend tollt und dabei womöglich noch einfältig um sich patscht. Alles spricht auf den ersten Blick dafür, dass der Tollpatsch zur Wortfamilie des Adjektivs toll gehört, das bereits im Althochdeutschen „dumm und töricht“ bedeutete und später mit „getrübt, umnebelt, verwirrt“ erklärt wurde.

Das heißt, aus dem Niederländischen wanderte dol auch in der Bedeutung „ausgelassen“ nach Deutschland und traf zuerst auf die Rheinländer. Was damit angerichtet worden ist, sehen wir während der drei tollen Tage, die einen kühlen Norddeutschen zu der Überzeugung kommen lassen, dass die Erklärung „umnebelt und verwirrt“ doch passender gewesen wäre.

Wir kennen die Tollheit, das Tollhaus und die Tollkirsche. Die Tollwut ist eine Zusammenrückung aus tolle Wut, und tollkühn heißt „auf tolle Weise kühn“. Dennoch – unser Tollpatsch hat nichts mit dem Adjektiv toll zu tun. Vielmehr müssen wir den deutschen Sprachraum Richtung Budapest verlassen. Ein Tolpatsch ist ursprünglich ein ungarischer Fußsoldat, ein talpas, ein „Breitfüßiger“, von ung. talp (Sohle).

Im 17. Jahrhundert bekamen die ungarischen Infanteristen keine Schuhe, sondern befestigten sich Fußlappen mit Schnüren als Sohlen unter den nackten Füßen. Wenn die besser ausgestatteten Österreicher so einen ungarischen Fußsoldaten, dessen Sprache sie zudem nicht verstanden, unsicher auf den Beinen durch die Straßen wanken sahen, nannten sie ihn einen Tolpatsch – und da es sich um die Eindeutschung des ung. talpas handelte, natürlich analog mit nur einem „l“.

Falls vor der Rechtschreibreform ein Schüler „toller Tolpatsch“ schreiben sollte, fiel es ihm schwer, zwischen einem und zwei „l“ zu unterscheiden. Zur Not half damals auch einmal eine Ohrfeige, bis er es kapiert hatte. Ohrfeigen im Unterricht sind heutzutage glücklicherweise verboten und in diesem Fall auch nicht mehr notwendig. Seit 1998 schreiben wir den Tollpatsch mit Doppel-l.

Ich will in dieser Kolumne möglichst den Rechtschreibfrieden wahren, aber um zu zeigen, was ist, ist es ab und zu angebracht, einen Blick darauf zu werfen, was war. Neben umfassenden Regeln wie die ss/ß-Auslautung oder die klare Bestimmung „Verb und Verb immer getrennt“ änderten die Reformer nicht nur beim Tollpatsch, sondern bei rund 40 Wörtern die Schreibweise, indem sie den Stamm oder die Analogie (Vergleichbarkeit) anpassten.

Wir Älteren mussten uns zuerst daran gewöhnen, dass der „Stengel“ zum Stängel, die „Gemse“ zur Gämse und die „Greuel“ zu Gräueln geworden waren. Manch einer schnäuzte („schneuzte“) sich überschwänglich ("überschwenglich“) und sah sein Fachwissen bedroht. Die deutsche Sprache ist jedoch so kompliziert, dass jede Vereinfachung ihre Akzeptanz nur erhöhen kann.

Wenn früher Väter oder Lehrer doch einmal zum Rohrstock griffen, um uns den Hintern zu versohlen, war dieser Körperteil hinterher unter Umständen blau. Also heißen die zugehörigen Verben auch verbläuen oder einbläuen? Heute ja, damals nein. Mit den blauen Flecken, zu denen die Schreibweise umgangssprachlich gezogen worden ist, hat diese Tätigkeit primär nichts zu tun; „verbleuen“ kommt vom althochdeutschen bliuwan (schlagen) und wurde deshalb bis 1998 mit „e“ geschrieben.

Zu Recht angeglichen hat man die nicht angepassten Schreibweisen „mit Nummern numerieren, auf dem Platz plazieren“ oder den „Tip auf dem Tippschein“. Als Kind dachte ich immer, bei einem Albtraum laste ein ganzes Gebirge auf der Brust. Dabei kommt der Ausdruck von dem Alb, einem Naturgeist, der ein solches Albdrücken hervorruft, und nicht von den Alpen.

Und dann hätten wir da noch das Wort belämmert, das mit der Reform vom „e“ zum "ä" wechseln musste und zum Schlagwort in der Rechtschreibdiskussion wurde. Schließlich komme „belämmert“ nicht von den Lämmern, die auf der Weide stünden und belämmert nach der Mutter blökten, sondern sei 2. Partizip des niederd. Verbs belemmeren (hindern, lähmen).

Da ein Abc-Schütze diesen sprachhistorischen Hintergrund jedoch nicht beherrscht, blieb es beim "ä". Belämmert, in der Tat!

abendblatt.de 2.10.2012

Immerhin hat dieser Teil der „Reform“ Deutschlands Dichtern und Denkern zu neuen politischen Einsichten verholfen.

Mehr Schmachthagen weiter unten


Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
29.08.2012 07.20
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagen macht wieder unser Deutsch unsicher

Deutschstunde
Die Lehre von der Leere


Peter Schmachthagen

Es gibt Wörter im Deutschen, die klingen gleich, sind es aber nicht. Dabei handelt es sich um die sogenannten Homofone (Schreibweise nach Duden-Empfehlung) oder meinetwegen auch Homophone . Ein Homophon ist ein Wort, das mit einem anderen gleich lautet, aber verschieden geschrieben wird, z. B. Lehre – Leere, Weise – Waise oder sogar dreifach Ferse – Verse – Färse …

[Homophone sind gleichklingende Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen, die aber sehr wohl auch gleich geschrieben werden können.]

Beim Sprechen hören wir keinen Unterschied. Allerdings benötigen wir den Satz, um dem Wort seine Bedeutung zuordnen zu können. Wenn der Chef beispielsweise diktiert: „Die Lehre ...“, kann die Sekretärin noch nicht losschreiben; erst wenn er fortfährt: "... aus dieser bedauerlichen Angelegenheit ...“, darf sie mit dem Tippen beginnen…

Falls wir aber den Kontext¹ nötig haben, um die Schreibweise festzulegen, brauchten wir eigentlich keine unterschiedliche Schreibweise, um den Text zu verstehen. Doch auch hier haben die Rechtschreibreformer, allen Behauptungen zum Trotz, nichts geändert. Es blieb beim Alten.

[Letzteres ist nicht ganz richtig. Die Phonetiker unter den Reformern hätten wohl gerne diese Unterschiede abgeschafft. Weil man aber erstmal den Fuß in der Tür haben wollte, hat man sich zunächst damit begnügt, „greulich“ mit „gräulich“ zusammenfallen zu lassen.]

[...]

Der Verfasser, 71, ist „Hamburgisch“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprach-Kolumne erscheint dienstags

abendblatt.de 28.8.2012

¹) Siehe auch Doris Ahnen und Peter Schmachthagen.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
11.08.2012 17.36
Diesen Beitrag ansteuern
ARD-Korrespondent

Klaus Scherer – Ich bin dann mal wieder da
Bis vor Kurzem war Scherer in Washington. Jetzt ist er wieder in Hamburg. Ein Gespräch über das Ankommen und den „Wahnsinn Amerika“

Hamburg. Das Gesicht ist einem sofort vertraut. Fünf Jahre war Klaus Scherer als Korrespondent der ARD in Washington, vor wenigen Tagen erst ist er nach Hamburg zurückgekehrt…
[…]
Was fiel Ihnen besonders schwer?
Scherer: Naja, ich war zuvor in Nordkorea, ich war auf den Philippinen, es gab dort Hungertote und Armut – und hier diskutierte man die Rechtschreibreform. Das hab ich nicht hingekriegt. Das konnte ich nicht so ernst nehmen, wie manche es ernst genommen haben. Heute ärgert mich die Rechtschreibreform auch.
[…]
abendblatt.de 11.8.2012

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
02.08.2012 12.07
Diesen Beitrag ansteuern
Nachtrag zum Abendblatt-Artikel

Der unerschütterliche 96er-Reformgläubige „Peter Schmachthagen“ konnte zu dem auf unerklärliche Weise in „sein“ Abendblatt gerutschten Reformverriß natürlich nicht schweigen. Wegen der Unbedeutendheit bringen wir seine Einlassungen hier nur im Kleindruck, die aber wegen ihrer Dreistigkeit vollständig:

Debatte

Die Rechtschreibreform – ein Fortschritt

02.08.2012, 07:29 Uhr Peter Schmachthagen

98 Prozent der Einträge im Duden änderten sich durch die Umstellung nicht. Aber die Regeln sind seitdem klarer

Es gibt Themen, die hält man für erledigt und tief im Archiv verborgen, aber dann kommt jemand und zerrt sie wieder an die Öffentlichkeit: Barschels Tod in der Badewanne zum Beispiel, die jährlich neue Verschwörungstheorie über die Schüsse auf Kennedy – und nun der angebliche „Riesenfehler“ mit der Rechtschreibreform, obwohl die alte, die von Konrad Duden persönlich als Vermächtnis hinterlassene Orthografie aus dem Jahre 1901 doch so klar, verständlich und von jedermann beherrschbar war, „klassisch“ eben, was immer das auch bedeuten soll.

Das ist Unfug. Nach 15 Jahren, die ich mich beruflich mit dieser Thematik beschäftigen musste, gestatte man mir ausnahmsweise dieses deutliche Wort, um eventuell aufkeimenden Gerüchten von vornherein entgegenzutreten. Napoleon wird nachträglich die Schlacht von Waterloo nicht mehr gewinnen und Claudia Ludwig nicht die Debatte um die Rechtschreibreform, wenn sie es gestern an dieser Stelle auch versucht hat.

Die Rechtschreibreform war keine Gutschreibreform, das wäre wegen der Komplexität unserer Muttersprache auch nicht möglich gewesen, aber sie war erst recht keine Schlechtschreibreform. Nennen wir sie eine Besserschreibreform. Die Reformer versuchten, in den Wildwuchs des alten Regelwerks mit seinen unübersichtlichen Ausnahmen und auswuchernden Vorschriften etwas Ordnung zu bringen.

98 Prozent der Einträge im Duden änderten sich dabei 1998 übrigens nicht, und rund 90 Prozent der Änderungen bezogen sich auf die ss/ß-Regel, die sogar von den meisten Kritikern der Reform verteidigt wurde: nach kurzem Vokal ss (Fluss), nach langem Vokal (Fuß) oder nach Diphthong (heiß) ß. Es ging nicht darum, eine dritte Möglichkeit im Auslaut zu schaffen, sondern darum, die Rektion zu vereinfachen ¹): Musste Klein Fritzchen früher deklinieren: der Fluß, des Flusses, dem Fluß/Flusse, den Fluß, die Flüsse“, so heißt es heute: einmal ss, immer ss. Wer das „bei bestem Willen und größter Anstrengung“ nicht kapiert, der braucht in der Tat keine weitere Erleichterung.

Übrigens wurde die Rechtschreibreform nicht 2006, sondern bereits 1998/1999 eingeführt. 2006 wurde sie lediglich verschlimmbessert. Nachdem die Kultusministerkonferenz im Juni 2004 nach fünfjähriger Testphase die neue Rechtschreibung mit einigen leichten Korrekturen („leidtun“) abgesegnet hatte und die Deutsche Presse-Agentur sie so übernehmen wollte, erreichten einige Kritiker an einflussreicher Stelle, dass die Ministerpräsidenten erst einmal den Rat für deutsche Rechtschreibung einsetzten, den „Unrat“ zu nennen nach seinen Ergebnissen erlaubt sein muss.

Dieser Rat legte den Kultusministern seine Ergebnisse ausgerechnet am Rosenmontag des Jahres 2006 vor, und der Sprecher eines Lehrerverbandes nannte diese Ergebnisse „den längsten Narrenzug der Republik“. Da aber die bisherigen Schreibweisen nicht ersetzt wurden, sondern daneben bestehen blieben, kam es zu den beklagten fakultativen Schreibweisen im Duden. Der Duden unterlegt bei „Gewinn bringend/gewinnbringend“ übrigens „gewinnbringend“ mit gelber Markierung, sodass wir uns an diese Empfehlung halten und den Lesern ein weitgehend einheitliches Schriftbild bieten können.

Wenn aber beide Möglichkeiten amtlich richtig sind, ist nicht einzusehen, warum Klein Fritzchen Wörterbücher wälzen und schwere Lexika in die Schule schleppen sollte, um im Diktat keinen Punktabzug zu bekommen: Ob er nun so oder so schreibt, es wäre doch so oder so kein Fehler!

Die Reformer versuchten es mit klaren neuen Regeln, die hier heute nicht im Detail vorgestellt werden können. Ich habe früher einmal 40 alte Schreibweisen wie „toller Tolpatsch, numerieren, plazieren, Tip auf dem Tippschein, Stuck des Stukkateurs, einbleuen, in bezug, mit Bezug“ herumgereicht, wobei nur „richtig“ oder „falsch“ angekreuzt werden sollte.

Hätte man gewürfelt, hätte man irgendwann 20 Treffer erreichen müssen. Die Beste war eine pensionierte Kollegin mit acht Richtigen. Wer behauptet, die alte Rechtschreibung habe keiner Reform bedurft, bei dem ist es ohnehin egal, ob er die alte oder die neue Rechtschreibung nicht beherrscht.

abendblatt.de 2.8.2012



¹) Gegen die „neue“ Heyse-ss-Schreibung hier nur Karin Pfeiffer-Stolz und meine eigene Kurzfassung.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
01.08.2012 09.24
Diesen Beitrag ansteuern
Zum mehrfachen Inkraftsetzungstag ¹) der Reformexperimente:

Die Rechtschreibreform – ein Riesenfehler

Claudia Ludwig

Vor genau sechs Jahren traten die neuen Regeln in Kraft. Seitdem herrscht Verwirrung, beklagt die Autorin und Lehrerin

95 Jahre lang gehörte sie zu unserem Alltag: die „alte“, die klassische Rechtschreibung. Wir lasen sie in allen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Werbeanzeigen, auf Plakatwänden und in Gebrauchsanweisungen. Sie war uns vertraut, und sie war vor allem eins: einheitlich und eindeutig. Wer zweifelte, sah im Duden nach, und dann waren schnell alle Unklarheiten beseitigt, man konnte zum Tagesgeschäft übergehen.

Vier Generationen hatten sie erlernt. Großeltern schrieben, wie ihre Enkel es in der Schule lernten, konnten helfen, waren kompetent. Sekretärinnen, Lektoren, Menschen, zu deren Beruf die Schrift gehört, beherrschten sie, diese „alte“ Rechtschreibung. Das war schon etwas wert!

Und dann beschlossen Politiker (wer eigentlich?), zwölf Sprachwissenschaftler zu beauftragen (mit welchem Recht eigentlich?), die Rechtschreibung zu vereinfachen (warum eigentlich?). Es begann ein zähes Ringen, denn jeder dieser Experten hatte Vorlieben, die er unbedingt realisiert haben wollte. Dann kam das Werk an die Öffentlichkeit. Ein Sturm der Entrüstung brach los, Gegner und Befürworter bekämpften einander. Es wurde diskutiert, verändert, mehrmals nachgebessert und schließlich verkündet: Am 1. August 2006 war die endgültige Fassung der „neuen“ deutschen Rechtschreibung geboren: „moderner und viel einfacher“.

Eines aber blieb in dem Trubel unbeachtet: Diese „neue“ Rechtschreibung war und ist nur bindend für Behörden, Schulen, Universitäten, für alle Institutionen, deren oberster Dienstherr der Staat ist. Dieser Tatbestand bot die einzigartige Chance, die „Reform“ zu stoppen. Es ist nicht passiert.

Und was haben wir jetzt? Wir haben mehr Vielfalt in den Schreibweisen, was allerdings für den Leser nicht unbedingt erfreulich ist. Wir haben eine Vielzahl an neuen Regeln, die auch bei bestem Willen und größter Anstrengung nicht mehr auswendig zu beherrschen sind. So sind z. B. aus zwei Möglichkeiten, das scharfe „s“ am Wortende zu schreiben (alt: „s“ oder "ß") drei Möglichkeiten geworden („s“, "ß" oder „ss“) – eine Erleichterung?

Und schreibt man in klassischer Rechtschreibung eindeutig: „gewinnbringend, ausschlaggebend, alleinerziehend und herzerquickend“, so bietet der neueste Duden folgende Schreibweisen an: „Gewinn bringend/gewinnbringend, ausschlaggebend, allein erziehend/alleinerziehend und herzerquickend“. Alles klar?

Sicherheit beim Schreiben wird es so nie mehr geben. Und wozu führt das? Schüler feilschen mit Lehrern um die Schreibweise eines Wortes. Wörterbücher werden gewälzt und zur Schule geschleppt. Es geht ja immerhin um einen, vielleicht gar den ausschlaggebenden Punkt. Da es keine eindeutigen Schreibweisen mehr gibt, führt das zu wachsender Verwirrung bei allen Schreibenden, worauf die einen mit Gleichgültigkeit reagieren (Ich schreibe jetzt, wie ich will!), andere, die professionell mit Schrift umgehen, häufiger im Duden nachschlagen müssen. Und es gibt viele neue Fehler.

Unsere Situation heute ist somit die gleiche, die Konrad Duden vor mehr als hundert Jahren zu seiner Reform motivierte. Duden stellte entsetzt fest, daß in zwei nicht weit voneinander entfernten Schulen völlig unterschiedliche Schreibweisen gelehrt wurden. Flugs machte er sich – ganz Praktiker – ans Werk und erarbeitete eine Rechtschreibung, die vor allem ein Ziel hatte: die Schreibweisen zu vereinheitlichen, um das Schreibenlernen zu erleichtern.

Diese Einheitlichkeit hat die „Rechtschreibreform“ nun endgültig zerstört. Dabei würde uns gerade heute – bei unserer vielfältigen Kommunikation – eine eindeutige, verläßliche Rechtschreibung hilfreich sein. Denn erst auf einer einheitlichen Basis kann man mit Sprache spielen, wie es uns die Amerikaner vormachen.

Aber vielleicht kommt sie ja wieder, die klassische Rechtschreibung – eines Tages, irgendwann? Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt oder: Träumen darf man ja noch.

Die Autorin hat diesen Text in der bis 2006 gültigen Rechtschreibung geschrieben. ²)

Abendblatt.de 1.8.2012

¹) 1.8.1998 offiz. Einführung, 1.8.2005 „unstrittige“ Teile verbindlich gültig, 1.8.2006 reformierte Reform gültig, 1.8.2007 reformierte Reform verbindlich gültig, 1.8.2008 in Österreich, 1.8.2009 in der Schweiz.

²) Die traditionelle Rechtschreibung ist immer noch gültig. Nur für Behörden und Schulen konnte sie 1999 und 2005 vom Staat verboten werden. Oder meinen die Abendblättler „im Springer-Konzern gültig“?

Siehe auch hier
.



Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
02.08.2011 12.04
Diesen Beitrag ansteuern
Reform-Fundi 'Schmachthagen'

Der ehem. Abendblatt-Chef und Reform-Fundamentalist „Schmachthagen“ alias Peter Meyer schlägt wieder zu:

Leider geriet die Reform 2004 in „einen geistigen Bürgerkrieg, politischen Separatismus und (eine) orthografische Guerillabewegung“ (Eckhard Fuhr in der „Welt“), sodass der flugs eingesetzte (Un-)Rat für Rechtschreibung den Kultusministern überflüssige Korrekturen unterschob, aber das Bisherige stehen ließ…

Abendblatt.de 2.8.2011 ... zum Hintergrund: FDS Schmachthagen

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
27.04.2011 16.11
Diesen Beitrag ansteuern
Hans Fallada (1893-1947)

Fallada exklusiv: Die Verkäuferin auf der Kippe

Teil II der exklusiven Reihe: Über 80 Jahre schlummerten Falladas „Hamburger Miniaturen“ unentdeckt in den Archiven der Staatsbibliothek.

... Nee, Hans ist schlapp. Der heult höchstens. Natürlich tut er mir leid, aber was soll ich dabei machen? Wenn er zu Vater läuft, der ist imstande und verhaut mich. Vater hat keine Ahnung von uns Mädels heute, daß muß doch alles so sein wie auf seiner Landstelle in Mecklenburg. Hätt er doch besser aufgepaßt in der Inflation, dann müßte ich heut nicht für 90 Mark ...
Also schön, Fräulein, wir machen jetzt Schluß. Und sieh dir das Crêpesatinkleid an. Goldig, sage ich dir. Diese Woche kriege ich's noch, wetten? Trudel! Trudel!! Schon weg. Na, denn nicht. Verkaufen wir also wieder Trikotagen.

Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags

abendblatt.de 21.4.2011

Unreformierte Veröffentlichung, allerdings nicht ohne Fehl (Falladas?).

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
06.08.2010 06.22
Diesen Beitrag ansteuern
Standhaft: Matthias Politycki

Sofakunst
Matthias Politycki: Fremdschämen für die Kunst

Von Matthias Politycki 5. August 2010, 06:54 Uhr

Der Schriftsteller Matthias Politycki ließ sich einen Tag lang zum Teil eines Kunst-Projekts machen – mit einem Selbsterfahrungstrip auf einem Sofa.

[Foto]
Auch am Elbstrand stellte Künstler Josef Trattner sein Sofa für Autor Matthias Politycki auf.
Foto: Josef Trattner/Foto:Fritz Jaenecke

… Was Sofakunst im öffentlichen Raum für mich an potentiellen Verlegenheiten in petto führt, habe ich mir als geübter Fremdschämer weidlich ausgemalt. Dabei ist der Künstler, der sich mir vor Wochen augenzwinkernd als Michelangelo Trattner vorstellte und im Verlauf eines fidelen Abends in seinem Atelier zunehmend als Schaumstoff-Josef entpuppte, dabei ist der Künstler ein durch und durch sympathischer, freundlicher, obendrein witziger Mensch, der jeden Zwischenfall gewiß ganz ohne rote Ohren meistern wird; eigentlich könnte ich ganz entspannt sein.

[Fotostrecke]
Politycki auf Sofatour durch Hamburg

Denn er hat sie ja bereits gemeistert: All das, was bei Sofa-Installationen in österreichischer Berg- und europäischer Stadtlandschaft überhaupt an Reaktionen erfolgen kann, es ist bereits erfolgt, wie Trattner bereitwillig erzählt: von wütenden Protesten bis zur mutwilligen Zerstörung, vom sukzessiven Zerrupfen durch Tiere bis zum schlagartigen Platzverweis durch die Obrigkeit, von hartnäckiger Inbesitznahme durch Penner bis zum Versuch einiger Punks, das Sofa abzufackeln. Als Künstler, der im öffentlichen Raum agiert, muß man wohl starke Nerven haben, stärkere als ein Schriftsteller, der dort allenfalls inkognito Notizen macht und sich ansonsten möglichst unauffällig in Beobachtung übt. […]

Der Schriftsteller Matthias Politycki , Jahrgang 1955, lebt in Hamburg und München. Nach seinem viel beachteten „Weiberroman“ (1997) schrieb er unter anderem den großen Kuba-Roman „Herr der Hörner“, das Kreuzfahrt-Logbuch „In 180 Tagen um die Welt“ sowie zuletzt die „Jenseitsnovelle“. Voraussichtlich im Frühjahr erscheint bei Hoffmann und Campe „London für Helden“, derzeit arbeitet Politycki an seinem nächsten Roman: „Samarkand Samarkand“.
Politycki schreibt in alter Rechtschreibung.

abendblatt.de 5.8.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
03.06.2009 08.08
Diesen Beitrag ansteuern
Colette

Der bekannte Journalist Hermann Schreiber schreibt im reformistischen Hamburger Abendblatt am 30.5.09:

Unser Wortschatz soll in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 8000 Wörter zugenommen haben. Dass die alle „richtig“ sind, wage ich zu bezweifeln.
Aber das ist kein Grund zur Resignation oder zu bösen Bemerkungen über den Niedergang der Sprache. Es sollte uns lieber daran erinnern, dass Sprache auch etwas Spielerisches hat, dass man mit Worten sogar lustvoll umgehen kann. Wie Colette zum Beispiel, die berühmte französische Schriftstellerin – „Gigi“ zum Beispiel stammt von ihr. „Gewisse Wörter“, schreibt ihr Biograf, „liebte sie um ihrer selbst willen, ganz unabhängig von ihrem Sinn. Sie liebte sie ihres Klangs wegen, aber auch wegen ihrer grafischen Form.“ Als Colette einmal gefragt wurde, ob sie für eine Rechtschreibreform sei, verneinte sie: „Ich möchte mir meine Wörter nicht zerstören lassen.“ Dem will ich mich gern anschließen.
(„Zungen wie von Feuer“)

Abendblatt.de 30.5.09

Mein erster Eindruck von den Wörtern der ss-Reform war: Die sehen ja aus wie Pfauen, denen man die Schwanzfedern ausgerupft hat!

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
01.08.2008 04.37
Diesen Beitrag ansteuern
Peter Meyer alias Schmachthagen schlägt wieder zu!

Zehn Jahre danach: Lasst es endlich gut sein!

Mer Feler wegen Rechtschreibrevorm?

Von Peter Schmachthagen

Auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde die Rechtschreibreform an den deutschen Schulen eingeführt, und Millionen von Schülern haben sie überlebt. Genau genommen handelte es sich nur um ein „Reförmchen“, denn 98 Prozent der Schreibweisen aus der 20. Auflage des Dudens (alte Norm) wurden auch in die 21. Auflage (neue Norm) übernommen. Trotzdem erleichterten die neuen Regeln gerade Kindern und Ausländern das Lernen.

Wer behauptet, die früheren, im Laufe der Jahre seit 1901 metastasenartig ausgewucherten Regeln wären „klarer“ gewesen und hätten sich „bewährt“, der sagt entweder die Unwahrheit, oder bei ihm ist es eh egal, ob er die alte oder dieneue Rechtschreibung nicht beherrscht.

Es gibt Leute, die werfen noch heute mit orthografischen Nebelkerzen. Jeder Germanist hat sicherlich andere Vorstellungen, wie eine „Gutschreibreform“ aussehen sollte, aber die Änderungen von 1996/98 können zumindest als „Besserschreibreform“ bezeichnet werden.

Und dann gibt es Leute, die berufen sich auf fragwürdige Untersuchungen, nach denen die Rechtschreibfehler in Abituraufsätzen um 120 Prozent zugenommen haben. Das mag ja sein, die Frage bleibt nur, ob die Rechtschreibreform daran schuld ist und wie die Aufsätze nach alter Norm ausgesehen hätten. Um hier einen Vergleich ziehen zu können, hätten wir eine Kontrollgruppe zehn Jahre lang nach alter Rechtschreibung unterrichten und von der Reform abschirmen, sie andererseits aber der stetig zunehmenden Lese- und Schreibfeindlichkeit, dem Internet, dem Fernsehen, den PC-Spielen, der Handy-Sprache und den leistungsfremden Lehrplänen aussetzen müssen.

Genauso gut könnte ich eine Studie veröffentlichen, der Birnbaum im Garten meiner Urgroßmutter habe 1901 mehr Früchte getragen als der Apfelbaum heute vor meinem Haus.
Und schließlich gibt es noch den Rat für deutsche Rechtschreibung, dessen Vorsitzender Hans Zehetmair (CSU) die deutsche Sprache weiterentwickeln will: aus „Spaghetti“ möchte er „Spagetti“ machen. Guten Appetit, der Duden erlaubt beide Formen.

Nach zehn Jahren – lasst es endlich gut sein! Selbst Totalverweigerer der Reform haben inzwischen ihre letzte Festung verloren: die „Frankfurter Allgemeine“ (FAZ) benutzt nun auch die neue Rechtschreibung.

Hamburger Abendblatt 1. August 2008
http://www.abendblatt.de/daten/2008/08/01/914990.html


Dazu Hintergrundmaterial: Wie Peter Meyer (Schmachthagen) vom Hamburger Abendblatt den Axel Springer Verlag auf Reformkurs brachte:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=712

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
14.06.2008 04.22
Diesen Beitrag ansteuern



Hamburger Abendblatt 14.6.2008


Die Rechtschreibreform ist weiter ungeliebt: Nur neun Prozent haben sich laut Umfrage mit ihr angefreundet. Die Mehrheit ist (55 Prozent) dagegen.

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Karl-Heinz Isleif
21.08.2007 01.10
Diesen Beitrag ansteuern
Das Stammprinzip

Nach der Lektüre dieses Artikels habe ich mich eines etwas älteren Ergusses erinnert, ihn wieder ausgegraben und leicht für die Gelegenheit hier aufpoliert. (Die Gedichtform ist zufällig. Sie bedeutet nicht, daß ich in irgendeiner Form zu Hans Flachs in Konkurrenz zu treten beabsichtige.)


Das Stammprinzip

Es grasten einmal Reh und Kuh
am selben Platz.
Da kam ein Spatz:
Wie konntet ihr ein 'h' am End plazieren?
und ohne 't' darin hier rumspazieren?
Ein Buchstab' nämlich, der nicht paßt,
an Stamm oder Ende,
ist so wie bei Hand und behende,
bei Reformern verhaßt.
Denkt an Delphin und Känguruh!


Ist Tieren ihr Buchstab' auch noch so lieb,
Tierquäler handeln selektiv.
Kein Argument zu primitiv.
(Denn wie der Gemse ihr fehlendes 'e'
tut jede Verstümm'lung natürlich weh.)
Das harmlose 'rauh', es sei uns Mahnung,
da weder Schuh noch froh noch roh
geopfert wurden. Es ist einfach so:
Wem's sprachlich gebricht an jeglicher Ahnung,
der kann sich berufen auf's Stammprinzip.

KHI

Mit Klick die Kennkarte von Karl-Heinz Isleif ansehen    Suche weitere Einträge von Karl-Heinz Isleif        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
17.08.2007 17.45
Diesen Beitrag ansteuern
Die 150prozentigen vom Hamburger Abendblatt

Deutsch Test

Das Quiz zu Regeln und Fußangeln (13)

Von Peter Schmachthagen
Hamburg –

35. Die Älteren unter uns könnten denken, hier sei doch alles richtig . . .

[…]

Wie ist es richtig?
Deutsch-Test (13): Die Antwort
35.
Wer als letztes Bollwerk der alten Norm diese überholten Schreibweisen gebraucht, sollte sie zumindest seinen Kindern und Enkeln nicht zeigen. Seit dem 1. August gibt es dafür im Schuldiktat ohne Nachsicht dicke Fehler. Die Rechtschreibreform hat rund 40 Einzelschreibweisen dem Stammprinzip (Bändel wie Band, schnäuzen wie Schnauze) oder vergleichender Schreibweise angeglichen (Känguru wie Gnu oder Kakadu). Dazu gehören auch behände (wie Hand), belämmert (statt „belemmert“), Gämse (wie Gams), gräulich(wie Grauen), nummerieren (wie Nummer), Plattitüde (statt „Platitüde“), Stängel (wie Stange), Tipp (statt „Tip“ wie tippen oder Tippschein) sowie überschwänglich (wie Überschwang). Alle Beispiele in der Frage 35 sind nach jetzt gültiger Schulschreibweise also falsch:
a) rau statt „rauh“ wie schlau, grau, flau, lau, blau usw. Zur Zeit der Urgroßväter sollen die Lehrer das h in „rauh“ ihren Zöglingen häufig mit dem Rohrstock eingebläut(damals: „eingebleut“) haben. Selbst im germanistischen Oberseminar habe ich keine plausible Erklärung für die alte Schreibweise gehört, jedenfalls keine, die ein Grundschüler oder Ausländer nachvollziehen konnte. Deshalb jetzt: rau, Raureif, Raufasertapete.
b) platzieren statt „plazieren“. Es war bis 1998 die reine Freude, immer und immer wieder das damals falsche t aus den Manuskripten zu streichen. Beim Eindeutschen des aus dem Französischen stammenden „placieren“ hätte man besser gleich ein tz benutzen sollen – wie jetzt: Platz, platzieren, Platzierung.
c) Besonders toll war seinerzeit das tapfere Festhalten der Duden-Redaktion am „Tolpatsch“ mit nur einem l. Man musste wissen, wusste es im Allgemeinen aber nicht, dass die Schreibweise auf das ungarische talpas, talp für „Sohle, Fußlappen, Fußsoldat“ zurückging. Wenn die ungarischen Infanteristen oder Militärmusiker mit Fußlappen statt Schuhen an den Füßen durch Wien watschelten, so machten sie wahrscheinlich einen etwas breitbeinigen oder „tolpatschigen“ Eindruck. Dieses Bild wird sicherlich nicht getrübt, wenn wir jetzt zwei l benutzen: der Tollpatsch, tollpatschig.

erschienen am 17. August 2007

http://www.abendblatt.de/daten/2007/08/17/783218.html

[Fast zwei Jahre lang mußten die germanistischen Tollpatschanhänger beim Abendblatt zähneknirschend die Absetzbewegung ihres obersten Chefs Matthias Döpfner von der „Rechtschreibreform“ mitmachen und konnten dies nur im Untergrund unterminieren. Jetzt sind sie wieder obenauf und spielen sich als Blockwarte der Nation auf. Unverkennbar ist die Genugtuung, daß nach 1000 Jahren endlich „behende“ an den Schulen als Fehler angekreidet werden darf – auf daß die Generation Golf den Schwachsinn „behänder“ Sportwagen bald nicht mehr erkennen kann.]



Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
01.08.2007 10.10
Diesen Beitrag ansteuern
Aus der Reformbastion Hamburger Abendblatt

RECHTSCHREIBUNG EIN STREIT, DER DEUTSCHSPRACHIGE SCHREIBER UND LESER FAST GESPALTET HAT, IST VON MITTWOCH AN ENDGÜLTIG BEIGELEGT

Nach zwanzig Jahren Diskussion: Die Reform der Reform ist unwiderruflich

Von Peter Schmachthagen
Hamburg –

Heute endet die allerletzte Übergangsfrist: Am Mittwoch, dem 1. August 2007, werden die Regelungen der Rechtschreibreform, wie sie die Kultusminister vor einem Jahr in Kraft gesetzt haben, bundesweit verbindlich sein.
Die deutsche Rechtschreibung, die 1901/02 vom Kaiser und Bundesrat genauso amtlich und „undemokratisch“ verfügt worden war wie später die Rechtschreibreform angeblich von den Kultusministern, Ministerpräsidenten und Landesparlamenten, hatte nach Auffassung von Konrad Duden vom ersten Tag an Reform- und Ergänzungsbedarf.

Es dauerte jedoch bis zum 1. August 1998, bis eine Reform, die diesen Namen verdiente, an den Schulen und in den Behörden eingeführt werden konnte. Die Medien folgten größtenteils am 1. August 1999.

Die Probezeit sollte dann am 1. August 2005 enden. Anfang Juni 2004 bestätigten die Kultusminister diesen Termin und beschlossen nach Vorschlag der Zwischenstaatlichen Kommission die endgültige Reform-Fassung. Dem stimmten die Ministerpräsidenten am 29. Juli 2004 zu.

Dabei blieb es jedoch nicht. Eine Woche später kippte die Front. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ war bereits im Jahr 2000 zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt, nun traten andere Medienhäuser wie Axel Springer im letzten Augenblick gegen die Reform an. Der „Spiegel“ und die „Süddeutsche“ kündigten einen solchen Schritt an, vollzogen ihn aber nicht. Von Enzensberger bis Loriot meldeten sich Bedenkenträger, und selbst Ministerpräsidenten der Union wie Wulff, Stoiber oder Peter Müller bekamen kalte Füße. Jürgen Rüttgers versah seinen Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen mit einer Attacke auf die Rechtschreibreform.

Als der orthografische Gegenwind und der Graben zwischen Alt-Schreibern und Reformunterstützern zum politischen Risiko zu werden drohte, konstituierte sich am 17. Dezember 2004 der Rat für deutsche Rechtschreibung, der die strittigen Punkte der Reform noch einmal erörtern sollte. Den Vorsitz übernahm der CSU-Politiker im Ruhestand Hans Zehetmair, dem wir als früherem bayerischen Kultusminister 1996 die Reform, wie sie war, wesentlich zu verdanken hatten.

Im Rat scheint es recht kontrovers zugegangen zu sein. Besonders der Erlanger Germanist Theodor Ickler, als Professor für Deutsch als Fremdsprache eigentlich auf ein schlankes Regelwerk verpflichtet, zeigte sich nach Meinung anderer Ratsmitglieder kompromissunfähig und trat aus dem Gremium aus.

Die Vorschläge des Rats, die sich auf Groß- und Kleinschreibung sowie auf Getrennt- und Zusammenschreibung beschränkten, fanden nicht nur Zustimmung. Von „Verschlimmbessern“ war die Rede. Der Philologenverband protestierte, und als der Rat ausgerechnet am Rosenmontag 2006 der Öffentlichkeit die Rückänderungen präsentierte, sprach eine GEW-Funktionärin vom „längsten Narrenzug der Republik“. Des jahrzehntelangen Rechtschreibstreits müde, stimmten die Kultusminister sowie die Ministerpräsidenten der Reform der Reform trotzdem zu und setzten sie zum 1. August 2006 mit einer Übergangsfrist von einem Jahr in Kraft. Auch Axel Springer kehrte zur Reformschreibweise zurück.

Der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair zog gestern Bilanz: „Es war nicht immer leicht“, sagte er. „Ich habe versucht, der Sprache, die ich so sehr liebe, zu dienen. Unter den waltenden Umständen war es richtig und hat auch Sinn gemacht, obwohl es nicht vergnügungssteuerpflichtig war für mich.“

Die wichtigsten neuen Regeln und Änderungen finden Sie morgen in Ihrem Abendbatt.

erschienen am 31. Juli 2007

http://www.abendblatt.de/daten/2007/07/31/777052.html

Dazu enthüllende Dokumente im FDS-Archiv:

Wie Peter Meyer (Schmachthagen) vom Hamburger Abendblatt den Axel Springer Verlag auf Reformkurs brachte


http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=712

(Nebenbei: Der Kaiser hat sich lt. Prof. Nerius bis 1911 geweigert, die Rechtschreibung von 1901 in seiner Reichskanzlei zuzulassen.)

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
20.01.2007 15.32
Diesen Beitrag ansteuern
Das Gegenteil erreicht

Was die Bezirksverwaltungsreform bringt
Mehr Effizienz und mehr Bürgernähe war das erklärte Ziel der Reformer in den vergangenen Jahren. Ob das klappt, wird die Zukunft zeigen.


Von Andreas Göhring

Wenn es irgendwo im Staate hakt, beobachten die Politiker dies eine Weile (gelegentlich auch Jahre oder gar Jahrzehnte) und kündigen dann eine Reform an. Wenig später gibt es dann Ärger – entweder weil die heilige Kuh „Besitzstandwahrung“ zur Schlachtbank geführt wird, oder weil das, was letztlich im Reformeifer beschlossen wird, nicht mehr zu erklären ist (siehe: Gesundheitsreform). Oder weil das Gegenteil von dem erreicht wird, was erreicht werden sollte (siehe: Rechtschreibreform).

Gelegentlich kräht nach einer Reform aber auch kein Hahn – vermutlich weil die Ergebnisse niemanden interessieren. Wie zum Beispiel bei jener Reform, deren Name so lang ist wie der Zeitraum, in dem über sie diskutiert wurde. Gemeint ist die Bezirksverwaltungsreform.
[…]

erschienen am 10. Januar 2007


http://www.abendblatt.de/daten/2007/01/10/666521.html

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 4 Seiten lang:    1  2  3   4  Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage