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E-Videntes zu E wie Em(a)il oder Edmund
(nicht so ganz ernst gemeint, immerhin ist noch Karneval)
Mit E-Musik, E-Gitarren und E-Loks hatte ich nie Probleme, zumindest mit deren Schreibweise nicht, denn sie wurden e(h) immer so geschrieben wie hier. Gänzlich anders geht’s mir mit der E-Post, genauer gesagt mit den im deutschen Sprachbereich dafür verwendeten englischartigen Ausdrücken. Da bot mir vor kurzem eine meiner Tageszeitungen innerhalb von zwei Tagen gleich vier verschiedene Schreibweisen an: e-mail, eMail, E-mail und E-Mail (die beiden letztgenannten sogar innerhalb ein und desselben Beitrags). Aber auch e-Mail habe ich schon oft gesehen. Und als wenn’s damit nicht genug wäre, bietet uns ein gewisser Herr Dr. E. St. (CSU) auf seiner Homepage als weitere Möglichkeit „Email“ an („Wir betrachten Ihr Email als Bereicherung unserer politischen Arbeit“). Bei ihm darf man doch wohl Sprachkompetenz vermuten, zumal er in seinen Stellungnahmen zu PISA Wichtigkeit und Wert von sprachlichen Fähigkeiten im Schulbereich stets besonders betont hat.
Der Duden empfiehlt übrigens seinen Benutzern, „E-Mail“ zu schreiben (E-Mails zu schreiben kann er natürlich nicht empfehlen), aber kann man ihm vertrauen? Schließlich stellt er gleich im nächsten Druckeratemzug die Behauptung auf, Email sei eine Art Schmelzüberzug; ja, wie paßt das denn nun zu dem Email des Herrn St.? Oder wird hier noch, so wie im (Schreibungs-)Fall des „Heiligen Vaters“, ein Einspruch aus Bayern zu verhandeln sein? Auf jeden Fall müßte man im Zuge der E-Manzipation anderer Wörterbücher auch mal in diesen nachschauen; und wahrscheinlich kann auch noch nicht jedes eine definitive Stellungnahme dazu abgeben, solange die E-Volution noch andauert.
Zum Glück gibt’s ja auch weiterhin die sogenannte von mir aber nicht so genannte – Schneckenpost, ein Relikt aus der Pra-e-Mail-Zeit; die hat mir zwar schon oft Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten bereitet, aber noch nie mit ihrer Schreibweise. Mein Postzusteller ist viel schneller als eine Schnecke; er heißt übrigens Emil und ist ein sehr unterhaltsamer und e-loquenter Zeitgenosse. Für ihn ist ein E-Brief noch ein Einschreibebrief. Moment mal, jetzt werd’ ich unsicher, heißt er nun Emil oder E-Mil? Nein, E-mil ... oder e-mil ... oder e-Mil ... oder gar eMil? Jedenfalls schreibt er sich vorne mit „E“ (wie Emil) und nicht mit „I“ (wie E-Mail). Gleich morgen werd’ ich ihn abfangen und fragen. E-
............hrlich!
Ich kann mich manchmail über mancheMail so aufregen, daß ich mich dann aus der Mail- in die Musikwelt zurückziehen muß. Diese soll zwar, so sagt man, ein ähnliches Problem haben, denn sie weiß wohl immer noch nicht so recht, welche der zu G-Dur parallelen Molltonarten orthographisch die „parallelste“ ist: e-Moll, E-Moll, E-moll oder e-moll? Aber damit kann ich mich nun als Musikfreund nicht auch noch belasten! Immerhin gilt hier der Bindestrich schon als gesichert!
P.S.: Auch wenn Sie noch so dringende Anregungen, Probleme oder Fragen zur Politik (Kanzlerkandidatur, Bundestagswahl o.ä.) haben sollten, bitte schicken Sie Herrn St. bis zur endgültigen Klärung des „Email-Falles“ keine Schmelzüberzüge! Warten Sie wenigstens bis nach Aschermittwoch; und vermeiden Sie bitte einen E-klat! E(h) klar?
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