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faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Sigmar Salzburg
24.01.2018 23.31
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Tag der Handschrift

Wider die Verächter des Schönschreibens

Von Tilman Allert

Aktualisiert am 23.01.2018-12:47

Die anstrengende Übung, mit fünf Fingern „Ich“ zu sagen: Heute werden Schüler angehalten, nur noch auf der Tastatur zu schreiben. Was für ein Fehler! Ein Plädoyer zum Internationalen Tag der Handschrift.

In jüngster Zeit melden sich wissenschaftliche Stimmen, die den Schulen empfehlen, auf das Einüben der Handschrift als unzeitgemäß zu verzichten. Die Finger sollten vielmehr frühzeitig auf das Handhaben von Tastaturen trainiert werden. In den Lehrplänen der Grundschulen ist seit Längerem schon das Üben des Schreibens zwar vorgesehen, benotet wird es hingegen nicht mehr. Die Frage nach einer verbindlichen Grundschrift oder einem Standard, der früher Schulausgangsschrift genannt wurde, ist strittig und Ländersache.

Der heutige Internationale Tag der Handschrift bietet also Anlass zum Nachdenken. So wie Kinder Märchen brauchen, so wie sie im Mythischen ein frühes Zuhause finden, so reifen sie im Ausprobieren ihres sensomotorischen Vermögens, gewinnt ihr Selbstwertgefühl im Umgang mit dem Stift, mit dem sie die ersten Linien ziehen. Beim Schreiben lernen sie, Verbindungen zu erzeugen und im Überwinden fragmentierter Wahrnehmung der Sensation eines eigenen Signums nachzuspüren. Die Bildung der Handschrift ist ein Juwel aus den frühen Zeiten einer entstehenden personalen Identität, Zeichen einer großen Ernsthaftigkeit, einer wachsenden Zuversicht in ein elementares Vermögen auf dem Weg zu dem, was die Erwachsenen schon können.

Weiterlesen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/plaedoyer-zum-tag-der-handschrift-15411749.html

Eine Leserzuschrift dazu:

Mein jüngster Sohn hat gestern eine seiner Abitur-Klausuren geschrieben. Ich hatte ihm schon vor Jahren eingeimpft, wenn es geht, mit einem guten Füllhalter in Laufschrift und nicht in Blockschrift zu schreiben und das Schreiben auch immer wieder zu üben, so daß es einem irgendwann wie von selbst von der Hand geht. Gestern abend war er mir dankbar und erzählte, daß einige seiner Mitschüler schier verzweifelten, weil ihnen bei der fünfstündigen Klausur mehrfach die Hände vom Schreiben in Blockschrift verkrampften. Er hatte damit keine Probleme. Nun schreibt man nicht jeden Monat eine fünfstündige Klausur, aber in einer gepflegten Handschrift verfaßte persönliche Notizen, Briefe, Kondolenzschreiben oder Glückwunschkarten kommen immer viel besser an als auf dem Computer ausgedruckte. Deswegen finde ich es entsetzlich, wenn ich heute Notizen von Akademikern zu lesen bekommen, deren Handschrift mich an mein zweites Schuljahr erinnert und keinerlei persönliche Entwicklung erkennen läßt.

[Diesen Text erhielt ich von Herrn P. Petersen zugesandt.]

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Sigmar Salzburg
17.11.2017 22.28
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Aus einer umfangreichen Analyse in der FAZ

Merkel – ein Rückblick

Wolfgang Streeck

Die Ära Merkel geht zu Ende. Zum Glück, denn sie steht für den sinnentleerten Machterhalt einer Monarchin. Ein Gastbeitrag.

Die Ära Merkel geht zu Ende, und das ist auch gut so. Allmählich erwachen die deutsche Politik und ihre Öffentlichkeit aus ihrer postdemokratischen Narkose. Merkels basale Herrschaftstechnik bestand bekanntlich darin, statt Wähler für eigene Ziele zu mobilisieren, den Wählern anderer Parteien die Gründe zu nehmen, zur Wahl zu gehen – durch so unauffällig wie möglich gehaltene Bekenntnisse zum eigenen Programm bei angedeutetem Verständnis für die Programme der Konkurrenz...
[...]
„Mitte statt rechts“ opferte das Strauß’sche Erbe, indem es die Repräsentation des rechten Randes der Wählerschaft einer neuen, mit der Union konkurrierenden Partei überließ – in Gestalt der AfD, ursprünglich eine elitär-bürgerliche neoliberale Kleinpartei, deren Marsch in den „Rechtspopulismus“ dadurch beschleunigt wurde. Für Ausgleich sollte eine umfassende Mobilisierung von Politik und Gesellschaft zur Ausschließung der populistisch gewendeten AfD aus dem demokratischen Verfassungsspektrum sorgen, unter Anrufung der antinationalsozialistischen Staatsraison des Landes.

So konnte die AfD als Vogelscheuche zum Zweck der politischen Disziplinierung einer neuen, 90-prozentigen gesellschaftlichen Großmitte dienen – indem kritische Themen wie die Zukunft der Nationalstaaten in der Europäischen Union, der Aus- und Umbau der Währungsunion und die ungeregelte Einwanderung als Lehrstück über die Grenzenlosigkeit der Marktgesellschaft zu AfD-Themen erklärt wurden, über die man nicht sprechen durfte, wollte man dem „rechten Populismus“ nicht „Vorschub leisten“.
[...]
Im weiteren Umkreis des offiziellen Antifaschismus begannen Presse, Rundfunk und Fernsehen, Schulen, Volkshochschulen und Universitäten, Jugendverbände, Kulturschaffende und Kleriker aller Art eine landesweite Immunisierungskampagne gegen die AfD. In Köln forderten Oberbürgermeisterin und Kardinal zusammen mit Karnevalsvereinen und Rockgruppen dazu auf, sich durch eine Demonstration gegen die Abhaltung eines Parteitags der AfD in einem Kölner Hotel „für Toleranz“ einzusetzen – beide Kirchen unter dem für ihre historischen Verhältnisse durchaus riskanten Slogan „Unser Kreuz hat keine Haken“.

Auch an den deutschen Grenzen machte der Antifaschismus der breiten Mitte, „proeuropäisch“ wie er sich verstand, nicht halt. Bei Wahlen und Abstimmungen im Ausland wusste die deutsche Öffentlichkeitsmaschine genau, wie diese auszugehen hatten, und tat dies unmissverständlich kund. Ab November 2016 konnte dann Donald Trump als Erzfeind aller Menschen guten Willens als Begründung herhalten, warum in Österreich der Kandidat der Grünen unbedingt Bundespräsident werden musste. Für Frankreich feierte der SPD-Vorsitzende, zusammen mit dem Philosophen Jürgen Habermas, unter dem Eindruck der antieuropäischen Gefahr den Banker Macron als legitimen Sohn der deutschen Sozialdemokratie und langersehnten Überwinder der unseligen französischen Spaltung zwischen links und rechts.
[...]
Wolfgang Streeck, Jahrgang 1946, ist Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln...

plus.faz.net 16.11.2017

Streeck scheut auch keine Kritik an der Kritiklosigkeit der FAZ gegenüber der Kanzlerin selbst und zitiert: „Die ganze Meckerei wirkt hilflos, lächerlich und misogyn – denn auf die Kanzlerin kommt es an“ (F.A.Z. vom 16. September 2016)

Daß nun überhaupt Verhandlungen über ein Jamaika-Format möglich sind, verdanken wir dem unverantwortlichen Nazi-Geschrei der Altparteien. Das hat viele Wähler dazu verleitet, die nichtsnutzige FDP zu exhumieren, deren Chef nun schon seine Wahlversprechen zurücknimmt. Sonst hätte die AfD doppelt so viele Stimmen bekommen.

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Sigmar Salzburg
08.07.2017 04.07
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Jakob Augstein, ...

... Salonbolschewist und spätpubertierendes Millionärssöhnchen mit Walserschen Genen, „twittert“ auf einen „Tweet“ der Bundesregierung („Friedliches Demonstrieren, ja! Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung!“):

Jakob Augstein‏ @Augstein · 7. Juli 2017 · [< lesenswerte Kommentare!]
Widerspruch! Der Gipfel selbst tut der Stadt Gewalt an! Mündige Bürger werden zur Kulisse von Despoten gemacht.
Dabei dachte man doch, die meisten Teilnehmer seien demokratisch gewählte Staatslenker. Trifft das z.B. auf Merkel nun nicht mehr zu? Selbst der seit längerem dem Genossen Linker Trend nachkriechenden FAZ wird das zuviel:
Da brennt es in Hamburg längst lichterloh und werden Unbeteiligte von vermummten Chaoten niedergeprügelt. Mit dem Firnis der Zivilisation macht der „Schwarze Block“ nicht lange Federlesen. Der Biedermann namens Jakob Augstein, von dem hier die Rede ist, gibt derweil auf Twitter weiter Feuer. Soll man das anders als Aufruf zu Gewalt und geistige Brandstiftung nennen?
faz.net 7.7.2017

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Sigmar Salzburg
21.06.2017 19.17
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Lieber Peter, vielen Dank für Deinen freundlichen Zuspruch. So etwas erfahre ich selten – zuletzt im letzten Jahr von unerwarteter Seite. Am Abend des 27. September 1998, nachdem wir den Volksentscheid in Schleswig-Holstein gewonnen hatten, glaubte ich noch an die Demokratie in Deutschland und daß ich mich nie wieder mit der Rechtschreib„reform“ befassen müßte. Tausend bessere und interessantere Dinge hatte ich mir für meine letzte Lebenszeit vorgenommen. Wer hätte damals gedacht, daß Politik und Medienmafia zwanzig Jahre später das Volk soweit verblödet haben könnten, daß es sogar seiner eigenen Abschaffung teilnahmslos bis freudig entgegensieht.

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Peter Lüber
21.06.2017 01.19
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Seit vielen Jahren lese ich Sigmar Salzburgs Zeilen in diesem Forum mit großem Gewinn. Daß ich ihn für mindestens zehnmal klüger halte als mich selbst, dürfte zu einem Teil an meiner geringen Schulbildung liegen, dessen auffallendste Auswirkung war, daß ich die deutsche Sprache eher schlecht als recht erlernte; zum andern Teil daran, daß ich ein sprachlich Unbegabter bin.

Mir ist heute vollkommen klar, daß die Reform der deutschen Schrift eine politische Volksverblödungsmaßnahme war. Und beim Politischen sollten wir in diesem Forum bleiben!

Wenn Sigmar Salzburg die Führer der AfD politisch verteidigt, dann entgegne ich ihm als Schweizer und Befürworter sowohl der direkten Demokratie als auch der Neutralität, daß auch ich das Programm der AfD befürworte: Denn in ihm steht geschrieben: „Als freie Bürger treten wir ein für direkte Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Föderalismus, Familie und die gelebte Tradition der deutschen Kultur.“

Ich erlaube mir nun selbst zwei Anmerkungen kundzutun, die mit den oben zitierten Zeilen sinngemäß eng zusammenhängen.

  • Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt sagte einst: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ – Weiter im Text … Und
  • Einer der Besten, die in diesem Forum wider die Rechtschreibreform schrieb, teilte ich per E-Mail scherzweise mit, ich sei ein Sozialist. Hierauf verstummte sie für immer.

Nun gut: Mein Humor ist nicht jedermanns Sache! – Deshalb schlage ich zur Ablenkung und Auflockerung der politischen Gesinnung das Hören der folgenden Tonfolge an: Klick!

Gruß von Peter Lüber

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Sigmar Salzburg
20.06.2017 06.44
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Der moralische Abstieg der FAZ

Die FAZ war einmal eine konservative Zeitung, hinter der „immer ein kluger Kopf“ steckte. Seit dem Ausstieg aus der bewährten Rechtschreibung 2007 mehren sich die Zeichen, daß das Blatt auch den zerstörerischen Kurs des Merkel-Regimes unterstützt und an der perfiden Kampagne gegen die einzige Opposition mitwirkt. Schon im erstmalig nach zehn Jahren gekauften Exemplar vom 10. Juni fiel mir auf, daß die FAZ das Thema „Höcke und die NPD“ künstlich am Laufen hält. Jetzt übertrifft die FAZ noch die Denunziation des linksextremen „Soziologen“ Kemper „Wieviel NPD höckt in der AfD?“ mit dem fünfseitigen Artikel eines prominenten Geschwätzwissenschaftlers aus der Sparte Politik:

Wie_viel NSDAP steckt in der AfD?
19.06.2017, von Jürgen W. Falter
Der eifrige Prof. aus Mainz hätte auch die Piraten-Partei hernehmen können: „Unser Aufstieg verläuft so rasant wie bei der NSDAP“ (Pirat Delius), aber die AfD ist mit ihren echten Alternativen eben die größere Gefahr für den alternativlosen Hosenanzug. Deswegen rückt der seltsame Falter fünf Seiten lang – mit scheinheiliger Distanzierung – die AfD an die Seite der NSDAP:
Obwohl die AfD sicherlich nicht mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt werden kann und sie zumindest anfänglich eine demokratisch orientierte, fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Partei war, können Vergleiche der Wählerschaft beider Parteien doch unter verschiedenen Gesichtspunkten erkenntnisfördernd sein.
Statt die scheinbar blauäugigen Zusammenrückungen aufwendig zu diskutieren, erlaube ich mir, nur einige kritische Lesermeinungen gekürzt anzuführen:
Richtig Herr Falter. Auch ich stelle fest, dass bei uns in der AfD
Lotte Herzog – 19.06.2017 18:43
...die Überläufer aus der CDU, aber auch aus anderen Parteien, alle vorbelastet sind u.U. gar NAZIs sind. Da die Partei nur „zumindest anfänglich eine demokratisch orientierte, fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Partei war“ (Zitatende) wie Sie schreiben, muß dringend der Verfassungsschutz eingreifen. Offenbar habe Sie gute Beweise für das Gegenteil.

Unsägliche NS-Vergleiche!
Albrecht Hager – 19.06.2017 18:14
NS-Vergleiche sind in aller Regel problematisch. Es ist zwar richtig, dass vergleichen nicht gleichsetzen bedeutet. Dennoch ist es höchst problematisch eine völlig demokratische und verfassungskonforme Partei wie die AfD (Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz) mit einer Partei zu vergleichen, die für schlimmste Verbrechen verantwortlich ist... Warum kommt dieser unsägliche Vergleich direkt vor der Bundestagswahl? ...

Sie haben völlig Recht
Heinrich Ludger Keizer – 19.06.2017 18:35
... Wenn man die Nazi-Keule schwingt, muß man sich nicht mit Fakten auseinander_ setzen.

Geschmäckle
Hans-Martin Fischer 1 – 19.06.2017 18:02
Egal wie man zur AfD steht. Dieser Artikel zu diesem Zeitpunkt hat ein Geschmäckle. Wie angesprochen könnte man auch fragen, wie_viel Stalin in der Linken steckt... Diese Art der Auseinandersetzung ist niveaulos, egal wen sie trifft...

Gewalt gegen die AfD: Nur ein Kavaliersdelikt der „Zivilgesellschaft“
Tom Weber – 19.06.2017 17:25
Sieben Seiten um am Ende zu sagen: „Na ja, ähnlich sind sich die Wähler aber schon“. Das glaubt kein Mensch mehr, einfach nur lächerlich, Man zähle nur einmal die massiven gewalttätigen Angriffe auf die AfD und halte dann jene entgegen, die von der Partei ausgehen. Das reicht, um klarzumachen, woher der extremistische und antidemokratischen Wind weht...

Wie_viel .......
Gerhard Zachmann – 19.06.2017 17:04
Wie_viel „Der Stürmer“ steckt in der FAZ? Auch das könnte man mal titeln. Was dann das Ergebnis des Artikels ist, wäre egal; Hauptsache, man hat die Namen der beiden Zeitungen schon mal in einen Zusammenhang gebracht. Genau so verhält sich die FAZ hinsichtlich der AfD. Übelster Kampagnenjournalismus.

faz.net 19.6.2017
Nein, ich werde mir die FAZ auch künftig nicht mehr kaufen.

Nachtrag: Siehe auch Nicolaus Fest.

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Sigmar Salzburg
08.04.2017 08.43
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FAZ-Kommentar

Sieg der Eltern

Bayern korrigiert seinen politischen Fehler der jüngsten Bildungsgeschichte. Ob das Gymnasium wieder zur Schulform wird, die auf das Studium vorbereitet, ist aber ungewiss.
06.04.2017, von Heike Schmoll

Mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hat auch Bayern nach Jahren des Streits und der Proteste einen der folgenreichsten politischen Irrtümer der jüngsten Bildungsgeschichte korrigiert. Und die CSU-Regierung hat sogar doppelt gelernt, was in der Politik Seltenheitswert haben dürfte: So überstürzt wie bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums vor 13 Jahren soll es bei der Rückkehr nicht zugehen. Anderthalb Jahre Vorbereitungszeit sind vorgesehen, um eine Gesamtreform des Gymnasiums auf den Weg zu bringen, die von Dauer sein soll.

Ob das Gymnasium dabei wieder zu einer Schulform wird, die ihren Anspruch einlösen kann, nicht nur erweiterte Allgemeinbildung, sondern auch Studierfähigkeit von Anfang an so anzustreben, dass Hochschulreife nicht nur attestiert, sondern auch tatsächlich erreicht wird, bleibt abzuwarten. Wenn es gelänge, das weithin kaum noch von anderen weiterführenden Schularten unterscheidbare Gymnasium kognitiv anspruchsvoller zu gestalten und damit ein Leistungsniveau zu erfüllen, das die meisten Gymnasiasten ausweislich der jüngsten Bildungsstudien verfehlen, wäre die Reform sinnvoll genutzt. Denn keinem Abiturienten ist damit gedient, dass er an der Universität seine Studierunfähigkeit erleben und im schlimmsten Fall das begonnene Studium abbrechen muss, weil es an Grundlagen fehlt und das Abitur nicht hält, was es verspricht.

Bayern wird seine Lehrpläne aus dem Jahr 2014, die sich auf „Grundwissen“ und Kompetenzrhetorik beschränken, erheblich überarbeiten müssen. Dafür bleibt nicht allzu viel Zeit. Immerhin hat das Land begriffen, dass eine Änderung der Gymnasialdauer nicht nur schulorganisatorische, sondern inhaltliche Folgen hat. Das gesamte Reformpaket, an dem auch andere Schularten teilhaben, lässt sich das Land bis zum Jahr 2025 insgesamt 870 Millionen Euro kosten. Nach Niedersachsen ist der Freistaat das zweite Bundesland, das die neunjährige Schulzeit wieder zur Regel macht.

Alle anderen Länder haben Wahlmodelle oder bleiben beim G8 in der Fläche mit wenigen G9-Modellschulen. Die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit hat die Macht der Eltern über eine zu selbstsichere Politik gezeigt. Bayerns Beispiel wird den G9-Initiativen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein sowie im Saarland und in anderen Ländern erheblichen Schwung verleihen.

faz.net 6.4.2017Übernommen vom SHEV

Leider waren die bayerischen Kultusminister seit Hans Zehetmair nicht willens oder fähig, den mindestens ebenso folgenreichen Irrtum „Rechtschreibreform“ zu verhindern oder ausreichend zu korrigieren – selbst nach dem Volksentscheid in Schleswig-Holstein nicht. Der Geßlerhut der „neuen“ ss und der Augstschen Albernheiten wird immer einen Keil zwischen die kiezdeutsch-angloaffine Zukunftssprache und das vertraute Deutsch der Klassik schieben.

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Sigmar Salzburg
21.04.2016 15.45
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Frankreichs Rechtschreibreform

Vom Regen in die Traufe

Das Scheitern einer neuen Rechtschreibreform in Frankreich spart Kosten ein, während sich Amazon ins Unterrichtsministerium einkauft. Aber wer bezahlt am Ende?

21.04.2016, von Jürg Altwegg

[Bild] Mit der Rechtschreibereform hatte sie ihr angeschlagenes Image verbessern wollen: Frankreichs Unterrichtsministerin Najat Vallaud-Belkacem.

Es wird in Frankreich keine linke Rechtschreibung geben. Wochenlang war über deren brüske Einführung durch Najat Vallaud-Belkacem gestritten worden. Die Unterrichtsministerin berief sich dabei auf die Vorschläge der Académie Française aus dem Jahre 1994. Zuvor hatte sie mit ihrer Auslösung der als „elitär“ bekämpften zweisprachigen Klassen eine Welle des Protests ausgelöst. Auch aus Deutschland gab es Druck für ihre Beibehaltung.

Er blieb nicht wirkungslos: An den meisten Orten werden die „classes bilangues“ weitergeführt, sogar in den Vorstädten hatten sie sich bewährt. Mit ihrer Rechtschreibereform wollte die Ministerin ihr angeschlagenes Image verbessern und geriet vom Regen in die Traufe. Dass auch diese Reform offensichtlich klang- und sanglos beerdigt wird, erwähnte Hélène Carrère d’Encausse, Sekretärin der Académie Française, in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen. „Der Sturm hat seine Wirkung nicht verfehlt“, erklärte Carrère d’Encausse, die ihn zusammen mit Mitgliedern der Akademie und prominenten Intellektuellen – von Alain Finkielkraut bis Régis Debray – ausgelöst hatte.

300 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren

Ihrer Kenntnis nach würden die Schulbuchverleger auf den Kleber „Neue Rechtschreibung“ verzichten, und in der Folge werde auch dieser Versuch einer Reform dem Vergessen anheimfallen: „Wie jene von 1905 und 1994.“ Aber natürlich werde das alles „einen künftigen Minister in zwanzig Jahren nicht davon abhalten, mit einer neuen neuen Rechtschreibung zu kommen“. Aus dem Ministerium gibt es noch keine Stellungnahme. Es hat gerade mit Amazon, dem Schreckgespenst der französischen Verlage und Buchhändler, einen Vertrag geschlossen, den der „Canard enchaîné“ enthüllte: Amazon wird in die Ausbildung der Lehrer einbezogen.

Diese sollen lernen, wie sie ihre Manuskripte und Programme für das Internet aufbereiten können. [...] Die Reformen der Schulprogramme, an denen festgehalten wird, bescheren den Verlegern in den nächsten zwei Jahren ein Geschäft in der Höhe von 300 Millionen. Durch den Verzicht auf eine neue Rechtschreibung wird diese Rechnung zusätzlich beschönigt: Er erspart ihnen hohe Unkosten.

faz.net 21.4.2016

Leserkommentar:
Gerhard Blüge 2 (Trsitan) – 21.04.2016 14:24
Es zu begrüssen das die Franzosen diesem Blödsinn
... ein Ende setzen. Sie sollten sich jetzt auch noch von dieser linken feme fatal trennen, dem Land, der Kultur und der französischen Sprache könnte es nur gut tun !

[Der Ministerin fehlte eben etwas wie die hiesigen Heyse-ss, die jedem Text das Unterwerfungssignal aufdrücken – von den Verfassungsrichtern bewußt unterschätzt. Der Imageschaden kratzt keinen Kultusminister mehr, da nun die Abschaffung des Deutschen selbst ansteht. Man schielt schon aufs künftige Volk.]

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Sigmar Salzburg
04.12.2015 15.16
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Die Angst der FAZ vor der Kopflosigkeit

Die FAZ war einmal die Zeitung, hinter der „immer ein kluger Kopf“ steckte. Ihr Kampf für die deutsche Kulturrechtschreibung war bewundernswert und ihr Kotau vor dem Geiselnehmerkartell der Kultusminister und Medien betrüblich, aber irgendwie noch verständlich. Jetzt scheint jedoch die Existenzangst der FAZ so groß geworden zu sein, daß sie ihre Objektivität vollends preisgibt, um nicht außerhalb der Merkelschen Willkommens-Kulturrevolution als „schädliches Element“ dazustehen oder gar selbst noch den Kopf zu verlieren. Volker Zastrow hat geschrieben:

AfD Die neue völkische Bewegung

Rund um Pegida und AfD hat sich der Nukleus einer Bürgerkriegspartei gebildet. Ihre Gier nach Gewalt ist mit Händen zu greifen.

Die selbsterklärte „Herbstoffensive“ der AfD: Das waren im wesentlichen Demonstrationen, auf denen die Anhängerschaft dieser Partei Wut, Hass und einen nicht mehr zu übersehenden Hunger nach Gewalt zeigte...

Autor: Volker Zastrow, Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

faz.net 29.11.2015
Anscheinend hat Herr Zastrow in demonstrativem Unterwerfungseifer die AfD mit den Bürgerkriegern der Hamburger Hafenstraße/ Roten Flora vom 21.12.2013 oder gegen die EZB in Frankfurt vom 18. März 2015 verwechselt. Deren gewalthungrige Basis hat vorgestern sogar in edlem Revoluzzer-Wettstreit die anschlagsfreudigste Gruppe preisgekrönt:

(Text n. linksunten.indymedia.org, redaktionell komprimiert):
Randalemeister 2015
Verfasst von: Komitee der 1.Liga für Autonome. Verfasst am: 02.12.2015
And the winner is… Leipzig! Das Komitee der 1.Liga für Autonome gratuliert den GenossInnen zum diesjährigen Titel: „Randalemeister 2015“. ... In der weiteren Auswahl dabei waren: Frankfurt, Bremen, Hamburg und Berlin...
Aus der Arbeit der siegreichen Leipziger „Aktivisten“-Gruppe:
1.1. „Spontandemo lässt Partystimmung am Connewitzer Kreuz kippen“
7.1. Angriff auf Polizeiposten in Connewitz in Erinnerung an Oury Jalloh
15.1. Scherbendemo mit 800 Menschen durch die Leipziger Innenstadt. Alleine beim Leipziger Amtsgericht gingen 40 Scheiben zu Bruch.
20.1. Angriff auf die GRK Holding GmbH. 4 Autos gehen in Flammen auf
21.+ 30.1. Brände an Bahnanlagen gegen Legida-Aufmärsche
28.1. Angriff auf Polizeistation in Plagwitz
2.3. Neonazi Alexander Kurth kassiert an einem Tag zwei Mal und verliert sein Handy.
9.3. Angriff auf Kik-Filiale
13.3. Angriff auf Deutsche Bank
26.3. Besuch der Leipziger Staatsanwaltschaft in Solidarität für den inhaftierten Genossen Fede
11.4. Burschenschafter in Connewitz verprügelt
20.4. Militanter Angriff auf Legida-Aufmarsch
24.4. Ausländerbehörde entglast
5.6., dgl. Militante Demonstration in der Innenstadt. Cops und das Bundesverwaltungsgericht werden angegriffen.
15.6. Legida sabotiert –
6.7. Lutz Bachmann nass gemacht
16.7. Der Leipziger Oberbürgermeister meint: die „linksextremistischen Randalierer“ stehen nahe am „terroristischen Untergrund“
29.7. Zerstörung von Fahrkartenautomaten im Stadtgebiet
3.8. Weitere Fahrkartenautomaten zerstört
6.8. Angriff auf Frauke Petry`s Firma
6.8. Angriff auf Polizeiposten in der Eisenbahnstraße. Ein Polizeiauto geht in Flammen auf
9.8. Nazis in Connewitz angegriffen
14.8. Angriff auf das Amtsgericht mit Farbe –
16.8. Fahrkartenautomaten zerstört
24.8. 500 Menschen verhindern die Verlegung der Refugees in Connewitz nach Heidenau
31.8. Angriff auf Nazis
21.9. Auseinandersetzung mit Nazis bei Legida
26.9., dgl. Angriffe auf Cops und Nazis beim ersten „Offensive für Deutschland“(OfD)-Aufmarsch
26.9. Nazikarre flambiert
7.10. Angriff auf AfD-Büro
8.10. Angriff auf Verkaufsstelle für Nazi-Veranstaltung
12.10. Angriff auf Legida-Bühne
17.10. OfD-Demo in Grünau – Feuer an Bahnanlagen & Angriffe auf Cops
24.10. Steinwürfe und Blockaden gegen „Offensive für Deutschland“ (OfD) –
7.11. AfD-Stand zerstört
10.11. Angriff auf Landesdirektion
14.11. Nazis angegriffen –

Quelle (bearbeitet) linksunten.indymedia.org 2.12.2015
Siehe auch: achgut.com 3.12.2015

Übrigens: „Wer Nazi ist, bestimmen wir!“ – frei nach Göring.

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Sigmar Salzburg
13.08.2015 22.11
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Leserbriefe von Denk und Dräger in der F.A.Z. v. 11.8.2015

Milliardenschaden durch Rechtschreibreform

Für den hervorragenden Leitartikel zum „Chaos im Schreiben und Denken“ in der F.A.Z. vom 1. August sei Heike Schmoll herzlich gedankt. Nur eines möchte ich als Initiator der (in dieser Zeitung am 19. Oktober 1996 veröffentlichten) „Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform“ noch hinzufügen: Was die damaligen Befürworter gern als „Streit um die Rechtschreibreform“ oder (so Hans Zehetmair in einem Interview mit einer Wochenzeitung) als „wirklich gespenstisch“ bezeichnen, war weder ein „Streit“ noch gespenstisch. Es war vielmehr ein ganz und gar demokratischer Widerstand der bedeutendsten Autorinnen und Autoren, namhafter Journalisten mehrerer Zeitungen, darunter der F.A.Z., zahlreicher Professoren (nicht weniger als 550 wandten sich im Mai 1998 an die Bundesverfassungsrichter) und von Hunderttausenden Bürgerinnen und Bürgern (bis hin zum erfolgreichen Volksentscheid in Schleswig-Holstein) gegen die von oben befohlenen nicht nur überflüssigen, sondern fehlerhaften und schädlichen Rechtschreibveränderungen.

Wirklich gespenstisch ist freilich Hans Zehetmairs Seitenhieb auf die Schriftsteller und Professoren: „Bemerkenswert, dass sich ausgerechnet namhafte Literaten gegen jedwede Änderung wandten.“ Ilse Aichinger, Dieter Borchmeyer, Hans Magnus Enzensberger, Wolfgang Frühwald, Günter Grass, Thomas Hürlimann, Theodor Ickler, Elfriede Jelinek, Joachim Kaiser, Michael Krüger, Reiner Kunze, Siegfried Lenz, Christian Meier, Adolf Muschg, Otfried Preußler, Rafik Schami, Botho Strauß, Martin Walser, Harald Weinrich und viele andere erkannten freilich, im Gegensatz zu Hans Zehetmair, nicht erst 2015, sondern schon 1996, warum die Rechtschreibreform, wie es in der „Frankfurter Erklärung“ hieß, „Millionen von Arbeitsstunden vergeuden, jahrzehntelange Verwirrung stiften, dem Ansehen der deutschen Sprache und Literatur im In- und Ausland Schaden und mehrere Milliarden D-Mark kosten würde“.

Wenn die Kultusminister zwar den Milliardenschaden nicht ausgleichen können, so könnten sie sich doch bei allen Schreibenden, unter anderen den Sekretärinnen, den Journalisten und allen Autorinnen und Autoren, vor allem den Kinder- und Jugendbuchautoren, deren Bücher verhunzt wurden, dafür entschuldigen, dass beziehungsweise daß wir seit fast 20 Jahren für das büßen müssen, was die Minister sich von den „Reformern“ haben aufschwatzen lassen und mit Unterstützung der Bundesverfassungsrichter der deutschen Schriftsprache aufgezwungen haben.

FRIEDRICH DENK, ZÜRICH


Zehetmair ist unschuldig!

Zum Artikel über die Rechtschreibreform (F.A.Z. vom 1. August): Zehetmair entschuldigt sich heute, Jahre nach der Einführung einer Rechtschreibreform in Schulen, für etwas, für das er gar nicht verantwortlich ist. Nicht er, sondern sein einflussreicher Pressesprecher Toni Schmid, der damals im bayerischen Kultusministerium von Mitarbeitern gern auch Bertelsmann-Schmid genannt wurde, hat jedoch per Pressemitteilung vorzeitig verlauten lassen und damit de facto entschieden, „dass Bayern sich der Rechtschreibreform anschließt“. Der düpierte Minister selbst erfuhr von dieser natürlich auch für die anderen Bundesländer weichenstellenden Entscheidung erst am nächsten Tag aus der Zeitung.

Der Minister selbst ließ es in einem „Spiegel“-Interview am 11. September 1995 verlautbaren: „Haben Sie Ihre Meinung gewechselt? Uns hat voriges Jahr überrascht, dass Sie als erster Minister den Reformvorschlag ohne jeden kritischen Unterton begrüßt haben, als er im November 1994 auf einer internationalen Konferenz in Wien verabschiedet wurde. Zehetmair: Nun, da ist uns ein Malheur passiert. Mein Pressesprecher Toni Schmid hat mein volles Vertrauen und braucht mir nicht jede Presseerklärung vorzulegen. Das geht seit sieben Jahren gut, dieses eine Mal ging es schief. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, als ich in der Zeitung las, ich sei mit der Reform rundum zufrieden.“ Dieses eine Mal betraf ja auch nur die erklärte Absicht von Bertelsmann, dass rechtlich umstrittene Duden-Monopol endlich zu knacken, es betraf ja auch nur die Rechtschreibreform, damit „nur“ die Aufhebung der Einheitlichkeit der deutschen Orthographie, den sukzessiven Neudruck aller Schulbücher (der Verband der Schulbuchverleger lässt grüßen), die Aufhebung des Duden-Monopol und so weiter. Wie gesagt, der Minister ist doch völlig unschuldig, er „wusste gar nicht, wie ihm geschah“.

MATTHIAS DRÄGER

INITIATOR DES VOLKSENTSCHEIDES ZUM STOPP DER RECHTSCHREIBREFORM IN SCHLESWIG-HOLSTEIN, LÜBECK

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Sigmar Salzburg
01.08.2015 12.32
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Heike Schmoll

Chaos im Schreiben und Denken

Zehn Jahre nach der offiziellen Einführung der Rechtschreibreform ist die Bilanz dieses obrigkeitlichen Gewaltaktes so ernüchternd wie eh und je. Sie hat ruinöse Folgen für Sprache und Denken.

01.08.2015, von Heike Schmoll

Zehn Jahre nach der offiziellen Einführung der Rechtschreibreform ist die Bilanz dieses obrigkeitlichen Gewaltaktes der Kultusbürokratie an der Sprache so ernüchternd wie eh und je. Die Rechtschreibreform hat nichts vereinfacht, die Fehler bei „dass“ und dem Relativpronomen „das“ haben sich vervielfacht und niemand wird behaupten können, das liege nur an den Rechtschreibprogrammen der Computer. Ganz im Gegenteil: Ausgerechnet die Kultusminister haben Schülern gegenüber mit langfristigem Erfolg den Eindruck vermittelt, Orthographie sei weniger wichtig, Zeichensetzung weitgehend dem eigenen Stilempfinden überlassen. Inzwischen werden sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los und müssen feststellen, dass Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht einmal die kulturellen Standardtechniken beherrschen.

Der Schaden an der Sprache wiegt weit schwerer... Viele der feinen Unterschiede sind geradezu sprachlich und gedanklich planiert worden.

Die Verantwortung dafür tragen die Kultusminister, die vor zwanzig Jahren die Rechtschreibreform beschlossen haben, ohne deren Tragweite zu erkennen, was der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair zugibt. Auch von der schweigenden Mehrheit seiner Kollegen, die allesamt nicht mehr im Amt sind, wird man annehmen können, dass ihnen die Rechtschreibreform bestenfalls gleichgültig war ...

Zehetmairs Eingeständnis, das ihn schon vor einigen Jahren zur tätigen Buße als Vorsitzender des Rechtschreibrats motiviert hatte, ändert leider nichts an der Gesamtbilanz einer überaus teuren und überflüssigen Reform. Zwar hat der Rechtschreibrat manchen sprachlichen Unsinn begradigt, aber zu einer Rücknahme der absurden Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung ist es nicht gekommen, von einer Reform der Reform kann jedenfalls nicht die Rede sein. Dazu waren die Beharrungskräfte der Reformer viel zu stark. Vor allem aber hatte der einzig kritische Sprachwissenschaftler Peter Eisenmann [Oh, oh, gemeint ist Eisenberg – aber es war doch Theodor Ickler!] im Rechtschreibrat sein Amt aus Protest niedergelegt.

Den heutigen Zustand wird man ohne Übertreibung als sichtbares Schreibchaos charakterisieren können. Das offenbart spätestens der Blick in Internetforen...

[Weiter bei faz.net 1.8.2015]

Während Zehetmair im Büßergewand auftritt, dabei aber seine eigene Schuld kleinredet, verzehren seine ehemaligen Kollegen still ihre unverdiente Pension. Nur Frau Schavan ist noch im Dienst, als Botschafterin in einem Staat von 700m Seitenlänge.

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Sigmar Salzburg
22.07.2015 05.31
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Prinz Asfa-Wossen Asserate, ...

... der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers, ist hier schon bekannt geworden als Schilderer exotischer mitteleuropäischer „Manieren“ (Bestseller 2003). Erstaunt hat ihn dabei der lieblose Umgang der Deutschen mit ihrer Sprache, wie er in der Rechtschreib„reform“ erkennbar wurde. Als in München lebender Unternehmensberater für Afrika verdienen nun seine Einschätzungen der afrikanischen Invasion alle Aufmerksamkeit (FAZ):

Was die afrikanischen Flüchtlinge betrifft, fürchte ich, werden wir bald nicht mehr von Migration sprechen, sondern von Völkerwanderung...

Das größte Rätsel für mich ist dabei, warum die Europäer bisher fast ausschließlich versuchen, die Symptome des Problems zu behandeln. Sie fragen: Wie hoch kann man die Zäune noch machen? Wie abschreckend wollen wir sein? Oder: Wie können wir die Menschen, die zu uns kommen, am besten integrieren und wie viele? Es gilt aber, die Ursachen der unermesslichen Menschenflucht zu begreifen, um ihr angemessen zu begegnen...

Die größten Exporteure von Migranten auf dieser Welt sind afrikanische Gewaltherrscher und Diktatoren, die ihrem eigenen Volk keine Hoffnung lassen auf ein menschenwürdiges Leben. Das Verheerende ist dabei, dass ein Großteil dieser Regime auch noch von europäischen Steuergeldern alimentiert wird...

Die meisten der afrikanischen Flüchtlinge kommen nicht aus Bürgerkriegsländern. Die wenigsten sind direkt vom Hungertod bedroht... Einige afrikanische Staaten können heute ein beeindruckendes wirtschaftliches Wachstum vorweisen, aber die Lebensbedingungen der meisten Menschen haben sich nicht verbessert. Das ist der eigentliche Motor hinter den Flüchtlingsdramen.

Steht den Europäern die eigene koloniale Vergangenheit im Weg? Und hat Afrika andererseits ein postkoloniales Trauma, das Entwicklung verhindert?

Das Argument eines postkolonialen Traumas in Afrika kann ich nur sehr bedingt akzeptieren. ... Die Europäer könnten zu den heutigen Herrschern mit Recht sagen: „Ihr seid viel schlimmere Unterdrücker eures eigenen Volkes geworden, als wir das jemals gewesen sind.“ Und in der Tat: Afrikanische Diktatoren wie Mengistu Haile Mariam in Äthiopien, Mobuto Sese Seko in Zaire, Idi Amin in Uganda, Samuel Doe in Liberia oder auch der Völkermord an den Tutsi in Ruanda sind ein grauenerregender Beleg für diese These. Millionen von Menschenleben haben diese Regime auf dem Gewissen...

Welche Rolle spielen der Islam und der Islamismus?

Fortschreitender religiöser Fundamentalismus ist in der Tat die zweitgrößte Herausforderung, der wir in Afrika begegnen...

... Widerstreitende Ansichten werden in Afrika oft nur schwer ertragen. Afrikaner kennen nur die Begriffe „Freund“ und „Feind“. In den mehr als zweitausend afrikanischen Sprachen gibt es kaum ein Wort, das dem Begriff für einen „Gegner“ entspricht, dessen gegensätzliche Meinung man zwar nicht teilt, aber respektiert. Es ist meine große Hoffnung, dass wir endlich ein Äquivalent dafür finden...

faz.net 18.7.2015

NB: Kurz nach dem 1974er Putsch des Mengistu Haile Mariam hatte eine Besucherin unserer damaligen Kunstgalerie eigene Filmaufnahmen der gerade untergegangenen alten christlichen Kultur Äthiopiens vorgeführt. Beeindruckend war z.B. ein kirchliches Fest mit einer langen Reihe tanzender Mönche...

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Sigmar Salzburg
02.03.2015 07.44
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„Frankfurt schreibt“

Testen Sie Ihr [deformiertes] Sprachwissen im Diktat
Die diesjährige Ausgabe des Wettbewerbs „Frankfurt schreibt!“ ist mit einer Bestleistung zu Ende gegangen. Doch wie steht es um Ihre Rechtschreibung? Testen Sie Ihr Wissen mit unserem Diktat-Mitschnitt.
faz.net 27.02.2015

So ist es [reform]richtig: Das Diktat des Frankfurt-Finales

Herzlich willkommen auf der Flaniermeile! Wie so häufig samstagmorgens, zuweilen bereits eine Dreiviertelstunde vor neun, wenn die Buden mit allerart Tinnef beim Flohmarkt unter den kühlen Schatten spendenden Platanen am Schaumainkai öffnen, sieht man schon von ferne Heerscharen Neugieriger herbeiströmen.

Hier gibt es das Sowohl-als-auch – für diejenigen, die etwas Außergewöhnliches zum Betrachten favorisieren, wie auch für ebenjene, die Authentisch-Historisches wertzuschätzen wissen. Weder Nigelnagelneues noch längst Lädiertes wird einfach weggegeben, sondern alles größten Gewinn bringend feilgeboten. Nichtsdestoweniger gibt es ein paar sehr zeitraubende, aber hohe Kosten sparende Tipps, um den Preis herunterzuhandeln, ohne sich kaputtzumachen. Als Koryphäe kann man so wertvolle Amethysten für einen Pappenstiel einheimsen.

Mit Wortgewandtheit und einem Quäntchen Glück kann jeder Pfiffikus des Weiteren todschickes Mobiliar zu einem unwiderstehlichen Preis-Leistungs-Verhältnis ergattern. Aber selbst wer naseweis herumkrakeelt, erhält im Übrigen nichts unentgeltlich. Wer wider Erwarten leer ausgeht, besucht eine der renommierten Galerien nahe dem Sachsenhäuser Ufer. Der in den Achtzehnhundertsechzigern erbaute Eiserne Steg führt zum gegenüberliegenden Mainufer. Von den flussauf und -ab manövrierenden Touristenschiffen, des Abends mit Hilfe (oder: mithilfe) von Elektrolytkondensatoren mit der Kapazität von einem Farad erleuchtet, hat man einen Blick ohnegleichen. In Frankfurt ist die Atmosphäre alles außer gewöhnlich!
faz.net 1.3.2015

Der Wettbewerb, der ähnliche in den USA zu kopieren sucht, ist eine Werbe-Veranstaltung für den Duden und zugleich eine Unterwerfungsübung für die Bürger. Abgefragt werden vor allem auch die mit viel ss-Gift durchgesetzten Albernheiten der Rechtschreib„reform“, die die 32 obersten kulturpolitischen Dummbeutelinnen und Dummbeutel 1996 und 2006 in die deutsche Rechtschreibung gepreßt haben. Die Frechheit, das historisch richtige „Quentchen“ nicht einmal als Variante zuzulassen, sucht ihresgleichen. Bei „mithilfe“ ging es doch auch. Ansonsten erkennt man das Bemühen, Fallen zu stellen – sogar indem man die Erinnerung an die wieder zurückgenommene Urreform „Zeit raubend“ auszunutzen sucht. Die bombastischen Großschreibungen „des Weiteren“ wirken „im Übrigen“ immer noch störend. Daß der „Eiserne Steg“ ein Eigenname sein soll, kann nur der eingeweihte Einheimische wissen. „Amethysten“ als Plural sind unbeholfen und gänzlich unüblich!

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Sigmar Salzburg
25.02.2015 23.23
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Rechtschreibschwäche

Offna Briev ann Minista
Die Bättle um die Rechtschreibung in Mecklenburg-Vorpommern muss aufhören.

Hilferuf eines Drittklässlers.

25.02.2015, von Nick, 3b

Halo Herr Brotkorb fon der Konfärenz der Kulturminista – Frau Prochnow hat gesagt das unsre Glasse gans schlescht in Räschdschreibung is. Das is totaal umpfair weil wir uhns wirklich fiel Müe gebn die Wörta richtig zum schreiben. Neulich hat der Tim zum Ben gesagt du bist ein Luser weil du im Diktat siebzich Fehla hast. War alles voll rot angestrichn. Normal schreibn wir nie ein Dicktat. Da hat der Ben dem Tim eine geschäuert und alle Medchen haben blos blöd gelacht. Da hat der Ben erst recht ne Wut gekrigt und is auf Lily und Neele los die wie blöd geschrien ham. Jetz ham alle eine Strahfaufgabe auf blos wegn dem Zickngriech. Die Prochnow hat gesagt das kommt von dem weil wir so schreim wie wir redn und das das jetz alles anderst werden muss sonst wird das nie was. Sie sagt das wir peschtimmd nich aufs Gümnasium kommn wenn wir so schreibn. Mir is das egal aber Tim will unbedingt hin weil er mal Mänedscha werden will. Wär echt gut wenn ihr eine Idee habt das das ewige Gebättel auvhörd. Tschüss aus Mäklenburch.

faz.net 25.2.2015

Siehe auch hier und da und da und dort.

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Sigmar Salzburg
25.10.2014 11.40
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FAZ zurück zur normaldeutschen Rechtschreibung?

Historisches E-Paper: 25.10.1914

Haß

Deutschland – im Fadenkreuz internationalen Hasses? Die Frankfurter Zeitung bewertet am 25. Oktober 1914 die internationale Stimmungslage gegenüber dem Kaiserreich.

[Bild]

In dieser Zeit da die apokalyptischen Reiter auf roten und schwarzen Rossen über unsere Erde hinbrausen, erleben wir mancherlei Offenbarungen. Wir haben in elf Wochen des Krieges mehr über uns selbst und die Welt erfahren als eine ganze Lebenszeit uns gelehrt hatte. Wir wußten vorher nicht, wir Deutsche, daß wir als Volk eine so fest geschlossene Einheit seien, wie es keine andere gibt...

faz.net 25.10.2014

Nein, es ist nur die Wiedergabe eines Textes der Vorläufer-Zeitung „Frankfurter Zeitung“ aus einer Zeit, als die deutsche Schreibeinheit erst zwölf Jahre alt war. Hundert Jahre hat diese Vollendung der deutschen Kulturrechtschreibung in deutschen Tageszeitungen überdauert, bevor auch die letzte der feige eingefädelten Reform-Erpressung der Kultusministermafia erlegen ist.

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