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taz Die Tageszeitung
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Sigmar Salzburg
19.04.2008 10.19
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Der Untertanengeist der taz in der Rechtschreibfrage

Die neuen „Spiegel“-Chefs
Der liebe Herr Blumencolo
Good guy & good guy: Die Zeiten der Denkverbote und der Angst vorm Chef sind vorbei. Nach 100 Tagen ohne Aust ist die Stimmung beim Spiegel so gut wie nie.

VON OLIVER GEHRS

… Und wie harmonisch es jetzt ist.
Denn mehr als inhaltlich hat sich in den Monaten seit dem Antritt der neuen Chefredakteure Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo klimatisch getan. Wo früher jeder einfache Redakteur eine Liste mit Denkverboten im Kopf hatte, darf jetzt zumindest alles vorgeschlagen werden, ohne dass man mit einem mittelfristigen Karriere-Aus rechnen muss …

Nun geht es darum, ob vom vernünftigen Ton im Inneren des Magazins auch die Leser profitieren. Ob etwa der Hang zu leidigen Geschichten über irgendwelche gesellschaftlichen Trends, die meist nur eine Halbwertzeit von einer Woche haben, verschwindet und der Gestus des allwissenden Journalisten gleich mit – der besser als die Politiker weiß, was für das Land gut tut oder der sich im Zweifelsfall selbst zum Politiker aufschwingt wie der geschasste Stefan Aust weiland im Kampf gegen die Rechtschreibreform.
Dringend Not tun die weiblichen Hormone auch dem Politikteil, bei dem Rafaela von Bredow stellvertretende Ressortleiterin wird

taz 18.04.2008
taz

Welch eine Scheinheiligkeit der Tazis: Sie würden ja selber gerne mehr in die Politik eingreifen, wenn ihr Blatt nicht so bedeutunglos wäre. Das wieder falsche „Not Tun“ zeigt außerdem, daß sie besser getan hätten, Aust in seinem Antireformkurs zu unterstützen.

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Sigmar Salzburg
30.01.2008 16.16
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In der taz – die nur so genannte Linke gegen die sogenannte Linke

Kurt Becks Redensarten

„Die sogenannte Linke“


Links im Erscheinungsbild, rabenschwarz im Wesen – und Störenfried der eigenparteilichen Berechenbarkeit: Was Kurt Becks Sprache über seinen Blick auf die Linkspartei verrät.

VON CHRISTIAN SEMLER

[Bild: Schlecht rasierter Beck]
Mit dem Wörtchen "sogenannt" will Kurt Beck seine Partei von der Linken abgrenzen. Foto: dpa

Kurt Beck, SPD-Vorsitzender, will für seine Partei nicht nur die scheinbar entschwundene soziale Frage, sondern auch eine vom Untergang bedrohte, aber schließlich doch gerettete sprachliche Konvention wiederbeleben. Sorgfältig achtet er darauf, stets von der "sogenannten Linken" zu sprechen, wenn von dem lästigen Nachbarn zur Linken die Rede ist. Die "sogenannte DDR", an die die Becksche Redeweise erinnern soll, ist in der demokratischen Revolution von 1989 untergegangen, hingegen hat sich der schöne Begriff „sogenannt“, der so leicht und umstandslos von der Zunge geht, trotz der Attacken der bürokratischen Rechtschreibreform schließlich behaupten können.
Beck will uns mit dem Begriff "die sogenannte Linke" einen Hinweis darauf geben, dass Die Linke eigentlich nicht links ist. Als Kenner des Marxschen Werkes ist ihm der Satz wohlvertraut: „Wenn Wesen und Erscheinung stets identisch wären, wäre jede Wissenschaft überflüssig.“ Der Erscheinungsform nach geriert sich Die Linke links, aber ihrem Wesen nach ist sie rabenschwarz. Diese Gedankenfigur ist uns als Stigmatisierung linker Abweichungen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung wohlvertraut.
Das "sogenannt" fordert allerdings gebieterisch nach weiterer Erklärung. Inwiefern ist nach Becks Meinung Die Linke nur ihrer Erscheinungsform nach links? Hier rivalisieren mehrere, sich teils überschneidende Meinungen. Für die Armen im Geiste sind „die Linken“ nichts als „die Kommunisten“ unseligen Angedenkens. Für die realpolitisch denkenden Pragmatiker sind es Populisten, weil sie Versprechungen machen, die sich schlechterdings nicht einlösen lassen. Der Populismus aber, auch wenn er im linken Gewand auftritt, führe stets zu einer Stärkung der extremen Rechten, sei mithin selbst rechts.
Die Linke ist aber nach Beck nicht nur populistisch, sondern noch dazu amorph, ungestaltet, sie verfügt laut Becks jüngster Analyse nicht einmal über ein Programm. Letztere Annahme ist zwar falsch, verdankt Die Linke sich doch vollständig programmatischen Grundannahmen. Aber sie erlaubt Beck, jene Angst wiederzubeleben, die schon einmal und leider grundlos nach dem Einzug der Grünen in den Bundestag auch die SPD ergriffen hatte. Es ist die Angst vor dem Unvorhersehbaren, vor der Normabweichung. Im Gegensatz zur "sogenannten" Linken, so könnte man Becks Argumentation zusammenfassen, zeichnet sich die mit Recht links genannte Linke durch allseitige stabile Berechenbarkeit aus. Und die kann niemand anders sein als unsere vertraute SPD.

taz 29.01.08
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/
1/die-sogenannte-linke/?src=HL&cHash=8ad6e85da9

Anmerkung: Daß das staatlich geförderte Wortgestotter „so genannt“ nach zehn Jahren Reform wieder mühsam aus den Köpfen und Schreibprogrammen der jüngeren Generation verschwindet, ist gewiß kein Verdienst der „taz“ – und ebensowenig von Kurt Beck, dem nun dieser „schöne Begriff ‚sogenannt’“ wieder zur Verfügung steht: „Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hält den jahrelangen Streit über die Rechtschreibreform für nicht mehr zeitgemäß.“ (ap 30.3.06) – Deswegen hatte sich seine Kultusministerin Doris Ahnen, „ gegen eine Volksabstimmung im Streit um die Rechtschreibreform ausgesprochen. In der ARD sagte Ahnen, die Mehrzahl der Bürger hätte andere Sorgen.“(dpa 09.08.04) Auch Demokratie ist für die Riege der „senilen Jusos“ nicht zeitgemäß – wenn das Volk nicht will wie sie.

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Sigmar Salzburg
19.03.2007 17.40
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Nur eine Handvoll

Spur führt in die Duden-Redaktion

betr.: „Elite-Universität wird Spitzel-Hochschule“, taz vom 14. 3. 07

Günther Beckstein lässt in den Unis nach Terroristen schnüffeln, weil die anscheinend so intelligent sind und deshalb einen bayerischen Hochschulabschluss haben müssen. Hauptindiz ist laut Beckstein, dass in einer Botschaft die Terroristen sogar die neue Rechtschreibreform richtig umgesetzt haben. Damit reduziert sich die Zielgruppe auf maximal eine Handvoll Menschen. Denn diejenigen Exoten, die die neue Rechtschreibreform wirklich richtig anwenden, sollten nicht schwer zu finden sein. Wahrscheinlich aber nicht an Bayerns Unis, eher schon in der Duden-Redaktion.
NORBERT TURULSKI, Kempten

taz vom 19.3.2007, S. 12, 12 Z. (LeserInnenbrief)

http://www.taz.de/pt/2007/03/19/a0139.1/text

Auch die taz bzw. ihr Leser verwendet die „neueste“ Rechtschreibung: Handvoll

Die alte „neue Rechtschreibung“ soll aber immer noch gültig sein:

Vom Selbstmordattentäter fand man noch eine Hand voll Sprengstoff.



– geändert durch Sigmar Salzburg am 20.03.2007, 08.41 –
__________________
Sigmar Salzburg

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Norbert Lindenthal
09.08.2006 05.32
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attackierte Rüttgers etwa die Rechtschreibreform

taz Die tageszeitung, 9.8.2006

Rüttgers mag Aktivurlaub

Ministerpräsident Rüttgers hat der Union einen Streit über Kapitalismus und Lebenslügen aufgezwungen. Forscher und Opposition: Rüttgers sucht Profil



Rüttgers' Einlassungen in der parlamentarischen Sommerpause sind ein wiederkehrendes Phänomen in jeder Ferienzeit. Seit der Ex-„Zukunftsminister“ von Helmut Kohl Anfang des Jahrzehnts in die nordrhein-westfälische Landespolitik wechselte, meldet er sich mit hochsommerlichen Ideen. Im Jahr 2000 attackierte Rüttgers etwa die Rechtschreibreform, 2001 warnte der damalige Oppositionsführer vor einer „neuen Welle von Gastarbeitern“. 2004 erfand er den Plan für eine „Generalrevision“ von Hartz IV.

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Detlef Lindenthal
01.03.2006 00.10
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Das Aufregerthema ist längst keines mehr
Deutschlehrer sehen die Windungen und Wendungen der Rechtschreibreform im Schulalltag gelassen


BERLIN taz Lehrer wie Christine Müller winken ab, wenn sie nach Rechtschreibreform gefragt werden. „Diese Diskussion ist in den Schulen lange vorbei“, berichtet die Deutschlehrerin aus Gelsenkirchen, „nur das Feuilleton kämpft noch.“

Kein Wunder, dass für die 37-jährige Pädagogin das angebliche Aufregerthema längst keines mehr ist. Den letzten Abijahrgang, den sie selbst von alter auf neue Rechtschreibung umlernen musste, hat sie vor zwei Jahren verabschiedet. Im schulischen Alltag an ihrem Leibniz-Gymnasium spielt Rechtschreibung ohnehin eine untergeordnete Rolle. „Diktate sind zur Leistungsüberprüfung nicht mehr zulässig“, sagt sie, „uns ist kommunikative Kompetenz wichtiger, als Schreibfehler zu kontrollieren.“

Die gestern übergebenen Änderung der Änderung der alten Rechtschreibung dürfte die eingekehrte Ruhe an Deutschlands Schulen nicht stören. „Am Ende der Woche wird auch bei den Kultusministern Frieden herrschen“, prophezeit Rudolf Hoberg, Linguist in Darmstadt und Präsident der Gesellschaft für die Deutsche Sprache. Denn dann werden auch die Zögerer, Bayern und Nordrhein-Westfalen, die Rechtschreibung voll unterzeichnen. Auch für diese beiden Länder endet dann endgültig die Übergangsfrist, in der Alt- und Neuschreib nebeneinander stehen konnten – ohne im Unterricht als Fehler rot markiert und bewertet zu werden.

Professor Hoberg gehörte dem Rechtschreibrat an, der gestern seine Änderungsvorschläge an die Kultusministerkonferenz zwecks finaler Beschlussfassung überreichte. Hoberg verweist gern darauf, dass die Rechtschreibreform nur 2 Prozent des Wortschatzes betraf – wobei acht von zehn Neuerungen auf das Konto der Doppel-s/scharfes-ß-Frage gegangen sei. Der Schreibrat hat nun aber beim Getrennt- und Zusammenschreiben die Reform deutlich korrigiert.

Mancher Lehrer ist darüber froh. Denn gerade die Trennungen in der deutschen Spezialdisziplin der Bandwurmwörter hatte den Schülern Probleme bereitet. Wenn die Lehrer erst einmal sehen, welch re-reformiertes Trennwerk nun auf sie zukommt, werden sie ihr frohes Urteil womöglich wieder zurücknehmen.

CHRISTIAN FÜLLER

taz vom 28.2.2006, S. 2, 83 Z. (TAZ-Bericht), CHRISTIAN FÜLLER<<
http://www.taz.de/pt/2006/02/28/a0088.1/text

________

Was gilt denn nun: Sehen die Deutschlehrer den RS-Hickhack gelassen oder entnervt?
Vielleicht sollten die Lehrer sich untereinander auf eine gemeinsame Version einigen.
Lange Wörter bestehen immer aus gut erkennbaren Teilwörtern, zwischen denen ohne irgendwelche Schwierigkeiten getrennt werden kann.

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Detlef Lindenthal

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27.07.2005 05.58
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„Word“ wird’s schon richten

Die große Rechtschreibreform war überflüssig. Die Schüler wären auch mit den alten Regeln weiter zurechtgekommen. Und als Erwachsene schreiben sie sowieso anders – nämlich wie Microsoft will
VON GERT G. WAGNER

Wenn Schüler keine Noten in Rechtschreibung bekämen, wäre die Sache mit der Orthografie ganz einfach: Für Millionen von Menschen sind im Alltag die gültigen Rechtschreibregeln schlicht und einfach diejenigen, die der automatischen Rechtschreibprüfung des Textverarbeitungsprogramms „Word“ zugrunde liegen. Was „Word“ nicht moniert, wird akzeptiert. Dies gilt auch für professionelle Handwerker des Schreibens – vermutlich nicht nur für den Autor dieses Artikels.

Wer „Word“ benutzt, muss sich keine Gedanken machen, in welchen Fällen man „ss“ schreibt und in welchen "ß". Auch das Auseinander-Schreiben von Worten ist kein Problem: „Word“ motzt – oder auch nicht.

Über die Probleme, die der Rat für Rechtschreibung noch wälzt, muss man sich im Alltag des Schreibens keinen Kopf machen: also Getrennt- und Zusammenschreibung („kennen lernen/kennenlernen“) und Silbentrennung („A-bend/Abend“). Und erst recht nicht bei der Zeichensetzung (freiwilliges Komma bei Infinitiv sowie bei mit „und“ verbundenen Sätzen). Hier darf im Moment sowieso Toleranz geübt werden: Jeweils beide Versionen sind zulässig. Am besten wäre, wenn dies auf Dauer so bliebe.

Für nahezu alle Schreiber ist die Rechtschreibung nur ein Instrument, um das man sich nicht weiter kümmert, solange es funktioniert. Insofern besteht eigentlich nie ein Anlass für eine offizielle Rechtschreibreform. Denn im Alltag entwickelt sich mit der gesprochenen und geschriebenen Sprache auch die Rechtschreibung allmählich weiter. Vornehmer ausgedrückt: Sprache und Rechtschreibung entwickeln sich evolutionär. Dabei ist es – so lehrt die Erfahrung – unvermeidbar, dass im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten auch innerhalb desselben Kulturkreises die gesprochene und geschriebene Sprache sich kräftig verändert und es Mühe macht, entsprechend alte Texte zu lesen. Realistisch betrachtet: Seitdem Zeitungen nicht mehr gesetzt und von spezialisierten Korrekturlesern auf Orthografie geprüft werden (das machen heute mit Ausnahme der taz die Redakteure zusammen mit dem Computer), hat die ästhetische Bedeutung der Rechtschreibung im Alltag faktisch nachgelassen. Ob man will oder nicht (im Übrigen wird auch nur noch selten so gut sprachlich redigiert wie bei der taz).

Diesen „Kulturverfall“ – wenn er denn einer sein sollte – hält keine Rechtschreibkommission auf. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass Rechtschreibräte die Neigung haben, von oben herab (top down, wie man heute gerne sagt) das Tempo der Rechtschreibentwicklung unnötig zu beschleunigen – und damit nicht nur den „Kulturverfall“, sondern auch Probleme bei Schülern und vor allem Lehrern.

Eine Sprache gehört sicherlich zu einem bestimmten Kulturkreis dazu. Aber sie ist trotzdem nur ein Instrument und folgt – in die Zukunft gerichtet – keinem höheren Ziel. Zumal die Sprachwissenschaft – zumindest bislang – nicht sagen kann, welche Rechtschreibung uns wirklich leichter fällt. Insofern sind alle Regeln, die Schreibräte für Schulen vorgeben, völlig normativ, also willkürlich. Solange wir uns – unter freundlicher Mithilfe der von „Word“ gesetzten Regeln – verständigen können, funktioniert die Rechtschreibung offensichtlich. Die große Rechtschreibreform war überflüssig. Die Schüler wären auch mit den alten Regeln weiter zurechtgekommen. Als Erwachsene schreiben sie sowieso anders – nämlich wie WORD es will.

Mit dem Aussetzen der Reform durch die großen Länder Bayern und NRW ist die Situation jetzt auf den ersten Blick grotesk. Immerhin führt sie aber – vom Rechtschreibrat nicht gewollt – zu mehr Liberalität: Alte und neue Regeln gelten weiterhin. Warum lassen wir es nicht dabei und machen den „Schwebezustand“ permanent? Zumal sogar in Österreich, das die Reform scheinbar durchzieht, Lehrer bei einigen Regeln auch im neuen Schuljahr weiterhin Toleranz walten lassen. Die alten Schreibweisen sind für Schüler genauso richtig wie die neuen.

Wenn die alten und neuen Regeln parallel gelten, wird auch die Mobilität von Schülern und Eltern zwischen Bundesländern nicht behindert. Lediglich die Lehrer müssen mehr Regeln als in der Vergangenheit beherrschen. Zumal die Behörden zwar verpflichtet sind, mit dem 1. August 2005 auf die neue Rechtschreibung umzustellen. Tun sie dies aber nicht, hat das freilich keine Auswirkungen: Auch Bescheide mit Rechtschreibfehlern sind voll und ganz gültig.

Prof. Gert G. Wagner lehrt Volkswirtschaft an der Technischen Universität Berlin und ist Mitglied im Wissenschaftsrat.

taz Nr. 7725 vom 26.7.2005, Seite 12, 154 Zeilen (Kommentar), GERT G. WAGNER

http://www.taz.de/pt/2005/07/26/a0114.nf/text.ges,1

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19.07.2005 07.47
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>>RECHTSCHREIBUNG
Berlin pocht auf Schreibreform
Der rot-rote Senat hat das Ausscheren mehrerer Unionsländer aus der für Anfang August geplanten verbindlichen Einführung der Rechtschreibreform kritisiert. Berlin bleibe „selbstverständlich“ bei dem Beschluss, den die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am 23. Juni „für alle verbindlich“ getroffen habe, sagte ein Senatssprecher der taz. Wenn solche Beschlüsse nicht geachtet würden, sei „Politik gar nichts mehr wert“. Scharfe Kritik an dem Vorstoß Bayerns und Nordrhein-Westfalens hatte zuvor bereits der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck geäußert: „Offenbar ist die Union gegen alles, sogar gegen sich selbst“, sagte der SPD-Politiker am Samstag auf dem Parteitag der rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten in Mainz. AFP, TAZ <<

http://www.taz.de/pt/2005/07/18/a0212.nf/text.ges,1

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18.07.2005 20.33
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Die Rechtschreibung ist abgeschafft

>>DER NEUE STREIT UM DIE RECHTSCHREIBUNG MACHT DAS CHAOS NUR PERFEKT
Die Rechtschreibung ist abgeschafft
Der Schritt der drei Unionsländer Bayern, Nordrheinwestfalen und Niedersachsen scheint zunächst plausibel. Wenn die Rechtschreibreform ohnehin noch einmal abgeändert werden soll, warum dann die Eile, sie schon am 1. August für verbindlich zu erklären? Ganz einfach: Weil die Regeln schon seit 1998 an Deutschlands Schulen gelehrt werden. Anders als die Reformgegner glauben machen, droht mit dem kommenden Schuljahr keineswegs eine Revolution. Es wird nur festgeschrieben, woran die Schüler längst gewohnt sind. Auch wenn es manche älteren Herren nicht glauben wollen, die sich an die neue Schreibweise nicht mehr gewöhnen mögen oder im Reformstopp schlicht ein probates Wahlkampfinstrument erblicken.

Nun werfen sich die Konfliktparteien gegenseitig vor, das Chaos bei der Rechtschreibreform noch zu vergrößern. Das ist absurd, denn größer als bisher kann das Chaos gar nicht mehr werden. Mit der Reform wurde de facto nicht eine neue Schreibweise eingeführt, es wurde vielmehr die verbindliche Rechtschreibung generell abgeschafft. Ohne den öffentlichen Aufruhr hätten sich die neuen Regeln, wie es in den Niederlanden mit einer radikalen Reform einst gelangt [hä?], vielleicht im Lauf von Jahren oder Jahrzehnten durchgesetzt. Jetzt aber fühlen sich die Reformverweigerer von maßgeblichen Teilen der Politik unterstützt. Mit der Folge, dass jeder nach eigenem Gusto schreibt. Längst gibt es nicht nur alte und neue Schreibweise, sondern auch alle erdenklichen Zwischenstufen – das gilt auch in den Medien.

Im Zeitalter des Internets mag es höchst misslich sein, wenn man bei Google stets verschiedene Schreibweisen durchprobieren muss. Aber damit kann man leben. In ganz vielen Bereichen, vom Föderalismus bis zum Steuerrecht, ist Deutschland längst das chaotischste Land Europas. Vielleicht ist es das schon immer gewesen, und die bisweilen überbordende Ordnungswut der Deutschen diente bloß dazu, die als beunruhigend empfundene Vielgestaltigkeit zu bändigen. Zumindest bei der Rechtschreibung ist dieser Versuch endgültig gescheitert. RALPH BOLLMANN

taz Nr. 7718 vom 18.7.2005, Seite 11, 46 Zeilen (Kommentar)<<
http://www.taz.de/pt/2005/07/18/a0160.nf/text.ges,1

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Dominik Schumacher
04.10.2004 21.57
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taz Die Tageszeitung

4.10.2004

Bayern will mehr Stimmen in Kultuskonferenz

Niedersachsen kündigt heute die Kultusministerkonferenz – damit die sich reformiert. Auch Bayern und Nordrhein-Westfalen sind von der KMK genervt. Sie aber wünschen ihr mehr Kompetenzen – und mehr Stimmen für sich

BERLIN taz Die Zukunft der Konferenz der Kultusminister ist bedeutender, als es sich KMK-Rebell Christian Wulff zu träumen wagt. Während Niedersachsens Ministerpräsident heute sein Kabinett über den Ausstieg beschließen lässt, wissen andere, wo der Hase hinlaufen soll. „Die KMK wird mehr Aufgaben bekommen“, sagte der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) über das Gremium, das Abstimmungen unter den Ländern in der Schul- und Hochschulpolitik organisiert.

Goppel sagte der taz weiter, es sei bei einer Reform des Einstimmigkeitsprinzips zu klären, „ob künftig die Einwohnerzahl der Länder berücksichtigt wird“. Das hieße, dass – ähnlich wie beim Bundesrat – Länder wie Bayern und Nordrhein-Westfalen mehr Stimmengewicht erhielten.

Bayerns Wissenschaftsminister zeigte sich damit offen für eine Veränderung des als lähmend empfundenen Konsensmodells unter den Kultusministern. Der größere Einfluss für bevölkerungsreiche Länder soll gleichzeitig verhindern, „dass Zufallsmehrheiten entstehen“.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Ute Schäfers (SPD) Äußerungen zielen in die gleiche Richtung. Wenn in der KMK nach Mehrheiten entschieden würde, fühle sich das einwohnerstärkste Land nicht daran gebunden. „Wir würden solche Beschlüsse nicht umsetzen. Das würden wir nie tun“, sagte Schäfer der taz.

Die Schulministerin wies darauf hin, dass sich vieles von der Kritik an Bürokratismus und Föderalismus „auf die KMK konzentriert“. Für sie gelte aber nach Pisa und in Zeiten der Föderalismus-Kommission das Motto: „Nie war die KMK so wertvoll wie heute!“ Genau wie Bayerns Wissenschaftsminister Goppel sieht Schäfer die Notwendigkeit, „mehr klare Vereinbarungen über Ländergrenzen hinweg zu schließen“.

Wenn das niedersächsische Kabinett heute die Kündigung des KMK-Vertrags beschließt, handelt es sich dabei lediglich um ein Abkommen über das Sekretariat der Kultusministerkonferenz. Wird es durch ein Land gekündigt, muss binnen einem Jahr eine neue Geschäftsgrundlage gefunden werden. „Das ist die effektivste Methode“, hieß es in der Landesregierung, „die Reform der KMK zu beschleunigen.“ Für Niedersachsen „ist das Einstimmigkeitsprinzip Teil des Problems der KMK“. Das Land werde darauf drängen, Einstimmigkeit nur in Fragen aufrecht zu erhalten, die unmittelbar in die Kulturhoheit der Länder eingreifen.

Einer der bedeutendsten Föderalismusexperten warnte unterdessen gegenüber der taz davor, den Einstimmigkeitszwang der Kultusminister abschaffen zu wollen. „Dann müsste man die Verfassung ändern, um Bildung zum Hoheitsbereich eines neues Organs zu machen“, sagte der ehemalige Bundesratsdirektor Georg-Berndt Oschatz. „Im Grunde würde man Schulfragen damit aber zentralisieren – das heißt: Es geht nicht.“

Oschatz empfahl, die KMK nicht mehr mit der Anerkennung von Abschlüssen wie dem Abitur zu belasten. Stattdessen sollten die Hochschulen selbst entscheiden, wen sie immatrikulieren wollen. " CHRISTIAN FÜLLER

taz Nr. 7479 vom 5.10.2004, Seite 8, 103 Zeilen (TAZ-Bericht), CHRISTIAN FÜLLER

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Norbert Lindenthal
21.08.2004 13.26
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Die Tageszeitung



21.8.2004

Zu Sprache kommen

Gegen das Gerede um die Rechtschreibreform, für eine großzügige Sprachidentität: Die Schriftstellerin
Marlene Streeruwitz fordert in einem Manifest Österreichisch als eigene Sprache. In diesem Text erläutert sie, warum

Im Sommerloch. Jedes Jahr. Da werden die eigentlichen Nöte zur Sprache gebracht. Im vorigen Jahr waren es die Ängste der Männer im Feuilleton der FAZ, dass die Frauen es ihnen in den Medien aus der Hand winden. Heuer wirft sich alles gegen die drohende Rechtschreibung in den Sturm. Reich-Ranicki schnippt und alle Autoren und Autorinnen wollen Tollpatsch das zweite l wieder nehmen und nur noch kleinschreiben, dass es ihnen Leid tut.

Eine Debatte in Deutschland. Irrational. Irgendeine Form von Ekel wird da ausgedrückt. An der Rechtschreibung. Ist das gegen Vor-Schriften allgemein. Ist das ein Armdrücken Medien gegen Politik. Kommt das aus dem bizarren Konstrukt Alltagsverstand und möchte nur lesen, wie bei einem Thomas Mann Text ausgesehen hat. Beim ersten Lesen. Ein Fetisch. Der hätte wiederum mit dem Mutterbild zu tun. Aber so tief verborgen, dass es den Verlangern nach Altem und Unverändertem nicht klar werden will. Und dann sind da noch die Reformen davor. Wie steht es damit. Oder ist das Wort „Reform“ als neoliberale Hülse für Niedermachen und Outsourcen so umfassend missbrauchbar, dass das auratische Feuilleton Ministerpräsidenten mitreißen kann. Im Kampf gegen die Reform als Vorschrift. Wird dieses Beispiel Schule machen und damit die Schule nicht mehr erreichen. Und was ist mit den armen Lämmern, die reformiert schreiben können und ab nächstem Jahr dann müssen. Glaubenskriege sind das. Und wie Glaubenskriege immer schöne Möglichkeiten, die Macht neu zu behaupten und zu formieren. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Hier. In Österreich. Da wird mitdiskutiert. Da wird mitunterschrieben Auf den Reich-Ranickischen Listen. Da werden absurde Koalitionen eingegangen. Linke AutorInnen auf rechten Feuilletonseiten. Tja. Als poetische Intervention schlage ich da den Ausstieg aus dem Deutschen vor. Österreichisch ist eine eigene Sprache. Und sollte sich so auch selbst behandeln. Das würde eine Erweiterung der Identitäten ergeben. Das würde für die Minderheitensprachen in Österreich die entsprechenden Übersetzungen ergeben. Das würde für das nun vorgeschriebene Deutschlernen von Migranten und Migrantinnen bedeuten, dass sie die Sprache lernen, die sie dann auch sprechen müssen. Vielfalt also. Ein großzügiger Umgang mit der Sprechidentität. Verstehen würden wir einander ja noch lange. Im österreichischen Wörterbuch wären dann die Germanismen verzeichnet und nicht wie jetzt im deutschen Duden nur die Austriazismen. Wie gesagt. Vielfalt und die Nähe zum Sprachgebrauch. Das wäre ein Vorteil für nicht bildungsprivilegierte Schichten. Zu Sprache kommen und dann auch sprechen können.

Der EU gegenüber hat Österreich bisher 23 Vokabeln als österreichisch eintragen lassen. Eine Speisekartenlänge ist das. Pfifferling wird als Eierschwammerl übersetzt. Und alle möglichen Fleischsorten. Mager.

Die Regierung ist natürlich dagegen. Der Bildungssprecher der ÖVP sieht keine Notwendigkeit für Österreichisch als Staatssprache. Ein wunderbarer Widerspruch ist das. Ein Staat ohne Sprache. Zwar sollte man oder frau Schulterschlüsse gegen das böse Ausland schließen, aber das in der Sprache dieses Auslands. Ich denke, das alles kommt aus einer Abwehr dieses Österreichischen. Ich denke, dass alle insgeheim annehmen, dass in diesem Österreichisch das Allerschlimmste verborgen ist und dass das in einer Diskussion zum Vorschein kommen wird. Dass vermutet wird, dass im Österreichischen das Nazidenken zu Hause ist und dass man das nicht zugeben muss, solange man das dann Deutsch nennt. Einmal tritt also die Rechte internationalistisch auf. Quasiinternationalistisch. Haider sieht sich ja ohnehin als der eigentliche Bewahrer des Deutschen an. Des durch keine Schuldeinbekenntnisse reineren Deutschen. Österreichisch ist also vor der Rechten gefeit.

Im Gegenteil. Wenn etwas das Besprechen von Geschichte verhindert hat, dann waren es diese verschiedenen Laden von Deutsch und Österreichisch. Und immer konnten die Inhalte zwischen diesen Laden hin- und hergeschoben werden. Verschoben. Versteckt. Um der hiesigen Verdrängungsbrutalität hinter der hiesigen Harmoniesehnsucht zur Erfüllung zu verhelfen.

Und sonst. Es wäre sozialer. Es wäre vielfältiger. Es wäre politischer. Und es ist eine Intervention. Um aus dieser biestigen, aufgeladenen Rechtschreibreform herauszukommen. Die erledigt doch der Computer.

MARLENE STREERUWITZ

taz Nr. 7441 vom 21.8.2004, Seite 20, 149 Zeilen (Kommentar), MARLENE STREERUWITZ

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Norbert Lindenthal
12.08.2004 07.36
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taz Die Tageszeitung

12.8.2004

Ja zur kleinschreibung sagen:

Elfriede Jelinek, schriftstellerin:

„ich habe das damals gemacht, um die hierarchie der wörter aufzuheben – diese idee, dass ein substantiv mehr wert sein soll als ein verb. das stand natürlich in der tradition der wiener gruppe, und die war wiederum vom dadaismus geprägt.

ich würde es auch heute wieder tun, wenn ich es bei einem text für nötig halten würde.

ich bin davon aber wieder abgekommen, weil ich der meinung bin, dass es nichts bringt und auch die lesbarkeit nicht erleichtert. ich halte deshalb auch nichts davon, es zur regel zu erheben.“

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Detlef Lindenthal
11.08.2004 15.07
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Die taz verläßt die RS„R“

FTD meldet:
>>Die „Tageszeitung“ (taz) kündigte an, dass[!!] Blatt werde an diesem Donnerstag komplett in Kleinschreibung erscheinen. Groß geschrieben werden nur der Satzanfang und Eigennamen. „Diese sanfte Vereinfachung ist weltweit bewährt und kann auch uns Deutschen die Konzentration auf das Wesentliche erleichtern: die Inhalte“, sagte der stellvertretende Chefredakteur Peter Unfried. Die „taz“ ermuntere speziell die Verlage, die die Rückkehr zur alten Rechtschreibung angekündigt oder bereits vollzogen haben, diesem Beispiel
zu folgen. <<

http://www.ftd.de/tm/me/1092171042055.html
__________________
Detlef Lindenthal

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Norbert Lindenthal
09.08.2004 05.50
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taz Die Tageszeitung

9.8.2004

christoph schultheis

Mit Pauken und Trompeten

Die Medienallianz zum Thema Rechtschreibung hinterlässt ein mulmiges Gefühl

Mein Fluchtkoffer ist gepackt. Ich weiß, das ist übertrieben, aber seit an einem 11. September zwei Flugzeuge in zwei New Yorker Hochhäuser flogen, war ich über eine Nachricht nicht mehr so erschüttert wie kürzlich am 6. August etwa zur selben Tageszeit, als Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlags, erklärten, die von ihnen verantworteten Printmedien werden dem Beispiel der von Frank Schirrmacher u. a. herausgebenen FAZ folgen und ebenso wie die Süddeutsche Zeitung baldmöglichst zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Dass der Vergleich hinkt, weiß ich auch. Dafür kann ich nichts. Es war so. Und es ist nicht so, dass mir an einer wie auch immer gearteten Rechtschreibung sonderlich viel liegt. Womöglich steht der Fluchtkoffer sogar schon länger da, und ich hab mich nur vergewissert, dass das Haltbarkeitsdaten von Notration und Reisepass noch nicht abgelaufen ist, die lange Unterhose noch nicht komplett mottenzerfressen.

Aber der „Paukenschlag“ (Bild) vom 6. August, die Medienallianz in ihrer ausgesprochenen Deutlichkeit also, will mir so schnell nicht aus dem Kopf. „Wir“ haben sie gesagt, „wir“, „wir“, „wir“: „Wenn FAZ, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Welt und Bild einer Meinung sind, dann muß es ein wirklich übergeordnetes Interesse geben. Das ist hier der Fall“, hat Springer-Chef Döpfner dann gestern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt. Und es wäre albern, daran zu zweifeln. Der Mathias, der Stefan und der Frank werden schon wissen, was sie tun. Die großen Jungs aus der Nachbarschaft wussten das schließlich auch, wenn sie sich früher manchmal im Geräteschuppen trafen und ihn alsbald rotwangig wieder verließen.

Andererseits: Was Zeitungen und Zeitschriften machen, ist ihre Sache. Solange sie sich dabei an Gesetze, Sitte, Anstand und den Pressekodex halten, können sie machen, was sie wollen – sogar Kampagnen. Und dass die nicht nur aus einseitigen Schlagzeilen und Infos bestehen, ist auch nicht neu: Solange es die DDR gab, schrieb die Springer-Presse sie in „Gänsefüßchen“, 1999 verzichtete die taz für eine Abo-Kampagne mal auf den Buchstaben „z“, dass die Welt 2001 mal ihre Titelseite für eine Werbekampagne hergab und AOL-blau einfärbte, war auch ein Statement zwischen den Zeilen.

Da ist die Entscheidung von Spiegel, Bild, SZ & Co., künftig auf manches Doppel-„s“ zu verzichten, um ihren Unmut über die neue Rechtschreibung vermittels alter Schreibung quasi in jedem Text jedweden Themas in die Welt zu trompeten, ähnlich originell. Bleibt nur die Frage, mit wie viel „f“ ich meine Passage ins Exil nach Übersee im Reisetagebuch notieren werde.

taz Nr. 7430 vom 9.8.2004, Seite 17, 92 Zeilen (Kommentar), Christoph Schultheis

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Norbert Lindenthal
07.08.2004 03.13
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taz Die Tageszeitung

7.8.2004

Nachfolgende Generationen gerettet!
„Bild“ und „Spiegel“ ab sofort in alter Rechtschreibung

HAMBURG dpa Deutschlands größte Boulevardzeitung Bild und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel kehren wie alle anderen Publikationen der beiden Verlage Axel Springer und Spiegel zur alten Rechtschreibung zurück. Ziel dieser Maßnahme sei die Wiederherstellung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung, kündigten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung am Freitag an. Die Reform führe zu wachsender Verunsicherung in der Bevölkerung über die Schreibweisen, hieß es zur Begründung. Weiter: „Aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen empfehlen wir auch anderen die Beendigung der staatlich verordneten Legasthenie und die Rückkehr zur klassischen deutschen Rechtschreibung.“

Die technische Umsetzung in den gedruckten sowie den Online-Ausgaben solle „schnellstmöglich“ erfolgen. Die Verlage appellierten an andere Medienunternehmen sowie an die Nachrichtenagenturen, sich diesem Schritt anzuschließen.

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Norbert Lindenthal
07.08.2004 03.10
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taz Die Tageszeitung

7.8.2004

rechtschreibreform

Auf Komma komm raus

Die Mehrheit der Deutschen wisse, dass Reformen unausweichlich seien, schrieb der Schriftsteller Peter Schneider kürzlich im Spiegel. „Aber sobald eine noch so bescheidene Korrektur auf den Weg gebracht wird, zerfällt die eben noch kompakte Mehrheit in lamentierende Lobbys und Interessengruppen, die sich nur in einem einig sind: im Blockieren.“ An solche Sätze muss man denken, liest man die Ankündigung, der Springer Verlag und der Spiegel wollten zur alten Rechtschreibung zurückkehren.

KOMMENTAR
VON DANIEL BAX

Es ist schon erstaunlich: Ausgerechnet die Medien, die seit Wochen die „Reformunfähigkeit“ in Deutschland beklagen und gegen den „Reformstau“ zu Felde ziehen, legen sich jetzt quer. Man könnte auch sagen: Kaum sind sie selbst von einer Reform betroffen, regiert der konservative Reflex. Oder, wie Peter Schneider es formulierte, das Sankt-Florians-Prinzip: Verschon unser Haus, zünd andere an!

Dabei geht es natürlich um weit mehr als nur um die Frage, ob man „Schifffahrt“ künftig mit zwei oder drei f schreibt oder ob man nicht einfach beide Varianten zulässt: Es geht um eine Machtprobe. Man wolle sich nicht von ein paar wild gewordenen Bürokraten die Orthografie diktieren lassen, lautet ein beliebtes Argument der Reformgegner aus allen politischen Lagern. Abgesehen davon, dass dies ein populistischer, antidemokratischer Reflex ist: Möchte man sich die Rechtschreibregeln künftig lieber von dreien der größten Verlagshäuser des Landes diktieren lassen? Denn die wollen jetzt die Reform zu Fall bringen, auf Komma komm raus.

Unverkennbar geht die gemeinsame Initiative von Spiegel und Springer Verlag dabei auf ein Männerbündnis von Springer-Chef Mathias Döpfner und dem Spiegel-Autokraten Stefan Aust zurück, mit FAZ-Chef Frank Schirrmacher in der Rolle des lachenden Dritten: Seine Zeitung ist schon vor Jahren als erste zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt.

Das kommt also dabei heraus, wenn sich die mächtigsten Medienmänner des Landes besser verstehen, als es einer demokratischen Öffentlichkeit gut tut. Jubeln können jetzt allenfalls alle Ewiggestrigen: die, die schon aus Prinzip gegen jede Veränderung oder gar Liberalisierung bestehender Regeln sind. Die Leidtragenden sind andere: die Schülerinnen und Schüler, die schon seit Jahren nach den neuen Regeln lesen und schreiben lernen.

taz Nr. 7429 vom 7.8.2004, Seite 1, 81 Zeilen (Kommentar), DANIEL BAX, 

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