Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen
taz Die Tageszeitung
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 3 Seiten lang:    1  2  3   Post New Thread     Post A Reply
Norbert Lindenthal
09.08.2004 05.50
Diesen Beitrag ansteuern
taz Die Tageszeitung

9.8.2004

christoph schultheis

Mit Pauken und Trompeten

Die Medienallianz zum Thema Rechtschreibung hinterlässt ein mulmiges Gefühl

Mein Fluchtkoffer ist gepackt. Ich weiß, das ist übertrieben, aber seit an einem 11. September zwei Flugzeuge in zwei New Yorker Hochhäuser flogen, war ich über eine Nachricht nicht mehr so erschüttert wie kürzlich am 6. August etwa zur selben Tageszeit, als Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlags, erklärten, die von ihnen verantworteten Printmedien werden dem Beispiel der von Frank Schirrmacher u. a. herausgebenen FAZ folgen und ebenso wie die Süddeutsche Zeitung baldmöglichst zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Dass der Vergleich hinkt, weiß ich auch. Dafür kann ich nichts. Es war so. Und es ist nicht so, dass mir an einer wie auch immer gearteten Rechtschreibung sonderlich viel liegt. Womöglich steht der Fluchtkoffer sogar schon länger da, und ich hab mich nur vergewissert, dass das Haltbarkeitsdaten von Notration und Reisepass noch nicht abgelaufen ist, die lange Unterhose noch nicht komplett mottenzerfressen.

Aber der „Paukenschlag“ (Bild) vom 6. August, die Medienallianz in ihrer ausgesprochenen Deutlichkeit also, will mir so schnell nicht aus dem Kopf. „Wir“ haben sie gesagt, „wir“, „wir“, „wir“: „Wenn FAZ, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Welt und Bild einer Meinung sind, dann muß es ein wirklich übergeordnetes Interesse geben. Das ist hier der Fall“, hat Springer-Chef Döpfner dann gestern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt. Und es wäre albern, daran zu zweifeln. Der Mathias, der Stefan und der Frank werden schon wissen, was sie tun. Die großen Jungs aus der Nachbarschaft wussten das schließlich auch, wenn sie sich früher manchmal im Geräteschuppen trafen und ihn alsbald rotwangig wieder verließen.

Andererseits: Was Zeitungen und Zeitschriften machen, ist ihre Sache. Solange sie sich dabei an Gesetze, Sitte, Anstand und den Pressekodex halten, können sie machen, was sie wollen – sogar Kampagnen. Und dass die nicht nur aus einseitigen Schlagzeilen und Infos bestehen, ist auch nicht neu: Solange es die DDR gab, schrieb die Springer-Presse sie in „Gänsefüßchen“, 1999 verzichtete die taz für eine Abo-Kampagne mal auf den Buchstaben „z“, dass die Welt 2001 mal ihre Titelseite für eine Werbekampagne hergab und AOL-blau einfärbte, war auch ein Statement zwischen den Zeilen.

Da ist die Entscheidung von Spiegel, Bild, SZ & Co., künftig auf manches Doppel-„s“ zu verzichten, um ihren Unmut über die neue Rechtschreibung vermittels alter Schreibung quasi in jedem Text jedweden Themas in die Welt zu trompeten, ähnlich originell. Bleibt nur die Frage, mit wie viel „f“ ich meine Passage ins Exil nach Übersee im Reisetagebuch notieren werde.

taz Nr. 7430 vom 9.8.2004, Seite 17, 92 Zeilen (Kommentar), Christoph Schultheis

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
07.08.2004 03.13
Diesen Beitrag ansteuern
taz Die Tageszeitung

7.8.2004

Nachfolgende Generationen gerettet!
„Bild“ und „Spiegel“ ab sofort in alter Rechtschreibung

HAMBURG dpa Deutschlands größte Boulevardzeitung Bild und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel kehren wie alle anderen Publikationen der beiden Verlage Axel Springer und Spiegel zur alten Rechtschreibung zurück. Ziel dieser Maßnahme sei die Wiederherstellung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung, kündigten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung am Freitag an. Die Reform führe zu wachsender Verunsicherung in der Bevölkerung über die Schreibweisen, hieß es zur Begründung. Weiter: „Aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen empfehlen wir auch anderen die Beendigung der staatlich verordneten Legasthenie und die Rückkehr zur klassischen deutschen Rechtschreibung.“

Die technische Umsetzung in den gedruckten sowie den Online-Ausgaben solle „schnellstmöglich“ erfolgen. Die Verlage appellierten an andere Medienunternehmen sowie an die Nachrichtenagenturen, sich diesem Schritt anzuschließen.

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
07.08.2004 03.10
Diesen Beitrag ansteuern
taz Die Tageszeitung

7.8.2004

rechtschreibreform

Auf Komma komm raus

Die Mehrheit der Deutschen wisse, dass Reformen unausweichlich seien, schrieb der Schriftsteller Peter Schneider kürzlich im Spiegel. „Aber sobald eine noch so bescheidene Korrektur auf den Weg gebracht wird, zerfällt die eben noch kompakte Mehrheit in lamentierende Lobbys und Interessengruppen, die sich nur in einem einig sind: im Blockieren.“ An solche Sätze muss man denken, liest man die Ankündigung, der Springer Verlag und der Spiegel wollten zur alten Rechtschreibung zurückkehren.

KOMMENTAR
VON DANIEL BAX

Es ist schon erstaunlich: Ausgerechnet die Medien, die seit Wochen die „Reformunfähigkeit“ in Deutschland beklagen und gegen den „Reformstau“ zu Felde ziehen, legen sich jetzt quer. Man könnte auch sagen: Kaum sind sie selbst von einer Reform betroffen, regiert der konservative Reflex. Oder, wie Peter Schneider es formulierte, das Sankt-Florians-Prinzip: Verschon unser Haus, zünd andere an!

Dabei geht es natürlich um weit mehr als nur um die Frage, ob man „Schifffahrt“ künftig mit zwei oder drei f schreibt oder ob man nicht einfach beide Varianten zulässt: Es geht um eine Machtprobe. Man wolle sich nicht von ein paar wild gewordenen Bürokraten die Orthografie diktieren lassen, lautet ein beliebtes Argument der Reformgegner aus allen politischen Lagern. Abgesehen davon, dass dies ein populistischer, antidemokratischer Reflex ist: Möchte man sich die Rechtschreibregeln künftig lieber von dreien der größten Verlagshäuser des Landes diktieren lassen? Denn die wollen jetzt die Reform zu Fall bringen, auf Komma komm raus.

Unverkennbar geht die gemeinsame Initiative von Spiegel und Springer Verlag dabei auf ein Männerbündnis von Springer-Chef Mathias Döpfner und dem Spiegel-Autokraten Stefan Aust zurück, mit FAZ-Chef Frank Schirrmacher in der Rolle des lachenden Dritten: Seine Zeitung ist schon vor Jahren als erste zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt.

Das kommt also dabei heraus, wenn sich die mächtigsten Medienmänner des Landes besser verstehen, als es einer demokratischen Öffentlichkeit gut tut. Jubeln können jetzt allenfalls alle Ewiggestrigen: die, die schon aus Prinzip gegen jede Veränderung oder gar Liberalisierung bestehender Regeln sind. Die Leidtragenden sind andere: die Schülerinnen und Schüler, die schon seit Jahren nach den neuen Regeln lesen und schreiben lernen.

taz Nr. 7429 vom 7.8.2004, Seite 1, 81 Zeilen (Kommentar), DANIEL BAX, 

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 3 Seiten lang:    1  2  3   Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage