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Schleswig-Holsteinischer Elternverein e.V.
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Kevin Kraus
14.11.2014 05.42
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

shz.de
Pädophilie-Debatte : Nord-Grüne haben Vergangenheit aufgearbeitet


Grünen-Forderungen nach Straffreiheit für pädophile Handlungen gab es auch in Schleswig-Holstein. Einen entsprechenden Beschluss auf Landesebene gab es aber nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe.

Kiel | Pädophile Forderungen hat es in der Vergangenheit auch bei den Grünen in Schleswig-Holstein gegeben. Nach Erkenntnissen einer Arbeitsgruppe des Landesverbands spielte das Thema Pädosexualität in den Debatten und archivierten Dokumenten aber allenfalls eine marginale Rolle. „Die Forderungen nach Straffreiheit für pädophile Handlungen, wie sie nach unserem jetzigen Kenntnisstand gelegentlich auch in unserem Landesverband formuliert wurden, sind völlig indiskutabel“, sagte die zur Arbeitsgruppe gehörende Landesvorsitzende Ruth Kastner am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse. Die Grünen lehnten derlei Forderungen entschieden ab und distanzierten sich davon, sagte Kastner.

Weil die Partei wegen ihres früheren Umgangs mit Pädophilen-Gruppen in der Kritik stand, hatten die Nord-Grünen bereits Ende vergangenen Jahres die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit zu diesem Thema angeschoben. Am Mittwoch wollen die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter und der Leiter des Instituts für Demokratieforschung der Uni Göttingen in Berlin die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vorstellen. Sie ging Vorwürfen nach, die Partei habe in den 1980er Jahren pädophile Aktivisten unterstützt.

Auf Landesebene gab es nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Beschluss, der die Forderung nach Straffreiheit für einvernehmlichen Sex mit Schutzbefohlenen und Kindern unterstützte. Allerdings stießen die Grünen bei ihren Recherchen auf ein Diskussionspapier der Arbeitsgruppe Schwule und Lesben, das an das gedruckte Landtagswahlprogramm 1987 angehängt worden war. Titel: „Schwule und Lesben – für sexuelle Gleichberechtigung“.

Darin wurde nach Kastners Angaben mit verschleiernden und nebulösen Formulierungen für eine Abschaffung der Altersschutzgrenzen im Sexualstrafrecht plädiert. Demnach sollte einvernehmlich alles erlaubt sein, da auch das Kind und der Jugendliche das Recht auf Verwirklichung ihrer Sexualität mit einem Erwachsenen hätten. Nach Angaben der Grünen waren diese eindeutig der pädosexuellen-Szene zuzuordnende Formulierungen aber ausdrücklich nicht Bestandteil des verabschiedeten Programms.

Warum das gedruckte Programm das Diskussionspapier enthielt, können sich die Grünen noch nicht erklären. „Das ist ein dubioser Vorgang“, sagte Grünensprecherin Claudia Jacob. Der Verfasser des Textes war später Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion. 2002 wurden auf seinem Dienstcomputer kinderpornografische Bilder gefunden. Er wurde danach umgehend entlassen und verließ die Partei.
[...]
Der Aufarbeitungsprozess der Partei gehe weiter.
shz.de 11.11.2014

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Kevin Kraus
10.11.2014 10.17
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Krippenausbau in Deutschland – Gebt den Eltern das Kommando

Der Staat lässt nicht nach in seinem Eifer, Krippen zu bauen. Das wird als bildungspolitischer Fortschritt gefeiert. Auch die Wirtschaft ist glücklich. Nur die Babys fragt keiner. Heute hat Familienministerin Manuela Schwesig zum Krippengipfel nach Berlin geladen.

06.11.2014, von Georg Meck

Der Krippenausbau in Deutschland kommt voran. Die Eltern sind glücklich, so tönt es allenthalben, und das Volk – zumindest dessen jüngster Teil – schlauer. Nur könnte alles noch viel schneller gehen. Und natürlich braucht es dazu noch mehr Geld vom Steuerzahler. Viel mehr Geld. „Alleine ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel von einer Erzieherin auf vier Kinder kostet pro Jahr 1,6 Milliarden Euro“, sagt Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Wir müssen darüber reden, was zur Qualität gehört und wie wir es bezahlen.“ Teurer wird es in jedem Fall, dabei gibt der Staat im Haushalt 2015 schon so viel Geld für Betriebskosten der Kitas aus wie noch nie.

Am Donnerstag nun ist Krippengipfel in Berlin. Offiziell nennt sich die Veranstaltung Bund-Länder-Konferenz, vereinbart werden soll erstmals ein gemeinsamer Fahrplan für die „Qualitätsentwicklung“ in den Kitas. Geladen hat Ministerin Schwesig. Gefeiert wird eine Zahl, über die Zeitgeist und Politik sich verständigt haben, sie als Triumph zu deuten: Der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die außer Haus betreut werden, hat sich binnen sieben Jahren verdoppelt. Im Osten verbringt jedes zweite Kleinkind, im Westen jedes vierte den Tag oder zumindest mehrere Stunden getrennt von den Eltern – ein radikaler Wandel, allgemein gerühmt als Befreiung junger Familien sowie als bildungspolitischer Fortschritt.

Kinder sind unsere Zukunft, schallt es durchs Land. Kinder sind wichtig, Kinder sind kostbar. So kostbar, dass die Verantwortung dafür nicht dem Einzelnen überlassen werden darf? Der Staat muss es richten, drauf hat sich die herrschende Meinung geeinigt, zugespitzt ausgedrückt: Familienfreundlich ist, was die Familie ersetzt. Das Kind in der Krippe ermöglicht den Eltern Karrieren (was die unbedingt begrüßen) und macht den Nachwuchs klüger: „Bei vielen Kindern verdoppelt sich sogar die Chance, später ein Gymnasium besuchen zu können“, ist als Erkenntnis von Ministerin Schwesig überliefert.

Vater Staat übernimmt die Macht in den Familien


Das Planziel von 800.000 Krippenplätzen in Deutschland ist zum Greifen nahe, nur an der politischen Erziehung der Eltern hapert es. Immer noch hat eine Mehrheit ihre Kleinsten lieber daheim als in die Krippe. Wer es so hält, muss damit rechnen, Sätze wie diesen zu hören: „Keine Mutter kann ihrem Kind das bieten, was eine Krippe bietet.“ Der Ausspruch wird einer sozialdemokratischen Staatssekretärin in Rheinland-Pfalz zugeschrieben. In der Debatte um das Betreuungsgeld, vulgo „Herdprämie“, trat offen zu tage, unter welchem Generalverdacht Eltern heute stehen, als die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann klagte, „das Aufdecken familiärer Gewalt“ werde durch „Heim- und Herdprämien schwieriger“.

Gegen diese Haltung regt sich nun Widerstand: Wertkonservative treffen sich mit Staatsskeptikern aus dem linken Milieu im Protest gegen das, was sie als „Krippenwahn“ bezeichnen. Wenn die Siedlungen mit jungen Familien sich tagsüber leeren, nirgendwo mehr Geschrei zu hören ist, weil alle Babys auswärts untergebracht sind, läuft etwas falsch im Land, dachte der Münchner Autor Rainer Stadler – selbst Vater zweier Kinder, politisch eher links verortet – und hat ein leidenschaftliches Buch gegen die „Machtübernahme des Staates in den Familien“ geschrieben. „Vater Mutter Staat“ (eben im Ludwig-Verlag erschienen) liest sich wie eine Kampfschrift gegen „das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung“.

Ähnlich scharf attackiert der Kinderarzt Herbert Renz-Polster, Wissenschaftler an der Heidelberger Universität und vierfacher Vater, den „Belagerungsring“ um das Kleinkind. „Die Kindheit ist unantastbar“ heißt sein neues Buch (Beltz-Verlag), in dem er die Eltern auffordert, das Recht auf Erziehung zurückzufordern.

[...]

faz.net 06.11.2014

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Kevin Kraus
05.11.2014 13.45
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

shz.de

Rekrutierung verhindern : Schulen in SH wappnen sich gegen Salafisten

vom 2. November 2014
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten suchen Strategien gegen religiösen Extremismus. Ein Frühwarnsystem soll islamistische Anwerbe-Versuche verhindern.

Kronshagen/Kiel | Die Schulen im Land wappnen sich gegen Anwerbeversuche von Salafisten und islamistisch motiviertes Mobbing. Am Dienstag berät im Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) in Kronshagen erstmals eine Expertenrunde, wie sich Strategien für den Umgang mit religiösem Extremismus unter Jugendlichen entwickeln lassen. Beteiligt sind das Bildungsministerium, Schulräte, Polizei und Verfassungsschutz, der Rat für Kriminalitätsverhütung, der Arbeitskreis Kinder- und Jugendschutz sowie Vertreter aus der Lehrerfortbildung. Zu den Zielen gehört eine Art Frühwarnsystem gegen dschihadistische Nachwuchssuche.

Wachgerüttelt hat das Bildungsministerium offenbar eine Kieler Schule, die hatte dringenden Unterstützungsbedarf signalisiert. Ministeriumssprecher Thomas Schunck tut sich schwer, von einem regelrechten Anwerbe-Fall zu sprechen. „Es gab dort ein paar Beobachtungen, die das Lehrerkollegium dazu veranlasst haben, Rat zu suchen.“ Kurzfristig kam es daraufhin allein für Angehörige dieser Schule zu einem Seminar. Aus Bremen wurde ein Spezialist geholt, der mit dem Bundesamt für Flüchtlinge zusammenarbeitet. „Was wir jetzt vorhaben, besitzt einen großen Prophylaxe-Anteil“, sagt Schunck. Heißt: Man möchte die Lehrer für den Fall rüsten, dass da etwas kommt.

Das Landeskriminalamt (LKA) weiß von „einigen wenigen Fällen“, in denen es in Schleswig-Holstein Rekrutierungsversuche von Jugendlichen durch Salafisten gab. Allerdings hätten sich diese außerhalb von Schulen abgespielt, so Behördensprecher Uwe Keller. Darüber hinaus seien indes „in sehr wenigen Fällen Sachverhalte bekannt geworden, in denen die religiöse Prägung von Schülern zu Störungen im Schulbetrieb geführt hat“. Dabei hätten Schüler versucht, auf Klassenkameraden religiösen Einfluss zu nehmen. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass Mädchen mit muslimischem Hintergrund bedrängt werden, wenn sie keinen Schleier tragen oder am Schwimmunterricht teilnehmen.

Wachsamkeit gegenüber einer extremen islamistischen Beeinflussung Heranwachsender ist offenbar besonders in Lübeck, Neumünster, Kiel und Pinneberg geboten. Diese Städte nennt die Polizei als Schwerpunkte der salafistischen Szene in Schleswig-Holstein.
Dem Personenkreis gehören landesweit laut Verfassungsschutz gut 200 Menschen an, „diverse davon im jugendlichen Alter“. Schließlich spreche die salafistische Ideologie vornehmlich jüngere Leute an, unterstreicht LKA-Sprecher Keller. Im Fokus der Dschihadisten stünden Jugendliche ohne familiären und sozialen Halt. Diese Zielgruppe gilt für ein einfaches Weltbild und ein neues, ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl als besonders empfänglich.

Ein weiterer Indikator, wie sehr das Thema Pädagogen unter den Nägeln brennt, kommt von der Hermann-Ehlers-Akademie in Kiel. Die bietet am 24. November ein Seminar mit dem Titel „Salafismus und religiöses Mobbing als Herausforderung des Schulalltags“ an – speziell für Lehrkräfte und vom IQSH als Fortbildungsveranstaltung anerkannt. „Das Seminar ist dermaßen überbucht, dass wir schon einen zweiten Termin angesetzt haben – der auch schon fast voll ist“, berichtet Studienleiter Volker Matthée. „Das zeigt, dass das offenkundig ein Thema an den Schulen auch in Schleswig-Holstein ist.“

Die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Initiative des Landes, ein Konzept für den Umgang mit salafistischen Tendenzen auf den Weg zu bringen. „Wir können davor nicht die Augen verschließen“, sagt Geschäftsführer Bernd Schauer. Er hofft nicht nur auf einen Leitfaden und Fortbildungsangebote. Noch wichtiger ist Schauer eine Liste mit Experten, die Lehrern bei kritischen Beobachtungen umgehend verständigen und um Rat fragen können.

„Wir wollen uns am 4. November erstmal sortieren und gucken, wer an welcher Stelle sein Knowhow in ein Konzept einbringen kann“, erklärt IQSH-Sprecherin Petra Haars. „Es ist ein erster Baustein dessen, was wir im Land vorhaben.“

Autor: Frank Jung
http://www.shz.de/schleswig-holstein/meldungen/schulen-in-sh-wappnen-sich-gegen-salafisten-id8086046.html

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Kevin Kraus
04.11.2014 15.24
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Presseerklärung
Philologenverband Schleswig-Holstein
Muhliusstraße 65, 24103 Kiel

22% – Unterirdischer Zustimmungswert
für Schulpolitik von SPD, Grünen und SSW


– Siegmon: „Schönreden und Ignoranz erklärt irreparablen Vertrauensverlust“ –

„Die vernichtend hohe Ablehnung der Schulpolitik von SPD, Grünen und SSW, wie sie in der jüngsten NDR-Umfrage ermittelt wurde, überrascht mich überhaupt nicht“, stellte Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes Schleswig-Holstein (PhV) nüchtern fest. Siegmon dazu: „Fast achtzig Prozent Ablehnung trotz, oder vielleicht gerade auch wegen des angeblich breitesten Bildungsdialogs, können die Vertreter der Küstenkoalition nicht einfach damit vom Tisch wischen, dass die Bürger die ´tolle` Bildungspolitik mit dem ´besten Schulgesetz` und der ´modernsten Lehrerbildung in Deutschland` noch nicht verstanden haben. Im Gegenteil: diese Haltung signalisiert einen Mangel an Respekt gegenüber den Bürgern sowie ein Schwinden an Realitätssinn und erklärt die rasante Erosion an Vertrauen in das politische Personal von Rot-Grün-Blau in Sachen Bildungspolitik.“

Der Pädagoge weiter: „In den Schulen und Lehrerzimmern spürt man schon lange, wer die unbezahlbare ideologiegeleitete Reformflut auszubaden hat: die Lehrerinnen und Lehrer, indem sie immer mehr unterrichtsfremde und strittige Aufgaben aufgedrückt bekommen, sowie die Schülerinnen und Schüler, deren Zukunftschancen auch deswegen durch einen verantwortungslos hohen Unterrichtsausfall aufs Spiel gesetzt werden.“

„Solange die SPD entsprechend der Beschlusslage ihrer Arbeitsgemeinschaft für Bildung AfB, die vielfältigen Weichenstellungen in Richtung ´Eine Schule für alle`/´Einheitsschule` gegen das Gymnasium gemeinsam und in blinder Gefolgschaft der Grünen und des SSW stur weiterverfolgt und die Öffentlichkeit über dieses tatsächliche Ziel mit Beschwichtigungsformeln im Unklaren lässt, solange wird die Wiedergewinnung von Vertrauen misslingen“, erläutert der PhV-Vorsitzende. „Die Bürger lassen sich mit dem monotonen Schönreden bildungspolitischer Fehlleistungen nicht mehr länger hinters Licht führen! Das ist die Botschaft, die SPD, Grüne und SSW bezüglich der dramatischen Ablehnung ihrer umstrittenen Schulpolitik alarmieren sollte“, erklärte Siegmon abschließend.

Helmut Siegmon
(1.Vorsitzender)

Jens Finger
(Pressesprecher)


http://www.phv-sh.de/aktuelles/pressemitteilungen/

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Kevin Kraus
28.10.2014 05.50
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin
Philosoph, Mitglied der Akademie der Wissenschaften

Warum der Akademisierungswahn unser Bildungssystem zerstört
Veröffentlicht: 25/10/2014 14:53 CEST Aktualisiert: 25/10/2014 16:34 CEST

Unser Bildungssystem befindet sich in einer Krise: Die Reformanstrengungen der letzten zwei Jahrzehnte haben zweifellos manches verbessert, zugleich waren sie jedoch nicht von einer kulturellen Leitidee getragen.
Sie verfolgten bescheidene Ziele, wie das der internationalen Anschlussfähigkeit und der Verbesserung der beruflichen Verwertbarkeit, und haben doch in eine tiefe Krise des Bildungssystems als Ganzes geführt.

Wenn meine Diagnose zutrifft, hängt das eine mit dem anderen zusammen: Gerade weil diese Bildungsreformen glaubten, ohne kulturelle Leitidee auskommen zu können, haben sie grundsätzliche Probleme heraufbeschworen, die nicht durch die Korrektur an der einen oder anderen Stelle behoben werden können, sondern nur durch einen Richtungswechsel.

Für einen solchen Richtungswechsel plädiert diese Schrift.

Ihr Titel, »Der Akademisierungswahn«, weckt Ressentiments. Als ich ihn zum ersten Mal verwendete, reagierte ich auf die immer gleichen Argumente einer unterdessen verfestigten Bildungsideologie.

Demnach könne es doch nur gut sein, wenn so viele Menschen wie möglich studieren, Bildung sei schließlich eine Investition in Produktivität und wirtschaftliches Wachstum. Zudem globalisiere sich der Arbeitsmarkt und Deutschland habe sich an internationalen Standards zu orientieren, um mithalten zu können.

Die Ansprüche an einzelne Berufe seien stetig gestiegen, was für eine Verlagerung der betreffenden Ausbildung an die Hochschulen spreche. Außerdem liege es doch auf der Hand, dass eine weiter steigende Studierendenquote wünschenswert ist, solange Akademiker mehr verdienen als Nichtakademiker. Auch die geringere Arbeitslosigkeit unter Akademikern wird als Argument für eine weiter steigende Studierendenquote vorgebracht.

Wir werden sehen, dass keines dieser Argumente bei genauerer Betrachtung haltbar ist. Dies zu erkennen erfordert weder übermäßige Intelligenz noch jahrelange Beschäftigung mit den Befunden der Bildungsforschung.

Umso überraschender ist, dass sich diese Argumente so hartnäckig halten. Darin liegt für mich die eigentliche Herausforderung: Eine attraktive Alternative aufzuzeigen, ein anderes, im Kern humanistisch und pragmatistisch geprägtes Bildungsverständnis zu Grunde zu legen und damit mehr Respekt vor Individualität und kultureller Vielfalt zu zeigen.

Die These des Akademisierungswahns lässt sich in folgender Weise ausdifferenzieren:

1. Es ist falsch, Jugendlichen zu suggerieren, dass sie auf ihrem Bildungsweg gescheitert sind, wenn sie nicht die Hochschulreife erreichen und dann ein Studium aufnehmen.
1.1. Es ist in Sonderheit falsch, die Tatsache zu kritisieren, dass sich ein Teil der Studienberechtigten für einen Ausbildungsberuf entscheidet.
1.2. Es ist falsch, die gestiegenen Abbrecherquoten pauschal als ein didaktisches Versagen der Hochschullehre zu interpretieren.

2. Der generelle Trend, immer mehr Berufsausbildungsgänge zu Hochschulstudiengängen umzubilden, ist falsch.
2.1. Das Bestreben, einen möglichst großen Anteil der Berufsausbildung an die Hochschulen zu verlagern, zeugt von mangelndem Respekt gegenüber der Qualität der beruflichen Bildung.
2.2. Auf diese Verlagerung sind die Universitäten und oft auch die Fachhochschulen nicht vorbereitet.
2.3. Die Akademisierung der beruflichen Bildung ist in der Regel mit einem Qualitätsverlust und nicht mit einem Qualitätsgewinn verbunden.

3. Die demografische Entwicklung lässt die Jahrgangsstärken jedenfalls für den überschaubaren Zeitraum der nächsten zwei Jahrzehnte sinken. Ein weiteres Anwachsen der Studierendenquote bedeutet daher in der Konsequenz ein – sicher unbeabsichtigtes – Abwracken der nichtakademischen Berufsbildung im dualen System.
3.1. Schon heute bestehen die größten Lücken im Arbeitskräfteangebot nicht im akademischen, sondern im nichtakademischen Sektor.
3.2. Nur wenn das gesamte Begabungsspektrum auch in nichtakademischen Berufen präsent bleibt, haben diese eine gute Zukunft.
3.3. Die Vorstellung, sozialer Aufstieg manifestiere sich in einer Abkehr vom Handwerklichen, Technischen und generell vom Praktischen, ist in vielen Kulturen der Welt aus erklärlichen historischen Gründen tief verankert. Und dies beeinflusst auch solche Kulturen, die aufgrund der zünftischen Tradition einen eigenen Handwerkerstolz, eine Hochschätzung des Haptischen, des Technischen, des Handwerklichen und Gestaltenden kennen. Dazu zählt – möglicherweise sogar an vorderster Stelle weltweit – der deutschsprachige Raum in Europa. Aber auch in Italien gibt es diese Tradition, was wenigstens zum Teil das hohe Niveau des verarbeitenden Gewerbes in Italien erklärt.

Eine zentrale Ursache des Akademisierungswahns der letzten Jahre ist der internationale Vergleich. Es lässt sich allerdings rasch feststellen, dass dieser regelmäßig in die Irre führt. So wird die Akademikerquote in den USA gerne mit über 40 % beziffert, während sie – bei Vergleich des Vergleichbaren – nach meiner Einschätzung im Sinne des deutschen Bildungssystems bei unter 10 % liegen dürfte.

Unterschiedliche Bildungssysteme haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Nichts liegt mir ferner, als zu behaupten, die spezifisch deutsche Bildungstradition, die wir gegenwärtig abwracken, sei anderen Bildungssystemen überlegen. Für Bildungschauvinismus besteht keinerlei Anlass.

Was ich aber kritisiere, ist die aktuelle Normierungstendenz, die Standardisierung und Verflachung unter dem Motto der Globalisierung und die damit zusammenhängende Tendenz, Chimären zu entwickeln, das heißt: nicht etwa das US-amerikanische Bildungssystem zu kopieren, sondern einzelne Teile daraus mit anderen Teilen zu kombinieren, ohne dass erkennbar wäre, wie das eine mit dem anderen passend gemacht werden könnte.

Ich wende mich mit dieser Schrift also nicht nur gegen eine falsch verstandene Bildungsglobalisierung, sondern auch gegen den verbreiteten Bildungseklektizismus.

Unterdessen zeichnet sich selbst bei der OECD ein vorsichtiger Kurswechsel ab. Er drückt sich zwar bislang nicht in einer Korrektur der bisherigen Empfehlungen aus, den tertiären Sektor, also den Anteil der Studierenden, besonders in Deutschland und Österreich, deutlich zu erhöhen, um internationale Standards zu erreichen.

Immerhin aber lobte die OECD das duale System in Deutschland mehrfach und regt seine Implementierung auch in anderen Ländern an. Den Gesetzen der Logik folgend müsste die OECD ihre bisherigen Empfehlungen korrigieren, denn das duale System hat bei Fortsetzung des jetzigen Akademisierungstrends keine Zukunft.

Besonders gefreut hat mich, dass diese Debatte am Ende sogar in die Koalitionsverhandlungen, an denen ich noch für einen anderen Bereich, nämlich die Kulturpolitik, teilgenommen hatte, Eingang fand:

»Die berufliche Bildung in Deutschland ist ein Erfolgsmodell und bietet vielen Menschen eine hervorragende Qualifizierung und damit einhergehende positive Karriere- und Lebenschancen. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung unseres künftigen Fachkräftebedarfs und Wohlstands. Die Koalition wird einen Schwerpunkt auf die Stärkung der beruflichen Bildung legen.« Später: »Wir wollen die duale Ausbildung stärken und modernisieren.«

Zur Zeit der Veröffentlichung des Interviews leitete ich die Grundwerte-Kommission der SPD (2009 – 2013), und schon von daher wurden meine Stellungnahmen mit großer Verwunderung aufgenommen.

War es nicht die SPD, die jahrelang für eine unbegrenzte Ausweitung des Hochschulzugangs eingetreten war und das Leistungsprinzip an den Schulen in Frage stellte? Hatten nicht die Konservativen dagegengehalten und vor einem Qualitätsverlust des Gymnasiums gewarnt?

Tatsächlich gab es diese parteipolitischen Frontstellungen vor allem in den 1970er Jahren, aber das ist lange her.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat sich eine allumfassende Koalition gebildet, die den OECD-Standards oder das, was dafür gehalten wird, auch in Deutschland nacheifert.

Selbst die CSU in Bayern rühmt sich unterdessen der Verdoppelung des Jahrgangsanteils der Hochschulzugangsberechtigten innerhalb weniger Jahre. Die Auseinandersetzungen fokussierten seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auf Strukturfragen und klammerten die Bildungsinhalte und die gesellschaftlichen und kulturellen Leitideen in auffälligem Gegensatz zu den Bildungsreformen Anfang des 19. Jahrhunderts, aber auch in den 1960er Jahren weitgehend aus.

Entgegen der Vermutung vieler Journalisten erfuhr ich aus allen Teilen des politischen Spektrums ein erstaunliches Maß an Zustimmung, aber auch gelegentlich deutliche Ablehnung – aus BDI und Grünen-Milieus kam die heftigste Kritik, der »bildungs-ökonomische Komplex« reagierte teilweise allergisch, aus dem Mittelstand, den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, aus der IG Metall und beiden Volksparteien kam dagegen überwiegend Zustimmung.

Das Thema eignet sich einfach nicht für die übliche vordergründige Politisierung. Es ist nicht grundsätzlich konservativ, sich gegen eine weitere Akademisierung auszusprechen, und es ist nicht grundsätzlich progressiv, diese zu befürworten.

Nicht nur die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sondern auch die Bildungsabteilung des Bundes Deutscher Industrie blieben ihrer bisherigen Linie treu und befürworten eine weitere Akademisierung15, obwohl im Jahre 2013 zum ersten Mal die Zahl derjenigen, die ein Studium aufnahmen, höher war als die Zahl derjenigen, die eine Lehre begannen.

Aber die Einsicht wächst, dass eine Fortsetzung des eingeschlagenen Pfades in der Tat schon bald in eine »Bildungskatastrophe« münden könnte. Diese Bildungskatastrophe bestünde dann nicht mehr darin, dass ein Großteil der Bevölkerung, insbesondere aus bildungsfernen Schichten, nur unzureichend gebildet wäre, wie Georg Picht 1964 zu Recht beklagte, sondern in einer umfassenden Dequalifizierung in beiden Bereichen, sowohl dem der beruflichen als auch dem der akademischen Bildung.

Das duale System aus staatlicher Berufsschule und Ausbildung im Unternehmen oder im Handwerksbetrieb würde kollabieren, die Verlagerung von nichtakademischen Ausbildungen an die Universitäten würde diese ihrer Praxisorientierung berauben.

Das Spezifikum eines wissenschaftlichen Studiums, nämlich die Forschungsorientierung, ginge verloren, und eine allgemeine oberflächliche Kompetenzorientierung würde Fachwissen generell entwerten. Einige Spitzenuniversitäten würden sich in der Forschung hervortun und wissenschaftliche Nachwuchskräfte heranbilden, während das Gros der Studierenden mit Wissenschaft nicht wirklich in Kontakt kommt: Kaum Bildung für die Vielen, Exzellenz für ganz Wenige.

Die privaten Angebote im Bildungssektor würden den Zusammenhang zwischen Geldbeutel der Eltern und eigenem Bildungserfolg verdichten und die seit den 1980er Jahren auch in Deutschland zunehmend erkennbare Bildungsklassengesellschaft verfestigen.

Die USA sind – entgegen ihrer Tradition – im Bildungswesen sozial noch selektiver als Deutschland. Das Vorbild würde, jedenfalls vor dem Hintergrund der deutschen und europäischen Bildungstradition, zum Albtraum.

Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland, das nach wie vor, anders als in fast allen übrigen westlichen Ländern, eine zentrale Rolle spielt, würde mangels geeigneter akademischer und nichtakademischer Fachkräfte ins Ausland abwandern. Made in Germany verlöre seinen Glanz.

Das 80-Millionen-Volk, das zusammen mit den USA (317 Mio. Einwohner) und China (1,34 Mrd. Einwohner) um den ersten Platz als Exportnation ringt, würde auf die mittleren Plätze abrutschen. Die deutsche Bildungs-Jeremiade hätte endlich Substanz.


Damit es nicht so weit kommt, ist eine neue Reformperspektive erforderlich, die Humanisierung und Leistungsanspruch, Differenzierung und gleiche Anerkennung, Globalisierung und Vielfalt verbindet.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:

"Der Akademisierungswahn. Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung" von Julian Nida-Rümelin, Körber-Stiftung, 256 Seiten mit 5 Tabellen und 7 s/w-Abbildungen, Klappenbroschur | 13 x 20 cm
ISBN: 978-3-89684-161-2, 16,00 € (D)

huffingtonpost.de 25/10/2014

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Kevin Kraus
23.10.2014 20.43
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Astrid Schulz an Eltern im SHEV

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann im Interview
Bildung und Bildungsexperten: „Das schließt einander aus“


21.10.2014, 12:42 Uhr | t-online.de

Sogenannte Bildungsexperten, Medienschaffende, Politiker – alle fordern sie Reformen, wenn es um das Thema Bildung geht. Dabei wissen die meisten gar nicht, was Bildung eigentlich bedeutet, glaubt der österreichische Philosoph und Universitätsprofessor Konrad Paul Liessmann. Sein neues Buch „Geisterstunde – Die Praxis der Unbildung“ ist eine Polemik, in der er scharfe Kritik am deutschen Bildungssystem übt – wie auch im Interview mit t-online.de.

t-online.de: „Geisterstunde“ – was steckt hinter diesem Buchtitel? Warum beginnen Sie jedes Kapitel mit „Es ist gespenstisch“?


Konrad Paul Liessmann: Weil ich der Meinung bin, dass es im Bildungssystem Fehlentwicklungen gibt, die gespenstische Züge tragen. Diese Phänomene sind wie Geister, die auftauchen. Plötzlich kursieren Begriffe, die keiner mehr zu hinterfragen wagt: Inklusion, Individualisierung, Pisa, Bologna. Das Ganze wird dann in irgendeiner Schul-, Lehrplan- oder Studienreform umgesetzt und kurze Zeit später wieder revidiert. Das ist wie ein Spuk. Kaum ist es da, ist es schon wieder weg.
Denken Sie an die Debatte in Deutschland um G8/G9. Was war das für ein Geschrei. Dann macht man das, verunsichert Eltern und Schüler und kommt nach zwei oder drei Jahren darauf, das war doch nicht so toll. Dann kehren die einen wieder zu G9 zurück, die anderen bleiben dabei, die dritten versuchen vielleicht etwas ganz anderes. Das ist nichts Wirkliches mehr, nur noch Oberfläche. Ein gespenstisches Phänomen.

Wo liegt denn der Fehler? Sind die falschen Leute am Werk?

Medien, Bildungsexperten, Bildungspolitiker haben ganz verschiedene Vorstellungen davon, was falsch läuft. Jeder fordert schnell eine Reform. Das heißt, die Analyse ist schon einmal sehr ungenau und unausgegoren. Das Zweite ist, wir tendieren dazu, anlassbezogene Reformen zu machen: Da ist irgendwo der Fall eines Kindes oder einer Problemschule und schon glauben wir, wir müssen gleich eine große Reform machen. Anstatt erst zu versuchen – was ja das Vernünftige ist – im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu schauen, kann ich das lösen oder nicht. Reformen sind immer teurer als mit den vorhandenen Mitteln etwas zu verbessern. Und drittens: Ich glaube, wir können vor allem im Bildungssektor eine Reformgetriebenheit beobachten. Jeder Bildungspolitiker glaubt versagt zu haben, wenn er nicht irgendeine Reform umgesetzt oder zumindest verkündet hat. Das führt dann zu Hektik und kontraproduktiven Entwicklungen.

[...]

Die Bildungsexperten – brauchen wir die überhaupt?

Wir brauchen keine Bildungsexperten – wir brauchen Bildung. Man könnte auch sagen, wir brauchen gebildete Bildungsexperten, aber das schließt einander offenbar aus.

Das Interview führte Maria Magdalena Held.

Text vollständig bei t-online.de 21.10.2014

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