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Sigmar Salzburg
25.06.2013 07.40
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Das wiedererrichtete Schloß in Hannover-Herrenhausen

Manuel Brug schreibt in der „Welt“ anläßlich der ersten Festspielveranstaltung nach der Wiedererrichtung des Welfen-Schlosses in Hannover über die Geschichte des weltberühmten Barockgartens und seines schlichten Hauptgebäudes. Siebzig Jahre nach der Zerstörung der Stadt durch anglo-amerikanische Bomberflotten ist ein weiterer kleiner Teil der Geschichtserinnerung wiederhergestellt. Damit erhält die große Achse des Gartens seinen ursprünglichen Abschluß.

Um ein Haar wäre die Rekonstruktion schon in den sechziger Jahren unmöglich geworden, denn Zeitgeist wie Architekturkritiker gifteten dagegen, daß sich „Architekten für derlei hergeben“. Der dänische Architekt Arne Jacobsen hatte an dieser Stelle schon ein raumschiffartiges Restaurant auf Stelzen, „Bella Vista“, geplant, das die höchsten Werte der damaligen Edelfreßwelle¹ durch den Blick auf die Gartenanlage unterstreichen sollte. Zum Glück scheiterte dies am Spott und Widerstand der Bürger.

Heute ist man offener gegenüber der Wiedererrichtung alter Gebäude, schließlich geht es ja um die geistige Leistung der Vergangenheit – sonst dürfte man in der Musik etwa Bach nur auf originalen alten Instrumenten spielen. Während also vereinzelt ausgewählte historische Gebäude wiedererrichtet werden, sind zeitgleich doch wieder fortschrittsfanatische Kulturbanausen und Gesellschaftsveränderer dabei, Bewährtes abzureißen, wie nicht zuletzt die „Rechtschreibreform“ zeigt.


Brugs Artikel hier: WELT.de 19.6.2013

P.S.: Manuel Brug schreibt u.a.:

Der Philosoph und Fürstendiener [Leibniz] erging sich stattdessen mit seiner Kurfürstin Sophie im von Menschenhand geschaffenen Utopia am Ende einer Lindenallee vor der Stadt in einer künstlich harmonischen Welt und versenkte sich – davon aufs Höchste angeregt – in eine geistige. Auch seine Monaden-Theorie spross hier.
Leibniz‘ Gedanken werden oft unterschätzt, z.B. auch seine viel bespottete Theorie, daß wir in „der besten alle möglichen Welten“ leben. Aber was ist die reiche evolutionär entstandene Lebenswelt anderes als die beste aller möglichen Welten? Deren Ende durch die zerstörerische Wucherung Mensch ist allerdings abzusehen.

¹) Nach der Hungerzeit im Nachkriegsdeutschland folgten mit dem Aufschwung durch die Währungsreform nach 1948 im Westen die Freßwelle, die Bekleidungswelle, Einrichtungswelle, die Auto- und Reisewelle und schließlich die Edelfreßwelle.

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Sigmar Salzburg
12.06.2013 09.52
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Erwerb der Hamburgischen Staatsbürgerschaft 1847

Gestern hielt ich im Hamburgischen Staatsarchiv die Bürgerakte mit den Einbürgerungsprotokollen in Händen, durch die auch einer meiner Vorfahren Hamburger Bürger wurde.
Das Verfahren ist vielleicht von allgemeinem Interesse:


Fol. 617

Praemissis praemittendis deponirte Comparent:

1) Name und Alter? Jens Jensen
2) Religion? luth.
3) Geburtsort? Hadersleben
4) Wie lange er in Hamburg und wo er wohne? 7 Jahre, Valentinskamp Hof 87
5) Bey welchem Lehr- und Brodtherren derselbe gewesen,
und womit er sich ernähret? die Tischlerprofession erlernet
6) Warum er seinen Geburtsort verlassen?
7) Ob und wie lange er verheyrathet, ob seine Frau noch am Leben,
und wie viele Kinder er habe, und von welchem Alter? oder nein
8) Ob er sich zu verheyrathen willens? ja
9) Auf welches Geschäft er Bürger zu werden willens? als Tischlermeister
10) Ob er im Stande sey, mit diesem seinem Geschäfte eine Familie zu ernähren? ja

a) Beistand Namens: Joach. Chr. Fried. Zach. Runge vigore Bürgerzettel de dato 7. July 1826
Bürger declarirt auf seinen geleisteten Eyd, daß seines Wissens obiger Comparent in allen Dingen die Wahrheit angegeben
habe, und daß er, Beistand, ihn hinlänglich kenne, um dies bezeugen zu können, und deponirt über ihn noch wie folgt:
er kenne ihn 2 Jahre

b) Sonstige Beweise

Comp prod
b) Taufschein geb. Hadersleben 9 April 1817
2) Militairfreischein aa Hadersleben d 27 Dec 1845
3) Entlassungsschein aa Hadersleben d 17 Juny 1847
4) Polizeischein
5) Attest vom H. Aeltermann des Tischleramtes
6) Bescheinigung vom Roll
[Impfarzt in Haderslev]

Resolutio: Zugelassen

Actum d. 23 Juny 1847

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Sigmar Salzburg
10.06.2013 10.14
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Herrenhaus Emkendorf

Schleswig-Holstein besitzt zahlreiche Kulturschätze, von denen etliche wenig bekannt sind. Gestern hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer Veranstaltung der Kieler Goethe-Gesellschaft an einer Exkursion unter dem Titel „Italien und die Antike im Herrenhaus Emkendorf“ teilzunehmen. Zu besichtigen waren die Früchte der Rom-Reisen Fritz von Reventlows und seiner Gattin Julia in den Jahren 1784 und 1795-1797.

Die Vorbereitung und Führung hatte Peter Petersen, ehemaliger Lehrer der Kieler Gelehrtenschule, der trotz überstandener schwerer Krankheit sachkundig und begeisternd berichtete. Ergänzend hatte der studierte Altphilologe, Germanist, Kunstgeschichtler und Archäologe eine 32seitige Ausarbeitung in Farbdruck (in bewährter Kulturrechtschreibung) verfaßt und verteilt.

Das ursprüngliche Barockgebäude wurde bis 1806 klassizistisch umgebaut und mit Erwerbungen während der Romreisen ausgestattet, von denen allerdings vieles verlorengegangen ist. Fritz von Reventlow war Diplomat in dänischen Diensten in Kopenhagen, London und Stockholm, später auch Kurator der Kieler Universität. Im Herrenhaus Emkendorf waren Künstler und Literaten ständige Gäste, unter anderem auch Klopstock und Matthias Claudius.

Das Gebäude befindet sich heute im Besitz der Familie Heinrich, Mehrheitsgesellschafter der Kieler Nachrichten, wird aber nicht bewohnt und ist selten zugänglich. Das wird sich auch kaum ändern, da neben den laufenden Betriebskosten die Anforderungen der Denkmalspflege an Restaurierung und Sicherheitsvorkehrungen nicht erfüllt werden können und die Landesregierungen lieber kulturbanausische Rechtschreibreformen fördern. Es lohnt aber auch ein Ausflug in die herrliche unverdorbene Landschaft um den Westensee.

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Sigmar Salzburg
21.02.2013 20.20
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Endlich wieder: Gangster-Reformkultur statt Heino!

[SPIEGEL ONLINE:] Kollegah, was sagt Ihre Mutter dazu, dass Sie ständig andere Mütter „ficken“ wollen? Das Album „Jung, brutal, gutaussehend 2“ hat Heino von der Chartspitze verdrängt – und den deutschen Gangster-Rap wiederbelebt…
Fühlen Sie keine Verantwortung gegenüber denen, die Sie als Vorbild ernstnehmen?

Kollegah: Der Gefahr begegnen wir durch das Stilmittel der Übertreibung… So sollte jeder – auch mit einem zweistelligen IQ – checken, dass es nicht für bare Münze zu nehmen ist, wenn wir sagen: Wir knallen alle Menschen ab oder schmuggeln kiloweise Heroin über die Grenzen.

SPIEGEL ONLINE: Die Überspitzung wird aber nicht in allen Ihren Texten deutlich: „Jetzt wird deine Slut gebumst, sie kriegt meinen Schwanz in den Mund, und ihr Herz pumpt Adrenalin, Bitch!“ ¹ Kein Problem für junge Hörer?

Kollegah: Man muss das mit dem Actionfilm-Genre vergleichen: Um Atmosphäre zu schaffen, muss man das ernst rüberbringen. Testosteronschwangere Filme, in denen Menschen abgeschlachtet werden, wie „300“ zum Beispiel, sind weltweite Kinohits. Unser Rap ist genau so eine Form der Unterhaltung […]

… Mir graut es schon vor dem Tag, an dem ich meine Zulassung [als Rechtsanwalt] bekomme. Denn ich weiß, wer dann als Erstes bei mir auf der Matte steht.

SPIEGEL ONLINE: In Ihren Texten greifen Sie ja auch gerne mal auf das deutsche Kulturgut zurück. Haben Sie ein Lieblingsgedicht?

Kollegah: Goethes „Erlkönig“. Traurig, aber schön.

spiegel.de 21.2.2013

¹) „Sah ein Knab ein Röslein“ von Goethe, zeitgemäß reformiert?
Auch andere arbeiten an Deutschlands kulturellem Fortschritt.

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Sigmar Salzburg
16.02.2013 08.49
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Kirchenumbau zu Moschee

Nachdem bekannt geworden ist, dass das islamische Zentrum Al-Nour eine ehemalige Kirche in eine Moschee umbauen möchte, sprechen Kirchenvertreter von einem „Dammbruch“…

Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dem beginnenden „Wirtschaftswunder“ entstand eine Vielzahl von Gotteshäusern. Allein im ehemaligen evangelischen Kirchenkreis Alt-Hamburg stammt gut ein Drittel der Sakralbauten aus dieser Zeit. Auch die Kapernaumkirche, 1961 von Architekt Otto Kindt entworfen. Mit zunehmendem Alter zeigten sich immer mehr Schäden in den Bauten. Für die Reparatur der Horner Kirche wären im Jahr 2000 rund 1,5 Millionen Euro fällig gewesen.
welt.de 6.2.2013

Im Kieler Hochbauamt sagte mir einmal der für die städtische Gebäudeerhaltung zuständige Experte: „Was vor dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde, ist fachgerecht und solide. Da ist bis heute nichts dran, aber die Gebäude seit den 50er-Jahren entwickeln Schäden über Schäden.“

Man fühlt sich an die „Rechtschreibreform“ vierzig Jahre später erinnert.

Über die übertriebene Kirchenbauerei hatte ich schon in meiner Schulzeit gelästert.


Der Ratschef der evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, sieht die Umwandlung eines Hamburger Gotteshauses in eine Moschee als „geistliche Zumutung“. welt.de 16.2.13

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Sigmar Salzburg
13.02.2013 19.50
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Ein Volksfeind

Heute vor 130 Jahren und einem Monat, am 13. Januar 1883, wurde Henrik Ibsens Schauspiel „Ein Volksfeind“ im Christiania Theater in Oslo uraufgeführt.

Die Angriffe und Intrigen, gegen die sich die Hauptfigur, Doktor Stockmann, wehren muß, ähneln doch sehr denjenigen, die die aktiven Gegner der „Rechtschreibreform“ zu erleiden hatten. Am Ende bleibt allen die teuer erkaufte Genugtuung, doch recht gehabt zu haben, aber der eine als Volksfeind verfemt, die anderen als lernunwillige Kinderquäler denunziert und schließlich als donquichotteske Kämpfer gegen den „Fortschritt“ totgeschwiegen.

Hier eine kurze Inhaltsangabe in der Ankündigung des Maxim Gorki Theaters in Berlin:


Doktor Stockmann hat eine Entdeckung gemacht: Das Wasser des Heilbades, ganzer Stolz und Wohlstandssicherung der Stadt, ist verseucht. Ein Besuch des Bades ist geradezu gesundheitsschädlich. Der Öffentlichkeit soll diese Entdeckung selbstverständlich nicht vorenthalten werden – die Redakteure Hovstad und Billing vom „Volksboten“ und auch der Vorsitzende des Vereins der Hausbesitzer, Aslaksen, sichern ihre Unterstützung zu.

Allein sein Bruder, Bürgermeister der Kleinstadt, kann den kämpferischen Enthusiasmus nicht teilen, bedeutet diese Entdeckung doch einen Imageschaden und somit zwangsläufig wirtschaftliche Einbußen. Kaum rechnet er vor, was eine Sanierung des Bades für jeden Einzelnen an Steuerlast bedeuten würde, schlägt die Stimmung um: Gerade noch gefeiert wird Doktor Stockmann zum Volksfeind erklärt.

Doch statt klein beizugeben nimmt er die Rolle an und hinterfragt grundlegend eine Gesellschaftsordnung, die unter dem Primat wirtschaftlicher Interessen steht.

regiomusik.de 30.1.2013

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Sigmar Salzburg
05.02.2013 11.30
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Archäologen haben das Skelett des englischen Königs Richard III. gefunden

Normalerweise werden Könige unter allen Ehren zu Grabe getragen und meist markiert auch Jahrhunderte später noch eine aufwändige Gruft oder ein steinerner Sarkophag ihre letzte Ruhestätte. Nicht so bei dem englischen König Richard dem III… Jetzt haben britische Archäologen das Skelett des Königs entdeckt – unter einem Parkplatz…

Für Shakespeare war der englische König Richard III. der Inbegriff eines Schurken: Er beschreibt ihn in seinen Werken als Buckligen mit einem verkümmerten Arm und als gewissenlosen Mörder zahlreicher Rivalen um den Thron, darunter auch zwei junge Prinzen. Tatsächlich aber war der 1483 gekrönte König weitaus besser als sein späterer Ruf…

wissenschaft.de 4.2.2013











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Sigmar Salzburg
26.01.2013 08.18
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Heino …

… der verdiente deutsche Schlichtsänger, hat aus Jux und kleiner Rache einige Lieder („Songs“) seiner Rockkollegen nachgesungen („gecovert“) und damit einen gewissen Aufruhr („Hype“) erzeugt. Die wenigsten der Betroffenen waren davon begeistert. Der Oomph!-Sänger Dero meinte: „Heino hat einige Lieder in seinem Repertoire, die man durchaus als völkisch-verherrlichend bezeichnen kann.“ (bild.de 25.1.2013)

Um in dieser Hinsicht jeden, auch den geringsten, Verdacht zu vermeiden und auf der Höhe der Zeit zu sein, singt man heute natürlich englisch. Dann muß man auch den Inhalt nicht verstehen. So sind wohl nur fünf Prozent der notorischen Musiktips (seit März 2012 „Musiktipps“) von Ralf Stegner (SPD-SH) deutschsprachig, aber garantiert heinofrei.

Siehe auch sueddeutsche.de 24.1.2013


Die alte deutsche Volksliedtradition ist seit etwa 150 Jahren ausgestorben. Nur auf dem Balkan hat es bis zur Vertreibung der deutschen Volkstumsgruppen nach 1945 eine lebendige Überlieferung gegeben, von der mein Musiklehrer noch einiges nach dem Vorbild von Bela Bartók hat festhalten können. Um 1900 wurde durch die entstehenden Jugendbünde etliches wiederbelebt, einiges aus der Renaissance ausgegraben und manches auch neu geschaffen.

Seit den 68ern und dem Siegeszug der Rock-, Pop- und Rap-Musik überlebt das Volkslied nur auf der untersten Trivialstufe in der volkstümelnden Musik. Die Mehrheit des Volkes ist musikalisch sprachlos geworden und kann bei den Massen-Geräuschorgien allenfalls noch lippenbewegend einige unverinnerlichte englische Wortfetzen mitplappern.

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Sigmar Salzburg
12.12.2012 07.10
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Ravi Shankar gestorben

Legendärer indischer Sitar-Musiker Ravi Shankar mit 92 Jahren gestorben

… Shankar beeinflusste mit seinem Sitar-Spiel zahlreiche westliche Musiker von den Beatles und den Rolling Stones bis zu Yehudi Menuhin. In den sechziger Jahren unterrichtete er den Beatles-Gitarristen George Harrison. Die beiden arbeiteten bei zahlreichen Projekten zusammen, darunter das legendäre Konzert für Bangladesch 1971. Shankar trat auch 1969 auf dem legendären Woodstock-Festival auf.

Er ist der Vater der prominenten Sitar-Spielerin Anoushka Shankar und der weltberühmten Soul- und Jazzsängerin Norah Jones.

Indiens Premierminister Manmohan Sing würdigte den Musiker als einen „nationalen Schatz und weltweiten Botschafter des indischen Kulturerbes“.

sueddeutsche.de 12.12.12, s.a. spiegel.de

Authentische asiatische Musik hat mich von jeher fasziniert. Ich erinnere mich gut an die weltweite Übertragung von Ravi Shankars Auftritt anläßlich der Feier des zehnjährigen Bestehens der UNO – neben Yehudi Menuhin und David Oistrach, die Bachs Doppelkonzert spielten.

Damals wurde indische Musik im Westen meist, wie Shankar sagte, als „mewing of cats“ empfunden. Nachdem sie von den Beetles¹ entdeckt worden war, wurden trivialisierte Elemente in die Pop-Musik übertragen. Die Kiffer hockten in Shankars Konzerten in der ersten Reihe, und obwohl er sich das Rauchen verbat, ließen sie sich nicht stören.

Der Weg seiner Töchter zeigt, daß auch heute die meisten Westler die Musik nur mit einer Portion Jazz- und Pop-Ketchup genießen können. Aber das ist eben die neue Multikultur.

¹) ... oder Beatles

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Sigmar Salzburg
07.10.2012 08.02
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Night-Thoughts

All, all on earth, is shadow, all beyond is substance.
The revers is the folly’s creed,
How solid all, where change shall be no more.


Eintrag von Christian Clausen 1780 auf der ersten Seite des ansonsten auf dänisch geführten Kirchenbuchs der Gemeinde Glud in Jütland – fand ich bei der Suche nach meinen dortigen Vorfahren.
Der Dichter ist Edward Young (1683-1765), und seine „Nachtgedanken“ sind damals auch auf deutsch erschienen.


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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
13.09.2012 07.45
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Vorfahren

In der letzten Woche war ich in Apenrade (Aabenraa), um im Landsarkivet for Sønderjylland etwas über die dänische Linie meiner Vorfahren zu erfahren. Freundlicherweise hatte man mich schon telefonisch darauf hingewiesen, daß bereits alle Kirchenbücher verfilmt und im Internet einsehbar seien. So hatte ich schon meinen Ururgroßvater mit dem seltenen Namen Jens Jensen, dessen Existenz bisher nur eine Bleistiftnotiz in alten Unterlagen behauptete, anhand seines Geburtsdatums identifizieren können.

Zu meinem Erstaunen fand ich, daß ein großer Teil der Kirchenbücher der Städte in Nordschleswig, die seit etwa 1700 vorliegen, in gestochener traditioneller Kurrentschrift ( „auf dem Schloßgrunde“) und in bestem Hochdeutsch geführt wurden. Die Amtssprache in den freien norddeutschen Städten wie Lübeck, Hamburg und Bremen war dagegen um 1820 immer noch Plattdeutsch.

Mein Vorfahr war von Hadersleben (Haderslev) nach Hamburg übergesiedelt – wohl über Altona, das, wie ganz Holstein, damals noch der dänischen Krone unterstand, ohne formal Bestandteil Dänemarks zu sein. Die Geschichte Schleswig-Holsteins ist so verwickelt, daß der englische Premierminister Lord Palmerston (1784-1865) behauptete, es habe nur drei Menschen gegeben, die sie in allen Einzelheiten beherrschten: Der erste sei der Prinzgemahl Albert, und der sei tot. Der zweite sei ein deutscher Professor, und der sei darüber verrückt geworden. Der dritte sei er selbst, aber er hätte alles wieder vergessen.

Mit der freundlichen Hilfe des Archivars im Landsarkivet konnte ich nun einige der besonders schwungvollen Schnörkel entziffern und erfahren, daß mein Urururgroßvater, ebenfalls Jens Jensen, wie auch dessen Vater Jens Lausen, aus dem Dörfchen Nörbye, Gemeinde Glud, nahe der Insel Fünen stammte, während die Mutter, Christine Jens[datter], aus dem nahen Ort Hatting stammen sollte.

Nun muß ich noch die endlose Reihe der Namen in diesen Kirchbüchern entziffern, die dort auf dänisch geführt wurden und bis 1700 zurückgehen. So hoffe ich, noch genaueres zu erfahren und damit das Wissen über meine Vorfahren etwas zu erweitern. Durch die Arbeit eines Großonkels und einen glücklichen Zufall läßt sich eine andere Linie, die älteste bekannte, bis 1402 nach Stadthagen zurückführen.

Ganz finster sieht es dagegen auf der Seite meines Vaters und der schlesischen Vorfahren aus. Da kenne ich als Folge von Krieg und Vertreibung nicht einmal die Lebensdaten meiner Großeltern, und das Standesamt des letzten Wohnsitzes einer Tante im Harz weigerte sich, mir etwas herauszugeben, weil ich nicht in direkter Linie mit ihr verwandt sei.

Inzwischen habe ich auch erfahren müssen, daß mein Interesse an meiner Herkunft den Argwohn anderer erregt, die sogleich Reaktionäres und Schlimmeres wittern. Zum Glück sind wir aber, abgesehen von der „Rechtschreibreform“, noch nicht so weit wie im China der sechziger Jahre, wo die Roten Garden das „Alte Denken“ ausrotten wollten, indem sie die seit zweitausend Jahren gepflegten Ahnentafeln zerstörten, unter anderem meinem Chinesischlehrer, Herrn Lu.

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Sigmar Salzburg
02.09.2012 05.55
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So Genanntes zusammen gestohlen

In München ist das lange verschollen geglaubte Manuskript von Erwin Panofskys Hamburger Habilitation über Michelangelo wiederaufgetaucht – und zwar ausgerechnet in einem Panzerschrank im früheren Verwaltungsbau der NSDAP. Das legendenumwobene Werk des Kunsthistorikers, der von den Nazis 1934 ins Exil gezwungen wurde, ist allerdings durch eine absurde Wendung erst nach 1945 in dieses Gebäude gelangt und dort vergessen worden. Zahlreiche andere Kulturgüter sind während des Bildersturms des Dritten Reiches verschwunden und nur zum Teil wieder aufgetaucht…

Doch nicht nur die Wiederentdeckung des Manuskripts sorgt für Aufsehen. Besonders der Fundort heischt Aufmerksamkeit. Denn der Panzerschrank, in dem sich Heydenreichs Papiere fanden, stand einst in der Hauptregistratur der NSDAP; darin wurden Mitgliederunterlagen der Parteikartei verwahrt. Denn das ZI hat seit seiner Gründung seinen Sitz im ehemaligen „Verwaltungsbau“ der NSDAP im so_genannten Partei-Viertel rund um den Königsplatz in der nördlichen Innenstadt, der Maxvorstadt...

Auch von der zusammen_gestohlenen Kunstsammlung Hermanns Görings sind viele Werke verschollen. Das bekannteste Beispiel ist Franz Marcs „Der Turm der blauen Pferde“, der 1937 in der Hetzausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen war und von einigen Augenzeugen noch nach 1945 angeblich gesehen worden ist. Seither hat sich jedoch jede Spur verloren…

welt.de 31.8.2012

Dabei muß daran erinnert werden, daß auch die Allierten zusammen gestohlen haben, was das Zeug hielt, z.B. das Original des Hildebrandsliedes oder das, was heute noch russische Museen füllt, obwohl der Raub von Kulturgütern eines besiegten Landes verboten ist.

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Sigmar Salzburg
01.09.2012 07.57
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Niederlausitzer Schicksalssinfonie

Brandenburgische Sommerkonzerte am Samstag in der Cottbuser Oberkirche

Cottbus Eine große Sommermusik unter dem Titel „Niederlausitzer Schicksalssinfonie“ erklang am Sonnabendnachmittag in der Cottbuser Oberkirche.

Das Deutsche Sinfonieorchester Berlin spielte unter der Leitung von Hans Graf die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, Webers „Euryanthe“-Ouvertüre und das Bratschenkonzert „Der Schwanendreher“ von Paul Hindemith. Solistin war die grandiose Tabea Zimmermann.

… Die Ritterromantik der ganzen Oper gewann im epochengerecht hochmittelalterlichen Kirchenschiff ihre fantastische Gestalt.

Dann das Violakonzert mit dem poetisch rätselhaften Namen „Der Schwanendreher“. Paul Hindemith, in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein international berühmter Bratschist, hat es für sich selbst geschrieben. Wegen seiner Oper „Mathis der Maler“ von den Nazis angefeindet¹, gelang ihm dennoch ein launiges entspanntes Werk…

Der „Schwanendreher“, eigentlich der Küchenjunge, der das Geflügel am Grillspieß drehen muss, ist ein einsamer Spielmann und zieht, seine Lieder spielend durch das Land. Etwas rau und grimmig gelaunt erklingt das erste Thema voller reibender Zusammenklänge …

Nach der Pause das Themen bestimmende Werk des Nachmittags, Beethovens 5. Sinfonie c-Moll, genannt die „Schicksalssinfonie“ … um das Publikum zu überraschen, versank die leise Überleitung zum donnernden Schlusssatz fast im Eigenrauschen des Saals bis ein strahlender Blechbläserklang den Schlussjubel einleitete.

lr-online.de 27.8.2012

¹) Nein, Hitler hatte Hindemiths Oper „Neues vom Tage“ (1929) gesehen und sich maßlos darüber erregt, daß Laura am Beginn des zweiten Akts, nackt in der Badewanne sitzend, eine Arienparodie singt: „Nicht genug zu loben sind die Vorzüge der Warmwasserversorgung …“ (Das folgende Ensemble „Oh Gott, wie peinlich …“ fand sogar den Beifall des Hindemith-Hassers Adorno.) – Die Mathis-Oper wurde erst 1938 in Zürich uraufgeführt.
Neues vom Tage, 2. Akt: http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=xVysGv_pOxs

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Sigmar Salzburg
26.08.2012 17.01
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Der Beginn einer vielversprechenden Karriere …

Hoffentlich hält die 82jährige Künstlerin und Restauratorin lange genug durch:

Ansturm in Borja: Verschandeltes Jesus-Fresko wird Touristenattraktion

Durch ein verschandeltes Jesus-Fresko gelangte das Städtchen Borja zu weltweiter Berühmtheit. Nun verzeichnet das verschlafene Nest im Nordosten Spaniens einen Touristenboom. Hunderte Menschen bewunderten die kirchliche Wandmalerei am Wochenende…

Den Besucherboom verdankt die Stadt den Malkünsten der Rentnerin Cecilia Giménez. Sie entstellte das 102 Jahre alte Jesus-Bild beim Versuch der Wiederherstellung derart, dass sie damit via Medien und Internet weltweit Aufmerksamkeit erregte…

Rund 18.000 Menschen unterzeichneten inzwischen eine Online-Petition, die sich gegen die Pläne der Stadt stemmt, das Originalbild möglichst wiederherzustellen.

spiegel.de 26.8.2012

Eine solche Zustimmung hat nicht einmal ein längst erfolgreicherer Kollege erlangt. Anfang der Sechziger sah ich in einer Kunstzeitschrift die Elaborate eines Künstlers, der Bilder von Kollegen mit einer schwarzen bitumenähnlichen Farbe zustrich und auf Ausstellungen zeigte. Im begleitenden Text wurde in Ermangelung von zu Beschreibendem eingehend und bedeutsam berichtet, von welcher Ecke aus mit welchen Pinselstrichen der Übermaler die Flächen zustreicht.

Ich war damals Student in Hannover und hatte mir wenige Tage vorher, um eine Wartezeit zu überbrücken, im Kino einen schäbigen Gruselfilm angesehen, in dem ein Möchtegern-Künstler Leute ermordete, sie oder ihre Einzelteile mit Gips überzog und dann in Ausstellungen als seine Werke vorführte. Der Film war so dumm und lächerlich, daß ich während der Vorführung des öfteren Lachanfälle kriegte – sehr zum Unwillen des faszinierten übrigen Publikums.

Im nachhinein erschien mir aber dann doch dieser „Bildhauer“ als Künstler von fast Cardillacscher Größe gegenüber dem „Übermaler“, von dem ich annahm, er würde bald wieder vergessen sein.

Dreißig Jahre später, zur Zeit der ähnlich scharlatanischen „Rechtschreibreform“, fiel mir sein Name wieder ein: Arnulf Rainer. Ich forschte nach, und zu meinem Erstaunen hatte er erfolgreich die heute übliche Karriereleiter von Künstlern erklommen, die eine neue Verrücktheitsmasche mit genügender Dreistigkeit propagieren:


Arnulf Rainer, geboren 1929 in Baden bei Wien, gilt als einer der bedeutendsten europäischen Künstler, dessen Werke in allen europäischen Kunststädten und den USA hängen…

1953-65 Entsteht die bekannteste Werkgruppe, die Übermalungen
1978 Großer Österreichischer Staatspreis, Vertreter Österreichs bei der Biennale Venedig
1981 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien

art-navigator.com

[Wikipedia] 1961 wurde Arnulf Rainer in Wolfsburg wegen der öffentlichen Übermalung eines prämierten Bildes gerichtlich verurteilt. Ab 1963 arbeitete Rainer in verschiedenen Studios in Berlin (West), München und Köln. 1966 erhielt er den österreichischen Staatspreis für Graphik.

Der wichtigste Gedanke in Rainers Entwicklung war der Entschluß, ab und zu auch etwas von dem Vorgängerwerk durchschimmern zu lassen, so daß die Kunstwerke unterscheidbar wurden. Dadurch wurde die Begrenztheit seiner Idee etwas aufgehoben, ein Problem, das die übrigen Nagel-, Schrott- und Kopffüßler-Künstler nicht zu bewältigen hatten.

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Sigmar Salzburg
23.07.2012 14.35
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Eine Episode der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts

Vor 1901 war die Adelungsche Schreibweise in Fraktur und Antiqua üblich, für letztere auch in ß-loser Version. In Österreich wurde wenige Jahre lang auch die Heyse-Schreibweise propagiert, aber wenig befolgt und 1901 wieder aufgegeben.

Die Verwalter des Werks des Wiener Komponisten Arnold Schönberg (1874 – 1951) sind nun mit unterschiedlicher Anpassungsbereitschaft bemüht, den heutigen staatlichen Erwartungen in der Rechtschreibung entgegenzukommen. Die Liedtexte stammen von Schönberg und geben einen Einblick in die widerstrebenden Musikauffassungen der Zeit…


Drei Satiren für gemischten Chor op. 28
von Arnold Schönberg (1925)

Am Scheideweg

Tonal oder atonal?
Nun sagt einmal
in welchem Stall
in diesem Fall
die größre Zahl,
daß man sich halten,
halten kann am sichern Wall.


Vielseitigkeit

Ja, wer tommerlt denn da?
Das ist ja der kleine Modernsky!
Hat sich ein Bubizopf schneiden lassen;
sieht ganz gut aus!
Wie echt falsches Haar!
Wie eine Perücke!
(Ganz wie sich ihn der kleine Modernsky vorstellt),
ganz der Papa Bach!


Der Neue Klassizismus

Tenor:
Nicht mehr romantisch blieb ich,
Romantisch hass ich;
von morgen an schon
schreib ich nur reinstes Klassisch!

Baß:
Dem kann die Macht der Zeiten
nichts mehr anhaben,

Sopran und Alt:
Siehe Riemann! ¹)

Baß:
den Kunstgesetze leiten
nach dem Buchstaben.

Sopran und Alt:
Buchstaben? Wenn man die kann!

Bass:
Ich staun, wie rasch die Wendung:
von heut auf morgen
besitzt man Formvollendung?
Kann man die borgen?

Sopran und Alt:
...nur borgen!

Chor:
Die Hauptsache ist der Entschluß.
Doch der ist leicht gefaßt.
Die Technik macht manchem Verdruss,
drum wird sie gern gehaßt.
Man läßt sie ganz einfach beiseiten,
Vollendung ist doch das Panier!
Sie zeitigt den Einfall beizeiten,
wenn auch nur auf dem Papier.

Schlussfuge:
Klassische Vollendung,
streng in jeder Wendung,
sie komm woher sie mag,
danach ist nicht die Frag,
sie geh wohin sie will:
das ist der neue Stil.

schoenberg.at/index

Aus der Einführung von A.G.

… Schönberg …: »Ich schrieb [die Satiren], als ich über die Angriffe einiger meiner jüngeren Zeitgenossen sehr aufgebracht war, und wollte sie warnen, daß es nicht gut ist, mit mir anzubinden«, erläutert Arnold Schönberg im Vorwort zu den »Drei Satiren«. … Die Botschaft der Satiren lässt sich auch heute noch nachvollziehen, …

Mit »Am Scheideweg« ist die erste Zielgruppe angesprochen: diejenigen, die sich tonaler wie atonaler Prinzipien bedienen, ohne sich über Ursachen und Konsequenzen im Klaren zu sein. Der Textstelle »Tonal« entspricht ein C–Dur Dreiklang, der in der Zwölftonreihe bereits angelegt ist. Ganz bewußt wird diese tonale Zelle … eingesetzt und bildet die musikalische Entsprechung zum Kontrast Tonal/Atonal im Text. …

Im zweiten Chor »Vielseitigkeit« lässt bereits der optischen Eindruck des Notenbildes die polyphon äußerst vielschichtige Struktur erahnen…

Nr.3 »Der neue Klassizismus« ist eine Kantate für gemischten Chor mit Begleitung von Bratsche, Violoncello und Klavier. Sie ist in wesentlichen Teilen gegen den Musikwissenschaftler Hugo Riemann gerichtet, … Riemann hatte sich in seinem Musiklexikon (in der Ausgabe von 1916) abfällig über Passagen in Schönbergs Harmonielehre geäußert, was der Komponist 1926 (zur Entstehungszeit der Satiren, als Riemann längst gestorben, und die bewusste Stelle längst gestrichen war) noch nicht verwunden hatte ¹).

Davon abgesehen ist Strawinsky das Hauptangriffsziel... Auf ein ausgedehntes Rezitativ (»eventuell Solo«) folgt eine ›Arie‹ für Baß und Chor (»Dem kann die Macht der Zeiten nichts mehr anhaben«) mit variierter Reprise. Daran schließt sich eine Chorfuge (»Die Hauptsache ist der Entschluß«) an…

Der Anhang zu den »Satiren« besteht aus drei Kanons, die diatonisch komponiert sind. In einem gesonderten Vorwort begründet Schönberg das Verfahren damit, er habe beweisen wollen, dass er in der Lage sei, diatonische Kanons zu schreiben …

¹) Damals war Schönbergs Musik noch anhörbar spätromantisch, aber dennoch steht in meinem ,Riemann': Seine 1911 erschienene »Harmonielehre« ist ein seltsames Gemengsel von theoretischen Rückständigkeiten und Befangenheiten, die aus S. Sechters System herrühren, und die hypermoderne Verneinung aller Theorie. Das naive Geständnis des Verfassers, daß er »nie eine Musikgeschichte gelesen habe«, gibt den Schlüssel für dieses beispiellos dilettantische Machwerk. Das »Kunsthandwerk«, welches Sch. zu lehren vorgibt, ist Gott sei Dank heute noch dem Gemeingefühl fremd.
[Hugo Riemanns Musik-Lexikon, nach seinem Tode (10. Juli 1919) fertiggestellt von Alfred Einstein.]

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