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Sigmar Salzburg
09.02.2017 13.48
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Barockstadt Dresden

Die Erinnerung an den Dresdener Feuersturm des 13. Februar 1945 ist den Regierenden ein Dorn im Auge, weil viele Bürger das wenige materiell und ideell Gerettete für sich bewahren wollen – obwohl „Dresden keine unschuldige Stadt“ war (OB Hilbert).

Das konnte man nun gut durch die Schnapsidee eines syrisch-deutschen Künstlers karikieren, eine mit aufrechtstehenden schrottreifen Bussen errichtete Barrikade „zum Schutz der Bürger“ aus Aleppo nachzubauen. Da irgendwie „gegen Rechts“ gerichtet, kam der nötige „fünfstellige“ Betrag schnell zusammen.

Es stellte sich heraus, daß die originale Barrikade ein Werk der terroristischen Ahrar-Milizen war, denen der junge Künstler wohl nicht allzu fern steht. Er hatte zunächst in Damaskus studiert und war dann, wie viele, dem syrischen Wehrdienst entflohen und hatte seine Kunstübungen in Dresden fortgesetzt.

Eins seiner Objekte stellt den arabische Schriftzug „al kaed“, „der Führer“ dar, genauer wohl
القائد „al qa’id“, was allerdings nur Europäer an „al Qa’ida“ erinnert:

The Leader ( Al Kaed ) relief in arabic calligraphy.
„During my school days in Syria one of our daily duties was to greet the eternal leader. After that we ware aloud to enter classes.“
In einem anderen „Kunstwerk“, einem fiktiven Kartenwerk „What if“, stellt er sich die Kolonisierung Europas von der osmanischen Welt aus vor:
„Die entstandenen Kampfkarten, Verzeichnen den lauf der Truppen und dessen verschiedenen Verbänden so wie wichtige Militärische Ziele. Die neu Eroberten Städte werden Teils umbenannt oder übersetzt. Lädiglich ein Par Große Städte dürfen ihren Namen behalten.“
Das kann bei den hiesigen Deutschlandabschaffern nur Begeisterung hervorrufen.

Nachtrag: Imad Karim hat dem „Busskünstler“ direkt geschrieben.

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Sigmar Salzburg
25.12.2016 14.26
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Beste Weihnachtswünsche

Heute morgen tönten über den Dächern von Kiel von allen Seiten Kirchenglocken. Das sollte unter Kultur- und Denkmalschutz gestellt werden, auch wenn es fundamentalistischen Atheisten und Islamisten nicht gefällt. Seit dem Mittelalter erhielten die europäischen Kirchen große Glockengeläute. Berühmt war das Geläut zu Speyer, das auch den Komponisten Ludwig Senfl (1490-1543) zu einem tonmalerischen sechsstimmigen Satz anregte.



Der Text dazu lautete in der damaligen (ss-reformfreien) Rechtschreibung:

Das Geläut zu Speyer

[Primus discantus] Nun kumbt hierher all und helft mir einmal, in diesem Saal, wem’s Läuten g’fall’ und siecht an bald, treibt wenig G’schall, Gling, glang... Nit irret mich, sunst hör’ auf ich. Flux fu der dich. Gling, glang... Ich mag nicht läuten lang. Gling, glang... Bitt’ ich mir sag’, was ist für Tag, daß man so läut’. Gling, glang... Solch’s G’läut macht mich betör’n, ich mag mich selbst nit hörn. Schau’ eben auf, zeuch gleich mit auf. Gling, glang... Nun läut’ zam in Gottes Nam. Wer kommen will, darf G’läuts nit viel, mag hertreten ungebeten zue der Metten.

[Secundus discantus] Gling, glang... Laßt mehr angeh’n, da müeßt ihr zue mir herstehn, Gling, glang... Mit unsern Glocken laßt zammenlocken, ziecht unerschrocken. Gling, glang... Wiewohl zwar Andacht bloß Gott’sdienst ist groß geet über ’s G’läut’ am Kirchtag heut’. Gling, glang... Die Schuler kommen schon, Glocken brummen habt viel Singens, gilt Anbringens, so Pfarrer aufsteht, gen Opfer geht.

[Altus] Kumbt her all, kumbt her, und helft mir, Meßner. Ziecht an, ziecht an, wehr mag und kann. Zue dem Fest, tue das Best’. Drumb ich bitt’, spar euch nit. Jedermann soll hergon. Laßt aufgahn, nicht klagt’ an, noch nicht fliecht, ziecht an, ziecht, streckt die Arm’, macht euch warm. Gling, glang... So Hans und Paul, ziecht seid nit faul. Wie schnauft ihr mit dem Maul? Gling, glang... Nit ziecht so schnell, so klingt’s baß hell. So fein greift drein. Gling, glang, mar mir maun, bum... Nun läut’ zammen in Gott’s Namen, Wer will kummen, hat’s vernummen. An dem Fest heut’ hab’ wir lang g’läut. Mur maun.

[Tenor] Mur, maun... Nun kumbt, ihr Knaben all, greift an und läut’ einmal, daß Glockschall’. Mar mir mur maun... Streck’ an, streck’ an, was ein jeder mit der Macht kann. Mar mer mur maun, gling, glang... Seht zue mit und klenkt mit. Mur maun, gling glang... So läut’ guet Ding, daß’s tapfer kling’, Maus, her an Ring, das Opfer bring’, weil man das Amt singt. Mar mer mur maun.

[Tenor secundus] Mir, mur, maun... Ziecht an, lieben gesellen, die mit mir läuten wöllen. Mir, mur, maun, Nu zue diesem Fest tuet allsambt das Best’, nehmt hin Strick’ und Seil, zeicht an resch, mit Eil’. Mur maun... So tuet zammsteh’n, last’s wohl aufgeh’n, daß so viel zwen. Gling glang... Jan’s auch anfang’s. Jetzt klingt’s wohl und geht ganz recht. So, so mein Knecht. Mur maun... Hui, nun läut’ zusamm in Gottes Nam’. Wer kumbt, der kumbt, Hans, tue dich munter umb, daß Glock’ entbrumm und schau’ mit zue, daß’s Seil nit brechen tue. Mur maun...

[Bassus] Mur, maun, mur, maun, mur, maun, bom, mur, maun, bom; mur, maun, bom, mur, maun, bom, mur, maun, bom, mur; maun, bom, mur, maun, bom, mur, maun, bom, mur, maun; bom ...

[Auch witzig, hier ( https://youtu.be/sZshuUWcqfE ) in pantomimischer Darstellung.]

Allen ein besinnliches Weihnachtsfest!

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Sigmar Salzburg
07.09.2016 06.03
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„Luther, Bach – und die Juden“.

Im Wahlgetümmel ging ein Beitrag Michael Klonovskys etwas unter. Er untersucht in seinen „Acta diurna“ vom 4. September 2016 noch einmal ausführlich die Stichhaltigkeit der peinlichen Eisenacher Veranstaltung „Luther, Bach – und die Juden“.

Bach wäre bekanntlich lieber Hofkapellmeister geblieben, hat dann aber pflichtgetreu sein Amt als Thomaskantor ausgeübt. Dazu gehörte auch die Vertonung biblischer Texte, die sich weder Bach noch Luther ausgedacht hatten, sondern die um 100 n.Chr. die religiöse Rechthaberei zwischen dem authentischen Judentum und der christlichen Ablegersekte widerspiegeln. Fast zweitausend Jahre später ist die Nach-68er-Generation darauf dressiert, in jedem Kunstwerk ur-nazistische Giftstoffe zu erschnüffeln. Aber nicht alle der angeblich so Begünstigten sind damit glücklich. Klonovsky zitiert einen Ungenannten:

Und Leser ***, Musikwissenschaftler und Jude, nimmt vor allem auf einen Artikel in der Welt Bezug, der unter der Überschrift „Warum Bach ein Antisemit war“ mit Julius-Streicher-Charme loslärmt: „Wenn das Reformationsjubiläum beginnt, sollen die braunen Ecken ausgefegt sein. Bach ist nun auch bearbeitet. Die Eisenacher Ausstellung 'Bach, Luther – und die Juden' überführt ihn als Antijudaisten.“ Worauf *** repliziert: „Irgendwie erinnert mich dieser Säuberungszwang sowie die Erfolgsmeldung des Autors an einen anderen Text: ‚Die Reinigung unseres Kultur- und damit auch unseres Musiklebens von allen jüdischen Elementen ist erfolgt.’ (Theo Stengel und Herbert Gerigk, Lexikon der Juden in der Musik, Berlin 1940, S. 5).“

Der Welt-Text verdient aufgrund seiner Wesensverwandtschaft mit dem, was er zu bekämpfen vorgibt, etwas mehr Raum.

Klonovsky, hier 4.9.2016 + welt.de 25.6.2016
Welch eine Absurdität: 1724 wird Bachs Johannispassion uraufgeführt, 200 Jahre später erwirbt Hitler billigen braunen Uniformstoff für seine SA, 292 Jahre später sehen Forscher und Feuilletonisten „braune Flecken“ auf Bachs Werk – Geisterseherei, wie sie leibt und lebt!

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Sigmar Salzburg
22.08.2016 09.32
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Mali: Ist die Zerstörung von Weltkulturerbe ein Kriegsverbrechen?

Islamistische Terroristen hatten Weltkulturerbestätten in Timbuktu zerstört. Der Internationale Strafgerichtshof wirft dem Verantwortlichen deshalb Kriegsverbrechen vor...

Der Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi soll 2012 die Zerstörung von neun Mausoleen und eines Teils der Sidi-Yahia-Moschee in der Wüstenstadt im Norden Malis angeordnet haben. Die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofes wirft ihm Kriegsverbrechen vor.

Laut Staatsanwaltschaft wurde al-Mahdi als Experte für islamisches Recht und damit als Sittenwächter von der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine eingesetzt. Nach deren äußerst strenger Auslegung des Koran ist die Anbetung Heiliger wie an den Mausoleen von Timbuktu verboten.

Zu Beginn des Prozesses hat sich der Angehörige des Tuareg-Volkes schuldig bekannt. Er lege sein Schuldbekenntnis mit „tiefem Bedauern und in großem Schmerz“ ab, sagte al-Mahdi in Den Haag.
zeit.de 22.8. 2016

Es ist ein Kulturverbrechen wie die Rechtschreib„reform“. Ein Kriegsverbrechen wird es erst dadurch, daß die Zerstörung mit Waffengewalt unter Ausnutzung der Machtlosigkeit der Bevölkerung geschah (letzteres wie in Schleswig-Holstein 1999). Immerhin hat sich der Urheber schuldig bekannt. Darauf können wir, abgesehen von Zehetmair, bei den gewesenen Kultusministern und Ministerpräsidenten lange warten.

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Sigmar Salzburg
12.08.2016 06.57
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Fehlplanungen

Das Opernhaus in Sydney ist mehr als drei Milliarden Euro wert – aber die Akustik war stets zum Weghören. Das soll sich jetzt ändern.

„Das Äußere ist ikonisch, aber was in dem Gebäude passiert, erweckt es zum Leben“, sagte die Geschäftsführerin des Opernhauses, Louise Herron. Insbesondere die Konzerthalle mit 2600 Plätzen soll modernisiert werden: „Das ist keine schlechte Halle, aber es gibt viele Eigenschaften, die verbessert werden könnten.“ Das gilt vor allem für die schlechte Akustik, die immer wieder kritisiert wurde. Auch der Orchestergraben gilt schon seit der Eröffnung des Hauses 1973 als viel zu klein...

Überhaupt weist der Bau des Opernhauses erstaunliche Parallelen zu den Skandalen um die Elbphilharmonie in Hamburg auf. Auch in Sydney stiegen die Baukosten in astronomische Höhen – von sieben Millionen Australischen Dollar auf 121 Millionen. Der dänische Architekt Jørn Utzon verließ nach jahrelangen Kämpfen und Intrigen das Land, ohne dass klar war, wie die gewagte Dachkonstruktion gebaut werden sollte....

Heute zählt das Opernhaus in Sydney zum Weltkulturerbe und wird jedes Jahr von mehr als acht Millionen Menschen besucht.

spiegel.de 11.8.2016

Die Elbphilharmonie brachte allerdings nur eine Verdreifachung der Kosten, wohingegen das Opernhaus das 17fache der Anschlagssumme verschlang. Das wird nur übertroffen von der Rechtschreib„reform“, die ja von einer kostenneutralen Durchsetzung ausging. Dafür wird sie auch nie Weltkulturerbe werden, denn sie hat im Gegensatz zum Operhaus auch ästhetisch nichts zu bieten.

Die bühnentechnischen und akustischen Mängel des Opernhauses hatte uns anhand der Pläne aber schon 1964 der 84jährige Prof. für Bühnentechnik, Friedrich Kranich, in seiner letzten Vorlesung vorausgesagt. Er hatte jahrzehntelang als Nachfolger seines Vaters auch das Festspielhaus in Bayreuth betreut. Nach 52 Jahren hat man nun in Sydney daraus Konsequenzen gezogen.

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Sigmar Salzburg
10.03.2016 21.38
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Zum Tod von Nikolaus Harnoncourt

Harnoncourt: Aufregend von Bach bis Strauß ...

Am Wochenende ist der Dirigent Nikolaus Harnoncourt im Alter von 86 Jahren gestorben. Wie wohl kein anderer hat er das Stilempfinden und die Hörgewohnheiten der Klassikfreunde entscheidend mitgeprägt, sie mit scharf geschnittenen Klängen jenseits des romantischen Schönheitsideals seit den 60er-Jahren wachgerüttelt.

Ohne Harnoncourt hätten wir einen großen Teil des barocken und vorbarocken Repertoires nicht kennengelernt, oder nicht in jener Qualität lieben und schätzen gelernt. Dass er seine Erkenntnisse in Sachen Originalklang bald auch auf die Wiener Klassik und zuletzt sogar auf die Musik der frühen Moderne anwandte, hat viele irritiert. Harnoncourt hat zudem nie davon abgelassen, auch seine Interpretationen immer wieder zu hinterfragen, neu zu definieren. So klang die Musik unter seiner Leitung jedesmal ein bisschen anders.

diepresse.com 7.3.2016

Allerdings habe ich mich nie mit seinem tänzerischen Tempo für das erste Ritornell im „Orfeo“ anfreunden können. Es sollte einen nachdenklich-feierlichen Charakter haben. Auch die Original-Partitur deutet kein Alla breve an.

NB: Google News registriert noch 37700mal das von den Kulturbanausenministern verbotene „jedesmal“. Heute gibt es dazu eine Anmerkung von Th. Ickler.

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Sigmar Salzburg
29.02.2016 13.30
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Lady Hamilton

Die Società Dante Alighieri – Deutsch-Italienische Gesellschaft Kiel
veranstaltete am vergangenen Freitag in der Landesbibliothek einen Vortrag mit dem Titel


„Das Leben der Lady Hamilton im Königreich Neapel zwischen 1786 und 1800“.

Vortragender war der Altsprachler und Kunsthistoriker Peter Petersen. Selten habe ich einen kenntnisreicheren und kurzweiligeren Vortrag gehört als diesen. P. Petersen schrieb dazu:

Der Vortrag wird sich in erster Linie auf ihre Zeit in Neapel als Lebensgefährtin und spätere Ehefrau des englischen Gesandten und Gelehrten Lord Hamilton und als Geliebte von Lord Nelson beschränken. Dabei werden nicht nur das Leben dieser ungewöhnlichen Frau an der Seite von Lord Hamilton oder ihre berühmt gewordenen Begegnungen zum Beispiel mit Mozart, Goethe oder der Herzogin Anna Amalia von Sachsen Weimar-Eisenach in den Blick genommen, sondern es soll auch ihre herausragende gesellschaftliche Rolle in der Oberschicht und im Königshaus von Neapel oder ihr europaweites Wirken als anerkannte Attitüden-Darstellerin und Sängerin illustriert werden...
Aus dem Begleitheft:
Goethe am 14. und 15. März 1787
Besuch im Hause Hamilton in Caserta während einer „Abendgesellschaft“, einer sog. „conversazione“ über „Hamiltons Schöne“:

Der Ritter Hamilton, der noch immer als englischer Gesandter hier lebt, hat nun, nach so langer Kunstliebhaberei, nach so langem Naturstudium, den Gipfel aller Natur- und Kunstfreude in einem schönen Mädchen gefunden... Er hat sie bei sich, eine Engländerin von etwa 20 Jahren. Sie ist sehr schön und wohl gebaut.

Der Maler Tischbein beschreibt sie folgendermaßen:
„… Eine außerordentliche Schönheit, die man selden siehet und die einzige, die ich in meinem Leben gesehen habe.

Der sittenstrenge Herder nannte sie nur kurz in einem Brief an seine immer eifersüchtige Frau:
H[amiltons] Hure
Aus Goethe, Italienische Reise II, 18. März 1787:
»Er hat ihr ein griechisches Gewand machen lassen, das sie trefflich kleidet; dazu löst sie ihre Haare auf, nimmt ein paar Schals und macht eine Abwechslung von Stellungen, Gebärden, Mienen usw., daß man zuletzt wirklich meint, man träume. Man schaut, was so viele tausend Künstler gerne geleistet hätten, hier ganz fertig, in Bewegung und überraschender Abwechslung. Stehend, kniend, sitzend, liegend, ernst, traurig, neckisch, ausschweifend, bußfertig, drohend, ängstlich usw. Eins folgt aufs andere und aus dem andren. Sie weiß zu jedem Ausdruck die Falten des Schleiers zu wählen, zu wechseln und macht sich hundert Arten von Kopfputz mit denselben Tüchern. Der alte Ritter hält das Licht dazu und hat mit ganzer Seele sich diesem Gegenstand ergeben. Er findet in ihr alle Antiken, alle schönen Profile der sizilianischen Münzen, ja den belvederischen Apoll selbst ...«
Diese „Attitüden“, die vom Maler Friedrich Rehberg festgehalten und später als „Umrissstichserie“ herausgegeben wurden, fanden in ganz Europa Verbreitung. Auch die neapolitanische Villa Lord Hamiltons wurde kopiert – in Wörlitz durch den Herzog Leopold III. Franz, einschließlich der Nachbildung des Vesuvs in Miniaturausgabe.

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Sigmar Salzburg
24.08.2015 09.28
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Welterbestätte in Syrien

IS-Terroristen sprengen Baalschamin-Tempel in Palmyra
Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat einen der bedeutendsten antiken Tempel des Nahen Ostens zerstört. Der Baalschamin-Tempel von Palmyra wurde vor 1900 Jahren errichtet, nun haben die Dschihadisten ihn gesprengt.
spiegel.de 24.8.2015

… und unsere kulturbanausischen Kulturpolitiker haben unser seit 600 Jahren bestehendes Schluß-ß-System gesprengt – wie sich doch beschränkte Geister gleichen.

Nachtrag: Nicolaus Fest drängen sich ähnliche Gedanken auf:
Im Grunde erleben wir auch hier seit Jahren täglich die Kultursprengungen von Palmyra. Nur heißen sie hier Rechtschreibreform, Einheitsschule, Bologna oder frühkindliche Sexualerziehung. Und die Täter sitzen in der Schulbürokratie und bei der GEW.
nicolaus-fest.de 25.8.2015


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Sigmar Salzburg
18.06.2015 10.34
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Gut Ludwigsburg

Am letzten Wochenende hatte ich die Gelegenheit, in der Nähe von Eckernförde Gut Ludwigsburg zu besichtigen.


Quelle: Website Ludwigsburg

Das Gut wurde im 14. Jahrhundert durch die Familie Sehestedt begründet, die dort einen Wirtschaftshof und eine kleine Wasserburg errichten ließ. Der ursprüngliche Name war Kohøved (Kuhhof). Das Anwesen wechselte vielfach den Besitzer, bis es 1729 durch Graf Friedrich Ludwig von Dehn erworben wurde, der 1740 das heutige Herrenhaus errichten ließ. 1762 wurde er vom dänischen König zum Statthalter in Schleswig-Holstein ernannt. Nach seinem Tod 1771 folgten wieder verschiedene adlige Besitzer, bis es 1950 von der Familie Claus gekauft wurde, die es mit viel Liebe und Mühe restaurierte.

Eine besondere Kostbarkeit in diesem Gebäude ist die sogenannte „Bunte Kammer“, ein Raum, der mit 145 Emblem-Bildern vertäfelt ist, die Sinnsprüche, in verschiedenen Sprachen, und Lebensweisheiten darstellen. In dieser Vollständigkeit ist diese Sammlung in Europa einzigartig.


Quelle: Website Ludwigsburg

Embleme waren im Barockzeitalter Kristallisationspunkte, an denen die gebildete Gesprächskultur ihre Themen finden konnte. Sie waren seit etwa 1500 durch Emblem-Bücher, von Italien ausgehend, über ganz Europa verbreitet und wurden vielfach in Bildern und Büchern verwendet.

Auf Gut Ludwigsburg gilt der Leitspruch: „Omnia vincit Amor“, so daß der kleine, nackte Liebesgott die Hauptfigur der meisten Bilder ist. Das Bild zum Spruch stellt den kindlichen Gott, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, auf einem Löwen reitend dar. Es ist die Versinnbildlichung des Verses aus der XI. Ekloge des Ovid: „Omnia vincit Amor et nos cedamus amori“ ... „Die Liebe besieget alles, so wollen auch wir uns der Liebe fügen.“

Etwas deftiger ist die Darstellung eines deutschen Reimsprichworts „Drey gefährliche W“ (Drei W gar bringen uns viel Pein: die Weiber, Würfel und der Wein!): Eine nackte Frau hält in der einen Hand ein Weinglas, zeigt mit der anderen auf die Würfel auf dem Tisch, während im Hintergrund der Alkoven wartet.

Amor führt eine Dame an der Hand: „Nessuna amata e brutta“ ( keine Geliebte ist häßlich); Bedeutung: Liebe macht blind.

Lokaler Bezug wird deutlich, wo über der Darstellung des Schlosses Gottorf drei verschlungene Kränze – Ölzweig, Lorbeer und Eichenlaub – schweben, als Symbole für Kunst, Weisheit und Tapferkeit im Dienst des Vaterlandes. Die Überschrift besagt: „Diese Cronen wil ich haben, oder müß man mich begraben“.

In der Mittagspause wurde uns, von der Goethe-Gesellschaft arrangiert, ein Spargelessen serviert, zu dem die bekannte Autorin Jutta Kürtz einen Vortrag „Goethe und der Spargel“ oder so ähnlich hielt. Nachmittags ging es dann nach St. Marien in Waabs, eine einst zum Gut gehörige, um 1400 erbaute Kirche, die ich aber schon kannte, weil dort Musikerkollegen eine Woche vorher alte Lautenlieder vorgetragen hatten.


http://www.gut-ludwigsburg.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gut_Ludwigsburg

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Sigmar Salzburg
08.06.2015 06.00
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Das Berliner Stadtschloß



Die Rekonstruktion historischer Kulturdenkmäler in den deutschen Städten, die im Krieg und in der Nachkriegszeit, sogar noch in der Nachwendezeit zerstört wurden, sind wir unserer Identität schuldig. Die Russen haben ihr Bernsteinzimmer wiederhergestellt, die Polen ihr Warschau und unser Danzig, die Iraker sollten ihre vom IS zerstörten antiken Bauten wiederherstellen, die Afghanen ihre Buddhafiguren und die Deutschen ihre Rechtschreibung. Man lasse sich nicht abschrecken durch die albernen Behauptungen, es würde ein „Disneyland“ aufgebaut. Wenn es danach ginge, dann dürfte man auch keine klassische Musik mehr aufführen, denn auch sie existiert nur in Bauplänen – den oft unvollkommenen alten Partituren.

Der Krieg hat die Wünsche radikaler Revoluzzer wie Le Corbusier erfüllt, der die alten Stadtzentren sprengen lassen wollte, um seine Wohnmaschinen wie gelandete Raumschiffe in die planierten Flächen zu setzen. Der Komponist Pierre Boulez wünschte das gleiche für die Opernhäuser. Zur Rekonstruktion des Frankfurter Römers tönte der Architekturkritiker Manfred Sack, „es gebe immer noch Architekten, die sich für derlei hergeben.“ Inzwischen möchte wohl kein Frankfurter darauf verzichten.

Zum Berliner Stadtschloß hat sich jetzt die wohl „schlimmste Tröte“ (Matthias Matussek) zu Wort gemeldet, der Spiegelschreiber Georg Diez. Seine „angespitzte These“ ist diesmal:


„Das Berliner Stadtschloss wird ästhetisch und ökonomisch eine Katastrophe. Sein Bau ist genauso mut- und planlos wie die Politik der Bundeskanzlerin. Deshalb ist der historistische Klotz das perfekte Symbol der Merkel-Jahre.“

Der Krampf, das Schloß unbedingt mit Frau Merkel in Verbindung zu bringen, ist ähnlich bemüht, wie vor einiger Zeit der Versuch eines anderen Spiegel-Denkers, Frau Käßmann mit einer Porno-Tussie zusammenzubringen. Diez beschwört ein „demokratisches Fiasko“, obwohl es (im Gegensatz zur Rechtschreib„reform“) ordnungsgemäß diskutiert und beschlossen wurde. Sonst besteht sein Pamphlet aus ausgesuchten Wörtern, die wohl seine Fähigkeiten als Sprachkünstler erweisen sollen:

Der graue Grobian, das plumpe, gewalttätige Stadtschloss, ein Anschlag auf die Sinne, ein ästhetisches Verbrechen. ein Akt der Demütigung, der Auslöschung, des Exorzismus, das kalte Herz des Historismus, reaktionären Denken, das traurige Pathos, eine Art Disney-Preußen, Petrifizierung einer einst offenen Stadt, Staub und Lügen, Heimlichtuer-Lobbyismus, dünkelhaftes Hobby, absurdes Theater mitten im Merkel-Land, Merkel macht einfach, was sie macht, es ist eine Politik der Tautologien.

„Tautologien“ mag Diez besonders gerne, er bringt das Wort gleich noch einmal völlig sinnfrei:

Tautologien, wie gesagt, el-Sisi, G7, Grexit: Es sollen im späteren Humboldtforum im Stadtschloss ... die Straßensperren für den ägyptischen Diktator nachgestellt werden ... die Hinrichtung seines Vorgängers Mursi.

Beim Nachlesen der Geschichte stößt man erstaunt auf einen Ausspruch des zweiten Zerstörers des Schlosses, Walter Ulbricht (n. Wikipedia):

Beispielhaft war die Antwort, die Ulbricht einem protestierenden SED-Genossen erteilte. Dessen „Stellungnahme“ sei ihm „bereits aus Westberliner Zeitungen bekannt“, er empfehle ihm, „eine Protestbewegung gegen jene zu organisieren, die das Schloss durch ihren Bombenterror zerstört haben“ und kündigte an, dass „architektonisch wichtige Partien im Innern des Schlosses, soweit sie den amerikanischen Bombenterror überstanden haben“, in ein Museum überführt werden.

Seine ebenso unberufenen NachfolgerInnen krähen heute dagegen „Harris, do it again!“

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Sigmar Salzburg
02.06.2015 07.51
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Ehemalige Benediktinerinnen-Abtei Marienberg in Boppard im Rheintal

Kürzlich schlug mir Helke Salzburg (meine 1. Frau) in einer handschriftlichen Notiz ein Wiedersehen nach langer Zeit vor: „Wenn es Dir paßt, wäre mir ein Treffen am Samstag am liebsten.“ Das hat nun stattgefunden. Dabei stellte sie mir ihr letztes Projekt vor, das ihr am meisten am Herzen liegt, aber das sie nun aus gesundheitlichen Gründen in andere Hände geben muß. Ich zitiere aus dem Faltblatt:


„Kloster-Boppard“ von Robert Holz – Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

DenkmalMIT!
ist eine Initiative zur Rettung, Sanierung und Nutzung
der ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei Marienberg
in Boppard im Rheintal


Zur aktuellen Situation

Die ehemalige Abtei Marienberg, um 1120 von Bopparder Bürgern gestiftet und nach einer Brandkatastrophe im Barockstil wieder errichtet, befindet sich heute in privatem Besitz. Als größtes Baudenkmal im Rhein-Hunsrück-Kreis krönt sie die Altstadt von Boppard im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal. Hinter dem Gebäudekomplex zieht sich der Klosterpark, ebenfalls als Welterbe-Garten gelistet und Station einer Kette dieser berühmten alten Parks, zum Hunsrück hinauf.

Man sollte erwarten, dass die Pflicht zur Erhaltung dieser Anlage und eine ihrer Würde entsprechende Nutzung unserem kulturellen Erbe gegenüber außer Zweifel ständen. Das Gegenteil ist der Fall: Nicht nur der fortschreitende und eventuell mit dem Mangel an Geld zu rechtfertigende Verfall der Bausubstanz macht dies deutlich, sondern vor allem der unglaubliche Zustand von Verwüstung und mutwilliger Zerstörung! Mit wenig Aufwand hätte er sich verhindern lassen, wenn man dem auch in diesem Winter wieder zu erwartenden Vandalismus Einhalt gebieten würde.

Aber weder die derzeitigen Eigentümer noch die kommunale Aufsicht kümmern sich um die verheerenden Folgen, und es bleibt einzig dem Engagement der Bürgerschaft überlassen, selbst die Initiative zu ergreifen, wie es z.B. die Parkpflege-Aktion zeigt, oder wegen des Umfangs der zu bewältigenden Aufgabe nach geeigneten Partnern zu suchen, allerdings auch nicht ohne vorher den eigenen Kopf anzustrengen, wie es die hier vorgestellte Initiative „DenkmalMIT!“ versucht...

In der jüngsten Vergangenheit haben zum Schaden der Abtei Marienberg die Eigentümer mehrmals gewechselt, ohne dass diese auch nur das Mindeste für die Erhaltung des Gebäudes getan haben. Dies musste mitsamt den jeweils entstandenen Kosten von der kommunalen Denkmalpflege übernommen werden. Außerdem hatte es zur Folge, dass die Bürgerschaft wegen der immer wieder enttäuschten Hoffnungen auf eine Wiederbelebung das Interesse an dem Objekt weitgehend verloren hat. Leider wurden seitens der Stadt immer wieder Investoren akzeptiert, die eine Wohnanlage, gleich welcher Art, auf dem Marienberg zu bauen versprachen, obwohl seit 20 Jahren bekannt ist, dass eine solche Nutzung weder genügend Kaufinteressenten zu überzeugen, noch die vom Denkmalschutz geforderten Auflagen zu erfüllen vermag. Die Mißerfolge reichen inzwischen von dem vergeblichen Antrag auf Abriss bis zu einem enormen Werteverfall durch eine Versteigerung im Schleuderpreis weit unter dem Verkehrswert, so dass der Gebäudekomplex heute nur noch einen symbolischen Kaufpreis rechtfertigt...

Es mag zunächst befremdlich erscheinen, ohne Auftrag eines Eigentümers ein Nutzungskonzept für ein Gebäude zu erarbeiten. Jedoch zwingt die Situation der Marienberger Abtei – wenn man sich denn überhaupt zu ihrer Erhaltung entschlossen hat – zu diesem Vorgehen. So arbeitet die Initiatorin von DenkmalMIT!, eine im „Un“ruhestand lebende und seit 40 Jahren im Kulturmanagement aktive Architektin, seit fast einem Jahr ausschließlich an ihrem nachhaltigen und sich selbst tragenden Konzept für dieses Projekt...

Kontakt: Initiative DenkmalMIT!
c/o Helke Salzburg, Bergweilerweg 2, 54513 Wittlich

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Sigmar Salzburg
15.05.2015 13.45
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Wilhelm Lehmann Tage 2015 in Eckernförde

Kunst des Gedichts

Am 8. und 9. Mai 2015 fanden in Eckernförde die Wilhelm Lehmann Tage statt. Meine Frau hat daran teilgenommen und sogar noch ehemalige Schüler Lehmanns kennengelernt. Da Lehmann heute wenig bekannt ist, zitiere ich aus der Schrift der Wihelm-Lehmann-Gesellschaft, „Merlinszeit“ (Wallstein Verlag 2010):

Uwe Pörksen
Wilhelm Lehmann braucht ein Haus in Eckernförde


Unter den überragenden Dichtern, die Schleswig Holstein im 19. und 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, ist ein Name wenig präsent. Friedrich Hebbel hat sein Haus in Wesselburen, Theodor Storm in Husum – an der Ostseeküste gegenüber ist eine Stelle unbesetzt. Ich meine natürlich Wilhelm Lehmann. Lehmann verdient ein Haus in Eckernförde, zumindest ein paar Räume im schönen Städtischen Museum, er hat alles Recht auf einen sichtbaren Platz im öffentlichen Raum. Dieser Sohn eines Lübeckers und einer Hamburgerin, der am 4. Mai 1882 in Puerto Cabello, Venezuela, geboren wurde und in Hamburg aufgewachsen ist, in Tübingen, Straßburg, Berlin und Kiel studierte, an verschiedenen Landerziehungsheimen unterrichtete, in den ersten Weltkrieg eingezogen wurde und sich ihm durch ›Fahnenflucht‹ entzog, hat dann fünfundvierzig Jahre in Eckernförde gelebt, von 1923 bis zu seinem Tod am 17. November 1968. In dieser Zeit entstand das dauerhafte poetische Werk. Es ist nicht weniger mit Eckernförde und seiner Umgebung verbunden als Storm mit Husum, die Brüder Mann mit Lübeck, Ernst Barlach mit Ratzeburg, Hebbel mit Dithmarschen. Das Gesetz der Literatur, das Werke von Weltgeltung auf lokalem Grund stehen, hat sich auch in seinem Fall bewahrheitet...

Auf die folgende Fülle der Hinweise auf Leben und Werk des Dichters kann hier nicht eingegangen werden. Die Beiträge sind zumeist in der bewährten Rechtschreibung gehalten. Gegen Ende des Büchleins zitiert Klaus Johann aus Wilhelm Lehmanns brieflicher Schilderung einer Ehrung:

… Zum Abschluß möchte ich noch einmal Lehmann zitieren, und zwar seine Schilderung der Feierlichkeiten aus Anlaß seines 75. Geburtstages am 4. und 6. Mai 1957 in Eckernförde bzw. Düsseldorf (bei einer Tagung der Deutschen Akademie für Dichtung und Sprache); darüber schreibt er am 23. Mai 1957 »bei so scheußlichem ›Frühlingswetter‹, daß es einen ganz elend macht« an Schwedhelm:

»Im übrigen verlief es von der kleinen, modellischen (gewissermaßen für Größeres) Feier der Stadt E[ckernförde]. hier bis zur größeren in D[üsseldorf]. höchst schicklich. (Reden des Bürgermeisters,« – das war damals Werner Schmidt – »der ›natürlich‹ mein Schüler gewesen ist, dazu einer, fortunately, mit dem ich durchaus keinen Krach gehabt, er aber mit anderen ›Paukern‹; des noch nicht lang amtierenden Kultusministers« – das war Edo Osterloh – »: Bauernsohn, gegen den Willen des Vaters Theologe, acht Kinder (!), lieh sich vorher vom Oberstudiendirektor« – gemeint ist Heinz Bruns – »einige meiner Schriften und zog sich zur Begründung des Verdienstkreuzumhängens mit einigen Passagen über ›Dienst an der Sprache‹, ›Elite der Hochgebildeten‹ nicht übel aus der Affäre « ...

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Sigmar Salzburg
29.12.2014 14.15
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Nachtrag zum Weihnachtsfest

»Sei uns willkommen, Herre Christ«
Das älteste deutsche Weihnachtslied


25. Dezember 2014, 04:30 |... von Redaktion (josch) [ traditionelle Rechtschreibung]

... Das Singen von Weihnachtsliedern ist eine Tradition, die sich eng mit dem Weihnachtsfest verbindet. Dabei muß man unter dem, was dazu ertönt, unterscheiden zwischen Adventsliedern, die nur von der nahenden Ankunft des Gottessohnes kündigen, wie »Wachet auf, ruft uns die Stimme« und »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit«, den wirklichen Weihnachtsliedern und säkularen Winterliedern wie »Leise rieselt der Schnee«, »O Tannenbaum« oder »Schneeflöckchen, Weißröckchen«.

Immer wieder ist eine Frage, was ist eigentlich das älteste überlieferte deutschsprachige Weihnachtslied? Dabei soll es sich um das heute weniger angestimmte »Sei uns willkommen, Herre Christ« handeln. Ursprünglich war es eine Leise, so bezeichnet man mittelalterliche Kirchenlieder, die auf Kyrieleis, Kyrio-leis, Kirleis, später auch auf Kyrieleison enden.

Die Melodie läßt sich in heutiger Zeit erstmals aus einem Aachener Fragment aus dem 14. Jahrhundert nachweisen. Vermutlich stammt es aus dem 11. Jahrhundert... Es wird zugleich Aachener Schöffenlied bezeichnet, weil es die Schöffen, die ehrbaren, an der allgemeinen Gerichtsbarkeit beteiligten Bürger der Stadt traditionell vom Chorgestühl des Aachener Münsters zur Christmette anstimmten.

Die Bedeutung dieses Liedes hat nachgelassen, auch wenn es als erstes Weihnachtslied bezeichnet wird. Stand es bei den Katholiken noch im Gesangbuch Gotteslob in der Fassung von 1975, ergänzt um eine zweite Strophe aus dem Jahr 1970, verschwand es doch mit der 2013 eingeführten Neufassung völlig ...

Mehr dazu unter youtube.com

Sei uns willkommen, Herre Christ, der du unser alle Herre bist,
Sei willkommen, lieber Herre, hier auf der Erde recht mit Ehren.
Kyrieeleis.


freiewelt.net 25.12.2014

Das Lied „Sei uns willkommen Herre Christ“ (3-stimmig Erfurt 1394) stand schon vor fünfzig Jahren auf dem Programm unserer Weihnachtsmusiken auf alten Instrumenten, daneben auch „Maria zarrt“ aus dem ältesten deutschen Notendruck von 1512, verfaßt vom blinden Organisten und Lautenisten Arnolt Schlick. In der Vahrenwalder Kirche in Hannover flüsterte mir die Organistin zu: „Wir dürfen hier aber eigentlich keine Marienverehrung betreiben!“ – Nun, heute sind selbst Lieder zur Mohammed-Verehrung in Kirchen nicht mehr undenkbar.

Siehe auch Theo Grunden: Teuflisches im Gotteslob

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Sigmar Salzburg
20.11.2014 10.13
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Bardowick

Kürzlich veranstaltete die Kieler Goethe-Gesellschaft eine Exkursion nach Winsen an der Luhe, dem Geburtsort des letzten Goethe-Begleiters Johann Peter Eckermann. Dabei hatte ich die Gelegenheit, einen Abstecher in den kleinen Ort Bardowick zu unternehmen. Bardowick war im 12. Jahrhundert eine bedeutende Stadt und besitzt daher einen kunsthistorisch bemerkenswerten Dom.





Fotos wikipedia

Das Taufbecken stammt aus dem Jahr 1367, der aus Eiche geschnitzte Flügelaltar ist von 1430. Handgeschnitztes Chorgestühl von 1487 ist noch vorhanden. Das Geläut besteht aus drei Glocken, zwischen 1200 und 1250 hergestellt, und einem Zweiergeläut, um 1325 von einem Meister Ulricus gefertigt.

Für mich ist der Dom von Bardowick auch deswegen von Interesse, weil in meiner Vorfahrenliste ein Anton Heshus aufgeführt ist, der um 1581 dort Kanonikus gewesen sein soll. Natürlich war nicht zu erwarten, daß noch irgendwelche Spuren auf ihn weisen würden. Dennoch fand ich in der Literatur ein Buch aus dem Jahr 1704, das sogar im Internet zugänglich ist:


Chronicon
oder
Beschreibung
der Stadt und des Stiffts
Bardewick/
...
Aus untrüglichen Archiven /alten und neuen
bewehrten Scribenten/ nebst andern glaubwürdi-
gen Uhrkunden / und eigener Erfahrung
zusammen getragen
Von
Christian Schlöpken
der Bardewickischen Stiffts-Schulen
Rectore
-----------------
LUBECK
In Verlegung des Autoris,
Anno 1704


Geneigter Leser!
Wie das hohe Alter unsers Bardewicks/und dessen
ehemahls fürtrefflich blühender Zustand / bey
männiglichen jederzeit in sonderbarem Beruff ge-
wesen; so hat es auch an gelehrten Männern nicht
gefehlet / die es für eine beschreibens-würdige
Materie geschätzet. ... Es ist aber kein Zweiffel/wenn diesen berühmten Män-
nern die bißhero in hiesigen und anderen Archiven und Bibliothe
cken verborgen gelegene Uhrkunden und Documenta zu Händen
gekommen wären/ daß sie/nach ihrer fürtrefflichen Geschickligkeit/
die Beschreibung unsers Bardewicks viel ansehnlicher und grösser
würden gemacht haben/an statt sie bey so gestalten Sachen gnug-
sam in ihren Schrifften zu erkennen geben müssen/daß es ihnen
an genauerer Nachricht gefehlet / insonderheit was die Historie
hiesigen Stiffts betrifft / von dessen Ursprung und Zustand / vor-
und nach der Verstörung / sie nicht mehr als einige wenige Nah-
men einiger Stiffts-Personen in Erfahrung bringen / und folglich
nichts ausführliches davon schreiben können.

(Bemerkenswert das seit 500 Jahren übliche „insonderheit“, das durch unsere 16 Kulturbanausenminister seit 1996 als „falsch“ diskriminiert wird.)

Ab Seite 355 wird die Einführung der Reformation in Bardowick beschrieben, die es einem der Canonici erleichterte, mein Vorfahr zu werden. Und auf Seite 429 fand ich ihn dann, allerdings verstarb (obiit) er schon 1577:


III.
Seniores Capituli Bardovicenses, die sich ausdrücklich also/
wie auch zum Theil Vice-Decanos genannt / weil sie in
absentia Decani dessen Stelle vertreten.
...
M. Arnoldus Bulle ob. 1548
Theodericus Düsterhop ob. 1575
Antonius Hesehusen ob. 1577

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Sigmar Salzburg
07.11.2014 22.54
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2000 Jahre lebendige Kultur



Noch zur Hamburger Ausstellung: Der Windgott Zephyros ist auf dem pompejanischen Wandbild als stattlicher junger Mann dargestellt, der sich der schlafenden Chloris vom Himmel herab nähert. 1400 Jahre später sind die beiden auf dem Bild „Primavera“ von Botticelli zu finden. Zephyr ist dort ein eher faunenhafter Luftgott, der die Nymphe verfolgt, um sie zu seiner Frau zu machen. Bei Ovid sagt sie dazu, sie sei zur lateinischen Flora geworden. Vielleicht hat Botticelli tatsächlich dieselbe noch einmal daneben als blumenübersäte Frühlingsgöttin abbilden wollen. Die Renaissance hat nun, ohne es zu wissen, in der Darstellung der Frauen eine Leichtigkeit gewonnen, die die Antike übertroffen hat.

Nochmals 150 Jahre weiter ist die Freude über die Rückkehr des lauen Frühlingswinds von Claudio Monteverdi vollendet in Musik gesetzt worden: „Zefiro¹ torna“, nach einem Sonett von Rinuccini: Man hört den Wind und sanfte Wellen, und wie er murmelnd im Laub die Blumen zum Tanzen bringt, die Lieder von Chloris und Phyllis, ihr Echo in den Bergen und den Tiefen der Täler und Grotten. Am Schluß bleibt dem Dichter eine unerfüllte Sehnsucht, die ihn bald leiden, bald singen läßt. Das Stück ist ein Zwiegesang über einem zweitaktigen Ostinato, eine Chaconne. Die Interpreten dieser Aufnahme sind Nuria Rial und der Contratenor Philippe Jaroussky, sowie ein Instrumentalensemble, das auch die Versübergänge ritornellartig ausfüllt.

(Eine näher am Notentext orientierte, weniger ausgeschmückte Interpretation ist diese.)


¹) Zephyros = „Zefiro“ in der von Konrad Duden bewunderten einfachen italienischen Schreibweise, die die kulturbanausischen Kultusminister nie hinkriegen werden.

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