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Unwichtige Geschichtsfälschungen
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Sigmar Salzburg
29.10.2012 12.27
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Auch wichtigere Fälschungen werden 'durchgesetzt' …

(hpd) Vor 1700 Jahren, am 28. Oktober 312, erhielt Kaiser Konstantin I. unmittelbar vor der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom die göttliche Botschaft „In diesem Zeichen wirst Du siegen“. Der Historiker Rolf Bergmeier hat diese Darstellung geprüft …

Im übrigen ist die Erscheinung eines Kreuzes im Jahre 312 nebst Inschrift „in hoc signo vinces " schon alleine aus kirchengeschichtlichen Gründen auszuschließen, da die Symbolforschung belegt, dass das Kreuz erst Mitte des 4. Jahrhunderts zu einem verbreiteten christlichen Symbol geworden ist. Folglich konnte der „Heide“ Konstantin im Jahre 312 kaum eine Kreuzes-Erscheinung gehabt haben…

Wenn man von einem „Durchbruch " des Christentums sprechen will, dann muß man diesen am römischen Kaiser Theodosius festmachen, der im Jahre 380 die trinitarische Fraktion des Christentums zur Staatskirche erhebt und ihren Start mit Dutzenden von Häretiker- und Ketzergesetzen unterstützt. Bis dahin ist religiös alles im Fluß und alles möglich. …

Das Christentum hat sich nicht durchgesetzt, es wurde durchgesetzt. Und Theodosius und Karl d.Gr. sind bei diesem Prozess wichtige Steigbügelhalter…

hpd 29.10.2012

Weitere Fälschungen hier.

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Sigmar Salzburg
16.10.2012 10.21
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Kein ‚ß‘ darf den Leser an alte Zeiten erinnern

Um ihre Hauptstadt herausputzen zu können, konzentrierten die Regierenden die knappen Ressourcen auf Berlin – und nahmen in Kauf, dass im Rest der Republik fast an allem Mangel herrschte. Die SED-Propaganda verklärte den verordneten Verzicht gar zur freudig geleisteten Solidarität.

„12.000 junge Bauleute aus der ganzen Republik“, notierte der DDR-Brockhaus in einem Stadtporträt der „sozialistischen Metropole“, hätten den Aufbau der Hauptstadt zu ihrem „Kampfprogramm“ gemacht. Nur beiläufig erwähnte die Berlin-Eloge, dass die Heimatbezirke der „jungen Maurer, Betonbauer, Maschinisten, Kraftfahrer, Ingenieure, Maler, Elektriker, Brückenbauer, Steinmetze“ für die Verschönerung der Hauptstadt Opfer bringen mussten: „Nicht nur, dass dort der Ausfall bewährter Kräfte ausgeglichen werden muss, dort werden auch Material, Transportmittel, Projektierungsunterlagen und anderes notwendiges Versorgungsgut bereitgestellt.“

einestages.spiegel.de 15.2012

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Sigmar Salzburg
08.10.2012 07.19
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Jetzt auch mit der unseligen ‚Rechtschreibreform‘:

„Dieses unselige Volk der Deutschen“

Hans Werner Richter war Gründervater der Gruppe 47. In seinem bislang unveröffentlichten Tagebuch rechnet er mit prominenten Kollegen wie Walser, Grass, Böll, Andersch und Enzensberger ab…

Richters Tagebuch ist ein Vermächtnis auch als Dokument politischer Vernunft in einer Zeit ideologischer Grabenkriege. Wir dokumentieren Passagen in Richters originaler Rechtschreibung...

3. Oktober 1966

Martin Walser hat in München eine Kunstausstellung gegen den Krieg in Vietnam eröffnet. Seine Rede klagt die Teilnahmslosigkeit der Deutschen an, er hat recht, aber er müsste doch wissen, daß menschliche Teilnahme selten ist, um so seltener, je größer die räumliche und psychologische Entfernung zu den Betroffenen ist.

welt.de 16.9.2012

Wieder sind wir verunsichert: Hat Richter der „Reform“ vorgegriffen oder die Korrekturautomatik in die Vergangenheit eingegriffen?

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Sigmar Salzburg
06.10.2012 12.10
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Farblose Beschimpfungen

Unbekannter Rahner-Brief enthüllt
Benedikt galt als „Häretiker, der die Hölle leugnet“

...
Joseph Ratzinger und Karl Rahner seien während des Konzils von einigen französischen Ultra-Konservativen in einer „wilden Polemik“ angegriffen worden. Das berichtet der Jesuit Rahner nach FOCUS-Informationen in einem Brief vom 2. November 1963 an seinen Bruder Hugo ...

In dem Pamphlet der Franzosen, so schrieb der Theologe Rahner, würden Ratzinger und er „gräulich beschimpft“ und als „Herätiker abgekanzelt, die die Hölle leugnen.“...

focus.de 6.10.2012

Als Schulbub um 1912 dürfte Rahner nur das richtige „greulich“ gelernt haben.

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Norbert Lindenthal
21.09.2012 18.47
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Re: Fortsetzung der Spiegel-Fälschungsserie

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
Traurige Weihnachtsgrüße: … solange wir leben…

Da hat doch der Spiegel einen ganzen Satz über den Vater weggelassen.
Und noch dazu eine weitere Bemerkung.
__________________
Norbert Lindenthal

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Sigmar Salzburg
21.09.2012 07.51
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Fortsetzung der Spiegel-Fälschungsserie

Traurige Weihnachtsgrüße: Am 23. Dezember 1962 schrieb Rudolf Augsteins Mutter auf selbst_gebasteltem Briefpapier betrübt an ihren Sohn, der noch immer in Haft saß.

Mein lieber Rudi!

Alles ist so
maßlos traurig, dass wir Dir so gerne helfen möchten und es nicht können.
Wirklich, dass Du da so allein sitzt, das liegt wie ein Schatten auf unserem Weihnachtsfest. (…) Ich male Dir jetzt einen hellen Stern, der bald wieder über Deinem Leben stehen soll. Wir sind immer für Dich da, solange wir leben. In herzlicher Zuneigung,

Deine Mutti.


[Das darüber abgebildete Faksimile zeigt eindeutig, daß Augsteins besorgte Mutter die zwischen den zwei Weltkriegen verbreitete ß-lose Rechtschreibung verwendete, hier „masslos“, eine Schreibweise, die heute nur noch von einem hinterwäldlerischen Alpenvölkchen verwendet wird und deren Entzifferung „niemandem mehr zuzumuten“ ist. – Auch eine Annemarie Bredehorn verwendete anscheinend hellseherisch die Reformschreibung von 1996, wobei hier nicht nachprüfbar ist, wie sie wirklich geschrieben hat:]

Annemarie Bredehorn kann nicht mehr richtig schlafen. Sie ist wütend. Verzweifelt. Empört. Und das alles wegen eines wildfremden Mannes …
Also setzt sich Bredehorn am 27. Januar 1963 an ihre Schreibmaschine und tippt an den damals berühmtesten Journalisten der Bundesrepublik einen sehr zornigen, emotionalen Brief:

„Die erste Zeit nach Ihrer Verhaftung war schrecklich. [...] Ich kaufte sämtliche maßgebliche Illustrierte, welche über die SPIEGEL-Affäre schrieben. Ich war zuletzt nervlich so erledigt, dass ich mich ernstlich prüfen musste, ob mein Gebaren nicht in Fanatismus ausartet. Nein, fanatisch will ich nicht sein. Aber: Ich verabscheue nichts mehr auf dieser Welt als das Unrecht.“

einestages.spiegel.de 20.9.2012

[Was mag der Grund für diesen Fälschungsfuror sein – Rücksicht auf die Schüler? Faulheit, in die Korrektur-Automatik einzugreifen? Oder den Leser nicht daran erinnern wollen, daß der Spiegel, das einstmalige „Sturmgeschütz der Demokratie“, den erbärmlichen Kotau vor den kultusministeriellen Schreiberpressern vollzogen hat: „Wir hätten damals auf Rudolf Augstein hören und den ganzen Unsinn nicht mitmachen sollen.“ (Stefan Aust, damals Spiegel-Chefredakteur)]

P.S: Vor 2006 hätte der Spiegel auch die Du-Anreden noch kleinfälschen müssen!

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Sigmar Salzburg
20.09.2012 07.51
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Heldengedenktag beim Spiegel

Vor fünfzig Jahren den Lügen und Halbwahrheiten der Staatsmacht widerstanden und seit dreizehn Jahren Mitmacher bei den Reformlügen und Protokollfälschungen:

50 Jahre SPIEGEL-Affäre
„Wenn Sie nicht freiwillig gehen, zwingen wir Sie!“


Verdacht auf Landesverrat: Am 26. Oktober 1962 stürmte die Polizei den SPIEGEL-Verlag … Es war 21.30 Uhr, und soeben hatte in Hamburg die Aktion gegen den SPIEGEL begonnen. Der Staat vermutete Landesverrat, und einer der Ersten, der mit den ungebetenen Besuchern diskutierte, war der junge Jurist Axel Jeschke. Er protokollierte wenig später das historische Gespräch mit dem Einsatzleiter, Kriminaloberkommissar Karl Schütz.

Schütz: Machen Sie doch keinen Ärger. Sie müssen ja doch raus.[…]
Jeschke: Sagen Sie doch, wonach macht man sich strafbar? Zeigen Sie uns den
Paragrafen. Warten Sie einen Moment, ich hole Ihnen das Gesetzbuch.
Schütz (wendet sich ab).

[…]
Jeschke: Nun zeigen Sie uns die Stelle!
[…]
Schütz: Nach
Paragraf. 113, Strafgesetzbuch – 'Widerstand gegen die Staatsgewalt'! Stimmt's?
Jeschke: Na ja, so ungefähr. Genau nicht.


Angst, erinnert sich der heute 77-Jährige, habe er damals nicht gehabt, von Landesverrat war zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede…

Beamter: Wir haben ja auch gehofft, sie würden gleich nach Hause gehen, wie das vernünftige Menschen tun.
Jeschke: Damit wollen Sie doch wohl nicht sagen,
dass wir unvernünftig sind?
Beamter: Nein, nein, das wollte ich damit nicht sagen.


Unvernünftig, das stellte sich in den kommenden Wochen heraus, war eher die Staatsmacht, die mit Halbwahrheiten und Lügen taktierte, Gesetze dehnte und sogar die Verfassung brach.

spiegel.de 19.9.2012

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Sigmar Salzburg
18.09.2012 14.09
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Die letzte Knopp-Show

Guido Knopp, offiziell Leiter des Programmbereichs Zeitgeschichte des ZDF und inoffiziell Marktführer im Segment des Hitler-Histotainments („Hitler – Eine Bilanz“, „Hitlers Helfer“, „Hitlers Helfer II“, „Hitlers Krieger“, „Hitlers Kinder“, „Hitlers Frauen und Marlene“), geht Ende Januar 2013 in Rente… Zum Abschied des Ausscheidenden muss also das große Rad der Geschichte gedreht werden: Unter acht Folgen Weltuntergangs-TV mit ordentlich Adolf drin läuft da nichts.

Ein fleißiges Team hat für Knopp originales Foto- und Filmmaterial aus der Zeit nachkoloriert, so dass Opa und Ur-Opa jetzt in Farbe marschieren… Ruck, zuck sehen die Pickelhauben der kaiserlich-deutschen Truppen mit ihrer albernen Patina aus wie antikes römisches Campinggeschirr.

spiegel.de 18.9.2012

Auch mit der quellenrichtigen Rechtschreibung oder mit den Ereignissen zu Beginn des Tausendjährigen Reiches unter Karl dem Großen nimmt er es nicht so genau:

Die Aufzeichnung der „Reichsannalen” wurde vermutlich kurz nach der Hinrichtung der 4500 sächsischen Adligen in Verden an der Aller am Hofe Karls des Großen begonnen, also nach 782. Zweifellos gab es dort noch Augenzeugen des „auf Befehl des Königs“ an einem Tag vollzogenen Massakers .


„... usque ad quattuor milia D traditi et super Alaram fluvium in loco, qui Ferdun vocatur, iussu regis omnes una die decollati sunt.“

Aber sowohl zur Zeit des gescheiterten zweiten Europa-Einigers A.H., als auch während der noch andauernden dritten Welle der christlichen Unionisten galt es, das Vorbild in ein günstigeres Licht zu rücken. Einen „Sachsenschlächter Karl“ erkennen nur naive Rechte.

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Sigmar Salzburg
03.09.2012 10.27
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Orthographiefälscher Guido Knopp geht in Rente

ZDF-Historiker wird selbst Geschichte

… Knopp dementierte in dem Interview, dass die meisten der von ihm verantworteten TV-Beiträge das Dritte Reich thematisierten: „Von den 2000 Sendungen, die ich im ZDF verantwortet habe, handelten maximal 100 von Hitler, also fünf Prozent.“ [... und bei den Büchern?]

Gerne hätte er Hitler interviewt, wenn er dazu Gelegenheit gehabt hätte, sagte Knopp – wie „jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt.“

Knopp hätte Hitler gern gefragt: „Woher kommt Ihr Judenhass?“
… und: „Würden Sie nicht doch lieber wieder Maler werden?“ Wäre Hitler 1939 gestorben, ist Knopp überzeugt, hätte es keinen Holocaust gegeben: „Ohne Hitler wäre die Geschichte völlig anders verlaufen“, sein Nachfolger Göring hätte nach Knopps Überzeugung keinen Weltkrieg angefangen…

Mit seinen Sendungen im ZDF habe er versucht, den Deutschen zu vermitteln, dass „ihre Geschichte nicht nur aus den zwölf Jahren des Dritten Reichs besteht“, sagte Knopp der „BamS“. „Das ist mir gelungen, glaube ich“ … [? – Siehe auch Knopp und Karl]

Seine Bücher habe er alle selbst geschrieben [einschließlich der Orthographiefälschungen?], versicherte Knopp dem Blatt. Trotz tüchtiger Mitarbeiter und Co-Autoren gelte: „Wo Knopp drauf steht, ist Knopp drin.“

focus.de 2.9.2012

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Sigmar Salzburg
29.08.2012 18.00
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Nun fälscht der Spiegel wieder munter drauf los …

Olympia-Attentat in München

… Der Anschlag am 5. September 1972 schockierte die Welt: Eine Gruppe palästinensischer Terroristen nahm im olympischen Dorf von München elf Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln. … aus nun freigegebenen Geheimakten aus dem israelischen Staatsarchiv geht hervor, wie beispiellos kritisch sich der damalige Mossad-Chef Zvi Zamir über die deutschen Sicherheitsbehörden äußerte …

Einem Brief an die „liebe Frau Meir“ fügte Bundeskanzler Willy Brandt die schriftlichen Einlassungen des FDP-Politikers bei. Genscher beschränkt sich "bewusst auf wenige Korrekturen, […] da ich weiß, dass die Eindrücke jedes Beobachters jener traurigen Vorkommnisse zwangsläufig subjektiv gefärbt sein müssen“.

Genscher wirft Mossad-Mann Zamir Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten vor. So sei der Hubschrauberpilot in Fürstenfeldbruck nicht verbrannt. Richtig sei vielmehr, "dass der betreffende Hubschrauberpilot einen Lungendurchschuss erlitt, nicht aber verbrannte“. Auch habe er, Genscher, entgegen Zamirs Aussage, „nicht die Leitung des Gesamteinsatzes in München“ gehabt…

einestages.spiegel.de 29.8.2012

Der Spiegel jubelt uns wieder eine damals unmögliche Rechtschreibung unter. Oder war alles auf englisch geschrieben, so daß Magazin nur eine Übersetzung zitiert? Aber Genscher konnte damals doch noch kein Englisch!

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Sigmar Salzburg
24.07.2012 09.23
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Ein übler Kater

Verzeihung, es muß hier wieder um das abseitige Thema Musik gehen.

Michael H. Kater ist eine Art kanadischer Guido Knopp. Er hat das Bedürfnis, Buchserien über das „Dritte Reich“ zu schreiben.


[Wikipedia] Michael Hans Kater (* 4. Juli 1937 in Zittau) ist ein kanadischer Historiker und zählt zu den international beachteten Forschern auf dem Gebiet des deutschen Nationalsozialismus… Ab 1967 lehrte er an der York University in Toronto.

Er schreibt auch, wenn er von seinem Gegenstand nur eine geringe Ahnung hat. Volker Hagedorn „war entsetzt“, als er in der ZEIT ein Buch rezensierte:

Der kanadische Historiker Michael H. Kater hat nach Büchern über Ärzte, Jazz und E-Musik im »Dritten Reich« jetzt acht Porträts unter dem Titel Komponisten im Nationalsozialismus versammelt, und Strauss kommt dabei ziemlich gut weg. Das könnte daran liegen, dass er dessen Musik ein bisschen kennt. Für Egk, Hindemith, Pfitzner, Orff, Weill, Hartmann und Schönberg gilt das nicht. Fast nur aus zweiter Hand und in Zitaten von oft dürftigster Kompetenz kommt deren Ästhetik zur Sprache – und das meist zur Unterstützung der These, dass die Kunst moralisch fragwürdiger Typen nicht gut sein kann.

zeit.de 11.11.2004

Katers mangelnde Kenntnisse und Sorgfalt führen zwangsläufig zu Geschichtsfälschung und üblen Fehlgriffen. Ich stieß bei der Suche nach Material zu Arnold Schönberg auf die Fußnoten in der englischen Ausgabe:

98. See the hidden anti-Semitic polemic in Alois Melichar, Schönberg und die Folgen […] (n.pl. 1960) 6 – 46.
[…]
102. […] Melichar, Schönberg und die Folgen, esp. 6 (2nd quote). For the medical analogy, see Michael H. Kater, “Das Böse in der Medizin: Nazi-Ärzte als Handlanger des Holocaust,“ Jahrbuch 1998/99 zu Geschichte und Wirkung des Holocaust (Frankfurt am Main, 1999), 226.


Kater suggeriert damit, der österreichische Filmkomponist und Dirigent Alois Melichar (1996-1976) habe in seiner Kritik des modernistischen Musikbetriebs antisemitische Polemik in einer Weise betrieben, die schon einmal geradewegs zum Holocaust geführt hätte.

Zufällig habe ich Melichars Buch vor kurzem auf dem Flohmarkt für 1 Euro erstanden und konnte nun die genannten ersten vierzig Seiten nachlesen. Nichts berechtigt Kater zu solch infamer Niedertracht. Im Gegenteil, Melichar zitiert fähige jüdische Musiker und Kritiker mit aller Hochachtung: Gustav Mahler, Hanns Eisler, Marcel Rubin, Bruno Walter, Paul Riesenfeld …

Das wohl gemeinte Zitat auf Seite 6 steht auf Seite 7 und stammt vom zwölftongläubigen Musikkritiker der Süddeutschen Zeitung, K.H. Ruppel, der damit nach der Erstaufführung 1959 von Schönbergs unvollendeter Zwölfton-Oper „Moses und Aron“ jegliche Proteste als Antisemitismus brandmarken will:
„Wem galten denn die Radauszenen in der Berliner Kantstraße? Einem jüdischen Komponisten, den das Naziregime zwang, seine Heimat Europa zu verlassen …“

(Ich habe damals die Aufführung am Radio verfolgt und bin über dem einförmigen akustischen Dauerstreß eingeschlafen.)

Alois Melichar weist, unterstützt vom 1938 geflüchteten Musikkritiker Riesenfeld, diese Deutung zurück und weist darauf hin, daß auch Henzes „König Hirsch“ von Protesten begleitet war. Die Leute wollten nicht, daß für Experimentalmusik das Geld für Aufführungen ihrer Lieblingsopern gekürzt wird.

Melichar entlarvt aber auch den Opportunismus der Zwölfton-Lobhudler, die kurz zuvor noch das Loblied auf das „Dritte Reich“ gesungen hätten. Nach 1945 kam es geradezu zu einer Machtergreifung der Dodekaphonisten – die darauf Melichar zum medialen Abschuß freigaben.

Auch der Komponist Berthold Goldschmidt, der in der Nazizeit emigieren mußte, verstummte vor der Übermacht der „Zwölftonsekte“, wie man von ihm hören konnte. Er kam erst in seinem neunten Lebensjahrzehnt, kurz vor seinem Tode, wieder zu Ehren.

Zur deutschen Ausgabe des Katerschen Werks schreibt Volker Hagedorn in der ZEIT noch:


Die Übersetzung geriet entsprechend grob. Mit »Chromatismus« ist vermutlich Chromatik gemeint, aber das ist eigentlich auch egal.

Da spürt man förmlich den Rheumatismus in allen Gliedern.

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Sigmar Salzburg
15.07.2012 19.38
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Orthographie-Fälschung und Verkürzung

Bei einer Straßenschlacht zwischen NSDAP-Anhängern und Kommunisten kam es im Juli 1932 zu einer wilden Schießerei. 18 Menschen starben. Die Schuldigen waren schnell gefunden und wurden eilig hingerichtet…

In der „Hamburger Volkszeitung“ etwa war am Vortag zu lesen: „Am morgigen Sonntag wird die braune Mordpest der SA […] in Altona marschieren. Der Massenselbstschutz der antifaschistischen Aktion muss in erhöhter Alarmbereitschaft gemeinsam mit dem klassenbewussten Proletariat Altonas dafür sorgen, dass Altona kein zweites Eckernförde wird.“

einestages.spiegel.de 15.7.2012

Richtiger stand der Text der KPD-Zeitung 1992 in der ZEIT:

Die SPD pflegte bei derartigen Anlässen ihre Anhänger ins Grüne zu schicken. Nicht so die KPD „Am morgigen Sonntag wird die braune Mordpest der SA mit Zustimmung des Altonaer Polizeipräsidenten Eggerstedt in Altona marschieren. Der Massenselbstschutz der antifaschistischen Aktion muß in erhöhter Alarmbereitschaft gemeinsam mit dem gesamten klassenbewußten Proletariat Altonas dafür sorgen, daß Altona kein zweites Eckernförde wird“, war am 16. Juli in der Hamburger Volkszeitung zu lesen.

zeit.de 17.7.1992


Thälmann-Gedenkstätte

Nachtrag zu Eckernförde aus Wikipedia:
Der braune Terror begann allerdings schon vor der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten, als am 10. Juli 1932 bei einem SA- und SS-Überfall auf das Gewerkschaftshaus in Borby zwei Gewerkschafter ermordet wurden.

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Sigmar Salzburg
10.07.2012 07.03
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Alle Jahre wieder: Eigenfälschung von dpa

Kalenderblatt 2012: 10. Juli
Berlin (dpa) – Das aktuelle Kalenderblatt für den 10. Juli:

AUCH DAS NOCH

1997 – dpa meldet: „Ich habe mich nie mit der Rechtschreibreform befasst. Ich befasse mich nur mit wichtigen Dingen.“ (Bundespräsident Roman Herzog im Gespräch mit Jugendlichen auf die Frage, ob die Reform zurückgenommen werden sollte).
Märkische Allgemeine

(Herzog war vorher Verfassungsrichter – kein Wunder, daß ähnlich denkende Verfassungsrichter auch die Geiselnahme der Schüler zur Durchsetzung der „Reform“ unter „unwichtig“ einstuften. Herzog hatte aber auch gesagt, die Rechtschreibreform sei „überflüssig wie ein Kropf“.)

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Sigmar Salzburg
28.06.2012 09.18
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Spiegel-Selbstfälschung

EinesTages-Spiegel erinnert an einen Reiseführer in ein exotisches Land und fälscht sich dabei auch selbst:

Christa Moerstedt-Jauer: „Die halbe Hauptstadt. Ost-Berliner Ansichtssachen“. Oberhofer Verlag, Berlin 1987.

Heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR, wirkt dieser Reiseführer skurril. Ein Kuriosum war er aber auch vor 25 Jahren schon. Sogar dem SPIEGEL war der deutsch-deutsche Ratgeber eine erstaunte und launige Erwähnung wert: „Der gewöhnliche Tourist aus 'Wessiland' (so sagt man in Ost-Berlin) lässt sich am S-Bahnhof Friedrichstraße von der Vopo nerven, dreht eine Pflichtrunde um den Alexanderplatz, weiß nicht, wie er sein zwangsgetauschtes Geld legal loswerden soll, und ist am Ende froh, wenn er wieder hinter der Mauer ist. Schön blöd. Dem Wessi muss geholfen werden.“

Natürlich ist das Original im Spiegel-Archiv richtig abgespeichert:

Der gewöhnliche Tourist aus „Wessiland“ (so sagt man in Ost-Berlin) läßt sich am S-Bahnhof Friedrichstraße von der Vopo nerven, dreht eine Pflichtrunde um den Alexanderplatz, weiß nicht, wie er sein zwangsgetauschtes Geld legal loswerden soll, und ist am Ende froh, wenn er wieder hinter der Mauer ist. Schön blöd. Dem Wessi muß geholfen werden: Erst lernt er mal die gängigen Begriffe …

Spiegel.de 28.03.1988

Aber auch direkte Zitate aus dem Reiseführer werden gefälscht:

„Ostprodukte“, heißt es im Reiseführer, „haben bei uns so ein schlechtes Image, dass die DDR darauf verzichtet, ihren Warenlieferungen in den Westen ein 'Made in GDR' aufzudrücken, weil die Verkäuflichkeit nicht beeinträchtigt werden soll.“

einestages.spiegel.de 28.6.2012

Man fragt sich, warum es der Untertanengeist von Verfasser oder Redaktion für nötig befindet, jede Erinnerung an den einstigen besseren Zustand des deutschen Rechtschreibwesen auszulöschen. Man ist doch sonst darauf erpicht, Skurrilitäten alter Texte vorzuführen.

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Sigmar Salzburg
25.06.2012 16.43
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Aus der Arbeit der Denkfabriken

Das Propaganda-Virus des KGB

Stammt Aids aus US-Militärlabors? Vier Jahre lang geisterte diese Theorie weltweit durch Zeitungen. … Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die wahren Drahtzieher der Verschwörungstheorie entlarvt…
Sie stammte aus der Denkfabrik des „Dienst A der Ersten Hauptverwaltung des russischen KGB“, wie die Agenten Wassili Nikititsch Mitrochin und Oleg Gordijewski unabhängig voneinander Anfang der neunziger Jahre enthüllten. Deckname der Desinformationsaktion: „Infektion“. Seit 1983 arbeiteten die KGB-Agenten daran, ihre Aids-Theorie weltweit zu verbreiten – und so das Image der USA weltweit in den Schmutz zu ziehen.

Ein wichtiger Handlanger für die Verbreitung in Westdeutschland war die „Abteilung X“ des DDR-Auslandsnachrichtendienstes, wie Günter Bohnsack, damals Oberstleutnant, gleich nach der Wende offenherzig zugab…

Kurt Hager, damals für Wissenschaft und Medizin zuständiges Politbüro-Mitglied, schrieb im September 1986 an den Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik im Zentralkomitee: „Da Genosse Segal selbst von einer Hypothese spricht, müssten eventuelle Veröffentlichungen in offiziellen Publikationen der DDR vermieden werden. Wie weit seine Vermutungen in entsprechenden Zeitschriften des Auslandes veröffentlicht werden können, weiß ich nicht. Sie müssten selbstredend von Genosse Segal als Wissenschaftler selbst verantwortet werden.“

Im Herbst 1986 zeigte die Stasi trotzdem noch ein großes Interesse daran, Segals Thesen im „nichtsozialistischen Währungsgebiet“ zu verbreiten, wie es intern hieß.

einestages.spiegel.de 25.6.2012

In der Rechtdenk- und Schreibfabrik der KMK arbeiteten lange vor der Wende einträchtig auch Agenten der DDR daran, die Theorie von der Reformbedürftigkeit der deutschen Rechtschreibung zu verbreiten. Daß jedoch Politbüromitglieder damals schon die völlig vergessene Heyse-Schreibregel angewandt hätten, dürfte aber auf einer typischen Spiegel-Fälschung beruhen.

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