Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen
Hamburger Abendblatt
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 4 Seiten lang:    1  2   3  4  Post New Thread     Post A Reply
Sigmar Salzburg
06.10.2014 05.30
Diesen Beitrag ansteuern
Kohl-Roulade

Helmut Kohl: „Die Merkel hat keine Ahnung“
Der Journalist Heribert Schwan, dem Helmut Kohl über 600 Stunden lang Tonbandinterviews für die Verfertigung seiner Kanzler-Biografie gab, hat das Material nun für eine Veröffentlichung auf eigene Rechnung genutzt. ... Nun ... gibt es doch zu lesen, was Kohl wohl wörtlich gesagt hat, aber niemals öffentlich zitiert sehen wollte.

[Uns interessiert nur, was er über die Leute sagte, die hier bei uns des öfteren zitiert werden mußten.]

Da ist vom „Volkshochschulgehirn“ Wolfgang Thierse* die Rede, weil dieser die Wende in der DDR nicht dem ökonomischen Zusammenbruch, sondern den Leipzigern Montagsdemonstranten zuschrieb.

Despektierliches erfährt man auch über Kohls Sicht auf die Bundeskanzlerin, die er einst gefördert und als Frauenministerin ins Kabinett geholt hatte. „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste“, wird Kohl zitiert. Und über die spätere CDU-Vorsitzende und den zeitweiligen Unionsfraktionschef Friedrich Merz spottet Kohl: „Die Merkel hat keine Ahnung*, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind.“
....
Demnach zog Kohl bei den Oggersheimer Kellersitzungen schonungslos gegen seine innerparteilichen Widersacher vom Leder, die im September 1989 beim Bremer CDU-Parteitag seinen Sturz vorbereitet hatten, und jene, die sich nach Bekanntwerden der Spendenaffäre Ende der 1990er-Jahre gegen ihn stellten. Zu Ersteren gehören frühere Parteifreunde wie der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler*, der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth, Ex-Bundessozialminister Norbert Blüm* und der Ex-Finanz- und spätere Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg. Die „Bremer Stadtmusikanten“ nennt Kohl sie alle zusammen, Blüm einen „Verräter“' Stoltenberg „hinterfotzig, aber nicht mutig“, „Späth hat sich der Mischpoke angeschlossen“, giftet Kohl...

Über Christian Wulff, der ebenfalls als Verschwörer von Bremen bei Kohl in Ungnade gefallen war, sagte dieser laut Schwan/Jens: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er eine Null...“*

Besonders schmerzhaft muss für Kohl die Abkehr von einst Vertrauten im Zuge der Spendenaffäre Ende der 1990er-Jahre sein. Damals war herausgekommen, das Kohl nicht deklarierte Spenden in Millionenhöhe aus bis heute nicht bekannten Quellen erhalten hatte. ...

abendblatt.de 6.2.2014

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
05.08.2014 11.54
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagens Deutschstunde

Leer, Lehrer, Oberlehrer – ultimativ gesteigert
Peter Schmachthagen

Ich habe noch nie so viele Mails bekommen wie nach meinem Postskriptum unter der Kolumne vor einer Woche, in dem ich darauf hinwies, dass die „Deutschstunde“ die 100. Folge erreicht hatte.

... Ich muss allerdings einschränken, dass ich nicht die Absicht habe, die Duden-Redaktion wegen einer Schreibweise vor das Bundesverfassungsgericht zu zerren. Auch ich würde lieber „so dass, mit Hilfe, in Frage“ oder „auf Grund“ schreiben, auch mir kräuseln sich die Fingernägel beim Tippen der Duden-Empfehlungen sodass, mithilfe, infrage oder aufgrund, aber um eine Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung zu erreichen, sollten wir uns an die Empfehlungen eines Wörterbuchs halten, das überall verfügbar ist.

[… eine Einheitlichkeit, die nicht zuletzt dank Schmachthagens Reformpropaganda und seiner Unterminierung der einstigen (halbherzigen) Bestrebungen des Springer-Chefs Döpfner bei der Rückkehr des Verlages zur klassischen Rechtschreibung verlorengegangen ist.]

Nach der Rechtschreibreform 1998 und der Reform der Reform im Jahre 2006 gibt es viele fakultative Schreibweisen, also Schreibweisen, die so oder so richtig sind. Damit der eine Kollege aber nicht so und die Kollegin in der Spalte daneben anders schreibt, markiert der Duden eine von beiden gelb als seine Empfehlung.

Diese Empfehlung würfelt die Duden-Redaktion in ihrem neuen Berliner Domizil natürlich nicht in einer Cappuccino-Pause aus, sondern sie richtet sich nach dem vorherrschenden Gebrauch in den Medien...

[... die sich am Duden orientieren, der sich wiederum nach den Dummheiten der „Reform“ richtet. ]

... Meine Erklärung am vergangenen Dienstag, dass man absolute Adjektive wie tot, blind oder leer nicht steigern könne, erinnerte unseren Leser Karl-Heinz H. an seine Schulzeit. „Karl-Heinz, steigere leer“, verlangte der Deutschlehrer. „Leer kann man nicht steigern, denn von leer spricht man nur, wenn in einem Behälter absolut nichts mehr drin ist!“ Der Lehrer wurde rot vor Zorn: „Grammatisch kann man das steigern, und das verlange ich jetzt von dir!“ Darauf der Schüler: „Leer, Lehrer, Oberlehrer!“ Die Klasse brüllte vor Lachen, der Lehrer brüllte ebenfalls. „Das ist eine Fünf!“, schrie er. „Nein, das ist eine Sechs, nein, das reicht noch immer nicht: Das ist eine Sieben!“...
abendblatt.de 5.8.2014

Schmachthagens Behauptung, man könne „leer“ nicht steigern, entspricht nicht dem verbreiteten Gebrauch. Es wird nämlich nicht immer absolute Leere darunter verstanden, sondern auch fast vollständige Leere. „Heutzutage sind in Deutschland die Kirchen sonntags meistens leer, im Osten leerer als im Westen.“ Vor 30 Jahren bürgerte sich zudem im Flippie-Deutsch eine neue Intensivierungsform ein: „Die Kirche ist ja voll leer!“

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
20.03.2014 12.46
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagen macht gleich noch Schleichwerbung für den Duden

Deutschstunde
Duden 007 – die Lizenz zur Rechtschreibung
... Von der Prophezeiung zur Verzeihung


Von Peter Schmachthagen
...
Der Geheimagent James Bond hat die Personalnummer 007, und die Doppel-Null besagt angeblich, dass er die Lizenz zum Töten besitzt... Es gibt laut Duden-Kalender „Auf gut Deutsch“ allerdings auch eine Lizenz zur Rechtschreibung, die man ohne Erlaubnis Ihrer Majestät ganz legal und ohne Prüfung erwerben kann, indem man sich penibel an die Schreibweise hält, wie sie das bekannte Wörterbuch erfasst hat.
Auf einem Kalenderblatt wird die Frage gestellt: „Wie viele Fehler verstecken sich hier?“ – und folgender Text vorgegeben...

[... die seit der „Reform“ inflationäre Volksbelästigung; das Versagen ihres Glanzstücks kann aber nicht ganz ausgeklammert werden:]

Es beginnt mit den Diskussionen (nicht: Disskussionen), bei denen wir es mit drei „s“ gut sein lassen sollten. Das Wort unterliegt nicht der deutschen ss/ß-Regel, sondern kommt vom lat. discussio (Untersuchung, Erörterung).
abendblatt.de 18.3.2014

Ach, das hatten wir gerade:
Die Staatskanzleichefin Christine Haderthauer sagte der SZ, dass Bayern nur in einem Gesamtpaket zustimme, wenn die bayerischen Belange berücksichtigt würden. Bayern stelle das Modell eines Deckels für die EEG-Umlage dabei zur Disskussion. pv-magazine.de 12.3.2014

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
10.01.2014 07.21
Diesen Beitrag ansteuern
Wann kommt der Roman „1996“ ?

Priorität für die Rechtschreibung
Nötig ist vor allem auch ein Wandel des Bewusstseins
Von Peter Ulrich Meyer

Der Befund ist so eindeutig wie dramatisch: Die Schüler beherrschen die Rechtschreibung bei Weitem nicht mehr so sicher wie in früheren Jahrzehnten. Unternehmen und Betriebe beklagen die zum Teil erheblichen Schwächen von Lehrstellenbewerbern auf diesem Feld. Das ist nicht nur in Hamburg so, aber eben auch hier.
Die Maßnahmen, mit denen Schulsenator Ties Rabe (SPD) das korrekte Schreiben an Schulen nun stärken will, sind richtige Schritte. Ein verbindlicher Kernwortschatz, den Jungen und Mädchen am Ende der vierten Klasse sicher beherrschen sollen, gibt den Schulen eine klare Zielorientierung vor...

Lange galt korrektes Schreiben als eher zweitrangig, Fehler wurden gar als lässliche Defizite angesehen. Mit Folgen: Wer als Vater oder Mutter ein Kind durch die Schuljahre begleitet, ist manchmal erschrocken über die Rechtschreib- und Kommafehler in Texten von Lehrern ...
abendblatt.de 8.1.2014

Peter Ulrich Meyer, der hier völlig unnötig die neue unmäßige Großschreibung vorführt, erwähnt die „Rechtschreibreform“ wohl seit fast zehn Jahren nicht mehr und schreibt dennoch über mögliche Ursachen des Verlustes der Schreibfähigkeiten der Schüler. Ähnliches würde ein Historiker nie wagen: Über den Verlust der deutschen Ostgebiete zu schreiben, ohne jemals Hitlers Angriffskrieg zu erwähnen.

Siehe auch den Eintrag beim SHEV.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
08.01.2014 07.45
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagens Deutsch

Peter Schmachthagen betreibt im Abendblatt wieder seinen unnachahmlichen Unterricht in Reformdeutsch und verkündet als Evangelium ohne den Versuch einer Begründung:

Wenn es oder ihm aber heute Morgen graut, ist diese Fügung als Satzteil eine adverbiale Bestimmung der Zeit und heute als Wortart ein Adverb. Die Tageszeiten nach Adverbien werden seit der Rechtschreibreform als Substantive angesehen und großgeschrieben: vorgestern Nacht, gestern Abend, morgen Mittag, heute Nachmittag. Hängt an den Tageszeiten jedoch ein -s, wandelt sich die Wortart zurück zum Adverb – und Adverbien werden kleingeschrieben: nachts, abends, mittags, nachmittags, morgens.

Fatmas Augen wurden größer und größer. Man sah, ihr graute vor der deutschen Grammatik.

abendblatt.de 7.1.2014

Sie hätte sagen müssen, „Peter, mir graut‘s vor dir“, denn dieses Problem war durch Konrad Duden und die zugrundeliegenden preußischen und bayerischen Schulregeln schon vor 134 Jahren sinnvoll gelöst, so daß solche chamäleonhaften¹ Wandlungen überflüssig waren.

¹) Wieder eine verpaßte Gelegenheit für Augstsche Vereinfachungen: „Kameleon“.

Nicht fehlen sollten unter jedem Artikel Schmachthagens die Offenbarungen seiner völligen Selbstüberschätzung:
Wie Peter Meyer (Schmachthagen) vom Hamburger Abendblatt den Axel Springer Verlag auf Reformkurs brachte: Sprachforschung.org

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
27.11.2013 11.34
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagensche Etymologie

Peter Schmachthagen, geschult an den Etymolügen der neuen Rechtschreibung, erkennt, wie sich Sprache eben entwickelt, z.B. aus dem Lateinischen:

Das Urgermanische unterschied sich vor allem durch die erste, die „germanische“ Lautverschiebung vom Indogermanischen. So wandelte sich zum Beispiel lat. piscis zu deutsch Fisch, lat. duo zu engl. two.
Abendblatt.de 26.11.13

Mit ähnlicher Genauigkeit führte auch Wikipedia das deutsche „Arschloch“ auf eine englische Wurzel zurück:
Determinativkompositum, zusammengesetzt aus Arsch (aus dem altenglischen ærs, „Hinterteil“) und Loch (althochdeutsch loch, „Öffnung“).

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
11.09.2013 17.52
Diesen Beitrag ansteuern
Peter Schmachthagen findet die „Schlechtschreibreform“ immer noch gut

Deutschstunde
Wer pleite ist, hat vorher Pleite gemacht

Von Peter Schmachthagen

... Bis 1996 hatten sich Schüler und Erwachsene daran gewöhnt, die Schreibweise jedes Wortes und jeder Verbindung einzeln zu betrachten und nachzuschlagen. Man lernte keine Regeln, sondern Ausnahmen und Ausnahmen von den Ausnahmen.

[Welch ein Unsinn! Bis 1996 habe ich 50 Jahre lang nie einen Duden in die Hand genommen.]

Die Reformer bemühten sich danach, möglichst eine Systematik in den orthografischen Dschungel zu bringen, um das Wörterbuch bei vielen Wortarten überflüssig zu machen. Zwischen 1996 und 2006 hieß es: Verb und Verb (Infinitiv) immer getrennt. Bis dahin galt die unsägliche Betonungsregel des Dudens.

[Diese Regel habe ich nie gelernt, aber nach Gehör und Sprachempfinden mindestens ebenso vernünftig wie der Duden geschrieben.]

Wer jedoch die Schreibweise eines Wortes aus dem Satzzusammenhang entnehmen muss, braucht eigentlich keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn eines Satzes zu präzisieren. Und das Wesentliche: Nur derjenige, der perfekt Deutsch sprach, konnte diesen Feinheiten folgen, nicht derjenige, der Deutsch erst lernte oder lernen musste.

[Sollen wir nun nachlässiger sprechen und schreiben, nur damit Ausländer und weniger Gebildete nicht auffallen?]

Der Lehrer sagte: „Ihr könnt gern sitzen bleiben, wenn ich in die Klasse komme, aber einige von euch werden am Ende des Schuljahres bestimmt sitzenbleiben.“ Wie einfach, auch für Ausländer, war und ist doch dagegen die Anweisung: Verb und Verb immer getrennt, egal in welchem Kontext. Bekanntlich haben die Reformer der Reform diese Regel 2006 verwässert, ohne sie abzuschaffen....

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht! So kann man den Duden kennen lernen oder seit 2006 auch kennenlernen. Merke: Eine Regel wird erst schön, wenn wir eine Ausnahme dazu erfinden.

Die Ministerpräsidenten, die 2004 die nach einer Probephase gerade abgesegnete Rechtschreibreform erst einmal einem Rat für deutsche Rechtschreibung überließen, der ähnlich zusammengesetzt war wie eine Krawall-Talkrunde von Frank Plasberg, sorgten sich nicht um die deutsche Sprache, sondern um die Wählerstimmen...

[98 Prozent im Rat waren Reformfreunde!]

Die Rechtschreibreform war keineswegs eine Schlechtschreibreform, nur geben sich einige Leute alle Mühe, sie zu einer solchen zu machen. Die deutsche Sprache ist schwierig genug, als dass wir sie in Parteiprogrammen und Kampagnen verheizen dürften.

abendblatt.de 10.12.2013

Die Wählerstimmen waren kaum entscheidend. Bekanntlich gab es immer „Wichtigeres“ als die Rechtschreibreform. Größer war die Sorge der Politiker, daß die Wähler erkennen könnten, daß sie (nicht nur in dieser Sache) aus Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit die Karre in den Dreck gefahren haben. Deswegen wurde die Rechtschreibreform, um nicht ihre völlige Überflüssigkeit zugeben zu müssen, weiter durchgesetzt und nur durch Flickwerk „verschönert“, um die damals abtrünnigen Zeitungsverlage, und nur um die ging es, wieder einfangen zu können.

Der beste Beweis dafür, daß nie Volkswille und Vernunft entscheidend waren, ist (neben den bekannten, verbliebenen Albernheiten) die neue ss-Regelung, die, vorher von niemandem ernsthaft verlangt, wahrheitswidrig für „unstrittig“ erklärt wurde. Sie wirkt flächendeckend sozusagen als Chemiekampfstoff der „Reform“, als Massen-Büchervernichtungsmittel, als Massenverdummungsmittel und als Massen-Kontrollmittel.

Der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Ernst Gottfried Mahrenholz hatte klar erkannt:


„In der Neuregelung der Daß-Schreibweise haben die Minister ihre Kompetenz überschritten... Hier kann ein Eingriff, der die bisherige Funktion eines Buchstabens betrifft, eine Veränderung seines überlieferten „Ortes“, nicht aus der Kompetenz für Schulfragen gerechtfertigt werden...“ (Süddeutsche Zeitung 23./24. 08.1997).

Die entscheidenden Verfassungsrichter unter Jutta Limbach (SPD) und Hans-Jürgen Papier (CSU) fanden dann aber die Ausklammerung der ss-Regel nicht zu beanstanden, die die Veränderungen auf scheinbar harmlose 0,5 Prozent herunterdrückte, wie sie dreist das Böhrksche Bildungsministerium in Kiel schon den Schleswiger Vorinstanzen untergeschoben hatte.

Prof. Peter Eisenberg stellte in der FAZ v. 28.3.03 fest:
„Insgesamt sind damit fast zwanzig Prozent des Wortschatzes betroffen.“

Sachlich, juristisch und demokratisch war die Rechtschreib„reform“ ein Schwindelunternehmen. Kulturfreunde sollten an die Parteien, die daran beteiligt waren, keine Wählerstimme mehr verschwenden.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
04.09.2013 14.46
Diesen Beitrag ansteuern
Hamburger Kritiken

Wir essen Opa

Wenn ein falsches Komma uns zu Kannibalen macht. Von Hamburger Bildungsreformern und dem anarchischen Schreiben


Richtiges Deutsch ist der Wachtelkönig unter den Sprachen – man hört beide nur noch selten, ihr Zuhause ist die Rote Liste. Zumindest wird man den Eindruck nicht los, wenn Berufsjugendliche, Werber oder Politstrategen drauflosdichten: Ihr Hang zur englischen Sprache oder dem Kauderwelsch namens Denglisch ist so bekannt wie peinlich. Manche gehen mit unserer Sprache um, als sei sie eine in zufällige Ordnung gebrachte Buchstabensuppe.

Vermutlich kann man auch nur so erklären, wie die gefühlt 42. Generation der Hamburger Bildungsreformer auf die weltfremde Idee kommen konnte, Grundschüler lernten die Rechtschreibung am besten, wenn sie ohne Regeln einfach schreiben, was sie hören. Was Rechtschreibreformern nicht [ganz] gelungen ist, führen Bildungsreformer nun durch die Hintertür ein: anarchisches Schreiben. Wohin das führt, beklagen in unschöner Regelmäßigkeit Lehrer und Professoren, Arbeitgeber und Eltern. In der Vergleichsstudie KESS von 2004 landeten die Hamburger Schüler dort, wo sie in Bildungsrankings ihren Stammplatz haben: knapp vor Bremen auf dem vorletzten Platz. Der Grundschulverband gibt auch frank und frei zu, an die Stelle von Rechtschreibung seien „inhaltliche Fragen und der sprachliche Ausdruck getreten“. Hübsche Idee. Nur stellt sich die Frage, ob Inhalt und Ausdruck ohne Orthografie denkbar sind.

Spitzen wir es mal zu: Rudimentäre Deutschkenntnisse schaden der Gesundheit und dem Geldbeutel: Ja, ein falsches Komma macht uns schnell zu Kannibalen. Der Ausruf „Wir essen Opa“ sollte jeden Großvater schocken, ein kleines Komma macht aus der Lebensgefahr eine Einladung... Längst schreiben auch Muttersprachler so, als hätten sie mit einer koreanischen Gebrauchsanweisung oder dem Microsoft-Übersetzer Deutsch gelernt.
[...]
Matthias Iken ...
abendblatt.de 2.9.2013

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
23.07.2013 05.26
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagen …

...wieder mit einigen Klopfern. Aus Zeitmangel kann ich nicht darauf eingehen oder kürzen. Nur eins: Eine „Absichtserklärung“ ist kein Vertrag. Aber von Anfang an haben auch die Politiker mit diesem Etikettenschwindel gearbeitet.

23.07.13, 06:27

Deutschstunde
... und noch ein paar Stolpersteine mehr

Der belgische König wird auf Deutsch vereidigt – aber Ausländer und Einheimische schwören nicht auf die deutsche Rechtschreibung

Von Peter Schmachthagen

Wer gehört hat, wie der neue belgische König am Sonntag seinen Amtseid nicht nur auf Französisch und auf Flämisch, sondern auch auf Deutsch abgelegt hat, schöpfte Hoffnung, dass unsere Muttersprache sogar jenseits der Grenzen der Bundesrepublik überleben wird. Die Rechtschreibreform von 1996 war kein Putsch einiger wild gewordener Germanisten, sondern die vertragliche Verpflichtung zwischen den deutschen Bundesländern, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und weiteren Staaten mit deutschsprachigen Bevölkerungsteilen, mit einer Neuregelung der deutschen Rechtschreibung die im Laufe der Zeit etwas aus dem Ruder gelaufenen Regeln des Jahres 1901 zu vereinfachen.

Niemand beherrschte die alte Rechtschreibung ohne Fehler. Der Breslauer Lehrer Oskar Kosog veröffentlichte 1912 ein Diktat mit allen amtlichen Fallen und Gemeinheiten, das bis heute niemand fehlerfrei geschrieben hat.

Damit soll nicht gesagt werden, dass es nach den neuen Regeln keine Schwierigkeiten mehr gibt. Aber die Reformer bemühten sich um mehr Systematik, ohne die zahlreichen Stolpersteine der deutschen Orthografie abgeschafft zu haben. Die in der vorigen Folge erwähnten Stolpersteine haben viele Fragen nach sich gezogen.

Häufig klingen einzelne Wörter gleich (homophon), haben aber eine unterschiedliche Bedeutung und Schreibweise. Mit Fieber bezeichnet man eine zu hohe Körpertemperatur, mit Fiber eine Muskel- oder Pflanzenfaser. Ein Lied kann man singen, während das Lid über dem Auge ohne „e“ buchstabiert wird. Ein Stiel ist ein Griff oder Stängel, der Stil jedoch die Einheit der Ausdrucksweise oder einer Kunstrichtung.

Der Leib ist ein Körper, der jedoch beim Brot oder Käse zum Laib wird. Sorgfältig müssen wir die Seite in einem Buch von der Saite auf der Geige unterscheiden. Wir können zwar andere Seiten aufschlagen, aber nur andere Saiten aufziehen. Er zeigte sich von seiner besten Seite, indem er eine ganz andere Saite seines Wesens zum Erklingen brachte.

Zusammensetzungen mit dem Substantiv Tod bekommen ein „d“: todblass, todernst, todkrank, todmüde. Es handelt sich dabei meistens um Adjektive. Verben entstehen bei der Zusammensetzung mit dem Eigenschaftswort tot und werden mit „t“ geschrieben: totarbeiten, totfahren, totlachen, totschlagen. Auch die Ableitungen von Ende haben ein „d“ (endgültig, endlich), während die Vorsilbe ent- ein „t“ benötigt: entflammbar, entkommen, Entscheidung.

Mit „t“ buchstabiert man „hoffentlich, gelegentlich, ordentlich, wesentlich, wöchentlich“, aber nicht morgendlich. Hier liegt eine tageszeitliche Analogie zu abendlich vor, und dem Abend wollen wir sein „d“ nicht nehmen. In allen Reportagen über Reisen in die Polargegend laufen Herden von Rentieren über den Bildschirm, die wir nicht mit Doppel-n schreiben dürfen, obwohl sie so rennen. Das Wort Rentier ist eine verdeutlichende Zusammensetzung zum Ren, einer Hirschart in Skandinavien.

Der letzte Tag des Jahres wird korrekt Silvester mit „i“ geschrieben, denn der Tagesheilige des 31. Dezember ist Papst Silvester I. (314–335). Vielleicht gibt es in irgendeinem Alpental einen Holzfällerbuben namens Sylvester mit „y“, aber der hat nichts im Kalender zu suchen. Achten sollten wir auch darauf, dass bei Libyen das Ypsilon hinten und bei Syrien vorn steht.

Wer in den Geheimdiensten zurzeit Held, Verräter oder Spion ist, ist offenbar selbst für die Kanzlerin schwer zu durchschauen. Klar bleibt nur die Orthografie. Ein Informand ist eine Person, die mit einer Sache vertraut gemacht wird, ein Informant jedoch jemand, der Informationen liefert.

Nicht verwechseln sollte man seit und seid; „seit“ ist eine Präposition (seit dem 1. Juli) bzw. Konjunktion (seit er das Haus verlassen hat), „seid“ jedoch eine gebeugte Form des Verbs sein: Seid nett zueinander! Heißt es eigentlich ich säe oder ich sähe? Die korrekte Schreibweise hängt von der Bedeutung ab: Das Verb säen im Sinne von „Saatgut ausbringen“ hat kein „h“. Mit „h“ schreibt man hingegen den Konjunktiv des Präteritums von sehen: Ich sähe es lieber, die Rechtschreibung wäre nicht so kompliziert.

abendblatt.de 23.7.2013

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
20.07.2013 07.44
Diesen Beitrag ansteuern
Peter Schmachthagen ...

... schreibt im Abendblatt über „Stolpersteine der Rechtschreibung“

... Lassen wir an dieser Stelle nach Reform und Reform der Reform einmal beiseite, dass es heute häufig zwei amtlich richtige Antworten auf eine solche Frage gibt. Es geht darum, wenigstens eine richtige Form herauszufinden. Dazu kann selbst bei Erwachsenen der Griff zum Wörterbuch nicht immer vermieden werden. Wenn ich jetzt den Duden erwähne, höre ich im Geiste das Naserümpfen einiger Bildungsbürger, die den Duden nicht benutzen, aber genau wissen, was sie von den Leuten zu halten haben, die das tun. Wer eine vermeintlich höhere Marke fahren will, darf auch den Wahrig aufschlagen. Nur: Auch im Wahrig steht's nicht anders.

Nehmen wir die Pleite, den umgangssprachlichen Ausdruck für die Zahlungsunfähigkeit, den Bankrott. Als Substantiv schreibt man das Wort groß, als Adjektiv klein. Also: Er ist pleite (wie?). Zudem führen das Hilfsverb sein und alle seine Formen als Prädikat immer zur Kleinschreibung. Aber: Er macht Pleite (was?).

Ebenso: Er geht „Pleite“ – könnte man meinen. Doch jetzt wird es kompliziert: pleitegehen schreibt man zusammen¹, da die Wörterbücher, die schließlich verkauft werden wollen, hier „pleite“ als Verbzusatz sehen. Das Erstglied und der verbale zweite Bestandteil bilden auch bei Distanzstellung eine inhaltliche Einheit mit kleinen Buchstaben: eislaufen/ sie läuft eis; feststehen/ fest steht, dass; achtgeben/ gib acht!; wundernehmen/ es nimmt wunder; kopfstehen/ alles stand kopf; leidtun/ es tut mir leid – und eben: Er geht pleite, jedoch: Er macht Pleite.

Der Ausdruck „Pleite“ ist Gaunersprache aus jiddisch plejte (Flucht vor den Gläubigern), aber selbst bei deutschen Erb- und Lehnwörtern müssen wir häufig nach der Herkunft forschen, um die korrekte Schreibweise festzustellen – oder eben nachschlagen.

abendblatt.de 19.7.2013

¹) Eigentlich ja nicht, aber anders waren die Kultusminister von ihrer großen Pleite nicht abzubringen.
Schmachthagen als Verfechter der Urreform schiebt nun den Wörterbuchverlagen die Verantwortung zu.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
11.06.2013 17.36
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagen !

Das unsägliche große Du in Briefen ...
... kann auch kleingeschrieben werden, sorgt jedoch für Verwirrung bei den Anredefürwörtern. Ein Blick auf die Pronomen
Von Peter Schmachthagen
[…]
Nomen schreibt man groß, Pronomen schreibt man klein – im Allgemeinen. Selbst die Pronomen „du“ und „ihr“ sowie die entsprechenden Possessivpronomen „dein“ und „euer“ werden kleingeschrieben: Was hast du dir dabei gedacht? Ich habe euch vorhin in der Stadt gesehen. Leider gibt es eine unsägliche Ausnahme, die seit Generationen an dieser Stelle für Verwirrung sorgt: In Briefen kann das vertrauliche Anredepronomen auch großgeschrieben werden: Liebe Oma, wie hat Dir/dir Dein/dein Geschenk gefallen?

Bis 1998 musste das Du in Briefen großgeschrieben werden, bis 2006 musste es auch in Briefen kleingeschrieben werden, nach der Verschlimmbesserung der Rechtschreibreform soll es jetzt (in Briefen) wieder großgeschrieben werden, muss aber nicht. Der Duden, der auf seine 26. Auflage zusteuert, will ja mit jeder Ausgabe etwas Neues oder etwas Altes neu bieten und empfiehlt Großschreibung. Das gilt jedoch nur in Briefen!

Leider wurde und wird diese Ausnahme selbst in professionellen Texten, Medien und Zitaten auch auf die wörtliche Rede übertragen: „Das bleibt Dein Problem“, sagte Schweinsteiger zu Lahm. Das ist Unfug, das ist falsch! Eine wörtliche Rede ist kein Brief.

Die Höflichkeitsanrede „Sie“ und das Possessiv „Ihr“ werden dagegen immer großgeschrieben – immer, im Brief, im Text, in der wörtlichen Rede und auch in dieser Kolumne, wenn ich Sie als Leser anrede. Die Formen entsprechen dabei der 3. Person Plural, egal ob eine Einzelperson oder eine Gruppe gemeint ist: „Kommen Sie doch herein!“, sagte Vater zum Nachbarn wie auch: „Treten Sie näher!“, bat Mutter die Gäste. Als häufiger Fehler ist zu beobachten, dass zwar das Personalpronomen großgeschrieben wird, aber nicht das zugehörige besitzanzeigende Fürwort: „Grüßen Sie ihre Frau!“, sagte er zum Abschied. Nein, natürlich „Ihre“ Frau! Wir wollen hier nicht untersuchen, ob man eine Frau besitzen kann, aber großschreiben sollte man sie schon – zumindest orthografisch gesehen.

abendblatt.de 11.6.2013

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
19.02.2013 13.32
Diesen Beitrag ansteuern
Ein Reformfreund, etwas reformgeschockt:

Hin und über ist noch lange kein Hin-über

Es gibt Sprechsilben und Sprachsilben, und es bleibt eine Streitfrage der Reform, an welcher Stelle ein Wort getrennt werden soll

Von Peter Schmachthagen
[…]
Wo trennen wir nun? Wenden wir heute die syllabische Worttrennung nach Sprechsilben oder die morphematische Trennung nach Wortbestandteilen an, die vor der Rechtschreibreform obligatorisch war?

Nehmen wir die kurzen deutschen Wörter hin und über, die eigentlich auch ein Schüler ohne Mühe erkennen und also als hin-über trennen könnte – könnte, aber schon zu Großvaters Zeiten selten tat. Es hagelte Fehler im Diktat, sodass die Reformer auch die Trennung nach Sprechsilben erlaubten: hi-nüber, was mir und den meisten Älteren noch immer einen orthografischen Schock versetzt.

Das Gleiche gilt zum Beispiel für wo-rauf/wor-auf, wa-rum/war-um, da-runter/dar-unter, ei-nander/ein-ander oder wo-rum/wor-um . Das betrifft auch die Ilme-nau/Ilmen-au, denn der Name hat schließlich etwas mit der Au, dem Bach, zu tun. Selbst die Teltow-er Rübchen sollten korrekterweise nach dem „w“ getrennt werden, denn das „w“ ist stimmlos.

Komplizierter war und ist es bei Fremdwörtern, bei denen es sich weit schwieriger gestaltet, die fremdsprachigen Morpheme zu erkennen: Ab-itur, an-onym, äs-thetisch, Atmo-sphäre, aut-ark, Chir-urg, Dia-gnose, Ex-amen, Inter-esse, in-szenieren, Si-gnal, Päd-agogik, par-allel, Hekt-ar, Heliko-pter, Nost-algie, Di-phthong, Vit-amin, Lin-oleum, Log-arithmus, Ma-gnet, Manu-skript, Mon-archie, Phil-ipp, Pull-over, Pseud-onym, Sym-ptom, Chru-schtschow oder Hämor-rhoiden.

Wie soll ein Grundschüler wissen, dass ein Psych-iater den Weg in die Seele findet, während ein Psy-chologe sich in die Psy-che anderer hineindenken kann? Klein Fritzchen müsste also erst im Kindergarten das Latinum und Graecum ablegen, bevor es in die 1. Klasse darf, um Deutsch zu lernen. [:-(]

Heute wird meistens nach Sprechsilben getrennt. Die Textverarbeitungsprogramme trennen so, ebenfalls die Redaktionssysteme, sodass auch das Abendblatt am Zeilenende syllabisch daherkommt. Auch mein MS Word, mit dem ich zu Hause gerade das Manuskript für diese Kolumne schreibe, weigert sich konstant, die alten Beispiele zu akzeptieren. Der Duden ist da vorsichtiger. Er legt sich nicht fest. Er setzt seine Fugenzeichen nach alter sowie neuer Norm, selbst wenn das wenig kon|s|t|ruk|tiv ist. Sie haben die Wahl!
abendblatt.de 19.2.2013

Vernünftiger wäre es gewesen, bei den Korrekturprogrammen nur die sprachrichtige Trennung einzubauen und im freien Gebrauch Milde walten zu lassen. Aber die Trennung nach Sprechsilben war ein altes Reformerdogma, das man nicht aufgeben wollte, um noch genügend Reformbedarf vorweisen zu können – obwohl es wegen der technischen Entwicklung überflüssig war.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
05.02.2013 12.20
Diesen Beitrag ansteuern
Schmachthagens Deutschstunde

Ein Komma bringt Opa bannig ins Tüdern

Die Zeichensetzung hat ihre Tücken, doch die Regeln änderten sich kaum mit der Reform. Selbst vor „und“ kann ein Komma stehen

Von Peter Schmachthagen

Kommata tauchen so häufig in den gedruckten Texten auf, dass wir den fremden Plural „Kommata“ inzwischen durch die deutsche Mehrzahlbildung Kommas ersetzt haben. Diese Vereinfachung eroberte zuerst die Umgangssprache, dann die Fachsprache. Wir schreiben deutsch und nicht altgriechisch, meinte ein Kollege. Der Begriff Kommata, häufig auch noch fälschlicherweise mit einem Schluss-s zu „Kommatas“ verballhornt, sei quasi ein Oldtimer in der Sprache wie bei den Kraftfahrzeugen ein VW Käfer mit geteiltem Rückfenster, Seilzugbremsen und Reservehebel.
Gut, ich gebe nach ...

… beginnen wir mit einer guten Nachricht für die Älteren: Trotz der Rechtschreibreform können Sie 99 Prozent der früheren Interpunktionsregeln weiterhin anwenden. Zwingend geändert hat sich nur, dass der Begleitsatz zur wörtlichen Rede jetzt immer mit Komma abgetrennt wird, auch wenn die wörtliche Rede mit Ausrufe- oder Fragezeichen endet. Also: „Wie geht es dir?“, fragte er. Früher: „Wie geht es dir?“ fragte er. Um die Anwendung vor 1998 ja nicht zu einfach zu machen, gab es eine dieser unzähligen Ausnahmen, die die alte Schreibweise alles andere als klassisch und klar gestalteten. Trat ein „so“ hinzu, stand doch ein Komma: „Wie geht es dir?“, so fragt er.

Ansonsten können Sie bei der Interpunktion alles beim Alten lassen…

abendblatt.de 5.2.2013

Hat Herr Schmachthagen nicht die Kommakatastrophe durch die „Reform“ mitbekommen? Nicht umsonst hatten die Nachrichtenagenturen die alten Kommaregeln beibehalten.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
22.01.2013 15.15
Diesen Beitrag ansteuern
Narrenzug jetzt im Plural

Deutschstunde
Opa wollte nur einmal kurz Hallo sagen

Von Peter Schmachthagen

[Bild: Peter Schmachthagen ist "Hamburgisch"-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts]

Sagen oder besser schreiben wir eigentlich Hallo oder hallo ? Groß oder klein? Beides ist möglich. Hier haben wir es wieder einmal mit einer der unsäglichen fakultativen Schreibweisen zu tun…

Bis zum Juni 2004 konnte man in Schulen und Medien gut damit leben, sodass die Kultusminister nach fünfjähriger Probephase die neue Rechtschreibung für verbindlich erklärten. Die Ministerpräsidenten ließen sich jedoch von einigen lautstarken Stimmen einschüchtern und setzten einen zusammengewürfelten Rat für deutsche Rechtschreibung ein, um die Reform überprüfen zu lassen. Man darf unterstellen, dass das nicht aus Sorge um das Kulturgut der deutschen Sprache geschah, sondern einfach aus Angst um die Wählerstimmen. Wer eine durchaus verständliche Unsicherheit bei der Rechtschreibung spürt, sucht als vermeintliche Ursache gern einen Schuldigen, wofür sich die Rechtschreibreform anbot – obwohl es in diesem Fall egal war, ob man die alte oder die neue Rechtschreibung nicht beherrschte.

Was der (Un-)Rat der Kultusministerkonferenz am Rosenmontag des Jahres 2006 als Ergebnis seiner Arbeit vorlegte, glich den vielen Narrenzügen jenes Tages, doch die Minister wollten den Streit endlich beenden und segneten alles ab. Die Reformschreibweise wurde nicht etwa abgeschafft, sondern blieb bestehen, doch Altes wurde wieder zum Leben erweckt und ganz Neues geschaffen. Die Möglichkeiten haben seitdem Konjunktur und die Wörterbücher sogar Hochkonjunktur…

In Hamburg sagt man Tschüs, und zwar mit großem „T“ und kleinem „s“, obwohl beim Streit über die richtige Schreibweise schon Freundschaften zerbrochen und Urheberrechtsprozesse angedroht worden sind. Angeblich hat Heidi Kabel „In Hamburg sagt man Tschüss“ mit Doppel-s gesungen, wobei ich mich frage, wie man ein Doppel-s singen kann. Als der Duden noch die alleinige Entscheidung über die Schreibweisen hatte, war nur tschüs! möglich. Die Reformer ließen auch Tschüss zu, was nicht nachvollziehbar ist, denn das "ü" wird ja nicht kurz, sondern ganz lang gesprochen.

Dieser norddeutsche Abschiedsgruß ist aus der Form atschüs! gekürzt worden, die durch Erweichung des „j“ aus niederdeutsch adjüs (kurz: tjüs ) entstanden ist, logischerweise hinten mit einem einfachen „s“. Fremde Seeleute gebrauchten häufig das spanische adiós (lat. ad deum – Gott befohlen, frz. adieu, span. a diós – zu Gott)…
abendblatt.de 22.1.2013

Schmachthagen, Anhänger der Urreform, hat den „Narrenzug“ schon des öfteren hier und da als Bild für die politischen und orthographischen Flickreformer von 2006 empfohlen. Wenn man die ganze Reform als solchen begriffen hat, sitzt er allerdings auch mit obendrauf.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
11.12.2012 19.30
Diesen Beitrag ansteuern
Ruf aus der Reformsteinzeit

Deutsch oder deutsch, das ist hier die Frage

Was sprechen wir? Wie sprechen wir? Die Groß- und Kleinschreibung bei der Bezeichnung einer Sprache ist ein bisschen verzwickt

Von Peter Schmachthagen

... Angela Merkel spricht Russisch, Wladimir Putin spricht Deutsch, sodass die beiden bei ihrem Treffen im Kreml abwechselnd deutsch und russisch miteinander sprachen. Da Putins Begleiter jedoch kein Wort Deutsch verstanden, unterhielt man sich meistens auf Russisch. Nanu, wo kommt das große „R“ her, steckt hier doch ein Wie in der Aussage, ein Hinweis auf die Art und Weise des Sprechens?

Richtig, aber unsere Grammatik und Orthografie (Rechtschreibung) wären nun wirklich zu einfach, wären sie nicht mit vielerlei Ausnahmen gespickt. [... seit Schmachthagens Lieblingsreform:] Nach den Präpositionen auf und in wird Deutsch immer großgeschrieben: Das Buch erscheint auf Deutsch, der Brief wurde in Deutsch verfasst…

Übrigens kann man „Deutsch/deutsch“ nicht nur großschreiben, sondern auch groß schreiben. Die Wortgruppen Adjektiv und Verb bzw. Partizip und Verb werden zusammengeschrieben, wenn das Adjektiv in einer Verbindung weder gesteigert noch erweitert werden kann wie bei „großschreiben“.

abendblatt.de 11.12.2012

Schmachthagen lebt noch in der Reformsteinzeit von 1996: Die Steigerungsprobe wurde mit der 2. Reparaturreform 2006 wieder abgeschafft. Ansonsten siehe auch hier.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 4 Seiten lang:    1  2   3  4  Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage