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Sigmar Salzburg
02.04.2020 19.16
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300 Jahre „Wiener Zeitung“

Pandemie vor 300 Jahren – die Ur-Tageszeitung berichtet

Von Pandemie bis Monarchie – über was die älteste noch heute existierende Tageszeitung der Welt vor rund 300 Jahren berichtete, kann nun jeder digital nachlesen: Österreichische Wissenschaftler haben zahlreiche historische Ausgaben des Wien[n]erischen Diariums im Volltext online zugänglich gemacht. Heute ist das Blatt unter dem Namen „Wiener Zeitung“ bekannt.


Seit der Erfindung des Buchdrucks hatten sich die Formate der frühen Printmedien stetig weiterentwickelt – im Jahr 1703 führte diese Entwicklung dann zu einem Druckwerk der besonderen Art: Am 8. August erschien die erste Ausgabe einer Tageszeitung, die von da an bis heute kontinuierlich berichtete – das Wien[n]erische Diarium. 1780 bekam das Blatt schließlich den Namen Wiener Zeitung, den es bis heute trägt.

Digitales Blättern in Zeitdokumenten

Dass sich seit seiner Gründung sämtliche Ausgaben erhalten haben, macht die Wiener Zeitung zu einer historischen Quelle von besonderem Wert. Viele geschichtliche Ereignisse und Personen werden erwähnt und auch die Veränderungen der Sprache sowie die Entwicklung des Journalismus spiegeln sich in den historischen Ausgaben wider. Die Dokumentensammlung ist dadurch eine wichtige Informationsquelle für zahlreiche geisteswissenschaftliche Fragestellungen.
Aus diesem Grund haben sich Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum Ziel gesetzt, die Texte leichter lesbar und für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen...

Beispiele mit Bezug zur Corona-Krise

Beim digitalen Blättern durch das Diarium kann man feststellen, dass die Bandbreite der Themen durchaus mit der heutiger Zeitungen vergleichbar war. Aus aktuellem Anlass der Corona-Krise hebt das ÖAW die Berichterstattung über Pandemien hervor. In einer Ausgabe aus dem frühen 18. Jahrhundert heißt es beispielsweise: Es wird verlautbart, dass „wegen der in Frankreich grassirenden Pest / weder Personen / Vieh / noch Waaren / von dorten“ einreisen dürften. An einer anderen Stelle heißt es, dass „allda niemand Frembder / ohne sichern Paß / wegen der anderwerts im Schwung gehenden bösen Seuche / eingelassen werde“.
Diese Maßnahmen kommen uns heute in gespenstischer Weise vertraut vor. [...]

Abschließend berichtet das ÖAW – erneut mit Blick auf die Corona-Krise – von einer ermutigenden Meldung aus dem Diarium bezüglich des Endes einer Pandemie im Jahr 1722. So war am 11. November zu lesen: „daß die Seuche an allen Orten von Provence und Languedoc völlig aufgehört / und […] daß jene Stadt / in welcher dieselbe so sehr gewütet / nunmehro davon befreyet seye.“

Quelle: Österreichische Akademie der Wissenschaften
DIGITARIUM – die digitale Ausgabe der historischen Zeitung Wien[n]erisches Diarium


wissenschaft.de 2.4.2020

An den Texten kann man sehen, daß die Rezensenten die Zitate möglichst hinter dem Komma und den neuen „dass“ haben anfangen lassen, damit die Leser nicht an die gute alte Rechtschreibung erinnert werden.

Der alte Text wäre uns ohne die Umerziehung, trotz sonstiger origineller kleiner Abweichungen, viel näher und vertrauter gewesen – eine echte kulturelle Tradition. Nur beim letzten Zitat klappte der Ersatz nicht, weil das „daß“ im Satz noch einmal vorkommt.

Die nichtsnutzige Dass-Reform ist nichts anderes als eine gewaltsame Kulturschurkerei, die von seltsamen Zirkeln gegen den Willen der meisten Leser ausgeheckt worden ist.


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Sigmar Salzburg
18.03.2020 12.00
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Aus „Pandora“ 1946

Von deutscher Rechtschreibung
von Wilhelm Dreecken

Die Frage einer Reform der deutschen Rechtschreibung wird immer wieder erörtert; hier ein kleiner Beitrag zu diesem Thema.

Die Vorkämpfer für eine neue Rechtschreibung lassen sich meist von dem Motiv „schreibe, wie du sprichst“ leiten, indem sie mit einem Schein des Rechtes darauf hinweisen, daß unser primäres Ausdrucksmittel ja die Sprache und nicht eine Schreibe sei. Wollte man sich dieser Meinung anschließen, so würde es bald keine deutsche Sprache mehr geben, sondern der Oberbayer und der Rheinländer, der Berliner und der Alemanne, der Mecklenburger und der Sachse hätten jeder seine eigene Schriftsprache. Denn nur durch die Schrift läßt sich die hohe Form der Sprache festhalten, die der Vielfältigkeit landschaftlicher Mundarten gegenübersteht: das Hochdeutsche. Mundartliche Schrift hat ihre Berechtigung nur zur Wiedergabe der Mundart, die als solche eben vom Hochdeutschen abweicht; es sei an Fritz Reuter als Vertreter einer niederdeutschen und an Johann Peter Hebel als Vertreter einer oberdeutschen Mundart erinnert. Aber Goethe soll nicht in Berlin „Jöte“ und in Leipzig „Köde“ geschrieben werden!

Die Verfechter der Orthographie-Reform behaupten, eine Vereinfachung zu bringen; der Sprachfreund wird merken, daß es sich eher um eine Verarmung handelt. Durch Nachlässigkeit in der Aussprache haben wir schon so viel von dem Reichtum der Farbigkeit unserer Sprache verloren – wollen wir heute, mit einem ausgebildeteren Sprachgefühl, das bewußt fortsetzen, woran frühere Zeiten unbewußt sündigten?

Nehmen wir ein Beispiel: der Diphthong ai ist im Gotischen und Althochdeutschen zu finden, unser Diphthong ei meist aus dem langen i des Mittelhochdeutschen entstanden wie der Engländer das Zeichen i als „ei“ ausspricht, so spricht z.B. der Alemanne heute noch „i“, wo der Mittel- oder Niederdeutsche „ei“ spricht und im Hochdeutschen ei geschrieben wird. Im allgemeinen Bewußtsein ist aber dieser wesentliche Unterschied von ai und ei fast verschwunden und man betrachtet diese verschiedene Schreibweise nur noch als funktionell zur Unterscheidung, wie bei „Waise“ und „Weise“. Liliencron aber, dem wir wie so manchem anderen Dichter viel für die deutsche Sprache zu danken haben, schrieb konsequent (und begründete es wiederholt in seinem Briefwechsel) „Haide“, nicht im Unterschied zu „Heide“ (got. übrigens auch ai, aber schon ahd. ei), sondern im richtigen Sprachgefühl (got. haithi).

Wenn einmal eine Orthographie-Reform durchgeführt wird, dann möge sie (neben der Ausmerzung von Fehlern, wie z.B. früher des falschen th) nicht eine Verarmung, sondern eine Bereicherung unserer Sprache anstreben, wozu die Etymologie für die Schrift ebenso vielfältige Möglichkeiten bietet, wie die Besinnung auf die eigentliche Wortbedeutung für die Sprache. Aber auch heute kann für den denkenden Schreiber in Zweifelsfällen nur die Etymologie maßgebend sein, nie die Aussprache: wenn man weiß, was „Ärmel“ ist, kann man nie „Ermel“ schreiben.

Schwieriger erscheint die Frage bei Fremdwörtern. Der Verfasser erinnert sich, mit welchem Entsetzen er vor langen Jahrzehnten als Student bei einer Reise auf Hamlets Spuren im schönen Dänemark „Frisör“ und „Toalet“ las; nun, auch bei uns ist nicht nur seit langem schon das Comptoir zu einem „Kontor“ und in neuerer Zeit das Bureau zu einem „Büro“ geworden, sondern haben sich auch Wortungetüme wie „Friseurin“ statt Friseuse eingeschlichen. Das ist der Weg, auf dem Fremdwörter zu Lehnwörtern werden; dagegen läßt sich schließlich nur sagen, daß Wortbastarde auf jeden Fall vermieden werden sollten. Aber ist in einer voll entwickelten Sprache die Aufnahme von Lehnwörtern überhaupt wünschenswert? Wäre das nicht vielmehr ein Zeichen von Müdigkeit, Unfruchtbarkeit der Sprache, ihres Absterben, ein Zeichen dafür, daß ihr die Kraft zum Weiterwachsen fehlt? Denn die Sprache ist ein lebender Organismus, der seine Kraft aus dem gesunden Volksleben ebenso schöpft wie aus dem Schaffen der Einzelnen, die – nennen wir Luther, Goethe, Ranke – den Wortschatz vermehren und die sprachliche Ausdrucksmöglichkeit bereichern. Fremdwörter dagegen haben ihre Berechtigung, wenn sie – auch heute noch – zugleich mit ihrem Gegenstande in jede Sprache solcher Völker kommen, denen die sie bezeichnenden Begriffe neu sind: Wir nahmen von den Franzosen Cognac, sie nahmen von uns Bock (und bière, „Bier“ ist aber nicht deutschen, sondern vulgärlateinischen Ursprungs); die Beispiele ließen sich verzehnfachen (Akt, Drama, Möbel, Musik, Novelle, Oper, Papier, Poesie, Post, Roman, Schokolade, Tabak, Zigarre), in denen wir den Charakter als Fremdwörter noch ganz deutlich empfinden. Anders ist es, wenn diese sich zu einer Zeit, als unsere Sprache sich noch in einem frühen Stand der Entwicklung befand, zugleich mit ihrem Gegenstand in sie eingebürgert, die Entwicklung unserer Sprache mitgemacht haben und so zu Lehnwörtern geworden sind, wie zum Beispiel „Kaiser“, „Wein“ u.v.a., deren fremder Ursprung uns garnicht mehr bewußt ist.

So ist die Frage der Rechtschreibung auch hier ziemlich einfach: Lehnwörter schreiben wir in deutscher Art, Fremdwörter nach ihrer Art, denn sie sollen Fremdwörter bleiben. Der Vertreter der phonetischen Schreibweise („schreibe wie du sprichst“) käme gewiß in Verlegenheit, wenn er z. B. wegen „Gentleman“ befragt würde! Aber z. B. Meuble, Musique, Chocolat zu schreiben, wäre ein lächerliches Barockisieren, um so unberechtigter, als diese Wörter ebenso wenig französisch wie deutsch, sondern in allen lebenden Sprachen Fremdwörter sind. Ob wir aber Philosophie und Symphonie beibehalten oder uns nach Telefon oder Telegraf richten wollen, ob Coeln am Rhein oder Köln am Rhein (schließlich auch Frankfurt am Mein!) liegen soll, ist letzten Endes Geschmackssache. Was unz betrift: di direkziohn „gustaf nagel“ gefelt unz nicht.

Wilhelm Dreecken, geboren am 18. April 1887, aus einer alten Juristenfamilie stammend, wandte sich nach Besuch des Humanistischen Gymnasiums dem Verlegerberuf zu. Nach seiner Ausbildung studierte er Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaft. Dann brach er sein Studium ab, um einem Ruf des Berliner Verlages Schuster & Loeffler zu folgen, in dem er das Lektorat leitete...

(Pandora 1946, Seite 29 ff.)

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Sigmar Salzburg
09.01.2020 19.54
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Aus dem Schweizer „Sprachspiegel“ 1961

Mörder unserer Sprache

Es gibt Leute, die mit eigenen Mitteln und mit viel mehr Steuergeldern hohe und höchste Schulen besucht haben und stolz auf ihre Bildung sind. Sie sollten sich darum verpflichtet fühlen, ihr Licht leuchten zu lassen, zu Nutz und Frommen der geistig minderbemittelten Massen. Englischem Vorbild folgend, sollte die Überlegenheit vor allem an der Sprache erkennbar sein. Das Gegenteil ist oft der Fall: bei erster Gelegenheit verleugnen sie die paar Deutschstunden, während welcher sie nicht geschlafen haben, und schließen sich leichtesten Sinnes dem großen Heer der Sprachreisläufer an. Ich rede hier nicht von den fremden Wörtern und unbegrenzten Begriffen, die sie uns auf ihrem hohen Seil vorgaukeln, sondern von ihrem biedern Werktagsdeutsch, von dem, was „U“ sein sollte, und von dem sie meinen, es erschließe der Jugend neue, unvorstellbare Gefilde der Sprachreinheit und -feinheit.

Solange wir ihnen nicht unter Zwang zuhören oder ihre Erzeugnisse lesen müssen, schaden sie nicht mehr als einige neudeutsche Dichter, Erzähler und Volkswirtschafter. Gemeingefährlich aber sind sie in den Augenblicken, wo sie sich bei Behörden, beim Funk, bei der Nachrichtenpresse oder als Entwerfer von Gesetzen und Verfasser offizieller Ansprachen eingenistet haben und alsdann tagein, tagaus, in Wort und Schrift, unmittelbar oder durch den Mund gefügiger Sprecher und geplagter Setzer, auf uns einhämmern dürfen oder müssen. Dagegen schützte nur ein Leben in der Wildnis. Ihre stolze Oberflächlichkeit, getarnt mit stiernackiger Rechthaberei, sagt ihnen, daß das, was sie über gutes Deutsch nicht wissen, auch ihre Leser und Hörer nicht wissen. Man erinnere sich, wie unbelehrbar sie wegen der „Meteorologischen Zentralanstalt“ waren, wegen „gehe“ statt „geh!“, „Stop“ statt „Halt“, „gesendet“ statt „gesandt“, „Maternité" statt „Geburtenhaus“ (die Geburts-, Schul-, Stadt-, Amts-, Kongreß-, Zucht-, Kranken-, Pfrund- und Armenhäuser sind uns auch heute noch gut genug) usw. Und dafür zahlen wir sie noch! Die Arbeit gewissenhafter Lehrer wird zuschanden; denn soll der Schüler glauben, was ihm der Lehrer angibt oder was eine nie irrende Obrigkeit funkt, auf Schilder malt und in Blättern ausschreibt? Pausenlos wiederholen sie, was falsch und häßlich ist und unser Sprachgefühl abstumpft und schließlich tötet.

Nach eigenem Behagen erdrosseln sie gute Alt-Ausdrücke und ersetzen sie durch „zeitgemäße“, nicht immer aus verlorenem oder nie gehabtem Sprachsinn heraus; Ziererei, Neuerungssucht und Unsicherheit spielen mit. Ihre Neuheiten sind indessen meistens Nachäffereien, kein eigenes Gedankengut. Daß sie uns gerade die scheußlichsten Fänge aus irgendwelchen Tümpeln vorsetzen müssen, ob wir wollen oder nicht, steht gewiß in keinem Anstellungsvertrag. Leider habe ich noch nie einen Vertrag gesehen, in dem der Arbeitgeber bessere Kenntnisse der Muttersprache ausbedingt, als jeder Haudegen sie bietet.

Ehrfurcht vor alten Meistern? Abgestreift! Um dem heutigen hohen Stand der deutschen Sprache zu genügen, müßte der „Tell“, nach ihrer Meinung, neu „überarbeitet“ werden; Schiller überhaupt, schrieb er doch viel zu wenig „differenziert“. Zu Fürst und Stauffacher spräche dann Attinghausen, stromlinig ausgerichtet auf das hinreißende Amts-, Funk-, Illustrierten- und Kinodeutsch: „seid euch einig, euch einig, euch einig!“ (Im Appenzellerland ist man zwar heute, wie vor Jahrhunderten, „ähs worde“, eins oder einig worden, wenn ein Händel erledigt oder ein Handel zustande gekommen war.) Man spricht nicht mehr miteinander, man bespricht sich. Ich hoffe, die Zeit nicht zu erleben, da man sich fröhlich ist, sich etwas Gutes ißt, sich lacht oder weint; ich will mich vorher sterben.

In den Fluten läppischer Blähungen, überflüssiger Vor- und Nachsilben, nichtssagender Abstraktionen, eitler und wüster Knäuelsätze sind Behörden, Marktschreier, Seelenkenner, Volks- und Funkredner bereits erstickt. Richter, Dichter und Prediger stehen auf Kragenhöhe drin. „Das Hauptthema war die deutsche Frage...“ Wer auf das unfaßbare Allerweltswort „Frage“ stößt, soll zuerst fragen, wer denn eigentlich wen und was fragt, Fall, Gegenstand, Sache oder Angelegenheit zählen nicht mehr; dafür haben wir das „Anliegen“, das jedem salbigen Redner sein eigenes ist, in Verbindung mit „Verpflichtung“ natürlich („Es ist mir Anliegen und Verpflichtung“).

Eine der neuesten Bescherungen von oben herab sind die „Entwicklungsländer“. Was sind denn die Vereinigten Staaten, England und die meisten europäischen Länder, die laufend Neues schaffen? Was sind Indien, Laos, Tibet, Iran, Ceylon, Ghana usw. usw., die trotz Hilfe stillstehen? – Neu ist auch der Beherrscher“ an Statt des „Herrschers“; noch lange nicht jeder Herrscher beherrscht. – Ein hoher Beamter, Dr. phil., mahnte uns, „man müsse einander gegenseitig helfen“, und fügte bei „... ich glaube, daß es genüge“. Ich glaube, es genüge ohne das „daß"; oder Gautschi aus New York: „Kennedy und de Gaulle waren gegenseitig voneinander beeindruckt“. Sagt man unter Freunden nicht einfach „sie hatten einen guten Eindruck voneinander“? Und Staub aus Paris: „man setze sich zusammen...“. aus wieviel Stücken? Kürzlich hoffte ein Magistrat zuversichtlich. Leser, haben Sie schon ohne Zuversicht und Hoffnung gehofft?

Der Diener ist in der Amtssprache zum Bedienten vorgerückt; folglich müßten die Richter den Betrüger zum Betrogenen umbiegen. Rücksicht ist zu Rücksichtnahme ausgewalzt. Meint man, es töne menschlicher, menschlicher etwa als Rücksichtgabe? Bereiten wir uns vor bald mit Rücksichthabe, Vorsichtsein und Ähnlichem beschenkt zu werden! – Selbst der schwallreichsten Revolverzunge eines amerikanischen Hochdruckverkäufers genügt „Fühlung“ (Contact); vermutlich um jede Verwechslung mit Fühlunggabe zu meiden, besteht unser Lautsprecher auf Fühlungnahme. Er nimmt nun fortan Fühlungnahme. „Nun“ genügt ihm übrigens nichts mehr, „nunmehr“ sagt ihm nunmehr mehr.

In einer Sendung von „Tag zu Tag“ hörten wir, wie ein schnellzüngiger Berichter die französische Liedlein-Sängerin X in Kloten begrüßte und fortfuhr: „nun lassen wir die französische Star selbst einige Worte sagen .“. – Haben Sie das Wort „spätzeitig“ schon vernommen? Wenn nicht, werden Sie es bald hören, denn schon haben wir frühzeitig. Spät genügt noch, früh nicht mehr, obwohl früh an sich ein Zeitbegriff ist und „zeitig“ überflüssig macht, besonders wenn man bedenkt, daß die Zeit zeitlos ist.

Eine Ansagerin (Ansagerinnen und Ansager haben zu gehorchen, nicht zu „verbessern“) mußte „... um Berichtgabe an die Polizei“ hersagen und das Wetter sei „vielfach sonnig“; auch „den Beruf hat er mehrfach gewechselt ...“. Ohne jemand zu fragen, ersetzt man „mal“ durch“ -fach“. („Das wievielte Fach ist er schön gebüßt worden?“ „Das erste Fach“; wievielfach über den Ozean geflogen? „zweifach!“.) Ein Ansager mußte durchgeben, es habe sich „verlohnt“, ferner „dem Jubilar war es vergönnt“, wenn diesem das Schicksal in Wirklichkeit etwas gegönnt hatte (gönnen – Gunst, vergönnen = Mißgunst; in den Mundarten gönnt man einem Menschen einen heiteren Lebensabend, vergönnt oder mißgönnt ihm aber erschlichene Vorteile. Die Mundarten sind im Zweifel oft zuverlässiger als der Duden). Es ist nicht ausgeschlossen, daß, diesem Beispiel folgend, auch der Unterschied zwischen kaufen und verkaufen, heiraten und verheiraten verwischt wird und wir dann nicht mehr wissen, ob es auf das Gleiche herauskommt, ob man jemand heirate oder verheirate. – Man macht kein Hehl mehr daraus, daß das Zeitwort verhehlen am Sterben ist.–

Die Denkfaulheit vieler Verfasser amtlicher Mitteilungen wird unter anderem darin sichtbar, daß heute jeder zweite Satz mit „Nachdem ...“ beginnt, selbst wenn „seit“, „da“ oder „weil“ stehen müßte; desgleichen in den ewigen „Verlautbarungen“ und in der Unzahl „Rahmen“, außerhalb deren auf Erden rundweg nichts geschieht. „Verhältnisse“ gehören zum eisernen Bestand eines Berichters; so streikten denn die Postier in Zürich „für bessere Lohnverhältnisse“, nicht allein für den Lohn. Verhältnis hat Zustand, Los, Gegend, Umgebung und Umstand beinahe verdrängt, der Einfachheit wegen. Daß die Behörden nicht ruhig sind, wenn wir ihre Gesetze nur achten, ist eindeutig; sie verschaffen Nachachtung, denn doppelt genäht hält besser. Wer hat zu bestimmen, wieviel verschiedene Wörter in einem einzigen Sammelwort aufgehen dürfen? Jene etwa, die nur kraft eigenen Rechts und dank ihrer Stellung ungestraft und laufend Begriffsgrenzen verwischen? –

Es scheint, beim Rundfunk, gleich wie bei Bundes-, Kantons-, Stadt- und Gemeindeämtern, den Polizei- und Heeresverwaltungen, lasse man nur noch Leute zu (mit abgeschlossener Hochschulbildung), die sich zum kindischen und wandelbaren Abklatschallerlei bekennen und allzeit streben, ihre Sprache zu entwerten. Mit Grausen stellt man fest, wie abgenützt und gleichförmig Stil und Wortwahl vieler dieser Stellen sind. Man muß dies zum Teil begreifen, denn ihre Welt beschäftigt sich, gleich dem Obligationenrecht und dem Zivilgesetzbuch, hauptsächlich mit Sachwerten, denen der Mensch Untertan ist.

Die zunehmende Unfähigkeit unserer Funk- und Amtsredner und -Schreiber, sich an feste Begriffe zu halten, merkte jeder, der einen Tag lang am Empfänger säße und alles, was sinn- und stilwidrig ist, niederschriebe, von den Sendungen „zum neuen Tag“ (die offensichtlich auf der Annahme beruhen, die Hälfte der Hörer seien Köhler) bis zu den Spätnachrichten. Er müßte zwar ein sehr rascher Schreiber sein! Eine halbe Stunde länger nachgedacht, und wir hätten zum Beispiel keine Mutationen, sondern (militärische) Beförderungen; die wichtige Kunde eines Heerführers hieße nicht mehr Tagesbefehl. Wir hätten auch kein Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA), keine drei Wörter, die im Grunde ein und denselben Begriff ausdrücken. Eine Menge juristischer Sprachzöpfe wären längst abgeschnitten. Wir hätten keine Aktie, weder ein Obligationen-Recht noch ein Zivil-Gesetzbuch, keine Miliz, kein Militär, keine Rekruten und Offiziere und kein Departement. – Eine neue Perle wird nun auch in den Amtsstuben herumgeboten: „ausgelastet“. Wissen Sie, was es heißt? Nichts anderes als voll, ausverkauft, voll beschäftigt, ausgenützt, besetzt. Sorgen wir dafür, daß es rasch ausgelachtet wird.

Im privaten Leben findet man der Sprachsünden nicht weniger, seien es geschäftliche oder „schön“geistige. Hier richten sie aber geringeren Schaden an, weil wir nicht verpflichtet sind, Bücher und Anpreisungen zu lesen; über die Sender zu hören bekommen wir sie glücklicherweise noch nicht. Aktien- statt Bier-Brauerei ist weder geistreich noch richtig, ebensowenig der „Timber Room“ einer zürcherischen Gaststätte. Vermutlich wurden beide, wie eine Unzahl andrer Geschäftswörter, im Alkoholdunst geboren.

Zu der Oberflächlichkeit in einer Reihe von Amtsstuben reiht sich ein beachtenswerter Mangel an Mut. Daß die Amtssprache gewundener sein muß als der Lauf des Jordens, ist klar, denn die Losung unserer Vormünder und Wegweiser heißt Vorbehalt. Sie bringen somit nicht mehr den Schneid auf, Meinungen zu haben: sie vertreten nur noch welche, auch ihre eigenen. Auch nicht den Mut, andere gute Wörter zu gebrauchen als die „andern“, denn man will auf keinen Fall aus der Reihe tanzen. Darum Parks statt Pärke, die Autos statt die Auto, Schutztrupps statt -truppen (Deutsch hat keine Mehrzahlendungen mit s), Endzielsetzung statt Ziel. Darum nie mehr Imbiß, Schnaps und Wirtshaus; der neue Heimatstil verlangt Snack, Cocktail, Restaurant und Bar (meistens gewöhnliche Standbeizen oder Spunten mit minderem Bier als in Fuhrmännerkneipen.

Unsichere und alle, die schneller schwatzen als denken, sollten jede mündliche oder schriftliche Kunde an die Jugend meiden. Ich habe hier im einzelnen wohl nur Kleinigkeiten bemängelt; die Summe dieser Nadelstiche kann jedoch unheilbar verletzen. Die Würger unserer Sprache sind gegen Tadel taub und blind; überdies haben sie keine Zeit, ihn zu lesen oder zu hören. So etwa von Vierzig an lernen die meisten Menschen zu ihrem alten, halb oder ganz vergessenen Kram überhaupt nur ungern anderes, als was ihnen höheren Lohn oder größeres Ansehen verspricht. Zu diesem Behufe ist schwätzen oft wichtiger als reden, sudeln einträglicher als schreiben, verdüstern feinsinniger als klären. Manch einer der durch Ton und Schrift zum Volke drängt, ist ob der Wucht und Blütenreinheit seines eigenen Stils derart verzückt, daß nichts ihn retten kann. Aber selbst der tiefste Gehalt eines Gedankens ist nie so stark, als daß ihm ein Lumpengewand, genannt Schluderdeutsch, nicht schadete. Man denke daran, wieviel die englische Bibel durch die Übersetzung in die Gegenwartssprache an Wucht und Poesie verloren hat; eine schlechte Reportage sei aus ihr geworden, hieß es in einer englischen Zeitung. So darf es nicht weitergehen. Man soll sich aus Bequemlichkeit und Denkfaulheit nicht auf die „Lebendigkeit“ und den „unvermeidbaren stetigen Wandel“ in der Sprache berufen und so der Sprachleere verfallen.

Ein Sprachgericht mit Wächtern brauchen wir. Kein Amtssatz über die Sender, keiner auf Papier soll uns erreichen, es habe ihn denn ein Wächter gestriegelt. Sprachkenner gibt es genug, besonders unter unverbrauchten Lehrern im Ruhestand; sie bieten auch Gewähr für ruhige Überlegung. „Die Kosten!“, werden die Räte und Unterausschüsse händeringend und sorgenfaltig mahnen, denn es geht hier vermeintlich nicht um materielle Gewinne. – Es wird weniger kosten als zwei Handels- oder Militärattaches. – Oder ist etwa mit Dunst und Doppelsinn leichter zu herrschen? W. E.

Mörder unserer Sprache
Autor(en): W.E.
Objekttyp: Article
Zeitschrift: Sprachspiegel : Zweimonatsschrift
Band (Jahr): 17 (1961)
Heft 6
http://doi.org/10.5169/seals-420664
PDF erstellt am: 02.01.2020 ETH-Bibliothek

Zusätzliche Absätze eingefügt! Sa.

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Sigmar Salzburg
10.01.2019 10.31
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Journal für die reine und angewandte Mathematik

Das Journal für die reine und angewandte Mathematik, kurz Crelles Journal, ist eine der renommiertesten mathematischen Fachzeitschriften. Es wurde 1826 in Berlin gegründet und ist damit das älteste heute noch existierende Periodikum im Bereich der Mathematik. [Wikipedia]



Ein Blick in die ersten Jahrgänge zeigt die damals schon europäisch angelegte Zeitschrift. Die Beiträge wurden auf Latein, Französisch oder Deutsch veröffentlicht. Die Texte sind in Antiqua gedruckt, wobei die deutsche Rechtschreibung Wert auf die Darstellung des ß (in der Form ſs) legte, wie schon in früheren Ausgaben der Literatur. Die Behauptung, daß für die Antiqua 1901/03 erst neue ß-Lettern geschaffen werden mußten, ist Unsinn.

Angenehm ist auch die international gleichbleibende Verwendung des lateinischen „C“ anstelle der eindeutschenden Transkription „K“ und „Z“, deren „Reform“ schon bei Rudolf Virchow keine Gegenliebe fand. Die seltenen, heute antiquiert wirkenden, aber mitunter differenzierenden „th“ anstelle der „t“ („Thau“ gegen „Tau“, Strick) gehörten zum Schmuck des Wortes dazu.

Das Inhaltsverzeichnis des mich gerade interessierenden Bandes 1837 führt u.a. diese Beiträger auf: G. Lejeune Dirichlet (Berlin, frz.), C.G.J. Jacobi (Königsberg in Preuſsen, dt.), E.E.Kummer (Liegnitz, lt.), J.G. Plana (Turin, frz.), J. Steiner (Berlin, dt.)

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Sigmar Salzburg
29.03.2018 20.46
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Ein Kleinschreibfundamentalist von 1946

Wie das Heft „Pandora“ Nr. 4 von 1946 (Aegis Verlag Ulm, 2,50 RM) in meine Hände gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Das Schwerpunktthema ist „Sprache und Schrift“. Aus einem Artikel von Franz Thierfelder hatte ich hier früher schon zitiert. Kurz der Inhalt: Einleitend ist einiges aus der „Deutschen Grammatik“ von Jakob Grimm vorangestellt. Danach folgt ein Text eines (wohl nicht unbegründet) anonymen Kleinschreibers und weitere normalschriftliche Beiträge:

(anonym) „kampf um den buchstaben“ (S.5); Dr. Dr. Franz Thierfelder „Schönheit des Schriftbildes“; Dr. Wilhelm Hartnacke „Brauchen wir eine neue Rechtschreibung?; Heinrich Fleissig „Entwicklungsgesetz der Schriftׅ“; Wilhelm Dreecken „Von deutscher Rechtschreibung“; Paul Renner „Schrift und Rechtschreibung“; Prof. F. H. Ehmke „Die deutsche Schrift in Gefahr!“; Prof. Dr. F. C. Roedemeyer „Gesprochenen Sprache“; (anonym) „Wunder und Geheimnis der Sprache“
Hier gebe ich zwei kurze Ausschnitte aus dem ersten langen Artikel des unbekannten Kleinschreibfundamentalisten wieder. Interessant ist, daß er alle Errungenschaften der 1996er-„Reform“ verschmäht, sogar die Heyse-ß/ss-Regelung. Die waren also eher ein notdürftiger Ersatz für den mißlungenen Kleinschreibputsch, um die Notwendigkeit umfassender „Reformen“ vorzugaukeln:
der kampf um den buchstaben

mich schmerzt es tief, daß kein volk unter allen, die mir bekannt sind, seine sprache so barbarisch schreibt wie das deutsche.
jacob grimm.

überall in deutschland ist die erörterung über die zweckmäßigkeit einer reform der deutschen rechtschreibung im gange, wobei es sich in der hauptsache um die frage der verbindlichen einführung der kleinen anfangsbuchstaben handelt. begreiflicherweise hat diese in den kreisen der wissenschaft und der lehrerschaft lautgewordene diskussion sehr schnell auch die aufmerksamkeit der laien erregt, denn die schrift ist ja ein „gebrauchsgegenstand“, mit dem wir alle tagtäglich umgehen. es ist andererseits auch begreiflich, daß so mancher diese gute gelegenheit, seinen witz zu üben, nicht unbenutzt vorübergehen ließ. man rief die Erinnerung an den naturapostel gustav nagel wach, und es lag nahe, die von ihm propagierte kleinschreibung unter dem gleichen Gesichtspunkt zu betrachten wie seine zahlreichen sonstigen eigenbrötlerischen narreteien. auch hat man mit überlegenem achselzucken die frage gestellt, ob wir denn heutzutage keine anderen sorgen hätten als die erörterung von fragen der deutschen rechtschreibung. [1946!]

freilich haben wir größere und vordringlichere sorgen als einen solchen kampf um den buchstaben. aber wer wollte behaupten, daß es deshalb nun notwendig sei, die pflege der güter des geistes und der kultur zurücktreten zu lassen? und wer wollte daran zweifeln, daß zu diesen gütern auch unsere muttersprache zählt? es wird ja nicht verlangt oder erwartet, daß sich nun jeder deutsche mit den grammatischen fragen der sprache beschäftigen soll. im gegenteil! so erfreulich nämlich an sich die ausweitung der aussprache ist, so scheint es doch manchmal, als ob sich allzu viele in dieses gespräch mischen, für dessen ernsthafte erörterung denn doch einige sachkenntnis die unerläßliche voraussetzung ist.

durchaus verfehlt ist jedenfalls der versuch, mit dem hinweis auf gustav nagel die untersuchung auf diesem teilgebiet sprachlicher gestaltungsform in das lächerliche und abstruse zu ziehen. aber kann die tatsache, daß sich auch narren mit einem problem beschäftigen, die ernsthaftigkeit dieses problems in frage stellen? auch tut man jenem einsiedler am arendsee in der altmark wirklich zu viel ehre an, wenn man ihn als den „erfinder“ der kleinschreibung der anfangsbuchstaben der hauptwörter bezeichnet. es gibt vielmehr seit mehr als 100 jahren eine beachtliche gruppe deutscher wissenschaftler, die aus ihrer erkenntnis vom wesen der sprache die verwendung großer buchstaben abgelehnt haben. es möge genügen, auf die tatsache hinzuweisen, daß der altmeister der deutschen sprachforschung, jacob grimm, in allen seinen wissenschaftlichen werken und abhandlungen (besonders auch im deutschen wörterbuch) kleinen anfangsbuchstaben verwendet hat. und wenn die deutschen universitäten für seminararbeiten und dissertationen die kleinschreibung zulassen, so wird man annehmen dürfen, daß dies mit gutem grunde geschieht. auch möge vermerkt sein, daß stefan george und seine jünger sowie das bauhaus dessau die kleinschreibung gepflegt haben. [.....]

S.10
die gegner einer neuordnung der orthographie im sinne der kleinschreibung können allerdings eine ganze anzahl von gründen ins feld führen, von denen nachstehend einige der wichtigsten untersucht seien.

zunächst könnte man anführen, daß auch wir und unsere eltern auf der schule den unterschied zwischen klein und groß begriffen hätten, und daß unsere kinder ja auch nicht viel dümmer seien als wir. außerdem würden unsere vorfahren ihre gründe gehabt haben, wenn sie sich zur großschreibung der hauptwörter entschlossen. hierauf kann man sich eine antwort im grunde ersparen. doch wollen wir an unserer stelle georg christoph lichtenberg, den witzigsten und geistreichsten kopf der deutschen, zu worte kommen lassen: „das haben unsere vorfahren aus gutem grunde so geordnet, und wir stellen es aus gutem grunde nun wieder ab.“ so steht es in seinen aphorismen, und es ist ein überzeugendes argument gegen jeden übertriebenen konservativismus.

weiter kann eingewendet werden daß die schrift beispielsweise der engländer und franzosen eine reform mindestens ebenso nötig hätte wie die deutsche, ohne daß jedoch die royal society oder die akademie française eine neuregelung in angriff genommen hätten. das ist erstens nur zum teil richtig, und zweitens täten wir gut daran, uns zunächst einmal mit unsern eigenen angelegenheiten zu befassen, ehe wir an fremden kritik üben – und sollten wir wahrhaftig des ausländischen vorbilds bedürfen, um die reformbedürftigkeit unserer schrift zu erkennen und ihre mängel abzustellen? die sorgen für die englische und französische schrift dürfen wir ruhig den engländern und franzosen überlassen. außerdem müßten, so behaupten die „gegner“, bei der durchsetzung der neuordnung alle bücher müssen neu gedruckt werden. dies scheint in der tat ein gewichtiger beweisgrund. wollte man ihn jedoch endgültig gelten lassen, so wäre eine reform der schrift überhaupt niemals möglich. im übrigen würde es gar nicht erforderlich sein, alle bücher neu zu drucken, denn auch jener, der gelernt hat, alle hauptwörter klein zu schreiben, wird keine schwierigkeiten haben, ein buch unserer tage zu lesen, ebenso wie wir ohne mühe der lage sind, die besonderheiten in der schreibung unserer väter, großväter und Urgroßväter zu begreifen (Thor statt Tor, sey statt sei usw.). entscheidend ist der geist, nicht die form, in der man ihm dauer zu verleihen sucht.

die oft gehörte behauptung, daß mit der kleinschreibung der anfangsbuchstaben eine erschwerung des verständnisses eintreten würde, ist gleichfalls nicht berechtigt. den beweis möge diese vorliegende abhandlung liefern, sie mag dem leser freilich einen ungewohnten anblick bieten, aber ihre lektüre bereitet gewiß keine besonderen schwierigkeiten.

besonders auffällig ist vielleicht, daß auch hier die satzanfänge, eigennamen usw. klein geschrieben sind. es liegt vom stand der rechtschreibelogik in der tat kein grund vor, anders zu verfahren – und wenn andere völker es anders halten, so ist das kein anlaß für uns, es ihnen unbedingt gleichzutun.

bei der behandlung der frage einer neuordnung der rechtschreibung ist übrigens, was für den laien erstaunlich klingen mag, die frage der kleinschreibung der anfangsbuchstaben der hauptwörter von ziemlich untergeordneter bedeutung. sie ist keine eigentliche streitfrage mehr im wissenschaftlichen sinne, denn ihre sprachlich-logische berechtigung steht fest. es ist eine frage, die jetzt weniger die wissenschaft als vielmehr die praxis zu beschäftigen hat: es handelt sich nicht mehr um die berechtigung, die kleinschreibung einzuführen, sondern nur noch um die frage der zweckmäßigkeit der umstellung des schulunterrichts auf die neue regelung, sowie des zeitpunktes und der mehr oder weniger durchgreifenden art ihrer durchführung...
(Korrekturen am abgeschriebenen Text vorbehalten.)

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Sigmar Salzburg
23.11.2016 14.03
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Der Thau und das Tau

Karl Kraus wehrte sich heftig gegen das Weglassen des „h“, so beim „Thau“ in der seit 1901 eingeführten Einheitsschreibung. Reinhard Markner hat nun bei Sprachforschung.org eine wenig bekannte Begründung für den Erhalt bei Adelung ausgegraben, die ich dreist hier einfach abkupfere:

»Th, der Figur nach ein zusammen gesetzter Buchstab, welcher indessen doch nur einen einfachen Laut bezeichnet, einen Laut, welcher dem t gleicht, nur daß er der Regel nach gelinder seyn, und das Mittel zwischen dem weichern d und härtern t halten sollte; Theil, Theer, Thau, Muth, Bethen, Werth.

In den neuern Zeiten hat dieser Buchstab von solchen, welche sich zu Sprachverbesserern aufwarfen, und die Verbesserung der Sprache immer mit der Rechtschreibung anfingen, weil da das Bessern am leichtesten und bequemsten ist, viele Gegner bekommen. Die schwächsten darunter verkannten seinen wahren Werth und seine Bestimmung, und glaubten, daß das h bloß zur Bezeichnung eines gedehnten Selbstlautes da sey, und aus Unkunde in den vorigen Zeiten von seiner rechten Stelle versetzt und dem t angehängt worden.

Unter der Zahl dieser befand sich auch Mosheim, dessen anderweitige Gelehrsamkeit und Verdienste viele auf seine Seite zogen, welche glaubten, ein gelehrter Mann müsse gerade in allen Wissenschaften und Theilen derselben gleich gelehrt seyn. Beyder irrigen Voraussetzungen zu Folge schrieben Mosheim und seine Nachfolger Noht, rahten, Wehrt, Teihl, tuhn, Tiehr, Tuhrm, teuher u. s. f. und glaubten, sich ein großes Verdienst erworben zu haben, daß sie das h ihren Gedanken nach wieder an seine rechte Stelle gebracht hatten.

Allein, es war sehr leicht ihnen zu zeigen, daß das h, wenn es dem t zugesellet wird, kein Zeichen eines gedehnten Selbstlautes, sondern vielmehr eines gelindern Lautes des t sey, und dieses geschahe besonders von Gottsched in den krit. Beytr. Th. 5 S. 571 und in seiner Sprachkunst, ob er gleich keinen andern Grund anzugeben wußte, als weil die Niederdeutschen in den Fällen, wo wir ein th schreiben, ein d gebrauchen; welches aber viel zuviel beweiset, indem auch das härteste t der Hoch- und Oberdeutschen in eben so vielen Fällen im Niederdeutschen ein d ist.

Mit Mosheim sind die Feinde dieses Buchstabens nicht abgestorben, sondern es haben sich auch noch in den neuesten Zeiten verschiedene sogenannte Sprachverbesserer gefunden, welche das h verbannet wissen wollten, weil sie keinen begreiflichen Nutzen von demselben einsahen.«

Originalquelle hier, transkribierte Quelle und weiteres hier.

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Sigmar Salzburg
07.09.2016 02.59
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es geht einem etwas über die Hutschnur

etwas ist einem zu viel; man ärgert sich über etwas; man ist einer Sache überdrüssig; jemand wird wegen etwas (berechtigt) zornig; etwas geht über das erträgliche Maß hinaus

umgangssprachlich, veraltet; Die Hutschnur war früher eine weitverbreitete Halteschnur, die unter dem Kinn hindurchlief und den Hut (insbesondere beim Reiten) auf dem Kopf festhielt. Zur Erklärung der Redensart könnte man daran denken, dass das Bild des Ertrinkens oder Versinkens in einem Sumpf suggeriert werden soll, ähnlich wie in der Redensart „jemandem steht das Wasser bis zum Hals“.

Es gibt aber noch eine andere, überraschende Deutung: Im Staatsarchiv zu Eger wird eine Urkunde vom 30. April 1356 aufbewahrt, in der sich die Kreuzbrüder und die Deutschherren über die Nutzung einer Wasserleitung einigen. Die ersten Anlieger an dieser Wasserleitung sollen nicht mehr Wasser entnehmen dürfen, als sie unbedingt brauchen, "und des selben Wazzers schol in niht mer noch diecker auz den Roeren gen, danne ein Hutsnur". Die Hutschnur ist in diesem Dokument also ein Maß für die Dicke eines Wasserstrahls. Wer Wasser in einem Strahl von einem Durchmesser entnahm, der "über die Hutschnur" hinausging, machte sich danach eines Vergehens schuldig

jemandem geht die Hutschnur hoch

umgangssprachlich, selten; Eine so genannte Kontamination: Vermischung der beiden Redensarten „es geht einem etwas über die Hutschnur“ und „jemandem geht der Hut hoch“. Siehe auch „es geht einem etwas über die Hutschnur“

redensarten-index.de

Nebenbei: Bei diesem Eintrag geht es mir z.B.„über die Hutschnur“, daß es dem Kultusministerpack in Kumpanei mit den Medienmächtigen gelungen ist, die traditionszerstörerischen Heyse-ss gegen den Willen der Sprachgemeinschaft weitgehend durchzusetzen und daß die beflissenen Unterwürfigen dann auch noch die eigentlich wieder zurückgenommene balbutistische Wortspaltung „so genannt“ verwenden.

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Sigmar Salzburg
25.01.2016 19.31
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Die Welt

Glosse
Rechtschreibung: Luther, setzen, 6!

Von Matthias Heine Feuilletonredakteur

Wer je Martin Luther im Original gelesen hat – und nicht jenes Werk, das heute als Luther-Bibel firmiert, aber nur noch soviel Luther enthält wie Nüsse im Nutella stecken –, der ahnt, dass die Idee, es gebe so etwas wie eine logische und natürliche Rechtschreibung, eine Wahnvorstellung ist. Es gibt nur Konventionen, und Luther pfiff auf sie, wie fast alle seiner Zeitgenossen. Zunächst.

Luther schrieb nicht nur ganz anders als wir heute. Er schwankte auch in seinen Schreibweisen. Im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums, also der Weihnachtsgeschichte, standen in der ersten Übersetzungsfassung des Neuen Testaments vom September 1522, dem sogenannten September-Testament, dicht nebeneinander zeytt und zeyt oder vnnd neben vnd.

Den Namen seiner Hauptwirkungsstätte Wittenberg schrieb Luther sogar in sage und schreibe 14 verschiedenen Varianten: Wittenbergk, Wittenburgk, Wittenberg, Wittemberg, Wittembergk, Vuittenberg, Viuttemberg, Vuittenbergk, Vuittembergk, Wittemperg, wittenberg, Wyttemberg, Vvittenberg und wittemberg.

Der DDR-Luther-Forscher Erwin Arndt erklärte das 1962 in seinem Buch „Luthers deutsches Sprachschaffen“ (in dem man selbstverständlich auch ganz nebenbei erfuhr, wie die sowjetische Sprachwissenschaft und Friedrich Engels Luther beurteilten) so: „Das ist nur dadurch möglich, dass es für Luther und seine Zeitgenossen eine Norm in unserem Sinne überhaupt nicht gegeben hat, sie nach Lage der Dinge auch gar nicht geben konnte. Jeder schrieb, wie er es für gut und richtig befand.“

Hinzu kam beim Reformator eine gewissen Lust an der expressiven Schreibweise und dem Sprachspiel. Luther, so Arndt, habe anscheinend – wenigstens in seinen ersten deutschen Schriften – sogar „eine heimliche Freude daran gehabt, ein und dasselbe Wort mit verschiedenen Buchstaben zu schreiben.“

Das Schreibchaos der Zeit beschrieb Luthers Korrektor Christoph Walther: „Wenn hundert Briefe und gleich mehr und gleich mehr mit einerlei Wörter geschrieben wörden, so wörde doch keiner mit dem Buchstaben übereinstimmen, daß einer mit Buchstaben geschrieben wörde wie der andere.“

Doch es waren Leute wie Walther, die Luther allmählich eine einheitliche Rechtschreibung abverlangten und beibrachten. Vor der ersten Bibelübersetzung 1522 kümmerte sich Luther kaum um Fragen der Rechtschreibung und des Schriftbildes. Die Wittenberger Druckerei von Hans Lufft, für die Walter arbeitete, hatte aber ein Interesse daran, die Luther-Bibeln überregional zu verkaufen. Also verbesserten und vereinheitlichten die Drucker Luthers Orthografie und reinigten sie von mitteldeutschen Regionalismen.

Nachdem Luther bemerkt hatte, dass durch solche Eingriffe sowie durch Nachlässigkeit und Flüchtigkeit der Drucker oft seine Texte entstellt wurden, begann er, auch der äußerlichen Seite der Sprache mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Seit Mitte der 1520er-Jahre mussten Bücher nach seinen Grundsätzen gedruckt werden. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass er selber Korrektur gelesen hat.

Nun bemühte er sich, in Übereinstimmung mit den Druckereien, selbst zunehmend um die Vereinheitlichung seiner Rechtschreibung: Konsonantenhäufungen wie bei zeytt, die typisch für den frühneuhochdeutschen Wildwuchs waren, wurden seltener. Er schrieb immer seltener tzehen oder czehen, sondern fast nur noch zehen.

Auch die 14 unterschiedlichen Schreibweisen für Wittenberg kommen nur in Luthers ersten Schriften bis zum Jahre 1523 vor. Arndt berichtetet: 1524 nutzte er nur noch sechs verschiedene Schreibweisen, 1535 nur noch vier, 1539 drei und ab 1542 endlich nur noch zwei, nämlich Wittemberg und Vuittenberg, wobei jedoch die erste Form schon seit 1524 bei weitem überwog. Der Siegeszug der Reformation war auch der Tatsache geschuldet, dass Luther seine epochenbedingte Dyslexie überwand.

welt.de 25.1.2016

Der Artikel soll wohl mit dem heutigen, von den Kultusministern herbeigeführten Schreibchaos versöhnen: „Früher war alles viel schlimmer!“ – W und Vu sind sicher nicht als zwei Schreibweisen gemeint, sondern das zweite ist aus zwei Lettern zusammengesetzt (double u), wie man sich auch ab und zu mit ſs statt ß behalf, wenn das andere nicht greifbar war.

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Sigmar Salzburg
16.07.2015 07.46
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Johann Ernst Stutz „Deutsche Sprachlehre“ 1790

Aus der Vorrede

... so darf ich auch meine Arbeit der freien Beurtheilung mit der Erwartung preis geben, daß man auch Gutes darin finde, die Mängel aber mir auf eine Art sagen werde, welche belehren und bessern kann. Ohne das erste zu hoffen, würde ich das Buch nicht geschrieben haben, am letztern aber zweifeln, wäre Beleidigung für das Publikum...

... Man muß in der That etwas Patriotismuß haben, und den trockenen grammaticalischen Untersuchungen Geschmack abgewinnen können, wenn man sich durch alle damit verbundenen Schwierigkeiten hindurch arbeiten will...

Ueber meine Arbeit darf ich nicht weiter urtheilen. Ich habe mir Mühe gegeben, den Grund der Sprache in ihr selbst zu suchen und aus ihrer Natur, so viel ich konnte, deutliche Begriffe zu entwickeln. Man wird es der Arbeit wohl ansehen, durch welche Männer ich mich habe leiten lassen; Die dahin gehörigen neuern Schriften der Herren Adelung, Moritz, Meinatz, Heynatz, Purmann und Jacon Harris durfte und mußte ich dabei zu Rathe ziehen. Bei der ganzen Arbeit ist es mir am allerwenigsten um Neuerung und Sonderbarkeit zu thun gewesen; seit dem ich über die Sprache mehr nachgedacht habe, ist mir der Sinn dazu vergangen. Nur den einen Umstand rechne man mir dazu nicht an, daß ich mich des Gebrauchs des y ganz enthalte. Wenn ich gleich glaube, ja gewiß wissen könnte, daß das y in Zukunft noch ganz werde verstoßen werden, so wird man mir doch den Vorwurf machen, daß ich es als Sprachlehrer zu früh thue und nicht vorgreifen sollte. Gern hätte ich auch diese Gewohnheit wenigstens in diesem Buche abgelegt, wenn sie nicht so sehr alt und mir so natürlich geworden wäre, daß ich mich tausendmahl dabei zu vergessen fürchten mußte. Zerbst, den 9. April 1790.

Aus Johann Ernst Stutz „Deutsche Sprachlehre“ Potsdam 1790

books.google.de

Kursivierung hinzugefügt: Vergleiche die heutige „neue“ Größtschreibung.

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Sigmar Salzburg
19.07.2012 06.13
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Handschriften

Hat mir meine Tochter vom letzten Flohmarkt mitgebracht:
Gottfried Benn, Briefwechsel mit Paul Hindemith [u.a.],
Fischer TB 5466 1986
Es geht um die Entstehung des Oratoriums „Das Unaufhörliche“ (1930):

BENN AN [den Philosophen] EWALD WASMUTH

[Berlin] 17 XII 31.

Lieber Herr Wasmuth, ich flehe Sie direkt um etwas an: bitte schreiben Sie mir nur per Schreibmaschine. Ich kann Ihre Schrift nicht lesen, bei studenlangem Starren u. Studieren mit Lupe und Beleuchtungseffekten entziffere ich sie nicht. So schade! Hätte mich so sehr interessiert, was Sie zu der Aufführung sagten! …

Hörprobe: https://www.youtube.com/watch?v=HU2i0yRdJDY

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Sigmar Salzburg
15.07.2012 21.40
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Eckernförde

Versuch einer Chronik von Eckernförde
Von C. G. Hansſen, Kiel, Gedruckt in der Königl. Schulbuchdruckerei 1833
[76 S., 8°]

Ueber der Stadt am beseegelten Busen der Ostsee,
Nahe der fruchtbaren Flur, wo der dänische Pflüger den Deutschen,
Dieser den Dänen versteht, dem gesegneten Erbe der Angeln,
Kränzet den Bord, der des Meeres einst höhere Fluthen zurückzwang,
Dunkles Gehölz und schauert dem Wandrer Grauen der Vorzeit.
Joh. Heinr. Voß

Inhalt

Vorwort
Erster Abschnitt. Geschichte der Stadt
I. Sagenzeit (vor 1416)
...
XI. Eckernförde seit 1801
… Sechster Abschnitt. Das Christianspflegehaus

Verzeichniß der Abonnenten [S.VII-XIV]

[vorgeheftet] Druckfehler.

S. 6, Z.8 v.o nach Cappelle ein Komma ...
" 11 " 3 v.u. nach Stadt ein Komma ...
" 14 " 4 v.o. nach 26) ein Semicolon ...
...

Vorwort
...
Erster Abschnitt
Geschichte der Stadt

I. Sagenzeit ...
3) Die Burg
... Besonders spricht dafür, daß eine Burg wirklich in dieser Gegend bestanden habe, der Name des zum Theil auf dem noch jetzt vorhandenen Rest des Ballastberges gelegenen Dorfes Borbye, welcher bei der weichen Aussprache, wie aller dänischen Buchstaben, so auch das g, offenbar aus dem Dänischen: Borgbye d.i. Dorf der Burg entstanden ist ...

Sechster Abschnitt
Das Christianspflegehaus


Oberdirector: S. Durchlaucht der Landgraf Carl von Hessen. 1767 –
Directoren: Major C.H. v. Meleys. 1790 Obristlt. 1785-95 …
Directionsmitglieder: 1stes D. Major v. Muderpach 1820 …
Commission zur Verbreitung des wechselseitigen Unterrichts: Captain v. Krohn 1820 …
Schullehrer: [11 Pers.]
Musiklehrer: Lorenzen 1796-1812; Präscher 1812-1820; Mehder 1820.-
Regimentschirurgen: 1785-1820, geb. 1751 zu Nedelba: Er machte zuerst, zwölf Jahre vor Jenner, auf die Wirkung der Kuhpocken aufmerksam; …

Rechtschreibung allgemein:
zu Stande gekommen; aufs Neue; eine adlige Dame, Namens Clara; auf das Härteste; Schifffahrt; in baar; Gränze
sogenannte; Zeitlang; vor kurzem; insonderheit

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Sigmar Salzburg
15.05.2012 07.43
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Walter Boehlich

Walter Boehlich ( 1921 – 2006 )
Literaturkritiker, Übersetzer und Herausgeber

Aus irgendeinem Grund weigerte sich Boehlich, die ß-Taste seiner Maschine zu betätigen, und so verwendete er in Vorwegnahme der Rechtschreibreform an den entsprechenden Stellen immer ein Doppel-s.

Titanic 6/2006

Familienarchiv Boehlich, Mappe Wolfgang Boehlich, Lebenserinnerungen. Die Vermeidung des „ß“ war in der Familie nicht unüblich. Sie lässt sich auch in Briefen von Edith Boehlich nachweisen. Bei Walter Boehlich wird sie programmatisch. Er benutzt in seinen Manuskripten meist „ss“, auch wenn es in den Veröffentlichungen herausredigiert wurde. Anlässlich der Reform der deutschen Rechtschreibung fordert er, dass „grundsätzlich, wie in der Schweiz, das nicht in die lateinische Schrift gehörende und unnütz verwirrende ß abzuschaffen“ sei.
Walter Boehlich: Reform der Vernunft? Die „kleine Reform“ der Rechtschreibung; halbe Lösungen und komplette Idiotien. In Titanic 17 (1995) H. 1, S. 20-23, hier S. 23.
[Walter Boelich: Kritiker, Hg. Helmut Peitsch, Helen Thein-Peitsch; Fußnote 38, S. 29]

Ein verbreiteter Irrtum. Dagegen spricht die Geschichte der Typographie, z.B.:



Christoph Plantin, Antwerpen 1570

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Sigmar Salzburg
24.11.2010 13.37
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Ludwig Wittgenstein

Lieber Russell!
Dank Dir vielmals für Deinen lieben Brief. Ehrlich gestanden: es freut mich, daß mein Zeug [Tractatus] gedruckt wird. Wenn auch der Ostwald ein Erzscharlatan ist! … Ich traue dem Ostwald zu, daß er die Arbeit nach seinem Geschmack, etwa nach seiner blödsinnigen Orthographie, verändert.

Ludwig Wittgenstein an Bertrand Russel 28. November 1921

[Cambridge letters: correspondence with Russell, Keynes …]

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Sigmar Salzburg
18.10.2010 15.43
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Der Physiker und Philosoph Ludwig Boltzmann

Klaus Achenbach
trug bei Sprachforschung.org folgendes Fundstück ein:

Zufällig stieß ich auf das „forwort“ aus den Populären Schriften von Ludwig Boltzmann (1905):

ich musste mir in meinen lezten büchern di neue ortografi
gefallen lassen, di zu erlernen ich zu alt bin; so
möge man sich hir im forworte di neueste ortografi gefallen
lassen. ich glaube, man soll di abweichungen fon
der fonetik, wenn man si nicht ganz ferschonen will, dann
schon alle hinrichten. wenn man dem hunde den schwanz
nicht lassen will, schneide man in mit einem griffe ganz ab!


sprachforschung.org 18.10.2010

P.S.: Ich sehe gerade, daß ich das Zitat schon vor sechs Jahren hier eingetragen habe.

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Sigmar Salzburg
01.08.2010 16.04
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Gutherzige Fraktur

Robert Walser „Poetenleben“ Genf und Hamburg 1967.
Im Nachwort des Herausgebers:

Walser hatte auch eigene Vorstellungen über die zu wählende Schrift. Als ihm der Verlag eine Satzprobe vorlegte, antwortete er, er «sei der Meinung, daß sich für das Seelandbuch, dessen Charakter vorwiegend naturhaft ist, Fraktur besser eigne wie Antiqua. Nur ungern würde ich in die mir freundlich eingesandte Druckart einwilligen, die mir nicht sonderlich gefallen will, da sie mir zu hart erscheint. Fraktur hat immer etwas Warmes, Rundliches, Gutherziges. Ich möchte sie daher für meine Schriften bevorzugen … »
(26.10.1918 an den Rascher Verlag, Zürich).

[Walser konnte sich nicht durchsetzen.]

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