Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen
faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 5 Seiten lang:    1  2   3  4  5  Post New Thread     Post A Reply
Sigmar Salzburg
25.02.2015 23.23
Diesen Beitrag ansteuern
Rechtschreibschwäche

Offna Briev ann Minista
Die Bättle um die Rechtschreibung in Mecklenburg-Vorpommern muss aufhören.

Hilferuf eines Drittklässlers.

25.02.2015, von Nick, 3b

Halo Herr Brotkorb fon der Konfärenz der Kulturminista – Frau Prochnow hat gesagt das unsre Glasse gans schlescht in Räschdschreibung is. Das is totaal umpfair weil wir uhns wirklich fiel Müe gebn die Wörta richtig zum schreiben. Neulich hat der Tim zum Ben gesagt du bist ein Luser weil du im Diktat siebzich Fehla hast. War alles voll rot angestrichn. Normal schreibn wir nie ein Dicktat. Da hat der Ben dem Tim eine geschäuert und alle Medchen haben blos blöd gelacht. Da hat der Ben erst recht ne Wut gekrigt und is auf Lily und Neele los die wie blöd geschrien ham. Jetz ham alle eine Strahfaufgabe auf blos wegn dem Zickngriech. Die Prochnow hat gesagt das kommt von dem weil wir so schreim wie wir redn und das das jetz alles anderst werden muss sonst wird das nie was. Sie sagt das wir peschtimmd nich aufs Gümnasium kommn wenn wir so schreibn. Mir is das egal aber Tim will unbedingt hin weil er mal Mänedscha werden will. Wär echt gut wenn ihr eine Idee habt das das ewige Gebättel auvhörd. Tschüss aus Mäklenburch.

faz.net 25.2.2015

Siehe auch hier und da und da und dort.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
25.10.2014 11.40
Diesen Beitrag ansteuern
FAZ zurück zur normaldeutschen Rechtschreibung?

Historisches E-Paper: 25.10.1914

Haß

Deutschland – im Fadenkreuz internationalen Hasses? Die Frankfurter Zeitung bewertet am 25. Oktober 1914 die internationale Stimmungslage gegenüber dem Kaiserreich.

[Bild]

In dieser Zeit da die apokalyptischen Reiter auf roten und schwarzen Rossen über unsere Erde hinbrausen, erleben wir mancherlei Offenbarungen. Wir haben in elf Wochen des Krieges mehr über uns selbst und die Welt erfahren als eine ganze Lebenszeit uns gelehrt hatte. Wir wußten vorher nicht, wir Deutsche, daß wir als Volk eine so fest geschlossene Einheit seien, wie es keine andere gibt...

faz.net 25.10.2014

Nein, es ist nur die Wiedergabe eines Textes der Vorläufer-Zeitung „Frankfurter Zeitung“ aus einer Zeit, als die deutsche Schreibeinheit erst zwölf Jahre alt war. Hundert Jahre hat diese Vollendung der deutschen Kulturrechtschreibung in deutschen Tageszeitungen überdauert, bevor auch die letzte der feige eingefädelten Reform-Erpressung der Kultusministermafia erlegen ist.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
24.09.2014 20.00
Diesen Beitrag ansteuern
Analphabetismus als geheimes Bildungsziel

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.09.2014

Schlechte Rechtschreibung: Analphabetismus als Ziel

Schlechte Rechtschreibung
Analphabetismus als geheimes Bildungsziel
Wenn etwas schwerfällt, bieten die Didaktiker Erleichterungen an. Doch wo alle Schwierigkeiten umgangen werden, herrscht die Praxis der Unbildung. Verlernen wir die Rechtschreibung?
24.09.2014, von KONRAD PAUL LIESSMANN

[Bild Dientstag, Ruhmsteak …]
© COVERPICTURE/RALF GOSCH
Schwere Küche, leichte Sprache – gratiniert ohne Bildungsballaststoffe

Es ist gespenstisch: Eine Mutter nutzt das Angebot der Grundschule ihrer Tochter zu einem Tag der offenen Tür und nimmt interessiert am Unterricht teil. Die junge, engagiert wirkende Lehrerin spricht über Tiere, fragt, welche Tiere die Kinder kennen, schreibt die Tierarten, die ihr zugerufen werden, an die Tafel. Und dann, die Mutter traut ihren Augen kaum, steht da, groß und deutlich: Tieger.

Und das Erstaunliche daran: Das war kein Fauxpas, keine einmalige Fehlleistung, wie sie vorkommen kann, sondern hatte System, war Konsequenz der Methode, mit der die junge Lehrerin selbst schreiben gelernt hatte: nach dem Gehör! Schreiben, wie man spricht, ohne dabei korrigiert zu werden – das könnte die Kinder traumatisieren –, wird schon seit geraumer Zeit praktiziert und zeitigt nun seine sichtbaren Erfolge: das Ende der Orthographie.

Volkskrankheit Analphabetismus
Die durch die unglückselige und misslungene Rechtschreibreform provozierte Unsicherheit und Gleichgültigkeit allen Fragen eines korrekten Sprachgebrauchs gegenüber wird durch eine Didaktik verstärkt, die den regelhaften Charakter unserer substantiellen Kulturtechniken systematisch verkennt und bekämpft. Jeder, wie er will, und wer gar nicht will, kann am Ende weder lesen noch schreiben.

Die Klage von Universitätslehrern, dass Studenten auch in Fächern, in denen der sprachlichen Formulierung besonderes Augenmerk zukommen sollte, weder die Rechtschreibung noch die Grammatik beherrschen und nicht mehr imstande sind, das einigermaßen präzise auszudrücken, was sie – vielleicht – sagen wollten, zeigt, dass solche Lockerheit im Erlernen der Kulturtechniken nicht folgenlos bleibt. Wenn als Konsequenz schulischen Unterrichts am Ende ein „Sprachnotstand an der Uni“ konstatiert werden muss, dann ist zu vermuten, dass es sich nicht nur um methodisch-didaktische Schwächen, sondern um eine grundlegende Entwicklung handelt, in der sich ein prekärer Einstellungswandel manifestiert.

Gegen Ende der Bildungslaufbahn eines jungen Menschen, so scheint es, fehlt es offensichtlich noch immer an fast allem. Analphabetismus ist längst keine Metapher mehr für eine Unbildung, die nur wenige am Rande der Gesellschaft betrifft, sondern der Skandal einer modernen Zivilisation schlechthin: dass junge Menschen nach Abschluss der Schulpflicht die grundlegenden Kulturtechniken nur unzureichend, manchmal gar nicht beherrschen.

Weg mit den verzichtbaren Privilegien
Natürlich ist nach jedem Schreib- oder Lesetest das Entsetzen groß, und der Ruf nach noch mehr Kompetenzorientierung, noch mehr individualisierter Didaktik, noch mehr modernen Unterrichtsmethoden, noch mehr Fehlertoleranz, noch mehr Einbezug von Laptops und Smartphones in den Unterricht wird lauter. Dass es gerade diese Forderungen und ihre Durchsetzung sind, die die Misere erst erzeugt haben, kommt auch den radikalsten Bildungsreformern nicht in den Sinn. Der Verdacht, dass man gezielt versucht, diesen Problemen zu entgehen, indem man die Niveaus neu definiert, für Schwächen euphemistische Umschreibungen findet und alles allen so einfach wie möglich macht, schleicht sich ein.

Neben der umstrittenen Methode, Schreiben nach dem Gehör zu lernen, zählt der Versuch, die Lesefähigkeit zu steigern, indem man die Texte drastisch vereinfacht, zu den problematischen Strategien einer umfassenden Praxis der Unbildung. Texte in „Leichter Sprache“, die schon von zahlreichen Ämtern aus nachvollziehbaren Motiven eingesetzt werden, um Menschen ohne ausreichende Sprachkenntnisse und geistig Behinderten den Zugang zu behördlichen Informationen zu erleichtern, wandeln sich unter der Hand zu einer neuen Norm, deren Regeln alsbald den durchschnittlichen Sprachstandard definieren könnten: „Kurze Wörter benutzen, sie gegebenenfalls teilen und mit Bindestrichen verbinden. Verboten sind lange Sätze, Passivkonstruktionen, Negationen, der Konjunktiv. Die Satzstruktur soll einfach sein, Nebensätze dürfen nur ausnahmsweise vorkommen, aber nie eingeschoben sein.“

Sprache, so suggerieren es diese Konzepte, dient nur der Übermittlung simpler Informationen. Dass in und mit Sprache gedacht und argumentiert, abgewogen und nuanciert, differenziert und artikuliert wird, dass es in einer Sprache so etwas wie Rhythmus, Stil, Schönheit und Komplexität als Sinn- und Bedeutungsträger gibt, wird schlicht unterschlagen oder als verzichtbares Privileg von Bildungseliten denunziert.

Die Reduktion auf das Funktionale
Dass durch solches Entgegenkommen, vor allem wenn es auch als Unterrichtsprinzip reüssieren sollte, Menschen systematisch daran gehindert werden, sich einer einigermaßen elaborierten Sprache bedienen zu können, dass sie dadurch von der literarischen Kultur ferngehalten werden, wird bei diesen wohlmeinenden Versuchen nicht weiter bedacht. Und selbst wenn man die Sprache unter pragmatischen Gesichtspunkten sehen und als „praktisches Bewusstsein“ deuten wollte – bedeutete eine stark vereinfachte Sprache nicht auch ein stark vereinfachtes Bewusstsein?

Die mit dem Standardargument der Zugangserleichterung zu abschreckenden Kulturtechniken allmählich durchgesetzte Tendenz, die zusammenhängende Schreibschrift abzuschaffen und durch eine unzusammenhängende Buchstabenschrift, eine leicht zu erwerbende „Grundschrift“, zu ersetzen, scheint genau dies im Sinne zu haben. Schon jetzt können Jugendliche, die in viel gelobten Laptop-, Notebook- oder Smartphone-Klassen unterrichtet werden, nicht mehr mit der Hand schreiben.

Dass dabei mehr verlorengeht als nur eine überholte Kulturtechnik, wissen alle, die sich näher mit dem Zusammenhang von Lesenlernen und Schreibenlernen, von Feinmotorik und Hirnentwicklung, von Kreativität und Freiheit beschäftigt haben. Auch hier wird die Reduktion auf das vordergründig Funktionale erkauft mit dem Verzicht auf Bedeutungsvielfalt und auf die Möglichkeit, souverän über unterschiedliche Techniken des Erzeugens und Lesens von Texten zu verfügen.

Systematische Sabotage
Ist der Prozess des Schreibens selbst kreativ, dann weiß man in dem Moment, in dem man den ersten Satz formuliert, nicht, wie der letzte Satz lauten könnte. Schreiben in diesem avancierten Sinn heißt nicht, Gedanken, Argumente, Überlegungen oder Theorien in eine angemessene sprachliche Form zu bringen, sondern im Vertrauen auf die mögliche Eigendynamik des Schreibens darauf zu bauen, dass aus dem Fortschreiben der Wörter die Gedanken und Ideen überhaupt erst entstehen. Die Voraussetzung dieses Vertrauens aber ist eine Freiheit, die den Schreibenden an keine Vorgaben bindet.

Was bedeutete dies für die Realität des Schreibunterrichts? Schreiben wird in der Regel unter pragmatischen Gesichtspunkten gesehen, bei denen es genau darum geht, bekannte Informationen oder andere Vorgaben textsorten- und adressatengerecht aufzubereiten. Eine der am weitesten verbreiteten Formen des Schreibens im Unterricht hat mit Schreiben im eigentlichen Sinn gar nichts mehr zu tun: das Ausfüllen und Ankreuzen.

Dass nicht nur im Sachunterricht, sondern auch im Sprachunterricht immer mehr mit Aufgaben gearbeitet wird, bei denen es nur noch darum geht, ein Wort einzusetzen, zu unterstreichen, zu ergänzen oder aus einer vorgegebenen Liste eine Auswahl zu treffen, mag zwar die eine oder andere Kompetenz schulen, der Prozess des Schreibens wird dadurch aber systematisch sabotiert.

Der Schreibprozess wird abgeschafft
Das gilt nicht nur für die Erarbeitung der Grundlagen, sondern setzt sich auch in der Sekundarstufe, ja an den Universitäten fort. Was dabei verlorengeht, ist letztlich die Fähigkeit, überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln, was es heißt, zusammenhängende Sätze zu bilden, die zumindest einer basalen Logik folgen. Dass an Universitäten bei Klausuren immer mehr Studenten erschrecken, wenn sie erfahren, dass sie Fragen oder Themen in vollständigen Sätzen beantworten oder behandeln sollen, zeigt dies nur allzu deutlich.

Die in Deutschland gültigen „Bildungsstandards im Fach Deutsch“ fordern zum Beispiel, dass die Schüler „Schreibstrategien anwenden“, ihr Wissen und ihre Argumente „darstellen“, komplexe Texte „zusammenfassen“ und Texte für unterschiedliche Medien „gestaltend schreiben“ können. Die an diesen Standards orientierten „Schreibaufträge“ zergliedern den Prozess des Schreibens in die Beantwortung von Fragen, die einzeln abgearbeitet werden müssen, und dort, wo eine eigene Position entwickelt werden soll, muss natürlich vorher ein „Schreibplan“ oder eine „Mindmap“ angelegt werden.

Die Aufgabenstellungen bei der schriftlichen Reifeprüfung im Fach Deutsch spiegeln diese Position wider. Da es ja darum geht, bestimmte Kompetenzen zu überprüfen, muss jede Aufgabe in einzeln abzuarbeitende Fragestellungen zerteilt werden, die einen natürlichen Schreibfluss, eine Entfaltung von Gedanken oder die Etablierung einer begrifflichen Ordnung als Resultat – nicht als Voraussetzung – des Schreibprozesses prinzipiell nicht mehr zulassen.

Ständige Kontrolle verwehrt das Eintauchen in den Text
Die Angst, dass bei einem frei gestellten Thema irgendetwas hingeschrieben wird, das sich jeder Überprüfbarkeit entzieht, war und ist sicher nicht unberechtigt. Der freie Aufsatz hatte seine Tücken. Aber deshalb jungen Menschen überhaupt die Möglichkeit zu verwehren, sich wenigstens hin und wieder dem Prozess des Schreibens überlassen zu können, um sich selbst mit einer Ordnung oder Unordnung ihrer Gedanken zu konfrontieren, die sich erst im Schreiben gebildet hat, kommt dem mutwilligen und fahrlässigen Verzicht auf eine zentrale Bildungserfahrung gleich.

Auch die Texte und Kontrollfragen, die etwa der Pisa-Test benutzt, um die Lesekompetenz zu überprüfen, verraten einen einseitigen und eingeschränkten Lesebegriff. Im Zuge der Bestimmung des Lesens als einer ständig zu überprüfenden Kompetenz geht die aktuelle Lesedidaktik dazu über, jeden Leseakt durch vermeintlich hilfreiche Kontroll- und Verständnisfragen zu stören und damit zu zerstören.

Wer ein aktuelles Lesebuch zur Hand nimmt, wird erstaunt sein über die ohnehin schon knappen Texte, die nach wenigen Absätzen schon durch Arbeitsaufträge, Kontrollfragen und Übungen unterbrochen sind. Wie soll ein Kind, ein junger Mensch unter diesen Bedingungen Lust am Lesen entwickeln, wie soll er lernen, sich der Dynamik des Lesens zu überlassen, in einen Text zu versinken, in den Sog des Geschriebenen zu geraten, wenn er alle paar Minuten über das Gelesene Rechenschaft ablegen, sich nach jedem Absatz überprüfen lassen muss?

Schreiben muss hart erlernt werden
Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der die Literatur und mit ihr das Buch das Leitmedium war, und die berechtigte Klage über den Verlust der Fähigkeit, auch anspruchsvolle Texte zu lesen, darf nicht vergessen, dass diese Form des Lesens als Kulturtechnik drastisch an Bedeutung verloren hat. Da gibt es nichts zu beschönigen, und die beschwichtigenden Versicherungen kinderfreundlicher Lesedidaktiker, dass heute mehr denn je gelesen werde, weil ständig über Smartphones auch Texte oder Textfetzen ausgetauscht und weitergeleitet würden, klingen ungefähr so wie die Behauptung, dass heute mehr denn je geritten würde, weil fast jeder Mensch einige Dutzend Pferdestärken wenn nicht zwischen seinen Schenkeln, so doch unter seinem Hintern habe. Nein, wir halten die meist dämlichen Sätzchen auf Twitter, die Statusmeldungen und die dazugehörigen Kommentare auf Facebook und die in der Regel niveau- und stillosen postings der User digitaler Medien nicht für Literatur.

Der Eingang in das Reich der Literatur aber hatte seinen Preis: Erfordert war eine Disziplinierung der Sinne und des Körpers, wie sie kein anderes Medium dem Menschen abverlangte. Im Gegensatz zur Sprache, zum Hören und zum Sehen ist uns das Entziffern und Arrangieren von Buchstaben nicht von Natur gegeben. Lesen und Schreiben sind mehr als eine menschheitsgeschichtlich betrachtet sehr spät erfundene Kulturtechnik – sie sind eine Form der Weltaneignung und Welterzeugung, die in bestimmter Weise die Negation der unmittelbaren Selbst- und Welterfahrung zur Voraussetzung hat. Wer liest oder schreibt, dem muss im Wortsinn Hören und Sehen erst einmal vergehen. Der Sinn von Schule lag einmal darin, diese Negation erfahrbar zu machen und einzuüben.

Die vollkommene Geistfeindlichkeit
Lesen und Schreiben sind keine Tätigkeiten, die man einmal lernt, jahrzehntelang brachliegen lassen und trotzdem bei jeder Gelegenheit reaktivieren kann. Wer nicht ständig liest, verlernt das Lesen wieder; wer Sprache und Texte nur unter pragmatischen Gesichtspunkten sieht, wird nur dann lesen, wenn es gar nicht anders geht; wer für die Schicksale, Geschichten, Tragödien und Komödien der Literatur keinen Enthusiasmus entwickeln kann, wird Lesen letztlich als Zumutung empfinden; wer nicht das Buch als physisches Objekt lieben und hassen gelernt hat, wird nie richtig lesen lernen; wer in eine Schule geht, in der aufgrund vorgegebener Bildungsstandards und anwendungsorientierter Kompetenzen diese Liebe zur Literatur nicht mehr vermittelt werden darf, wird zum Analphabetismus verurteilt.

So wohltönend können die Reden der Bildungsreformer und ihrer politischen Adepten gar nicht sein, dass sich dahinter nicht jene Geistfeindlichkeit bemerkbar machte, die den Analphabetismus als geheimes Bildungsziel offenbart. Wäre es anders, gäbe es, zumindest als Schulversuch, nicht nur Notebook-Klassen, sondern vor allem und in erster Linie wirkliche Buch-Klassen. In der generellen didaktischen Missachtung des Buches – „Ganzschrift“ heißt das dafür zuständige Unwort – zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer erbärmlichsten Gestalt.

Dabei wäre alles ganz einfach: Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken, deren grundlegende Beherrschung unerlässlich ist. Dass der Erwerb dieser Techniken nicht jedem leichtfällt, ist kein Grund, das Betrachten von Bildern zu einem Akt des Lesens und das Ankreuzen von Wahlmöglichkeiten zu einem Akt des Schreibens hochzustilisieren. Besser wäre es, all jene, die Schwierigkeiten beim Erwerb dieser Fähigkeiten haben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen, damit sie wirklich lesen und schreiben lernen.

- – - -
Konrad Paul Liessmann lehrt Philosophie an der Universität Wien. Der Text ist die leicht gekürzte Fassung eines Kapitels aus seiner Streitschrift „Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung“, die am 29. September in den Buchhandel kommt (Paul Zsolnay Verlag, Wien, 176 Seiten, 17,90 Euro).

Quelle: F.A.Z.
__________________
Norbert Lindenthal

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
12.07.2014 18.04
Diesen Beitrag ansteuern
Selbst die FAZ beteiligte sich an der Treibjagd gegen die AfD

Vor den letzten Wahlen machte auch die kirchenfromme FAZ Stimmung gegen die AfD. Die mmnews.de (Michael Mross) schrieben am 13.3.2014:

AfD: So manipuliert die FAZ

In einem demagogischen Hetz-Artikel gegen die AfD versucht die FAZ, die Partei als rechtsextrem darzustellen, in der bibeltreue Christen die Macht übernommen hätten. Dabei wurde bewußt gelogen, Zitate verdreht oder tendenziös verkürzt und manipuliert. Das Schmierenstück könnte zum Fall für den Deutschen Presserat werden.

Der Einlauftext und die Überschrift der FAZ sagt schon alles. Weiterlesen lohnt sich nicht mehr:

Christliche Alternative für Deutschland

In der „Alternative für Deutschland“ übernehmen bibeltreue Protestanten die Macht. Längst kritisieren sie nicht mehr nur den Euro, sondern auch Schwule und Muslime. Sogar die Schulpflicht stellen sie in Frage...

Weiter auf mmnews.de 13.3.14

Diese denunziatorische Aufbereitung der Meldungen brachte mich dazu, meine langjährige Wahlenthaltung aufzugeben und die AfD zu unterstützen, weniger natürlich wegen solcher aus der Zeit gefallenen Zeitgenossen, wie sie in AfD-nahen Publikationen mitunter auch zu finden sind:

Das Klärwerk und die Allmacht Gottes
Als ich mit meiner Frau durch die Anlagen ging, begann ich Gott, den Schöpfer, zu preisen. Ohne seine Souveränität und seine Allwissenheit hätte keine dieser vielen Ideen ... umgesetzt werden können. freiewelt.net 28.6.2014

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
12.06.2014 16.16
Diesen Beitrag ansteuern
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frank Schirrmacher gestorben
Frank Schirrmacher, einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist gestorben. Schirrmacher wurde 1994 als Nachfolger von Joachim Fest in das Herausgebergremium berufen... Er verstarb am Donnerstag an den Folgen eines Herzinfarkts.

faz.net 12.6.2014

Wissenswertes zu Schirrmacher hier und da
und Spiegel 1996 (noch in richtiger Rechtschreibung)
.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
19.03.2014 18.22
Diesen Beitrag ansteuern

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2014, 15:37 Uhr

Abitur
Niedersachsen kehrt zu G9 zurück
19.03.2014 · Niedersachsen will als erstes Bundesland das Turbo-Abitur abschaffen. Unterstützt wird die Initiative von Philologen und Elternräten. Sie nennen das G8-Modell einen „folgenschweren Irrweg“.
Von ROBERT VON LUCIUS, HANNOVER

Kultusministerin öffnet die Tür zur Abi-Reform
© DPA Vergrößern

Der erste Jahrgang von G9-Gymnasiasten wird in Niedersachsen im Jahr 2023 das Abitur ablegen
Niedersachsen will als erstes Bundesland das „Turbo-Abitur“ wieder abschaffen und zu neun Schuljahren in Gymnasien zurückkehren. Schon vor einem Jahr, kurz nach ihrem Regierungsantritt in Hannover, hatte die rot-grüne Koalition die geplante Einführung des Abiturs nach acht Schuljahren an Integrierten Gesamtschulen verhindert. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erläuterte am Mittwoch erste Eckpunkte der Rückkehr und damit der Rücknahme einer erst 2004 verabschiedeten Schulreform.

- – - – -
Robert von Lucius
Autor: Robert von Lucius, Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
- – - – -

Sie stützte sich auf den Bericht einer Expertengruppe. Besonders begabten Schülern sollen die elfte Klasse überspringen können. Bis Herbst soll eine Schulnovelle eingebracht werden, die zum 1. August 2015 in Kraft tritt. Der erste Jahrgang mit neun Jahren kann die Reifeprüfung im Jahr 2023 ablegen. Heiligenstadt warnte vor einem überhasteten Wechsel.

Zu den Anhängern der Änderung in Niedersachsen zählen der Philologenverband und der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen. Damit gebe es wieder gründliches Lernen, bessere Förderung und mehr Zeit für außerschulische Aktivitäten – die Verkürzung sei ein „folgenschwerer Irrweg“ gewesen. Dagegen sagt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, das Rad werde zurückgedreht – eine Schulzeit von acht Jahren könne bei richtiger Organisation stressfrei ablaufen.

Westliche Bundesländer bieten Rückkehr zu „G9“
Der Vorsitzende des Niedersächsischen Landesschülerrats Helge Feußahrens sagte, viele Schüler hätten sich mit dem Turbo-Abitur arrangiert. Schulen bräuchten Ruhe und nicht mit jeder neuen Landesregierung ein neues Schulgesetz. Schon kurz nach der Einführung der verkürzten Schulzeit – 2011 wurde der erste Schülerjahrgang nach nur acht Jahren entlassen – mehrte sich Kritik wegen zu hohen Lernstresses. Es gebe weniger Auslandsaufenthalte und mehr Wissenslücken bei Berufsanfängern und Studenten.

Mehrere westliche Bundesländer bieten bereits eine Rückkehrmöglichkeit zu „G9“ an, aber bisher nicht wie nun Niedersachsen eine völlige Umkehr. Die neuen Bundesländer planen keine Reform, zumal dort das Abitur nach acht Jahren eine Tradition hat. In Bayern steht die Landesregierung unter Druck, nachdem ein von den Freien Wählern vorgelegtes Volksbegehren Ende Februar die erste Hürde überwand. Auch in Hamburg gibt es eine anfangs erfolgreiche Volksinitiative. Hessen gibt Wahlfreiheit – viele Gymnasien kehrten dort zur neunjährigen Schulzeit zurück. Nur jedes fünfte hessische Gymnasium bleibe, so wird geschätzt, beim Turbo-Abitur. Baden-Württemberg hat 44 Gymnasien eine Rückkehr zur dreizehnten Klasse erlaubt, Nordrhein-Westfalen als Modellversuch dreizehn Gymnasien.
__________________
Norbert Lindenthal

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
23.01.2014 19.34
Diesen Beitrag ansteuern
Eine zu optimistische Einschätzung

Kommentar
Die Amtssprache ist Deutsch
Von Reinhard Müller

Sprache lässt sich nur begrenzt regeln. Das hat zuletzt der Riesenwirbel um die Rechtschreibreform gezeigt. Aber natürlich kann der Staat den Gebrauch bestimmter Sprachen in Ämtern und Gerichten vorschreiben. In Deutschland ist die Gerichtssprache deutsch. Und nicht nur sie: Auch in der Abgabenordnung, im Sozialgesetzbuch und im Verwaltungsverfahrensgesetz heißt es: Die Amtssprache ist Deutsch. Daran kann auch das Saarland nichts ändern, und das ist gut so.

Richtig ist aber auch, dass die Länder eigene Verwaltungsverfahrensgesetze haben, die sich freilich bisher im wesentlichen ähneln. Das Saarland mag also sprachliche Sonderregelungen schaffen. Die Umgangssprache kann es ohnehin nicht regeln – wohl aber Sprachunterricht einführen und die Möglichkeit, Anträge auf Französisch einzureichen. Dann aber muss auch die Verwaltung französisch beherrschen. Die hat aber meist ganz andere Sorgen. Und vor den Gerichten, auf jeden Fall aber in letzter Instanz, würde immer auf Deutsch entscheiden.

Ob die saarländische Regierung ihr Ziel erreicht, einziges zweisprachiges Bundesland (mit „Frankreich-Kompetenz“) zu werden, hängt vor allem von den Bürgern ab. Wenn die glauben, dass sie mit Englisch weiter_kommen und sich darauf konzentrieren wollen, dann hat das Saarland ein neues Kompetenz-Problem.
faz.net 22.1.2014

Nicht umsonst kämpfen die einschlägigen Lobbyisten und Heilsverkünder gegen eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Wenn dies auch zunächst keine großen Wirkungen hätte, es würde doch später beim großen Unterrühren im Gleichstellungs-Nudeltopf hinderlich sein.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
03.08.2012 16.36
Diesen Beitrag ansteuern
FAZ in vortschrittlicher Revormarschreibung

Fraktur – Die Sprachglosse
Blumen zu Biogas!


Euro-Krise? Deutschland steht kurz vor der Vermaisung! Oder doch vor der Vermeisung?

Wohl ’ne Meise

Es müsse dringend etwas gegen die „Vermaisung“ unserer Landschaften getan werden, fordert der Grünen-Vorsitzende Özdemir. Gemeint hat er damit wohl nicht die Vermeisung unserer Politiker, obschon man da nach der Reform (Revorm?) der Reform (Rephorm?) unserer ehemaligen Rechtschreibung nicht mehr ganz sicher sein kann. Doch würde eine solche Behauptung schlicht den Tatsachen widersprechen. Zwar hat der eine oder andere Politiker ganz bestimmt einen Vogel, aber von einem flächendeckenden Phänomen zu reden wäre übertrieben.
Der Mais dagegen ist tatsächlich auf breiter Front auf dem Vormarsch
[…]
Weil man nach den jüngsten Horrornachrichten zur Ökobilanz aber nicht einmal mehr Biosprit reinen ökologischen Gewissens tanken kann – der deutsche Autofahrer wusste schon, warum er der Ökoplörre namens E 10 misstraute –, könnte höchstens noch die ohnehin schon aufholende Solarverzellung die vollständige Vermaisung Deutschlands aufhalten.

Die will jetzt natürlich wieder keiner gewollt haben, schon gar nicht die Partei der erneuerbaren Energien. Geht es nach Bärbel Höhn, dann wird Biogas künftig nur aus glücklichen Wildkräutern von freiwachsenden Waldwiesen gewonnen. Wenn das keine Besinnung auf die Urwerte der Blumenkinder-Bewegung ist! Atomkraft, nein danke – Flower-Power, ja bitte! Blumen zu Biogas! Allerdings müsste man dann von Anfang an darauf achten, dass es nicht zur Verwiesung oder gar Verblumung Deutschlands käme. Sonst könnte man das noch für ein Zeichen von Verblödung halten.

FAZ.net 3.8.2012

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
18.04.2012 11.59
Diesen Beitrag ansteuern
Infantilismus bei der Reform-FAZ

Die einstmals größte „Kirchenzeitung“ Deutschlands verfällt anscheinend, um diese Stellung zu halten, auf infantile Quiz- und Testspielchen:

Der Glaubenstest
Nun sagen Sie, wie haben Sie es mit der Religion?


Die innere Einstellung und die religiöse Lehrmeinung können weit auseinander driften. Daraus brauchen sich erst mal keine Konsequenzen abzuleiten: Es kann sich noch entwickeln. …

Die „tief schürfendste“ der 17 Fragen ist:

4. Kann man Gott auch schmecken?

faz.net 8.4.2012

Wenn man die Punkte, die für jede Antwort vergeben werden, zusammenzählt, erhält man das Testergebnis und eine Buchempfehlung. Für die für mich vermutlich zutreffende geringste Punktzahl lautet der Text:

Bis 59 Punkte:
Sagen wir es einmal höflich: Sie gehören zur wachsenden Zahl der „religiös Unmusikalischen“ im Lande. Oder Sie sind einer der neuen Atheisten, die derzeit so viel von sich reden machen. Was die Religion angeht, halten Sie es mit Karl Marx: Sie sei das „Opium des Volkes“. Die Theorie des Urknalls verstehen Sie zwar nicht, halten sie aber für plausibler als die Schöpfungsgeschichte. Der Tod – eine friedliche Rückkehr in den großen Kreislauf der Natur. Kleine Anekdote für Sie von der Frankfurter Universität: Ein betont ungläubiger, modern sein wollender Literaturwissenschaftler war verstorben. Als man in der Fakultät von der traurigen Nachricht erfuhr, sagte ein katholischer Professor: „Na der wird sich jetzt wundern!“

Lektüretipp: Richard Schröder, „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fundamentalismus und die Folgen“, 16,95 Euro.

Ich bin nicht unmusikalisch, hänge eher Einsteins „kosmischer Religiosität“ an, stehe nicht auf Karl Marx, verstehe die Theorie des Urknalls recht gut und finde die Anekdote in diesem Zusammenhang kindisch. Die Empfehlung eines Theologen-Buches ist fast beleidigend.

Nicht besser sieht es für die höher Bepunkteten aus:

60 bis 70 Punkte:
Glückwunsch: Sie sind Ihr eigener Papst, möglicherweise auch die Reinkarnation Buddhas oder der Päpstin Johanna …

Lektüretipp: Anselm Grün, „Herzensruhe. Im Einklang mit sich selber sein“, 8,50 Euro, gebraucht von 2,90 Euro an.

71 bis 100 Punkte:
Ertappt, Sie sind Hans Küng! … Oder haben wir uns geirrt … und Sie sind in Wahrheit Eugen Drewermann?

Lektüretipp: Joseph Ratzinger, „Jesus von Nazareth“, zwei Bände, 24 und 22 Euro.

101 bis 125 Punkte:
Ein Protestant, so hat es Joseph de Maistre einmal ausgedrückt, das ist ganz einfach ein Mensch, der protestiert. Hat er dabei an Sie gedacht? …

Lektüretipp: Max Weber, „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, 17,95 Euro. Und: alles von Margot Käßmann!

Mehr als 125 Punkte:
Sind Sie mit Ihren Händen wirklich so ungeschickt, dass Sie sich keine eigene Religion basteln können? … Lassen Sie sich von einem Sektenbeauftragten Ihres Vertrauens beraten, sonst droht Fundamentalismusverdacht.

Lektüretipp: Roberto de Mattei, „Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte“, 35,90 Euro.

faz.net 8.4.2012

Der „Test“ ist wohl eher als Schleichwerbung für den frommen Buchhandel gedacht.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
02.12.2010 18.20
Diesen Beitrag ansteuern
FAZ.NET-Frühkritik: „Maischberger“

Sag mir dein Deutschsein
… Thilo Sarrazin fandet derweil nach Urahnen. [inzw. korrigiert]
Von Edo Reents
… Trotzig blieb Sarrazin die Antwort schuldig und verwies, als wiederholt Zweifel an seiner, pardon: Reinrassigkeit geäußert wurden, auf einen seiner „Urahnen“: einen Kunstmaler, der im Jahre 1530 von Lyon nach Genf gegangen sei. Im übrigen, sagte er, gebe es ein gewisses „Kontinuum im Deutschsein“ und murmelte die Jahreszahl 1100. Da rief Al-Wazir: „Aber Herr Sarrazin, da waren Ihre Vorfahren ja noch gar nicht in Deutschland!“

faz.net 1.12.2010

Eine wirkungsvolle Verbalattacke – aber ebenso dumm wie falsch: Integrieren sich die Vorfahren 200 Jahre lang genetisch im Lande, dann ist von den ursprünglichen Franzosen-Genen nur noch 1/64 übrig, d.h. 98,4 Prozent der Vorfahren können Deutsche sein. Im übrigen haben sich die Europäer genetisch seit jeher einander stark angeglichen.

Th. Ickler erwähnt bei FDS einen Großonkel Otto Sarrazin, zeitweise Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (mit Seitenhieb auf den VDS). Nachfolger war übrigens die GfdS, die unanständig mit dem deutschen Regierungsapparat verquickt ist, und deren Vorsitzender Hoberg die Durchsetzung der Rechtschreibreform penetrant befördert hat.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
26.08.2010 06.33
Diesen Beitrag ansteuern
Anmerkung zum Schulschrift-Artikel der FAZ

(Ich hatte nicht die Zeit, ihn zu kürzen)

Schriften sind ästhetische Fenster zu den großen Kulturen. Deutsche Fraktur- und Kurrentschriften, Devanagari, arabische Ruq’a und chinesische Zeichen habe ich gerne geübt und geschrieben. Als ich krank war, habe ich sogar ein ganzes chinesisches Wörterbuch abgeschrieben. Mit der deutschen Norm-Schulschrift stand ich aber immer auf Kriegsfuß. Heute weiß ich, was sie so mühsam macht: die vielen künstlichen Rundungen, die mühsam nachgezirkelt werden müssen. Das alte Sütterlin hatte diese Zwangsrundungen noch nicht.

Aus meinen Begegnungen mit englischen Freunden alter Musik lernte ich jedoch, daß auch in einer abgewandelten Lateinhandschrift ästhetisches Schreiben möglich ist. Manche schufen in gewöhnlichen Briefen geradezu kalligraphische Kunstwerke, die von ihren Empfängern sorgsam aufbewahrt wurden. Auch bei Designern und Architekten sah ich, daß es jenseits der DIN-Normschrift in gezeichneten und beschrifteten Plänen künstlerische Individualität gab. Vieles davon ist mit der elektronischen Datenverarbeitung nicht mehr gefragt.

Dennoch halte ich es für einen Irrwitz, das handschriftliche Schreiben in den Schulen abschaffen zu wollen. Ohne „Notebook“ wären die Schüler bessere Behinderte. Außerdem ist das Schönschreiben eine unvergleichliche feinmotorische und ästhetische Schulung, die vergleichbar dem Erlernen eines Musikinstrumentes ist.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
24.08.2010 19.34
Diesen Beitrag ansteuern
Experimentierfeld Schulschrift

Aktuell > Wissen > Mensch & Gene

Buchstaben mit Zukunft

Schreibschrift, ade?

Tastaturen haben das Schreiben von Hand in Nischen verdrängt. Welche Schrift sollen Grundschüler in Zukunft lernen? Während darüber noch gestritten wird, fordern Wissenschaftler und Pädagogen das Ende des Schönschreibens.

Von Georg Rüschemeyer

24. August 2010

„Tres digiti scribunt et totum corpus laborat“ – „Drei Finger schreiben, aber der ganze Körper arbeitet“, klagten schon die zum Kopieren von Büchern abgestellten Mönche des Mittelalters über ihren kräftezehrenden Beruf, der die Augen trübe, die Lenden breche, den Nacken krumm werden und überhaupt alle Glieder leiden lasse.
Der Spruch passt auch auf so manchen modernen Abc-Schützen, der sein Heft unter höchster Konzentration mit schnörkeligen Buchstaben füllt. Auch wenn dabei nicht gleich der Nacken krumm wird: Vor allem das Einüben der sogenannten Lateinischen Ausgangsschrift (LA) ist für viele Kinder eine feinmotorische Herausforderung. Seit dem Jahr 1953 wurde diese Schrift in den meisten deutschen Volksschulen unterrichtet und löste die seit den zwanziger Jahren gebräuchliche Sütterlinschrift schnell ab.
Anfang der siebziger Jahre entwickelte dann der Göttinger Grundschullehrer Heinrich Grünewald eine Variante dieser Schrift, die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA). Vor allem eine starke Annäherung der Großbuchstaben an die Druckschrift, der einheitliche Beginn der Kleinbuchstaben an der Mittellinie, sowie eine geringere Zahl abrupter Wechsel der Schreibrichtung sollen den Kindern das Schreibenlernen erleichtern. Zudem soll die stärkere Gliederung der Buchstaben dem Kind helfen, Wörter analytisch in ihre Einzelteile zu zerlegen und so ihre Schreibweise besser zu verstehen.

Eine flüssige und leserliche Erwachsenenschrift

Grünewald ging für seine Schrift von der Analyse von Erwachsenenhandschriften aus, die zumeist ebenfalls mit Druck-Großbuchstaben schreiben. Das Entwickeln einer individuellen Handschrift ist im Konzept jeder „Ausgangsschrift“ durchaus gewollt und unterscheidet sie von Normschriften wie dem Sütterlin, das im Idealfall ein Leben lang in immer gleichen Formen geschrieben werden sollte.
Grünewalds VA breitete sich in den Achtzigern an westdeutschen Schulen aus und hat heute die barocke LA an vielen Schulen verdrängt. Mit der Wiedervereinigung ging schließlich noch die 1968 in der DDR eingeführte Schulausgangsschrift (SAS) ins Rennen. 1994 forderte die Kultusministerkonferenz lediglich eine verbundene Schrift (im Gegensatz zur aus einzelnen Lettern bestehenden Druckschrift), überließ die Wahl einer der drei Ausgangsschriften aber den Ländern, von denen viele ihren Schulen wiederum mehr oder minder viel Wahlfreiheit gewähren. Damit war die heutige Schriftenverwirrung perfekt, die Schülern vor allem nach einem Schulwechsel erheblich zu schaffen machen kann.
Welche der drei Schriften am leichtesten zu erlernen ist und später zur flüssigsten und leserlichsten Erwachsenenschrift wird, ist dabei vor allem eine Glaubensfrage. „Es gibt dazu in Deutschland einen erstaunlichen Mangel an Empirie“, sagt Sigrun Richter, Professorin für Grundschulpädagogik an der Universität Regensburg. Einer der wenigen Versuche, die Vorteile einer Schrift in Sachen Leserlichkeit, Schreibgeschwindigkeit und Rechtschreibung mit wissenschaftlicher Genauigkeit zu vergleichen, stammt von Heinrich Grünewald selbst. Im Rahmen eines Schulversuchs verglich er Anfang der siebziger Jahre sechs Klassen, die in der LA unterrichtet wurden, mit ebenso vielen Klassen, die seine VA erlernten. Grünewald schloss, dass seine VA sowohl Leserlichkeit, Schreibtempo und Rechtschreibung begünstige. Damit war die VA auch wissenschaftlich abgesegnet, wenn es auch schon damals nicht unbedingt guter Stil war, dass der Entwickler sein Produkt selbst evaluiert.
1996 nahm der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Wilhelm Topsch die Studie denn auch gehörig auseinander: Sie sei voller Fehler, widersprüchlicher Daten und unbewiesener Behauptungen. Ein Beispiel: 56 Prozent der Schüler in der VA-Gruppe waren Mädchen, in der LA-Gruppe waren es jedoch nur 44 Prozent. Da Mädchen generell bessere Schreibleistungen zeigen, verfälsche allein dies die Ergebnisse erheblich zugunsten der VA, so Topsch, der die Nachlässigkeiten seines Kollegen für „skandalös“ hält.

„Schluss mit dem Schriften-Wirrwarr!“

In einer weiteren Studie, welche die Leistungen von in VA und LA unterrichteten Kindern verglich, konnte seine Regensburger Kollegin Sigrun Richter 1997 denn auch keinen Vorteil der vereinfachten Version ausmachen. „Im Gegenteil, die Leistungen der Kinder in der LA-Gruppe waren sogar etwas besser“, sagt Richter. Das hänge sie aber nur ungern an die große Glocke, weil sie sich nicht vor den Karren jener Eltern und Lehrer spannen lassen wolle, welche die Schnörkel der LA wieder zum Standard erheben wollten. „Die Frage ist doch vielmehr: Brauchen wir heute überhaupt noch eine verbundene Ausgangsschrift?“
Damit gehört sie zur wachsenden Zahl von Pädagogen, die den Streit um die richtige Schönschrift beenden wollen, indem sie sie komplett abschaffen. Unter dem Motto „Schluss mit dem Schriften-Wirrwarr!“ hat im Mai der deutsche Grundschulverband eine Initiative zur Abschaffung der drei gebräuchlichen Ausgangsschriften gestartet. Die Alternative ist simpel: Man solle es einfach bei der handgeschriebenen Druckschrift belassen, in der heute Erstklässler im ganzen Land ohnehin Lesen und Schreiben lernen, bevor sie dann in der zweiten Jahrgangsstufe zu den geschwungeneren Ausgangsschriften angehalten werden. Als didaktischen Kunstfehler bezeichnet der Verband diesen Sprung „zurück auf null“ des Schrifterwerbs. „Neben dem Frust für Kinder kostet das auch sehr viel Unterrichtszeit, die dann all den anderen Bildungsaufgaben der Grundschule abgeht“, sagt Maresi Lassek, Vorsitzende des Verbandes.
Der Grundschulverband propagiert nun die sogenannte Grundschrift, handgeschriebene Druckbuchstaben, die zum Teil für den besseren Anschluss mit einem kleinen Wendebogen enden. Diese Grundschrift soll aber nicht wie gestochen kopiert werden, sondern lediglich als Vorlage zum Entwickeln einer eigenen Handschrift dienen, die, wie es die Lehrpläne fordern, auch durchaus verbunden sein soll. Nur dürfen die Kinder unter Anleitung ihrer Lehrerinnen verstärkt selbst ausprobieren, wo beispielsweise eine Buchstabenverbindung sinnvoll ist und wo man stattdessen eher einen „Luftsprung“ einlegt.

Neuere Daten kommen aus der Schweiz

Vom drohenden Verlust deutschen Kulturguts könne angesichts der kurzen Geschichte der heutigen Ausgangsschriften keine Rede sein, meint Lasseks Stellvertreter Ulrich Hecker, Leiter der Regenbogen-Grundschule in Moers. „Die sind einfach nur anachronistischer Ballast für den Unterricht.“ Die Befürworter der drei gängigen Schriften führen neben ästhetischen Argumenten die kindliche Feinmotorik an, die zu verkümmern drohe und fürchten einen unterbrochenen Schreibfluss.
Die wenigen empirischen Vergleichsdaten, die es gibt, widersprechen dem aber. So machte die Münchener Erziehungswissenschaftlerin Christina Mahrhofer-Bernt in einer 2002 beendeten Vergleichsstudie gute Erfahrungen mit einer eigens entwickelten, der Grundschrift recht nahe kommenden Schrift und dem dazugehörigen Unterrichtskonzept, das diese Schrift nur als unverbindliche Empfehlung ansah.
Neuere Daten kommen aus der Schweiz, wo im Kanton Luzern seit 2006 neben der althergebrachten, der LA stark ähnelnden Schweizer Schulschrift, auch eine weitgehend den Druckbuchstaben angeglichene „Basisschrift“ zugelassen ist. Forscher der Pädagogischen Hochschule der Zentralschweiz in Luzern verglichen in einer im Juni veröffentlichten Studie die schreibmotorischen Leistungen von 93 Viertklässlern, die etwa je zur Hälfte in einer der beiden Schriften unterrichtet worden waren. „Dabei bestätigte sich, dass in der Basisschrift unterrichtete Kinder schneller und trotzdem leserlicher zu schreiben vermögen als mit der alten Schnürlischrift“, sagt Studienleiterin Sibylle Hurschler. Zudem war der sonst deutliche Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in den Schreibleistungen bei der Basisschrift verschwunden.

Die letzten Domänen der Handschrift

„Die Schweizer Ergebnisse sind ein guter Beleg dafür, dass es einer ,Zwei-Schriften-Didaktik' nicht bedarf“, meint die Regensburger Professorin Richter. Ähnliche Studien seien auch zur Evaluierung der Grundschrift vonnöten, um der traditionell sehr von Behauptungen lebenden Pädagogik ein empirisches Fundament zu geben. Der Grundschulverband allerdings bewertet die bisherigen Erfahrungen an inzwischen rund 50 Grundschulen auch ohne streng wissenschaftliche Auswertung so positiv, dass man in der kürzlich gestarteten Kampagne nun bundesweit Lehrer zum Erproben der Grundschrift ermutigen will. Anfang kommenden Jahres sollen in einer Tagung auch die Grundschulreferenten der Länder für die Grundschrift begeistert werden. Denn noch empfehlen viele Lehrpläne explizit eine der drei Ausgangsschriften. Ulrich Hecker sieht das aber schon jetzt nicht als Hindernis: Nach dem in der Grundschrift wirkenden Prinzip „Ausprobieren statt vorschreiben“ gebe es ja kein Argument dafür, in der zweiten Klasse nicht auch mal eine der herkömmlichen Ausgangsschriften auf praktische Schreibweisen abzuklopfen und so zumindest den Buchstaben des Lehrplans zu befolgen.
Die große Frage, die sich im Zeitalter von E-Mails, SMS und Kleinkindern mit voller Kontrolle über die Menüstruktur des elterlichen Laptops stellt, ist allerdings: Wozu sollen die erwachsenen User von morgen überhaupt noch die Kulturtechnik der Schreibschrift beherrschen? Tastaturen haben das Schreiben von Hand im Alltag vieler Menschen auf Nischen wie Einkaufszettel oder Postkarten verdrängt, für Bewerbungen werden kaum noch handschriftliche Lebensläufe verlangt und selbst offizielle Anschreiben kann man neuerdings per E-Postbrief komplett papier- und stiftfrei versenden. Neben dem ohne Notar nur handschriftlich rechtsgültigen Testament bleiben eigentlich nur noch Prüfungen an Schule und Universität als eine der letzten Domänen der Handschrift – vorerst.

Eine unverzichtbare Grundlage

Trotzdem glaubt die Lernforscherin Sibylle Hurschler nicht, dass die Schreibschrift bald überflüssig werde. „Dafür sind Bleistift und Zettel in zu vielen Situationen einfach zu praktisch.“ Und Ulrich Hecker führt Studien an, nach denen erst die Verknüpfung des motorischen Programms mit den dazugehörigen Buchstaben im Gehirn ein tieferes Verständnis für den Aufbau von Buchstaben und Wörtern erzeugt.
Auch Sigrun Richter sieht in der Handschrift eine unverzichtbare Grundlage des Schreibenlernens. Doch das Schreiben am Computer müsse für einen zeitgemäßen Schreibunterricht viel mehr in die Lehrpläne integriert werden. „Wir haben das mal in einer Studie ausprobiert: Ab der dritten Klasse kommen die Kinder mit ganz normalen Tastaturen bestens klar.“

Text: F.A.S.

faz.net 24.8.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
19.07.2010 19.06
Diesen Beitrag ansteuern
Radioverbote für die Initiative – Steuermittel für die Volksverdummung

Die neue Hambürgerlichkeit

Der Kampf gegen die Schulreform hat in Hamburg Eltern, ganz gleich welcher sozialen Schicht und welcher Parteizugehörigkeit, zu einer bürgerlichen Volksbewegung zusammengeschweißt. Das könnte reformbegeisterten Regierungen in anderen Bundesländern ein warnendes Beispiel sein.


Als das Resultat des Volksentscheids bekanntgegeben wurde, war von Beust aber schon zurückgetreten, Frau Goetsch blieb mit ihrer Enttäuschung allein. „Das Ergebnis ist bitter für alle, die ihre Hoffnungen in das längere gemeinsame Lernen gesetzt haben. Wir sind sehr enttäuscht, dass wir nicht genügend Menschen von der Primarschule überzeugen konnten“, sagte sie noch am Sonntagabend.

Das gilt umso mehr, als der Senat immerhin 200 000 Euro aus Steuermitteln für die Werbung ausgegeben hatte, um die gesamte Stadt mit Plakaten zu pflastern. Ein Radiospot der gegnerischen Volksinitiative „Wir wollen lernen“ wurde rechtzeitig verboten.

Zu Werbeveranstaltungen zwangsverpflichtet
Einer Lehrerin, die sich während der Streitphase bewarb, wurde einen Tag vor dem Vorstellungsgespräch beim Lehrerkollegium bedeutet, dass man mit Vorbehalten gegenüber der Reform „das neue Denken nicht hinkriegt“. Wer A15 bekomme, müsse schließlich wissen, dass er das Geld dafür erhalte, die vorgegebenen Beschlüsse auszuführen. Die Schulen waren zu Werbeveranstaltungen zwangsverpflichtet worden.

Der Kampf gegen die Schulreform hat die Eltern schulpflichtiger Kinder, ganz gleich welcher sozialen Schicht und welcher Parteizugehörigkeit, zusammengeschweißt. Es ist eine bürgerliche Volksbewegung entstanden wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. …

faz.net 19.7.2010

Volksbewegung – das erinnert an den Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein. Verbot von Werbespots der Bürgerinitiative – das hatten wir ein halbes Jahr später in Berlin. Daß die Bürger ihre Verdummung selber bezahlen müssen, ist weithin üblich in dieser Demokratie.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
01.06.2010 15.01
Diesen Beitrag ansteuern
Jörg Tauss

Gut drauf
Unschlagbar in seiner guten Laune ...

Von Lorenz Jäger

Unheimlicher als ein Mensch, der ständig verbiestert dreinschaut, ist doch einer, der seine gute Laune so zwanghaft, unausgesetzt und unerschütterlich, ja unerbittlich verbreitet, dass man daran zweifelt, ob er die Wirklichkeit überhaupt noch erfasst …

Tauss’ gute Laune blieb dennoch unschlagbar, auch wenn es um ernstere Dinge ging. Er war zeitweise der Abgeordnete mit den meisten Zwischenrufen. In der Bundestagsdebatte zur Rechtschreibreform erklärte der frühere DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke von der CDU: „Die Kultusminister haben sich in politischer Regelungswut am Heiligsten einer Kulturnation vergriffen: der Sprache.“ Zwischenruf Tauss: „Ach, du lieber Gott!“. Auch jetzt lacht unser Mann wieder herzlich. …

Sein Blog heißt „tauss-gezwitscher“. Unter den Schlagwörtern, die dort aufgelistet werden, findet man beim Buchstaben „K“ Korruption, Kryptographie und Kryptoregulierung, aber nicht: Kinderpornographie. Nun, da das Urteil gesprochen, aber noch nicht rechtskräftig ist – Freiheitsstrafe auf Bewährung –, zwitschert er munter weiter: „Wegen vieler Nachfragen, vor allem zum ,sexuellen Interesse‘, habe ich zum Urteil gezwitschert.“ Spaß muss sein. Man vermisst nur das „lol“ am Ende seiner Einlassungen.

FAZ.net 30.5.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
30.05.2010 09.09
Diesen Beitrag ansteuern
Viel Gedröhne, dünnes Ergebnis

Bewertung
Strengere Regeln lassen weniger Spielraum

Der Gesetzgeber hat das Bewertungsrecht nach mehr als 20 Jahren neu sortiert. Im Alltagsgeschäft von Immobilienbewertern sollte sich jedoch nicht viel ändern.
… Praktiker wie der Berliner Sachverständige Eberhard Stoer sehen in dem nun vorliegenden Regelwerk vor allem eine notwendige Präzisierung und Anpassung an den zeitgemäßen Sprachgebrauch. Er fühlte sich während des Gesetzgebungsverfahrens etwas an die Rechtschreibreform erinnert: „Viel Gedröhne, und das Ergebnis ist dünn.

faz.net 28.05.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 5 Seiten lang:    1  2   3  4  5  Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage