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Unwichtige Geschichtsfälschungen
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Sigmar Salzburg
12.11.2018 11.20
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Sprechblasen

Junge Leute von 1989 sprechen „reformiert“ wie um 1998:

Brandanschläge auf Berliner Mauer „Was für ein Scheißland!“
Mit Bolzenschneidern und Molotowcocktails attackierten vier frühere DDR-Bürger 1989 die Berliner Mauer. Hier berichtet Raik Adam, wie es zu den gefährlichen Aktionen kam, die er nun als packenden Comic erzählt...


In West-Berlin feierten sie – und planten militante Aktionen gegen die verhasste Mauer. Die „Stiftung Berliner Mauer“ hat diese ungewöhnliche Geschichte jetzt als Graphic Novel veröffentlicht, gezeichnet und geschrieben von den Aktivisten selbst.
In den Sprechblasen heißt es:
Eine Woche später, 16. Juni „Das wird ein Spektakel, wie die es noch nicht erlebt haben. Das muss richtig krachen! Wir müssen maximalen Schaden anrichten!“ „Das gibt einen heißen Tanz heute Nacht.“

spiegel.de/einestages 12.11.2018
Wie verblüffend wäre es, wenn die Worte der Jugendlichen so aufgezeichnet würden, wie damals üblich. Anscheinend hat sich die deutsche, ehemals gemeinsame Schriftsprache soweit gewandelt, daß man sie der Jugend von heute nicht mehr zumuten kann.

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Detlef Lindenthal
10.11.2018 15.38
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Re: Netzwerkdurchsetzungsgesetz

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Wikipedia, sonst bemüht um exakte Zitate ... Hass ... / ... Haß und Hetze ...

Danke für den Hinweis, ich habe jenes Zitat in der Wikipedia berichtigt.
__________________
Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
10.11.2018 11.54
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Netzwerkdurchsetzungsgesetz

Wikipedia, sonst bemüht um exakte Zitate, verfälscht Burkhard Müller-Ullrich:

Harald Martenstein von der Zeitung Der Tagesspiegel bezeichnete ihn als „Erdoganismus in Reinkultur“... und erklärte, der Gesetzesentwurf lese sich so, als „stamme er aus dem Roman 1984“, er sei ein „Angriff auf das Prinzip der Gewaltenteilung“. Burkhard Müller-Ullrich schrieb: „Minister Maas geht es ganz offensichtlich nicht um Hass und Hetze allgemein, sondern um das Mundtotmachen seiner politischen Gegner.“
Tatsächlich hatte Müller-Ullrich geschrieben:
Minister Maas geht es ganz offensichtlich nicht um Haß und Hetze allgemein, sondern um das Mundtotmachen seiner politischen Gegner.

achgut.com 15.06.2017
Offensichtlich ist es einigen Wikipedianern ein Ärgernis, daß nicht alle die von den Kultusministern erpreßte Reformschreibung übernommen haben, und „verschönern“ nach ihrem Geschmack die Wirklichkeit.

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Sigmar Salzburg
17.09.2018 10.57
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Das Elend der Umfälschungen auf Reformdeutsch

Oft übernimmt „Spiegel online“ orthographisch gefälschte Zitate aus protegierten Büchern. Hier scheint das nicht der Fall zu sein:

Prozess gegen NS-Lagerleiter
Freispruch für den Höllenmeister

Die Häftlinge von Börgermoor fürchteten Wilhelm Rohde als Sadisten. Doch das Gericht sprach den NS-Lagerleiter 1959 frei. Der Fall zeigt, wie mild die bundesdeutsche Justiz mit Naziverbrechern umging ...

1959 im Wiederaufnahmeverfahren sagten frühere Ärzte, Leiter und Wächter von Strafgefangenenlagern aus: Der Angeklagte sei „ein korrekter preußischer Beamter“, „ein Kerl mit rauer Schale, im Grunde seines Herzens aber ein wirklich guter Kerl“. Er habe "Misshandlungen direkt verboten“, überhaupt habe es „keine besonderen Vorkommnisse gegeben“... Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch und stellten die Aussagen der Lagerinsassen als unglaubwürdig dar: Es sei alles „halb so schlimm“ gewesen. Beide Anwälte verteidigten Rohde gratis. Einer war FDP-Mitglied, der andere Sozialdemokrat.
Es mag ja sein, daß 1959 die Entlastungszeugen „rauher“ ohne „h“ gesprochen haben und Mißhandlungen mit „ss“, aber ein „daß“ mit „ss“ hat der Tagesspiegel gewiß nicht geschrieben, wie der Spiegelautor oder sein Korrekturautomat lügt:
„SPD-Anwalt deckt Nazi“, schrieb der „Tagesspiegel“, „hat er vergessen, dass unter den Verscharrten aufrechte Genossen seiner Partei waren?“

spiegel.de/einestages 12.09.2018
Oder fälscht man nur, um die „nach Gehör“schreibende Generation nicht zu verwirren?

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Sigmar Salzburg
05.09.2018 04.26
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Die neue Art des Denkens

Auch die FAZ ( 1.9.18) fälscht ins einst nur widerwillig angenommene Dass-Deutsch:

„Untergang des Abendlandes“ : Der Falter als geflügelter europäischer Zwergchinese

... Am schärfsten und vergeblichsten hat Robert Musil gegen Spenglers kulturrelativistische Vereinnahmung wissenschaftlicher Erkenntnis Einspruch erhoben. Dass der Autor des „Untergangs“ von Physik und Mathematik nichts verstand, interessierte seine Anhänger so wenig wie seine Gegner. Geblieben ist Musils ätzende Satire auf Spenglers historische Analogien:

„Es gibt zitronengelbe Falter, es gibt zitronengelbe Chinesen; in gewissem Sinn kann man also sagen: Falter ist der mitteleuropäische geflügelte Zwergchinese. Falter wie Chinesen sind bekannt als Sinnbilder der Wollust... Dass der Falter Flügel hat und der Chinese keine, ist nur ein Oberflächenphänomen.“
Gutenberg/Spiegel zeigt den originalen Musil-Text mit weiteren Wörtern, die durch die Reform-Triaden verunsichert, verstümmelt oder gekidnappt wurden:
Robert Musil
Geist und Erfahrung
Anmerkungen für Leser, welche dem Untergang des Abendlandes entronnen sind

[1921]
... Spengler meint es quasi, arbeitet mit Analogien und in irgendeinem Sinne kann man da immer recht haben... Die vorgeführten, ohne lang suchen zu müssen aus vielen herausgegriffenen Beispiele sind nicht Irrtümer in Einzelheiten, sondern eine Art des Denkens!

Es gibt zitronengelbe Falter, es gibt zitronengelbe Chinesen; in gewissem Sinn kann man also sagen: Falter ist der mitteleuropäische geflügelte Zwergchinese. Falter wie Chinesen sind bekannt als Sinnbilder der Wollust. Zum erstenmal wird hier der Gedanke gefaßt an die noch nie beachtete Übereinstimmung des großen Alters der Lepidopterenfauna*) und der chinesischen Kultur. Daß der Falter Flügel hat und der Chinese keine, ist nur ein Oberflächenphänomen. Hätte ein Zoologe je auch nur das geringste von den letzten und tiefsten Gedanken der Technik verstanden, müßte nicht erst ich die Bedeutung der Tatsache erschließen, daß die Falter nicht das Schießpulver erfunden haben; eben weil das schon die Chinesen taten...
Die gleiche „Art des Denkens“ finden wir nun auch bei den Rechtschreib„reformern“ von 1996-2006, besonders bei einem skurrilen Alten, der partout nichts beim alten lassen wollte:

Weil der „Tolpatsch“ eine klangliche Ähnlichkeit mit dem „Tollhaus“ hatte, sollte das aus dem Ungarischen stammende Wort nun mit zwei „l“ geschrieben werden. Die tollhausreifen politischen Durchsetzer, also die Kultusminister, entblödeten sich nicht, die falsche Schreibung nun für allein richtig zu erklären, obwohl sie sonst anderweitig jede Menge unsinniger Varianten zugelassen hatten.

(Weitere Beispiele mit der Suchfunktion nach: belemmert, Stengel, behende, Stendelwurz, Rauhnächte, Allerleirauh usw.)


*) Trennstellen

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Sigmar Salzburg
30.08.2018 07.42
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Bestimmt gefälscht ...

... ist wohl die Rechtschreibung in diesem auf SPON veröffentlichten Brief:

Zusammengefaltet wie eine Ziehharmonika – so fand Stefan Götze das Schreiben. Der Instrumentensammler aus Sachsen hat einen Liebesbrief in einem alten Banjo entdeckt. Er ist auf den 17. November 1946 datiert. Der fast 72 Jahre alte Brief steckte, von außen nicht zu sehen, zwischen dem Holzkörper und einem Metallring, sagt Götze.

Eine Frau namens Anni hat die Zeilen an ihren Geliebten geschrieben: ...“Ich war die Zeit, in der du kamst, sehr glücklich und ich weiß auch, da du nun nicht mehr kommst, dass ich daran zugrunde gehe, denn ich bin ein Mensch, an dem das Glück immer vorbei gegangen ist“, heißt es in dem Brief.
spiegel.de 30.8.2018
Das Foto läßt Kurrentschrift vermuten, und zeigt deutlich ein „daß“. Sehr selten wurden 1946 „weiß“ und „dass“ nebeneinander geschrieben, denn das Heysesche ß/ss-System wurde nur in Österreich kurze Zeit erfolglos ausprobiert und starb nach 1901 aus. Erst unsere dummdreisten Kulturpolitiker haben es exhumiert und ab 1996 als reformförderndes Gift in unsere Rechtschreibung geschleust. Und die staatsgefälligen Medien sind bestrebt, die Erinnerung an die gute alte Rechtschreibung auszulöschen.

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Sigmar Salzburg
24.07.2018 08.43
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Der Islam – eine Fälschung?

Imad Karim, Humanist, Agnostiker, Ex-Muslim und seit langem deutscher Staatsbürger, bekämpft die inzwischen gar nicht mehr schleichende Islamisierung. Jetzt weist er daraufhin, daß schon Mohammeds Sekretär erkannt hatte, daß der „Prophet“ ein Schwindler war:

Imad Karim 21. Juli um 02:17
Liebe ..., der erste Ex-Moslem in der Geschichte des Islams war „Abdullah bin Saad bin Abi Alsoroh“. Moh. diktierte ihm seine „Eingebungen“ und als Abdullah das Diktierte diametral veränderte, dem Propheten zur „Freigabe“ vorlas und der Prophet „Allahs Texte“ zustimmte, wusste Abdullah dass Mohammad lügt und ein Hochstapler ist. Abdullah flüchtete aus Medina nach Mekka (war noch nicht von den Muslimen erobert) und er verließ den Islam. Er gilt als erster Ex-Moslem in der Geschichte.
Später als Mohammad Mekka eroberte, sagte er, tötet für mich diese vier Leute, auch wenn sie sich an der Kaaba klammern und um Verzeihung bitten. einer davon war Abdullah bin Saad bin Abi Alsoroh ! عبد الله بن سعد بن أبي السرح.
Alle islamischen Quellen bestätigen den Vorfall
http://fatwa.islamweb.net/fatwa/index.php
Der von Karim verlinkte Text lautet an der entscheidenden Stelle:
أن عبد الله بن سعد بن أبي السرح كان قد أسلم قبل الفتح، وهاجر وكان يكتب الوحي لرسول الله صلى الله عليه وسلم ثم ارتد مشركا وصار إلى قريش بمكة، فقال لهم: إني كنت أصرف محمدا حيث أريد كان يملي علي: "عزيز حكيم " فأقول: أو عليم حكيم فيقول: " نعم كل صواب
Mohammed war bekanntlich Analphabet. Die sinngemäße Übersetzung besagt (Heilsformeln weggelassen):
Abdullah ... war vor der Eroberung [Mekkas] schon Moslem und schrieb für den Propheten dessen Offenbarungen auf. Dann wurde er Heide, floh zu den Quraisch nach Mekka und sagte ihnen: Ich habe Mohammed verfälscht. Wo er diktiert hatte: „mächtig und weise“, habe ich ihm vorgelesen „wissend und weise“ und er hat gesagt:„Ja, alles ist richtig!“ ...
Karim hat noch Wikipedia zitiert. Dort heißt es, wohl nach anderen Quellen:
ʿAbd Allāh war der Sekretär des Propheten Mohammed. Als dieser ihm einen Koranvers mit den Attributen Gottes „hörend und wissend“ (samīʿ ʿalīm) diktierte, schrieb er stattdessen: „wissend und weise“ (ʿalīm ḥakīm), ohne dass der Prophet den Unterschied bemerkte. Deshalb begann ʿAbd Allāh, an der Wahrheit von Mohammeds Offenbarungen zu zweifeln.
An sich ist das für einen modernen, aufgeklärten Menschen höchsten als Krimi interessant. Leider müssen wir uns damit auseinandersetzen, weil unsere Politiker dem Vordringen dieser Ideologie, dritter Aufguß eines spätbronzezeitlichen Uniformglaubens, keine Grenzen setzen.

Duden trennt auch „Ab-dullah“, was nicht mal Wikipedia tut.
Die klass. arab. Endung von „abdu“ (Diener?) übernimmt vom folgenden Artikel „al“ nur das „l“ und zieht es mit dem abschließenden „lahu“ (Gott) zusammen.

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Sigmar Salzburg
30.06.2018 05.19
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Man kann keinen Texten mehr trauen

In der Nazizeit war die traditionelle, seit 1901 festgeschriebene Orthographie nach Duden üblich, daneben aber auch die gleiche in ß-loser Form, mitunter dann, wenn von der Kurrent- oder Sütterlinschrift abgewichen wurde.

Da das fehlerträchtige Heyse-System als „Kompromiß“ zwischen beiden erst wieder mit der nichtsnutzigen Rechtschreib„reform“ 1996 exhumiert wurde, müssen ziemlich alle Schriftstücke, die diesen markanten Wechsel zwischen Schluß-ss und Vokallängen-ß anzeigen, spätere Umfälschungen des Textes sein.

Die WELT meinte nun wieder, ihre Leser vor dem Anblick der bewährten Rechtschreibung schützen zu müssen:

Wie erst jetzt durch eine schriftliche Bestätigung des Einwohnermeldeamtes München gegenüber der „Bild“-Zeitung bekannt wurde, ist Gudrun Burwitz, geborene Himmler, am 24. Mai 2018 gestorben...
Schon die wenigen Textfetzen lassen erkennen, daß hier der mit der „Reform“ implantierte Geschichtskorrekturwahn wirksam wird:
Frühkindliche Prägungen wirken meist sehr lange: „Muss der Onkel Hitler auch sterben?“, fragte die gerade fünfjährige Gudrun im März 1935 ihre Mutter Marga Himmler. Die notierte die Frage in ihrem „Kindheitstagebuch“ und fügte hinzu: „Ich beruhigte sie und sagte, der Onkel Hitler lebt noch ganz lange; erfreut rief sie: 100 Jahre, ganz lange, nein, Mami, ich weiß, 200 Jahre.“ Dann sei Gudrun beruhigt eingeschlafen...

Die Tochter vermisste ihren „Reisepappi“. Von seinen Verbrechen ahnte sie nichts. „Püppi konnte nicht begreifen, dass Du geschrieben hast, Du könntest nicht mehr so lachen wie 1936“, schrieb Marga ihrem Mann 1941: „Vielleicht ist es doch ganz gut, dass sie sich den Krieg noch nicht vorstellen kann.“...
Wie wir hier und da schon früher nachgewiesen haben, schrieb die Familie Himmler auch in Antiqua herkömmliche ß:
Als der Krieg für Hitler-Deutschland zu Ende ging, sorgte sich Himmler um seine Frau und seine Tochter, auch wenn er in Berlin längst eine Zweitfamilie mit einer Sekretärin und zwei Kindern hatte. Er ließ Marga und Gudrun in der Nacht auf den 19. April 1945 von einem Mitarbeiter aus seinem Stab aus Gmund abholen und nach Südtirol bringen. „Wo wir hingehen, muss ganz geheim bleiben (unter falschem Namen)“, schrieb Gudrun. Es war ihr vorletzter Eintrag ins Tagebuch. Den nächsten vom 29. April brach sie mitten im Satz ab.

welt.de 29.06.2018
In einem Brief anläßlich des beginnenden Rußlandfelzugs zeigte das junge Mädchen mehr Einsichtsfähigkeit als die ganze Nazi-Riege:
Auch Tochter Gudrun schickte an diesem welthistorisch wichtigen Sonntag einen Brief an ihren Vater: „Es ist ja furchtbar, dass wir gegen Russland Krieg machen. Es waren doch unsere Verbündeten.“ Und noch ein Bedenken formulierte das nicht einmal zwölf Jahre alte Mädchen in ihrem Schreiben: "Russland ist doch sooo groß, wenn wir ganz Russland einnehmen, der Kampf wird sehr schwer sein.“...
Dieser Text entstammt dem „Archiv“ der WELT, das ebenfalls, soweit besichtigt, systematisch orthographisch verfälscht wurde.

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Sigmar Salzburg
03.06.2018 16.46
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Zum Tode Irenäus Eibl-Eibesfeldts

Der Zoologe und Ethnologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist am Samstag gestorben. Das teilten Familie und Freunde des gebürtigen Wieners am späten Samstagabend mit. Vorangegangen war eine kurze, schwere Krankheit des Verhaltensforschers, der am 15. Juni 90 Jahre alt geworden wäre...
...
In seinem 1970 erschienen Buch „Liebe und Haß" schrieb er [eher mit ß]: „Ich vertrete die These, dass aggressives und altruistisches Verhalten durch stammesgeschichtliche Anpassung vorprogrammiert sind.“ Die aggressiven Impulse des Menschen würden „durch ebenso tiefverwurzelte Neigungen zur Geselligkeit und zum gegenseitigen Beistand aufgewogen“...

Eibl-Eibesfeldt eckte aber auch mit seiner These von der angeborenen Fremdenscheu an. Diese gehörte seiner Meinung nach zur biologischen Wesensart des Menschen, weshalb zu viele Einwanderer den sozialen Frieden gefährdeten...

spiegel.de 3.6.2018

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Sigmar Salzburg
09.05.2018 15.51
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Weiteres Fälschen zum Wohlgefallen der Schreibdiktatoren

Spiegel Online schreibt über die Suche nach einem vermißten Verwandten, der auf dem Feldzug gegen die Sowjetunion verschollen ist. Das kenne ich nur zu gut:

Spurensuche in Weißrussland
Wo ist Hans?

Wenn der Großonkel spurlos verschwindet: Hans Dohr, im Zweiten Weltkrieg Soldat an der Ostfront, gilt bis heute als vermisst. Sein Großneffe Tobias Lickes suchte nach Antworten – und hat einen NDR-Film über die Spurensuche gedreht.
Aber warum werden wieder die Briefe in die Rechtschreibung von 1996 umgefälscht? Das ss/ß-System nach Heyse gab es doch nur ganz kurz vor 1900 in Österreich. Die Schreibmaschinenschrift soll wohl zusätzlich Authentizität vorgaukeln.
Sonntag, den 24.4.1944.

Meine Lieben,
heute am Sonntag sende ich euch die herzlichsten Grüße. Hier haben die ersten Frühlingsboten (...) Einzug gehalten. Allerdings ist man hier mit dem Sonnenschein sehr sparsam. (...) Hier gibt es nicht viel Neues, alles geht seinen Gang weiter. Und wie ist es zu Hause? Der Tommy hat wohl wieder Köln angegriffen, wenn das doch mal bloß aufhörte. (...) Ja, mein liebes Trudchen, wollen wir hoffen, dass der Krieg bald ein Ende hat und wir uns alle gesund wiedersehen. Sonst, meine Lieben, wünsche ich Euch alles Gute und verbleibe mit den herzlichsten Grüßen. Dieser Brief ist ja nicht viel, aber von Herzen.

Euer Hans
----------------

Krefeld, den 10.7.1944

Lieber Hans,
in Gedanken sind wir immer bei Dir. Denn die schweren Ereignisse an der Ostfront machen uns Sorgen. Wenn schönes Wetter ist, gehe ich öfters mit Mutter zum Garten. Die Erdbeeren sind nun alle, jetzt kommen die Kirschen dran. Wenn Du erst im Winter kommst, können wir wenigstens Kirschtorte machen. Natürlich auch dann, wenn Du eher kommst. Für heute, lieber Hans, will ich denn schließen, in der Hoffnung, dass es Dir noch gut geht.

Kuss, Gertrud

spiegel.de 9.5.2018
Immerhin ist zu begrüßen, daß man die Anrede nicht auch noch in das Unhöflichkeits-du von 1996 umgefälscht hat, wie man es z.B. mit Schulbuchtexten von Marx, Lasalle und anderen macht.

Es bleibt die Frage nach dem Warum, denn das Bundesverfassungsgericht fand, daß bei Verwendung der bewährten Rechtschreibung „Nachteile nicht zu besorgen“ seien. Man kann nur zu dem Schluß kommen, daß über der ganzen „Reform“ der Orwellsche Geist schwebt, der im Gedächtnisloch verschwinden lassen will, daß es einstmals eine elegante und allgemein anerkannte Rechtschreibung gegeben hat, die aus Unfähigkeit, Mutwillen, Veränderungsideologie und Traditionshaß zerstört wurde.

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Sigmar Salzburg
15.04.2018 19.15
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Das Kuckucksei der Schreib„reform“ ...

... ist die „neue“ ss/ß-Regel. Die Verfassungsrichter hatten hier versagt – trotz der Einsicht ihres Vorgängers Prof. Mahrenholz. Obwohl die bewährte Rechtschreibung nicht verboten ist und für hochrangige Literatur bevorzugt wird, herrscht die Hysterie, auch ältere Texte umzufälschen. Spiegel-EinesTages bringt wieder Auszüge aus einem Buch mit Texten des Schriftstellers Bernhard Schulz kurz nach dem Krieg:

„Wenn diese verdammten Idioten nur Schluss machen wollten“, schrieb Bernhard Schulz am 2. April 1945 seiner Gerda.
Man kann leicht nachprüfen, daß er am 2.4.1945 geschrieben hatte:
„Wann sehe ich Dich wieder? Wenn diese verdammten Idioten nur Schluß machen wollten!“
(angeblich Sütterlin, in Maschinenschrift abgeschrieben.)
Das „ehrerbietige“ große „Du“ fälscht man aber wohl meist nur für Schulbücher in das Reform-Prekariats-du um.
Der Journalist und Schriftsteller (1913-2003) hatte den Krieg mehr als satt, er wollte nach Hause, seine Frau und sein Baby im Arm halten, es sollte in diesen Tagen zur Welt kommen. Schulz geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst im Spätsommer 1945 zu seiner Familie zurück...

"Bleistiftumriss eines Auferstandenen“: Mit dieser Überschrift versah Schulz den folgenden Text. Er bezieht sich auf den Kampf um die zentralrussische Stadt Suchinitschi, die Anfang Oktober 1941 von der Wehrmacht besetzt und knapp drei Mon[a]te später von der Roten Armee zurückerobert wurde.

spiegel.de 15.4.2018
Wohl aus der Gegend von Suchinitschi schrieb er auch an seine Frau, wie man auf der Homepage lesen kann:
23/1.42
Meine liebe, liebe Gerda!
Gestern erlebten wir einmal etwas Gutes. Die alte Frau Ju, die uns fast täglich Munition bringt, brachte Post mit. Ich bekam drei Briefe von Dir, vom 17., 18. und 19. Dezember. Über fünf Wochen hatte ich nichts mehr von Dir gehört. Du kannst Dir ausmalen, welche Freude es für mich war, so unverhofft drei Briefe zu bekommen! Die sind jetzt meine tägliche Lektüre! Gut, daß auch ein Brieflein von meiner Mutter dabei war! Es ist mir beim Lesen noch einmal ordentlich schwer gefallen, daß ich auf das Weihnachtsfest in der Heimat habe verzichten müssen... bernhardschulz.de
700 Kilometer weiter südlich wurde fünf Tage zuvor mein Vater nach einem Gefecht bei Kamenka vermißt, ohne daß danach jemals eine Spur von ihm gefunden wurde. Zu Weihnachten hatte meine Mutter (auch mit Namen Gerda) ihm noch einen Napfkuchen gebacken und mitten hinein einen Apfel gesteckt. Ob ihn das Paket vorher noch erreicht hatte?

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Sigmar Salzburg
26.03.2018 20.00
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Krokusblüte in Eckernförde 26.3.2018

Tafel vor einem weiten Krokusblütenrasen:

Blass vom Zorn des Winters
konnten sich Nieswurz und
Schneeglocken noch nicht
recht entschließen,
wirklich Blume
zu sein.

Wilhelm Lehmann
Bukolisches Tagebuch
27. Februar 1928

Lehmann für alle
© Umweltbildungswesen
Eckernförde 2018
Das Schild könnten ja auch – horribile dictu – unschuldige Schüleraugen sehen und ihnen die mühsam andressierte Heyse-Systemschreibung fürs Leben ruinieren. Deswegen muß das Original umgefälscht werden:
KIT – Botanischer Garten Wilhelm Lehmann – Februar: Nieswurz
„Blaß vom Zorn des Winters konnten sich Nieswurz und Schneeglocken noch nicht recht entschließen, wirklich Blume zu sein.“ Bukolisches Tagebuch, 27. Februar 1928. Tatsächlich zählt die Stinkende Nieswurz zu den ersten Pflanzen, die im zeitigen Frühjahr zu blühen beginnen ...
NB: Die „erleichternde“ Reformregel „ß nach Langvokal“ (Nießwurz) versagt hier.
Zu Wilhelm Lehmann siehe auch hier
.

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Sigmar Salzburg
24.03.2018 12.35
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Humboldt nach seinem Zeitgenossen Heyse 2017 „korrigiert“?

Zufällig gefunden:
250. Geburtstag Wilhelm von Humboldts
„So viel Weibliches in mir“

Geschlechtergerechtigkeit, Empathie, offene Ehe: Der Gelehrte Wilhelm von Humboldt war seiner Zeit oft weit voraus. Zum 250. Geburtstag des Tegeler Visionärs von Dorothee Nolte

„27. Juli in Spa einer Hure 1 Krone“

Und er besuchte Bordelle. „Ich lasse der Begierde ungescheut die Zügel schießen, und erkenne in dem Genuss, selbst in dem, den viele ausschweifend nennen würden, eine große und wohltätig fruchtbare Kraft.“ In einem Oktavheftchen hielt er fest, wie_viel er für die Befriedigung seiner körperlichen Bedürfnisse ausgegeben hatte: „27. Juli in Spa einer Hure 1 Krone; 30. Juli in Brüssel einer Hure 7 Sous; 10. August ,Fleischeslust’ 1 Karolin; 14. August ,Sinnenlust’ 2 Kronen 24 Sous.“

tagesspiegel.de 6.6.2017

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Sigmar Salzburg
12.03.2018 10.15
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Helmuth James Graf von Moltke ...

... ein herausragender Widerständler gegen die Nazidiktatur, wurde am 23. Januar 1945 nach einjähriger Haft in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Zufällig stieß ich bei Spiegel.de „EinesTages“ auf Teile des Briefwechsels zwischen ihm und seiner Frau, veröffentlicht wohl nach dem Buch „Briefe an Freya 1939 – 1945 C.H.Beck“:

Todestag
Helmuth James an Freya
23. Januar 1945
Mein Lieber, wie schön zu wissen, dass Du da bist. Wie sehr lieb. Eben brachte (der Wachtmeister) mir frisches Fleisch, Schlagsahne und Semmeln.
Sonst nichts anderes als dass ich Dich, mein sehr liebes Herz, sehr lieb habe und dabei bleibt's. J.
spiegel.de 22.12.2010
Wie zu erwarten, wurden die Schriftstücke wieder in das seit 1996 „gültige“ und „leichter erlernbare“, 200 Jahre lang fast vergessene Heyse-ss-System umgefälscht. Ein Faksimile zum Vergleich wurde nicht beigefügt, jedoch gibt es bei evangelischer-widerstand.de den Ausschnitt aus einem Brief vom 28. Dezember 1944 mit der Wiedergabe der Handschrift, deren Entzifferung ich versucht habe:


Ich denke jetzt manchmal – was ich seit Monaten nicht getan habe – darüber nach, wie alles wäre, wenn ich am Leben bliebe und wundere mich, ob ich das wohl alles wieder vergessen würde oder ob man aus dieser Zeit doch ein reales Verhältnis zum Tod & damit zur Ewigkeit behält. Ich komme zu dem Ergebnis, daß auch das Fleisch & Blut alles daransetzen würden, diese Erkenntnis wieder zu verdrängen, sodaß ein ständiger Kampf nötig wäre, um die Früchte dieser Zeit zu retten. Wir sind eben ein jämmerliches Geschlecht, darüber ist kein Zweifel, nur wissen wir es meist garnicht, wie jämmerlich wir sind. Jetzt weiss ich auch, warum Paulus & Jesaja, Jeremia & David & Salomo, Moses & die Evangelisten nie veralten: sie waren eben nicht so jämmerlich; sie hatten ein Format, das für uns unerreichbar ist auch durch Menschen wie Goethe ja selbst wie Luther nicht erreichbar. Was diese Menschen erlebt & erfahren haben, das werden wir nie ganz verstehen. Man fragt sich nur, ob damals solche Männer vielleicht in grösserer Zahl existiert haben? Man muss doch annehmen, daß uns ein Bruchteil von dem überliefert ist, was existiert hat. Wie ist es aber möglich, daß solche Männer damals existierten? Die sind doch wie eine andere Spezies Mensch. Und warum unter den Juden? Und warum heute auch unter den Juden nicht mehr?

Brief 28. Dezember 1944
Moltke verwendete die damals verbreitete ß-lose Lateinschrift, jedoch für „daß“ die Ligatur aus langem zweischlaufigem h und rundem Schluß-s der deutschen Kurrentschrift, die handschriftlich mitunter für ſs und ß verwendet wurde. Das hätte man mühelos und korrekt zitiert wiedergeben können, vor allem, weil auch trotz „Reform“ in der Schweiz amtlich ß-frei geschrieben wird. Aber man will den üblen Eingriff in die deutsche Schreibtradition vergessen machen und vor allem in den Schulen keine „Verwirrung“ stiften.

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Sigmar Salzburg
07.12.2017 20.02
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Tucholsky

Simone Guski ist „gelernte Philosophin, arbeitete viele Jahre lang als Kulturjournalistin mit dem Schwerpunkt Kunst im In- und Ausland für Tageszeitungen und Magazine“, schreibt der „Humanistische Pressedienst“. Dort fallen ihre fundierten Artikel zu Anthropologie, Primatologie und Tierrechten angenehm auf. Aber man wundert sich, warum sie (oder eher die Redaktion?) meint, ältere, in bewährter Kulturrechtschreibung verfaßte Zitate den Lesern nicht im Original zumuten zu dürfen, so daß diese nun verfälscht im Dass-Deutsch der Kultusminister erscheinen. Ihr hübscher Aufsatz „Können Tiere eitel sein“ verliert damit an Schönheit und Glaubwürdigkeit, zumindest für Kenner:

Was wir an Tieren schön finden, abgesehen von ihrer Anmut, die Muster ihrer Felle und Gefieder, entstanden zur Abschreckung, zur Arterkennung und sollen den potentiellen Partner beeindrucken. Aber schmücken sich Tiere auch? Nein, meint Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard in ihrem jüngsten Essay. Doch, meinte ein Leser unserer Rezension...
Am Schluß bringt Frau Guski einen Textabschnitt aus der „Weltbühne“, die eigentlich nur bewährt druckte, und man ahnt, daß da etwas nicht stimmt:
Unter dem Decknamen Ignaz Wrobel schrieb Kurt Tucholsky am 3.6.1930 in seiner Weltbühne den Verhaltensforscher [Wolfgang Köhler 1917] detailliert zitierend:
Da erzählt er, wie die Affen gern allerlei Gegenstände mit sich herumschleppen, an ihrem Körper anbringen, sich mit ihnen behängen. „Fast täglich sieht man ein Tier mit einem Seil, einem Fetzen Zeug, einer Krautranke oder einem Zweig auf den Schultern dahergehen. Gibt man Tschego eine Metallkette, so liegt diese sofort um den Nacken des Tieres. Gestrüpp wird mitunter in größeren Mengen auf dem ganzen Rücken ausgebreitet getragen. Seil und Zeugfetzen hängen gewöhnlich zu beiden Seiten des Halses über die Schultern zu Boden; Tercera lässt Schnüre auch um den Hinterkopf und über die Ohren laufen, so dass sie zu beiden Seiten des Gesichts herunterbaumeln.“

Und Köhler fügt nun eine glänzende Beobachtung hinzu: "… dass die am Körper hängenden Gegenstände Schmuckfunktion im weitesten Sinne haben. Das Trotten der behängten Tiere sieht nicht nur mutwillig aus, es wirkt auch naiv-selbstgefällig. Freilich darf man kaum annehmen, dass die Schimpansen sich eine optische Vorstellung von ihrem eignen Aussehen unter dem Einfluss
der Toilette machen, und nie habe ich gesehen, dass die äußerst häufige Benutzung spiegelnder Flächen irgend Beziehung auf das Behängen genommen hätte; aber“ – passt auf! – „aber es ist sehr wohl möglich, dass das primitive Schmücken gar nicht auf optische Wirkungen nach außen rechnet – ich traue so etwas dem Schimpansen nicht zu –, sondern ganz auf der merkwürdigen Steigerung des eigenen Körpergefühls, Stattlichkeitseindrucks, Selbstgefühls beruht, die auch beim Menschen eintritt, wenn er sich mit einer Schärpe behängt oder lange Troddelquasten an seine Schenkel schlagen. Wir pflegen die Selbstzufriedenheit vor dem Spiegel zu erhöhen, aber der Genuss unsrer Stattlichkeit ist durchaus nicht an den Spiegel, an optische Vorstellungen unsres Aussehens oder an irgend genauere optische Kontrolle überhaupt gebunden; sobald sich so etwas mit unserm Körper mitbewegt, fühlen wir ihn reicher und stattlicher.“
Wolfgang Köhler beobachtete also, wie Schimpansen sich Ranken, Stofffetzen und Metallketten um die Schultern beziehungsweise um den Hals hängten. Demnach ginge es den Schimpansen zwar nicht darum schöner zu sein, aber sich imponierender zu fühlen. Sozusagen um ein Körpergefühl, eine Sebstwahrnehmung wohlgemerkt. Nicht zufällig hat Tucholsky diesen Aspekt schmunzelnd aufs Korn genommen. Sporenklirren oder Säbelrasseln muss den deutschen Militärs, wie Tucholsky sie noch erleben konnte, ein ähnliches Glücksgefühl verschafft haben. Diese Art von „Schönheit“ hört man! So wie sich schön Fühlen macht auch sich fulminant und beachtenswert Fühlen glücklich, und auf diese Emotion, nicht die Außenwirkung kommt es bekanntlich genauso an, wenn wir Menschen uns einmal so richtig aufbrezeln.

hpd.de 7.12.2017
Da kann man die Lebenserfahrung des Erlanger Sprachwissenschaftlers Theodor Ickler nahtlos anschließen, warum wohl nicht nur einzelne Wichtigtuer, sondern gerade die Medien und Redaktionen die Durchsetzung der hübsch häßlichen und sinnlosen „Reform“ für die Kultusminister betrieben haben: Diese Art von Staatsgefälligkeit sieht man!
„Welch wohligen Schauer muß es dem unterwerfungssüchtigen deutschen Mitläufer bereiten, wenn er zum erstenmal dass schreibt oder so genannt spaltet und sich damit demonstrativ auf die richtige Seite, die Seite der Staatsmacht schlägt! („Der Staat schreibt vor“ 1998).

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