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Sigmar Salzburg
20.08.2014 13.40
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Tierisch komplexe Grammatik

Sprachen von Tieren sind der menschlichen Sprache ähnlicher in ihrer Struktur als vermutet

Weniger Zufall, mehr Grammatik: Tierische Sprachen ähneln der menschlichen offenbar mehr als bisher angenommen...

Ob singende Wale, pfeifende Murmeltiere oder zwitschernde Vögel: Viele Tiere produzieren komplexe Laute, um zu kommunizieren. Bei vielen Arten deuten die geäußerten Laute sprach-ähnliche Strukturen an. Dennoch ist es für Wissenschaftler schwierig, diese Tiersprachen zu enträtseln oder auch nur deren Struktur zu definieren. Gängigen Annahmen nach folgt die Struktur tierischer Sprache dem statistischen Markov-Prozess: Dabei hängt ein bestimmtes sprachliches Element, ein spezifischer Laut also, lediglich von einer relativ begrenzten Anzahl vorheriger Elemente ab. Die entstehende Lautfolge, eine Markov-Kette, basiert daher noch zum großen Teil auf der zufälligen Abfolge einzelner Laute.

Ganz anders erscheinen dagegen die menschlichen Sprachen: Deren Abfolgen von Lauten sind von deutlich strikteren grammatischen Regeln geprägt. Wissenschaftler sprechen von „Kontext-freier Grammatik“, deren Regeln unabhängig vom Inhalt des Gesagten greifen. Die Sprache ist dadurch viel komplexer, weniger zufällig und wesentlich ausdrucksstärker als durch den Markov-Prozess.

Dieser sprachliche Unterschied galt lange als entscheidender Unterschied zwischen Mensch und Tier...

Wie sich jetzt zeigt, folgt offenbar eine ganze Reihe tierischer Lautäußerungen wesentlich komplizierteren Modellen als dem Markov-Prozess. Die Lautfolgen von so unterschiedlichen Tieren wie Meisen, Finken, Fledermäusen, Orang-Utans, Orcas Grindwalen und Klippschliefern haben Forscher um Arik Kershenbaum vom National Institute for Mathematical and Biological Synthesis im US-Bundesstaat Tennessee überprüft.

Mit mathematischen Analysen bestätigten sie zum ersten Mal, dass der Markov-Prozess allein als statistische Grundlage von Tiersprachen nicht ausreicht. Damit rückten die tierischen Sprachen ein großes Stück näher an die menschliche Sprachstruktur heran...

scinexx.de 20.8.2014

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Sigmar Salzburg
07.02.2014 09.36
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Fuck the EU u.ä.

In einem Tonbandmitschnitt, den Unbekannte auf das Internetportal YouTube stellten, sagte die im US-Außenministerium für Europafragen zuständige Abteilungsleiterin Victoria Nuland abfällig über die Europäische Union: „Fuck the EU“...
Das „F-Wort“ ist in den USA tabu. Menschen mit Kinderstube meiden es füglich.
n-tv.de 5.2.14

Tonbandmitschnitte sind eben gefährlich. Das mußte schon Präsident Nixon erkennen, als er nach der Watergate-Affäre gezwungen wurde, seine heimlich gemachten Gesprächsmitschnitte zu veröffentlichen. Er konnte durchsetzen, daß alle seine Kraftausdrücke gestrichen wurden. Die häufigen Hinweise darauf gaben dem Ganzen eine skurrile Note:

PRÄSIDENT: ... Machen Sie ihn auch auf das aufmerksam, was wir schon haben. (Schimpfwort gestrichen) Colson hat (Charakterisierung gestrichen), aber wirklich, wirklich, -- dieses Zeug hier –, vergessen wir's. Aber denken Sie immer daran, daß dies nicht vom Weißen Haus gemacht wurde. spiegel.de 13.5.1974

Die Original-Mitschrift lautete:

PRESIDENT: … Also point out to him that the fish they're really after -- Tell him, look, for Christ sakes, Colson's got brass balls and so forth, but … [DEAN: A11 right.] ... I'd really, really be slugged here is -- let's forget this, remember, this was not done by the White House.

Colson werden hier wohl Unverschämtheit und Dreistigkeit („Messing-Hoden“) zugeschrieben.

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Sigmar Salzburg
25.01.2014 09.22
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Passend zur neuen „Ass“-Kultur

Thomas Paulwitz schreibt in der Jungen Freiheit
(in undeformierter Rechtschreibung):


Schimpfwort „Goethe“
„Fragen Sie in der Türkei niemals nach dem Goethe-Institut!“ Türkischkenner erbauen sich gelegentlich an einem solchen Rat. Sie wissen nämlich, daß es im Türkischen ein Wort gibt, das so ähnlich klingt wie „Goethe“: Das türkische „göt“ ist, ins Deutsche übersetzt, ein derber Ausdruck für das Gesäß...
Wahrscheinlich ist es lediglich einigen eingeweihten „Kiezdeutsch“-Kennern bewußt, daß auch der Kassenschlager „Fack ju Göhte“ in seinem Titel ein Wortspiel mit „Goethe“ und „göt“ treibt. So fiel der Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes unlängst auf: „Ich habe von meiner Nichte neulich gehört, daß ‚Goethe‘ auf Schulhöfen als abwertendes Wort benutzt wird. Das hätte ich auf Anhieb nicht mit einem Schimpfwort in Verbindung gebracht.“ Ulmen-Fernandes führt diese Entwicklung auf den großen Erfolg des Films „Fack ju Göhte“ in den Lichtspielhäusern zurück...
jungefreiheit.de 24.1.2014

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Sigmar Salzburg
10.01.2014 11.00
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Sprechen ohne Mythen

Die Pirahā am Amazonas zählen nur bis zwei und bilden keine Verben in der Vergangenheitsform, auch nicht in der Zukunftsform.

Simone Guski bespricht im Humanistischen Pressedienst das Buch ...

Daniel Everett: „Die größte Erfindung der Menschheit. Was mich meine Jahre am Amazonas über das Wesen der Sprache lehrten“. Deutsche Verlagsanstalt München 2013, 463 Seiten 24,99 Euro

Daniel Everett und die Pirahā wurden auch hier und da schon bei uns erwähnt.

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Sigmar Salzburg
21.11.2013 16.11
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USA ehren ihre „Codetalker“ unter den Ureinwohnern

Indigene Sprachen versetzt mit Codewörtern erwiesen sich während des Zweiten Weltkriegs als nicht entschlüsselbar

Washington – Regisseur John Woo setzte ihnen 2002 mit dem Film „Windtalkers“ ein Denkmal: Amerikanischen Ureinwohnern, die während des Zweiten Weltkriegs militärische Botschaften mit einem unknackbaren Code versahen – ihren Muttersprachen. Offizielle Ehren folgten ebenfalls spät, und eine letzte Gruppe ist erst jetzt ausgezeichnet worden. 250 Menschen erhielten für ihre Verdienste während des Kriegs die Ehrenmedaille des Kongresses. Für fast alle von ihnen war es eine posthume Ehrung...

Im 19. Jahrhundert verfolgte die US-Regierung noch das Ziel, die Kulturen der nordamerikanischen Ureinwohner zu beseitigen. Viele von ihnen wurden erst während des Ersten Weltkrieges US-Staatsbürger, oft im Gegenzug für einen Militärdienst. Zu dieser Zeit wurden ihre zuvor missachteten Sprachen plötzlich als wertvoll erkannt ...

Dem 58-jährigen John Parker kommen die Tränen, wenn er über seinen Vater Simmons Parker spricht. „Mein Vater konnte nicht stolzer sein, seinem Land auf diese Weise gedient zu haben“, sagte er...
derstandard.at 21.11.2013

Sehr selbstlos, denn die Interessen der Amerikaner in Europa waren nicht im mindestens die seines fast beseitigten Volkes.

Wikipedia: Den Comanche gehörten somit auf dem Höhepunkt ihrer Macht gegen 1830 ca. 40.000 Menschen an... 1866 schätzte man die Population der Comanche auf ca. 4.700, im Jahr 1884 gab es nur noch 1.382. 1910 lebten nur noch 1.171. Heute leben wieder über 14.000 Comanche, von welchen aber nur noch wenige die eigene Sprache sprechen.

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Sigmar Salzburg
18.06.2013 13.54
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Blockierte Fremdsprache

Bereits der Anblick von Objekten oder Gesichtern aus der eigenen Kultur können beim Sprechen der Zweitsprache stören
… Schon der Anblick eines aus der eigenen Kultur gewohnten Gegenstands oder eines typisch heimatlichen Gesichts kann die neue Sprache regelrecht blockieren. Unser Gehirn hat dann Probleme damit, die korrekten Wörter zu finden und wir sprechen unsere Zweitsprache plötzlich weitaus weniger flüssig als sonst. Diese Störeffekt liefert nach Ansicht der Forscher auch ein starkes Argument für Stadtviertel und Schulen mit gemischter Bevölkerung – und gegen Chinatowns und andere „Ghettos“ von Migranten...

wissenschaft.de 17.6.2013

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Sigmar Salzburg
20.04.2013 08.42
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Ärger mit Souvenirverkäufern:

Ägypten schließt Tal der Könige für Touristen

Die Geschäfte laufen schlecht, Urlauber bleiben aus. Für Souvenirverkäufer im ägyptischen Tal der Könige sind schwierige Zeiten angebrochen. Jetzt haben einige von ihnen sich auch noch eine handfeste Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert – das historische Areal wurde geschlossen… In den vergangenen Tagen waren wegen einer Protestaktion zwischenzeitlich auch das nahe_gelegene Tal der Königinnen und die Ruinen von Deir al-Madina geschlossen gewesen.
spiegel.de 16.4.2013

Vor Jahren reiste ich nach Luxor und übernachtete im viktorianischen Hotel Winterpalace. Als ich am folgenden Vormittag die Stadt erkunden wollte, schoß aus den vorgelagerten Ladenarkaden ein junger Mann heraus und sprach mich in einer fremden Sprache an. Ich verstand ihn zuerst nicht, bis ich merkte, daß es Englisch sein sollte. Er bat mich, ihm noch etwas Englisch beizubringen. Ich sagte ihm, ich sei Deutscher, er solle sich doch lieber an einen Muttersprachler wenden. Deutsch sei auch okay, meinte er und bat mich in seinen Laden. Nachdem er mich überzeugt hatte, daß er mir nichts verkaufen wollte, folgte ich ihm, bestand aber darauf, daß er mir dafür Arabisch beibringen müsse. – Deutschland wäre gut, meinte er. Ein Freund habe dort jede Nacht eine andere Frau. Er wolle auch nach Deutschland. „Heirat no problem, ich auch Christ!“. Dann holte er eine große Kladde heraus, in der er in arabischer Schrift (mit nur drei Vokalen) deutsche Vokabeln gesammelt hatte. Er fragte eine ganze Reihe von Wörtern nach Bedeutung und Aussprache ab. Zum Schluß brachte er mir einen arabischen Satz bei: Atamanna anta sadiqi (Ich möchte, daß du mein Freund bist). Aber den kannte ich schon.

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Sigmar Salzburg
22.03.2013 07.06
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Erpresserpresse

Heute vor 65 Jahren trat die dänische Rechtschreibreform in Kraft, dabei wurde ein neuer Buchstabe eingeführt, das „å“ – der kleine Kreis oben drauf heißt übrigens, kein Witz, „Bolle“. zvw.de 22.3.2013

Und, wie üblich, hatte die Presse den Erpresserdienst geleistet, die „Reform“ durchzusetzen – dort vor allem das Traumziel der deutschen Reformer, die Kleinschreibung. Ersatzweise werden wir mit der ss-Stussschreibung nach Heyse erpreßt.

Siehe auch hier.

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Sigmar Salzburg
05.03.2013 08.32
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Grammatischer Schwund

Das Italienische besitzt noch das indogermanisch/lateinische Futur.

Beispiel: Monteverdis Oper
„L’Incoronazione di Poppea“ (1642)
Atto prima, scena quarta
(nach einer Liebesnacht):

Poppea: Tornerai? (Wirst du wiederkommen?)
Nerone: Tornerò. (Ich werde wiederkommen.)
Poppea: Quando? (Wann?)
Nerone: Ben tosto. (Sehr bald)
Poppea: Ben tosto, me’l prometti? (… versprichst du’s mir?)
Nerone: Te’l giuro. (Ich schwöre es dir)
Poppea: E me l’osservai? (Wirst du dich für mich daran halten?)
Nerone: E se a te non verrò, tu a me verrai.
(Und wenn ich nicht zu dir kommen werde, dann wirst du zu mir kommen.)

Im Deutschen weicht man natürlich möglichst auf das Präsens aus. Dennoch kann der Gesangslinie die Eindeutschung nicht befriedigend unterlegt werden, schon in den ersten drei Noten nicht.

Die wundervoll klangreiche und doch herbe italienische Sprache wäre viel geeigneter zur europäischen Lingua franca als das Englische, allein schon wegen der bereits von Konrad Duden geschätzten einfachen Orthographie.

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Sigmar Salzburg
02.03.2013 09.20
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Etruskisch

Das Etruskische zeigt im Vokabular, soweit es bisher verstanden ist, kaum Ähnlichkeiten mit indogermanischen Sprachen – etwa dem damals benachbarten Latein. Insofern war die Angabe Herodots, die Etrusker stammten aus Kleinasien, durchaus einleuchtend. Nun haben genetische Untersuchungen (Plos One 6.2.2013) einer italienischen Forschergruppe an 2500 Jahre alten sterblichen Überresten aus beiden Bereichen ergeben, daß diese Verwandtschaft weitere 5000 Jahre zurückliegen muß, so daß eine mündliche Überlieferung ähnlich vertrauenswürdig wäre wie eine deutsche Erinnerung an eine Herkunft aus Anatolien. Dagegen lebten zur Zeit der Renaissance in der Toscana noch weitverbreitet Nachfahren dieses kunstreichen Volkes, während sie heute nur noch in Volterra und im Casentino-Tal zu finden sind.

Die etruskische Sprache ist im westgriechischen Alphabet gut leserlich überliefert. Die Hoffnung, mit den 1964 aufgefundenen zweisprachigen Tempelweiheinschriften von Pyrgi (5.Jhdt. v. Chr.) eines Regenten Thefarie Velianas für Astarte/Juno dem Verständnis näherzukommen, haben sich nicht erfüllt. Die in Goldbleche auf punisch und etruskisch eingedrückten Texte sind nicht deckungsgleich. Bemerkenswert sind aber die damit dokumentierten engen Beziehungen zu Karthago. Vielleicht wurde Hannibal dadurch später zu seinem Entschluß angeregt, Rom von Norden her anzugreifen.

Siehe auch Pressetext.com vom 11.2.2013.

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Sigmar Salzburg
17.02.2013 06.58
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Damit die Muttersprache neben Englisch noch gelernt werden kann:

Sāmoan Orthography to be Restored

Public hearings began Tuesday in Sāmoa discussing the new Sāmoan Language Commission Bill. The proposed bill is intended to add special emphasis on the reinstitution of language standardization procedures that had previously been approved in 1966…

The bill is monumental as the “symbols”, which are academically referred to as “diacritics,” first came into use in Sāmoa by Reverend George Pratt; in the 1850’s, and upon later approval, taught in the government schools. However, by the 1970’s the department, stopped printing the diacritics in school books. One could argue that their absence came with the increased use of computers …

Reinstating and making full use of the Sāmoan diacritics, faʻamamafa ( ¯ ) and koma liliu ( ʻ ), as Leapai says, “emphasize the exact meaning of a word and thus the meaning of the whole sentence in which that word is used, and the ministry fully supports the government’s decision to restore the symbols and signs in the use and teaching of the Samoan language.” The Fiji Times reports that, “the fast and modern changes in Samoan society overtime have younger Samoan generations communicating more in English and making it hard for them to learn their mother language without the symbols.” Words such as pau which means to end or stop, can and will generate different meanings if the diacritics are not used, as paū means to be stern, paʻu means skin, and paʻū means to fall. Furthermore, in written form the separate villages of Lotofaga and Lotofagā are difficult to distinguish without the diacritics, the same is true when spelling Sāmoa, it is clear to see the ʻsā’ in Sāmoa, as sā means sacred.

kaleo.org 8,2,2013

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Sigmar Salzburg
13.02.2013 07.47
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Wieder mal die ‚Ursprache‘ …

Computer rekonstruiert Wörter aus Ursprache

Wie lautet der gemeinsame Ursprung von Wörtern aus verschiedenen Sprachen? Forscher beantworten derartige Fragen jetzt mit Software. Erste Tests mit mehr als 600 Sprachen aus dem Pazifikraum verlaufen vielversprechend …

Im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ beschreiben die Wissenschaftler ihr Verfahren, das sie mit Wörtern aus diversen austronesischen Sprachen getestet haben. Diese werden von rund 300 Millionen Menschen im Pazifikraum gesprochen…

Als Input nutzten die Forscher mehr als 142.000 Wörter aus 637 Sprachen. Das Wort Vogel heißt beispielsweise auf Fidschianisch manumanu, in der ausgestorbenen Pazeh-Sprache der Insel Taiwan aiam, in der Melanau-Sprache manuk und in der Sprache Abaknon manok. Als gemeinsamen Ursprung dieser Wörter ermittelte der Algorithmus qayam. Auf dasselbe Wort waren Linguisten auf dem herkömmlichen Weg ohne Computerhilfe auch gekommen. 85 Prozent aller per Algorithmus rekonstruierten Ursprungswörter stimmten mit den Begriffen überein, die Linguisten in jahrelanger, mühevoller Arbeit gefunden hatten, schreiben Bouchard-Côté und seine Kollegen…

spiegel.de 12.2.2013

… sehr überzeugend! Das erinnert mich an mein gefundenes Urwort „kfraogwts“ zur Bezeichnung der Ureuropäer.

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Sigmar Salzburg
03.02.2013 11.27
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Programmier-Projekt

Codesprache Arabisch
Wie abhängig sind Programmierer von der englischen Sprache? Sehr, hat Ramsey Nasser herausgefunden. Deswegen hat er eine neue Programmiersprache geschaffen – auf Arabisch...

„Hallo Welt!“ – dieser Satz steht meist am Beginn des Programmierens in einer neuen Sprache…
Seine Sprache nennt er „Alb“, übersetzt heißt das „Herz“. Sie ist ein Kunstprojekt, das aber voll funktionstüchtig ist. Allerdings ist sie inkompatibel zu anderen Programmiersprachen, da diese Englisch als Hauptsprache nutzen…

Das Programmieren hat sechs Monate gedauert. Dann stand „Merhaba ya Aalam“ auf dem Bildschirm – die Übersetzung von „Hallo Welt“, natürlich in arabischen Schriftzeichen. Nasser studiert am New Yorker Technologiezentrum Eyebeam, „Alb“ ist seine Jahresarbeit, drei Programme hat er insgesamt geschrieben…

Die These, dass alle Englisch lernen sollen, wenn sie coden wollen, nennt Jeff Atwood „Der hässliche amerikanische Programmierer“. Atwood, der selbst Programmierer ist, spielt damit auf den Roman „Der hässliche Amerikaner“ an. Er spielt in den 50er-Jahren in Südostasien, wo Amerikaner den kommunistischen Einfluss zurückdrängen wollen. Sie scheitern, weil sie sich überwiegend arrogant verhalten und gegenüber der vorherrschenden Kultur respektlos sind und deswegen von der Bevölkerung abgelehnt werden…

Mit Alb will Nasser den Menschen, die mit dem lateinischen Alphabet aufgewachsen sind, zeigen, wie es sich anfühlt, keine Befehle zu lesen, sondern nur Muster zu erkennen…

spiegel.de 3.2.2013

Ramsey Nassers verwendet anscheinend nicht das interkulturelle Hocharabisch, sondern den ägyptischen Dialekt, in dem „qalb“ (Herz, nicht zu verwechseln mit „kalb“ Hund) zu „‘alb“ geworden ist. Dem Vorzug des Englischen, der Einsilbigkeit, entspricht im Arabischen der Verzicht auf die Wiedergabe der kurzen Vokale und die Beschränkung der Wortwurzeln auf meist drei Konsonanten.

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Sigmar Salzburg
03.02.2013 08.41
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Zu spät

Linguisten beleben ausgestorbene Aborigene-Sprache

Australische Linguisten haben eine ausgestorbene Aborigene-Sprache bei Adelaide wiederbelebt. Möglich machen dies die Aufzeichnungen deutscher Missionare aus dem 19. Jahrhundert. Lange nach dem Tod der letzten Sprecherin wächst nun die erste neue Muttersprachlerin heran…

Als die Deutschen im Jahr 1846 ihre Missionstätigkeit aufgaben, hatte sich zu ihrer Enttäuschung noch kein einziger Aborigene taufen lassen… Lange nach ihrem Tod erweist sich die Kaurna-Sprache als Glücksfall für Linguisten, da sie dank der detaillierten Aufzeichnungen der deutschen Missionare zumindest auf dem Papier erhalten geblieben ist…

Genaue Aussprache schwierig zu rekonstruieren
Die Sprache der Ureinwohner ist komplex. Kaurna gehört zu den agglutinierenden Sprachen, bei denen bedeutungstragende Bausteine hinten an das jeweilige Wort angehängt werden. Laut Amery unterscheidet die Sprache mehr als ein Dutzend Fälle – und damit mehr als Latein. Von den europäischen Sprachen ähnelt ihr am ehesten das Baskische, obwohl keinerlei Verwandtschaft besteht, sagt Amery.

Auch die Aussprache hat es in sich. Ähnlich wie Tamil und Hindi unterscheidet Kaurna allein drei verschiedene R- und vier L-Laute. „Im aktuellen Sprachkurs haben wir einige Koreaner, die ja in ihrer Sprache nicht einmal zwischen R und L unterscheiden“, scherzt Amery. „Am Anfang haben sie sich schwer getan, aber so langsam nähern sie sich den neuen Lauten.“

170 Jahre nach dem Wirken der Missionare erweisen sich auch heute Deutsche als wichtige Helfer bei der Erschließung der Sprache. „Deutsche Studenten haben ein besseres Gefühl dafür, welche Aussprache ihre Landsmänner damals festgehalten haben könnten“, erklärt Amery. So sei beispielsweise die Aussprache des Buchstaben U im Deutschen recht eindeutig, wohingegen er im Englischen viele verschiedene Laute beschreiben kann.

Doch oft können auch Deutsche die Aussprache gewisser Wörter nicht eindeutig rekonstruieren. In solchen Fällen suchen Amery und sein Team in benachbarten Sprachen nach Hinweisen. „Wenn das auch nicht hilft, müssen wir eben raten“, sagt Amery…

spiegel.de 3.2.2013 ... University of Adelaide

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Sigmar Salzburg
13.01.2013 12.22
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Raffiniert einsilbig

Zebramangusten kommunizieren über informationsgeladene Mini-Rufe

Welches Gruppenmitglied hat da gegrunzt und was macht es gerade? Zebramangusten wissen das, denn die unscheinbaren Laute der Tiere haben es offenbar in sich, wie ein Biologenteam berichtet. Mit einsilbigen Rufen können die putzigen Savannenbewohner demnach Gruppenmitgliedern ihre Identität und momentane Beschäftigung mitteilen. Obwohl die Laute nur 50 bis 150 Millisekunden dauern, sind sie klar strukturiert und daher sogar mit der menschlichen Sprache vergleichbar, sagen Marta Manser von der Universität Zürich und ihre Kollegen. […]

Die Tiere einer Gruppe können Mitglieder anhand des charakteristischen Rufs unterscheiden, beobachteten die Verhaltensforscher. Mangusten verfügen außerdem über ein breites Spektrum an Lauten mit denen sie Tätigkeiten koordinieren können und den Gruppenzusammenhalt aufrechterhalten. „Unsere Ergebnisse weisen nun darauf hin, dass das Eingangsgeräusch eines jeweiligen Rufes Auskunft über die Identität des rufenden Tiers gibt“, berichtet Jansen. Der zweite, mehr klangliche und einem Vokal ähnliche Teil der Lautäußerung informiere dagegen über die aktuelle Tätigkeit des Rufers, so die Ergebnisse der Biologen.

Damit zeigen sie nun erstmals, dass eine Tierart über Lautäußerungsstrukturen verfügt, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Vokal- und Konsonantensystem der menschlichen Sprache haben. Die Forscher sind allerdings überzeugt, dass Zebramangusten nicht die einzigen sind, die Silben strukturieren können. „Das Beispiel der Zebramangusten zeigt, dass sogenannte einfache tierische Lautäußerungen weitaus komplexer sein können, als man bisher für möglich hielt“, sagt Co-Autor David Jansen von der Universität Zürich.

wissenschaft.de 10.1.2013

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