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Rat für deutsche Rechtschreibung
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Norbert Lindenthal
09.10.2014 05.50
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Re: Rat für deutsche Rechtschreibung

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg

Eichinger: Also das ist sicher war, …


- – -

… erstaunlich, wie man als Professor herumeiern kann …
__________________
Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
08.10.2014 20.47
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Rat für deutsche Rechtschreibung

„Eine gewisse Übung wäre wieder gut“

Ludwig Eichinger im Gespräch mit Kate Maleike

Vor zehn Jahren wurde der Rat für deutsche Rechtschreibung gegründet. Die Rechtschreibleistung sei heute nicht viel schlechter, sagt Ratsmitglied Ludwig Eichinger. Allerdings fehle in vielen Bereichen die Übung. Eine grundlegende Rechtschreibreform sei auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Kate Maleike:
Heute vor genau zehn Jahren haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer zusammengesessen und entschieden, den Rat für deutsche Rechtschreibung zu gründen, und zwar als Antwort sozusagen auf die heftige Kritik, die es in der Öffentlichkeit, speziell in Schulen und in den Medien, nach der Reform der Rechtschreibung gehagelt hatte. Damals hatten viele Neuerungen, die eigentlich als Erleichterung geplant waren, auf Aufschreie gesorgt. Zum Beispiel, dass ein stummes h nicht mehr geschrieben werden muss, bei Spagetti zum Beispiel, oder dass Flussschifffahrt nun mit drei s und drei f geschrieben wird oder das „dass“ eben mit doppeltem s und nicht mehr mit Buckel-S. Die Rechtschreibung verwirrt Schüler eher, statt zu helfen, und durch die Reform würden mehr Fehler entstehen – so wird noch bis heute kritisiert. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der aus circa 30 Vertretern besteht aus deutschsprachigen Ländern, hat also nun seit gut zehn Jahren die Aufgabe, den Sprachfrieden wiederherzustellen, vor allem den schulischen Sprachgebrauch zu beobachten. Mit Professor Ludwig Eichinger, einem der Ratsmitglieder, möchten wir jetzt Bilanz ziehen. Herr Eichinger ist auch Direktor des Deutschen Institutes für Deutsche Sprache in Mannheim. Guten Tag!

Ludwig Eichinger: Guten Tag!

Maleike: Wie fällt denn Ihre Bilanz jetzt aus, haben Sie den Sprachfrieden schaffen können?

Eichinger: Wir haben den Sprachfrieden in einem Ausmaß, wie man das schaffen kann, glaube ich, geschafft. Dadurch, dass wir gewisse Dinge, die so stark gegen den Schreibgebrauch und die Üblichkeit gingen, ein bisschen wieder zurückgefahren haben und so die alte Systematik des Schreibens ein bisschen stärker hergestellt haben, haben wir, glaube ich, bis 2006, wo ja der erste Arbeitsschritt des Rates war und wo das letzte Mal dann die Kultusministerkonferenz auch Änderungen am Regelwerk dann akzeptiert hat, haben wir, glaube ich, einen Kompromiss gefunden, von dem man sagen kann, er ist ganz gut akzeptiert worden, weil er auch an manchen Stellen, wo die Sachen wirklich unklar sind, ein bisschen mehr offengelassen hat, sodass dann auch Wahl des Schreibens besteht.

„Die Bedingungen für Rechtschreibung haben sich ja insgesamt geändert“

Maleike: Was sagen Sie denn zu den allgemein geäußerten Kritiken, dass die Rechtschreibung in Deutschland ein Problemfall ist?

Eichinger: Also die Bedingungen für Rechtschreibung haben sich ja insgesamt geändert. Wir schreiben ja viel weniger von Hand und wir schreiben sehr viel häufiger mit dem Computer und auch mit dem Rechtschreibprogramm. Und die Rechtschreibprogramme sind noch immer nicht sehr kontextsensitiv, und dann korrigieren sie uns manchmal was, was wir eigentlich so schreiben möchten und so was Ähnliches, sodass es eine Reihe von Faktoren gibt, die eine erhöhte Verunsicherung machen. Und sicherlich hat auch die Rechtschreibreform, die sicher nicht gut gemanagt war sozusagen, zur Verunsicherung der Menschen beigetragen. Aber tatsächlich, glaube ich, sind die Rechtschreibleistungen nicht viel schlechter. Ich sage ja immer, wenn heutzutage jemand es mit den zwei s und dem ß hat, dann hat er eigentlich die Hauptregel, die man ganz grundsätzlich haben muss, erkannt, und an vielen anderen Stellen kann man ja ein bisschen konservativer und ein bisschen weniger konservativ schreiben, und dann macht man eigentlich kaum Fehler.

Maleike: Also verstehen wir Sie richtig, Sie sagen, es ist gar nicht so schlecht mit der Rechtschreibung in Deutschland, wie das zum Beispiel gerne mal Arbeitgeber sagen über die Lehrlinge, die da kommen, oder aber auch Hochschulprofessoren über die Qualität ihrer Studenten?

Eichinger: Sagen wir mal so, Rechtschreibüben ist vielleicht ein bisschen stärker außer Praxis gekommen, weil wir eben so viel mit dem Computer schreiben, wo uns viel selber korrigiert wird. So gesehen ist es sicher so, dass in vielen Bereichen zur Übung zur Rechtschreibung fehlt, vielleicht auch in der Schule über längere Zeit die Rechtschreibung vielleicht keine so große Rolle gespielt hat. Also so gesehen stimmt das schon, dass eine gewisse Übung in der Rechtschreibung wieder gut wäre und dass es auch sicher eine gewisse Verunsicherung gab, weil durch die Rechtschreibreform die Sachen sich so oft geändert haben. Ich hoffe aber, dass diese Verunsicherung auch allmählich wieder ausläuft.

„Niemand will auch eine Reform um der Reform willen“

Maleike: In einer Pressemitteilung von Ihrem Rat wird ja gefordert auch, dass mehr für den Erwerb der Orthografie in der Schule getan werden kann, weil da zu wenig Zeit eigentlich ist.

Eichinger: Also das ist sicher war, dass insgesamt eben grammatische und Rechtschreibdinge im Unterricht kontinuierlich einen guten Platz bräuchten. Es ist auch so, dass offenkundig ja zum Beispiel nach der sechsten oder siebten Klasse kaum mehr im Lehrplan überhaupt irgendetwas Rechtschreibliches vorkommt, und das heißt, komplexere Dinge, da wo es Schwierigkeiten macht, die man den kleinen Kindern noch gar nicht beibringen kann, werden eigentlich weniger geübt, als sich das gehören würde, sodass wir zweifellos denken, dass so die Kompetenz in Rechtschreibung doch im Unterricht einen gehörigen Platz bekommen sollte.

Maleike: Droht uns eigentlich eine Reform der Reform, also stricken Sie noch mal an einer Rechtschreibreform?

Eichinger: Nein. Also ich glaube, niemand will auch eine Reform um der Reform willen. Es ist ja so, dass der Rat für Rechtschreibung die Aufgabe der Sprachbeobachtung jetzt hat, und es gibt ja wirklich auch ein paar Alternativen manchmal in der Schreibung. Und wenn sich herausstellen sollte, dass bestimmte Alternativen überhaupt nicht mehr gebraucht werden oder so was, dann würden wir vermutlich an einzelnen Stellen den Ratschlag geben, ob man das nicht, eine Alternative mal sozusagen abschafft. Aber eine grundlegende Rechtschreibreform ist ja auf absehbare Zeit und ich denke auf Jahrzehnte, heißt es, nicht zu erwarten.

Maleike: Professor Ludwig Eichinger war das. Er ist Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung, dessen Gründung heute vor genau zehn Jahren von den Ministerpräsidenten beschlossen wurde, um Sprachfrieden nach der heiß diskutierten Rechtschreibreform zu schaffen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

deutschlandfunk.de 8.10.2014

Siehe auch hier und als Kommentar dies.
Aufschlußreich Th. Ickler bei sprachforschung.org.

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Sigmar Salzburg
16.08.2014 07.46
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Arbeitstourismus der Nichtsnutzigen

Rat für deutsche Rechtschreibung in Rietberg

[Bild: Der 40-„Köpfige“ auf acht geschrumpft]

Rietberg. Nicht „Hinz und Kunz“ – nein, der Rat für deutsche Rechtschreibung stattete Rietberg einen jetzt Besuch ab. Der Rat befasst sich mit der Beobachtung des gegenwärtigen Sprachgebrauchs und mit der Bewahrung der Einheitlichkeit der Rechtschreibung* im deutschen Sprachraum. Jetzt tagte der Rat in Gütersloh [!] und einige Mitglieder erkundeten im Anschluss Rietberg. Denn die Themenführung „Sprichwörtlich gut oder aus dem Nähkästchen geplaudert“ ist schließlich genau das Richtige für die Sprachwissenschaftler.

Eingeladen hatte Sabine Krome, Chefredakteurin Wahrig bei Brockhaus. In strahlendem Sonnenlicht präsentierte sich die wunderschöne Fachwerkkulisse der Stadt, die in diesem Jahr 725 Jahre alt wird.

Interessantes aus der Geschichte, Informationen über einzelne Häuser und das Leben in Rietberg, gepaart mit Redewendungen und Sprichwörtern – die Stadtführerin Ingrid Steffens konnte so einige davon „aus dem Ärmel schütteln“. Für beste Unterhaltung war gesorgt – „worauf man Gift nehmen kann“.

Auch die Weiterentwicklung der Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks gehört zu seinen Aufgaben. Der fachkundige Kreis zeigte sich von der Themenführung begeistert und voll des Lobes. „Sie haben es geschafft, uns in eineinhalb Stunden die volle Breite und Tiefe des schönen Städtchens Rietberg und mit einem kurzweiligen historischen Durchlauf auch die deutsche/ostwestfälische Landschaft der Sprichwörter- und Redewendungen zu erschließen. Alle Teilnehmer waren begeistert“, bedankte sich Sabine Krome.

Eine besondere Freude bereitete die Chefredakteurin der Rietberger Stadtführerin mit einem Präsent: dem neuen Wahrig-Buch mit Zitaten und Redewendungen. Viele der bei der Führung zu hörenden Redensarten sind dort wiederzufinden – aufgelistet in übersichtlicher Form ein Buch zum Schmökern...

Neue Westfälische 16.6.2014

Der Gebrauch des deutschen Schluß-ß ist fast so alt wie die Stadt Rietberg. Vielleicht könnte der Rat ja die „Reform“ in Richtung auf die Wiederherstellung dieses alten schönen Brauchs weiterentwickeln. Das wäre dann aber auch fast ihr Ende.

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Sigmar Salzburg
13.11.2013 21.24
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Regelwächter

Prominenter Linguist verlässt den Rechtschreib-Rat

Spektakulärer Rücktritt im Rat für Rechtschreibung: Der Linguist Peter Eisenberg kündigt seine Mitarbeit auf. Es gab offenbar Streit um neue Erklärungen zu vereinfachten Kommaregeln.

Von Dankwart Guratzsch

Im Rat für deutsche Rechtschreibung ist es zu einem Eklat gekommen. Der von der Akademie für Sprache und Dichtung entsandte Potsdamer Linguist Peter Eisenberg hat nach „Welt“-Informationen seine Mitarbeit aufgekündigt.

Eisenberg ist bereits der dritte prominente Sprachwissenschaftler, der nach der 1996 in Kraft getretenen Rechtschreibreform zurücktritt. Er war wesentlich an der Straffung und Umformulierung der Regeln in eine verständliche Sprache beteiligt. Die Fortsetzung dieser Arbeit ist nun gefährdet.

Der Rechtschreibrat hat bislang keine Erklärung zu dem Rücktritt herausgegeben. Auf „Welt“-Anfrage sagte Geschäftsführerin Kerstin Güthert lediglich: „Das ist ja nicht der erste Wechsel und deshalb nichts Außergewöhnliches.“ Im Sekretariat der Kultusministerkonferenz äußerte sich der Leiter der Schulabteilung Tobias Funk überrascht; man sehe aber „keinen Anlass für eine Reaktion“.

Instanz für die Einheitlichkeit der Rechtschreibung

Dabei haben bereits mehrere spektakuläre Austritte auf Auseinandersetzungen in dem Gremium hingedeutet, das als zentrale Instanz für die Einheitlichkeit der Rechtschreibung sorgen soll. So hatte sich als erster prominenter Linguist schon ein Jahr nach der Reform von 1996 der Erlanger Sprachwissenschaftler Horst Haider Munske aus der damaligen Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung zurückgezogen.

Sein Schritt galt als aufsehenerregend, weil Munske ursprünglich selbst zu den glühenden Verfechtern einer Rechtschreibreform gehört hatte. Die dann aber beschlossenen Neuerungen betrachtete er als "Überrumpelungsaktion“ der Kultusminister der Länder und erklärte schließlich enttäuscht: „Was ich nicht für richtig halte, will ich nicht mitverantworten.“

2006 war dann Theodor Ickler als zweiter prominenter Kritiker aus dem Rechtschreibrat ausgestiegen, auch er aus Protest gegen die Reform.

Seit 2003 an Kompromiss gearbeitet

Nun wiegt der Fall Eisenberg besonders schwer: Denn wie Munske hatte er der Kommission schon einmal den Rücken gekehrt und sich 1998 dem Protest von 600 Fachkollegen angeschlossen. Seit 2003 saß der Potsdamer Wissenschaftler dann aber für die Akademie für Sprache und Dichtung an einem Kompromissvorschlag. Und 2005 stellte er sich dem Rechtschreibrat erneut zur Verfügung, wo er dann zu den wichtigsten Überarbeitern der neuen Schreibregeln gehörte. Am ersten Rückbau der Reform 2006, bei dem viele alte Schreibungen wieder zugelassen wurden, hatte Eisenberg wesentlichen Anteil.

Eisenbergs neuerlicher Ausstieg bedeutet für die weitere Arbeit des Rates eine Zäsur. Erst im Oktober hatte das zwischenstaatliche Gremium nämlich öffentlich eingestehen müssen, dass nur noch „22 Prozent der getesteten Schülerinnen und Schüler in der 9. Jahrgangsstufe als kompetente Rechtschreiber angesehen werden“ können. 27,2 Prozent erreichen demnach „die in den Standards der deutschen Kultusministerkonferenz formulierten Erwartungen nicht“.

Die konkreten Auswirkungen der Rechtschreibreform auf diese Fehlerhäufigkeit wurden in der Stellungnahme zwar nicht explizit erwähnt, ein Zusammenhang also nicht hergestellt. Eine repräsentative Untersuchung dazu hat der Rat aber auch weder selbst erarbeitet noch in Auftrag gegeben. Selbst die oben genannten Vergleichszahlen sind nur im Anhang des Schriftsatzes versteckt. Grundsätzliche Fragen darf sich der Rat seinem Auftrag gemäß nicht stellen: Zwar soll er sich mit der „Weiterentwicklung“ der Rechtschreibung befassen, jedoch nur „im unerlässlichen Umfang“.

Regelwerk wird für unverständlich gehalten

Das Werk als solches infrage zu stellen, ist ihm also nicht erlaubt. Dabei sehen viele Lehrer und Fachwissenschaftler einen maßgeblichen Grund für die mangelnde Akzeptanz der neuen Rechtschreibung gerade darin, dass das Regelwerk unverständlich und widersprüchlich sei. Peter Eisenberg macht deutlich, was dies in der Schulrealität bedeutet: „Die Lehrer wissen teilweise nicht, warum eine bestimmte Regel gelten soll. Deshalb können sie das Regelwerk den Schülern auch nicht anschaulich vermitteln.“

Überdies wird die sperrige Textfassung der Regeln als Ursache dafür angesehen, dass der Duden erstmals seit Jahrzehnten davon absieht, die geltenden Regeln in seinen neuesten Auflagen abzudrucken. Darum hatte der Rat 2010 beschlossen, einen „Paralleltext“ zu den amtlichen Regeln zu verfassen, der „halb so lang und doppelt so verständlich“ (Eisenberg) wie der des vorliegenden Regelwerks sein sollte. An der Ausarbeitung war Peter Eisenberg maßgeblich beteiligt, der nun berichtet, dass das zentrale Kapitel zur Groß- und Kleinschreibung auch bereits einvernehmlich abgesegnet sei.

Vor Beschlussfassung über den zweiten Komplex, die Vereinfachung der Kommaregeln, aber legten sich laut Eisenberg „Beharrungskräfte“ im Rat quer, weil sie eine Aufweichung der Reform im Ganzen befürchteten. Die Arbeit an der Vereinfachung wurde auf Ratsbeschluss eingestellt. Für den Potsdamer Linguisten war damit einer weiteren Zuarbeit der Boden entzogen. Seinerseits stellt sich der Rat nun den Auftrag, erneut zu prüfen, wo die Schwachstellen des amtlichen Regelwerks liegen.

Rücknahme von 17 „Verdeutschungen“

Frühere Prüfungen dieser Art sind langwierig und überwiegend ergebnisarm verlaufen. Ein Musterbeispiel hierfür ist die Zulassung von drei Neuschreibungen und die Rücknahme von 17 „Verdeutschungen“ von Fremdwörtern im Jahr 2010. Dabei wurden ernsthaft Varianten diskutiert, die eher als Scherz empfunden werden mussten: So sollte unter anderem „Fassette“, „Kabrio“, „Krem“, „Scharm“, „Schose“, „transchieren“ geschrieben werden dürfen, ohne dass der Schüler Fehler angestrichen bekam.

Charakteristisch für die Leistungskraft des Rechtschreibrates sind die folgenden Daten. Um in gründlicher „wissenschaftlicher Einschätzung“ festzustellen, dass derlei Schreibweisen kaum verwendet werden, brauchten die Hüter der Rechtschreibung in Kommission und Rat von 1996 bis 2010.

Noch ernüchternder ist eine zweite Bilanz: Nach der Stornierung von Eisenbergs „Paralleltext“ bleibt die oben genannte Liste der 20 Wörter die einzige vorzeigbare Leistung des Rechtschreibrates in sieben Jahren. Dem steht eine beachtliche Reisebilanz gegenüber, die die Mitglieder unter anderem bis nach Eupen, Wien und Südtirol geführt hat.

Welt.de 13.11.2013

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Sigmar Salzburg
20.05.2013 20.41
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Ein fast ehrliches Eingeständnis des völligen Versagens der Politiker!

[Donaukurier:]

„Die Rechtschreibreform ist kein Ruhmesblatt“

Ingolstadt (DK) Der CSU-Politiker Hans Zehetmair gehörte von 1986 bis 2003 als Minister dem Regierungskabinett in Bayern an. Über viele Jahre hinweg verantwortete er das Schulwesen in Bayern. Nach dem Ende seiner aktiven politischen Laufbahn übernahm der heute 77 Jahre alte Erdinger den Vorsitz im Rat für deutsche Rechtschreibung, den die Kultusministerkonferenz nach den Turbulenzen um die Rechtschreibreform 2004 gegründet hatte. Seit neun Jahren ist er auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Herr Zehetmair, als Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung beschäftigen Sie sich mit den Folgen und Nachwirkungen der Rechtschreibreform. Macht das Spaß?

Hans Zehetmair: Spaß? Nein. Diese Aufgabe habe ich mir bestimmt nicht gewünscht. Das ist eher ein Bußgang für mich.

Ein Bußgang?

Hans Zehetmair: Im Rückblick muss man sagen, dass die Rechtschreibreform kein Ruhmesblatt war und ist, weder für die Politik noch für die Wissenschaft. Der Fehler der Politik war, dass wir uns mit dieser Reform nicht befasst haben.

Obwohl Sie als langjähriger bayerischer Kultusminister selbst daran beteiligt waren?

Hans Zehetmair: Ich bin froh, dass Sie diese kritische Frage stellen. Ja, ich schließe mich da nicht aus. Ich habe das Thema genauso wenig geliebt wie die anderen 16 Kultusminister der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb haben wir die Wissenschaftler einfach machen lassen. Als dann die ersten Zwischenberichte vorlagen, habe ich als einsamer Rufer in der Wüste gesagt, dass ich nicht mitmachen werde. Aber insgesamt, diesen Vorwurf muss ich mir heute machen, habe ich mich zu wenig um die Reform gekümmert.

17 Kultusminister [?] scheren sich nicht um eine Jahrhundertreform der deutschen Sprache? Eine abenteuerliche Vorstellung, oder?

Hans Zehetmair: Ich glaube, die Bürger haben das damals auch gespürt. Deshalb waren die ganze Wut und Empörung so groß, die 2002 und 2003 in der Gesellschaft hochkamen. Die Ministerpräsidenten Wulff in Niedersachsen und Stoiber in Bayern haben dann gesagt, dass sie nicht mitmachen und die ganze Reform rückgängig machen würden. Das ging aber nicht, weil die Wörterbücher schon gedruckt waren und weil in den Grundschulen bereits die reformierte Rechtschreibung gelehrt wurde. [???]

Wie ging es weiter?

Hans Zehetmair: Die Kultusminister der Länder baten mich 2004, den Vorsitz zu übernehmen für einen neu zugründenden Rat für deutsche Rechtschreibung. Die Aufgabe war, die Reform zu reformieren. Ich fühlte mich verantwortlich, das Ganze wieder so hinzukriegen, dass auch die gewöhnlichen Sprachnutzer sich wieder mit dem Deutschen identifizieren konnten und wollten. Also habe ich mich daran gemacht. Es war eine mühsame Prozedur. Ich musste bei Beschlüssen zwei Drittel Mehrheit bekommen von 40 Mitgliedern des Rates.

Wie sieht die Arbeit des Rates aus?

Hans Zehetmair: Wir haben uns in den ersten Jahren sechs- bis achtmal im Jahr getroffen, heute kommen wir jedes Jahr zwei oder dreimal zusammen. Wir mussten die Reform so zurückzuschrauben, dass gewöhnliche Leute damit etwas anfangen können. Das war nicht einfach, wenn man als Politiker den hochgebildeten Leuten im Rat sagen muss, dass man auch von der breiten Masse verstanden werden muss und dass man die, die noch schreiben und Bücher oder Zeitungen lesen, nicht missachten darf.

Können Sie Beispiele nennen?

Hans Zehetmair: Nehmen wir das Komma. In der ersten Fassung der Reform waren die Satzzeichen völlig ausgemerzt. Die schwierigste Aufgabe für mich war, im Rat einen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Einzugestehen, dass man doch zu weit gegangen ist, fällt nicht nur Politikern schwer, sondern auch Wissenschaftlern.

Umso erstaunlicher ist Ihre Offenheit.

Hans Zehetmair: Es geht nicht anders. Natürlich gibt es ältere Bürger, die einfach keine Lust haben, sich an die neuen Regeln zu gewöhnen. Kaiser Wilhelm hat Anfang des 20. Jahrhunderts auch gesagt, dass er die damals neue Rechtschreibung nicht anwenden werde, und er hat das auch nicht getan. In erster Linie geht es um die jungen Menschen, für die brauchen wir einheitliche Schreibregeln, ob in der Schule, in der Arbeit oder beim Umgang mit Behörden.

Manche Schriftsteller wie Hans Magnus Enzensberger oder Christoph Ransmayr schreiben weiter nach den alten Regeln.

Hans Zehetmair: Das macht nichts. Ich meine, es muss nicht alles uniformiert werden wie etwa in Österreich, wo in der Schule grundsätzlich nur Bücher besprochen werden, die in der neuen Rechtschreibform vorliegen.[!!!] Die Sprache ist ein Gebilde, das lebt und das sich verändert. Streit gibt es heute nur noch um die Fehlerquelle im Gebrauch von „dass“ und „das“. Wir als Bayern können das leicht mit einer Eselsbrücke überbrücken: Wenn man statt das auch des sagen kannst, dann ist es ein einfaches s. Beispiel: I woas, dass des richtig ist.

Haben Sie auch dazu beigetragen, die Zeitungen zu befrieden? Die Frankfurter Allgemeine zum Beispiel hat lange Widerstand geleistet.

Hans Zehetmair: Ich war damals bei den Herausgebern der FAZ und habe rasch bemerkt, dass auch in der Spitze ein Kampf um die Rechtschreibung entbrannt ist. Erst ist der „Spiegel“ eingeschwenkt auf die neuen Regeln, dann sind die anderen gefolgt. [???]

Die „FAZ“ weigert sich aber auch heute noch, Stengel mit ä zu schreiben.

Hans Zehetmair: Zu Recht! Der Stängel gehört zu den Fällen, die wir noch korrigieren müssen. Auch die Kleinschreibung von du und dir in der direkten Anrede war so ein Fall. Ich habe damals im Rat gesagt, das sei ein persönliches Anliegen von mir, dass sie wenigstens durchgehen lassen, in Briefen und vertraulichen Kontakten das Du und Dein weiter großschreiben zu können. Das habe ich Gott sei Dank durchgesetzt.

Was von den Regeln der Rechtschreibreform tut Ihnen heute noch weh?

Hans Zehetmair: Nicht mehr viel. Sogar mit den Trennungsregeln habe ich meinen Frieden gemacht. Dass man Fenster jetzt auch Fens-ter trennen kann, damit kann ich leben. Ebenso, dass man Schifffahrt mit drei f schreibt. Die Lautfärbungen tun mir noch weh, also Stängel oder Gämse. Daran arbeiten wir.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, die Uhr wieder zurückzudrehen: Würden Sie das tun?

Hans Zehetmair: Ich habe mich so lange und so intensiv mit der Reform beschäftigt, dass es mir davor grauen würde, alles wieder auf Null zu stellen.[!!!] Ich würde sagen, 100 Jahre nach der letzten Rechtschreibreform war es an der Zeit, die Orthografie fortzuschreiben. Dass die Politik das Thema an sich gezogen hat, das sollte sich aber nie mehr wiederholen. Das ist nicht Aufgabe der Politik, und dafür ist sie auch nicht kompetent.

Bei zahlreichen Schreibweisen sind zwei Varianten zugelassen. Da fragt man sich, ob solche Konzessionsentscheidungen letztlich der Sprache nicht eher schaden.

Hans Zehetmair: Wir sollten froh sein, dass wir in diesen Fällen die Wahl haben. Es war der einzige Weg, bestimmte Schreibweisen überhaupt durchzubringen. Ich glaube, wir haben die Reform inzwischen ganz gut hinbekommen.[???] Ich sorge mich viel mehr darum, dass die Leute überhaupt noch richtig schreiben und nicht nur Wortfetzen wie beim Twittern benutzen.

Heute haben mitunter selbst promovierte Akademiker Mühe, fünf Sätze nacheinander ohne Kommafehler hinzukriegen. Was läuft da falsch?

Hans Zehetmair: Das ist nicht eine Folge der reformierten Rechtschreibreform, dafür ist die noch zu jung. Ich denke, es liegt daran, dass sich viele Lehrer in der Schule nicht mehr so um eine saubere Orthografie kümmern. Dieses Vernachlässigen der Rechtschreibung, auch schon in der Grundschule, trägt irgendwann schlechte Früchte. Ich habe vor Kurzem selber eine Magisterarbeit korrigiert, als Zweitkorrektor. Die Arbeit hatte so erhebliche Rechtschreibmängel, dass ich sie der jungen Lehrerin zurückgegeben habe. Wo kommen wir da hin, wenn schon die Lehrer nicht mehr wissen, an welche Stelle man ein Komma setzt?

Das Interview führte Gerd Schneider.

donaukurier.de 17.5.2013

[Wegen meiner noch andauernden Schreibbehinderung habe ich mich auf einige Frage- und Ausrufezeichen im Text beschränkt.]

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Sigmar Salzburg
24.03.2013 18.19
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Nur unabhängige Sachverständige zulassen!

Die Pharmaindustrie soll Leitlinien beeinflusst haben

Für Pharmafirmen sind Leitlinien ebenfalls wichtig: Sobald ein neues Medikament darin aufgenommen wird, „sind hohe Umsätze garantiert“…
Ein großes Problem war auch die fehlende Unabhängigkeit der Autoren. Empfehlung des IQWiG [Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen]: „Personen mit bedeutsamen Interessen hinsichtlich der beurteilten Therapien und Methoden sollten aus Leitliniengruppen generell ausgeschlossen werden.“
spiegel.de 24.3.2013

Nach dieser Empfehlung müßten die meisten Mitglieder des Rechtschreibrates ausgeschlossen werden. Aber die tun ja sowieso nichts mehr. Sie haben ihr Ziel, die wichtigsten Abtrünnigen heim ins Reich der Reformen zu locken, längst erreicht.

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Sigmar Salzburg
27.02.2013 21.02
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Missetäter und Retter der „Reform“

Großes Verdienstkreuz mit Stern für Hans Zehetmair
Horst Seehofer überreicht Bundesverdienstkreuz


München (ots) – Bundespräsident Joachim Gauck hat an Staatsminister a.D. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair für dessen langjährige Verdienste in Staat und Gesellschaft das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen…

Originaltext der Laudatio:
Herr Dr. Zehetmair setzt sich seit vielen Jahren in herausragender Weise für Bayern und Deutschland ein. Seit Jahrzehnten ist Herr Dr. Zehetmair in bildungs- und kulturpolitischen Fragen tätig. Dr. Hans Zehetmair wurde 1986 Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, 1989 auch Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. 1990 bis 1998 bekleidete er das Amt des Bayerischen Staatsministers für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst. 1993 bis 1998 hatte er zudem das Amt des Stellvertretenden Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern inne. 1998 bis 2003 war er Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Darüber hinaus hat er sich seit 2004 als langjähriger Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung herausragende Verdienste erworben.

presseportal.de 22.2.2013

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Sigmar Salzburg
21.12.2012 17.14
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Zehetmair ruft sich wieder in Erinnerung

Dabei kann er vom Rechtschreibrat nichts vorweisen, denn der tut nichts, und das Wort „Rechtschreibreform“ darf er nicht in den Mund nehmen, denn das soll aus der öffentlichen Diskussion verschwinden (lt. Abendzeitung):

Rechtschreibrat-Chef Zehetmair: Twitter und SMS schaden der Sprache
Nur noch tippen statt schreiben: Die digitalen Medien zerstören die Sprachkenntnisse der jungen Generation, meint Hans Zehetmair.


Twitter und SMS gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair das deutsche Sprachgut. „Die deutsche Sprache wird immer weniger gepflegt“, beklagte Zehetmair in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Deutsche verarme in den neuen Medien zu einer „Recycling-Sprache“, werde immer mehr verkürzt und vereinfacht und ohne Kreativität wiedergekäut.

Der Sprachverfall betreffe vor allem die junge Generation. Das Vokabular der Jugendlichen sei bei SMS und Twitter generell sehr simpel, die Rechtschreibung fehlerhaft.

[Die institutionelle Verachtung normaler Rechtschreibung gibt es erst seit der „Rechtschreibreform“, die zu verhindern Zehetmair versagt hat.]

„Alles ist super, top, geil, aber nicht mehr authentisch“, kritisierte Zehetmair. „Ich will die moderne Technik nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung nicht vereinnahmen lassen.“

[Vereinnahmt genehmigte er einst als allein richtig den Schwachsinn „Schwindel erregend“ – jetzt soll man seine Warnung vor Vereinnahmung ernst nehmen?]

Ebenso leide die Verständigung unter Mitmenschen, wenn jeder mit seinem Handy in der Ecke sitze und nicht mehr mit anderen spreche, sagte der ehemalige bayerische Kultusminister: „Einer SMS mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit.“

[Dann müßte auch der Gebrauch von Herzsymbolen verboten werden.]

Auch die Anglizismen sind ihm ein Dorn im Auge: „Es hat nichts mit einem höheren Bildungsgrad zu tun, wenn man Wörter auf Englisch sagt, die man ebenso auch auf Deutsch formulieren könnte.“

[Schon richtig, aber das müßte von den Schulen ausgehen. Meinem Jungen wurde in der Grundschule schon das Wort „Cleverness“ aufgedrängt, weil es so schön zur neuen ss-Regel paßte.]

I-Pad, Twitter und das Kurzmitteilungsprogramm WhatsApp sollten Kinder daher erst benutzen, wenn sie schon gefestigte Deutsch-Kenntnisse hätten – unter 14 Jahren sind diese Kommunikationsmittel nach Ansicht Zehetmairs entbehrlich. „Wenn man stundenlang vor dem I-Pad sitzt, färbt das eben ab.“

[Unsinn. Ich habe mit 12 Morsen gelernt, und es hat mir auch nicht geschadet.]

Der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung rief dazu auf, gutes Deutsch zu pflegen und wieder lebendig zu machen: „Wir müssen wieder um Worte ringen“, so Zehetmair. „Wenn ein Arzt keine Operationen mehr durchführt, verlernt er sein Handwerk und der Patient leidet. Wenn man nur noch verkürzt kommuniziert, leidet die Sprache.“ Sprache dürfe kein „dürres Gerippe“ sein, sondern müsse „als Schmuckstück gebraucht werden, mit Adjektiven verziert“.

[Wer keine anständigen Bücher in traditioneller Rechtschreibung mehr liest, verlernt auch das klassische Deutsch. Es fängt mit der Ästhetik an: Wer die Missstandsschreibung verinnerlicht, schluckt auch Mismanagement in der Sprache.]

Kinder sollten wieder mehr Gedichte lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erleben, forderte Zehetmair, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist. Gefragt seien die Eltern als Vorbilder: „Die Eltern müssen ihre Kinder dafür gewinnen, wieder ein Buch zu lesen – dafür müssen sie selber lesen, und ich meine nicht die „Bild“-Zeitung“.

Leserkommentar 12:22 Uhr

Schlechtschreibreform
Kein Wunder, aber der Verfall wurde von der Rechtschreibreform erst ausgelöst!

abendzeitung-muenchen.de 21.12.2012

Nachtrag am 22.12.12:
Leserkommentare bei heise.de zur gleichen Meldung:


Das sagt einer der Dinge wie SchwiMMMeister und muSSt mit verbrochen hat!
Ich lach mich tot!
OPKosh (480 Beiträge seit 11.09.02)

Wenn Du nach „einer“ ein Komma gesetzt hättest, hätte ich den Satz
nicht dreimal lesen müssen, um ihn zu verstehen .....
dergl99 (502 Beiträge seit 24.10.02)

Die Einführung der gemäßigten Falschschreibung war schlimmer
Wer solch widersinnige Dinge wie „mithilfe“ (klein und zusammen)
verbrochen hat, der sollte sich nicht über kleinere Probleme Anderer
aufregen.
Schily (mehr als 1000 Beiträge seit 14.07.00)

Hättet Ihr P...nasen in den Kultusministerien damals in den 90ern die Finger von
der deutschen Sprache gelassen, als Ihr meintet, mangels anderer
Daseinsberechtigungsnachweise oder überhaupt irgendwelcher sonstiger
sinnvoller Tätigkeiten einfach so mal mehr oder weniger willkürlich
hoheitlich zum Teil völlig absurde Sprachneuregelungen zu erlassen,
würde ich Euch vielleicht ernst nehmen.

Ich bin wirklich froh, daß ich mir damals gerade noch rechtzeitig
eine Ausgabe der 20. Auflage des Rechtschreib-Dudens von 1991 kaufen
konnte, obwohl es bereits die 21. mit der sog. Neuen Rechtschreibung
gab und die Buchhändlerin meinte, mir die gerade noch einmal im Laden
vorhandene alte Auflage verweigern zu müssen und gar nicht mehr
verkaufen zu dürfen

Jay Leno (mehr als 1000 Beiträge seit 13.01.05)

Die Falschschreibreform hat der deutschen Sprache mehr geschadet...
Seitdem ist jeder orthographisch verunsichert. Es gibt keinerlei
Zeitschriften oder Zeitungen mehr, die entweder die alte oder eine
der neuen Rechtschreibungen komplett einhalten. Das wieder ein
bißchen wie zu Goethes Zeiten als jeder mehr oder weniger so
geschrieben hat, wie es ihm gerade paßte.

Dabei wäre gegen eine sinnvolle Reform der Klein- und Großschreibung
usw. nichts einzuwenden gewesen. Aber die Reform ging halt
intellektuell in die Hose („belämmert“, „aufwändig“), hat dadurch
Akzeptanz verloren und wurde dann trotzdem halbherzig durchgedrückt.
Damit hat man die ohnehin kleine Minderheit, der Orthographie nicht
völlig egal ist, auch noch in den Sumpf der allgemeinen Legasthenie
gezogen…
fade0ff (647 Beiträge seit 13.09.03)

Selber an die Nase fassen mit der Schlechtschreibreform.
Das war ja wohl das größte Kulturverbrechen der neueren Jetztzeit.
Absolut Normales Viech (mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.06)

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Sigmar Salzburg
19.10.2012 08.49
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Rechtschreib-Rowdys

SPRACHNACHRICHTEN 37/ 2008

Frage:


Was könnten sich die Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung bei ihrer Auswahl gedacht haben, als sie offenbar wahllos bei einzelnen Wörtern Veränderungen beschlossen, für die es keinerlei Bedarf gab?

Professor Dr. Helmut Glück:

Der jetzige Rat kann für den Unsinn der „Reform“ von 1996 nicht pauschal verantwortlich gemacht werden, denn ihm gehören einige der Rechtschreib-Rowdys von damals nicht mehr an. Hoffen wir, daß er verantwortungsvoller mit seinen Aufgaben umgeht als sein Vorgänger.

Sprachnachrichten 37/ 2008

Vier Jahre später ist der Rat, der ja nur die reformabtrünnigen Zeitungsverlage wieder in die Zwangsjacke der „Reform“ zurücklocken sollte, zu einem unsichtbaren Nichts geschrumpft. Von der für Anfang Oktober anberaumten Sitzung hat man nichts gehört. Es sollen wohl keine Schlagzeilen mehr über die dem Rat erlaubten Kleinstfurze in die Medien.

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Sigmar Salzburg
07.09.2012 07.24
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Genforschung

Forscher entschlüsseln Geheimnisse des Erbgut-Mülls

Mehr als 90 Prozent des menschlichen Erbguts galten lange als nutzlos, Forscher sprachen sogar von Müll-DNA [Junk-DNA]. Doch eine neue Analyse zeigt: Im größten Teil des vermeintlichen Schrotts stecken wichtige Funktionen …
Spätestens jetzt ist die Bezeichnung überholt: Die Forscher haben sich mit der Schrift im Buch des Lebens vertraut gemacht. Es war ein langwieriger Prozess.
spiegel.de 5.9.2012

Ähnliche Fehleinschätzungen kennen wir von der „Rechtschreibreform“. Dort wurde das Ergebnis der Schreib-Evolution als „Wildwuchs“ bezeichnet. Dabei stecken in Differenzierungen wie „auseinander entwickeln“ und „auseinanderentwickeln“, „zu viel“ und „zuviel“ oder „Quentchen“ statt „Quäntchen“ wichtige Informationen.

Der Rechtschreibrat betätigt sich jedoch nur noch als Hüter des Reformglaubens. „Glaube heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist.“

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Sigmar Salzburg
06.07.2012 15.40
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Wahrheitsministerium

Wilfried Handl ist nicht irgendein Aussteiger aus der Sekte der Scientologen. Er war über 28 Jahre Mitglied und zeitweilig das Oberhaupt der Scientology Österreich… Im Interview mit dem Standard spricht er über die Finanzierung und den Machtanspruch der Sekte sowie über die Wirkung, die die Scientologen nach Außen hin zu verbreiten suchen. hpd 6.7.12

derStandard.at: Die Sprache bei Scientology ist eine ganz eigene. Wortkreationen und Abkürzungen können Außenstehende oft nicht entschlüsseln, manche Begriffe erhalten eine Bedeutungsverschiebung. Was hat es damit auf sich?

Handl: Lesen Sie „1984“ von George Orwell, und Sie haben die Antwort. Es ist nichts anderes als Neusprech, dafür gibt Scientology jeweils ein technisches und ein administratives Wörterbuch heraus. Wie „Big Brother“ betreibt Scientology auch ein Wahrheitsministerium.

derstandard.at 6.7.12

Das Wahrheitsministerium der Kultusminister ist jetzt der „Rat für die deutsche Rechtschreibung“, der auch acht Jahre nach seiner Gründung behauptet, daß „Quentchen“ falsche Rechtschreibung sei, daß es im „Rauhen“ kein „h“ mehr geben darf und daß 650 Jahre Schluß-ß ein Irrtum war.

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Sigmar Salzburg
03.01.2012 12.57
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‚Sprachexperte` Hans Zehetmair

Sprachexperte *) geißelt Fetzenliteratur auf Twitter

Der Rechtschreibrats-Chef Hans Zehetmair schlägt Alarm: Twitter, Anglizismen und Abkürzungen wie „HDL“ gefährden die Sprachkompetenz ganzer Generationen.

[Bild: Zehetmair beim „krank schreiben“]

„Man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen“, Hans Zehetmair (Jg. 1936) über die steigende Anzahl an Anglizismen. Er ist seit 2004 Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung

„Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden. Da müssen Sie sich nur die Twitter-Literatur ansehen, in der es keine ganzen Sätze mehr gibt.“ „Fetzenliteratur“ nennt das der frühere bayerische Wissenschaftsminister und CSU-Politiker, der auch Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung in München ist …

Eine Schwierigkeit sei auch die steigende Zahl an Anglizismen, die die deutsche Sprache überflute. "… Ich bin nicht gegen Anglizismen im Allgemeinen, aber man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen.“

Das fehlende Hinterfragen sei aber „symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht mehr hinter die Dinge blickt und die Hintergründe nicht mehr beleuchtet“, sagte Zehetmair und warnte: „Eine solche Gesellschaft ist anfällig für Manipulation.“
[... siehe „Rechtschreibreform“!] ... welt.de 2.1.2012



*) ROFL = rolling on the floor laughing

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Sigmar Salzburg
30.11.2011 13.39
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Gegen Zehetmairs Lehrerkritik

Pressemeldung
Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg


Rechtschreibung ist so wichtig, wie die Gesellschaft es möchte
VBE weist Kritik an der Lehrerschaft zurück


Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg weist die Kritik des Rats für deutsche Rechtschreibung (Mannheim) an den Lehrern in aller Deutlichkeit zurück. Korrektes Schreiben ist ordentlicher Bestandteil aller Bildungspläne, wird aber in der Realität stets nur so viel Gewicht haben, wie die Gesellschaft der Rechtschreibung de facto auch einräumt.

In den 70er-Jahren wurde auch in Folge der Thesen des englischen Soziologen Basil Bernstein zu den schichtspezifischen Ebenen der Sprache („elaborierter Code“ der Ober- und Mittelschicht und „restringierter Code“ der Unterschicht) der Wert von Rechtschreibung an sich immer mehr infrage gestellt. Das Gewicht, das in den Schulen auf „korrekte“ Sprache und orthographisch richtiges Schreiben gelegt worden war, wurde hinterfragt. Nicht auf das „Vehikel“ Schrift komme es an, sondern ausschließlich der Inhalt sei von Bedeutung, hieß es. Das „Mündliche“ bekam gegenüber dem „Schriftlichen“ ein besonders Gewicht.

In den „Hessischen Rahmenrichtlinien“ von 1972 fanden diese Gedanken Niederschlag und provozierten damals – auch im deutschen Blätterwald – heftige Diskussionen. Man machte man sich verstärkt Gedanken darüber, ob richtiges Schreiben durch das häufige Diktieren von Texten, wie es in der Grundschule üblich war („das wöchentliche Diktat“), wirklich „erlernt“ werden könne.

Die Rechtschreibreform zur Jahrhundertwende (1998) ließ die Diskussion über den Wert richtigen Schreibens wieder aufflammen. Auch da ging es in emotional geführten Debatten darum, ob mit einer veränderten Rechtschreibung der Untergang des Abendlandes drohe. „Lehrer halten sich an die Vorgaben der Bildungspläne“, weist VBE-Chef Gerhard Brand, die Kritik des Rechtschreibrates an die Adresse der Lehrerschaft zurück. Wenn der Rat etwas verändern wolle, müsse er bei den Lehrplänen ansetzen. Außerdem sei in der Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit richtiges Schreiben nicht nur in der Schule wieder als wertvoll angesehen werde. Zurzeit sei die Rechtschreibung – insbesondere bei Kurznachrichten (SMS), in Chaträumen und Online-Foren – nicht einmal zweitrangig, sondern völlige Nebensache. Erst bei Bewerbungsschreiben greife man dann sicherheitshalber zum Duden.

bildungsklick.de 30.11.2011

Der VBE vermeidet es sichtlich, den Beitrag der Rechtschreibreform zum allgemeinen Verfall der Schreibfertigkeiten zu benennen.

Nachtrag am 6.12.01: Th. Ickler zitiert aus alten Stellungnahmen des VBE.

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Sigmar Salzburg
29.11.2011 22.58
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Nach 15 Jahren Reform

Ratsvorsitzender Zehetmair besorgt um deutsche Sprache
– gemeinsame Anstrengung gefordert


Der Rat für deutsche Rechtschreibung kam jüngst zu seiner zweiten Sitzung der neuen Amtsperiode zusammen und hat sich im Rahmen seines Beobachtungsauftrages über den aktuellen Zustand der deutschen Rechtschreibung ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass der Sprache und insbesondere ihrer Rechtschreibung hohe Bedeutung beigemessen, aber im Umgang mit ihr nachlässig verfahren wird.

In dieser Haltung ist mit eine Ursache dafür zu sehen, dass ungefähr zwanzig Prozent eines Jahrgangs der 15-Jährigen als Analphabeten gelten müssen; ein Zustand, der nicht hingenommen werden darf. Erforderlich ist es daher, dass sich die Sicht auf die Rechtschreibung ändern muss: „Rechtschreibung ist kein Gegenstand, der in Diktaten erlernt wird, sondern gemeinsamer Anstrengung bedarf“, so der Vorsitzende Hans Zehetmair. Rechtschreibung muss eine stärkere Rolle in Schule und Lehrerausbildung einnehmen.

Der Rat weiß um die Schwierigkeiten, die bereits in der Vermittlung von Rechtschreibung liegen: Didaktisch an die jeweiligen Jahrgangsstufen angepasste Konzepte sind rar, oftmals wird der betreffende Sachverhalt eins zu eins aus dem amtlichen Regelwerk in die Schulbücher kopiert. Das ist nicht im Sinne der Ersteller des amtlichen Regelwerks: Das amtliche Regelwerk ist von seiner Anlage her mit einem Gesetzestext vergleichbar, der für die einzelnen Benutzergruppen adäquat aufbereitet werden muss.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung unterstützt Bemühungen, die sich für einen bewussten Umgang mit der deutschen Rechtschreibung einsetzen. Er wird die weitere Entwicklung kritisch begleiten und die Diskussion zu befördern versuchen.

gez. Dr. Kerstin Güthert

Rechtschreibrat.pdf 29.11.2011

Etwas dazu auch hier.

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Sigmar Salzburg
01.08.2011 16.59
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Geschwätzige Reue – von einem von 32 Versagern

Reform-Ass Zehetmair

– im Deutschlandfunk:

„Lasst die Finger von einer Rechtschreibreform!“

Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung über den Schaden für die Sprache
Hans Zehetmaier im Gespräch mit Manfred Götzke


Die Rechtschreibung habe unter den Reformen 1996 und 2006 sehr gelitten, sagt Hans Zehetmaier, Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung. Im Internetzeitalter mit Twitter und SMS müsse man froh sein, wenn sich noch jemand um deutsche Sprache in gepflegter Form bemühe.

Manfred Götzke: Sie sollte die deutsche Schriftsprache einfacher, logischer und insgesamt besser machen: die Rechtschreibreform. Nehmen wir mal ein Beispiel, um das zu veranschaulichen: Das Anrede-Fürwort „Ihr“ darf ich seit der Rechtschreibreform groß oder klein schreiben. Klingt erst mal einfacher, weil ich es ja schreiben kann, so wie ich will. Wenn, ja wenn da nicht eine kleine Ausnahme wäre: Wenn ich jemanden sieze und dabei das Ihr nutze – „Bezug nehmend auf Ihr Schreiben vom 15.07.“ –, dann muss ich das „Ihr“ im Brief groß schreiben. Ein Beispiel von vielen, weshalb auch so mancher Deutschlehrer die neue Rechtschreibung immer noch nicht ganz beherrscht. Eingeführt wurde sie heute vor genau 15 Jahren, am 1. August '96, und vor genau fünf Jahren trat dann die Reform der Rechtschreibreform in Kraft, bei der viele der Neuerungen erst mal wieder zurückgenommen wurden. Hans Zehetmair ist Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung. Herr Zehetmair, vermissen Sie eigentlich manchmal das ß im Dass?

Hans Zehetmair: Das vermisse ich gar nicht, weil ich im Grunde dafür bin, dass man ordentlich spricht. Und nach der Phonetik weiß man dann auch, dass nach kurzem Vokal das Doppel-S sinnvoll ist, auch für die Kinder, sei es nun in der Mitte eines Wortes oder am Ende eines Wortes. Im Übrigen haben wir bis auf das "Dass" ja eh das Meiste wieder korrigiert.

Götzke: Warum haben Sie es eigentlich wieder korrigiert 2006, bei der Reform der Reform?

Zehetmair: Ja, Sie wissen so gut, wie sehr die Verwirrung war Anfang der Tausenderjahre, also 2001, 2002, 2003. Und dann haben die Ministerpräsidenten und die Kultusminister in Deutschland kalte Füße bekommen und gesagt, so kann es nicht bleiben, dass die Menschen ¹) sich auch noch in der Rechtschreibung erregen und beklagen, dass das nicht mehr ihre Rechtschreibung sei. Also, große Verunsicherung im Lande. Da ist man auch zu weit gegangen und hat sich zu sehr vom Schreibgebrauch der Menschen entfernt.

Götzke: Verunsicherung ist das richtige Stichwort: Hat die denn abgenommen mittlerweile?

Zehetmair: Also, auf jeden Fall hat sie deutlich abgenommen bei der Jugend. Also bei der jungen Generation, die gar keine Probleme im Schnitt hat, bis auf die Tatsache, dass es ja immer schon, wie immer die Rechtschreibung war – von 1901 ab beginnend bei Duden, der ja 100 Jahre alt geworden ist, heute übrigens alt wird [Anm. der Onlineredaktion: Konrad Duden ist vor hundert Jahren gestorben] –, dass es immer schon so war, dass einige mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß standen. Aber generell ist es einfacher geworden und hat auch die Verunsicherung abgenommen. Ich kriege auch so gut wie keine Proteste mehr.

Götzke: Das war zu Beginn sicher anders!

Zehetmair: Oh, das war wild!

Götzke: Ja, bei der Jugend ist es ja so, die hat die alte Rechtschreibung ja gar nicht mehr mitbekommen in der Form. Anders bei den Deutschlehrern! Es gab die Reform 1996, dann 2006 wurde ja einiges wieder zurückgedreht. Beherrschen die jetzt die geltende Rechtschreibung?

Zehetmair: Ja, von den Deutschlehrern nehme ich schon an, dass sie es beherrschen. Etwas schwieriger ist es im akademischen Bereich, da gibt es Professoren, die mir ins Gesicht sagen: Wir schreiben wie bisher, wir wollen uns nicht verändern. Meine Antwort ist lakonisch: Macht nichts, eure Sekretärinnen können das ja.

Götzke: Wie sehr hat die Rechtschreibung denn insgesamt unter den Reformen gelitten?

Zehetmair: Sie hat schon gelitten. Es ist ja eh schon ein Problem, die Menschen noch zur geschriebenen Sprache zu führen. Im Internetzeitalter, in einer Zeit, in der man twittert und SMS macht und verkürzt alles schreibt, muss man froh sein, wenn noch jemand um deutsche Sprache in gepflegter Form bemüht ist. Das hat Schaden genommen über die Jahrzehnte, nun schon zehn, 15 Jahre. Und ich hoffe, dass wir jetzt im Laufe der Jahre wieder zu einer Stabilisierung und zu einer Identifizierung der Menschen mit der geschriebenen Sprache kommen.

Götzke: War die Reform dann richtig, wenn sie für mehr Verwirrung und für weniger Beherrschung der Rechtschreibung geführt hat?

Zehetmair: Ich hätte sie nicht vom Zaune gebrochen, ich würde sie auch nicht mehr vom Zaune brechen. Auf jeden Fall gilt die Mahnung: Politiker, lasst die Finger von einer Rechtschreibreform, das ist nicht euer Metier!

Götzke: Hat die Bedeutung von Rechtschreibung insgesamt gelitten in Zeiten von SMS, Steno und Facebook-Chat?

Zehetmair: Die Rechtschreibung hat erstens gelitten unter den Dingen, die Sie genannt haben, und zum Zweiten unter der deutlichen Zunahme von Anglizismen und Verfremdung unserer Sprache. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt in der Fortschreibung dieser Eindeutschungen wieder zurücknehmen und wieder bei der authentischen Schreibung bleiben.

Götzke: Herr Zehetmair, danke für das Gespräch!

Zehetmair: Bitte schön!

Götzke: Hans Zehetmair vom Rat für deutsche Rechtschreibung.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

dradio.de 1.8.2011

¹) Nicht der Volkswille, Axel Springer hat es bewirkt!

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