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Sigmar Salzburg
13.08.2015 22.11
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Leserbriefe von Denk und Dräger in der F.A.Z. v. 11.8.2015

Milliardenschaden durch Rechtschreibreform

Für den hervorragenden Leitartikel zum „Chaos im Schreiben und Denken“ in der F.A.Z. vom 1. August sei Heike Schmoll herzlich gedankt. Nur eines möchte ich als Initiator der (in dieser Zeitung am 19. Oktober 1996 veröffentlichten) „Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform“ noch hinzufügen: Was die damaligen Befürworter gern als „Streit um die Rechtschreibreform“ oder (so Hans Zehetmair in einem Interview mit einer Wochenzeitung) als „wirklich gespenstisch“ bezeichnen, war weder ein „Streit“ noch gespenstisch. Es war vielmehr ein ganz und gar demokratischer Widerstand der bedeutendsten Autorinnen und Autoren, namhafter Journalisten mehrerer Zeitungen, darunter der F.A.Z., zahlreicher Professoren (nicht weniger als 550 wandten sich im Mai 1998 an die Bundesverfassungsrichter) und von Hunderttausenden Bürgerinnen und Bürgern (bis hin zum erfolgreichen Volksentscheid in Schleswig-Holstein) gegen die von oben befohlenen nicht nur überflüssigen, sondern fehlerhaften und schädlichen Rechtschreibveränderungen.

Wirklich gespenstisch ist freilich Hans Zehetmairs Seitenhieb auf die Schriftsteller und Professoren: „Bemerkenswert, dass sich ausgerechnet namhafte Literaten gegen jedwede Änderung wandten.“ Ilse Aichinger, Dieter Borchmeyer, Hans Magnus Enzensberger, Wolfgang Frühwald, Günter Grass, Thomas Hürlimann, Theodor Ickler, Elfriede Jelinek, Joachim Kaiser, Michael Krüger, Reiner Kunze, Siegfried Lenz, Christian Meier, Adolf Muschg, Otfried Preußler, Rafik Schami, Botho Strauß, Martin Walser, Harald Weinrich und viele andere erkannten freilich, im Gegensatz zu Hans Zehetmair, nicht erst 2015, sondern schon 1996, warum die Rechtschreibreform, wie es in der „Frankfurter Erklärung“ hieß, „Millionen von Arbeitsstunden vergeuden, jahrzehntelange Verwirrung stiften, dem Ansehen der deutschen Sprache und Literatur im In- und Ausland Schaden und mehrere Milliarden D-Mark kosten würde“.

Wenn die Kultusminister zwar den Milliardenschaden nicht ausgleichen können, so könnten sie sich doch bei allen Schreibenden, unter anderen den Sekretärinnen, den Journalisten und allen Autorinnen und Autoren, vor allem den Kinder- und Jugendbuchautoren, deren Bücher verhunzt wurden, dafür entschuldigen, dass beziehungsweise daß wir seit fast 20 Jahren für das büßen müssen, was die Minister sich von den „Reformern“ haben aufschwatzen lassen und mit Unterstützung der Bundesverfassungsrichter der deutschen Schriftsprache aufgezwungen haben.

FRIEDRICH DENK, ZÜRICH


Zehetmair ist unschuldig!

Zum Artikel über die Rechtschreibreform (F.A.Z. vom 1. August): Zehetmair entschuldigt sich heute, Jahre nach der Einführung einer Rechtschreibreform in Schulen, für etwas, für das er gar nicht verantwortlich ist. Nicht er, sondern sein einflussreicher Pressesprecher Toni Schmid, der damals im bayerischen Kultusministerium von Mitarbeitern gern auch Bertelsmann-Schmid genannt wurde, hat jedoch per Pressemitteilung vorzeitig verlauten lassen und damit de facto entschieden, „dass Bayern sich der Rechtschreibreform anschließt“. Der düpierte Minister selbst erfuhr von dieser natürlich auch für die anderen Bundesländer weichenstellenden Entscheidung erst am nächsten Tag aus der Zeitung.

Der Minister selbst ließ es in einem „Spiegel“-Interview am 11. September 1995 verlautbaren: „Haben Sie Ihre Meinung gewechselt? Uns hat voriges Jahr überrascht, dass Sie als erster Minister den Reformvorschlag ohne jeden kritischen Unterton begrüßt haben, als er im November 1994 auf einer internationalen Konferenz in Wien verabschiedet wurde. Zehetmair: Nun, da ist uns ein Malheur passiert. Mein Pressesprecher Toni Schmid hat mein volles Vertrauen und braucht mir nicht jede Presseerklärung vorzulegen. Das geht seit sieben Jahren gut, dieses eine Mal ging es schief. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, als ich in der Zeitung las, ich sei mit der Reform rundum zufrieden.“ Dieses eine Mal betraf ja auch nur die erklärte Absicht von Bertelsmann, dass rechtlich umstrittene Duden-Monopol endlich zu knacken, es betraf ja auch nur die Rechtschreibreform, damit „nur“ die Aufhebung der Einheitlichkeit der deutschen Orthographie, den sukzessiven Neudruck aller Schulbücher (der Verband der Schulbuchverleger lässt grüßen), die Aufhebung des Duden-Monopol und so weiter. Wie gesagt, der Minister ist doch völlig unschuldig, er „wusste gar nicht, wie ihm geschah“.

MATTHIAS DRÄGER

INITIATOR DES VOLKSENTSCHEIDES ZUM STOPP DER RECHTSCHREIBREFORM IN SCHLESWIG-HOLSTEIN, LÜBECK

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Sigmar Salzburg
01.08.2015 12.32
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Heike Schmoll

Chaos im Schreiben und Denken

Zehn Jahre nach der offiziellen Einführung der Rechtschreibreform ist die Bilanz dieses obrigkeitlichen Gewaltaktes so ernüchternd wie eh und je. Sie hat ruinöse Folgen für Sprache und Denken.

01.08.2015, von Heike Schmoll

Zehn Jahre nach der offiziellen Einführung der Rechtschreibreform ist die Bilanz dieses obrigkeitlichen Gewaltaktes der Kultusbürokratie an der Sprache so ernüchternd wie eh und je. Die Rechtschreibreform hat nichts vereinfacht, die Fehler bei „dass“ und dem Relativpronomen „das“ haben sich vervielfacht und niemand wird behaupten können, das liege nur an den Rechtschreibprogrammen der Computer. Ganz im Gegenteil: Ausgerechnet die Kultusminister haben Schülern gegenüber mit langfristigem Erfolg den Eindruck vermittelt, Orthographie sei weniger wichtig, Zeichensetzung weitgehend dem eigenen Stilempfinden überlassen. Inzwischen werden sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los und müssen feststellen, dass Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht einmal die kulturellen Standardtechniken beherrschen.

Der Schaden an der Sprache wiegt weit schwerer... Viele der feinen Unterschiede sind geradezu sprachlich und gedanklich planiert worden.

Die Verantwortung dafür tragen die Kultusminister, die vor zwanzig Jahren die Rechtschreibreform beschlossen haben, ohne deren Tragweite zu erkennen, was der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair zugibt. Auch von der schweigenden Mehrheit seiner Kollegen, die allesamt nicht mehr im Amt sind, wird man annehmen können, dass ihnen die Rechtschreibreform bestenfalls gleichgültig war ...

Zehetmairs Eingeständnis, das ihn schon vor einigen Jahren zur tätigen Buße als Vorsitzender des Rechtschreibrats motiviert hatte, ändert leider nichts an der Gesamtbilanz einer überaus teuren und überflüssigen Reform. Zwar hat der Rechtschreibrat manchen sprachlichen Unsinn begradigt, aber zu einer Rücknahme der absurden Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung ist es nicht gekommen, von einer Reform der Reform kann jedenfalls nicht die Rede sein. Dazu waren die Beharrungskräfte der Reformer viel zu stark. Vor allem aber hatte der einzig kritische Sprachwissenschaftler Peter Eisenmann [Oh, oh, gemeint ist Eisenberg – aber es war doch Theodor Ickler!] im Rechtschreibrat sein Amt aus Protest niedergelegt.

Den heutigen Zustand wird man ohne Übertreibung als sichtbares Schreibchaos charakterisieren können. Das offenbart spätestens der Blick in Internetforen...

[Weiter bei faz.net 1.8.2015]

Während Zehetmair im Büßergewand auftritt, dabei aber seine eigene Schuld kleinredet, verzehren seine ehemaligen Kollegen still ihre unverdiente Pension. Nur Frau Schavan ist noch im Dienst, als Botschafterin in einem Staat von 700m Seitenlänge.

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Sigmar Salzburg
22.07.2015 05.31
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Prinz Asfa-Wossen Asserate, ...

... der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers, ist hier schon bekannt geworden als Schilderer exotischer mitteleuropäischer „Manieren“ (Bestseller 2003). Erstaunt hat ihn dabei der lieblose Umgang der Deutschen mit ihrer Sprache, wie er in der Rechtschreib„reform“ erkennbar wurde. Als in München lebender Unternehmensberater für Afrika verdienen nun seine Einschätzungen der afrikanischen Invasion alle Aufmerksamkeit (FAZ):

Was die afrikanischen Flüchtlinge betrifft, fürchte ich, werden wir bald nicht mehr von Migration sprechen, sondern von Völkerwanderung...

Das größte Rätsel für mich ist dabei, warum die Europäer bisher fast ausschließlich versuchen, die Symptome des Problems zu behandeln. Sie fragen: Wie hoch kann man die Zäune noch machen? Wie abschreckend wollen wir sein? Oder: Wie können wir die Menschen, die zu uns kommen, am besten integrieren und wie viele? Es gilt aber, die Ursachen der unermesslichen Menschenflucht zu begreifen, um ihr angemessen zu begegnen...

Die größten Exporteure von Migranten auf dieser Welt sind afrikanische Gewaltherrscher und Diktatoren, die ihrem eigenen Volk keine Hoffnung lassen auf ein menschenwürdiges Leben. Das Verheerende ist dabei, dass ein Großteil dieser Regime auch noch von europäischen Steuergeldern alimentiert wird...

Die meisten der afrikanischen Flüchtlinge kommen nicht aus Bürgerkriegsländern. Die wenigsten sind direkt vom Hungertod bedroht... Einige afrikanische Staaten können heute ein beeindruckendes wirtschaftliches Wachstum vorweisen, aber die Lebensbedingungen der meisten Menschen haben sich nicht verbessert. Das ist der eigentliche Motor hinter den Flüchtlingsdramen.

Steht den Europäern die eigene koloniale Vergangenheit im Weg? Und hat Afrika andererseits ein postkoloniales Trauma, das Entwicklung verhindert?

Das Argument eines postkolonialen Traumas in Afrika kann ich nur sehr bedingt akzeptieren. ... Die Europäer könnten zu den heutigen Herrschern mit Recht sagen: „Ihr seid viel schlimmere Unterdrücker eures eigenen Volkes geworden, als wir das jemals gewesen sind.“ Und in der Tat: Afrikanische Diktatoren wie Mengistu Haile Mariam in Äthiopien, Mobuto Sese Seko in Zaire, Idi Amin in Uganda, Samuel Doe in Liberia oder auch der Völkermord an den Tutsi in Ruanda sind ein grauenerregender Beleg für diese These. Millionen von Menschenleben haben diese Regime auf dem Gewissen...

Welche Rolle spielen der Islam und der Islamismus?

Fortschreitender religiöser Fundamentalismus ist in der Tat die zweitgrößte Herausforderung, der wir in Afrika begegnen...

... Widerstreitende Ansichten werden in Afrika oft nur schwer ertragen. Afrikaner kennen nur die Begriffe „Freund“ und „Feind“. In den mehr als zweitausend afrikanischen Sprachen gibt es kaum ein Wort, das dem Begriff für einen „Gegner“ entspricht, dessen gegensätzliche Meinung man zwar nicht teilt, aber respektiert. Es ist meine große Hoffnung, dass wir endlich ein Äquivalent dafür finden...

faz.net 18.7.2015

NB: Kurz nach dem 1974er Putsch des Mengistu Haile Mariam hatte eine Besucherin unserer damaligen Kunstgalerie eigene Filmaufnahmen der gerade untergegangenen alten christlichen Kultur Äthiopiens vorgeführt. Beeindruckend war z.B. ein kirchliches Fest mit einer langen Reihe tanzender Mönche...

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Sigmar Salzburg
02.03.2015 07.44
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„Frankfurt schreibt“

Testen Sie Ihr [deformiertes] Sprachwissen im Diktat
Die diesjährige Ausgabe des Wettbewerbs „Frankfurt schreibt!“ ist mit einer Bestleistung zu Ende gegangen. Doch wie steht es um Ihre Rechtschreibung? Testen Sie Ihr Wissen mit unserem Diktat-Mitschnitt.
faz.net 27.02.2015

So ist es [reform]richtig: Das Diktat des Frankfurt-Finales

Herzlich willkommen auf der Flaniermeile! Wie so häufig samstagmorgens, zuweilen bereits eine Dreiviertelstunde vor neun, wenn die Buden mit allerart Tinnef beim Flohmarkt unter den kühlen Schatten spendenden Platanen am Schaumainkai öffnen, sieht man schon von ferne Heerscharen Neugieriger herbeiströmen.

Hier gibt es das Sowohl-als-auch – für diejenigen, die etwas Außergewöhnliches zum Betrachten favorisieren, wie auch für ebenjene, die Authentisch-Historisches wertzuschätzen wissen. Weder Nigelnagelneues noch längst Lädiertes wird einfach weggegeben, sondern alles größten Gewinn bringend feilgeboten. Nichtsdestoweniger gibt es ein paar sehr zeitraubende, aber hohe Kosten sparende Tipps, um den Preis herunterzuhandeln, ohne sich kaputtzumachen. Als Koryphäe kann man so wertvolle Amethysten für einen Pappenstiel einheimsen.

Mit Wortgewandtheit und einem Quäntchen Glück kann jeder Pfiffikus des Weiteren todschickes Mobiliar zu einem unwiderstehlichen Preis-Leistungs-Verhältnis ergattern. Aber selbst wer naseweis herumkrakeelt, erhält im Übrigen nichts unentgeltlich. Wer wider Erwarten leer ausgeht, besucht eine der renommierten Galerien nahe dem Sachsenhäuser Ufer. Der in den Achtzehnhundertsechzigern erbaute Eiserne Steg führt zum gegenüberliegenden Mainufer. Von den flussauf und -ab manövrierenden Touristenschiffen, des Abends mit Hilfe (oder: mithilfe) von Elektrolytkondensatoren mit der Kapazität von einem Farad erleuchtet, hat man einen Blick ohnegleichen. In Frankfurt ist die Atmosphäre alles außer gewöhnlich!
faz.net 1.3.2015

Der Wettbewerb, der ähnliche in den USA zu kopieren sucht, ist eine Werbe-Veranstaltung für den Duden und zugleich eine Unterwerfungsübung für die Bürger. Abgefragt werden vor allem auch die mit viel ss-Gift durchgesetzten Albernheiten der Rechtschreib„reform“, die die 32 obersten kulturpolitischen Dummbeutelinnen und Dummbeutel 1996 und 2006 in die deutsche Rechtschreibung gepreßt haben. Die Frechheit, das historisch richtige „Quentchen“ nicht einmal als Variante zuzulassen, sucht ihresgleichen. Bei „mithilfe“ ging es doch auch. Ansonsten erkennt man das Bemühen, Fallen zu stellen – sogar indem man die Erinnerung an die wieder zurückgenommene Urreform „Zeit raubend“ auszunutzen sucht. Die bombastischen Großschreibungen „des Weiteren“ wirken „im Übrigen“ immer noch störend. Daß der „Eiserne Steg“ ein Eigenname sein soll, kann nur der eingeweihte Einheimische wissen. „Amethysten“ als Plural sind unbeholfen und gänzlich unüblich!

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Sigmar Salzburg
25.02.2015 23.23
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Rechtschreibschwäche

Offna Briev ann Minista
Die Bättle um die Rechtschreibung in Mecklenburg-Vorpommern muss aufhören.

Hilferuf eines Drittklässlers.

25.02.2015, von Nick, 3b

Halo Herr Brotkorb fon der Konfärenz der Kulturminista – Frau Prochnow hat gesagt das unsre Glasse gans schlescht in Räschdschreibung is. Das is totaal umpfair weil wir uhns wirklich fiel Müe gebn die Wörta richtig zum schreiben. Neulich hat der Tim zum Ben gesagt du bist ein Luser weil du im Diktat siebzich Fehla hast. War alles voll rot angestrichn. Normal schreibn wir nie ein Dicktat. Da hat der Ben dem Tim eine geschäuert und alle Medchen haben blos blöd gelacht. Da hat der Ben erst recht ne Wut gekrigt und is auf Lily und Neele los die wie blöd geschrien ham. Jetz ham alle eine Strahfaufgabe auf blos wegn dem Zickngriech. Die Prochnow hat gesagt das kommt von dem weil wir so schreim wie wir redn und das das jetz alles anderst werden muss sonst wird das nie was. Sie sagt das wir peschtimmd nich aufs Gümnasium kommn wenn wir so schreibn. Mir is das egal aber Tim will unbedingt hin weil er mal Mänedscha werden will. Wär echt gut wenn ihr eine Idee habt das das ewige Gebättel auvhörd. Tschüss aus Mäklenburch.

faz.net 25.2.2015

Siehe auch hier und da und da und dort.

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Sigmar Salzburg
25.10.2014 11.40
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FAZ zurück zur normaldeutschen Rechtschreibung?

Historisches E-Paper: 25.10.1914

Haß

Deutschland – im Fadenkreuz internationalen Hasses? Die Frankfurter Zeitung bewertet am 25. Oktober 1914 die internationale Stimmungslage gegenüber dem Kaiserreich.

[Bild]

In dieser Zeit da die apokalyptischen Reiter auf roten und schwarzen Rossen über unsere Erde hinbrausen, erleben wir mancherlei Offenbarungen. Wir haben in elf Wochen des Krieges mehr über uns selbst und die Welt erfahren als eine ganze Lebenszeit uns gelehrt hatte. Wir wußten vorher nicht, wir Deutsche, daß wir als Volk eine so fest geschlossene Einheit seien, wie es keine andere gibt...

faz.net 25.10.2014

Nein, es ist nur die Wiedergabe eines Textes der Vorläufer-Zeitung „Frankfurter Zeitung“ aus einer Zeit, als die deutsche Schreibeinheit erst zwölf Jahre alt war. Hundert Jahre hat diese Vollendung der deutschen Kulturrechtschreibung in deutschen Tageszeitungen überdauert, bevor auch die letzte der feige eingefädelten Reform-Erpressung der Kultusministermafia erlegen ist.

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Norbert Lindenthal
24.09.2014 20.00
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Analphabetismus als geheimes Bildungsziel

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.09.2014

Schlechte Rechtschreibung: Analphabetismus als Ziel

Schlechte Rechtschreibung
Analphabetismus als geheimes Bildungsziel
Wenn etwas schwerfällt, bieten die Didaktiker Erleichterungen an. Doch wo alle Schwierigkeiten umgangen werden, herrscht die Praxis der Unbildung. Verlernen wir die Rechtschreibung?
24.09.2014, von KONRAD PAUL LIESSMANN

[Bild Dientstag, Ruhmsteak …]
© COVERPICTURE/RALF GOSCH
Schwere Küche, leichte Sprache – gratiniert ohne Bildungsballaststoffe

Es ist gespenstisch: Eine Mutter nutzt das Angebot der Grundschule ihrer Tochter zu einem Tag der offenen Tür und nimmt interessiert am Unterricht teil. Die junge, engagiert wirkende Lehrerin spricht über Tiere, fragt, welche Tiere die Kinder kennen, schreibt die Tierarten, die ihr zugerufen werden, an die Tafel. Und dann, die Mutter traut ihren Augen kaum, steht da, groß und deutlich: Tieger.

Und das Erstaunliche daran: Das war kein Fauxpas, keine einmalige Fehlleistung, wie sie vorkommen kann, sondern hatte System, war Konsequenz der Methode, mit der die junge Lehrerin selbst schreiben gelernt hatte: nach dem Gehör! Schreiben, wie man spricht, ohne dabei korrigiert zu werden – das könnte die Kinder traumatisieren –, wird schon seit geraumer Zeit praktiziert und zeitigt nun seine sichtbaren Erfolge: das Ende der Orthographie.

Volkskrankheit Analphabetismus
Die durch die unglückselige und misslungene Rechtschreibreform provozierte Unsicherheit und Gleichgültigkeit allen Fragen eines korrekten Sprachgebrauchs gegenüber wird durch eine Didaktik verstärkt, die den regelhaften Charakter unserer substantiellen Kulturtechniken systematisch verkennt und bekämpft. Jeder, wie er will, und wer gar nicht will, kann am Ende weder lesen noch schreiben.

Die Klage von Universitätslehrern, dass Studenten auch in Fächern, in denen der sprachlichen Formulierung besonderes Augenmerk zukommen sollte, weder die Rechtschreibung noch die Grammatik beherrschen und nicht mehr imstande sind, das einigermaßen präzise auszudrücken, was sie – vielleicht – sagen wollten, zeigt, dass solche Lockerheit im Erlernen der Kulturtechniken nicht folgenlos bleibt. Wenn als Konsequenz schulischen Unterrichts am Ende ein „Sprachnotstand an der Uni“ konstatiert werden muss, dann ist zu vermuten, dass es sich nicht nur um methodisch-didaktische Schwächen, sondern um eine grundlegende Entwicklung handelt, in der sich ein prekärer Einstellungswandel manifestiert.

Gegen Ende der Bildungslaufbahn eines jungen Menschen, so scheint es, fehlt es offensichtlich noch immer an fast allem. Analphabetismus ist längst keine Metapher mehr für eine Unbildung, die nur wenige am Rande der Gesellschaft betrifft, sondern der Skandal einer modernen Zivilisation schlechthin: dass junge Menschen nach Abschluss der Schulpflicht die grundlegenden Kulturtechniken nur unzureichend, manchmal gar nicht beherrschen.

Weg mit den verzichtbaren Privilegien
Natürlich ist nach jedem Schreib- oder Lesetest das Entsetzen groß, und der Ruf nach noch mehr Kompetenzorientierung, noch mehr individualisierter Didaktik, noch mehr modernen Unterrichtsmethoden, noch mehr Fehlertoleranz, noch mehr Einbezug von Laptops und Smartphones in den Unterricht wird lauter. Dass es gerade diese Forderungen und ihre Durchsetzung sind, die die Misere erst erzeugt haben, kommt auch den radikalsten Bildungsreformern nicht in den Sinn. Der Verdacht, dass man gezielt versucht, diesen Problemen zu entgehen, indem man die Niveaus neu definiert, für Schwächen euphemistische Umschreibungen findet und alles allen so einfach wie möglich macht, schleicht sich ein.

Neben der umstrittenen Methode, Schreiben nach dem Gehör zu lernen, zählt der Versuch, die Lesefähigkeit zu steigern, indem man die Texte drastisch vereinfacht, zu den problematischen Strategien einer umfassenden Praxis der Unbildung. Texte in „Leichter Sprache“, die schon von zahlreichen Ämtern aus nachvollziehbaren Motiven eingesetzt werden, um Menschen ohne ausreichende Sprachkenntnisse und geistig Behinderten den Zugang zu behördlichen Informationen zu erleichtern, wandeln sich unter der Hand zu einer neuen Norm, deren Regeln alsbald den durchschnittlichen Sprachstandard definieren könnten: „Kurze Wörter benutzen, sie gegebenenfalls teilen und mit Bindestrichen verbinden. Verboten sind lange Sätze, Passivkonstruktionen, Negationen, der Konjunktiv. Die Satzstruktur soll einfach sein, Nebensätze dürfen nur ausnahmsweise vorkommen, aber nie eingeschoben sein.“

Sprache, so suggerieren es diese Konzepte, dient nur der Übermittlung simpler Informationen. Dass in und mit Sprache gedacht und argumentiert, abgewogen und nuanciert, differenziert und artikuliert wird, dass es in einer Sprache so etwas wie Rhythmus, Stil, Schönheit und Komplexität als Sinn- und Bedeutungsträger gibt, wird schlicht unterschlagen oder als verzichtbares Privileg von Bildungseliten denunziert.

Die Reduktion auf das Funktionale
Dass durch solches Entgegenkommen, vor allem wenn es auch als Unterrichtsprinzip reüssieren sollte, Menschen systematisch daran gehindert werden, sich einer einigermaßen elaborierten Sprache bedienen zu können, dass sie dadurch von der literarischen Kultur ferngehalten werden, wird bei diesen wohlmeinenden Versuchen nicht weiter bedacht. Und selbst wenn man die Sprache unter pragmatischen Gesichtspunkten sehen und als „praktisches Bewusstsein“ deuten wollte – bedeutete eine stark vereinfachte Sprache nicht auch ein stark vereinfachtes Bewusstsein?

Die mit dem Standardargument der Zugangserleichterung zu abschreckenden Kulturtechniken allmählich durchgesetzte Tendenz, die zusammenhängende Schreibschrift abzuschaffen und durch eine unzusammenhängende Buchstabenschrift, eine leicht zu erwerbende „Grundschrift“, zu ersetzen, scheint genau dies im Sinne zu haben. Schon jetzt können Jugendliche, die in viel gelobten Laptop-, Notebook- oder Smartphone-Klassen unterrichtet werden, nicht mehr mit der Hand schreiben.

Dass dabei mehr verlorengeht als nur eine überholte Kulturtechnik, wissen alle, die sich näher mit dem Zusammenhang von Lesenlernen und Schreibenlernen, von Feinmotorik und Hirnentwicklung, von Kreativität und Freiheit beschäftigt haben. Auch hier wird die Reduktion auf das vordergründig Funktionale erkauft mit dem Verzicht auf Bedeutungsvielfalt und auf die Möglichkeit, souverän über unterschiedliche Techniken des Erzeugens und Lesens von Texten zu verfügen.

Systematische Sabotage
Ist der Prozess des Schreibens selbst kreativ, dann weiß man in dem Moment, in dem man den ersten Satz formuliert, nicht, wie der letzte Satz lauten könnte. Schreiben in diesem avancierten Sinn heißt nicht, Gedanken, Argumente, Überlegungen oder Theorien in eine angemessene sprachliche Form zu bringen, sondern im Vertrauen auf die mögliche Eigendynamik des Schreibens darauf zu bauen, dass aus dem Fortschreiben der Wörter die Gedanken und Ideen überhaupt erst entstehen. Die Voraussetzung dieses Vertrauens aber ist eine Freiheit, die den Schreibenden an keine Vorgaben bindet.

Was bedeutete dies für die Realität des Schreibunterrichts? Schreiben wird in der Regel unter pragmatischen Gesichtspunkten gesehen, bei denen es genau darum geht, bekannte Informationen oder andere Vorgaben textsorten- und adressatengerecht aufzubereiten. Eine der am weitesten verbreiteten Formen des Schreibens im Unterricht hat mit Schreiben im eigentlichen Sinn gar nichts mehr zu tun: das Ausfüllen und Ankreuzen.

Dass nicht nur im Sachunterricht, sondern auch im Sprachunterricht immer mehr mit Aufgaben gearbeitet wird, bei denen es nur noch darum geht, ein Wort einzusetzen, zu unterstreichen, zu ergänzen oder aus einer vorgegebenen Liste eine Auswahl zu treffen, mag zwar die eine oder andere Kompetenz schulen, der Prozess des Schreibens wird dadurch aber systematisch sabotiert.

Der Schreibprozess wird abgeschafft
Das gilt nicht nur für die Erarbeitung der Grundlagen, sondern setzt sich auch in der Sekundarstufe, ja an den Universitäten fort. Was dabei verlorengeht, ist letztlich die Fähigkeit, überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln, was es heißt, zusammenhängende Sätze zu bilden, die zumindest einer basalen Logik folgen. Dass an Universitäten bei Klausuren immer mehr Studenten erschrecken, wenn sie erfahren, dass sie Fragen oder Themen in vollständigen Sätzen beantworten oder behandeln sollen, zeigt dies nur allzu deutlich.

Die in Deutschland gültigen „Bildungsstandards im Fach Deutsch“ fordern zum Beispiel, dass die Schüler „Schreibstrategien anwenden“, ihr Wissen und ihre Argumente „darstellen“, komplexe Texte „zusammenfassen“ und Texte für unterschiedliche Medien „gestaltend schreiben“ können. Die an diesen Standards orientierten „Schreibaufträge“ zergliedern den Prozess des Schreibens in die Beantwortung von Fragen, die einzeln abgearbeitet werden müssen, und dort, wo eine eigene Position entwickelt werden soll, muss natürlich vorher ein „Schreibplan“ oder eine „Mindmap“ angelegt werden.

Die Aufgabenstellungen bei der schriftlichen Reifeprüfung im Fach Deutsch spiegeln diese Position wider. Da es ja darum geht, bestimmte Kompetenzen zu überprüfen, muss jede Aufgabe in einzeln abzuarbeitende Fragestellungen zerteilt werden, die einen natürlichen Schreibfluss, eine Entfaltung von Gedanken oder die Etablierung einer begrifflichen Ordnung als Resultat – nicht als Voraussetzung – des Schreibprozesses prinzipiell nicht mehr zulassen.

Ständige Kontrolle verwehrt das Eintauchen in den Text
Die Angst, dass bei einem frei gestellten Thema irgendetwas hingeschrieben wird, das sich jeder Überprüfbarkeit entzieht, war und ist sicher nicht unberechtigt. Der freie Aufsatz hatte seine Tücken. Aber deshalb jungen Menschen überhaupt die Möglichkeit zu verwehren, sich wenigstens hin und wieder dem Prozess des Schreibens überlassen zu können, um sich selbst mit einer Ordnung oder Unordnung ihrer Gedanken zu konfrontieren, die sich erst im Schreiben gebildet hat, kommt dem mutwilligen und fahrlässigen Verzicht auf eine zentrale Bildungserfahrung gleich.

Auch die Texte und Kontrollfragen, die etwa der Pisa-Test benutzt, um die Lesekompetenz zu überprüfen, verraten einen einseitigen und eingeschränkten Lesebegriff. Im Zuge der Bestimmung des Lesens als einer ständig zu überprüfenden Kompetenz geht die aktuelle Lesedidaktik dazu über, jeden Leseakt durch vermeintlich hilfreiche Kontroll- und Verständnisfragen zu stören und damit zu zerstören.

Wer ein aktuelles Lesebuch zur Hand nimmt, wird erstaunt sein über die ohnehin schon knappen Texte, die nach wenigen Absätzen schon durch Arbeitsaufträge, Kontrollfragen und Übungen unterbrochen sind. Wie soll ein Kind, ein junger Mensch unter diesen Bedingungen Lust am Lesen entwickeln, wie soll er lernen, sich der Dynamik des Lesens zu überlassen, in einen Text zu versinken, in den Sog des Geschriebenen zu geraten, wenn er alle paar Minuten über das Gelesene Rechenschaft ablegen, sich nach jedem Absatz überprüfen lassen muss?

Schreiben muss hart erlernt werden
Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der die Literatur und mit ihr das Buch das Leitmedium war, und die berechtigte Klage über den Verlust der Fähigkeit, auch anspruchsvolle Texte zu lesen, darf nicht vergessen, dass diese Form des Lesens als Kulturtechnik drastisch an Bedeutung verloren hat. Da gibt es nichts zu beschönigen, und die beschwichtigenden Versicherungen kinderfreundlicher Lesedidaktiker, dass heute mehr denn je gelesen werde, weil ständig über Smartphones auch Texte oder Textfetzen ausgetauscht und weitergeleitet würden, klingen ungefähr so wie die Behauptung, dass heute mehr denn je geritten würde, weil fast jeder Mensch einige Dutzend Pferdestärken wenn nicht zwischen seinen Schenkeln, so doch unter seinem Hintern habe. Nein, wir halten die meist dämlichen Sätzchen auf Twitter, die Statusmeldungen und die dazugehörigen Kommentare auf Facebook und die in der Regel niveau- und stillosen postings der User digitaler Medien nicht für Literatur.

Der Eingang in das Reich der Literatur aber hatte seinen Preis: Erfordert war eine Disziplinierung der Sinne und des Körpers, wie sie kein anderes Medium dem Menschen abverlangte. Im Gegensatz zur Sprache, zum Hören und zum Sehen ist uns das Entziffern und Arrangieren von Buchstaben nicht von Natur gegeben. Lesen und Schreiben sind mehr als eine menschheitsgeschichtlich betrachtet sehr spät erfundene Kulturtechnik – sie sind eine Form der Weltaneignung und Welterzeugung, die in bestimmter Weise die Negation der unmittelbaren Selbst- und Welterfahrung zur Voraussetzung hat. Wer liest oder schreibt, dem muss im Wortsinn Hören und Sehen erst einmal vergehen. Der Sinn von Schule lag einmal darin, diese Negation erfahrbar zu machen und einzuüben.

Die vollkommene Geistfeindlichkeit
Lesen und Schreiben sind keine Tätigkeiten, die man einmal lernt, jahrzehntelang brachliegen lassen und trotzdem bei jeder Gelegenheit reaktivieren kann. Wer nicht ständig liest, verlernt das Lesen wieder; wer Sprache und Texte nur unter pragmatischen Gesichtspunkten sieht, wird nur dann lesen, wenn es gar nicht anders geht; wer für die Schicksale, Geschichten, Tragödien und Komödien der Literatur keinen Enthusiasmus entwickeln kann, wird Lesen letztlich als Zumutung empfinden; wer nicht das Buch als physisches Objekt lieben und hassen gelernt hat, wird nie richtig lesen lernen; wer in eine Schule geht, in der aufgrund vorgegebener Bildungsstandards und anwendungsorientierter Kompetenzen diese Liebe zur Literatur nicht mehr vermittelt werden darf, wird zum Analphabetismus verurteilt.

So wohltönend können die Reden der Bildungsreformer und ihrer politischen Adepten gar nicht sein, dass sich dahinter nicht jene Geistfeindlichkeit bemerkbar machte, die den Analphabetismus als geheimes Bildungsziel offenbart. Wäre es anders, gäbe es, zumindest als Schulversuch, nicht nur Notebook-Klassen, sondern vor allem und in erster Linie wirkliche Buch-Klassen. In der generellen didaktischen Missachtung des Buches – „Ganzschrift“ heißt das dafür zuständige Unwort – zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer erbärmlichsten Gestalt.

Dabei wäre alles ganz einfach: Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken, deren grundlegende Beherrschung unerlässlich ist. Dass der Erwerb dieser Techniken nicht jedem leichtfällt, ist kein Grund, das Betrachten von Bildern zu einem Akt des Lesens und das Ankreuzen von Wahlmöglichkeiten zu einem Akt des Schreibens hochzustilisieren. Besser wäre es, all jene, die Schwierigkeiten beim Erwerb dieser Fähigkeiten haben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen, damit sie wirklich lesen und schreiben lernen.

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Konrad Paul Liessmann lehrt Philosophie an der Universität Wien. Der Text ist die leicht gekürzte Fassung eines Kapitels aus seiner Streitschrift „Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung“, die am 29. September in den Buchhandel kommt (Paul Zsolnay Verlag, Wien, 176 Seiten, 17,90 Euro).

Quelle: F.A.Z.
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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
12.07.2014 18.04
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Selbst die FAZ beteiligte sich an der Treibjagd gegen die AfD

Vor den letzten Wahlen machte auch die kirchenfromme FAZ Stimmung gegen die AfD. Die mmnews.de (Michael Mross) schrieben am 13.3.2014:

AfD: So manipuliert die FAZ

In einem demagogischen Hetz-Artikel gegen die AfD versucht die FAZ, die Partei als rechtsextrem darzustellen, in der bibeltreue Christen die Macht übernommen hätten. Dabei wurde bewußt gelogen, Zitate verdreht oder tendenziös verkürzt und manipuliert. Das Schmierenstück könnte zum Fall für den Deutschen Presserat werden.

Der Einlauftext und die Überschrift der FAZ sagt schon alles. Weiterlesen lohnt sich nicht mehr:

Christliche Alternative für Deutschland

In der „Alternative für Deutschland“ übernehmen bibeltreue Protestanten die Macht. Längst kritisieren sie nicht mehr nur den Euro, sondern auch Schwule und Muslime. Sogar die Schulpflicht stellen sie in Frage...

Weiter auf mmnews.de 13.3.14

Diese denunziatorische Aufbereitung der Meldungen brachte mich dazu, meine langjährige Wahlenthaltung aufzugeben und die AfD zu unterstützen, weniger natürlich wegen solcher aus der Zeit gefallenen Zeitgenossen, wie sie in AfD-nahen Publikationen mitunter auch zu finden sind:

Das Klärwerk und die Allmacht Gottes
Als ich mit meiner Frau durch die Anlagen ging, begann ich Gott, den Schöpfer, zu preisen. Ohne seine Souveränität und seine Allwissenheit hätte keine dieser vielen Ideen ... umgesetzt werden können. freiewelt.net 28.6.2014

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Sigmar Salzburg
12.06.2014 16.16
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Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frank Schirrmacher gestorben
Frank Schirrmacher, einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist gestorben. Schirrmacher wurde 1994 als Nachfolger von Joachim Fest in das Herausgebergremium berufen... Er verstarb am Donnerstag an den Folgen eines Herzinfarkts.

faz.net 12.6.2014

Wissenswertes zu Schirrmacher hier und da
und Spiegel 1996 (noch in richtiger Rechtschreibung)
.

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Norbert Lindenthal
19.03.2014 18.22
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2014, 15:37 Uhr

Abitur
Niedersachsen kehrt zu G9 zurück
19.03.2014 · Niedersachsen will als erstes Bundesland das Turbo-Abitur abschaffen. Unterstützt wird die Initiative von Philologen und Elternräten. Sie nennen das G8-Modell einen „folgenschweren Irrweg“.
Von ROBERT VON LUCIUS, HANNOVER

Kultusministerin öffnet die Tür zur Abi-Reform
© DPA Vergrößern

Der erste Jahrgang von G9-Gymnasiasten wird in Niedersachsen im Jahr 2023 das Abitur ablegen
Niedersachsen will als erstes Bundesland das „Turbo-Abitur“ wieder abschaffen und zu neun Schuljahren in Gymnasien zurückkehren. Schon vor einem Jahr, kurz nach ihrem Regierungsantritt in Hannover, hatte die rot-grüne Koalition die geplante Einführung des Abiturs nach acht Schuljahren an Integrierten Gesamtschulen verhindert. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erläuterte am Mittwoch erste Eckpunkte der Rückkehr und damit der Rücknahme einer erst 2004 verabschiedeten Schulreform.

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Robert von Lucius
Autor: Robert von Lucius, Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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Sie stützte sich auf den Bericht einer Expertengruppe. Besonders begabten Schülern sollen die elfte Klasse überspringen können. Bis Herbst soll eine Schulnovelle eingebracht werden, die zum 1. August 2015 in Kraft tritt. Der erste Jahrgang mit neun Jahren kann die Reifeprüfung im Jahr 2023 ablegen. Heiligenstadt warnte vor einem überhasteten Wechsel.

Zu den Anhängern der Änderung in Niedersachsen zählen der Philologenverband und der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen. Damit gebe es wieder gründliches Lernen, bessere Förderung und mehr Zeit für außerschulische Aktivitäten – die Verkürzung sei ein „folgenschwerer Irrweg“ gewesen. Dagegen sagt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, das Rad werde zurückgedreht – eine Schulzeit von acht Jahren könne bei richtiger Organisation stressfrei ablaufen.

Westliche Bundesländer bieten Rückkehr zu „G9“
Der Vorsitzende des Niedersächsischen Landesschülerrats Helge Feußahrens sagte, viele Schüler hätten sich mit dem Turbo-Abitur arrangiert. Schulen bräuchten Ruhe und nicht mit jeder neuen Landesregierung ein neues Schulgesetz. Schon kurz nach der Einführung der verkürzten Schulzeit – 2011 wurde der erste Schülerjahrgang nach nur acht Jahren entlassen – mehrte sich Kritik wegen zu hohen Lernstresses. Es gebe weniger Auslandsaufenthalte und mehr Wissenslücken bei Berufsanfängern und Studenten.

Mehrere westliche Bundesländer bieten bereits eine Rückkehrmöglichkeit zu „G9“ an, aber bisher nicht wie nun Niedersachsen eine völlige Umkehr. Die neuen Bundesländer planen keine Reform, zumal dort das Abitur nach acht Jahren eine Tradition hat. In Bayern steht die Landesregierung unter Druck, nachdem ein von den Freien Wählern vorgelegtes Volksbegehren Ende Februar die erste Hürde überwand. Auch in Hamburg gibt es eine anfangs erfolgreiche Volksinitiative. Hessen gibt Wahlfreiheit – viele Gymnasien kehrten dort zur neunjährigen Schulzeit zurück. Nur jedes fünfte hessische Gymnasium bleibe, so wird geschätzt, beim Turbo-Abitur. Baden-Württemberg hat 44 Gymnasien eine Rückkehr zur dreizehnten Klasse erlaubt, Nordrhein-Westfalen als Modellversuch dreizehn Gymnasien.
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Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
23.01.2014 19.34
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Eine zu optimistische Einschätzung

Kommentar
Die Amtssprache ist Deutsch
Von Reinhard Müller

Sprache lässt sich nur begrenzt regeln. Das hat zuletzt der Riesenwirbel um die Rechtschreibreform gezeigt. Aber natürlich kann der Staat den Gebrauch bestimmter Sprachen in Ämtern und Gerichten vorschreiben. In Deutschland ist die Gerichtssprache deutsch. Und nicht nur sie: Auch in der Abgabenordnung, im Sozialgesetzbuch und im Verwaltungsverfahrensgesetz heißt es: Die Amtssprache ist Deutsch. Daran kann auch das Saarland nichts ändern, und das ist gut so.

Richtig ist aber auch, dass die Länder eigene Verwaltungsverfahrensgesetze haben, die sich freilich bisher im wesentlichen ähneln. Das Saarland mag also sprachliche Sonderregelungen schaffen. Die Umgangssprache kann es ohnehin nicht regeln – wohl aber Sprachunterricht einführen und die Möglichkeit, Anträge auf Französisch einzureichen. Dann aber muss auch die Verwaltung französisch beherrschen. Die hat aber meist ganz andere Sorgen. Und vor den Gerichten, auf jeden Fall aber in letzter Instanz, würde immer auf Deutsch entscheiden.

Ob die saarländische Regierung ihr Ziel erreicht, einziges zweisprachiges Bundesland (mit „Frankreich-Kompetenz“) zu werden, hängt vor allem von den Bürgern ab. Wenn die glauben, dass sie mit Englisch weiter_kommen und sich darauf konzentrieren wollen, dann hat das Saarland ein neues Kompetenz-Problem.
faz.net 22.1.2014

Nicht umsonst kämpfen die einschlägigen Lobbyisten und Heilsverkünder gegen eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Wenn dies auch zunächst keine großen Wirkungen hätte, es würde doch später beim großen Unterrühren im Gleichstellungs-Nudeltopf hinderlich sein.

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Sigmar Salzburg
03.08.2012 16.36
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FAZ in vortschrittlicher Revormarschreibung

Fraktur – Die Sprachglosse
Blumen zu Biogas!


Euro-Krise? Deutschland steht kurz vor der Vermaisung! Oder doch vor der Vermeisung?

Wohl ’ne Meise

Es müsse dringend etwas gegen die „Vermaisung“ unserer Landschaften getan werden, fordert der Grünen-Vorsitzende Özdemir. Gemeint hat er damit wohl nicht die Vermeisung unserer Politiker, obschon man da nach der Reform (Revorm?) der Reform (Rephorm?) unserer ehemaligen Rechtschreibung nicht mehr ganz sicher sein kann. Doch würde eine solche Behauptung schlicht den Tatsachen widersprechen. Zwar hat der eine oder andere Politiker ganz bestimmt einen Vogel, aber von einem flächendeckenden Phänomen zu reden wäre übertrieben.
Der Mais dagegen ist tatsächlich auf breiter Front auf dem Vormarsch
[…]
Weil man nach den jüngsten Horrornachrichten zur Ökobilanz aber nicht einmal mehr Biosprit reinen ökologischen Gewissens tanken kann – der deutsche Autofahrer wusste schon, warum er der Ökoplörre namens E 10 misstraute –, könnte höchstens noch die ohnehin schon aufholende Solarverzellung die vollständige Vermaisung Deutschlands aufhalten.

Die will jetzt natürlich wieder keiner gewollt haben, schon gar nicht die Partei der erneuerbaren Energien. Geht es nach Bärbel Höhn, dann wird Biogas künftig nur aus glücklichen Wildkräutern von freiwachsenden Waldwiesen gewonnen. Wenn das keine Besinnung auf die Urwerte der Blumenkinder-Bewegung ist! Atomkraft, nein danke – Flower-Power, ja bitte! Blumen zu Biogas! Allerdings müsste man dann von Anfang an darauf achten, dass es nicht zur Verwiesung oder gar Verblumung Deutschlands käme. Sonst könnte man das noch für ein Zeichen von Verblödung halten.

FAZ.net 3.8.2012

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Sigmar Salzburg
18.04.2012 11.59
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Infantilismus bei der Reform-FAZ

Die einstmals größte „Kirchenzeitung“ Deutschlands verfällt anscheinend, um diese Stellung zu halten, auf infantile Quiz- und Testspielchen:

Der Glaubenstest
Nun sagen Sie, wie haben Sie es mit der Religion?


Die innere Einstellung und die religiöse Lehrmeinung können weit auseinander driften. Daraus brauchen sich erst mal keine Konsequenzen abzuleiten: Es kann sich noch entwickeln. …

Die „tief schürfendste“ der 17 Fragen ist:

4. Kann man Gott auch schmecken?

faz.net 8.4.2012

Wenn man die Punkte, die für jede Antwort vergeben werden, zusammenzählt, erhält man das Testergebnis und eine Buchempfehlung. Für die für mich vermutlich zutreffende geringste Punktzahl lautet der Text:

Bis 59 Punkte:
Sagen wir es einmal höflich: Sie gehören zur wachsenden Zahl der „religiös Unmusikalischen“ im Lande. Oder Sie sind einer der neuen Atheisten, die derzeit so viel von sich reden machen. Was die Religion angeht, halten Sie es mit Karl Marx: Sie sei das „Opium des Volkes“. Die Theorie des Urknalls verstehen Sie zwar nicht, halten sie aber für plausibler als die Schöpfungsgeschichte. Der Tod – eine friedliche Rückkehr in den großen Kreislauf der Natur. Kleine Anekdote für Sie von der Frankfurter Universität: Ein betont ungläubiger, modern sein wollender Literaturwissenschaftler war verstorben. Als man in der Fakultät von der traurigen Nachricht erfuhr, sagte ein katholischer Professor: „Na der wird sich jetzt wundern!“

Lektüretipp: Richard Schröder, „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fundamentalismus und die Folgen“, 16,95 Euro.

Ich bin nicht unmusikalisch, hänge eher Einsteins „kosmischer Religiosität“ an, stehe nicht auf Karl Marx, verstehe die Theorie des Urknalls recht gut und finde die Anekdote in diesem Zusammenhang kindisch. Die Empfehlung eines Theologen-Buches ist fast beleidigend.

Nicht besser sieht es für die höher Bepunkteten aus:

60 bis 70 Punkte:
Glückwunsch: Sie sind Ihr eigener Papst, möglicherweise auch die Reinkarnation Buddhas oder der Päpstin Johanna …

Lektüretipp: Anselm Grün, „Herzensruhe. Im Einklang mit sich selber sein“, 8,50 Euro, gebraucht von 2,90 Euro an.

71 bis 100 Punkte:
Ertappt, Sie sind Hans Küng! … Oder haben wir uns geirrt … und Sie sind in Wahrheit Eugen Drewermann?

Lektüretipp: Joseph Ratzinger, „Jesus von Nazareth“, zwei Bände, 24 und 22 Euro.

101 bis 125 Punkte:
Ein Protestant, so hat es Joseph de Maistre einmal ausgedrückt, das ist ganz einfach ein Mensch, der protestiert. Hat er dabei an Sie gedacht? …

Lektüretipp: Max Weber, „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, 17,95 Euro. Und: alles von Margot Käßmann!

Mehr als 125 Punkte:
Sind Sie mit Ihren Händen wirklich so ungeschickt, dass Sie sich keine eigene Religion basteln können? … Lassen Sie sich von einem Sektenbeauftragten Ihres Vertrauens beraten, sonst droht Fundamentalismusverdacht.

Lektüretipp: Roberto de Mattei, „Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte“, 35,90 Euro.

faz.net 8.4.2012

Der „Test“ ist wohl eher als Schleichwerbung für den frommen Buchhandel gedacht.

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Sigmar Salzburg
02.12.2010 18.20
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FAZ.NET-Frühkritik: „Maischberger“

Sag mir dein Deutschsein
… Thilo Sarrazin fandet derweil nach Urahnen. [inzw. korrigiert]
Von Edo Reents
… Trotzig blieb Sarrazin die Antwort schuldig und verwies, als wiederholt Zweifel an seiner, pardon: Reinrassigkeit geäußert wurden, auf einen seiner „Urahnen“: einen Kunstmaler, der im Jahre 1530 von Lyon nach Genf gegangen sei. Im übrigen, sagte er, gebe es ein gewisses „Kontinuum im Deutschsein“ und murmelte die Jahreszahl 1100. Da rief Al-Wazir: „Aber Herr Sarrazin, da waren Ihre Vorfahren ja noch gar nicht in Deutschland!“

faz.net 1.12.2010

Eine wirkungsvolle Verbalattacke – aber ebenso dumm wie falsch: Integrieren sich die Vorfahren 200 Jahre lang genetisch im Lande, dann ist von den ursprünglichen Franzosen-Genen nur noch 1/64 übrig, d.h. 98,4 Prozent der Vorfahren können Deutsche sein. Im übrigen haben sich die Europäer genetisch seit jeher einander stark angeglichen.

Th. Ickler erwähnt bei FDS einen Großonkel Otto Sarrazin, zeitweise Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (mit Seitenhieb auf den VDS). Nachfolger war übrigens die GfdS, die unanständig mit dem deutschen Regierungsapparat verquickt ist, und deren Vorsitzender Hoberg die Durchsetzung der Rechtschreibreform penetrant befördert hat.

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Sigmar Salzburg
26.08.2010 06.33
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Anmerkung zum Schulschrift-Artikel der FAZ

(Ich hatte nicht die Zeit, ihn zu kürzen)

Schriften sind ästhetische Fenster zu den großen Kulturen. Deutsche Fraktur- und Kurrentschriften, Devanagari, arabische Ruq’a und chinesische Zeichen habe ich gerne geübt und geschrieben. Als ich krank war, habe ich sogar ein ganzes chinesisches Wörterbuch abgeschrieben. Mit der deutschen Norm-Schulschrift stand ich aber immer auf Kriegsfuß. Heute weiß ich, was sie so mühsam macht: die vielen künstlichen Rundungen, die mühsam nachgezirkelt werden müssen. Das alte Sütterlin hatte diese Zwangsrundungen noch nicht.

Aus meinen Begegnungen mit englischen Freunden alter Musik lernte ich jedoch, daß auch in einer abgewandelten Lateinhandschrift ästhetisches Schreiben möglich ist. Manche schufen in gewöhnlichen Briefen geradezu kalligraphische Kunstwerke, die von ihren Empfängern sorgsam aufbewahrt wurden. Auch bei Designern und Architekten sah ich, daß es jenseits der DIN-Normschrift in gezeichneten und beschrifteten Plänen künstlerische Individualität gab. Vieles davon ist mit der elektronischen Datenverarbeitung nicht mehr gefragt.

Dennoch halte ich es für einen Irrwitz, das handschriftliche Schreiben in den Schulen abschaffen zu wollen. Ohne „Notebook“ wären die Schüler bessere Behinderte. Außerdem ist das Schönschreiben eine unvergleichliche feinmotorische und ästhetische Schulung, die vergleichbar dem Erlernen eines Musikinstrumentes ist.

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