Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen
junge Welt
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 6 Seiten lang:    1  2  3  4  5  6   Post New Thread     Post A Reply
Sigmar Salzburg
14.07.2010 06.08
Diesen Beitrag ansteuern
Bertelsmann, die Parteien und die GEW

Nachdem 1998 in Schleswig-Holstein die Rechtschreibreform durch die Bürger abgewählt worden war, trat kurze Zeit später überraschend ein bis dahin unbekanntes Aktionsbündnis ans Licht der Öffentlichkeit: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kündigte an, 10000 von der Bertelsmann AG gestiftete Lexika in Reformschreibung an die Schulen zu verteilen – unausgesprochen natürlich, um die demokratische Entscheidung des Volkes zu unterminieren.

Daß der Bertelsmann-Konzern seine Macht auch durch die „Rechtschreibreform“ zu erweitern trachtete, war allgemein bekannt. Daß aber schon eine enge Kumpanei zwischen Konzern, Regierungsparteien und Gewerkschaften bestand, war für die meisten doch überraschend. Einen umfangreichen Artikel hierzu, ohne allerdings auf den Nebenkriegsschauplatz „Rechtschreibreform“ einzugehen, bringt heute, in „richtiger“ Rechtschreibung, die „junge Welt“. Hier können nur Stichworte gebracht werden. Der Verfasser, selbst GEW-Mitglied, schreibt am Schluß:


Der Bildungsbegriff à la Bertelsmann ist funktionalistisch und auf die Bedürfnisse der modernen Industrie ausgerichtet. Daß ausgerechnet die GEW Handreichungen zum »kooperativen Lernen« herausgibt, ist dabei eine Pointe, über die zu lächeln ich mich weigere.

Der Titel der Untersuchung in der jW lautet:

Das heimliche Ministerium

Hintergrund. Die Bertelsmann Stiftung setzt ihre neoliberalen Bildungskonzepte für Universitäten und Schulen über die Politik durch. Der Bertelsmann AG wird so ein Milliardenmarkt geschaffen


Von Steffen Roski

Die Bertelsmann AG, eine der größten Medien- und Dienstleistungskonzerne weltweit, ist an keiner Börse notiert. Aktionäre sind die Bertelsmann Stiftung (76,9 Prozent) und die Familie Mohn (23,1 Prozent). Die Stiftung wirtschaftet – folgt man Studien des Soziologen Frank Adloff, der sich auf Stiftungen spezialisiert hat – de facto mit öffentlichem Geld, weil durch die Übertragung von drei Vierteln des Aktienkapitals auf die Stiftung gut zwei Milliarden Erbschafts- und Schenkungssteuer gespart werden konnten. …

…. Der Hamburger Pädagoge Horst Bethge hat präzise herausgearbeitet, wie die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit NRW-Landesregierung, Schulbehörden, aber auch der DGB-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft das Projekt »Selbständige Schule« vorangetrieben hat. …

Deutlich wird an diesen beiden prominenten Beispielen der NRW-Bildungspolitik, daß die Bertelsmann Stiftung sowie das von ihr finanzierte CHE (Jahresetat etwa zwei Millionen Euro) in einer wohldosierten Mischung aus Druck und Konsensstrategien in der Lage gewesen ist, Politik – und zwar sowohl CDU/FDP als auch Sozialdemokratie und Bündnisgrüne –, staatliche Bürokratie, quasistaatliche Standesgruppen wie die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Unternehmen, aber auch Gewerkschaften sowie andere zivilgesellschaftliche Akteure und Stiftungen als »Partner« zu gewinnen. Wie konnte es dazu kommen? …

»Die Kassen sind leer«, lautet das Lamento. Ein Medien- und Dienstleistungskonzern wie Bertelsmann wittert hier seine Chance. Ruinierte öffentliche Haushalte bieten einen Ansatzpunkt für »schöpferische Zerstörung«, erkannte bereits der Volkswirtschaftler Joseph Schumpeter. Jede ökonomische Entwicklung baut darauf auf, daß alte Strukturen zerstört werden, um die Produktionsfaktoren immer wieder neu zu ordnen…

Die Druck- und Drohkulisse chronisch unterfinanzierter öffentlicher Haushalte macht es zudem möglich, im Bildungsbereich den Mechanismus der marktlichen Konkurrenz gezielt einzusetzen, um Prozesse im Sinne von Bertelsmann zu steuern…

Für den Schulbereich hat die Bertelsmann Stiftung mit dem Instrument »Selbstevaluation in Schulen« (SEIS) ein analoges wettbewerbliches Steuerungsinstrument entwickelt. Die SEIS-Schulen werden in Rankings untereinander vergleichbar, Bildungsqualität wird reduziert auf Fragebogen gestützte Erhebungen.

Bei der Bertelsmann Stiftung liest sich das so: »Durch den Qualitätsvergleich gründet sich Schulentwicklung nicht länger ausschließlich auf Intuition, Tradition oder pragmatische Entscheidungen, sondern auf Daten. …

Halten wir bis hierhin fest: Einer der weltweit mächtigsten Medien- und Dienstleistungskonzerne »instrumentalisiert« eine eigene Stiftung, die als »heimliches Bildungsministerium« erscheint. …

Der Milliardenmarkt Bildung

… Ein gigantischer Milliardenmarkt harrt der Eroberung! Die Gütersloher Strategen in Konzern und Stiftung erheben bereits die entsprechenden Forderungen, um den Fuß in die Tür des Bildungsmarktes zu bekommen …

Der Erziehungswissenschaftler Reinhold Hedtke berichtet beispielsweise, daß die Bertelsmann Stiftung eine Unterrichtsreihe ausgerechnet zum Thema Urheberrecht finanziert hat. Hier arbeitet sie direkt der Bertelsmann AG zu, die mit dem Rechtehandel viel Geld verdient.

Weit bedrohlicher erscheint mir allerdings die Tatsache, daß es der Bertelsmann Stiftung gelungen ist, über die Promotion von Unterrichtstechniken »mit Methode« in den Schulunterricht vorzudringen. …

»Auch im Lande NRW hat man hin und wieder den Eindruck, daß die Verbindung der Bertelsmann Stiftung mit dem Schulministerium (…) gegen kritische Bemerkungen inquisitorisch verteidigt werden und daß die Schulaufsicht hin und wieder renitenten Lehrkräften mit Konsequenzen droht, wenn sie sich nicht an den betreffenden Programmen beteiligen.« …

jungewelt.de 14.7.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
01.07.2010 17.09
Diesen Beitrag ansteuern
Feuilleton – junge Welt

Seltsame Freunde

Peter Hacks und der »falsche Anhang«


Von Heidi Urbahn de Jauregui

[…] Beim erneuten Lesen in den von Hacks geleiteten Gesprächsprotokollen, die von Thomas Keck und Jens Mehrle mit kluger Sorgfalt und umfassender Kenntnis herausgegeben wurden, stieß ich gestern in einem Gespräch des ersten der fünf Bände, wo es um die Hochachtung der Klassik geht, auf folgende Äußerung des Dichters aus dem Jahre 1975:

» (...)vom Standpunkt der westdeutschen kommunistischen Politik ist es nötig, so zu verfahren, wie der Arbeitskreis Bertolt Brecht verfährt, mit Gewalt für die Erhaltung und die Hochachtung der Klassik zu kämpfen unter wohlbewußter Ausnützung der Tatsache, daß da ganz konservative, ganz tradierte, ganz unverarbeitete bürgerliche Erinnerungen uns zu Hilfe kommen. Und das zur Frage des falschen Anhangs. Es tut mir leid, wenn man über Kunst vernünftig redet, kriegt man auch manchmal Beifall von den Nazis. Wenn ich mich rumschlage mit unseren Dummköpfen von Sprachwissenschaftlern, welche die deutsche Rechtschreibung abschaffen wollen, werde ich vielleicht deswegen nicht verlieren, weil inzwischen die SPD nicht mehr so stark ist, die nämlich die deutsche Sprache auch abschaffen will, sondern weil Franz Josef Strauß im Kommen ist, der mir in dieser Sache hilft. Ich meine, das ist nun mal eine Dialektik, man wird sich abzusondern wissen von seltsamen Freunden, aber man wird nicht verhindern können, daß man in allen Fragen, die die indirekte Apologetik betreffen, unter Umständen Beifall von rechts kriegen kann. Das ist so und damit muß man leben, und solange man ihn brauchen kann, ohne daß er einen gefährdet, muß man ihn sich sogar gefallen lassen.«
[…]

http://www.jungewelt.de/2010/07-01/043.php 1.7.2010

Alles in ordentlicher Rechtschreibung. Das übrige Bemerkenswerte bitte im Original nachlesen.

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
09.05.2010 05.36
Diesen Beitrag ansteuern
Die „junge Welt“ schreibt ganz richtig ...

Sexobjekt des Tages: Neandertaler

Wie geil ist das denn? Sie haben es also doch getan. Nicht jede neue Erkenntnis wird so sensationell gehandelt wie diese: Der moderne Mensch hatte höchst intimen Umgang mit dem berühmt-berüchtigten Neandertaler. Daß das zum Steinzeitporno mutiert, ist einsehbar: Sex-Schlagzeilen ziehen beim »Homo sapiens« stets den längeren. Daß es sich bei den vor 30000 Jahren ausgestorbenen Mitbewohnern in Europa und Westasien um engste Verwandte von biestiger Erscheinung handelt, gibt der Sache noch einen animalischen Tick. …

Es ist nur urmenschlich, daß die wulstigen Muskelprotze um das einwandernde Sapiens-Frischfleisch nicht so lange einen Bogen machten. Und auch die dem Neandertaler nachgesagte geringere Intelligenz muß nicht zwingend abtörnent gewirkt haben, wie ein Blick auf heutige Sexidole zeigt. …

Ein bis vier Prozent unseres Genoms stammt vom Neandertaler, wurde ermittelt. Diese Einheiraterei dürfte seinem Prestige zwar gut tun. Dennoch könnte es beim Gentest bald heißen: »Mit Ihrem Neandertaleranteil würde ich es mal in der Türsteherszene probieren. Oder gehen Sie doch gleich zur Polizei!« Ein Hinweis an alle Rassisten: Nicht »kontaminiert« sind nur die Afrikaner. (pst)

jungewelt.de 8.5.2010

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Sigmar Salzburg
29.04.2010 07.15
Diesen Beitrag ansteuern
Die „junge Welt“ schreibt traditionell – auch Die Linke?

29.04.2010 / Abgeschrieben / Seite 8

Ohne mich!
Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke (Die Linke) lehnt die Einladung des Verteidigungsministers Guttenberg, als Beobachter am Bundeswehrmanöver »Extricate Owl 2010« teilzunehmen, ab. In einem offenen Brief erklärt er ihm, warum:


Sehr geehrter Herr Minister, verehrter Herr Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg,

… Kein Manöver, was auch immer im einzelnen geübt werden mag, kommt um die Tatsache herum, daß die Bundeswehr von einem Instrument der Landesverteidigung zu einer Armee im Krieg gemacht worden ist. …Ich gehöre einer Generation an, für die es selbstverständlich war, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgeht. Das gab mir für meine Tochter und meine Enkelin die Hoffnung, daß Deutschland zum Frieden und nur zum Frieden beiträgt. Ich wollte, daß wir nie mehr Helden brauchen und stolz nur auf den Mut des Alltags sind. …

http://www.jungewelt.de/2010/04-29/034.php

Mit Klick die Kennkarte von Sigmar Salzburg ansehen    Suche weitere Einträge von Sigmar Salzburg        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Norbert Lindenthal
10.10.2004 18.08
Diesen Beitrag ansteuern
junge Welt

11.10.2004

Gestern ist morgen

jW dokumentiert Rede von Friedrich Wolff zum 55. Jahrestag der Gründung der DDR



Die BRD haben wir überschätzt

Der Rückblick auf unsere 14 Jahre in der BRD enthält – jedenfalls für mich – manches Überraschende. Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit, Drogenmißbrauch und Kriminalität, schöne Autos und Konsumfreuden hatte ich erwartet. Doch daß die Bundesbahn nicht pünktlich ist, daß große Manager in großen Unternehmen großen Mist machen, daß Politiker käuflich sind, daß die Politik mit Problemen wie Hundehaltung, Ladenschlußzeiten, Rechtschreibreform und erst recht mit Steuer-, Gesundheits-, Rentenreform nicht fertig wird, daß Gesetze dilettantisch gemacht sind, das alles hatte ich nicht erwartet. Ich hatte geglaubt, die Bundespolitiker, die Bundesbeamten und natürlich die Wirtschaftskapitäne seien besser, als unsere Funktionäre es waren. Ich hatte sie überschätzt. Auch die Juristen habe ich überschätzt. Sie haben zwar mehr und dickere Bücher und Zeitschriften, haben ein längeres Studium absolviert, können besser Englisch, aber die Urteile sind nicht besser und die Gesetze auch nicht. Ein Reformgesetz jagt das andere, ihnen folgt die Nachbesserung, der Nachbesserung folgt das Bundesverfassungsgericht. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe den Eindruck, dieses Land, dieses System ist krank und wird sich nicht mehr erholen. Nicht wenige Menschen fühlen sich an die letzten Tage der DDR erinnert.



Dieser Artikel war nicht umsonst. Unterstützen Sie dieses Angebot mit einem Online-Abo.

© junge weltwebsite: Warenform

Mit Klick die Kennkarte von Norbert Lindenthal ansehen    An Norbert Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Norbert Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 6 Seiten lang:    1  2  3  4  5  6   Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage