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Detlef Lindenthal
01.01.2006 12.24
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„Der Spiegel“ setzt Empfehlungen des Rechtschreiberates um

>>„Der Spiegel“ setzt Empfehlungen des Rechtschreiberates um

Hamburg – Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ will von diesem Montag an die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung umsetzen.

Der „Spiegel“ folge insbesondere den Änderungen in der Getrennt- und Zusammenschreibung. „Sie sind eine Rückkehr zur Vernunft“, sagte „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust.

Die von dem früheren bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) geleitete Kommission hat die seit dem 1. August 2005 in den meisten Bundesländern als verbindlich geltende Reform in Teilen korrigiert, einige Empfehlungen wie die zur Groß- und Kleinschreibung stehen aber noch aus.

Der größte Teil der Printmedien und die Nachrichtenagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 1999 die wesentlichen Teile der neuen Rechtschreibung eingeführt, allerdings mit einigen Besonderheiten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kehrte ein Jahr später zur alten Rechtschreibung zurück, 2004 folgte der Axel-Springer-Verlag diesem Beispiel. Andere Zeitungen und Magazine wie der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung” hatten erklärt, die Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung abzuwarten.

Bildunterschrift:
„Einige deutsche Verlage machen mit, Springer und die FAZ nicht, der „Spiegel“ ein bisschen. Die Rechtschreibreform hat die Situation zu einem Desaster werden lassen.“
<<
http://rhein-zeitung.de/a/news/t/rzo209682.html

_______

Bemerkenswert ist, was Sigmar Salzburg dazu schreibt:
>> Der Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“, Stefan Aust, sagte in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ v. 8.8.2005 anläßlich der angekündigten (aber bisher nicht vollzogenen) Rückkehr zur alten Rechtschreibung:
„Wir haben bei uns im Haus Umfragen durchgeführt, und es stellte sich heraus, daß fast alle SPIEGEL-Redakteure die alte Rechtschreibung verwenden! Sie schreiben ihre Texte, und der Computer übersetzt die alte in die neue Rechtschreibung. Kafkaesk!“ <<

Hierzu von mir eine dringende Bitte an alle Demokraten, Gutmenschen, Kulturschützer und Rechtschreibfreunde:
Halten Sie inne und verabschieden Sie sich von dem Gedanken, die Rechtschreibung würde von vielen, vielen Menschen gemacht. Das war nicht einmal früher, vor 1996, so: Da war es zwar eine Schicht von Berufsschullehrern (von denen z.B. ich als Setzer in Rechtschreibung geprüft wurde), Lektoren, Schriftsetzern, Schreibkräften, Lehrern, Wörterbuchmachern, Sprachprofessoren, Politikern – ungefähr in dieser Reihenfolge –, die die Rechtschreibung bestimmten; aber eben auch nur eine Schicht.

Nach 1996 waren es viel weniger Menschen: Am nachhaltigsten der Rechtsanwaltssohn William („Bill“) Gates, reichster Mann der Welt, der in seinem Schreibhelfer Windows samt Word Neuschreib voreinstellen ließ und deshalb die große ss-Umwälzung in der schreibenden werktätigen Bevölkerung schaffte (wie er auch den Niedergang der Zeichensetzung bewirkte, siehe „ “ “ ” , ‘ ’ ´ ` .)
Des weiteren waren es 16 Kultusminister, welche 16 Ministerpräsidenten und 200.000 Deutschlehrer am Nasenring führen konnten, und es war eine klitzekleine Dudenredaktion (gestützt von Bertelsmann) und eine kleine Hundertschaft von Zeitungsverlegern (die (Chef-)Redakteure hatten nichts zu sagen) und eine winzige Spitze von Parteibonzen (Simonis, Rühe, Kubicki, ...), die das alles durchgezogen haben.

Entsprechend wird nicht die Rechtschreibung von Volksentscheiden, Parteien, Leserbriefen usw. bestimmt werden, sondern von denen, die was machen. Macht hat der, der macht. Dies Thema hatten wir schon mal.

Um eine gute Rechtschreibung wiederherzustellen, braucht man 5 Leute, die in der Lage sind, sich mit Verstand zu verständigen und sich vom Individualisten-Stadl nicht verwirren zu lassen. Es ist physikalisch leichter, bei einem riesigen, häßlichen, unrechtmäßigen, schädlichen Fesselballon die Luft abzulassen, als einen solchen Ballon steigen zu lassen.
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Detlef Lindenthal

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Karl-Heinz Isleif
03.11.2005 19.48
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taz und rechts

Wer es nicht besser weiß, gelangt durch die Lektüre dieses Artikels zu der Ansicht, der Spiegel sei auf unserer Seite. Das stimmt nicht: Der Spiegel schreibt reformiert.

Die Strategie hinter derartiger Dreherei an der Stellschraube der Wahrheit ist einfach und sie funktioniert in Deutschland ziemlich leicht: Stellen wir den Spiegel, und, damit es sich lohnt, auch die ganzen Reformkritiker, eben alle Andersdenkenden, in die 'rechte' Ecke, stigmatisieren wir sie... Damit lenkt man nicht nur pfiffig vom eigentlichen Thema ab, sondern isoliert die anderen (uns!) moralisch, quasi. Wir sind die Reaktionäre, die Gestrigen, wir stehen dem Aufbruch im Wege.

Einmal in der 'rechten' Ecke abgestellt, kommt man so schnell und aus eigener Kraft nicht wieder heraus. Es ist unser (der Reformkritiker) größtes Versäumnis, daß wir dieser Kampagne nicht früh und energisch genug Widerstand entgegengesetzt haben. Die Meinungsmache der Reformer war erfolgreich, denn die jungen Generationen sind mehrheitlich nicht für uns. Das kann ich nicht beweisen, aber so ist mein Eindruck: ich habe ihn hier schon einige Male geschildert. Aber wenn es ihn gibt, den Trend, was kann man gegen ihn tun?

Karl-Heinz Isleif
Tokyo, Japan

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1
03.11.2005 16.47
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taz und Spiegel

Flimmern und Rauschen
Die innere Pressefreiheit
„Austs Zusammenspiel mit der Mischpoke von FAZ und Springer“: Beim „Spiegel“ spitzt
sich die Kontroverse um Chefredakteur Aust und die politische Ausrichtung des Magazins zu

VON OLIVER GEHRS

Man kann es ja auch so sehen: Endlich war mal wieder was los am Montag beim Spiegel, wo es in den Konferenzen nach Augsteins Tod so ruhig geworden ist, dass sie intern schon mal als Schweigen der Lämmer bezeichnet werden. Anfang dieser Woche aber war es anders: Nachdem durch die taz (31. 10.) bekannt geworden war, dass sich Stefan Aust in der Gesellschafterversammlung des Spiegels am 16. November zur politischen Ausrichtung des Blattes äußern solle, machte im gut gefüllten Konferenzraum das Wort von der bedrohten Pressefreiheit die Runde – allerdings noch im Stillen.

In der anschließenden Ressortleiterkonferenz wurde dann schon heftiger über Grundsätzliches gestritten, und wenig später verschickte Stefan Aust eine Stellungnahme: „Eine Vorladung des Chefredakteurs mit dem Ziel, mit ihm redaktionelle Inhalte zu erörtern, widerspricht Wortlaut und Inhalt der Satzung“, so Aust, „die journalistische Unabhängigkeit des Spiegel ist für mich von vorrangiger Bedeutung.“

Gemeinsam gegen die Rechtschreibreform

Doch genau das war für viele in den vergangenen Monaten nicht so recht spürbar, weshalb die politische Ausrichtung des Blattes ja überhaupt auf die Agenda kam. Wo, so fragten sich viele in der Redaktion und schließlich auch mancher im Eigentümer-Kreis, ist die Unabhängigkeit, wenn der Chefredakteur seine Freundschaft zum Springer-Verlag herausstellt, eine Goldene Kamera empfängt und gleichzeitig die kritische Berichterstattung über die Bild-Zeitung sanft entschläft. Wenn er gemeinsam mit Springer und FAZ gegen die Rechtschreibreform kämpft, wenn er wirtschaftskritische Geschichten aus dem Blatt schmeißt zugunsten von Polemiken gegen regenerative Energien („Der Windmühlen-Wahn“). Wenn etliche Redakteure freiwillig das Berliner Parlamentsbüro verlassen, wo vor der Wahl in nie gekanntem Ausmaß gegen Rot-Grün gefeuert wurde.

„Austs Zusammenspiel mit der Mischpoke von FAZ und Springer“, so wird denn auch gestern der Spiegel-Autor Olaf Ihlau von der Süddeutschen Zeitung zitiert, sei grenzwertig – noch am selben Tag konnte man sehen, wie die „Mischpoke“ funktioniert. Mit voller Verve schlug sich die FAZ auf Austs Seite und bezeichnete den Wunsch der Gesellschafter nach einer Diskussion über die Inhalte als „einzigartigen Vorgang, wie man ihn, wenn überhaupt, nur von Provinzzeitungen kenne“. Schuld seien vor allem Gerhard Schröder mit seinen Vorwürfen an die Medien und Augsteins Kinder, die nicht verwinden könnten, dass sie keine Mitsprache mehr hätten. In der Redaktion, so ferndiagnostizierte die Aust-treue FAZ, werde das Auftreten der Gesellschafter als Affront gewertet.

Das allerdings dürfte hauptsächlich auf das Chefzimmer zutreffen, in den übrigen Abteilungen gibt es schon lange Unmut über den neoliberalen Kurs des Blattes, der vor allem vom Berliner Büroleiter Gabor Steingart verantwortet wird. Der gab vor der Bundestagswahl im Wall Street Journal schon mal eine Wahlempfehlung für Angela Merkel. Steingart schrieb denn auch im allgemeinen Wirrwarr einen bösen Brief an den Sprecher der Mitarbeiter KG, Thomas Darnstädt, dem er vorwirft, das „hohe Gut der inneren Pressefreiheit aufs Spiel zu setzen“. Mit dem Versuch, „den Chefredakteur in den Gesellschafterkreis vorzuladen, haben Sie uns allen geschadet“. Wie groß die Verwerfungen zwischen Aust-Freunden und -Gegnern sind, zeigt, dass Steingarts Brief schon bei den Zeitungen gelandet war, bevor er Darnstädt erreichte.

Mit falschen Zahlen von Paul Kirchhof

Die Gesellschafter bemühen sich derweil, die Diskussion zu entschärfen. „Es geht nicht um einen Angriff auf die innere Pressefreiheit“, so ein Mitglied des Gremiums, sondern um die Sicherung der Qualität. „Der Spiegel steht für qualitätsvollen Politikjournalismus. Dass das weiter so ist, dafür müssen wir Sorge tragen.“ Dass dem zuletzt nicht immer so war, sieht selbst Aust zuweilen ein. Jedenfalls bekannte er unlängst, dass die Schwächen von Rot-Grün wohl ein bisschen zu oft auf dem Titel waren. Dass man mit falschen Zahlen von Kompetenzteam-Mitglied Paul Kirchhof Werbung für die CDU gemacht hat, steckt den Blattmachern aus Hamburg ebenfalls tief in den Knochen.

Unter den Eigentümern, zu denen neben der Mitarbeiter-KG (50,5 %), der Augstein-Familie (24 %) auch Gruner + Jahr (25,5 %) gehört, ist mancher zur Einsicht gekommen, dass der Spiegel dringender denn je einen Herausgeber benötigt. Dass sich Aust nach Augsteins Tod ganz forsch zum Alleinherrscher aufschwingen konnte, wird mittlerweile als Versäumnis gesehen.

Aust hatte in einer Hausmitteilung nach der Beerdigung geschrieben, dass es keinen Herausgeber mehr geben könne, weil die „Schuhe zu groß" seien, und sich faktisch selbst inthronisiert. Obwohl in der momentan gern zitierten Gesellschaftersatzung anderes steht, unter § 6 Absatz 2 nämlich Folgendes: „Fällt Rudolf Augstein aus gleich welchen Gründen als Herausgeber fort, so üben die Geschäftsführer und die Chefredakteure des Spiegel die Rechte eines Herausgebers solange gemeinsam aus, bis die Gesellschafterversammlung … einen oder mehrere neue Herausgeber bestimmt hat.“

Tröstlich für Kritiker des Rechtsrucks im Spiegel ist auf jeden Fall schon jetzt, dass der Spiegel der SPD wieder richtig nah ist: nicht unbedingt im redaktionellen Teil, da ist mittlerweile selbst das Feuilleton an die CDU gefallen, aber im Willen zur Erneuerung durch Selbstzerfleischung.

taz Nr. 7810 vom 3.11.2005, Seite 18, 183 Zeilen (TAZ-Bericht), OLIVER GEHRS

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Karl-Heinz Isleif
04.10.2005 21.56
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notwendig usw.

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Detlef Lindenthal

Damit ein Pferd auf der Rennbahn in Daglfing gewinnen kann, muß es erstens an den Start gehen (notwendig) und zweitens siegen (hinreichend): so hat uns unser Mathematiklehrer früher das mit den Bedingungen immer erklärt...
Sind nicht beide Bedingungen notwendig? Was ist der Unterschied zwischen notwendig und hinreichend?



Das Begriffspaar „notwendige Bedingung und hinreichende Bedingung“ kommt in der Mathematik vor allem in der Differential- und Integralrechnung vor. So muß man sich beispielsweise stets vergewissern, ob der Wert, den man als Lösung einer Aufgabe ins Auge faßt, überhaupt zu der ’erlaubten’ Menge der Zahlen gehört, um die es in dem Fall geht usw. Natürlich schließt die stärkere ‘hinreichende Bedingung’ die ‘notwendige’ ein.

Der SPIEGEL-Artikel ist natürlich ein etwas weit hergeholtes und trotzdem geradezu ideales Beispiel dafür, daß bei Nichterfüllung der notwendigen Bedingung jede Rechnerei sinnlos wird. Die Aussage von Gehrs: ‘Die Aktion war eine Pleite’ ist also nicht falsch, sondern sinnlos.

Karl-Heinz Isleif
Tokyo, Japan

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Detlef Lindenthal
04.10.2005 18.36
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Damit ein Pferd auf der Rennbahn in Daglfing gewinnen kann, muß es erstens an den Start gehen (notwendig) und zweitens siegen (hinreichend): so hat uns unser Mathematiklehrer früher das mit den Bedingungen immer erklärt...
Sind nicht beide Bedingungen notwendig? Was ist der Unterschied zwischen notwendig und hinreichend?

Er [Aust] hat es gar nicht versucht
Ja; und das erinnert doch sehr an den Entschlußkraftmangel von Herrn Ministerpräsident Wulff – dem ich andererseits inzwischen seine Selbsteinschätzung hoch anrechne, daß er darauf verzichtet, Bundeskanzler zu werden.
Wie sagt im Film „Amadeus“ der (Film-)Salieri mit krächzender Stimme zum Beichtvater „Ja, mein Sohn, ich bin der Schutzpatron der Mittelmäßigen ... auch deiner!“
Vermutlich liegt es daran, daß die Wulffs und Austs und die meisten, die das Gymnasium durchlaufen haben, sich durch Anpassung nach oben gedient haben; Anpassung alleine reicht aber in einer Führungsverantwortung nicht aus.
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Detlef Lindenthal

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Karl-Heinz Isleif
04.10.2005 11.05
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Re: Marionettentheater?

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Detlef Lindenthal
>>Nur über seine Leiche
Aust kontert mit Augstein

VON OLIVER GEHRS
(...) und verkündete, der Spiegel werde der neuen Rechtschreibung nicht folgen. Die Aktion war eine Pleite. Denn Döpfner und Aust haben die Rechtschreibreform nicht aufhalten können, aber Aust und darum auch der Spiegel sehen das natürlich anders. (...)

Frankfurter Rundschau
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=735464


Nein, Herr Gehrs, Aust hat die Rechtschreibreform deshalb nicht aufhalten können, weil er eine notwendige Bedingung nicht erfüllte: er hat es gar nicht versucht. Der SPIEGEL schreibt heute noch reformverunstaltet.

Damit ein Pferd auf der Rennbahn in Daglfing gewinnen kann, muß es erstens an den Start gehen (notwendig) und zweitens siegen (hinreichend): so hat uns unser Mathematiklehrer früher das mit den Bedingungen immer erklärt...

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Detlef Lindenthal
04.10.2005 10.05
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Marionettentheater?

>>Nur über seine Leiche
Aust kontert mit Augstein

VON OLIVER GEHRS

Für einen Chefredakteur schreibt Stefan Aust ganz schön wenig. Genau genommen so gut wie nie. Nur zu ganz wichtigen Anlässen setzt sich der Spiegel-Chef an die Tastatur und legt los. Als Rudolf Augstein starb, schrieb Aust viel Pathetisches und am Schluss den schlauesten Satz seiner Karriere. Dass nämlich Augsteins Schuhe zu groß seien und es ergo keinen Herausgeber nach ihm geben könne. Das hatte Aust genau genommen nicht zu entscheiden, aber ehe das jemand merkte, war es schon hingenommen worden. Seitdem ist Aust der unangefochtene Chef beim Spiegel.

Das nächste Mal schrieb Aust erst wieder, als es um eine Sache von nationaler Tragweite ging. Als er sich nämlich gemeinsam mit Springer-Chef Döpfner entschieden hatte, Politik zu machen, und verkündete, der Spiegel werde der neuen Rechtschreibung nicht folgen. Die Aktion war eine Pleite. Denn Döpfner und Aust haben die Rechtschreibreform nicht aufhalten können, aber Aust und darum auch der Spiegel sehen das natürlich anders. Sie tun einfach so, als seien die Nachbesserungswünsche der Rechtschreibkommission ein Sieg auf ganzer Linie. Und auf die Frage des Tagesspiegel, was denn der größte Fehler seine Amtszeit gewesen sei, antwortete Aust glatt, dass sich der Spiegel nicht von Anfang an gegen die neue Rechtschreibung gewehrt habe.
...
Die Maxime beim Spiegel sei „radikaler Realismus“, hatte neulich der Spiegel-Büroleiter Gabor Steingart (der im Wall Street Journal quasi eine Wahlempfehlung für Angela Merkel gegeben hatte) in der Sendung Maischberger gesagt. Für seinen Chefredakteur kann dieses Motto unmöglich gelten.<<

Frankfurter Rundschau
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=735464

- – -
„ ... Döpfner und Aust haben die Rechtschreibreform nicht aufhalten können ... “.
Wer, bitte, hat Aust zwingen können? Wenn Aust gezwungen wurde, dann gab es für ihn und für den Spiegel keine Pressefreiheit. Beobachtet habe ich das auch bei anderen Medien. Wer aber ist es, der die Fäden bewegt?

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Detlef Lindenthal

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Fritz Koch
24.02.2005 12.02
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Auf die Fehlererzeugung durch Korrekturprogramme

sollte die Stiftung Warentest aufmerksam gemacht werden. Vielleicht gleich mit Beispielen. Deren öffentliche Aufgabe ist der Verbraucherschutz vor Murksprodukten wie Fehlergeneratoren.
– geändert durch Fritz Koch am 24.02.2005, 16.32 –

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Ernst Haft
24.02.2005 11.36
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Schmutzabweisend

So, und jetzt noch eine Demonstration der Fehlerkorrektur durch Word 2003:

Vor der Korrektur:
Es ißt klar, das Schmutz abweißende Tücher öfters und auf wendig gereinigt werden mühsen

Nach der Korrektur (ggf. erster Korrekturvorschlag akzeptiert):
Es isst klar, das Schmutz abweißende Tücher öfters und auf wendig gereinigt werden mühen

„schmutzabweißende“ und „schmutzabweisende“ werden als fehlerhaft erkannt, und es gibt keine Korrekturvorschläge.

Anschließend noch ein von Word 2003 auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfter und als fehlerfrei erkannter Zusammenhang:
Es isst klar ein Fehler Haft, das Programme auf Fehler beständig über prüft werden.

Da kommt mir ein Verdacht.
Es könnte sein, daß all die krausen „deutschen“ Bedienungsanleitungen für Geräte aus Asien mittels Word auf Korrektheit von Rechtschreibung und Grammatik überprüft wurden!

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Ernst Haft
24.02.2005 10.48
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Re: Sehr geehrter Herr Facharbeitschreiber,

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Fritz Koch

Meiner Enkeltochter habe ich gesagt: Wenn du es dir ganz bequem machen willst, schreibst du Hausaufgabentexte erst am Computer mit eingeschalteter Fehlerkorrektur und dann ins Heft ab.


Diese Aussage läßt immerhin den Schluß zu, daß es Situationen gibt, in denen die Verwendung eines aktuellen Rechtschreibkorrekturverfahrens zur Verringerung der Fehlerzahl führt.

Automatische Rechtschreibkorrektur, z.B. die von Word, verwende ich nur dann, wenn ich ein Rätsel schreiben will, einen Text, dessen Sinn sich den Kollegen allenfalls mit Mühe erschließt.
Die meisten Korrekturen in fachsprachlichen Texten gehen völlig daneben. Nicht nur, daß dabei oft genug falsche Zusammenhänge generiert werden, die entstehenden Sätze enthalten wesentlich mehr Fehler als die ursprünglichen.
Z.B.: „parametrische Konstruktion“ korrigiert zu: „paränetische Konstruktion“ (Word 2000, also schon lange her ... paränetisch ist eine etwas überkandidelte Umschreibung von ermahnend und eigentlich extrem fachsprachlich: dieses Wort wird kaum anders als im Zusammenhang mit religiös-belehrendem Schrifttum gebraucht).
Bei meinem letzen Versuch, die Rechtschreibkorrektur von Word zum Finden echter (zumeist Flüchtigkeits-)Fehler in einem von mir erstellten Text zu nutzen, stellte ich fest, daß weniger als 2% der Korrekturen solche Fehler betrafen, 98% der „Korrekturen“ erzeugten Fehler, und der Anteil der richtig gefundenen Fehler an den tatsächlich enthaltenen lag bei etwa einem Drittel. Insgesamt hatte eine mehrstündige Sitzung mit Word deutlich weniger Fehler aufgedeckt als einmaliges flüchtiges Durchlesen des ausgedruckten Textes, und das brauchte deutlich weniger als ein Zehntel der Zeit.
Das „Lernvermögen“ der Rechtschreibkorrektur führt zudem allzuleicht und blitzschnell dazu, daß Fehler gelernt werden, d.h. fehlerhafte Schreibungen ins Wörterbuch aufgenommen werden (das Entfernen daraus war zumindest noch in Word 2000 deutlich schwieriger)

Soeben haben ich meine Aussagen mit Word 2003 auf Aktualität geprüft (Prüftext: ein sehr fehlerhaft geschriebener studentischer Text):
- dass/das: falsches 'dass' gut zu 'das' korrigiert
- Artikelkorrektur: noch zufriedenstellend
- Eigennamen werden selbst in Namensaufzählungen immer noch nicht erkannt, z.T. syntaktisch unpassende Korrekturvorschläge gemacht, einen Name wie „Otten“ in „Anton Otten“ möchte Word, sogar, wenn er in Anführungszeichen steht(!), unbedingt zu „Sotten“, „Rotten“, „Motten“, „Orten“, „Ottern“, „Osten“ oder „Otter“ korrigieren, den obigen Tippfehler „einen Name“ statt „einen Namen“ findet Word 2003 nicht
- verschiedene Korrekturvorschläge waren nur dadurch erklärlich, daß die Stellung des Wortes im Satz nicht erkannt bzw. einigermaßen zutreffend erraten wurde
- von „automatisch“ kann bei „automatischer Korrektur“ nicht gesprochen werden – zumindest in fast jedem Fall wird nachgefragt.
- unter der Annahme, daß, wenn mindestens eines vorlag, irgendeines der vorgeschlagenen Korrekturwörter verwendet wurde, erhöhte sich die Fehlerzahl erheblich, der Text wurde deutlich schlechter verständlich als im Original, zum Teil sogar unverständlich.

Eines haben allerdings nur ältere Versionen richtig gesehen:
- Word 2003 hält „Windows“ nicht mehr für einen Fehler

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Christoph Kukulies
21.02.2005 16.38
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Re: an Facharbeitschreiber

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Facharbeitschreiber
Vielen Dank für ihren Tip Herr Koch. Zum Glück habe ich einen Freund der am selben Gymnasium sein Abi gemacht hat und meine Arbeit korrigieren wird. Er studiert zur Zeit Germanistik und hatte schon in der Schule Deutsch als LK-Fach. Ohne einer solchen Korrektur würde ich keine gute Note kriegen, dass hat meine Deutschlehrerin mir schon gesagt.

Ich bin aber solche Sachen zur Zeit schon gewohnt. Aber mit der Zeit verbessere ich mich ja. Mit Fleiß kommt der Preis.


Erlauben Sie Korrekturen Ihres Geschriebenen hier, Facharbeitschreiber? Wir lassen Leute, die sich hier hereintrauen, normalerweise gewähren und ehe ich Ihr Geschriebenes hier rezensiere, frage ich lieber einmal vorher.

Einiges fällt mir auf: Zeichensetzung, 'ss' und ein Genitiv, wo keiner hingehört.

Niemand wird hier wegen seiner Rechtschreibung diskriminiert.

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Christoph Kukulies

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Facharbeitschreiber
20.02.2005 18.16
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an Herrn Fritz Koch

Vielen Dank für ihren Tip Herr Koch. Zum Glück habe ich einen Freund der am selben Gymnasium sein Abi gemacht hat und meine Arbeit korrigieren wird. Er studiert zur Zeit Germanistik und hatte schon in der Schule Deutsch als LK-Fach. Ohne einer solchen Korrektur würde ich keine gute Note kriegen, dass hat meine Deutschlehrerin mir schon gesagt.

Ich bin aber solche Sachen zur Zeit schon gewohnt. Aber mit der Zeit verbessere ich mich ja. Mit Fleiß kommt der Preis.
__________________
Facharbeitschreiber

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Fritz Koch
20.02.2005 17.45
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Sehr geehrter Herr Facharbeitschreiber,

ich vermute, daß Sie die automatische Fehlerkorrektur ausgeschaltet haben. Respekt! Viele Schreiber sparen sich mit Hilfe der Automatik das Selberdenkenmüssen. Trotzdem wäre die für abzuliefernde Arbeiten vielleicht empfehlenswert, wenn da ein persönlicher Stil nicht so gewertet wird. Das hängt natürlich von der Beamtenmentalität des Beurteilers ab.

Meiner Enkeltochter habe ich gesagt: Wenn du es dir ganz bequem machen willst, schreibst du Hausaufgabentexte erst am Computer mit eingeschalteter Fehlerkorrektur und dann ins Heft ab.

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Facharbeitschreiber
20.02.2005 17.27
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An Ursula Morin

ich wollte mich auch entschuldigen wenn ich etwas überreagiert habe. Sie konnten ja nicht wissen, dass ich mehrsprachig aufgewachsen bin. Also nochmal: sorry!
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Facharbeitschreiber

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Ursula Morin
20.02.2005 17.20
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Mea culpa ...

Lieber Facharbeitschreiber,
ich wußte wirklich nicht, daß Sie Deutsch als Fremdsprache
gelernt haben. Alle Achtung!

Meine Tips waren aber durchaus zur Verbesserung gedacht und sollten als professionelle Hilfe und nicht als persönliche Kritik aufgefaßt werden. Wie gesagt, beim Schreiben ist der Leser König und dem ist es zum Zeitpunkt des Lesens ziemlich egal, aus welchem Grund der Schreiber Fehler macht, da er unwillkürlich irritiert wird. Vielleicht bin ich da als Übersetzer und Korrekturleser auch einfach zu empfindlich, aber das gehört nun mal zu meinem Beruf.

Dazu gehört auch, daß ich ständig von Kunden Korrekturen meiner „Werke“ entgegennehmen muß. Wenn ich das persönlich nehmen würde, müßte ich ständig beleidigt sein.

Nichts für ungut also ...

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