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Hamburger Abendblatt
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Sigmar Salzburg
15.09.2017 12.48
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„Reform“-Fan geehrt

Deutschstunde extra 13.09.17
Ausgezeichnet: Der Sprach-Ästhet des Abendblattes

Peter Schmachthagen dekliniert in seiner „Deutschstunde“ die Tücken der Sprache durch. Das brachte ihm jetzt einen Orden ein.

Wer brauchen ohne zu gebraucht oder wegen mit dem Dativ kombiniert, hat bei ihm ganz schlechte Karten: Peter M. Schmachthagen ist ein Ästhet der Sprache. Grammatik, Interpunktion und eine filigrane Satzbildung sind seine Leidenschaft – und Herzenssache. Die Verleihung des renommierten „Elbschwanenordens“ durch den Verein Deutsche Sprache gestern Abend im Gästehaus der Universität Hamburg konnte keinen Würdigeren treffen...

abendblatt.de 13.9.2017


Deutschstunde 12.09.2017
Als Kapuzenpullover klingt er viel zu deutsch
Von Peter Schmachthagen

Der Verfasser ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags

Aber als Hoodie ist er der großen Renner. Allerdings wird unsere Sprache nicht nur durch Anglizismen gefährdet.

Wissen Sie, was ein Hoodie ist? Wie bitte, Sie kennen den oder das Hoodie nicht? Immerhin hat es das Wort in den neuen Duden geschafft. Ich muss bekennen, dass auch ich den Begriff zum ersten Mal in der Pressemitteilung zum Erscheinen der 27. Auflage des Rechtschreibdudens las. Man möge mir das nachsehen. Offenbar habe ich mit 76 Jahren ein wenig den Anschluss an die aktuelle Kleiderordnung verloren.

Als ich meine Tochter fragte, wer oder was das sei, schüttelte sie verständnislos mit dem Kopf und holte gleich drei Exemplare davon aus dem Schrank. Offenbar handelt es sich um einen Kapuzenpullover, den deutsch Kapuzenpullover zu nennen den Verkauf („Sale“) und die Verbreitung („Marketing“) bei der Jugend stark beeinträchtigen würde. Anglizismen versprechen eben ein besseres Geschäft, sind „cool“, sodass wir die Hoodies massenhaft als Dienstkleidung auf den Schulhöfen, in der Nordkurve des Volksparkstadions und auch als Teilvermummung bei angemeldeten und unangemeldeten Ansammlungen sehen. Der Duden bietet noch „Sweatshirt“ (weit geschnittener Pullover) als weitere Erklärung an. Aber es ergibt wohl wenig Sinn, den einen Anglizismus durch einen anderen Anglizismus zu ersetzen.

Jumpsuit (einteiliger Hosenanzug), Undercut (Frisur, bei der der untere Kopfbereich rasiert ist) oder Urban Gardening (Gartenbau innerhalb von Städten) sind weitere Anglizismen, die jetzt Duden-geadelt wurden, die man, wie die Übersetzungen in Klammern zeigen, jedoch auch gut auf Deutsch hätte ausdrücken können. Es gibt Leute, Vereine und Sprachgesellschaften, bei denen schrillen bei jedem weiteren englischen Wort, das in Deutschland landet, die Alarmglocken. Doch das meiste, was den Sprung über den Ärmelkanal geschafft hat, wird ohne große Schwierigkeiten integriert. Ich überlege, wie ich T-Shirt auf Deutsch ausdrücken sollte.

[...] Bei aller Sorge über das Englische oder Denglische im Wortschatz dürfen wir nicht übersehen, dass das Deutsche viel mehr im Inneren durch das Deutsche selbst gefährdet ist, durch Ideologen, Pädagogen, Sprachpolizisten, Feministinnen und Drückerkolonnen der angeblich politisch korrekten Formulierungen, die einen meist kabarettreifen, aber überaus störenden Einfluss ausüben. Zum Beispiel geht es um die sogenannte geschlechtergerechte Sprache, die den Unterschied zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht ignoriert und dabei mit der Zahl der Geschlechter, wie wir sie aus der Arche Noah und Brehms Tierleben kennen, nicht zufrieden ist.

Das generische Maskulinum, das Indefinitpronomen man, der Binnenversal („Fußgän-gerInnen“), Paarformeln („Einwohner und Einwohnerinnen“), Sternchen („Schüler*innen“), x-Geschlecht („Professor-x“) und Partizipialausdrücke („Geflüchtete, zu Fuß Gehende“) werden präsentiert und nicht selten mit Hass verteidigt. Allerdings spricht sich eine Mehrheit der Erwachsenen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov klar gegen eine gendergerechte Sprache aus...

abendblatt.de 12.9.2017

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Sigmar Salzburg
14.06.2017 05.38
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Peter Schmachthagens Deutschstunde

Fast hätte ich ihn vergessen, den „Reform“-Fan der ersten Stunde. Er meint:

„Nur derjenige, der in seinen Kenntnissen den Duden überholt hat, darf sich abfällig über den Duden und andere Wörterbücher äußern. Wer nach der zehnten Klavierstunde gerade den „Fröhlichen Landmann“ klimpern kann, blamiert sich, wenn er nun gleich die Hammerschlag-Sonate verbessern will.“
Im Haus meiner Großtante in Blankenese habe ich 1948 ein Hammerklavier gesehen, auf dem meine Mutter in ihrer Kindheit noch gespielt hatte und das einen recht dünnen Klang gehabt haben soll. Meint er vielleicht so etwas? – Schmachthagen will es nun dem Frankfurter Duden-Spelling-Bee-Fake gleichtun und präsentiert einen Text mit 25 Fehlern, den der Leser verbessern soll.
25 Rechtschreibfehler hätten Sie finden müssen. Berichtigung: … ist gut leben; Moin und Tschüs sagen; die Straßen; Syrien und Libyen; Liechtenstein; die neu erbaute Elbphilharmonie; bis zum Gehtnichtmehr; zum x-ten Mal; der Fluss; schlaksig; sein fahriges Gebaren; Kaffee¬becher; übersät; eine äußerst gänsehauterregende Atmosphäre; piekfein; Beletage(n); rhythmisch; Grieß; Schlämmkreide; Halskatarrh; Hämorrhoiden; die Maghreb -Staaten (Tunesien, Algerien, Marokko).
abendblatt.de 6.6.2017
Der „Fluß“, der 600 Jahre lang so geschrieben wurde und wird, soll „falsch“ sein, nur weil 1996 und 2006 eine Gruppe von 2x32 banausischen, dafür nicht gewählten Arschlöcher*innen dazu die meineidlichen Hände gehoben hat? Das kann nur des Teufels Großmutter behaupten.

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Sigmar Salzburg
16.05.2017 17.51
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Schmachthagens Deutschstunde

Wenn morgens das Geschlecht ausgewürfelt wird
Von Peter Schmachthagen
[...]
abendblatt.de 16.5.2017

Schmachthagen schreibt über das Genus von „Nutella“, und merkt an, daß vom Duden auch „der Nutella“ zugelassen wird. In meinem „Reform“-Duden steht es noch nicht und ich bin auch nicht darauf angewiesen. Die Frage taucht eher beim Modewort „Hype“ auf, das ich nicht in meinen Wortschatz aufnehmen und nur im Spott als „die Hüpe“ gebrauchen werde.

Schmachthagen hätte nun darauf verweisen können, daß die drei indogermanischen Geschlechter ursprünglich gar kein biologisches Geschlecht bedeuteten. Aber er hält sich lieber beim Kinderkleister auf. –

„Schiefgehen“ haben wir abgehakt und schreiben es nach Laune und Anfangsbetonung eher zusammen; wenn wir das Gehen adjektivisch beschreiben, eher auseinander. Die längst wieder eingemottete Trennprobe der „Reform“ brauchen wir nicht. –

Unvermittelt springt Schmachthagen zur reformierten Trennung nach Sprechsilben he-rüber, die eigentlich infantil ist, weil die falsche Trennung auch ein falsches Bild verfestigt, wie in meiner Gegend bei „Der-sau“ im Kreis Plön, oder bei der „Leven-sau“ nahe Kiel.

Letzteres hatte ein Gastwirt wörtlich genommen und verwendete als Wirtshausschild das Bild eines lachenden Schweins, dem die Gabeln schon im Rücken stecken und das sich wahnsinnig freut, daß es demnächst verpeist wird. Ob es dort noch hängt? Ich bin da schon lange nicht mehr vorbeigekommen.

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Sigmar Salzburg
05.04.2017 08.47
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Betreute Schleswig-Holsteiner

Für Alte und Behinderte gibt es „Betreutes Wohnen“, für geistig Behinderte „Leichte Sprache“. Gut. Für schreiblich Behinderte gibt es aber nur die „Zwangsbetreuung für alle“ – die Rechtschreib„reform“. Politisch Unzuverlässige werden durch „betreutes Wählen“ (Wahl-O-Mat, von SPD-Stegner empfohlen!) auf den rechten Weg geführt – und die dummen Schleswig-Holsteiner mit „Leichterem Lesen“ auf den linken:

Der Binde-Strich-Un-Sinn in Schleswig-Holstein

Von Lars Haider

Was, bitte, denkt sich das nördlichste Bundesland mit dieser Wahlbenachrichtigung?

In diesem Leit-Artikel des Hamburger Abend-Blatts geht es um die Land-Tags-Wahl im schönen Schleswig-Holstein und die Frage-Stellung, ob die Landes-Regierung ihre Bürger wirklich für so beschränkt hält, wie es die Wahl-Benachrichtigung suggeriert. So, und jetzt schreibe ich wieder, wie es an sich üblich und richtig ist ...

Die „Wahl-Benachrichtigung“ soll, das ist wohl das Ziel, so einfach wie möglich gehalten sein; sie ist aber, mit Verlaub, so dämlich wie möglich geworden. Das beginnt mit den wenig motivierenden ersten Sätzen, die lauten:
„In Schleswig-Holstein wird der Land-Tag gewählt. Sie sind in das Wähler-Verzeichnis eingetragen. Sie können am Wahl-Tag zur Wahl gehen.“
Es geht weiter mit der Formulierung
„Hier bekommen Sie Infos über weitere Sprachen“,
wobei wir alle hoffen wollen, dass man keine Infos über, sondern in weiteren Sprachen erhält.

Sonst erfährt man vielleicht nie, dass man „mit dem Wahl-Schein am Wahl-Tag auch in jedem anderen Wahl-Raum von Ihrem Wahl-Kreis wählen“ kann. Wäre doch irgendwie schade. Das Beste kommt natürlich auch bei der "Wahl-Benachrichtigung"¹ zum Schluss: Die freundlichen Grüße von der, Achtung, „Gemeinde-Wahl-Behörde“.

Nun mag ein Land wie Schleswig-Holstein, in dem die zwei Namensteile von einem Bindestrich zusammengehalten werden, ein besonderes, ein inniges Verhältnis zu eben jenem haben. Also zum Binde-Strich. Aber muss man es deswegen gleich derart übertreiben? Und muss man den Wählern wirklich in dieser Art und Weise vorführen, was man Ihnen zutraut?...

Die „Wahl-Benachrichtigung“ mag gut gemeint sein. Aber, um es mit FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki zu sagen: „Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.“

abendblatt.de 4.4.2017

¹) Bindestrich fehlt, Druckfehler?

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Sigmar Salzburg
21.02.2017 18.34
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In der Rechtschreibung ist Ben auf „Fordermann“

Peter Schmachthagens ortograviehischer Fortsetzungsroman spielt diesmal im tiefsten Berlin-Kreuzberg. Aber warum schreibt er Fachbegriffe nebeneinander mal traditionell und mal banausisch? Das tut doch die Mehmets nur verwirren:

Unsere Rechtschreibung ist ein Kompromiss aus historischer (es war schon immer so), etymologischer (bereits im Althochdeutschen schrieb man's so) und phonetischer (so hört es sich nun einmal an) Überlieferung... Nicht geändert haben sich mit der Reform Schriftbilder von gleichlautenden Wörtern, deren Abweichung man nicht hören, sondern nur auf dem Papier oder Display sehen kann (Homofone).
Abendblatt, diesmal zitiert nach morgenpost.de 21.2.2017

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Sigmar Salzburg
24.11.2016 08.11
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Der Reformfreund und Kulturbanause Peter Schmachthagen ...

... schreibt in seiner „Deutschstunde“:

Unsere Rechtschreibung ist ein Kompromiss aus historischer (es war schon immer so), etymologischer (bereits im Althochdeutschen schrieb man's so) und phonetischer (so hört es sich nun einmal an) Überlieferung. Jede Schreibweise ist in diesem Rahmen zu erklären, und die Rechtschreibreformer haben sich bemüht, allzu atavistische Schriftbilder der Zeit anzupassen. Sobald wir schnäuzen (früher „schneuzen“), können wir eine zwar grobe, aber logische Analogie zur Schnauze knüpfen. Der Stängel („Stengel“) erinnert an die Stange, überschwänglich ("überschwenglich“) an den Überschwang, nummerieren („numerieren“) an die Nummer und Gräuel („Greuel“) an das Grauen. Selbst wenn der Rauhaardackel nun sein zweites h verloren hat – warum sollte rau („rauh“) anders geschrieben werden als grau oder blau?
abendblatt.de 22.11.2016
Schon 1996 stand im Spiegel 42/1996 in einem Leserbrief von Werner Frangen:
Mit der Vereinbarung, „rauh“ ohne „h“ zu schreiben, haben sich die Reformer als wirklichkeitsfremde Fachidioten und Schreibtischtäter entlarvt, die dem gemeinen Mann mitnichten aufs Maul schauen, wie es ein Luther tat; denn das „h“ wird hörbar gesprochen!
Normalgebildete Deutsche sprechen oder denken das „h“ immer mit. Wir haben hier umfangreiche Argumente gegen das Amputationsgebot der Rechtschreib-Taliban zusammengetragen. Ein „amtliches“ h-Verbot ist ein Kulturverbrechen wie die Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan, der Antiken von Ninive oder der Säulen von Palmyra.

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Sigmar Salzburg
13.10.2016 07.23
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Das gescheiterte große SZ

Peter Schmachthagen schreibt in seiner „Deutschstunde“

Vielleicht hätte Gutenberg es einführen können
Jetzt ist es jedoch zu spät für ein großes Eszett, obwohl es Schwierigkeiten mit Eigennamen in Großbuchstaben gibt ...
Allerdings bestand kaum Bedarf dafür, denn man konnte es immer durch SS oder SZ ersetzen,
Um das Fazit dieser Kolumne vorwegzunehmen, sei klar und deutlich gesagt: Ein großes Eszett ist weder im deutschen Alphabet noch in der deutschen Rechtschreibung vorhanden, und da das Eszett (ß) eine deutsche Errungenschaft ist, werden wir es auch in keinem fremden Alphabet finden.
Grund genug wieder mal für schwache Geister, den deutschen „Sonderweg“ peinlich zu finden.
Alle deutschen Buchstaben bilden jeweils ein Pärchen aus klein und groß, nur das Eszett, das Zeichen für das scharfe S, bleibt immer klein. Man könnte meinen, es sei bescheiden und halte sich lieber im Hintergrund. Doch die Erklärung ist viel pragmatischer: Ein Eszett steht nie am Wortanfang und kann also auch nie großgeschrieben werden.

Eigentlich handelt es sich beim Eszett gar nicht um einen Buchstaben, sondern um zwei, nämlich – wie der Name schon sagt – um ein s und um ein z. Allerdings sahen die Buchstaben früher in der deutschen Druckschrift nicht so aus wie heute, sondern das s war ein Lang-s mit Ober- und Unterlänge und das z ein deutsches z mit Schleife und Unterlänge. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die beiden Buchstaben ineinander verschlungen, das heißt, zusammen auf einer Drucktype gegossen.
Genau gesagt, seit der Erfindung der beweglichen Lettern durch Gutenberg um 1450.
Wenn sich zwei Buchstaben auf einer Letter umarmen, spricht man in der Typografie von einer Ligatur. Die deutschen Frakturschriftarten („gebrochene“ Schriften, von lat. fractura „Bruch“) kannten noch mehr Ligaturen, etwa tz, ch und st. Da man eine Ligatur am Zeilenende nicht trennen konnte, es sei denn, man sägte die Letter durch, was recht mühsam gewesen wäre, entstand die damalige Regel: „Trenne nie st, denn es tut ihm weh.“ Das gilt seit der Rechtschreibreform nicht mehr, ...
Man konnte immer st auflösen, hat es auch mitunter gemacht, aber anders als unsere „dümms-ten Reformer“ uns weismachen wollen, bleibt st mei-stens besser zusammen, z.B. auch in Di-stanz (v. „stare“ stehen, nicht Dis-tanz)
... wie auch die Fraktur als Druck- und Schreibschrift am 2. Januar 1941 per Führerbefehl verboten wurde. Bis dahin benutzten übrigens nicht nur Nationalsozialisten die „deutschen“ Frakturschriften, sondern alle Parteien, Publikationen und Verlage, auch die linken.
Gut, daß das mal gesagt wird. Egon Bahr, ich finde die Stelle nicht mehr, hatte mal über die angebliche Nazi-Fraktur geklagt.
Falls ein Wort durchgehend in Versalien (nur in Großbuchstaben) geschrieben wird, geraten wir bei einem Binnen-ß in Schwierigkeiten, weil es das Eszett nicht als Großbuchstaben gibt. Das amtliche Regelwerk (§ 25 E3) und der Duden (K 160) sehen für diesen Fall vor, das ß in SS aufzulösen. Die Unterscheidung MASZE (Maße) und MASSE (Masse) gibt es seit der Rechtschreibreform nicht mehr.
Ja, warum eigentlich nicht? „Vereinfachung“? Angleichung an die Schweiz? Mir war das in technischen Zeichnungen geläufig. Der Fluch der bösen Tat war die „Reform“ mit ihrer zwingenden Längendefinition des vorhergehenden Vokals durch das ß. Schmachthagen lenkt aber lieber ab auf die Namensgroßschreibung in amtlichen Dokumenten:
Da bei dieser Konvertierung jedoch die Schreibweise einiger Eigennamen nicht deutlich wird, wenn wir bei ROLF GROSSE also nicht wissen, ob wir es mit Herrn Grosse oder Herrn Große zu tun haben, ist in diesem Fall ein ß zwischen den Versalien erlaubt. Es heißt also HEUSSSTRASSE, aber LITFAßSÄULE. Wenn Sie bei Stefan Kießling von Bayer Leverkusen etwa KIEßLING hinten auf dem Trikot lesen, ist das korrekt und kein Grund für einen Beschwerdebrief.... Ein großes Eszett ist ... weder Mitglied des Alphabets noch Gegenstand der Rechtschreibung. Vielleicht hätte Gutenberg es einführen können. Jetzt ist es zu spät dafür.
11.10.2016
Gutenberg hat in seinen frühen Drucken das ß aus zwei Lettern, aus lang s und schmalem Schluß-z, zusammengesetzt. Für ein großes ß hatte er einfach keinen Bedarf – wie wir auch keinen Bedarf an der Rechtschreib„reform“ hatten.

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Sigmar Salzburg
17.05.2016 14.15
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Deutschmeister Schmachthagen

Wie Majestix auf dem Schild in den Kampf zog

Peter Schmachthagen spottet darüber, daß die SPD oder ihre Zeitungen nicht den Unterschied zwischen „dem Schild n.“ und „dem Schild m.“ wüßten. Wäre die Gleichstellung Teil der Rechtschreib„reform“, dann wäre ihm sicher eine rechtschreibfriedenstiftende Erklärung einfallen.
Am Wochenende ging eine Meldung durch das Land, und einige Medien übernahmen sie wortwörtlich: Die SPD wolle ihren Kanzlerkandidaten erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2017 „auf das Schild heben“... Wenn die SPD unbedingt irgendwen irgendwo hinaufheben will, dann bitte auf den Schild und nicht auf das Schild! Merke: Das Schild kommt vom Maler, der Schild aber vom Ritter...
Sprachliche Mißverständnisse werden gerne richtiggestellt, sofern sie nicht von der „Reform“ für „richtig“ erklärt wurden:
Wie häufig habe ich früher das von Johannes Brahms vertonte Schlaflied gehört: „Guten Abend, gut' Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck.“... Der Text geht bis ins 15. Jahrhundert zurück und lautete damals: Got geb euch eine gute nacht, von rosen ein dach, von liligen ein pet, von feyal ein deck, von muschschat ein tuer, von negellein ein rigelien dar für (von Rosen ein Dach, von Lilien ein Bett, von Veilchen eine Decke, von Muskat eine Tür, von Nägelein ein Riegel davor).

„Bedacht“ bedeutet also nicht „beschenkt“, sondern „mit einem Dach“, mit einer Art Betthimmel, versehen. Muskat ist ein Gewürz, und Näglein sind keine spitzen Eisenstifte, sondern Gewürznelken. Die Gewürze im Kinderbett sollten Ungeziefer wie Flöhe von dem Säugling fernhalten. Die Gewürznelke, die wir vom Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt her kennen, hat die Form eines Nagels. Eine Verkleinerungsbildung zu Nagel ist der Blumenname Nelke. Insofern dürfen wir aufatmen: Die Kleinen im Kinderbett werden nicht mit Metallstiften gequält.

Da wir gerade bei Blumennamen sind. Die Tulpe, die bei mir immer Assoziationen an Holland und Holzschuh hervorruft, ist die „Turbanblume“ aus dem Vorderen Orient.
abendblatt.de 10.5.2016
In früheren Verlautbarungen fand es unser Deutschmeister dagegen richtig, Falsches für richtig zu erklären, z.B. hier: „Seit 1998 schreiben wir den Tollpatsch mit Doppel-l. Ich will in dieser Kolumne möglichst den Rechtschreibfrieden wahren...“ – obwohl man sich jahrhundertelang bemüht hatte, die Wörter richtig zu verstehen, z.B. in
Eucharius Ferdiand Christian Oertel
Gemeinnuezziges Woerterbuch:
zur Erklärung und Verteutschung ...
Consbach, 1816:


Tolpatschen, grobe Wintersokken, haarige Uiberschuhe, s. oben Talpatsch.

Talpatsch, m. insgemein Tolpatsch, v. ungar. Talp, Fußsohle; 1) eig. Breitfuß, der breite Fußsohlen hat, als Spizname, welchen sonst die ungar. Husaren dem Fußvolke gaben; 2) plumper, tölpischer Mensch!
Gemäß der Augstschen Infantildiktatur soll ja nun „Tollpatsch“ geschrieben werden. Das legt nahe, auch töllpelig, Töllpel zu schreiben. Damit sind wir auch bald bei „Tullpe“:
Tulpe, f. lat. Tulipa: bekanntes Zwiebelgewächs mit schöner großer kelchförmiger Blume, vom türkischen Tulban, wegen ihrer Aehnlichkeit mit einem Turban, also gls. Turbanblume; dah. Tulipomanie, Tulpensucht, ehem. Sucht reicher Holländer, die eine einzige schöne Tulpenzwiebel um mehrere tausend Gulden kauften.

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Sigmar Salzburg
10.05.2016 14.18
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Schmachthagens „Deutschstunde“

Sie wartete vergeblich an der Litfaßsäule

Von Peter Schmachthagen

Der Verfasser, 74, ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags ...

Es ist nicht anzunehmen, dass ein Zahnarzt, und sei der Blick auf seine Kontoauszüge auch noch so alarmierend, seine Praxis 24 Stunden am Tag offen halten wird. Deshalb müssen wir dem Tag die Tageszeit hinzufügen. Wenn es nicht so genau auf die Minute ankommt, wird die Helferin am Telefon vielleicht sagen: „Kommen Sie Freitag Morgen.“ Oder Freitag „morgen“? Nein, seit der Rechtschreibreform werden die früher als Adverbien angesehenen Bezeichnungen für die Tageszeiten in Verbindung mit einem Wochentag jetzt den Substantiven zugeordnet und großgeschrieben: Wir feiern Dienstag Abend. Das Flugzeug landet Mittwoch Mittag.

Das heißt natürlich nicht, dass die Temporaladverbien abgeschafft worden sind. Wenn sie auf keine Tageszeit, sondern auf einen Tag hinweisen, leben sie fort, etwa als gestern, heute, morgen, vorgestern, übermorgen usw. Tritt eine Tageszeit hinzu, ergibt sich eine Klein-Groß-Leiter: heute Mittag, gestern Abend, morgen Nachmittag, vorgestern Nacht. Das sieht für ältere Leser etwas ungewohnt aus, sollte aber als Beweis eines gewissen Rechtschreibniveaus beachtet werden...
abendblatt.de 3.5.2016

Schon der „niveaulose“ Konrad Duden empfahl in seinem Orthographischen Wörterbuch 1880: heute abend, gestern abend, morgen früh, morgen abend, gestern nachmittag, heute nacht. Noch achtzig Jahre nach seinem Tod 1911 galt das in dem nach ihm benannten Nachschlagewerk als allein richtig. Diese Zeitangaben, nach der bewährten Regel „im Zweifel klein“, sind aufzufassen als getrennt geschriebene Zeitadverbien, bei denen die Wortart des zweiten Teils verblaßt ist. Eine naheliegende Zusammenschreibung wäre aus Betonungsgründen irritierend. Der „reformierte“ Eiertanz um „heute Morgen“ – aber „heute früh oder Früh“ beweist, daß die alten Regeln die besseren sind. Der Ruf an ältere Leute, ein „gewisses Rechtschreibniveau“ zu wahren, ist daher reichlich ungehörig.

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Sigmar Salzburg
30.03.2016 05.56
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Schmachthagens „Deutschstunde“

Peter Schmachthagen stellt in seiner „Deutschstunde“ (Abendblatt 29.3.16) fest, daß es für „Fremdwort“ kein Fremdwort und für „Synonym“ kein deutsches Wort gäbe. Nun, wäre das Bedürfnis vorhanden gewesen, dann hätte man „Xenonym“ und „Gleichwort“ erfinden und sich daran gewöhnen können. Manches läßt sich eben nur mit Attributen übersetzen – „Deutschwort“ für „deutsches Wort“ ist ja auch unüblich. Schmachthagen schreibt weiter:

Lange vor der Rechtschreibreform sind die griechischen Wortbestandteile „graph-", „phon-" und „phot-" eingedeutscht worden. Wir buchstabieren nicht mehr „Photograph“ oder „Orthographie“ (wobei das aus dem Griechischen transkribierte „th“ stets Bestandsschutz hat), sondern Fotograf und Orthografie.
Das trifft auf die „Orthographie“ gerade nicht zu. Sie wurde erst durch die „Reform“ in ihre häßliche Zwittergestalt „Orthografie“ gepreßt. Dabei gingen die „Reformer“ wie die Einbrecher vor, um an einer Schwachstelle, die aus Bequemlichkeit mit „Fotograf“ entstanden war, das Brecheisen anzusetzen. „Foton“ wird sich aber international und wissenschaftlich nie durchsetzen. Das Ergebnis ist nur, daß mehr Einbruchspuren in deutschen reformistischen Texten zu finden sind. Am Ende seiner Abhandlung erwähnt Schmachthagen:
Mehrteilige Fügungen werden zwingend durchgekoppelt und vorn großgeschrieben, falls das Bezugswort ein deutsches Wort ist: der A-cappella-Chor, die De-facto-Anerkennung, die Corned-Beef-Büchse.
Dabei unterschlägt er die zwingende Frage, warum Capella klein und Beef großgeschrieben werden sollen. Nach der „Reform“ muß Klein-Kevin jetzt auch Griechisch und Latein beherrschen, um die Groß- oder Kleinschreibung nach Wortart anwenden zu können, während in der bisher bewährten Weise nur das erste Wort großgeschrieben wurde.

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Sigmar Salzburg
17.09.2015 05.43
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Peter Schmachthagen ...

... hat es sich diesmal einfach gemacht und dem Duden-Kalender „Auf gut Deutsch“ einen Text entnommen:

„Christine ist noch ganz seelig. Sie hat an Ostern [hamb.: zu Ostern] zum ersten Mal die Familie ihres Freundes kennengelernt und war von deren Religiösität sehr beeindruckt. Seperat zum feierlichen Ostermal gab die Tochter des Hauses ein brilliantes Konzert auf der Geige. Etwas skuril fand Christine zwar, dass jedes Familienmitglied ein Stück neuen Rasen aussähen musste, aber auch dazu trug sie bereitwillig ihr Schärflein bei.“
abendblatt.de 15.9.2015

Schmachthagen erläutert, warum die (hier nachträglich verfetteten) Wörter falsch geschrieben und auch von der „Reform“ nicht betroffen sind. Nach dem „Tol[l]patsch-Prinzip“ hätten Augst & Co. aber durchaus „selig“ zu „seelig“ machen können oder nach der „Stängel-Etymologie“ zu „sälig“. Auch eine Änderung von „brillant“ und „Scherflein“ hätte man so begründen können. Die Willkür der Auswahl der schließlich „reformierten“ Wörter beweist, daß man nach Hundeart das Revier markieren, aber die Bürger vorerst nicht durch zu viele Änderungen verprellen wollte. Sonst hätten auf jeden Fall auch die „Ältern“ dazugehören müssen.

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Sigmar Salzburg
03.05.2015 15.30
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Schmachthagens Deutschstunde

Der Schreibreform-Elogenbruder Peter Schmachthagen ist in seiner Reform-Belaberungsserie „Deutschstunde“ nun bei der Heyse-ss-Regel angelangt, dem „Herzstück der Rechtschreibreform“:

Schreibt man Kartoffelmus mit Schnörkel-s?
Peter Schmachthagen

Der Verfasser, 73, ist „Hamburgisch“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprach-Kolumne erscheint dienstags

Mit der Rechtschreibreform wurde das Eszett keineswegs abgeschafft, und auch in „Straße“ sollte man es tunlichst weiterhin benutzen.

Nachdem wir dem Gruß und den Grüßen durch einen vorsichtigen Hinweis wieder das Eszett verschafft haben, das unter den meisten Mails im deutschsprachigen Raum durch „Gruss“ und „Grüsse“ abgelöst zu werden drohte, hält sich das Doppel-s dafür hartnäckig im Wort „Strasse“. ...

Die Grimms, die keine Großschreibung benutzten*, schrieben „s“ und „z“ noch als Einzelbuchstaben: „grusz“ und „strasze“. Doch spätestens 1880, als der Direktor des Königl. Gymnasiums zu Hersfeld, Dr. Konrad Duden, sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ herausgab, waren „s“ und „z“ zur Ligatur "ß" (Buchstabenverbindung auf einer Drucktype) verschmolzen...

Leute mit Lücken in Deutsch pflegen gern die Rechtschreibreformer, die Kultusminister oder allgemein „die Politiker“ für die eigenen Defizite verantwortlich zu machen – da muss man sich nur das anonyme Gestammel der „Community“ unter den Online-Artikeln ansehen –, aber sie irren sich in der Annahme, das Eszett wäre durch die Reform abgeschafft worden. Im Gegenteil, die Reformer haben mit der ss/ß-Regel klar und einfach festgelegt, wann „ss“ und wann "ß" geschrieben werden muss. Nach einem kurz gesprochenen Vokal (Selbstlaut) steht „ss“: Kuss, Riss, Ass*, musste, bisschen, Schloss, nass. Das ist „gräßlich“? Wohl kaum, und wenn schon, dann bitte grässlich! Die Schreibung von „ss“ statt "ß" nach kurz gesprochenen Vokalen ist übrigens die einzige Neuerung der Reform bei den s-Lauten.

Das „u“ in Fluss wird eindeutig kurz gesprochen, trotzdem mussten Schüler und Lehrer bis 1998/99 am Wortende ein Eszett setzen und den Fluss somit zum „Fluß" verbiegen [ – und das seit 600 Jahren? Völliges Mißverständnis! ]. Dieser Fluss („Fluß") floss („floß") jedoch seinerzeit im Genitiv und im Plural ins Bett des Doppel-s zurück: des Flusses, die Flüsse. Dort fließen sie auch heute noch. Wir halten als neue Regel fest: Einmal „ss“ im Wort, immer „ss“ im Wort. Wir dürfen allerdings nicht übers Ziel hinausschießen und dauernd die S-Taste tippen, wenn ein Eszett angesagt ist, etwa in Straße oder Grüße.

Das Eszett steht nach lang gesprochenem Vokal, und es stand dort bereits seit ewigen Zeiten: Schoß, Ruß, süß, Grieß, mäßig. Das Eszett steht auch nach Diphthongen (Doppelvokalen). Diphthonge werden immer lang gesprochen....

abendblatt.de 28.4.2015

Die Heyse-ss-Regel ist das „Herzstück der Rechtschreibreform“ (Althistoriker Christian Meier), die Formel, mit der wohl 200 Millionen Deutsche und Deutschlernende unter die Knute der bürokratischen Schreibveränderung genötigt wurden. Der diktatorische Reformbeschluß der 16 deutschen Kulturbanausen nötigte selbst im fernen China die Verlage dazu, ihre Deutschlehrbücher und Lexika auf den Müll zu werfen.

Die Heyse-ss-Regel dringt wie Giftgas sogar in entlegenste wissenschaftliche und auch tägliche Gebrauchstexte und läßt ältere alt aussehen. Sie ist der Geßler-Hut der „Reform“.

Deshalb schrieb der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Ernst Gottfried Mahrenholz:
„In der Neuregelung der Daß-Schreibweise haben die Minister ihre Kompetenz überschritten...“ (Süddeutsche Zeitung 23./24. 08.1997).

Schmachthagen beschreibt die „neuen“ ss- Regeln oberflächlich und unterschlägt die Tücken und Schwachstellen. Nicht umsonst kann heute kaum noch jemand ohne Automatikkorrektur fehlerfrei schreiben. Meine jüngste Tochter war in der Schule ziemlich schnell auf das Problem gestoßen: „Humanissmuss – ja wo kommen denn nun die ss hin?“

Erleichternd soll sein, daß nach langen Vokalen und Diphthongen „ß“ geschrieben werden soll. Ich erinnere mich an den Kellner in einem Hannoverschen Hinterhoflokal der 60er Jahre, der sich mit sechs Tellern auf den Armen seinen Weg durch das Menschengedränge bahnte mit dem Ruf: „Heiß, Fettflecke“. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, „ei“ sei hier ein Diphthong.

Vieles hat dazu geführt, daß die Durchsetzung der „Reform“ gegen den ursprünglichen Willen des Volkes nun fast vollständig gelungen ist. Wäre es nicht inzwischen geradezu ein Tabu, darüber zu sprechen, dann wäre das ein reicher Stoff für Studien, Dissertationen und Masterarbeiten zahlreicher Fakultäten.

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Sigmar Salzburg
29.01.2015 07.47
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Schmachthagens Deutschstunde

Wir gedenken, aber bitte nur im Genitiv

Von Peter Schmachthagen

Sie lesen bereits die 126. Folge meiner „Deutschstunde“. Was ursprünglich nur eine einmalige Replik auf einen Gastbeitrag mit dem Titel „Die Rechtschreibreform – ein Riesenfehler“ sein sollte, hat sich zur wöchentlichen Sprachkolumne entwickelt.

abendblatt.de 28.1.2015

Auch mit 126 Folgen seiner „Deutschstunde“ hat Peter Schmachthagen nicht die Feststellung Claudia Ludwigs widerlegen können, daß die Rechtschreib„reform“ ein Riesenfehler war: Seit 1996 ist das Schreibvolk gespalten, die schriftliche Vergangenheit nutzlos entfremdet, das Schriftbild häßlicher geworden und das Schreiben doch um nichts erleichtert oder verbessert worden. Man redet nur nicht mehr darüber, am wenigsten die Kultusminister, die diesen sinnlosen Amoklauf gegen die Schreibkultur unter Geiselnahme der Schüler durchgesetzt haben, auch als sie längst wußten, daß „die Rechtschreibreform ein Fehler“ war. Auch die Gegner der „Reform“, die beruflich zum Kotau vor dieser Kulturschande gezwungen sind, werden kaum noch etwas sagen. Es ist ihnen peinlich ...

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Sigmar Salzburg
16.12.2014 17.35
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Noch ein Reformheilsverkünder zum Jahresende

Deutschstunde
Das Ganze ist belämmert, aber bitte mit "ä"

Nicht die Rechtschreibreform war fragwürdig, sondern die Reform der Reform. Es kommt immer auf die Systematik der Regeln an

Von Peter Schmachthagen

Vor drei Wochen schrieb ich an dieser Stelle, der „Un“-Rat für deutsche Rechtschreibung habe sich im Jahre 2006 mit Eifer bemüht, größeren „Flurschaden“ im Regelwerk der Orthografie anzurichten. [...]

Die ursprünglichen Reformer hatten nach 1996 versucht, die inzwischen arg verwucherte Norm von 1901 in knappe und eindeutige Regeln zu fassen. Das war dringend nötig, nachdem der Duden 1955 von den überforderten Kultusministern die alleinige Regelhoheit (West) bekommen hatte und danach jede Wortspielerei des „Spiegels“ und jeder Druckfehler des „Mannheimer Morgens“ zu einem neuen Stichwort zu werden drohte. Es gab zwei oder drei Konrektoren in Deutschland, die leuchtende Augen bekamen, wenn sie „in bezug“ und mit Bezug auf die Unlogik den Zeigestock auf seinem Platz „plazierten“, die Klassenarbeiten mit Nummern „numerierten“ und wussten, dass sie den Hintern ihrer Schüler nicht mehr „verbleuen“ [schlagen!], den Nagel im Chemieunterricht aber verbläuen [chem. verfärben!] durften. Selbstverständlich gehörte es zur Allgemeinbildung, den „Tolpatsch“ mit einem „l“ zu schreiben, weil jeder Abc-Schütze wusste, dass dieses Wort eigentlich „ungeschickt gehen wie ein talpas“ bedeutete, also durch die Gegend wanken wie ein breitfüßiger ungarischer Fußsoldat. [die Tölpel-Regel reichte!]

Irgendwie war alles ein „bißchen belemmert“ (von mittelniederd. belemmen [eben!]– lähmen). Ich hatte im Abendblatt zum Abschied von der alten Rechtschreibung 40 Rechtschreibfragen gestellt und hinter jedem Beispiel zwei Kästchen drucken lassen, in denen man „richtig“ oder „falsch“ ankreuzen sollte. Andere Möglichkeiten gab es nicht. Wer lange genug gewürfelt hätte, wäre auf wenigstens 20 Richtige gekommen. Die Beste war eine Kollegin alter Schule mit acht Treffern. Übrigens waren alle 40 Beispiele richtig, nur hat's niemand geglaubt. So viel zur angeblich „klassischen“ Rechtschreibung.

Eine Leserin schickt mir einen Artikel aus ihrer Firmenzeitschrift, mit dem sie vor 15 Jahren ihren Kolleginnen und Kollegen die neue Rechtschreibung zu erklären versucht hat. Der Inhalt ist so weit richtig, trotzdem wird keiner ihrer Mitarbeiter die Regeln verstanden haben. Sie macht den Kardinalfehler, die Schreibweise einzelner Wörter zu zeigen, etwa Fuß mit "ß" und Fluss mit „ss“, aber nicht die Systematik, die dahintersteckt. Niemand möchte Tausende Schreibweisen wie Vokabeln lernen. Mit einer einfachen Erklärung der ss/ß-Regel hätte sie alle s-Laute abräumen können. [z.B. Humanissmuss, Kossmoss]

Und damit sind wir zurück beim „Flurschaden“. Die Reformer hatten die klare Regel aufgestellt, dass zwei Verben, die zusammentreffen, getrennt geschrieben werden. Es heißt also baden gehen, lesen lernen und damals auch ausschließlich sitzen bleiben, liegen lassen und kennen lernen. Doch dann führten die Umformer 2006 bei bleiben und lassen wieder die Unterscheidung nach Bedeutung ein und machten kennenlernen gar zu einem Wort. Manche Leute sind nicht glücklich, wenn sie nicht jede Regel mit Ausnahmen und Unterregeln verwässern können. Diese Leute sollte man nicht an die deutsche Sprache lassen, sondern sie nach Brüssel schicken, damit sie die Verordnung über die Watt-Begrenzung bei Staubsaugern noch mit dem Zusatz versehen, dass diese Geräte am Weltfrauentag nicht benutzt werden dürfen.

Das Ganze ist belämmert, ich weiß, allerdings diesmal mit "ä".

abendblatt.de 16.12.2014

Hier zitiert unter Zusammenfassung:
»
SPIEGEL [22.11.2004]: Die Zeitschrift „Praxis Deutsch“ veröffentlichte 1985 eine Untersuchung von 2000 Schulaufsätzen. Die 50 häufigsten Fehler waren solche, die von der Reform gar nicht betroffen sind.«

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Sigmar Salzburg
26.11.2014 19.19
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Schmachthagens Deutschstunde

Ob Sie Ihren Nachbarn kennen lernen oder kennenlernen…
…bleibt Ihnen überlassen. Über den Unsinn, die übertragene Bedeutung in die Rechtschreibung einzuführen

Von Peter Schmachthagen

[sitzen bleiben oder sitzenbleiben]

... Diese unsägliche Regel aus dem Jahre 1901 war ein Hindernis für die Verbreitung der deutschen Sprache.[?] Die wenigen, die diese Regel einwandfrei beherrschten, brauchten kein Deutsch mehr zu lernen. Die konnten es schon.

Insofern war es eine der wichtigsten Taten der Rechtschreibreformer zu bestimmen, Verb und Verb seien immer getrennt zu schreiben. Immer! 1998 schrieb man in den Schulen demnach schwimmen gehen, sprechen lernen, spazieren fahren, lesen üben und sogar kennen lernen, stehen lassen oder liegen bleiben. Diese Regel war eine enorme Erleichterung der Rechtschreibung. Die Schüler übernahmen sie ohne Schwierigkeiten, und wer dagegen an moserte, versuchte meistens nur zu kaschieren, dass er bereits die alte Schreibweise nicht beherrscht hatte.

Nun gibt es in Deutschland jedoch keine Reform, die Lobbyisten, Schriftsteller, Vorstandsvorsitzende oder Erlanger Professoren nicht noch einmal zu reformieren trachteten. 2004 trat der bunt zusammengewürfelte Rat für deutsche Rechtschreibung auf die Bildfläche, den „Unrat“ zu nennen ich mir nicht abgewöhnen kann, und machte das, was klar und einfach war, wieder kompliziert. Bei der Wortgruppe Verb und Verb wurde die übertragene Bedeutung erneut ausgegraben. Das ist widersinnig, denn wenn wir den Kontext eines Satzes benötigen, um die Schreibweise des Verbs festzulegen, brauchen wir keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn zu ergründen...

Geradezu orthografisch vergewaltigt wurde das Verb kennenlernen, das als Ausnahme von jeder Regel zusammengeschrieben werden sollte, weil es sich um einen einzigen Vorgang handele. Sicherlich wird es jeder englische Deutschschüler sofort einsehen, dass bei schwimmen lernen zwei Tätigkeiten, bei kennen lernen aber nur eine im Spiel ist...

abendblatt.de 25.11.2014

Wo hat Herr Schmachthagen nur das Kennen gelernt?

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