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Sigmar Salzburg
17.09.2015 05.43
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Peter Schmachthagen ...

... hat es sich diesmal einfach gemacht und dem Duden-Kalender „Auf gut Deutsch“ einen Text entnommen:

„Christine ist noch ganz seelig. Sie hat an Ostern [hamb.: zu Ostern] zum ersten Mal die Familie ihres Freundes kennengelernt und war von deren Religiösität sehr beeindruckt. Seperat zum feierlichen Ostermal gab die Tochter des Hauses ein brilliantes Konzert auf der Geige. Etwas skuril fand Christine zwar, dass jedes Familienmitglied ein Stück neuen Rasen aussähen musste, aber auch dazu trug sie bereitwillig ihr Schärflein bei.“
abendblatt.de 15.9.2015

Schmachthagen erläutert, warum die (hier nachträglich verfetteten) Wörter falsch geschrieben und auch von der „Reform“ nicht betroffen sind. Nach dem „Tol[l]patsch-Prinzip“ hätten Augst & Co. aber durchaus „selig“ zu „seelig“ machen können oder nach der „Stängel-Etymologie“ zu „sälig“. Auch eine Änderung von „brillant“ und „Scherflein“ hätte man so begründen können. Die Willkür der Auswahl der schließlich „reformierten“ Wörter beweist, daß man nach Hundeart das Revier markieren, aber die Bürger vorerst nicht durch zu viele Änderungen verprellen wollte. Sonst hätten auf jeden Fall auch die „Ältern“ dazugehören müssen.

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Sigmar Salzburg
03.05.2015 15.30
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Schmachthagens Deutschstunde

Der Schreibreform-Elogenbruder Peter Schmachthagen ist in seiner Reform-Belaberungsserie „Deutschstunde“ nun bei der Heyse-ss-Regel angelangt, dem „Herzstück der Rechtschreibreform“:

Schreibt man Kartoffelmus mit Schnörkel-s?
Peter Schmachthagen

Der Verfasser, 73, ist „Hamburgisch“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprach-Kolumne erscheint dienstags

Mit der Rechtschreibreform wurde das Eszett keineswegs abgeschafft, und auch in „Straße“ sollte man es tunlichst weiterhin benutzen.

Nachdem wir dem Gruß und den Grüßen durch einen vorsichtigen Hinweis wieder das Eszett verschafft haben, das unter den meisten Mails im deutschsprachigen Raum durch „Gruss“ und „Grüsse“ abgelöst zu werden drohte, hält sich das Doppel-s dafür hartnäckig im Wort „Strasse“. ...

Die Grimms, die keine Großschreibung benutzten*, schrieben „s“ und „z“ noch als Einzelbuchstaben: „grusz“ und „strasze“. Doch spätestens 1880, als der Direktor des Königl. Gymnasiums zu Hersfeld, Dr. Konrad Duden, sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ herausgab, waren „s“ und „z“ zur Ligatur "ß" (Buchstabenverbindung auf einer Drucktype) verschmolzen...

Leute mit Lücken in Deutsch pflegen gern die Rechtschreibreformer, die Kultusminister oder allgemein „die Politiker“ für die eigenen Defizite verantwortlich zu machen – da muss man sich nur das anonyme Gestammel der „Community“ unter den Online-Artikeln ansehen –, aber sie irren sich in der Annahme, das Eszett wäre durch die Reform abgeschafft worden. Im Gegenteil, die Reformer haben mit der ss/ß-Regel klar und einfach festgelegt, wann „ss“ und wann "ß" geschrieben werden muss. Nach einem kurz gesprochenen Vokal (Selbstlaut) steht „ss“: Kuss, Riss, Ass*, musste, bisschen, Schloss, nass. Das ist „gräßlich“? Wohl kaum, und wenn schon, dann bitte grässlich! Die Schreibung von „ss“ statt "ß" nach kurz gesprochenen Vokalen ist übrigens die einzige Neuerung der Reform bei den s-Lauten.

Das „u“ in Fluss wird eindeutig kurz gesprochen, trotzdem mussten Schüler und Lehrer bis 1998/99 am Wortende ein Eszett setzen und den Fluss somit zum „Fluß" verbiegen [ – und das seit 600 Jahren? Völliges Mißverständnis! ]. Dieser Fluss („Fluß") floss („floß") jedoch seinerzeit im Genitiv und im Plural ins Bett des Doppel-s zurück: des Flusses, die Flüsse. Dort fließen sie auch heute noch. Wir halten als neue Regel fest: Einmal „ss“ im Wort, immer „ss“ im Wort. Wir dürfen allerdings nicht übers Ziel hinausschießen und dauernd die S-Taste tippen, wenn ein Eszett angesagt ist, etwa in Straße oder Grüße.

Das Eszett steht nach lang gesprochenem Vokal, und es stand dort bereits seit ewigen Zeiten: Schoß, Ruß, süß, Grieß, mäßig. Das Eszett steht auch nach Diphthongen (Doppelvokalen). Diphthonge werden immer lang gesprochen....

abendblatt.de 28.4.2015

Die Heyse-ss-Regel ist das „Herzstück der Rechtschreibreform“ (Althistoriker Christian Meier), die Formel, mit der wohl 200 Millionen Deutsche und Deutschlernende unter die Knute der bürokratischen Schreibveränderung genötigt wurden. Der diktatorische Reformbeschluß der 16 deutschen Kulturbanausen nötigte selbst im fernen China die Verlage dazu, ihre Deutschlehrbücher und Lexika auf den Müll zu werfen.

Die Heyse-ss-Regel dringt wie Giftgas sogar in entlegenste wissenschaftliche und auch tägliche Gebrauchstexte und läßt ältere alt aussehen. Sie ist der Geßler-Hut der „Reform“.

Deshalb schrieb der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Ernst Gottfried Mahrenholz:
„In der Neuregelung der Daß-Schreibweise haben die Minister ihre Kompetenz überschritten...“ (Süddeutsche Zeitung 23./24. 08.1997).

Schmachthagen beschreibt die „neuen“ ss- Regeln oberflächlich und unterschlägt die Tücken und Schwachstellen. Nicht umsonst kann heute kaum noch jemand ohne Automatikkorrektur fehlerfrei schreiben. Meine jüngste Tochter war in der Schule ziemlich schnell auf das Problem gestoßen: „Humanissmuss – ja wo kommen denn nun die ss hin?“

Erleichternd soll sein, daß nach langen Vokalen und Diphthongen „ß“ geschrieben werden soll. Ich erinnere mich an den Kellner in einem Hannoverschen Hinterhoflokal der 60er Jahre, der sich mit sechs Tellern auf den Armen seinen Weg durch das Menschengedränge bahnte mit dem Ruf: „Heiß, Fettflecke“. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, „ei“ sei hier ein Diphthong.

Vieles hat dazu geführt, daß die Durchsetzung der „Reform“ gegen den ursprünglichen Willen des Volkes nun fast vollständig gelungen ist. Wäre es nicht inzwischen geradezu ein Tabu, darüber zu sprechen, dann wäre das ein reicher Stoff für Studien, Dissertationen und Masterarbeiten zahlreicher Fakultäten.

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Sigmar Salzburg
29.01.2015 07.47
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Schmachthagens Deutschstunde

Wir gedenken, aber bitte nur im Genitiv

Von Peter Schmachthagen

Sie lesen bereits die 126. Folge meiner „Deutschstunde“. Was ursprünglich nur eine einmalige Replik auf einen Gastbeitrag mit dem Titel „Die Rechtschreibreform – ein Riesenfehler“ sein sollte, hat sich zur wöchentlichen Sprachkolumne entwickelt.

abendblatt.de 28.1.2015

Auch mit 126 Folgen seiner „Deutschstunde“ hat Peter Schmachthagen nicht die Feststellung Claudia Ludwigs widerlegen können, daß die Rechtschreib„reform“ ein Riesenfehler war: Seit 1996 ist das Schreibvolk gespalten, die schriftliche Vergangenheit nutzlos entfremdet, das Schriftbild häßlicher geworden und das Schreiben doch um nichts erleichtert oder verbessert worden. Man redet nur nicht mehr darüber, am wenigsten die Kultusminister, die diesen sinnlosen Amoklauf gegen die Schreibkultur unter Geiselnahme der Schüler durchgesetzt haben, auch als sie längst wußten, daß „die Rechtschreibreform ein Fehler“ war. Auch die Gegner der „Reform“, die beruflich zum Kotau vor dieser Kulturschande gezwungen sind, werden kaum noch etwas sagen. Es ist ihnen peinlich ...

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Sigmar Salzburg
16.12.2014 17.35
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Noch ein Reformheilsverkünder zum Jahresende

Deutschstunde
Das Ganze ist belämmert, aber bitte mit "ä"

Nicht die Rechtschreibreform war fragwürdig, sondern die Reform der Reform. Es kommt immer auf die Systematik der Regeln an

Von Peter Schmachthagen

Vor drei Wochen schrieb ich an dieser Stelle, der „Un“-Rat für deutsche Rechtschreibung habe sich im Jahre 2006 mit Eifer bemüht, größeren „Flurschaden“ im Regelwerk der Orthografie anzurichten. [...]

Die ursprünglichen Reformer hatten nach 1996 versucht, die inzwischen arg verwucherte Norm von 1901 in knappe und eindeutige Regeln zu fassen. Das war dringend nötig, nachdem der Duden 1955 von den überforderten Kultusministern die alleinige Regelhoheit (West) bekommen hatte und danach jede Wortspielerei des „Spiegels“ und jeder Druckfehler des „Mannheimer Morgens“ zu einem neuen Stichwort zu werden drohte. Es gab zwei oder drei Konrektoren in Deutschland, die leuchtende Augen bekamen, wenn sie „in bezug“ und mit Bezug auf die Unlogik den Zeigestock auf seinem Platz „plazierten“, die Klassenarbeiten mit Nummern „numerierten“ und wussten, dass sie den Hintern ihrer Schüler nicht mehr „verbleuen“ [schlagen!], den Nagel im Chemieunterricht aber verbläuen [chem. verfärben!] durften. Selbstverständlich gehörte es zur Allgemeinbildung, den „Tolpatsch“ mit einem „l“ zu schreiben, weil jeder Abc-Schütze wusste, dass dieses Wort eigentlich „ungeschickt gehen wie ein talpas“ bedeutete, also durch die Gegend wanken wie ein breitfüßiger ungarischer Fußsoldat. [die Tölpel-Regel reichte!]

Irgendwie war alles ein „bißchen belemmert“ (von mittelniederd. belemmen [eben!]– lähmen). Ich hatte im Abendblatt zum Abschied von der alten Rechtschreibung 40 Rechtschreibfragen gestellt und hinter jedem Beispiel zwei Kästchen drucken lassen, in denen man „richtig“ oder „falsch“ ankreuzen sollte. Andere Möglichkeiten gab es nicht. Wer lange genug gewürfelt hätte, wäre auf wenigstens 20 Richtige gekommen. Die Beste war eine Kollegin alter Schule mit acht Treffern. Übrigens waren alle 40 Beispiele richtig, nur hat's niemand geglaubt. So viel zur angeblich „klassischen“ Rechtschreibung.

Eine Leserin schickt mir einen Artikel aus ihrer Firmenzeitschrift, mit dem sie vor 15 Jahren ihren Kolleginnen und Kollegen die neue Rechtschreibung zu erklären versucht hat. Der Inhalt ist so weit richtig, trotzdem wird keiner ihrer Mitarbeiter die Regeln verstanden haben. Sie macht den Kardinalfehler, die Schreibweise einzelner Wörter zu zeigen, etwa Fuß mit "ß" und Fluss mit „ss“, aber nicht die Systematik, die dahintersteckt. Niemand möchte Tausende Schreibweisen wie Vokabeln lernen. Mit einer einfachen Erklärung der ss/ß-Regel hätte sie alle s-Laute abräumen können. [z.B. Humanissmuss, Kossmoss]

Und damit sind wir zurück beim „Flurschaden“. Die Reformer hatten die klare Regel aufgestellt, dass zwei Verben, die zusammentreffen, getrennt geschrieben werden. Es heißt also baden gehen, lesen lernen und damals auch ausschließlich sitzen bleiben, liegen lassen und kennen lernen. Doch dann führten die Umformer 2006 bei bleiben und lassen wieder die Unterscheidung nach Bedeutung ein und machten kennenlernen gar zu einem Wort. Manche Leute sind nicht glücklich, wenn sie nicht jede Regel mit Ausnahmen und Unterregeln verwässern können. Diese Leute sollte man nicht an die deutsche Sprache lassen, sondern sie nach Brüssel schicken, damit sie die Verordnung über die Watt-Begrenzung bei Staubsaugern noch mit dem Zusatz versehen, dass diese Geräte am Weltfrauentag nicht benutzt werden dürfen.

Das Ganze ist belämmert, ich weiß, allerdings diesmal mit "ä".

abendblatt.de 16.12.2014

Hier zitiert unter Zusammenfassung:
»
SPIEGEL [22.11.2004]: Die Zeitschrift „Praxis Deutsch“ veröffentlichte 1985 eine Untersuchung von 2000 Schulaufsätzen. Die 50 häufigsten Fehler waren solche, die von der Reform gar nicht betroffen sind.«

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Sigmar Salzburg
26.11.2014 19.19
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Schmachthagens Deutschstunde

Ob Sie Ihren Nachbarn kennen lernen oder kennenlernen…
…bleibt Ihnen überlassen. Über den Unsinn, die übertragene Bedeutung in die Rechtschreibung einzuführen

Von Peter Schmachthagen

[sitzen bleiben oder sitzenbleiben]

... Diese unsägliche Regel aus dem Jahre 1901 war ein Hindernis für die Verbreitung der deutschen Sprache.[?] Die wenigen, die diese Regel einwandfrei beherrschten, brauchten kein Deutsch mehr zu lernen. Die konnten es schon.

Insofern war es eine der wichtigsten Taten der Rechtschreibreformer zu bestimmen, Verb und Verb seien immer getrennt zu schreiben. Immer! 1998 schrieb man in den Schulen demnach schwimmen gehen, sprechen lernen, spazieren fahren, lesen üben und sogar kennen lernen, stehen lassen oder liegen bleiben. Diese Regel war eine enorme Erleichterung der Rechtschreibung. Die Schüler übernahmen sie ohne Schwierigkeiten, und wer dagegen an moserte, versuchte meistens nur zu kaschieren, dass er bereits die alte Schreibweise nicht beherrscht hatte.

Nun gibt es in Deutschland jedoch keine Reform, die Lobbyisten, Schriftsteller, Vorstandsvorsitzende oder Erlanger Professoren nicht noch einmal zu reformieren trachteten. 2004 trat der bunt zusammengewürfelte Rat für deutsche Rechtschreibung auf die Bildfläche, den „Unrat“ zu nennen ich mir nicht abgewöhnen kann, und machte das, was klar und einfach war, wieder kompliziert. Bei der Wortgruppe Verb und Verb wurde die übertragene Bedeutung erneut ausgegraben. Das ist widersinnig, denn wenn wir den Kontext eines Satzes benötigen, um die Schreibweise des Verbs festzulegen, brauchen wir keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn zu ergründen...

Geradezu orthografisch vergewaltigt wurde das Verb kennenlernen, das als Ausnahme von jeder Regel zusammengeschrieben werden sollte, weil es sich um einen einzigen Vorgang handele. Sicherlich wird es jeder englische Deutschschüler sofort einsehen, dass bei schwimmen lernen zwei Tätigkeiten, bei kennen lernen aber nur eine im Spiel ist...

abendblatt.de 25.11.2014

Wo hat Herr Schmachthagen nur das Kennen gelernt?

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Sigmar Salzburg
06.10.2014 05.30
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Kohl-Roulade

Helmut Kohl: „Die Merkel hat keine Ahnung“
Der Journalist Heribert Schwan, dem Helmut Kohl über 600 Stunden lang Tonbandinterviews für die Verfertigung seiner Kanzler-Biografie gab, hat das Material nun für eine Veröffentlichung auf eigene Rechnung genutzt. ... Nun ... gibt es doch zu lesen, was Kohl wohl wörtlich gesagt hat, aber niemals öffentlich zitiert sehen wollte.

[Uns interessiert nur, was er über die Leute sagte, die hier bei uns des öfteren zitiert werden mußten.]

Da ist vom „Volkshochschulgehirn“ Wolfgang Thierse* die Rede, weil dieser die Wende in der DDR nicht dem ökonomischen Zusammenbruch, sondern den Leipzigern Montagsdemonstranten zuschrieb.

Despektierliches erfährt man auch über Kohls Sicht auf die Bundeskanzlerin, die er einst gefördert und als Frauenministerin ins Kabinett geholt hatte. „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste“, wird Kohl zitiert. Und über die spätere CDU-Vorsitzende und den zeitweiligen Unionsfraktionschef Friedrich Merz spottet Kohl: „Die Merkel hat keine Ahnung*, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind.“
....
Demnach zog Kohl bei den Oggersheimer Kellersitzungen schonungslos gegen seine innerparteilichen Widersacher vom Leder, die im September 1989 beim Bremer CDU-Parteitag seinen Sturz vorbereitet hatten, und jene, die sich nach Bekanntwerden der Spendenaffäre Ende der 1990er-Jahre gegen ihn stellten. Zu Ersteren gehören frühere Parteifreunde wie der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler*, der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth, Ex-Bundessozialminister Norbert Blüm* und der Ex-Finanz- und spätere Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg. Die „Bremer Stadtmusikanten“ nennt Kohl sie alle zusammen, Blüm einen „Verräter“' Stoltenberg „hinterfotzig, aber nicht mutig“, „Späth hat sich der Mischpoke angeschlossen“, giftet Kohl...

Über Christian Wulff, der ebenfalls als Verschwörer von Bremen bei Kohl in Ungnade gefallen war, sagte dieser laut Schwan/Jens: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er eine Null...“*

Besonders schmerzhaft muss für Kohl die Abkehr von einst Vertrauten im Zuge der Spendenaffäre Ende der 1990er-Jahre sein. Damals war herausgekommen, das Kohl nicht deklarierte Spenden in Millionenhöhe aus bis heute nicht bekannten Quellen erhalten hatte. ...

abendblatt.de 6.2.2014

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Sigmar Salzburg
05.08.2014 11.54
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Schmachthagens Deutschstunde

Leer, Lehrer, Oberlehrer – ultimativ gesteigert
Peter Schmachthagen

Ich habe noch nie so viele Mails bekommen wie nach meinem Postskriptum unter der Kolumne vor einer Woche, in dem ich darauf hinwies, dass die „Deutschstunde“ die 100. Folge erreicht hatte.

... Ich muss allerdings einschränken, dass ich nicht die Absicht habe, die Duden-Redaktion wegen einer Schreibweise vor das Bundesverfassungsgericht zu zerren. Auch ich würde lieber „so dass, mit Hilfe, in Frage“ oder „auf Grund“ schreiben, auch mir kräuseln sich die Fingernägel beim Tippen der Duden-Empfehlungen sodass, mithilfe, infrage oder aufgrund, aber um eine Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung zu erreichen, sollten wir uns an die Empfehlungen eines Wörterbuchs halten, das überall verfügbar ist.

[… eine Einheitlichkeit, die nicht zuletzt dank Schmachthagens Reformpropaganda und seiner Unterminierung der einstigen (halbherzigen) Bestrebungen des Springer-Chefs Döpfner bei der Rückkehr des Verlages zur klassischen Rechtschreibung verlorengegangen ist.]

Nach der Rechtschreibreform 1998 und der Reform der Reform im Jahre 2006 gibt es viele fakultative Schreibweisen, also Schreibweisen, die so oder so richtig sind. Damit der eine Kollege aber nicht so und die Kollegin in der Spalte daneben anders schreibt, markiert der Duden eine von beiden gelb als seine Empfehlung.

Diese Empfehlung würfelt die Duden-Redaktion in ihrem neuen Berliner Domizil natürlich nicht in einer Cappuccino-Pause aus, sondern sie richtet sich nach dem vorherrschenden Gebrauch in den Medien...

[... die sich am Duden orientieren, der sich wiederum nach den Dummheiten der „Reform“ richtet. ]

... Meine Erklärung am vergangenen Dienstag, dass man absolute Adjektive wie tot, blind oder leer nicht steigern könne, erinnerte unseren Leser Karl-Heinz H. an seine Schulzeit. „Karl-Heinz, steigere leer“, verlangte der Deutschlehrer. „Leer kann man nicht steigern, denn von leer spricht man nur, wenn in einem Behälter absolut nichts mehr drin ist!“ Der Lehrer wurde rot vor Zorn: „Grammatisch kann man das steigern, und das verlange ich jetzt von dir!“ Darauf der Schüler: „Leer, Lehrer, Oberlehrer!“ Die Klasse brüllte vor Lachen, der Lehrer brüllte ebenfalls. „Das ist eine Fünf!“, schrie er. „Nein, das ist eine Sechs, nein, das reicht noch immer nicht: Das ist eine Sieben!“...
abendblatt.de 5.8.2014

Schmachthagens Behauptung, man könne „leer“ nicht steigern, entspricht nicht dem verbreiteten Gebrauch. Es wird nämlich nicht immer absolute Leere darunter verstanden, sondern auch fast vollständige Leere. „Heutzutage sind in Deutschland die Kirchen sonntags meistens leer, im Osten leerer als im Westen.“ Vor 30 Jahren bürgerte sich zudem im Flippie-Deutsch eine neue Intensivierungsform ein: „Die Kirche ist ja voll leer!“

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Sigmar Salzburg
20.03.2014 12.46
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Schmachthagen macht gleich noch Schleichwerbung für den Duden

Deutschstunde
Duden 007 – die Lizenz zur Rechtschreibung
... Von der Prophezeiung zur Verzeihung


Von Peter Schmachthagen
...
Der Geheimagent James Bond hat die Personalnummer 007, und die Doppel-Null besagt angeblich, dass er die Lizenz zum Töten besitzt... Es gibt laut Duden-Kalender „Auf gut Deutsch“ allerdings auch eine Lizenz zur Rechtschreibung, die man ohne Erlaubnis Ihrer Majestät ganz legal und ohne Prüfung erwerben kann, indem man sich penibel an die Schreibweise hält, wie sie das bekannte Wörterbuch erfasst hat.
Auf einem Kalenderblatt wird die Frage gestellt: „Wie viele Fehler verstecken sich hier?“ – und folgender Text vorgegeben...

[... die seit der „Reform“ inflationäre Volksbelästigung; das Versagen ihres Glanzstücks kann aber nicht ganz ausgeklammert werden:]

Es beginnt mit den Diskussionen (nicht: Disskussionen), bei denen wir es mit drei „s“ gut sein lassen sollten. Das Wort unterliegt nicht der deutschen ss/ß-Regel, sondern kommt vom lat. discussio (Untersuchung, Erörterung).
abendblatt.de 18.3.2014

Ach, das hatten wir gerade:
Die Staatskanzleichefin Christine Haderthauer sagte der SZ, dass Bayern nur in einem Gesamtpaket zustimme, wenn die bayerischen Belange berücksichtigt würden. Bayern stelle das Modell eines Deckels für die EEG-Umlage dabei zur Disskussion. pv-magazine.de 12.3.2014

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Sigmar Salzburg
10.01.2014 07.21
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Wann kommt der Roman „1996“ ?

Priorität für die Rechtschreibung
Nötig ist vor allem auch ein Wandel des Bewusstseins
Von Peter Ulrich Meyer

Der Befund ist so eindeutig wie dramatisch: Die Schüler beherrschen die Rechtschreibung bei Weitem nicht mehr so sicher wie in früheren Jahrzehnten. Unternehmen und Betriebe beklagen die zum Teil erheblichen Schwächen von Lehrstellenbewerbern auf diesem Feld. Das ist nicht nur in Hamburg so, aber eben auch hier.
Die Maßnahmen, mit denen Schulsenator Ties Rabe (SPD) das korrekte Schreiben an Schulen nun stärken will, sind richtige Schritte. Ein verbindlicher Kernwortschatz, den Jungen und Mädchen am Ende der vierten Klasse sicher beherrschen sollen, gibt den Schulen eine klare Zielorientierung vor...

Lange galt korrektes Schreiben als eher zweitrangig, Fehler wurden gar als lässliche Defizite angesehen. Mit Folgen: Wer als Vater oder Mutter ein Kind durch die Schuljahre begleitet, ist manchmal erschrocken über die Rechtschreib- und Kommafehler in Texten von Lehrern ...
abendblatt.de 8.1.2014

Peter Ulrich Meyer, der hier völlig unnötig die neue unmäßige Großschreibung vorführt, erwähnt die „Rechtschreibreform“ wohl seit fast zehn Jahren nicht mehr und schreibt dennoch über mögliche Ursachen des Verlustes der Schreibfähigkeiten der Schüler. Ähnliches würde ein Historiker nie wagen: Über den Verlust der deutschen Ostgebiete zu schreiben, ohne jemals Hitlers Angriffskrieg zu erwähnen.

Siehe auch den Eintrag beim SHEV.

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Sigmar Salzburg
08.01.2014 07.45
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Schmachthagens Deutsch

Peter Schmachthagen betreibt im Abendblatt wieder seinen unnachahmlichen Unterricht in Reformdeutsch und verkündet als Evangelium ohne den Versuch einer Begründung:

Wenn es oder ihm aber heute Morgen graut, ist diese Fügung als Satzteil eine adverbiale Bestimmung der Zeit und heute als Wortart ein Adverb. Die Tageszeiten nach Adverbien werden seit der Rechtschreibreform als Substantive angesehen und großgeschrieben: vorgestern Nacht, gestern Abend, morgen Mittag, heute Nachmittag. Hängt an den Tageszeiten jedoch ein -s, wandelt sich die Wortart zurück zum Adverb – und Adverbien werden kleingeschrieben: nachts, abends, mittags, nachmittags, morgens.

Fatmas Augen wurden größer und größer. Man sah, ihr graute vor der deutschen Grammatik.

abendblatt.de 7.1.2014

Sie hätte sagen müssen, „Peter, mir graut‘s vor dir“, denn dieses Problem war durch Konrad Duden und die zugrundeliegenden preußischen und bayerischen Schulregeln schon vor 134 Jahren sinnvoll gelöst, so daß solche chamäleonhaften¹ Wandlungen überflüssig waren.

¹) Wieder eine verpaßte Gelegenheit für Augstsche Vereinfachungen: „Kameleon“.

Nicht fehlen sollten unter jedem Artikel Schmachthagens die Offenbarungen seiner völligen Selbstüberschätzung:
Wie Peter Meyer (Schmachthagen) vom Hamburger Abendblatt den Axel Springer Verlag auf Reformkurs brachte: Sprachforschung.org

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Sigmar Salzburg
27.11.2013 11.34
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Schmachthagensche Etymologie

Peter Schmachthagen, geschult an den Etymolügen der neuen Rechtschreibung, erkennt, wie sich Sprache eben entwickelt, z.B. aus dem Lateinischen:

Das Urgermanische unterschied sich vor allem durch die erste, die „germanische“ Lautverschiebung vom Indogermanischen. So wandelte sich zum Beispiel lat. piscis zu deutsch Fisch, lat. duo zu engl. two.
Abendblatt.de 26.11.13

Mit ähnlicher Genauigkeit führte auch Wikipedia das deutsche „Arschloch“ auf eine englische Wurzel zurück:
Determinativkompositum, zusammengesetzt aus Arsch (aus dem altenglischen ærs, „Hinterteil“) und Loch (althochdeutsch loch, „Öffnung“).

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Sigmar Salzburg
11.09.2013 17.52
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Peter Schmachthagen findet die „Schlechtschreibreform“ immer noch gut

Deutschstunde
Wer pleite ist, hat vorher Pleite gemacht

Von Peter Schmachthagen

... Bis 1996 hatten sich Schüler und Erwachsene daran gewöhnt, die Schreibweise jedes Wortes und jeder Verbindung einzeln zu betrachten und nachzuschlagen. Man lernte keine Regeln, sondern Ausnahmen und Ausnahmen von den Ausnahmen.

[Welch ein Unsinn! Bis 1996 habe ich 50 Jahre lang nie einen Duden in die Hand genommen.]

Die Reformer bemühten sich danach, möglichst eine Systematik in den orthografischen Dschungel zu bringen, um das Wörterbuch bei vielen Wortarten überflüssig zu machen. Zwischen 1996 und 2006 hieß es: Verb und Verb (Infinitiv) immer getrennt. Bis dahin galt die unsägliche Betonungsregel des Dudens.

[Diese Regel habe ich nie gelernt, aber nach Gehör und Sprachempfinden mindestens ebenso vernünftig wie der Duden geschrieben.]

Wer jedoch die Schreibweise eines Wortes aus dem Satzzusammenhang entnehmen muss, braucht eigentlich keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn eines Satzes zu präzisieren. Und das Wesentliche: Nur derjenige, der perfekt Deutsch sprach, konnte diesen Feinheiten folgen, nicht derjenige, der Deutsch erst lernte oder lernen musste.

[Sollen wir nun nachlässiger sprechen und schreiben, nur damit Ausländer und weniger Gebildete nicht auffallen?]

Der Lehrer sagte: „Ihr könnt gern sitzen bleiben, wenn ich in die Klasse komme, aber einige von euch werden am Ende des Schuljahres bestimmt sitzenbleiben.“ Wie einfach, auch für Ausländer, war und ist doch dagegen die Anweisung: Verb und Verb immer getrennt, egal in welchem Kontext. Bekanntlich haben die Reformer der Reform diese Regel 2006 verwässert, ohne sie abzuschaffen....

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht! So kann man den Duden kennen lernen oder seit 2006 auch kennenlernen. Merke: Eine Regel wird erst schön, wenn wir eine Ausnahme dazu erfinden.

Die Ministerpräsidenten, die 2004 die nach einer Probephase gerade abgesegnete Rechtschreibreform erst einmal einem Rat für deutsche Rechtschreibung überließen, der ähnlich zusammengesetzt war wie eine Krawall-Talkrunde von Frank Plasberg, sorgten sich nicht um die deutsche Sprache, sondern um die Wählerstimmen...

[98 Prozent im Rat waren Reformfreunde!]

Die Rechtschreibreform war keineswegs eine Schlechtschreibreform, nur geben sich einige Leute alle Mühe, sie zu einer solchen zu machen. Die deutsche Sprache ist schwierig genug, als dass wir sie in Parteiprogrammen und Kampagnen verheizen dürften.

abendblatt.de 10.12.2013

Die Wählerstimmen waren kaum entscheidend. Bekanntlich gab es immer „Wichtigeres“ als die Rechtschreibreform. Größer war die Sorge der Politiker, daß die Wähler erkennen könnten, daß sie (nicht nur in dieser Sache) aus Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit die Karre in den Dreck gefahren haben. Deswegen wurde die Rechtschreibreform, um nicht ihre völlige Überflüssigkeit zugeben zu müssen, weiter durchgesetzt und nur durch Flickwerk „verschönert“, um die damals abtrünnigen Zeitungsverlage, und nur um die ging es, wieder einfangen zu können.

Der beste Beweis dafür, daß nie Volkswille und Vernunft entscheidend waren, ist (neben den bekannten, verbliebenen Albernheiten) die neue ss-Regelung, die, vorher von niemandem ernsthaft verlangt, wahrheitswidrig für „unstrittig“ erklärt wurde. Sie wirkt flächendeckend sozusagen als Chemiekampfstoff der „Reform“, als Massen-Büchervernichtungsmittel, als Massenverdummungsmittel und als Massen-Kontrollmittel.

Der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Ernst Gottfried Mahrenholz hatte klar erkannt:


„In der Neuregelung der Daß-Schreibweise haben die Minister ihre Kompetenz überschritten... Hier kann ein Eingriff, der die bisherige Funktion eines Buchstabens betrifft, eine Veränderung seines überlieferten „Ortes“, nicht aus der Kompetenz für Schulfragen gerechtfertigt werden...“ (Süddeutsche Zeitung 23./24. 08.1997).

Die entscheidenden Verfassungsrichter unter Jutta Limbach (SPD) und Hans-Jürgen Papier (CSU) fanden dann aber die Ausklammerung der ss-Regel nicht zu beanstanden, die die Veränderungen auf scheinbar harmlose 0,5 Prozent herunterdrückte, wie sie dreist das Böhrksche Bildungsministerium in Kiel schon den Schleswiger Vorinstanzen untergeschoben hatte.

Prof. Peter Eisenberg stellte in der FAZ v. 28.3.03 fest:
„Insgesamt sind damit fast zwanzig Prozent des Wortschatzes betroffen.“

Sachlich, juristisch und demokratisch war die Rechtschreib„reform“ ein Schwindelunternehmen. Kulturfreunde sollten an die Parteien, die daran beteiligt waren, keine Wählerstimme mehr verschwenden.

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Sigmar Salzburg
04.09.2013 14.46
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Hamburger Kritiken

Wir essen Opa

Wenn ein falsches Komma uns zu Kannibalen macht. Von Hamburger Bildungsreformern und dem anarchischen Schreiben


Richtiges Deutsch ist der Wachtelkönig unter den Sprachen – man hört beide nur noch selten, ihr Zuhause ist die Rote Liste. Zumindest wird man den Eindruck nicht los, wenn Berufsjugendliche, Werber oder Politstrategen drauflosdichten: Ihr Hang zur englischen Sprache oder dem Kauderwelsch namens Denglisch ist so bekannt wie peinlich. Manche gehen mit unserer Sprache um, als sei sie eine in zufällige Ordnung gebrachte Buchstabensuppe.

Vermutlich kann man auch nur so erklären, wie die gefühlt 42. Generation der Hamburger Bildungsreformer auf die weltfremde Idee kommen konnte, Grundschüler lernten die Rechtschreibung am besten, wenn sie ohne Regeln einfach schreiben, was sie hören. Was Rechtschreibreformern nicht [ganz] gelungen ist, führen Bildungsreformer nun durch die Hintertür ein: anarchisches Schreiben. Wohin das führt, beklagen in unschöner Regelmäßigkeit Lehrer und Professoren, Arbeitgeber und Eltern. In der Vergleichsstudie KESS von 2004 landeten die Hamburger Schüler dort, wo sie in Bildungsrankings ihren Stammplatz haben: knapp vor Bremen auf dem vorletzten Platz. Der Grundschulverband gibt auch frank und frei zu, an die Stelle von Rechtschreibung seien „inhaltliche Fragen und der sprachliche Ausdruck getreten“. Hübsche Idee. Nur stellt sich die Frage, ob Inhalt und Ausdruck ohne Orthografie denkbar sind.

Spitzen wir es mal zu: Rudimentäre Deutschkenntnisse schaden der Gesundheit und dem Geldbeutel: Ja, ein falsches Komma macht uns schnell zu Kannibalen. Der Ausruf „Wir essen Opa“ sollte jeden Großvater schocken, ein kleines Komma macht aus der Lebensgefahr eine Einladung... Längst schreiben auch Muttersprachler so, als hätten sie mit einer koreanischen Gebrauchsanweisung oder dem Microsoft-Übersetzer Deutsch gelernt.
[...]
Matthias Iken ...
abendblatt.de 2.9.2013

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Sigmar Salzburg
23.07.2013 05.26
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Schmachthagen …

...wieder mit einigen Klopfern. Aus Zeitmangel kann ich nicht darauf eingehen oder kürzen. Nur eins: Eine „Absichtserklärung“ ist kein Vertrag. Aber von Anfang an haben auch die Politiker mit diesem Etikettenschwindel gearbeitet.

23.07.13, 06:27

Deutschstunde
... und noch ein paar Stolpersteine mehr

Der belgische König wird auf Deutsch vereidigt – aber Ausländer und Einheimische schwören nicht auf die deutsche Rechtschreibung

Von Peter Schmachthagen

Wer gehört hat, wie der neue belgische König am Sonntag seinen Amtseid nicht nur auf Französisch und auf Flämisch, sondern auch auf Deutsch abgelegt hat, schöpfte Hoffnung, dass unsere Muttersprache sogar jenseits der Grenzen der Bundesrepublik überleben wird. Die Rechtschreibreform von 1996 war kein Putsch einiger wild gewordener Germanisten, sondern die vertragliche Verpflichtung zwischen den deutschen Bundesländern, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und weiteren Staaten mit deutschsprachigen Bevölkerungsteilen, mit einer Neuregelung der deutschen Rechtschreibung die im Laufe der Zeit etwas aus dem Ruder gelaufenen Regeln des Jahres 1901 zu vereinfachen.

Niemand beherrschte die alte Rechtschreibung ohne Fehler. Der Breslauer Lehrer Oskar Kosog veröffentlichte 1912 ein Diktat mit allen amtlichen Fallen und Gemeinheiten, das bis heute niemand fehlerfrei geschrieben hat.

Damit soll nicht gesagt werden, dass es nach den neuen Regeln keine Schwierigkeiten mehr gibt. Aber die Reformer bemühten sich um mehr Systematik, ohne die zahlreichen Stolpersteine der deutschen Orthografie abgeschafft zu haben. Die in der vorigen Folge erwähnten Stolpersteine haben viele Fragen nach sich gezogen.

Häufig klingen einzelne Wörter gleich (homophon), haben aber eine unterschiedliche Bedeutung und Schreibweise. Mit Fieber bezeichnet man eine zu hohe Körpertemperatur, mit Fiber eine Muskel- oder Pflanzenfaser. Ein Lied kann man singen, während das Lid über dem Auge ohne „e“ buchstabiert wird. Ein Stiel ist ein Griff oder Stängel, der Stil jedoch die Einheit der Ausdrucksweise oder einer Kunstrichtung.

Der Leib ist ein Körper, der jedoch beim Brot oder Käse zum Laib wird. Sorgfältig müssen wir die Seite in einem Buch von der Saite auf der Geige unterscheiden. Wir können zwar andere Seiten aufschlagen, aber nur andere Saiten aufziehen. Er zeigte sich von seiner besten Seite, indem er eine ganz andere Saite seines Wesens zum Erklingen brachte.

Zusammensetzungen mit dem Substantiv Tod bekommen ein „d“: todblass, todernst, todkrank, todmüde. Es handelt sich dabei meistens um Adjektive. Verben entstehen bei der Zusammensetzung mit dem Eigenschaftswort tot und werden mit „t“ geschrieben: totarbeiten, totfahren, totlachen, totschlagen. Auch die Ableitungen von Ende haben ein „d“ (endgültig, endlich), während die Vorsilbe ent- ein „t“ benötigt: entflammbar, entkommen, Entscheidung.

Mit „t“ buchstabiert man „hoffentlich, gelegentlich, ordentlich, wesentlich, wöchentlich“, aber nicht morgendlich. Hier liegt eine tageszeitliche Analogie zu abendlich vor, und dem Abend wollen wir sein „d“ nicht nehmen. In allen Reportagen über Reisen in die Polargegend laufen Herden von Rentieren über den Bildschirm, die wir nicht mit Doppel-n schreiben dürfen, obwohl sie so rennen. Das Wort Rentier ist eine verdeutlichende Zusammensetzung zum Ren, einer Hirschart in Skandinavien.

Der letzte Tag des Jahres wird korrekt Silvester mit „i“ geschrieben, denn der Tagesheilige des 31. Dezember ist Papst Silvester I. (314–335). Vielleicht gibt es in irgendeinem Alpental einen Holzfällerbuben namens Sylvester mit „y“, aber der hat nichts im Kalender zu suchen. Achten sollten wir auch darauf, dass bei Libyen das Ypsilon hinten und bei Syrien vorn steht.

Wer in den Geheimdiensten zurzeit Held, Verräter oder Spion ist, ist offenbar selbst für die Kanzlerin schwer zu durchschauen. Klar bleibt nur die Orthografie. Ein Informand ist eine Person, die mit einer Sache vertraut gemacht wird, ein Informant jedoch jemand, der Informationen liefert.

Nicht verwechseln sollte man seit und seid; „seit“ ist eine Präposition (seit dem 1. Juli) bzw. Konjunktion (seit er das Haus verlassen hat), „seid“ jedoch eine gebeugte Form des Verbs sein: Seid nett zueinander! Heißt es eigentlich ich säe oder ich sähe? Die korrekte Schreibweise hängt von der Bedeutung ab: Das Verb säen im Sinne von „Saatgut ausbringen“ hat kein „h“. Mit „h“ schreibt man hingegen den Konjunktiv des Präteritums von sehen: Ich sähe es lieber, die Rechtschreibung wäre nicht so kompliziert.

abendblatt.de 23.7.2013

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Sigmar Salzburg
20.07.2013 07.44
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Peter Schmachthagen ...

... schreibt im Abendblatt über „Stolpersteine der Rechtschreibung“

... Lassen wir an dieser Stelle nach Reform und Reform der Reform einmal beiseite, dass es heute häufig zwei amtlich richtige Antworten auf eine solche Frage gibt. Es geht darum, wenigstens eine richtige Form herauszufinden. Dazu kann selbst bei Erwachsenen der Griff zum Wörterbuch nicht immer vermieden werden. Wenn ich jetzt den Duden erwähne, höre ich im Geiste das Naserümpfen einiger Bildungsbürger, die den Duden nicht benutzen, aber genau wissen, was sie von den Leuten zu halten haben, die das tun. Wer eine vermeintlich höhere Marke fahren will, darf auch den Wahrig aufschlagen. Nur: Auch im Wahrig steht's nicht anders.

Nehmen wir die Pleite, den umgangssprachlichen Ausdruck für die Zahlungsunfähigkeit, den Bankrott. Als Substantiv schreibt man das Wort groß, als Adjektiv klein. Also: Er ist pleite (wie?). Zudem führen das Hilfsverb sein und alle seine Formen als Prädikat immer zur Kleinschreibung. Aber: Er macht Pleite (was?).

Ebenso: Er geht „Pleite“ – könnte man meinen. Doch jetzt wird es kompliziert: pleitegehen schreibt man zusammen¹, da die Wörterbücher, die schließlich verkauft werden wollen, hier „pleite“ als Verbzusatz sehen. Das Erstglied und der verbale zweite Bestandteil bilden auch bei Distanzstellung eine inhaltliche Einheit mit kleinen Buchstaben: eislaufen/ sie läuft eis; feststehen/ fest steht, dass; achtgeben/ gib acht!; wundernehmen/ es nimmt wunder; kopfstehen/ alles stand kopf; leidtun/ es tut mir leid – und eben: Er geht pleite, jedoch: Er macht Pleite.

Der Ausdruck „Pleite“ ist Gaunersprache aus jiddisch plejte (Flucht vor den Gläubigern), aber selbst bei deutschen Erb- und Lehnwörtern müssen wir häufig nach der Herkunft forschen, um die korrekte Schreibweise festzustellen – oder eben nachschlagen.

abendblatt.de 19.7.2013

¹) Eigentlich ja nicht, aber anders waren die Kultusminister von ihrer großen Pleite nicht abzubringen.
Schmachthagen als Verfechter der Urreform schiebt nun den Wörterbuchverlagen die Verantwortung zu.

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