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Kirchen und Religion
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Sigmar Salzburg
30.09.2013 06.40
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Sprachreformen – nicht nur biblisch

Eben stoße ich auf einen Hinweis von Wolfgang Wrase bei FDS auf “konkordante Bibelübersetzungen“:

Je gerechter, desto unnatürlicher. Das geht auch ohne Feminismus: ...
Der Missionsbefehl (Mt 28,19 f.) lautet in herkömmlichem Deutsch so:
Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie ...
Und jetzt in Konkordanz-Sprech:
Machet zu Lernenden als Gehende in all die Nationen, als jene Taufende in den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, als jene Lehrende ...
FDS 26.6.2013

In Wikipedia heißt es dazu ...
Dies versucht die Partizipalkonstruktion des griechischen Originals im Deutschen wiederzugeben.

... und nennt als Quelle:

„Die Geschriebene“ (auch DaBhaR-Übersetzung), 1975 bis 1990, von Fritz Henning Baader initiiert.

Das erinnert doch schon sehr an die feministischen Ramsauereien mit den „zu Fuß Gehenden“ als Ersatz für „Fußgänger“. Die Gedankenverbindung zu Monty Pythons „Ministerium für törichte Gangarten“ liegt wieder einmal nahe.

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Sigmar Salzburg
29.09.2013 07.40
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Ist die Theologie eine Wissenschaft?

Rom – Zum ersten Mal seit seinem historischen Rücktritt vom Amt hat Joseph Ratzinger sein selbstauferlegtes Schweigen gebrochen. In einem elf Seiten langen Brief wendet er sich an den Mathematiker und Wissenschaftshistoriker Piergiorgio Odifreddi – einen namhaften italienischen Atheisten, der sich in seinen Publikationen kritisch mit Religion und Kirche auseinandergesetzt hat.

Im Jahr 2011 veröffentlichte Odifreddi ein Buch mit dem Titel „Warum wir keine Christen sein können (und schon gar keine Katholiken)" Dann wandte sich der Logiker mit dem Brief „Lieber Papst, ich schreibe Dir“ direkt an Benedikt XVI. – der ihm nun mit reichlich Verspätung darauf antwortete.

[Taktvoll übersetzt der Spiegel das „Du“ Odifreddis, das er nur im Buchtitel verwendet, in die deutsche höfliche Großschreibung, obwohl unsere Kultusminister beschlossen hatten, daß solche „Ehrerbietung“ ein Fehler sei.]

Zu Beginn tritt Ratzinger Odifreddis Vorwurf entgegen, die Theologie sei keine Wissenschaft sondern Science Fiction. „Das Wesentliche ist, dass man eine nachprüfbare Methode anwendet, Gutdünken ausschließt und Rationalität garantiert“, schreibt der Ex-Papst und fügt fast scherzhaft hinzu: „Sie sollten zumindest anerkennen, dass im Bereich der Geschichte und des philosophischen Gedankens die Theologie doch nachhaltige Resultate erzielt hat.“

spiegel.de 24.9.2013

Caro Papa ti scrivo è il nuovo libro di Piergiorgio Odifreddi:



Fühlte Joseph Ratzinger sich zu einer Antwort ermutigt, nachdem ein „Gottesbeweis“ wieder als Wissenschaft gehandelt wurde?

Formel von Kurt Gödel: Mathematiker bestätigen Gottesbeweis
Ein Wesen existiert, das alle positiven Eigenschaften in sich vereint. Das bewies der legendäre Mathematiker Kurt Gödel mit einem komplizierten Formelgebilde. Zwei Wissenschaftler haben diesen Gottesbeweis nun überprüft – und für gültig befunden.
spiegel.de 9.9.2013

Gödel, der (unter gewissen Voraussetzungen) die Unvollständigkeit widerspruchsfreier Axiomensysteme bewies, hat hier auf Sand gebaut. Sein vorausgesetztes, durch Leibniz inspiriertes Axiom des „Positiven“ ist ein völlig unzureichendes Fundament für ein universelles Gedankengebäude. Es ist im Grunde ein Werturteil, das nur auf menschliche Lebenssituationen angewendet werden kann. Allein unser Sonnensystem hat eine Masse von 2•10³° kg, die aber nur höchstens den 10²³ten Teil des sichtbaren Weltalls ausmacht. Die Masse Mensch mit vielleicht 2•10¹¹ kg kann man darin praktisch gleich null setzen. Die Wertung positiv/negativ ist damit für so gut wie das gesamte Weltall völlig sinn- und bedeutungslos.

Nachtrag: Siehe dazu auch eine Glosse in Konkret (in Kulturrechtschreibung).

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Sigmar Salzburg
18.09.2013 11.00
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Trennung von Staat und Kirche

Neben der Linken sind die Piraten die einzige Partei mit halbwegs reeller Chance auf den Einzug in den Bundestag, die den Abbau kirchlicher Vorrechte fordern... Dass CDU und CSU den Kirchen ihre Pfründen nicht streitig machen, wundert nicht. Bei den Sozialdemokraten wiederum ist die Furcht vor dem Ruch der „gottlosen Gesellen“ so groß, dass Katholik und Schönsprecher Wolfgang Thierse zum Parteigewissen geadelt wird, während das Grüppchen bekennender Laizisten nicht mal einen Arbeitskreis bilden darf. Und bei den Grünen sind die personellen Überlappungen, etwa in Gestalt der EKD-Funktionärin Katrin Göring-Eckardt, nicht zu übersehen.
taz.de 18.9.2013

(Link hinzugefügt)

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Sigmar Salzburg
17.09.2013 06.56
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Menschenversuche

Grausame Forschung: Beschneidungsklemmen
TARRYTOWN, N.Y. (hpd) Intact America protestiert gegen ein makabres Forschungsprogramm, das am Good Samaritan Hospital im US-amerikanischen Cincinnati durchgeführt werden soll: an 200 männlichen Säuglingen werden neue Beschneidungsklemmen ausprobiert... Die Schmerzreaktion der wenige Tage alten Säuglinge wird im Rahmen der Studie wesentlich anhand deren Mimik, Gestik und ihrem Schreien und Weinen sowie dessen Intensität und Dauer gemessen werden...
hpd.de 16.9.2013

In vielen Ländern Europas ist das Kupieren bei Hunden mittlerweile verboten, in der Schweiz seit 1997, in Deutschland seit 1987 (Ohren) und 1998 (Schwanz)... (Wikipedia) (s.a.)

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Sigmar Salzburg
11.09.2013 10.34
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Da hat die EKD sicher an die Beschneidungen gedacht!

In Bayern haben die Behörden in diesem Sommer den Anhängern zweier Sekten das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen...
„Es ist tatsächlich immer eine Gratwanderung zwischen elterlicher Erziehungsgewalt und staatlicher Fürsorgepflicht“, sagt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. „Das Entscheidungsrecht der Eltern endet aber spätestens da, wo die körperliche Unversehrtheit und die Menschenrechte von Schutzbefohlenen in Gefahr sind.“ Da gäbe es auch keine religiös verbrämten Entschuldigungen.
focus.de 11.9.2013

Zum Verhalten der Bundestagsparteien siehe hier.

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Sigmar Salzburg
06.09.2013 13.00
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Schulen und Tagesschauen sollten religiös neutral bleiben

Jetzt, wo manche Parteien am islamischen Rand um Wählerstimmen buhlen, wäre es gut, sich wieder eine Entscheidung des Hamburger Oberlandesgerichts in Erinnerung zu rufen aus einer Zeit, in der die Islamisierung noch kein Thema war, aber eine andere Sekte optisch Einzug in die Schulen halten wollte. Der Humanistische Pressedienst schreibt:

Dass es übrigens nicht um „Islamfeindliches“ bei Ablehnung des Kopftuchs von Lehrerinnen geht, wie die [islamische] Verbandsseite behaupten wird, zeigt sich schon daran, dass die Thematik religiöser Bekleidung von Lehrern – schon vor der Kopftuchdebatte – von Bedeutung gewesen ist. Seinerzeit ging es um das uniformierte Auftreten von Lehrern und Lehrerinnen, die sich zur Bhagwan-Ideologie bekannten. Damals wies beispielsweise das Hanseatische Oberlandesgericht (Hamburg) darauf hin, dass durch das Tragen der auffälligen Kleidung die (minderjährigen) Schüler veranlasst würden, sich näher mit diesem Lehrer zu befassen. Dadurch werde zum einen der Schulfriede gestört zum anderen bestehe die Gefahr der werbenden Information über diese Sekte.

hpd.de 6.9.2013

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Sigmar Salzburg
05.09.2013 06.32
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Wieder geht Glaube vor Recht

Katholische Schule darf muslimischen Jungen ablehnen

... Ein muslimischer Junge wollte eine katholische Grundschule besuchen – aber nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Der Schulleiter weigerte sich, die Eltern reichten Klage ein... Jetzt hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster im Eilverfahren entschieden: Die katholische Bonifatius-Grundschule im nordrhein-westfälischen Paderborn darf den Jungen ablehnen. Der Beschluss ist unanfechtbar (Aktenzeichen 19 B 1042/13).

Die Schwester des Jungen besucht bereits die Schule. Als die Eltern auch ihren Sohn anmeldeten, wünschten sie sich, dass er – genauso wie seine Schwester und viele andere Kinder der Schule – vom katholischen Religionsunterricht befreit wird...

Im Anmeldebogen der Schule ist ausdrücklich der Wunsch nach einer Teilnahme am Religionsunterricht und an Schulgottesdiensten vorformuliert. Die Eltern hatten sich geweigert, das zu unterschrieben. Der Schulleiter lehnte den Schüler daraufhin ab, und die Eltern reichten Klage ein...

Sie sahen in der Forderung der Grundschule einen „Verfassungsbruch“ und ein „Aufdrängen“ der Teilnahme am katholischen Religionsunterricht gegenüber Andersgläubigen. Zudem handele es sich bei der Schule längst um eine nichtkonfessionelle Lehranstalt, weil 60 Prozent der Kinder auf der Bonifatius-Schule gar nicht mehr katholisch seien.

Bekenntnisschulen gibt es nur noch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen. In NRW ist ein Drittel der knapp 3000 Grundschulen noch immer konfessionsgebunden, in 75 Städten und Gemeinden haben Kinder und Eltern gar keine Alternative. Doch nicht nur in Paderborn sinkt die Zahl der christlichen Schüler immer weiter. Deswegen steigt auch der Rechtfertigungsdruck auf diese Schulen.
Die Richter wiesen die Klage der Eltern nun trotzdem zurück...

spiegel.de 4.9.2013

Finanziert werden bekanntlich auch die Konfessionsschulen zu 100 Prozent von allen Steuerbürgern des Staates. Dessen parteilich und religiös voreingenommene Organe sehen es aber offensichtlich als Gewohnheitsrecht an, das Grundgesetz in Artikel 7,2 auszutricksen:

„Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.“

In anderen Bundesländern ist die Einflußnahme nicht geringer, aber wenigsten nicht in Schulformen zementiert. Bayern hat jedoch in Artikel 127 seiner Verfassung den Kirchen Besitzansprüche an den Kindern garantiert, sogar wenn die Eltern daran nicht mehr interessiert sind:

„Das eigene Recht der Religionsgemeinschaften und staatlich anerkannten weltanschaulichen Gemeinschaften auf einen angemessenen Einfluß bei der Erziehung der Kinder ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung wird unbeschadet des Erziehungsrechts der Eltern gewährleistet.“ (s.a. fgw 11.8.13)

Nur eine klare Trennung von Staat und Religion wird der heutigen weltanschaulichen Vielfalt gerecht.

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Sigmar Salzburg
03.09.2013 12.25
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Giordano Bruno

Aus unterschiedlichen Anlässen wurde hier bisweilen der Naturphilosoph Giordano Bruno erwähnt – 1,2,3,4,5.
Jetzt ist im Salzburger Mozarteum eine „Passion Giordano Bruno“ des inzwischen 90jährigen Komponisten Gerhard Wimberger für Baßbariton, Sprecher, Chor und Orchester uraufgeführt worden: ( hpd.de). Sie zeigt, daß – anders als Martin Walser meint – auch gegen die Religion ergreifende Werke geschaffen werden können.

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Sigmar Salzburg
31.07.2013 08.44
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... kein Bildnis machen

Vor kurzem las man bei rhoen-aktuell.de eine Suchanzeige:

Seit 4 Tagen kommt unser Schrödinger nicht mehr nach Hause. Er ist kastriert und gechipt. Seine ganz besondere Eigenart ist es sich beim Schlafen sich den Schwanz zu zutzeln...
Ein Kater aus einer naturwissenschaftlich gebildeten Familie also. Der Physiker Erwin Schrödinger hatte bekanntlich versucht, das dem Alltagsverstand Absurde der Quantentheorie anhand einer zugleich toten und lebendigen Katze sichtbar zu machen – Schrödingers Katze. Gleichzeitig prägte er den Begriff der Verschränkung für herkömmlich unmögliche Zusammenhänge. Dergleichen soll Heisenberg zu dem nirgends belegten, seltsam anmutenden Ausspruch geführt haben:
„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott!“
Auch der Verschränktheitsforscher Anton Zeilinger fand darin eine Stütze für seinen Glauben. (kurier 5.12.11)
(Auf mich als neunjährigem Naturforscher wartete in einem Becher Tümpelwasser nur ein Frosch.)
Die Biologin Renée Schroeder hält dem entgegen
„Der Mensch hat Gott erdacht.“ (profil.at 22.7.2013)
Nun versucht der „Chef-Atheist”der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, den Gläubigen das Mystische der Naturwissenschaften mit einem weiteren Bild schmackhaft zu machen:
Auf atomarer Ebene, so könnte man sagen, gibt es tatsächlich so etwas wie „Reinkarnation“: Die Atome, die einst dem historischen Buddha, dem historischen Jesus oder Mohammed Gestalt gaben, sind nicht nur bis heute erhalten geblieben, viele Millionen dieser „Buddha-, Jesus- oder Mohammed-Atome“ befinden sich jetzt, in diesem Moment, in unveränderter Form in Ihren Händen, Füßen, Beinen oder inneren Organen. Insofern ist jeder Mensch, aber natürlich auch jeder Hai oder jede Spitzmaus, ein „ökumenisches Religionsstiftertreffen“. (hpd.de 31.7.13)
Dieses Bild vernebelt aber, daß Individualität erst weit oberhalb der Welt der Elementarteilchen beginnt, so daß man auch von zwei nebeneinander existierenden Atomen nicht sagen kann, ob sie nicht bisweilen unbemerkt ihre Plätze tauschen.

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Sigmar Salzburg
03.07.2013 07.31
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Gert Scobel

Buchautor und Philosoph Gert Scobel besucht die Hochschule Rheinbach

RHEINBACH. Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst. Ganz so leicht, wie es Juliane Werding Mitte der 70er Jahre gesungen hat, lässt sich der Vorgang im Kopf wohl doch nicht erklären. Jedenfalls nähert sich Gert Scobel in seinem 2012 erschienenen Buch „Warum wir philosophieren müssen. Die Erfahrung des Denkens“ dem Begriff und der Tätigkeit des Denkens auf rund 536 Seiten – ohne Anhang.

Dabei missachtet er direkt zu Beginn eine grammatikalische Regel und stellt eine These auf. Und zwar, dass substantivierte Verben wie „das Denken“ groß geschrieben werden. Er schreibt die Nominalisierung konsequent klein. Seine Erklärung: "... weil es das Denken nicht gibt. Was es gibt, ist denken als Vorgang, als Tätigkeit, als Erfahrung, die sich in der Zeit entwickelt.“ Aber woher nimmt der Autor die Gewissheit, dass es das Denken nicht gibt? Von Ally? Der Golden-Retriever-Hundedame, der Scobel das Buch widmet?
General-Anzeiger Bonn 26.06.2013

Mehr über „das denken“ Gert Scobels konnte man schon in einer Rezension seines Buches „Ausweg aus dem Fliegenglas“ im Humanistischen Pressedienst vor zweieinhalb Jahren erfahren:

Christlicher Glaube als Weisheitslehre?

(hpd) Der studierte Philosoph und Theologe Gert Scobel, einem weiterem Publikum durch seine TV-Sendungen „Kulturzeit“ und „scobel“ bekannt geworden, hat sich auf die schwierige Suche nach einem „Ausweg aus dem Fliegenglas“ begeben. Aber, um es vorweg zu nehmen: Auch er hat ihn, trotz großer Anstrengung und Ausdauer, nicht finden können.

Es gibt noch Überraschungen. Nachdem uns der Autor 398 Seiten lang neugierig gemacht hat, „wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können“ – so der Untertitel seines Buches – , nachdem wir also die Hoffnung fast schon aufgegeben haben, dass wir das noch erfahren, was wir immer schon wissen wollten, da lüftet er auf Seite 399 unten das Geheimnis: „Mein Rat: Statt auf dogmatische Lehrsätze und die Lehren der Religion zu starren wie das Kaninchen, das vor der teuflischen Schlange der Unorthodoxie Angst hat, ist es befreiender und vor allem auch lohnender, sich mit den Weisheitstraditionen in Verbindung zu setzen.“ [...]

... Scobel selbst steht in manchen seiner Formulierungen den eben zitierten Theologen-Tautologien in nichts nach:

„Die Bedingung für die Vernünftigkeit des Glaubens besteht, so paradox es auch klingen mag, gerade darin, dass man sich ihm als Phänomen nur so nähern, ihm nur so gerecht werden kann, dass man glaubt. Die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens besteht in dem (mittels Vernunft und Empirie überprüfbaren) Sachverhalt, dass es nicht gelingt, dem Glauben anders (auf andere Weise) als im Glauben gerecht zu werden“ (S. 388).

Müssen solche Sätze sein? Ich denke nicht. Sie sind es, die das Buch als ganzes in seiner Aussage zwiespältig machen. Die Verschraubtheit dieser Sätze ist nur die Kehrseite der offenkundigen Unmöglichkeit, christlichen Glauben in einer nachvollziehbaren, von Wahn und Aberglaube unterscheidbaren Weise zu begründen...
hpd.de 20.12.2010

Wie wäre es, wenn Scobel auch mal „den Glauben“ klein schreiben würde? Aber dann wäre ihm vermutlich nicht so leicht der Einstieg in den CDU/SPD/EKD/RKK-kontrollierten und jetzt zwangsgebührenpflichtigen öffentlich-rechtlichen Fernsehbetrieb gelungen.

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Sigmar Salzburg
26.06.2013 06.51
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Nichtreligiöse Spiritualität

Der Philosoph Joachim Kahl wird im Humanistischen Pressedienst unreformiert mit bemerkenswerten Gedanken zitiert:

Hatte Dr. Kahl in diesem Jahr bereits auf dem Humanistentag in Hamburg seine Auffassungen zur nichtreligiösen Spiritualität einem größeren (humanistischen) Publikum vorgestellt, so hat er am vergangenen Sonntag in Berlin in der URANIA seine Ansichten gegen andere Vorstellungen von Spiritualität abgegrenzt.

Verschränkung von Rationalität und Emotionalität

Hierbei definierte er den Begriff einer atheistischen Spiritualität, wobei er zunächst darauf hinwies, dass heute Spiritualität „ein verbreiteter und schillernder Modebegriff (sei), meist gleichgesetzt mit vager Religiösität. In dieser gegenwärtigen Konjunktur spiegelt sich – entgegen einem ersten Anschein – der historische Niedergang der Religion. Sie getraut sich nicht mehr – selbstbewußt wie einst – im eigenen Namen und mit eigenem Wahrheitsanspruch, meist einem Offenbarungsanspruch, aufzutreten.“ Man solle aber nicht Spiritualität widerstandslos einer religiösen Interpretation überlassen, denn „Spiritualität bezeichnet eine wichtige allgemein menschliche Ebene des Bewußtseins,die religiös oder nichtreligiös, eben weltlich-humanistisch, gefüllt werden kann. Zwei Hauptmerkmale definieren Spiritualität: formal ist Spiritualität die Verschränkung von Verstand und Gefühl, von Rationalität und Emotionalität – inhaltlich ist sie die Verschränkung von Relativem und Absolutem. Anders gesagt: spirituelle Bedürfnisse und Fragestellungen beziehen sich – in gemüthaft vertiefter Form – inhaltlich auf die metaphysische Ebene der Wirklichkeit.“

Wobei Dr. Kahl erläuternd darauf hinweist, dass er nicht auf die „theologisch aufgeladene Spielart von Metaphysik“ Bezug nehme, sondern auf den „ontologischen Metaphysikbegriff, der, angelehnt an Parmenides und Aristoteles, die unveränderlichen, absoluten Strukturen des Seins“ bezeichne.

Die wörtlichen Zitate sind dem Redemanuskript von Dr. Kahl vom 23.06.2013 entnommen.
hpd.de 25.6.2013

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Sigmar Salzburg
23.06.2013 18.22
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Die Fruchtbarkeit der Evolution

Siegfried R. Krebs (Freigeist Weimar) bespricht Beiträge einer Tagung:

Evolution und Humanismus zwischen Zufall und Notwendigkeit

WEIMAR. (fgw) Der (leider erst) jetzt vorliegende Band 5 der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Bayern versammelt 13 Beiträge der Tagung „Die Fruchtbarkeit der Evolution, die vom 20. bis zum 22. Mai 2009 in Nürnberg stattgefunden hatte. Anlaß für diese Tagung war das „Darwin-Jahr“, das sowohl dem 200. Geburtstag des Naturforschers Charles Darwin als auch dem 150. Jahrestag der Erstausgabe seines Hauptwerkes „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ gewidmet war...

[Anscheinend immer noch gültig ist die Feststellung:]

Um „Darwins umkämpftes Erbe“ geht es im Beitrag des Philosophen Michael Schmidt-Salomon mit dem Untertitel „Die Evolutionstheorie im weltanschaulichen Widerstreit“. Seine Aussagen kann man in zwei Thesen zusammenfassen: „Wissen statt Glauben – Warum sich die Evolutionstheorie nicht mit traditionellen Glaubensformen vereinbaren lässt“ und „Darwins humanistisches Erbe – Die Graswurzelrevolution des evolutionären Humanismus“. Schmidt-Salomon beklagt den deutschen Bildungsnotstand, wo die „Evolutionstheorie in den Schulen, wenn überhaupt, nur am Rande behandelt wird.“ (S. 34) Einwurf: Diese Aussage gilt allerdings nicht für die Schulen in der weiland der DDR, da war man seinerzeit doch bedeutend weiter...

freigeist-weimar.de 23.6.2013

[Seit meiner Schulzeit hat sich also nicht viel geändert. Ich habe nur von der Evolution erfahren, weil ich neunjährig schon die populärwissenschaftlichen Zeitschriften „Orion“ und „Kosmos“ bezog.]

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Sigmar Salzburg
18.06.2013 05.00
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Die neue Zeitgeistlichkeit

Kirche stellt Homo-Ehe vor Altar gleich
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Segnung homosexueller Paare weitgehend mit der Trauung gleichgestellt...
Im mit großer Mehrheit beschlossenen Regelwerk heißt es unter anderem: „Heute wird davon ausgegangen, dass die gleichgeschlechtliche Orientierung zu den natürlichen Lebensbedingungen gehört. Homosexualität kann als Teil der Schöpfung gesehen werden.“
Hessischer Rundfunk 16.6.2013

Christliche Theologen denken bekanntlich mit Logikdefekten – sonst wären sie keine. Mit dem gleichen Wahrheitsanspruch könnten sie auch behaupten, Pädophilie sei ein Teil der „Schöpfung“. Einen Außenstehenden braucht die kirchliche Fürsorge nicht zu berühren, vor allem, wenn dadurch der Druck vom Staat genommen würde, als Ersatzkirche für skurrile Paarungen zu fungieren. Allerdings muß man fragen, warum die Kirchen das Wort „Gottes“, die Grundlage ihres Glaubens, offensichtlich nach Laune außer Kraft setzen dürfen.

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Sigmar Salzburg
30.05.2013 08.41
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Auch eine Zwangsmissionierung

OLG zwingt Konfessionslose in Religionsunterricht

(hpd/MIZ) Seit dem Schuljahresbeginn 2012/13 in Nordrhein-Westfalen streiten sich konfessionslose und gemeinsam sorgeberechtigte Eltern gerichtlich um die Teilnahme ihrer Zwillinge am schulischen Religionsunterricht und Schulgottesdiensten. Nun hat das Oberlandesgericht Köln entschieden, dass die konfessionslosen Kinder den Religionsunterricht besuchen sollen...

hpd.de 0.5.2013

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Sigmar Salzburg
15.05.2013 11.40
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Mangelhafte Trennung von Staat und Kirche

Treffen von Wowereit und Woelki
Kirchenaustritte in Berlin sollen künftig Geld kosten
Mehr Geld für den Religionsunterricht, das will die Kirche. Geld für den Kirchenaustritt, das will der Berliner Senat…


… am Dienstag beschloss der rot-schwarze Senat, einen Gesetzesentwurf für eine Kirchenaustritts-Gebühr ins Parlament einzubringen. Wer künftig in Berlin aus der Kirche austreten will, soll dafür 30 Euro bezahlen.

Begründet wurde das Vorhaben mit den Kosten für die Amtsgerichte, die die Austrittserklärungen bearbeiten...

Über die Höhe der Gebühr hat laut Senat bereits 2008 das [christlich dominierte] Bundesverfassungsgericht entschieden. Das Gericht habe sowohl das staatliche Verwaltungsverfahren zum Kirchenaustritt als auch die Gebühr von 30 Euro in Nordrhein-Westfalen für verfassungsgemäß erklärt. Vergleichbare Regelungen gebe es in allen Bundesländern außer in Berlin, Brandenburg und Bremen.

rbb-online.de 14.5.2013

Mit Recht fragten die Jusos in Münster am 19.11.2011:
Warum ist eine Kirchenaustrittsgebühr zu leisten, aber keine Kircheneintrittsgebühr? Bei beiden Maßnahmen entsteht Verwaltungsaufwand, doch nur einer wird mit einer Gebühr belegt.
jusos-muenster.de

Will der Senat sich bei den Frommen anbiedern, wo nun schon 60 Prozent der Berliner konfessionslos sind?

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