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Forum > Beispielsammlung über Sinn und Unsinn
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Sigmar Salzburg
10.08.2014 11.42
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Fachlektüre

Sieglind Bruhn (*1951)
Hindemiths große Instrumentalwerke
Edition Gorz 2012

Hindemith kontrapunktisches Meisterwerk, Ludus tonalis, komponiert sechs Jahre nach den Klaviersonaten, ist sein umfangreichstes und zugleich letztes Solowerk für Klavier… Der Titel bedeutet „Tonspiel“. Diese wörtliche Übersetzung gibt jedoch nur einen Teil der im Lateinischen mitschwingenden Bedeutungsnuancen wieder. Das Substantiv ludus kann wie sein deutsches Gegenstück auf das Spiel eines Instrumentes, eine Freizeitbeschäftigung nach Regeln, einen sportlichen Wettstreit oder – im Hinblick auf Hindemiths intensive Beschäftigung mit alter Musik besonders nahe_liegend – ein mittelalterliches liturgisches Drama hinweisen.

Die Autorin hat die wichtigste Bedeutung vergessen: „Ludus“ bedeutet auch „Schule“. Das Werk soll unterschiedliche Spiel- und Kompositionstechniken darstellen und üben, wie es schon in der Vorrede zum „Wohltemperirten Clavier“ (nicht „Wohl_temperierten Klavier“) hieß:

„Zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem studio schon habil seyenden besonderem Zeitvertreib auffgesetzet und verfertiget von Johann Sebastian Bach.“

Frau Bruhns Werk ist (natürlich) in Reformschreibung gedruckt, leider auch in den Zitaten. Zufällig hat mir meine Tochter gerade das Büchlein aus dem Insel Verlag mit Hindemiths Hamburger Rede zum Bachfest 1950 geschenkt. Dort heißt es am Schluß richtig:

„Ist es einer Musik gelungen, uns in unserem ganzen Wesen nach dem Edlen auszurichten, so hat sie das Beste getan. Hat ein Komponist seine Musik soweit bezwungen, daß sie dieses Beste tun konnte, so hat er das Höchste erreicht. Bach hat dieses Höchste erreicht.“

Ich hatte diese Rede damals gehört, aber als Elfjähriger naturgemäß nicht sehr verinnerlichen können.

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Sigmar Salzburg
19.07.2014 07.29
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Der gläserne Leser

Die Zukunft des Lesens

Sie sind praktisch, klein, handlich und auf ihnen lassen sich ganze Bibliotheken unterbringen: E-Book-Reader...

Bisher sind E-Books bei deutschen Lesern nicht sonderlich beliebt. Ihr Marktanteil beträgt gerade mal zwei Prozent. In den USA liegt er dagegen zehn mal höher...

Sind E-Books also nur eine technische Spielerei, die sich nicht durchsetzen wird? So einfach ist das nicht, hat Eva Wolfangel im Zuge ihrer aufwendigen Recherchen im Augustheft von bdw herausgefunden.

Tatsache ist nämlich, dass Menschen auf E-Readern schneller und effektiver lesen und die Inhalte besser aufnehmen als in gedruckten Büchern.[?] Zudem arbeiten Wissenschaftler inzwischen an Möglichkeiten, den Lesern die Geräte noch schmackhafter zu machen. Ein Beispiel ist das selbstständige Einblenden von Erklärungen oder Übersetzungen, wenn der Leser etwas nicht versteht. Dazu verfolgt eine eingebaute Kamera seine Augenbewegungen und registriert, wann die Konzentration des Nutzers nachlässt oder wann er hängen bleibt. Allerdings: Auf diese Weise droht der Leser gläsern zu werden...

wissenschaft.de 18.07.2014

Ein Aspekt wurde hier schon erwähnt. Die ferngesteuerte, politisch korrekte Anpassung der Texte ist nur eine Frage der Zeit, die Überwachung der Bürger auch.

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Sigmar Salzburg
07.06.2014 18.41
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Dworkin postum in der häßlichen Reformschreibung

Ronald Dworkin
Religion ohne Gott

Aus dem Amerikanischen von Eva Engels
Suhrkamp 2014

Aus der Suhrkamp-Verlagswerbung:

»Der Ausdruck ›religiöser Atheismus‹ ist kein Oxymoron.«

Das Zentrum wahrer Religiosität, so der bekennende Atheist Albert Einstein, bilde das »Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit«. In diesem Sinne sei er, Einstein, ein tiefreligiöser Mensch. Aber was ist religiös an einer solchen Haltung, in der Gott offensichtlich keine Rolle spielt? ...

Von der Physik über die Politik bis hin zum Recht erkundet Religion ohne Gott den Perspektivenwechsel, der mit einem solchen gottlosen Verständnis von Religion verbunden ist. Das Buch, das mit einer eindrucksvollen Reflexion über Tod und Unsterblichkeit schließt, ist das Vermächtnis eines bekennenden religiösen Atheisten. Es weitet den Blick für das, was wichtig ist.

... und eine Leseprobe S. 13:

William James war der Ansicht, dass Religion zwei wesentliche Komponenten habe. Eine davon sei das tiefe Gefühl, es gebe »Dinge im Universum«, die »sozusagen den Schlußstein legen und das letzte Wort haben«.³ Aus Sicht der Theisten füllt Gott diese Rolle aus, wohingegen ein Atheist denken kann, dass die Verantwortung, ein gutes Leben zu führen, das letzte Wort hat beziehungsweise den Schlussstein legt und dass diese Verantwortung in nichts verankert ist oder sein muss, das noch grundlegender wäre.

3 Siehe Wiliam James, Der Wille zum Glauben und andere Populärwissenschaftliche Essays, Stuttgart 1899, S. 27

Schade, daß Dworkins Werk postum ohne Not in der häßlichen neuen Rechtschreibung erschienen ist, anders als sein voriges Buch von 2012 „Gerechtigkeit für Igel“. Schon auf dieser einen Seite wird die Reform-Untat unserer verantwortungslosen Politiker schlagend vor Augen geführt.

Ich brauche mir das Buch wohl nicht zu kaufen, denn wie ich den Andeutungen entnehme, dürfte vieles darin meinen Ansichten entsprechen. Ich würde die allerdings nicht Religion nennen, denn dazu enthalten sie zu wenig Unsinn.

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Sigmar Salzburg
13.04.2014 08.46
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Reform-ss oder nicht?

Alt und doch aktuell: Auerbachs Sprüche

Berthold Auerbach hatte unter dem Titel „Tausend Gedanken des Collaborators“ eine Aphorismensammlung zusammengetragen, die 1875 erstmals erschien und heute nur noch antiquarisch erhältlich ist. Es ist eine Sammlung von Lebensweisheiten, die heute noch eine unverminderte Aktualität haben, so Martin Schmidt und Hermann Kinder. Sie haben diese Sammlung beherzt entstaubt und als neues Büchlein herausgebracht, versehen mit einem kritischen Nachwort.

Zudem wurde eine Modernisierung der Orthographie im Sinne der unreformierten deutschen Rechtschreibung (unter Wahrung des Lautstandes) vorgenommen, so Kinder im Nachwort der Ausgabe. Manche Gedanken von Auerbach sind veraltet (so zu Geschlechtern, Politik oder Nation), manche sind jedoch heute noch verständlich. Kinder stellte einige dieser Lebensweisheiten vor und interpretierte sie. Zum Beispiel: „Man ist länger tot, als man lebt“, sagte eine Bauersfrau. Darum solle man lustig sein, so lange man lebe.

Eine Mietwohnung suchen macht verstimmt und missmutig. Warum? Auerbach meint: „Wohl wie du dir deines Fremdseins auf der Welt neu bewusst wirst.“ Oder: „Es gibt Menschen, denen die Ehre wie ein Faß Wein erscheint. Jeder Schoppen, den ein anderer trinkt, ist ihnen weggetrunken.“ Auch mit diesem Ausspruch hat Auerbach wohl bis heute Recht behalten: „Wenn man zum Kriege drei Dinge braucht: Geld, Geld und Geld, so brauchen die Künste des Friedens, vor allem die dichterische Gestaltung, auch drei Dinge: Ruhe, Ruhe und Ruhe.“ ...

schwarzwaelder-bote.de 11.4.2014

Man kann heute nie sicher sein, ob die Zeitungen die Texte in ihrer originalen Orthographie zitieren.

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Sigmar Salzburg
27.03.2014 11.20
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Hamed Abdel-Samad

Der islamische Faschismus
Eine Analyse


Hardcover, Droemer HC
224 S. 18,- €
ISBN: 978-3-426-27627-3

Aus dem Vorwort

»Wanted Dead«
Einmal sah ich auf Facebook ein mit Photoshop gefaktes Bild. Ein böse dreinblickender, bärtiger Mann hält ein Plakat hoch, auf dem geschrieben steht: »Enthauptet diejenigen, die behaupten, der Islam sei die Religion der Gewalt.« Ich habe herzlich gelacht über diese elegante und doch sehr treffende Beschreibung der bitteren Realität. Das Lachen blieb mir jedoch im Hals stecken, als ich plötzlich mein eigenes Porträt auf Facebook entdeckte, versehen mit dem Schriftzug »Wanted Dead«. Anlass für diesen Mordaufruf war ein Vortrag, den ich am 4. Juni 2013 in Kairo gehalten hatte...

droemer-knaur.de

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Sigmar Salzburg
26.02.2014 18.47
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Die Tugendterroristen in Aktion

Thilo Sarrazins Buch „Der neue Tugendterror“ (DVA) liegt seit gestern in den Buchhandlungen. Es ist, wie zu erwarten, in der „leichter lern- und lesbaren“ reformierten Rechtschreibung veröffentlicht. Der Teil des Tugendterrors, der zu ihrer Durchsetzung die „Leid tragenden“ Schulkinder instrumentalisierte, wird daher mit keinem Wort erwähnt. Sarrazin schreibt im übrigen:

„Ich analysiere das Glaubensbekenntnis jener, die im heutigen deutschen Meinungsklima auf der Seite des Guten sind und demgemäß immer Recht haben.“

Wer in diesem Forum mitgelesen hat, wird vieles schon kennen und bestätigen können. So recht der Autor hat – er wird von den Medien, die auch Zielscheibe seiner Kritik sind, erwartungsgemäß zerrissen. Spiegel online bietet gleich drei Schreiber auf, um den Autor standrechtlich zu erledigen.

Jan Fleischhauer behauptet, die hohe Auflage des Buches beweise, daß man sich um die Meinungsfreiheit in Deutschland keine Sorgen zu machen brauche. Nicht erwähnt wird, daß nur der hohe Bekanntheitsgrad den Autor schützt. Aber selbst er wird kurz darauf demonstrativ aus einer ARD-Gesprächsrunde ausgeladen, um dem Oberhaupt einer spanisch-marrokanischen Unterwanderer-Familie Platz zu machen. spiegel.de 13.2.14

Stefan Kuzmany schreibt unter dem Titel
„Der schon wieder“:
„Seine Taktik ist altbekannt: Erst wird ein Tabu konstruiert, um es dann mit großem Getöse zu brechen.“
Als ob nicht in den letzten Jahrzehnten Tabus wie nie zuvor aufgebaut worden sind, die man nur der Wirklichkeit zu entnehmen braucht. spiegel.de 24.2.14

Für Jakob Augstein ist Sarrazin schließlich ein
„Böser Geist der sozialen Kälte“, der die Gleichheit der Menschen ablehne:
„Nun nimmt Sarrazin nicht weniger als die Gründungsidee des Westens aufs Korn: die Gleichheit des Menschen.“
Dabei vermengt er rechtliche und soziale Gleichheit. Und auch er unterstellt wie Fleischhauer:
„Sarrazins Buch über den Tugendterror zieht seine Wucht nicht aus der Sorge um das Wohl der Welt, sondern aus der gekränkten Eitelkeit des Autors.“ spiegel.de 24.2.14

Der „Focus“ ist in seinen Unterstellungen noch dreister: Aus der Bemerkung, die Intelligenzquotienten wiesen bei Männern eine größere Streuung auf als bei Frauen, macht Focus die Behauptung, Männer seien intelligenter als Frauen. focus.de 23.2.14
:

Thilo Sarrazin: Männer sind klüger als Frauen

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Sigmar Salzburg
19.01.2014 09.48
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Keine Quäntchenwelten

Am 16.11.13 hatte ich auf die deutsche Ausgabe der Sammlung von Aufsätzen des Physikers John S. Bell „Sechs mögliche Welten der Quantenmechanik“ (Oldenbourg Verlag) hingewiesen. Da mich das Thema ungleich mehr interessiert als die Affenreform, habe ich mir das Buch kommen lassen. Dabei stelle ich wieder die in wissenschaftlichen Texten weit verbreitete Handhabung fest: Es werden nur die neuen ss beachtet bzw. maschinell erzeugt. Das meiste andere wird herkömmlich vernünftig geschrieben: im allgemeinen, des öfteren, als erster, im wesentlichen, im voraus, zur Zeit...

Da solche Texte keine Lyrik enthalten, finden wir dort auch wohl kaum die unpoetischen Fürze der „Reform“, wie „rau“, „belämmert“ „Quäntchen“ oder „Tollpatsch“.

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Sigmar Salzburg
25.09.2013 07.25
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Empirische Philosophie

„Quantenmechanik ist eine empirisch begründete Theorie (sonst wäre niemand auf so etwas Abwegiges gekommen)“

H.Dieter Zeh in „Physik ohne Realität: Tiefsinn oder Wahnsinn“ (Springer-Verlag 2012), S. 198

Wie erwähnt, hatte ich mir die Schriften von Prof. H.Dieter Zeh kommen lassen – aus philosophischem Interesse und weil sie auf seiner Homepage in traditioneller Rechtschreibung verfaßt sind. Leider wurden die Aufsätze für die Buchausgabe durchgängig in die reformierte ss-Schreibung übersetzt – alles übrige blieb aber unangetastet. Naturgemäß wimmelt es nun von „Messer-gebnissen“ und ähnlichem. Der Zeilentrennautomat teilte zudem den „symmetrieb-rechenden Phasenübergang“. Herkömmlich blieben aber „im allgemeinen“, „im wesentlichen“, „im folgenden“, „des öfteren“ usf. Ein verwendetes Wort habe ich im Duden nicht gefunden: Hinter „Win-win-Situation“ fehlt „Winzecke“ (S. 161).

Zum Inhalt: H.D. Zeh ist vertritt die Viele-Welten-Interpretation der Quantenphysik nach Hugh Everett (1957). Grundlage ist die Schrödinger-Gleichung ohne zusätzliche Hilfskonstruktionen wie Wellenkollaps u.ä. Die Welt wird verstanden als unendlichdimensionales Ganzes, von dem wir nur Teile wahrnehmen können. Während die gleichermaßen bedeutsame Relativitätstheorie vergleichsweise leicht verständlich ist, konnte in der Quantentheorie bis heute keine auch nur annähernde Einigung über deren philosophisch substantielle Aussage erreicht werden.


Siehe auch:
H.Dieter Zeh „Die sonderbare Geschichte von Teilchen und Wellen“
uni-heidelberg.de

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Sigmar Salzburg
26.08.2013 09.20
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Scheindemokratie

„Die Mitmachfalle“

Das Buch von Thomas Wagner mit diesem Titel wird in der „jungen Welt“ besprochen (die die Mitmachfalle „Rechtschreibreform“ weiterhin links liegen läßt):

Heiner Geißler gilt in der breiten Öffentlichkeit als unkonventioneller »Querdenker«; er ist zwar Christdemokrat, aber auch Mitglied von ATTAC, außerdem plädierte er als »Schlichter« im Konflikt um das Bahnhofsprojekt »Stuttgart 21« für die Bürgerbeteiligung bei großen Bauvorhaben. Daß Geißler ein parteiischer Vermittler war, der das Steuermilliarden verschlingende Baggerloch nicht hinterfragen, sondern im öffentlichen Dialog legitimieren wollte, merkten viele Stuttgarter erst im nachhinein. Die Bewegung gegen »Stuttgart 21« wurde ein Opfer dessen, was der Soziologe und jW-Redakteur Thomas Wagner im Titel seines neuen Buchs die »Mitmachfalle« nennt...

Ähnliche Drahtzieher stehen, wie Wagner zeigt, auch hinter anderen, angeblich bürgernahen Prozessen: Unternehmen inszenieren Bürgerinitiativen, um die Ansiedlung von Ikea- oder Aldi-Märkten durchzusetzen; kirchliche Gruppen gründen »Bürgerplattformen« und geben vor, die Einwohner eines ganzen Viertels zu repräsentieren. Finanziell unterstützt werden derartige Projekte insbesondere von der Bertelsmann-Stiftung...

Thomas Wagner: Die Mitmachfalle – Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument. Papyrossa Verlag, Köln 2013, 163 Seiten, 12,90 Euro

jungewelt.de 26.8.2013

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Sigmar Salzburg
02.08.2013 17.17
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Unreformierte Rezension in „Ossietzky“

Wer ist eigentlich der Staat?

fragt Daniela Dahn in ihrem neuen, überaus lesenswerten und glänzend formulierten Buch, und sie stellt die These auf, daß es heute nicht mehr ausreicht, eine Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat zu postulieren, sondern daß eine Zeit der Selbstermächtigung unweigerlich anbrechen müsse, da sonst die weltweiten Konflikte niemals zu lösen sein werden...

Mit ihren Formulierungen trifft Daniela Dahn den Nerv: »Ausgegangen ist die Macht vom Volk und nie zurückgekehrt. Auch bei den Abgeordneten hat sie nur einen Zwischenstopp gemacht. 80 Prozent von ihnen fühlen sich inzwischen ohnmächtig.« – »In Europa ist die Kluft zwischen arm und reich inzwischen so groß wie vor der französischen Revolution.« – ... »Die Parlamente haben Macht an die Regierung abgegeben, die hat die Macht an die EU, diese an die Weltbank, alle haben Macht an die Profitwirtschaft abgegeben.«

Doch Daniela Dahn ist auch zuversichtlich: Denn die heute unvollkommenen Demokratien seien dabei, neue Demokraten »auszuwerfen«, man könne das in allen Ländern sehen, diese Menschen sind unduldsamer und selbstbewußter als früher, sie verlangen echte Teilhabe an der Macht und eine freiheitliche, demokratische Grundordnung, die ihnen der Staat längst nicht mehr garantiert.

Der Staat selbst ist Teil des Problems. Er bedarf einer Veränderung. Parlamentarismus hat sich überlebt, neue Formen der Bürgerbeteiligung müssen entwickelt und durchgesetzt werden, das muß gesetzlich neu verankert werden. Die Staatsgewalt muß zu ihren Bürgern zurückgebracht werden, mittels Gesetzen.
Anja Röhl

Daniela Dahn: »Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt«, Rowohlt Verlag, 174 Seiten, 16,95 €

Ossietzky 15

Das Buch leider in Rowohlt-Reformschreibung

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Sigmar Salzburg
06.07.2013 10.28
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Gerechtigkeit für Igel

Christoph Pöppe rezensiert bei spektrum.de das Buch des Rechtsphilosophen Ronald Dworkin (1931-1913), „Gerechtigkeit für Igel“, das deutsch 2012 bei Suhrkamp in bewährter Orthographie erschienen ist. Sowohl die Gedanken Dworkins als auch die altertümelnde Reformschreibung Pöppes sind bemerkenswert:

... Für die Wahrheitsfindung nach Dworkin muss man in einem langen, mühsamen Prozess Erfahrungen sammeln und Argumente abwägen.

Vor allem aber müsse die ganze Interpretiererei von dem Bestreben geleitet sein, das einheitliche Gebäude der Werte herzustellen. Insbesondere seien Begriffe wie Freiheit, Gleichheit und Demokratie so zu interpretieren, dass sie eben nicht, wie häufig behauptet, im Widerspruch zueinander stehen.

Im zweiten Teil des Buchs setzt Dworkin dieses Programm dann in die Tat um, mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. So postuliert er, dass jeder Mensch zu einer gelungenen Lebensführung verpflichtet sei. Daraus ergibt sich die Forderung, dass niemand ihn an der Erfüllung dieser Pflicht hindern darf, und daraus die klassischen Menschenrechte, die im deutschen Grundgesetz auf die „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ hinauslaufen.
Unter Dworkins Interpretation bleibt auch von der gängigen Vorstellung von Demokratie nicht viel übrig. Er zählt zahlreiche Fälle auf, in denen eine Mehrheitsentscheidung die – von ihm sehr extensiv ausgelegten – Menschenrechte beeinträchtigt, und setzt an die Stelle des „majoritären“ Demokratiebegriffs einen „partnerschaftlichen“, den ich mir näher ausgeführt gewünscht hätte.

Immerhin rechtfertigt er ausführlich die „judicial review“, jenes sowohl in den USA als auch hier zu Lande gültige Prinzip, nach dem ein Gremium von nicht gewählten, sondern nur der gemeinschaftlichen Wahrheitsfindung verpflichteten Richtern eine Entscheidung des Parlaments aufheben darf, selbst wenn es damit dem Willen des ganzen Volks zuwiderhandelt...

Ich gestehe, dass mich Dworkins monumentales Gedankengebäude fasziniert. Das gilt vor allem für die These, dass Wahrheit schon dadurch – und nur dadurch – zu Stande kommt, dass man ein großes, umfassendes und vor allem widerspruchsfreies Gedankengebäude errichtet.

spektrum.de 5.7.2013

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Sigmar Salzburg
18.04.2013 05.52
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Das sogenannte Gute

Woher kommt Altruismus und wie_viel Altruismus ist natürlich?
[Buchbesprechung]
Moral hat sich von innen nach außen, vom Kern der tierischen und menschlichen Gefühle zum komplizierten Regelwerk entwickelt. Und diese Gefühle erfüllen ein Bedürfnis, dass es dem Nächsten, zunächst dem familien- und gruppenmäßig nächsten, gut geht, und entsprechen einer Abneigung, ihm Schaden zuzufügen. Ohne Sollen.

Frans de Waal: “The Bonobo and the Atheist. In Search of Humanism Among the Primates“, Norton & Company New York, London 2013, 289 Seiten, Hardcover ab 16,83 Euro.

hpd.de 16.4.2013

Hier wollte der Rezensent unterscheiden zwischen dem sozial Nächsten und dem räumlich Nächsten. Die herkömmliche Kleinschreibung hat man jedoch meist die Reihenfolge beschränkt.

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Sigmar Salzburg
12.04.2013 13.04
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Gegen den „Neuro-Wahn“ – gewiß lesenswert

Rezension

Wohnt hier das Böse?

Berlin. (hpd) Der Wissenschaftler Felix Hasler hat den „Neuro“-Wahn untersucht und festgestellt, dass die Vorsilbe „Neuro“ seit der in den 1990er Jahren von George Bush ausgerufenen „Dekade des Gehirns“ jeden Wissenschaftszweig zum Medienereignis machen kann. Sein kritisches Buch „Neuromythologie“ wurde im Festsaal der renommierten „Berlin School of Mind and Brain“ vorgestellt…

Das Buch „Neuromythologie – Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung“ ist erschienen bei transcript und kostet 22,80 €.

hpd.de 12.4.13

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glasreiniger
11.04.2013 11.19
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Re: Gisbert Haefs

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Historien-Autor Gisbert Haefs schreibt über Alexanders Erben

Von Haefs dürfte die Mehrzahl seiner etwa vierzig Bücher noch in der klassischen Rechtschreibung erschienen sein. Bei Neuausgaben werden die Verlage vermutlich auf Übersetzung in die „leichter lesbare“ Reformschreibung bestehen.


Der genannte Caesar-Roman erschien jedenfalls noch 2007 in ordentlicher Rechtschreibung (ich habe ihn in der Heyne-Taschenbuchausgabe von 2008).

Bei Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen: Auch Alexanders Erben kann man unbedenklich kaufen.

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Sigmar Salzburg
10.04.2013 19.29
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Gisbert Haefs

Historien-Autor Gisbert Haefs schreibt über Alexanders Erben

Der Autor Gisbert Haefs ist ein virtuoser Meister der Erzählkunst und findet seine Stoffe in allen Epochen. In seinen historischen Romanen bringt der dem Leser das Weltgeschichte nahe, so dass er es aus einer neuen Perspektive wahrnimmt. Jetzt schreibt er über „Alexanders Erben“…

Der Bonner Autor hat eine Krimiserie im antiken Karthago angesiedelt und eine weitere in der paranoiden Welt des 16. Jahrhunderts. Er hat die beste Romanbiographie über Julius Cäsar verfasst, die je auf den Markt gekommen ist, und er erfindet Krimis um den Bonner Universaldilettanten Baltasar Matzbach, den man manchmal als sein anderes Ich bezeichnen möchte …

Gisbert Haefs ist ein großer Erzähler, und seine Bücher ragen himmelhoch hinaus aus dem Einerlei der historischen Romane, wo Geschichte bestenfalls als Kolorit herhalten muss. „Im Übrigen muss man die Gebiete, auf denen man versagen könnte, so weit streuen, dass außer einem selbst sie keiner überblicken kann“, fasst der 63-Jährige im Gespräch augenzwinkernd seine Doppelrolle als Übersetzer und Schriftsteller zusammen…

Der Hillesheimer KBV-Verlag legt jetzt die Krimireihe um Baltasar Matzbach neu auf, den Querdenker und Rätsellöser, der eigene Bildungslücken sammelt und Besucher zum Nichtrauchen auf die Terrasse schickt. In „Finaler Rettungskuss“, dem 9. Fall des Antihelden, spricht sich Matzbach seinen Zorn von der Seele. „Also, was brauchen wir? Neues Steuersystem. Neues Rentensystem. Neues Gesundheitssystem. Vielleicht eine neue Außenpolitik. Bestimmt eine andere Wirtschaftspolitik – wozu sollen wir eigentlich Banken finanzieren! Ach was. Nein, was haben wir statt dessen gekriegt? Eine Rechtschreibreform und ein Rauchverbot!“ …

derwesten.de 8.4.2013

Von Haefs dürfte die Mehrzahl seiner etwa vierzig Bücher noch in der klassischen Rechtschreibung erschienen sein. Bei Neuausgaben werden die Verlage vermutlich auf Übersetzung in die „leichter lesbare“ Reformschreibung bestehen.

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