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Sigmar Salzburg
19.08.2017 04.13
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Unterschlagen: Der Volksentscheid gegen die Rechtschreib„reform“

50 Jahre NOZ – 50 Jahre Zeitgeschehen
1998: Der Tod eines Popstars und das Ende der Ära Kohl


August
In den deutschsprachigen Ländern tritt die Rechtschreibreform in Kraft. – Die radikal-islamischen Taliban nehmen die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif ein und ermorden rund 2000 Einwohner. – US-Präsident Bill Clinton gibt öffentlich zu, eine Affäre mit der Ex-Praktikantin im Weißen Haus, Monica Lewinsky, gehabt zu haben.

September
Mehr als 3000 Menschen sterben an den Folgen von Überschwemmungen am Jangtse in China. – Bei der Bundestagswahl wird die SPD mit Kanzlerkandidat Gerhard Schröder stärkste Partei, wenige Wochen später ist die erste rot-grüne Bundesregierung im Amt.

noz.de 14.8.2017

Der gleichzeitige erfolgreiche Volksentscheid gegen die Rechtschreib„reform“ am 27. September 1998 in Schleswig-Holstein wird unterschlagen. Die Ereignisse im „Oral Office“ sind (natürlich) wichtiger.

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Sigmar Salzburg
10.08.2016 05.49
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KOMMENTAR ZUR RECHTSCHREIBREFORM

Babylonische Rechtschreibverwirrung

Kommentar von Waltraud Messmann

Osnabrück. Vor 20 Jahren wurde der Startschuss für die Rechtschreibreform gegeben. Sprachforscher halten sie für einen Flop. Sie sei die Hauptursache für die nachlassende Rechtschreibleistung. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger weist das zurück. Er gibt der verfehlten Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte die Schuld an der Fehlentwicklung.

Auch wenn die Rechtschreibreform nur eine von vielen Ursachen der sich stetig verschlechternden Rechtschreibleistung von Jugendlichen ist, ihre Folgen sind für alle spürbar.

Jüngstes Opfer ist der MDR: In einem Radiobeitrag zu „20 Jahre Rechtschreibreform“ vermeldete der Sender vor einigen Tagen, dass mit Beginn des neuen Schuljahres die gerne verwechselten Wörter „seid“ und „seit“ zu „seidt“ zusammengezogen werden. Peinlich nur, dass die Quelle das Satireportal „Der Postillon“ war.

Dieses Beispiel und viele andere machen deutlich, dass die Neuregelung bei vielen zu einer großen Verunsicherung geführt hat. Trotzdem ist die Forderung nach einer Rücknahme aber mindestens so unsinnig, wie es die Reform selbst vor zwanzig Jahren war. Der Grad der Verwirrung würde dann vermutlich schon bald fast babylonische Ausmaße annehmen.

Umso wichtiger ist es, dass die Lehrerverbände die Verbesserung der bildungspolitischen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Rechtschreibunterricht anmahnen. Solange die Orthografie an den Schulen vernachlässigt wird, kann sie auch nicht besser werden. Egal, ob es „seid“, „seit“ oder „seidt“ heißen muss.

noz.de 9.8.2016

Der Herr Meidinger sollte sich zurückhalten. Er war einer der vielen Verbandsaktivisten, die den Staatsunfug mit Anpassungseifer und Lavieren begleitet haben. – Das Wichtigste wäre jetzt die zusätzliche Anerkennung der richtigen traditionellen Schreibweisen in den Schulen – daß, Eßsaal, rauh, behende, Stengel, Tolpatsch, zuviel, wieviel, Schiffahrt, Brennessel, des öfteren, im allgemeinen, heute abend usw. – bis der Reformunfug wieder ganz zurückgedreht werden kann.

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Sigmar Salzburg
13.10.2013 06.29
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Ersten Gesamtschulstreit 1991/92 überstanden

Westerkappeln. Mit 73 Mädchen und Jungen und nur drei Lehrern ging es los. Es gab ja 1973 auch nur einen Jahrgang. Das wenig später gebaute Schulzentrum musste sich die Realschule Westerkappeln noch mit der Hauptschule teilen. Heute nimmt sie den millionenschwer sanierten Komplex alleine in Beschlag. In den 40 Jahren hat sich die Realschule prächtig gemausert. Das will gefeiert werden...

17 Jahre war Martin Bäcker Schulleiter. Dann übernahm Franz-Josef Schlie das Ruder, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Existenzkrise seiner Realschule erlebte und durchlitt. Denn nicht nur momentan, sondern bereits 1991 wurde über eine Gesamtschule gestritten und der Fortbestand der Realschule damit ins Wanken gebracht.

Zum Schuljahresbeginn 1992 sollte eine Gesamtschule mit der Gemeinde Lotte gegründet werden, allerdings nur, wenn mindestens 84 Anmeldungen vorliegen. Es gab sogar schon einen Schulleiter. Im Februar 1992 stand das Ergebnis fest: Nur 27 Kinder wurden angemeldet. „Mit so einem Desaster haben wir nicht gerechnet“, erklärte der designierte Gesamtschulleiter dazu entsetzt.

Damit war das Thema für die nächsten 20 Jahre tot. 1998 ging die Realschule dann so richtig mit der Zeit: Die Schule erhielt ihren ersten Informatikraum. Doch bereits 1976 hatte sich die Schule von ihrer fortschrittlichen Seite gezeigt. In diesem Jahr wurden erstmals Taschenrechner im Unterricht verwendet.

Nicht nur technische Neuerungen veränderten das Schulleben, sondern auch die Rechtschreibreform. Zur Pflicht für alle wurde die neue deutsche Rechtschreibung ab dem 1. August 1998. Die Realschule begann aber bereits ein Jahr zuvor mit dem „dass“ statt „daß“. Franz-Josef Schlie sagte dazu, dass „nichts über das Knie gebrochen werden soll“, damit sich die Schüler langsam daran gewöhnen können.
noz.de 11.10.2013

Bekanntlich hat das „dass“ der Kultusminister die Fehlerquote gegenüber dem seit fünfhundert Jahren bewährten „daß“ um das Zehnfache gesteigert. Reformgegnerschaft wurde vom Verfassungsschutz NRW sogleich denunziatorisch mit „Rechts“ in Verbindung gebracht. Dagegen wirkte die kümmerliche Zahl der Anmeldungen zur ungeliebten Gesamtschule wie eine Volksabstimmung. Eine solche erklärte aber die reformistische Ministerin Behler im Zusammenhang mit der ss-Reform für unzulässig.

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Sigmar Salzburg
11.09.2013 03.15
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Bis heute umstritten

Rechtschreibreform mit Fehlern

Osnabrück/Hannover. Vor 15 Jahren wurde die „neue deutsche Rechtschreibung“ ins Leben gerufen, die Klarheit in das unübersichtliche Regelwerk bringen sollte. Nach der Einführung kritisierten Schriftsteller, Verlage, Eltern und Schulen die Reform aber so heftig, dass sie bis 2006 zweimal nachgebessert wurde. Doch trotz der Reformen der Reform ist die Neuregelung bis heute umstritten.

Auch der heutige niedersächsische Landtagspräsident und damalige Kultusminister Bernd Busemann stellt im Gespräch mit unserer Zeitung klar: „Ein Freund der Reform meiner Amtsvorgänger bin ich nie gewesen.“ Bereits in der heißesten Phase der Diskussion 2004 habe er gesagt, dass Sprache und Rechtschreibung etwas Fließendes seien, das man dem Volk nicht verordnen könne.

Zu Beginn der schrittweisen Einführung der Reform im Jahr 1998 waren sich die Kultusminister aller Länder aber noch einig gewesen und hatten für den Reformentwurf des „Instituts für Deutsche Sprache“ gestimmt. Doch Autoren, Verlage und auch Bürger gingen auf die Barrikaden. Die heute 54-jährige Oldenburgerin Gabriele Ahrens gründete die landesweite Initiative „WIR gegen die Rechtschreibreform“ mit dem Ziel, 70000 Unterschriften für eine Volksinitiative zu sammeln. Sie erreichte immerhin einen Aufschub. Etliche Klagen gingen auch beim Bundesverfassungsgericht ein. In Schleswig-Holstein stellten sich die Bürger in einem Volksentscheid mehrheitlich gegen die Reform, was die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis allerdings unbeeindruckt ließ.

Der Leipziger Linguist Harald Marx, Professor für Pädagogische Psychologie, wies im Jahr 2004 in einem Interview mit unserer Zeitung auf beunruhigende Ergebnisse von Schreibversuchen hin. Sie legten offen, dass einige der neuen Schreibweisen fehlerträchtiger waren als die alten. Vor allem bezüglich der s-Laut-Schreibung zeigten sich negative Auswirkungen: Zum einen machten die Kinder aller Klassenstufen bei den von der Reform betroffenen s-Laut-Wörtern signifikant mehr Fehler, zum anderen übergeneralisierten sie, indem sie offensichtlich die neuen Schreibweisen auch bei s-Laut-Wörtern anwendeten, die nicht von der Reform betroffen waren.

Das Blatt schien sich zu wenden, als sich der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff überraschend gegen die Neuregelung aussprach, sogar vor einer „Sprachverhunzung“ warnte. Auch andere Politiker meldeten sich kritisch zu Wort. Die Axel Springer AG und der Spiegel Verlag kündigten an, dem Beispiel der FAZ zu folgen und bei der alten Rechtschreibung zu bleiben.

Doch die Hoffnungen der Gegner wurden enttäuscht. „Weil bereits seit 1998 alle Schülerinnen und Schüler nach den neuen Regeln unterrichtet wurden, war eine vollständige Aufhebung der Reform nicht mehr durchsetzbar“, erläutert Busemann, der damalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die Hintergründe. So blieb nur noch,nur noch „die schlimmsten Auswüchse der Reform zu verhindern“. Auch die Tatsache, dass viele Schulbuch- und andere Verlage bereits nach den neuen Regeln abgefasste Bücher druckreif vorliegen hatten, soll bei der Entscheidung aber eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Mit der undankbaren Aufgabe, die Reform zu überarbeiten, wurde der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ unter der Leitung von Hans Zehetmair betraut. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich der frühere bayerische Kultusminister an „schwierige und arbeitsintensive Beratungen, um evidente Unebenheiten in der damals bestehenden Reform zu glätten“ und wieder zu einer einheitlichen und verbindlichen Rechtschreibung im deutschsprachigen Raum zu kommen Änderungsvorschläge seien vor allem in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Interpunktion, Silbentrennung und Groß- und Kleinschreibung erarbeitet worden. Heute könne er mit Zufriedenheit feststellen, „dass die vom Rat erarbeiteten Neuregelungen von den Schreibenden angenommen wurden“. Dies gelte sowohl für die Schulen und Bildungseinrichtungen als auch für die Zeitungs- und Buchverlage.

Auch Busemann sieht die Arbeit des Gremiums insgesamt positiv: „Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir heute wieder Nachrichten ans ‚Schwarze Brett‘ heften. Wir dürfen wieder ‚eislaufen‘ statt ‚Eis laufen‘, was niemandem ‚leidtut‘“ , freut er sich. An die Dreifachkonsonanten etwa in „Essstäbchen“, „Fitnessstudio“, „Genusssucht“, „Haselnussstrauch“ oder „Imbissstube“ habe er sich allerdings bis heute nicht gewöhnen können.

Am 1. August 2006 wurde die „Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung in der Fassung von 2006“ auf Beschluss der Kultusministerkonferenz und mit dem Segen des Bundesverfassungsgerichts dann zur verbindlichen Grundlage des Unterrichts an allen deutschen Schulen. Ihr erklärtes Ziel war es, das Erlernen der Rechtschreibung zu vereinfachen.

Inzwischen gibt es immer mehr Zweifel, ob das wirklich gelungen ist: So hat Wolfgang Steinig , Professor für Germanistik an der Uni Siegen, Schulaufsätze aus drei Jahrzehnten miteinander verglichen. Das Fazit: Die Schüler machten mehr als doppelt so viele Rechtschreibfehler wie vor vierzig Jahren. Das ist sicher nicht allein auf die Reform zurückzuführen, doch vermutlich hat sie daran einen Anteil.

Auch der Germanist Uwe Grund erklärte in einem Gutachten, dass seit der Reform die Rechtschreibfehler bei Schülern eklatant zugenommen haben – in Abituraufsätzen sogar bis zu 120 Prozent. Die Groß- und Kleinschreibung, so Grund, vor allem aber die Schreibung des s-Lautes („s“, „ss“, „ß“) bereite immer noch große Schwierigkeiten. Damit bestätigte er die Befürchtungen, die der Leipziger Linguist Harald Marx bereits 2004 geäußert hatte.

Für Ilka Hoffmann, für Schule verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ist die Rechtschreibung dagegen durch die Reform tatsächlich logischer geworden. „Das hat das Lehren und Lernen einfacher gemacht“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Hoffmann weist aber auch darauf hin, dass Rechtschreibregeln nicht alles seien. „Beim Erlernen der Schriftsprache spielen die visuelle und die auditive Wahrnehmung, die Motivation und Vorerfahrungen der Kinder sowie die Schriftsprachkultur in der Familie eine große Rolle.“Die PISA-Studien hätten deutlich gezeigt, dass allein der Besitz von Büchern in einer Familie sehr positive Auswirkungen auf das Erlernen der Schriftsprache habe. „Viele Kinder und Jugendliche haben diesen Zugang zur Schriftsprache aber schlicht nicht .“ Hier soziale Barrieren und Berührungsängste abzubauen, Lesen und Schreiben gezielt und individuell zu fördern, sie eine der wichtigsten Aufgaben des Bildungssystems, die aber leider durch Ziffernnoten und Diktate oft verhindert würde.

Ein Kritiker der ersten Stunde ist der Germanist Theodor Ickler. Er kann der Reform bis heute nichts Positives abgewinnen. „Drei Rechtschreibreformen innerhalb von zehn Jahren haben die Lehrer so verunsichert und frustriert, dass darunter der ohnehin nicht besonders beliebte Rechtschreibunterricht sehr gelitten hat.“ Allerdings strichen die Lehrer kaum noch an, weil sie selbst verunsichert seien, so Ickler gegenüber unserer Zeitung.

Den Printmedien wirft Ickler vor, sich allen Warnungen zum Trotz und ohne Not den Wünschen der Kultusminister unterworfen zu haben. Sie trügen deshalb auch eine Hauptschuld. „Es ist aber nie zu spät“, sagt Ickler. „Eine Zeitung, die zur klassischen Orthographie zurückkehrt, an der ja nichts auszusetzen war, hätte den Beifall fast aller Leser.“ Ickler fordert eine „Reform der Reformen“.

Die findet nach Einschätzung von Busemann schon statt – allerdings außerhalb von Schulen, Amtsstuben und Gremien. Es habe sich insgesamt sehr viel Beliebigkeit in unsere Schreibweisen eingeschlichen, meint der Politiker. Nachrichten per Handy, E-Mails und von anderen elektronischen Diensten würden von Korrekturprogrammen lesbar gehalten. Und Zeitungen und Presseagenturen richteten sich überwiegend nach eigenen Hausorthografien. Auch wenn die sich meist nur in Einzelfällen von der Reform aus dem Jahr 2006 unterschieden, räumt Busemann ein.

Der Emsländer selbst nimmt bis heute besonders an der seiner Ansicht nach oft nicht stimmigen Ableitungen der Schreibung aus der angeblichen Herkunft der Wörter Anstoß: „Als Schafzüchter stört es mich einfach, dass wir uns heute ‚belämmern‘ lassen müssen statt des ursprünglichen ‚belemmern‘.“ Da das Wort vom niederländischen „belemmeren“ stamme, habe es mit Schafen nämlich [... nichts zu tun? – Da fehlt was!]

Ein Artikel von Waltraut Messmann

neue-oz.de 9.9.2013

Leserkommentare

Marco Mahlmann

Die Rechtschreibreform ist eine Schande. Sie wirft die Sprachentwicklung um zweihundert Jahre zurück, sie wurde als Kopfgeburt einer Clique von Linguisten, die sich für klüger hielten als die hundert Millionen deutschen Muttersprachler zusammen, der Sprachgemeinschaft aufgezwungen, sie ist ein Experiment zulasten der Schüler.
Keine der vollmundigen Versprechungen der Reformbefürworter ist erfüllt worden, aber so gut wie alle Warnungen haben genau das beschrieben, was wir heute sehen: Unsicherheit, Anstieg der Fehlerzahlen, Beliebigkeitsschreibung und etliche Hausorthographien, die die einstmals vorbildliche Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache vergessen machen.
Daß ausgerechnet die GEW für die Reform spricht, verwundert nicht. Sie ist eine der treibenden Kräfte; sie hat spätestens seit den siebziger Jahren die Rechtschreibung als Herrschaftsinstrument gegeißelt, das gebrochen gehöre. Wider besseres Wissen hält die GEW die Reform heute für gelungen. Die Reform ist in der Schule durchgesetzt, aber sie wird nicht beherrscht; die Schülerarbeiten sind beredtes Zeugnis.
Schön, daß Sie nicht die Rolle der Medien verschweigen; schreiben Sie bitte auch, warum die NOZ seinerzeit so schnell umgestiegen ist und noch immer an der Reform festhält.


Friederike Heinrich

Frau Hoffmann bringt statt Fakten nur nur politisch korrekte Allgemeinplätze. Kein Wunder, denn WAS ist tatsächlich logischer geworden? Die nunmehr inflationäre Großschreibung wohl kaum. Die Kommasetzung auch nicht, und wegen ihrer Komma-Armut schon gar nicht für den Lesenden. Die ss/ß-Schreibung (Schlussstein) ist anders, aber kaum besser als vorher (vgl. Schlußstein). Machen etwa neu erfundene Schreibvarianten (aufwändig, notwändig, selbstständig, selbststätig) das Lesen einfacher? Oder Leerzeichen mitten im Wort? Oder sogenannte „Volks“-Ehtühmohlogien, die letzlich einfach nur dumm sind und den Lesenden auch dumm machen? Wenn man die Dame fragte, was ein Adverb sei, bekäme man vermutlich nicht einmal eine brauchbare Antwort. Sie sollte mal bei Wikipedia unter „Mehrdeutigkeit“ nachzulesen, um zu verstehen, was die RechschreibreformErInnen verbrochen haben, aber vermutlich würde das an ihrer politisch diktierten Antwort auch nichts ändern.

Hier noch einige der dümmsten „Errungenschaften“ der sogenannten „Reform“:

Von vornherein – Im Voraus : Was zur Hölle ist „ein Voraus“
Was ist bei „des Öfteren“ ein "Öfteren“? Wessen Öfteren ist gemeint?
Bei Hamburg oder bei Weitem? Von Wolfsburg oder von Weitem? Warum „Letzeres“, aber „dieses“ und „jenes“?
Warum schreibt jede(r) Hirni heute „am Liebsten“ und „ich möchte Fotografieren“ und „Die Sonne wird auf gehen“?
Warum gelten Kommas als „böse“, und es gilt, sie zu vermeiden?

Die ganze Reform ist von vorn und hinten (von Vorn und Hintern?) Schwachsinn. Sie ist häßlich und ungrammatisch, erhebt das Dumme zur Norm und erschwert das Lesen. Schuld daran ist nicht zuletzt (zu Letzt?) auch der DUDEN mit seinen „Empfehlungen“, denn er empfiehlt gern Großbuchstaben und Auseinanderschreiberei.

Was hat uns die „Reform“ an Positivem gebracht? Den Verlagen eine goldene Nase und ein paar Profs ein Denkmal („schaut mal, das ist Prof. Dingsbums, der hat das neue Wort „aufwändig“ erfunden und dem „rauh“ das H entfernt! Hurra!!!).

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Sigmar Salzburg
31.07.2011 18.53
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Nur jeder Dritte traut den neuen Regeln

Weiterhin Zorn auf Schlechtschreib-Reform

München. Die Rechtschreibreform wird auch 15 Jahre nach ihrer Einführung noch von einer Mehrheit der Bundesbürger abgelehnt. Dies ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag des „Focus“. Demnach wird die Reform von 1996 nur von einem Drittel der Bevölkerung begrüßt, 62 Prozent halten sie noch immer für falsch… [s. dpa]

Die Ablehnung der Reform bewegt sich auf einem relativ stabilen Niveau. 2008 gaben 62 Prozent der Befragten einer Emnid-Umfrage an, sich noch nicht an die neue Rechtschreibung gewöhnt zu haben. 2005 bezeichneten sich 61 Prozent der Befragten einer Allensbach-Erhebung als Reformgegner.

Neue Osnabrücker Zeitung 31.7.2011

[Und – typisch Journalisten – ein bißchen Herumgekasper, statt den Kultur- und Demokratieskandal deutlich zu benennen!:]

Kommentar: Zurück zu Luther!
Osnabrück. Was war fur eyn Geschrey vnd feyndschafft im volcke, als newe Gesetz vnd Lerebuch der deudschen Schrifft verheyssen waren! Hui, es ist schwieriger, als man denkt, aber wir bleiben dran. Ab heute kommentieren wir auf dieser Seite wieder in sauberstem Luther-Deutsch. Die Zeit ist reif für ein deutliches Zeichen!

100 Jahre nach dem Tod von Konrad Duden und 15 Jahre nach der Rechtschreibreform ist immer noch kein Friede in Sicht. Eine Mehrheit der Deutschen sehnt sich nach den irgendwann mal gewohnten Regeln. Doch niemand handelt. Dabei sah vor ein paar Jahren alles so gut aus: Hand in Hand mit der „Bild“ gingen „Spiegel“ [leider nicht!] und „FAZ“ zur alten Orthografie zurück. Was ist von der Verweigerung geblieben? Die „FAZ“ schreibt „Stengel“ statt „Stängel“– und folgt ansonsten wie alle der einst so gefürchteten „Schlechtschreibung“.

Was hat die Feinde der Veränderung einbrechen lassen? Mutlosigkeit! Ihr „Zurück zum Duden 91“ war immer schon halbherzig. Wir rufen kühn: „Zurück zu Luther.“ Das ist vielleicht genauso sinnlos, aber unter dem Strich entschieden konsequenter.

noz.de 31.7.2011

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Norbert Lindenthal
04.06.2010 20.58
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Re: Mundartpflege

Zitat:
Eine verbindliche Rechtschreibung gibt es für das Plattdeutsche nicht – nur das „Kleine plattdeutsche Wörterbuch“ des Hamburgers Dr. Johannes Saß aus dem Jahr 1972. …

… und seit 20 Tagen gibt es etwas ganz Brauchbares für deutsche Sprachen: Ein Rechtschreiber, der besonders gut mit eigenen Wörterlisten (z. B. für plattdeutsche Wörter) umgehen kann. Selbst große Wörterlisten (mehr als 30.000 Wörter) werden schnell und lohnend eingesetzt.

Der Rechtschreiber heißt Spell Catcher X und hat nun auf Mac eine deutsche Oberfläche (ohne Rechtschreibreform-Deutsch!!).

Mehr dazu morgen.

__________________
Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
04.06.2010 16.22
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Mundartpflege

Sie können noch Platt proten

… Seit mittlerweile 20 Jahren gibt es den Plattdeutschen Förderkreis in der Region Osnabrück und mit ihm die Schreibwerkstatt für plattdeutsche Autoren.
Am Wochenende trafen sich die „Plattfoss“ zur intensiven Textarbeit in der Wallenhorster Hofstelle Duling. „Wir haben heute sehr produktiv gearbeitet“, sagt Elisabeth Benne. Sie leitet die Schreibwerkstatt, die zweimal jährlich stattfindet.
Hier versammeln sich plattdeutsche Autoren aus der gesamten Region Osnabrück, …
Die regionalen Unterschiede sind trotzdem nicht zu überhören…
„Wir verfolgen außerdem für alle Akzente dasselbe Ziel: Das Schriftbild des Plattdeutschen lesbar zu machen und das heißt, es dem Hochdeutschen so weit wie möglich anzunähern.“
Konkret heißt das etwa, dass die Vorsilbe „weg-“ auch im Plattdeutschen mit g geschrieben wird, obwohl ein nicht Anwesender im gesprochenen Platt eindeutig „wech“ ist. Eine verbindliche Rechtschreibung gibt es für das Plattdeutsche nicht – nur das „Kleine plattdeutsche Wörterbuch“ des Hamburgers Dr. Johannes Saß aus dem Jahr 1972. …
neue oz.de 4.6.2010

Daher ist in der Saß-Ausgabe für Schleswig-Holstein der Name des Verfassers gleich mitreformiert worden zu „Dr. Johannes Sass“. Ob dann aber die Schreibung „Plattfoss“ richtig ist, wage ich aus nördlicher Sicht zu bezweifeln. Im übrigen gibt auch die hochdeutsche Schreibung die Aussprache nicht richtig wieder. Was in Süddeutschland „Eeschtrich“ heißt, wird im Norden „Eßtrich“ genannt.

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Norbert Lindenthal
10.08.2006 05.45
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Warum nicht Volksentscheid?

Ich könnte mir vorstellen, mit der Rückkehr zur Rechtschreibung der Väter und Mütter unter Berufung auf den Volksentscheid in Schleswig-Holstein am 27.9.1998 bei Schülern punkten zu können. In Niedersachsen hätte ein Volksentscheid auch eine Chance gehabt, wenn Landeswahlleiter Strehlen beim Auszählen der ersten Hürde (Volksinitiative) nicht verraten hätte. Und das obwohl in Niedersachsen die Hürde doppelt so hoch ist in der ersten Stufe. In anderen Bundesländern sieht es um Volksentscheide schlimmer aus. Deshalb ist es gut (und zur Zeit für Lehrer auch peinlich), daß es den Volksentscheid in Schleswig-Holstein gibt.

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Norbert Lindenthal
10.08.2006 05.12
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"man steigt wirklich nicht mehr durch"

Neue Osnabrücker Zeitung, 10.8.2006

Regionales

Tecklenburger Land 10.08.2006

Die Crux mit der Reform der Reform

mho Lotte/Westerkappeln.
Neulich war Lina Eis laufen. Entschuldigung: eislaufen. Egal, Hauptsache, es hat Spaß gemacht, denkt sich sicherlich manch einer. Doch im Alltag, besonders in der Schule, sieht es anders aus. Die wiederholte Reform der Rechtschreibreform macht vielen zu schaffen. Die i-Männchen, die heute eingeschult werden, dürfen auf eine endgültige einheitliche Regelung hoffen.

Sie lernen künftig die Rechtschreibung in der Fassung vom 1. August 2006. Der Anpassung der Rechtschreibreform vom 1. August 2005 waren Nordrhein-Westfalen und Bayern als einzige Bundesländer nicht gefolgt. Wie dem auch sei: Dass viele Schulbücher jetzt einen unterschiedlichen Stand der Rechtschreibung aufweisen, ist unausweichlich. Schließlich würden die Kosten für eine komplette Neuausstattung die Budgets sprengen. Die Lehrer in Lotte und Westerkappeln bleiben derweil weitgehend gelassen. Vor allem, weil für ein Jahr noch eine Übergangszeit besteht.
„Die Rechtschreibung hat sich immer verändert. Darüber hat sich niemand aufgeregt“, sagt Bärbel Münzberg. Die Leiterin der Grundschule Handarpe gibt jedoch zu Bedenken: „Was da abgeht, ist nicht förderlich für die Schulen.“ Und Schulleiterin Annette Ohlig von der ehemaligen Kopernikus-Hauptschule in Westerkappeln verrät schmunzelnd: „Ich bin froh, dass ich Englisch unterrichte.“ Die Schüler gingen mit der Situation allerdings gelassen um, berichtet Ohlig. Die Kollegen hätten sich zudem gut vorbereitet.

Das sei auch in der Grundschule Wersen in Lotte der Fall, erzählt Schulleiterin Astrid Janßen-Timmen. Jeder Lehrer habe es selbst in die Hand genommen, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen. Sie stellt außerdem fest, dass die meisten Regelungen in der Grundschule noch nicht zum Tragen kämen.

Ebenso sieht es ihre Amtskollegin von der Grundschule Büren, Adelheid Czerlinski. Auch hier eigne sich jeder Lehrer die Reform selber an. Die Arbeitszettel, die sich über Jahre bewährt hätten, würden zum Teil überarbeitet und weiter im Unterricht eingesetzt, sagt Czerlinski. Manchmal falle es der Schulleiterin jedoch schwer, den Kindern zu begründen, warum ein Wort plötzlich anders geschrieben werde.

Sie hofft, dass der jetzige Beschluss der Kultusministerkonferenz endgültig ist. Damit wäre allen geholfen, findet Adelheid Czerlinski. „Denn“, sagt sie, „man steigt wirklich nicht mehr durch.“

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Norbert Lindenthal
18.05.2006 09.22
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17 Jahre Fehlerbeobachtung

Stadt Osnabrück 18.05.2006

412 Fehlervarianten für „Benzintanks“
S. Osnabrück.
Kinder sind fantasievoll: Für das Wort „Diskette“ gibt es bundesweit 249 Fehlervarianten, bei „Benzintanks“ sind es gar 412. Mit dem Testprogramm „Gutschrift-Diagnose“ kann die Rechtschreibkompetenz von Schülern bis ins Detail überprüft werden.



[Bild einer Schülerhändschrift mit den Wörtern Diskette, zwei Bensintangks, des Spazirgangs]

Der achtjährige Lorenz hat für uns ein kleines Diktat geschrieben. Das Wort „Diskette“ beherrscht er perfekt. Probleme mit „Benzintanks“ und „Spaziergang“ haben auch noch ältere Kinder.
Foto: Michael Hehmann

Dr. Helmut Wojtun, Leiter des Osnabrücker Zentrums für Legasthenie und Schriftkompetenz, bietet dieses computergestützte Verfahren im Raum Osnabrück an. Es wurde von den Autorinnen des Rechtschreibtests der IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Leseuntersuchung) entwickelt.
Lehrer können sich aus dem Internet Rechtschreibtests für verschiedene Klassenstufen und Schulformen herunterladen. Anschließend geben sie die getesteten Worte in eine Maske ein. Auf der Basis von 120000 analysierten Einzelfehlern der IGLU-Schüler biete die Auswertung verschiedene Daten gleichzeitig, erläutert der Diplompädagoge Wojtun, der zugleich Kinder- und Jugendpsychotherapeut ist.

Gezeigt werde einerseits, welche Schüler sich im Bereich der normalen Lernentwicklung der deutschen Schüler befinden und welche nicht. Wer etwa „Diskätte“ statt „Diskette“ schreibt, hat eine größere Schreibkompetenz als der Schüler, der im Diktat „Diesgäte“ schreibt. Anhand der Fehlerdichte pro Wort bietet die „Gutschrift-Diagnose“ den Lehrern einen Förderplan mit konkreten Angaben, bei welchen Schülern in welchen Bereichen der Rechtschreibung ein individueller Nachholbedarf besteht.

Nach Wojtuns Angaben nutzen bundesweit derzeit 370 Schulen dieses Verfahren, in der Region Osnabrück bisher 20. Die Kosten betragen 80 Euro und werden von der Schule oder dem Förderverein übernommen, manchmal auch auf die Eltern umgelegt.

17 Jahre ist der Diplompädagoge in der Lese- und Rechtschreibvermittlung aktiv. Nach seinen Beobachtungen sind die Kinder in dieser Zeit schlechter geworden. Dafür gibt es seiner Meinung nach verschiedene Gründe. So sei etwa die Vermittlung der Rechtschreibkompetenz in der Lehrerausbildung allenfalls ein Randthema, obwohl die Art und Weise des Unterrichts immer wichtiger werde.

Das liege auch daran, dass Lesen und Schreiben bei den Heranwachsenden heute einen „zwiespältigen Ruf“ genössen und außerhalb der Schule keine wichtige Rolle mehr spielten. Wer aber nicht lerne, richtig zu lesen und zu schreiben, werde später ausgesondert: vom Besuch weiterführender Schulen, von der Ausbildung und letztlich von der Arbeit.

„Ich muss nicht lesen und schreiben lernen, weil ich Manager werde und dann eine Sekretärin habe“, hat Wojtun schon öfter gehört. Doch diese Vorstellung bleibt ein Kindertraum.

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Norbert Lindenthal
11.08.2004 07.12
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Neue OZ Neue Osnabrücker Zeitung



10.08.2004

Stadt Osnabrück

„Eine ganze Schüler-Generation wäre gelackmeiert“

Osnabrück (swa)
Eine ganze Generation von Schülern wäre gelackmeiert, wenn die neue Rechtschreibung wieder abgeschafft würde. Davon ist Andreas Viehoff, Leiter der Schule in der Dodesheide, überzeugt. Die neue Schreibweise sei „logischer“ und damit leichter zu lernen. Professor Rolf Thieroff, Sprachwissenschaftler an der Uni Osnabrück, bezweifelt das. Für ihn ist im Übrigen nicht die Lern-, sondern die Lesbarkeit geschriebener Sprache der bedeutsamere Faktor.

Das Argument des Germanisten, der Lehramtsstudenten unterrichtet: „Es wird wesentlich mehr gelesen als geschrieben.“ Es gebe nur wenige spezialisierte Berufsgruppen wie zum Beispiel Sekretärinnen oder Journalisten, die große Textmengen zu Papier bringen. Die vielen Leser dagegen profitierten von alten Regeln, weil diese Texte leichter zu lesen seien. Ein Beispiel: Dreifachkonsonanten bei zusammengesetzten Wörtern wie „Schifffahrt“ oder „Schwimmmeister“ erschwerten das Lesen. Das hätten selbst die Reformatoren erkannt und deshalb dazu aufgefordert, in diesen Fällen verstärkt den Bindestrich zu nutzen („Schiff-Fahrt“).

Wenn er nur zwischen alter und neuer Regelung wählen könnte, würde sich Thieroff für die alte Form entscheiden. Seine Ideallösung: Zur alten Variante zurück. Aber weil nicht alles schlecht ist an der Reform, die sinnvollen Elemente übernehmen. Zum Beispiel: Trennmöglichkeit zwischen S und T (Kos-ten) oder Doppel-S nach Kurzvokal (muss, aber Maß). Auch ungewöhnliche alte Schreibweisen wie „rauh„oder „Känguruh“ sollten nicht wiederbelebt werden.

Das sieht Jutta Sauer vom Literaturbüro Westniedersachsen im Ledenhof nicht ganz so wie der Professor. Spätestens bei „Majonäse“ dreht sich ihr der Magen um: „Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen.“ Sie habe vor Jahren für den Schriftstellerverband in der Rechtschreibreform-Kommission gesessen. Aber alle Argumente der Autoren seien damals vom Tisch gewischt worden. Die Schriftsteller selbst hätten die Reform dann auch weitgehend ignoriert. Erasmus Schöfer zum Beispiel habe im Vorwort zu seinem Buch „Zwielicht“ geschrieben, dass er in Zweifelsfällen lieber seinem persönlichen Sprachgefühl folge als der Dudenredaktion. Lediglich die Kinderbuchautoren hätten meist widerwillig die Reform mitgemacht, um ihr Publikum nicht unnötig zu verunsichern.

Diese Verunsicherung wäre nach Ansicht von Andreas Viehoff aber unvermeidlich, wenn jetzt die alte Rechtschreibung auferstünde. Von diesem Hin und Her wären ja nicht nur die sechs Jahrgänge betroffen, die nach der Einführung der neuen Schreibweise eingeschult wurden. Alle, die seither die Schule besucht haben, also auch die Abiturienten der vergangenen Jahre, sind noch auf die neuen Regeln umgeschult worden. Und die seien, abgesehen von einigen inkonsequenten Halbherzigkeiten, unter dem Strich einfach schlüssiger. Ein erneutes Umlernen könnte im Extremfall zum völligen Niedergang der orthografischen Fähigkeiten dieser Jahrgänge führen.

Viehoff sieht auch die ökonomischen Folgen: Die nötigen neuen Schulbücher könnten nicht mehr im Leihverfahren bereitgestellt werden. Das bedeutet: Die Eltern müssten alle Bücher zum dreifachen Preis neu kaufen.

Wieso Spiegel, Springer-Verlag und Süddeutsche jetzt die Renaissance der alten Schreibweise anschieben, erschließt sich Viehoff nicht. Die Chefredaktion der Neuen OZ sieht vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion keinen Handlungsbedarf und wird daher bis auf weiteres an der neuen Rechtschreibung festhalten. 

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