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Sigmar Salzburg
17.05.2011 05.58
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Theorie mit geringer Beweiskraft

Sprachenentstehung

Wir sprechen alle ein bisschen Afrika

Von Angelika Franz

Auf der Erde herrscht immer noch babylonische Vielfalt: Forscher gehen von der Existenz von bis zu 7000 Sprachen aus. Ihren Ursprung haben sie in Afrika, von wo aus die Menschen später die Welt eroberten…

… glaubt man einer neuen Studie von Quentin Atkinson von der University of Auckland in Neuseeland, gibt es wenigstens eine gewisse Tendenz zu mehr Übersichtlichkeit. Die Theorie des neuseeländischen Psychologen: Die Sprache ist, ebenso wie Homo sapiens, in Afrika entstanden – und verliert an Phonemen, je weiter sie sich von ihrem Ursprungsort entfernt…

Manche Sprachen brauchen 11, andere 141 Phoneme

Was genau sind denn nun diese Sprachteilchen, an deren Häufung man die Spur unserer Eroberung des Planeten nachvollziehen kann? Definiert sind die Phoneme als kleinste Einheit der Sprache, die Bedeutungen verändern kann. Dazu muss es sich nicht einmal um unterschiedliche Buchstaben handeln wie bei „Tasche“, „Lasche“ und „Masche“. Nehmen wir den Satz: „Gestern rasten sie noch, heute müssen sie rasten.“ Das lange a gibt dem ersten „rasten“ eine andere Bedeutung als das kurze a im zweiten – obwohl die Wörter sonst identisch sind. Ein Buchstabe, aber zwei Phoneme.

[Nach der leicht lernbaren Neuschreibregel müßte jetzt geschrieben werden:
“Gestern raßten sie noch, heute müssen sie rassten“]

In sogenannten Tonsprachen wie beispielsweise dem Chinesischen werden unterschiedliche Bedeutungen auch mit der Wortmelodie ausgedrückt. Die Lautfolge „ma“ kann so unterschiedliche Dinge wie „Pferd“, „Mutter“, „Hand“ oder „schimpfen“ bedeuten – je nachdem, ob man das Wort mit steigender, fallender oder konstanter Betonung ausspricht.

[Da hat sich Frau Franz verlesen. Nicht „Hand“ (shou) sondern „Hanf“ (má) muß es heißen.]

Allerdings ist der phonemische Gründereffekt bei weitem nicht so ausgeprägt wie der genetische – statt 19 Prozent lassen sich satte 80 bis 85 Prozent der genetischen Diversität einer Population mit der Entfernung von Afrika erklären.

Andere Experten reagieren elektrisiert auf die These, mahnen aber auch zu Vorsicht. „Atkinsons Modell weist in seiner derzeitigen Form gravierende Probleme auf“, sagt Anatol Stefanowitsch, Linguist an der Universität Hamburg.

Spiegel.de 17.5.2011

Nicht nur phonemisch, sondern auch grammatisch verarmen Sprachen, letzteres vor allem durch Pidginisierung in Mischvölkern. Bestes Beispiel: Englisch, das in der FAZ einmal als schlecht ausgesprochenes Französisch bezeichnet wurde. Deutsch ist auf dem besten Wege. Der Verfall sichert manchen Linguisten ihre Arbeitsplätze.

Jede Verarmung erzwingt weitere Sprachveränderungen, um wieder an Eindeutigkeit zu gewinnen. Schließlich werden ältere Sprach- und Schriftzeugnisse unverständlich. Kultur ist jedoch auch enge Verbindung zur Vergangenheit.

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Sigmar Salzburg
04.04.2011 09.29
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Abkürzungsfimmel

Der Aküfi im Wörterbuch

Das ♥ wurde angeblich in das altehrwürdige Oxford English Dictionary aufgenommen: Was die Adelung der Kürze uns über Sittengeschichte verrät


Gleich nach dem allgegenwärtigen Untergang des Abendlands in all seinen Facetten ist die Sprachpflege der Deutschen liebstes Hobby. Kaum ein Monat vergeht, in dem man nicht irgendwo liest, dass wieder einmal jemand als Sprachverhunzer ausgezeichnet wurde.
[...]
Ausgerechnet im altehrwürdigen Oxford English Dictionary, dem definitive record of the English language, habe es hier nun, so war unlängst der Presse zu entnehmen, eine kleine Revolution gegeben: Neben Akronymen des Internetzeitalters (FYI, LOL, OMG – for your information, lots of laughing und oh my god) habe nun erstmals ein reines Symbol Aufnahme gefunden: ♥ bekannt auf T-Shirt, Aufkleber und Facebook.

Der Umstand, dass Akronyme ins OED (!) aufgenommen wurden, ist zunächst recht unspektakulär, schließlich sind diese allgegenwärtig. FYI ist im englischen Schriftverkehr ebenso spektakulär wie z. K. im deutschen. Warum also die Aufregung? Vielleicht ist es der Umstand, dass die Alltäglichkeit und die Banalität einzelner Phrasen durch die Aufnahme ins OED geadelt wurde? LOL und OMG – sind das wirklich wir? Ist es das, was wir zur Sprache im 21. Jahrhundert beizutragen haben? OMG! Nicht gerade zum lollen, wenn das so wäre. Jedoch hat diese Angelegenheit auch eine sittengeschichtliche Seite. Warum, so fragt man sich, ausgerechnet OMG? OMG ist im Englischen kaum häufiger als das deutlich derbere OMFG (oh my fucking god). War das OED zu PC (politically correct) für das FLW (four letter word)? Ein letztes Aufbäumen englischer Prüderie? YGBSM (you gotta be shitting me)! Wie weit sollte der im Wörterbuch verzeichnete Aküfi (Abkürzungsfimmel) überhaupt gehen? YAA (yet another acronym), stöhnt so mancher ja schon jetzt!

Wie steht es nun aber um das ♥? Bedauerlicherweise eine Ente, was übrigens ebenfalls ein Akronym ist. [...]

Hintergrund
Peter Kruschwitz
lehrt klassische Altertumswissenschaft an der University of Reading

freitag.de 3.4.2011

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Sigmar Salzburg
13.01.2011 18.23
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Nicht das ß – die Sonderzeichen anderer europäischer Sprachen

Sonderzeichen machen neuem Personalausweis Probleme

Peinliche Software-Panne im Registrierungssystem für den neuen Personalausweis: Die mit der Ausstellung der Dokumente verbundene digitale Registrierung scheitert bei Bürgern, deren Namen Sonderzeichen enthalten. Das berichtete die Frankfurter Rundschau am Mittwoch. Akzente wie in den Namen René oder Chloé oder Sonderzeichen in Namen wie João bringen die Systeme der Meldeämter zum Absturz. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière hätte mit seinem Namen schlechte Karten. Ohne die digitale Registrierung können die Bürger ihren Ausweis jedoch nicht voll nutzen, etwa für den elektronischen Briefwechsel mit Behörden.

Die Frankfurter Rundschau beruft sich auf Berichte aus verschiedenen Meldeämtern, die Störungen bei der digitalen Speicherung der persönlichen Daten verzeichnet haben. Schwierigkeiten ergeben sich bei Zeichen wie dem Akut (á), der Cedille (ç) und dem Zirkumflex (ê), die mittlerweile in vielen Vor- und Nachnamen zu finden sind. Störungen gibt es bei der digitalen Anmeldung der Ausweise über die so genannten Änderungsterminals in den Ämtern.

Bundesdruckerei weist Schuld von sich

„Da stürzt das ganze System ab, und der eigentliche Vorteil des neuen Personalausweises, die digitale Registrierung, ist hinfällig“, zitierte die Rundschau den Berliner Bezirksstadtrat Joachim Krüger. Zwar könnten die Bürger ihren Ausweis abholen, für die digitale Registrierung müssten sie jedoch ein zweites Mal das Meldeamt aufsuchen. Wann das jedoch möglich sein wird, ist noch unklar. Die Meldestellen sehe die Bundesdruckerei in der Verantwortung. Die weist jedoch jede Schuld von sich: „Die Probleme liegen häufig nicht an der Software für den neuen Personalausweis, sondern an der Kompatibilität der von Land zu Land unterschiedlichen Softwareprogramme bei den Meldebehörden.“

computer.t-online.de 13.01.2011

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Sigmar Salzburg
10.11.2010 08.57
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Der ehem. Verfassungsrichter und CDU-Steuerexperte Paul Kirchhof:

… Die Annahme, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde besitzt, ergebe sich nicht aus Versuchsanordnungen im Labor, sondern sei eine Wertung. Sie beruhe auf der christlichen Überzeugung, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist.

[Eine seltsame Logik: Ich verstehe „Menschenwürde“ auch ohne jegliche christliche Überzeugung. Es ist ja nur ein Wort für die uralte Goldene Regel des menschlichen Miteinanders, die auch Erniedrigung verbietet.]

… Der Islam, aber auch der Buddhismus seien tatsächlich nicht so einfach mit unserer Verfassung kompatibel. Wie er aus seiner Mitarbeit an einem internationalen Wörterbuch christlicher Kulturbegriffe wisse, gebe es etwa im Türkischen kein Wort für Menschenwürde. …

tagesspiegel.de 23.4.2009

Sollten die Türken wirklich nichts der Menschenwürde Vergleichbares ausdrücken können?

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Sigmar Salzburg
23.10.2010 08.56
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Öcher Platt

Ein Jahrhundertwerk: Der neue Sprachschatz

Von Georg Dünnwald

Aachen. «Das ist ein Jahrhundertwerk», ist der Herr Präsident überzeugt. Das erste Exemplar des neuen Aachener Sprachschatzes überreichte der Chef des Vereins Öcher Platt, Richard Wollgarten, an Oberbürgermeister Marcel Philipp im Weißen Saal des Rathauses.

Zehn Jahre lang haben sich Wollgarten, sein Vizepräsident Karl Allgaier, Jutta und Meinolf Bauschulte und Resi Hellermann so intensiv mit der Aachener Mundart beschäftigt, dass sie eigentlich kein Huechdütsch (Hochdeutsch) mehr verstehen dürften.

Rund 850 Seiten Wissenswertes über die Öcher Sproech ist herausgekommen, ein Wörterbuch Platt/Hochdeutsch – Hochdeutsch/Platt ist der größte Bestandteil des Öcher Dudens, Beispielsätze ergänzen das Werk. Allgaiers, Bauschultes und Wollgartens Arbeit fußt dabei auf Professor Will Hermanns «Öcher Sprachschatz». Herausgegeben hat der Verein Öcher Platt das Buch im Eigenverlag. «Das hat ein großes Loch in unser Portemonnaie gerissen», sagte Richard Wollgarten und lobte bei der Gelegenheit die Schatzmeisterin Claire Müller, «die sich förmlich zerrissen hat bei der Finanzierung des Buches».

Schließlich habe der Verein keine Sponsoren gehabt, und ein leinengebundenes Werk zu verlegen, sei ja eben nicht billig. «Das Buch kostet nur 63 Euro», warb Wollgarten und rechnete vor, wie schnell er den Preis fürs Werk zusammengespart habe: «Ich gehe einmal mit meiner Frau nicht Muscheln essen und einmal gehe ich alleine nicht Muscheln essen, dann hab isch dat Jeld zusammen.»

Der Germanist Dr. Karl Allgaier wies darauf hin, dass die Autoren nicht an einer Rechtschreibreform vorbei gekommen seien – es seien auch wenige neue Begriffe aufgenommen worden. Denn die Aachener Mundart wachse nicht mehr, «sie gilt es zu bewahren». Der «Neue Aachener Sprachschatz» kann in allen Aachener Buchläden gekauft werden.

Das Buch

Neuer Aachener Sprachschatz. Von Karl Allgaier, Meinolf Bauschulte und Richard Wollgarten, herausgegeben vom Verein Öcher Platt. 850 Seiten, 63 Euro, ISBN-Nr. 978-3-9813844-0-6.


Aachener Nachrichten onl. 22.10.2010

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Sigmar Salzburg
23.10.2010 08.38
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Niederdeutsch

Rechtschreibreform für „Plattsnacker“

Nun haben auch die Ostfriesen ihre Rechtschreibreform. Eine Kommission mit Vertretern aus ganz Ostfriesland hat zwei Jahre die seit 1990 gültigen Schreibregeln für das ostfriesische Niederdeutsch unter die Lupe genommen, überarbeitet und erweitert. So wird aus „moi“ (schön) jetzt „mooi“ und aus „Filaper“ (Schmetterling) wird „Fielaper“. Dadurch soll das Plattdeutsch schreiben einfacher werden. „Außerdem schlagen wir eine Brücke zu den anderen Platt-Regionen in Norddeutschland“, sagte Helmut Collmann, Präsident des Kulturverbandes Ostfriesische Landschaft. Er präsentierte das Reformwerk am Freitag in Aurich.

„Wir brauchen diesen großen Verbund, um wahrgenommen zu werden und die plattdeutsche Sprache zu erhalten“, erklärte Collmann. Als Beleg für diese plattdeutsche Einheit in Norddeutschland verwies er auf die neue Schreibweise des Wortes „Döör“ (Tür). Überall in Norddeutschland schreiben die „Plattsnacker“ das Wort mit doppeltem Umlaut, nur die Ostfriesen nicht. Das ändert sich nun mit der Reform. Der Kulturverband hofft, dass ostfriesische Texte dann auch im Rest des Nordens zugänglicher werden. Cornelia Nath ist die Leiterin des „Plattdütskbüros“ und muss nun ihre Visitenkarten ändern: Es heißt jetzt „Plattdüütskbüro“. Das neue Regelwerk sei benutzerfreundlich, besser strukturiert und außerdem seien einige Ausnahmen abgeschafft worden, sagte Nath. Auch neue Entwicklungen seien eingeflossen, so sei nun auch die Schreibung „Minsch“ (Mensch) statt „Minsk“ erlaubt.

Reform ist kein Gesetz

Das neue Regelwerk passt auf 24 DIN-A5-Seiten und ist damit einigermaßen überschaubar. Widerstände an der ostfriesischen Basis sind kaum zu erwarten, weil fast alle Schichten an der Reform mitgearbeitet haben. Ein Problem bleibt aber: Die meisten „Plattsnacker“ haben nicht gelernt, ihre Sprache zu schreiben und tippen sich die Buchstaben am Computer mundgerecht zusammen. Für Cornelia Nath ist das aber nicht schlimm: "Die Rechtschreibreform ist kein Gesetz, sie ist ein Angebot.“

Plattdeutsche Einheit als Ziel

Beispiele der neuen Schreibweisen
alt: „moi“ – neu: „mooi“ (schön)
alt: „Haaren“ – neu: „Haren“ (Haare)
alt: „Iloov“ – neu: „Ieloov“ (Efeu)
alt: „Kanal“ – neu: „Kanaal“ (Kanal)
alt: „Minsk“ – neu: „Minsch“ (Mensch)
alt: „Filaper“ – neu: „Fielaper“ (Schmetterling)
alt: „Riekdoom“ – neu: „Riekedom“ (Reichtum)

ndr.de 23.10.2010

Ob das die Niederdeutsche Sprache noch retten kann? Dabei war sie um 1820 noch Amtssprache in den deutschen Hansestädten. Sie ist zu unterscheiden vom Friesischen, das als eigene Sprache anerkannt ist.

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Detlef Lindenthal
31.03.2010 10.28
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Sigmar Salzburg schrieb:
Zeitschrift GEO ... 300-Seelen-Stamm der Pirahã im brasilianischen Regenwald ... Viel düsterer ist die Zukunft des Stammes der Pirahã, des letzten überlebenden von vier sprachverwandten Stämmen ...
An dieser Stelle möchte ich meine schon oft gestellte, aber bisher noch nicht beantwortet erhaltene Frage nochmals stellen:

Wer hat, aus „höherer Sicht“ (oder aus welcher Sicht auch immer) das größere Recht:
– die Pirahã-Leute (die zum Überleben viele, viele Quadratkilometer heilen Regenwaldes benötigen) oder aber
– die Neubauern, die, nach Brandrodung, auf derselben Fläche mit Tausenden von Rindern und Tausenden von Leuten leben könnten.

Vermutlich eine Frage für Thilo Sarrazin und seine Medien-Bundesliga.

Und eine Frage für alle Rechtschreibfreunde; denn sie sollten in der Lage sein, über das Recht und die Schwächen einer nicht durchdachten Rechtslandschaft nachzudenken. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, brauchen sie sich nicht zu wundern und sich darüber zu beschweren, daß die Medien und Minister sie als zu vernachlässigende Krümel zur Seite schieben.
__________________
Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
31.03.2010 10.13
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Die Pirahã

Vor kurzem erwähnte ich hier das amazonische Volk der Pirahã. Jetzt werden sie im Zürcher „Tagesanzeiger“ besprochen:.

Tagesanzeiger 23.3.2010

Zugleich gibt es einen Hinweis auf den „Süddeutsche-Shop“, in dem das Buch vertrieben wird (mit einer Rezension von Harald Eggebrecht).

suedddeutsche.de/mediathek

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Detlef Lindenthal
25.01.2010 22.18
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Sigmar Salzburg schrieb:
Zeitschrift GEO ... 300-Seelen-Stamm der Pirahã im brasilianischen Regenwald ... Viel düsterer ist die Zukunft des Stammes der Pirahã, des letzten überlebenden von vier sprachverwandten Stämmen ...
An dieser Stelle möchte ich meine schon oft gestellte, aber bisher noch nicht beantwortet erhaltene Frage nochmals stellen:

Wer hat, aus „höherer Sicht“ (oder aus welcher Sicht auch immer) das größere Recht:
– die Pirahã-Leute (die zum Überleben viele, viele Quadratkilometer heilen Regenwaldes benötigen)  oder aber
– die Neubauern, die, nach Brandrodung, auf derselben Fläche mit Tausenden von Rindern und Tausenden von Leuten leben könnten.

Vermutlich eine Frage für Thilo Sarrazin und seine Medien-Bundesliga.
__________________
Detlef Lindenthal

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PL
25.01.2010 04.38
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„Die Spitzfindigkeiten der Sprachwissenschaftler sah ich von jeher kritisch. […]“

Ich erkannte diese Spitzfindigkeiten sofort als Stumpfheiten und Stümpereien. Obschon ich nur einer Fremdsprache (nämlich der deutschen) halbwegs mächtig bin, wurde ich des missionarischen Eifers der sogenannten „Sprachgelehrten“ sogleich gewahr: Sie allesamt schreiben für Außenstehende unverständlich (wie Eingeborene – nur für sich selbst oder ihresgleichen) und wundern sich, sonst von niemandem verstanden zu werden. Sie missionieren sich selbst. Ob man so Deutsch als Fremdsprache vermitteln kann?

Mit einem lieben Gruß aus Basel

Peter Lüber

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Sigmar Salzburg
24.01.2010 08.47
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Die Pirahã

In der Zeitschrift GEO war gerade ein Artikel über den 300-Seelen-Stamm der Pirahã im brasilianischen Regenwald zu lesen. Der Sprachwissenschaftler (und inaktive Missionar) Daniel L. Everett, der als einziger ihre Sprache beherrscht, versucht anhand ihrer nicht rekursiven (z.B. nebensatzlosen) Struktur die Theorien Noam Chomskys zu widerlegen. Bei Wikipedia wird dazu ebenfalls Everett angeführt:

»Da sie (zu Recht) befürchten, deswegen beim Handeln betrogen zu werden, baten sie Daniel Everett, ihnen einfache Arithmetik beizubringen. Nach acht Monaten enthusiastischen aber fruchtlosen Lernens gaben sie auf und stellten fest, dass sie nicht in der Lage sind, die Thematik zu fassen. Nicht ein einziger Pirahã hatte gelernt, bis 10 zu zählen oder 1 + 1 zu addieren.
Everett argumentiert, die Pirahã könnten aus zwei kulturellen und einem formalen sprachlichen Grund nicht zählen. Zunächst sind sie Jäger und Sammler und hätten nichts zum Zählen, demnach auch keine Gelegenheit, um das Zählen zu praktizieren. Des Weiteren gebe es einen kulturellen Druck gegen das Generalisieren über die Gegenwart hinaus, was Zahlwörter eliminiere. Außerdem sei das Zählen und Zahlwörter auf Rekursion in der Sprache basiert, was sich auf Grund der einfachen Satzstruktur der Pirahã nicht ausdrücken lasse. Everett behauptet jedoch nicht, die Pirahã seien geistig nicht in der Lage zu zählen.«

Die Spitzfindigkeiten der Sprachwissenschaftler sah ich von jeher kritisch. Schon vor Jahrzehnten habe ich über die Versuche gespottet, mit Hilfe der alttibetischen Konsonantencluster am Anfang eines Wortes und hypothetischen Parallelerscheinungen im Chinesischen beide Sprachen näher aneinanderzurücken: Man könne dann auch aus den Spitznamen für die europäischen Ethnien „krauts“ und „frogs“ auf eine gemeinsame Abkunft von den „kfraogwts“ schließen.

Viel düsterer ist die Zukunft des Stammes der Pirahã, des letzten überlebenden von vier sprachverwandten Stämmen:

Der Westen will mit Milliardenhilfen tropische Wälder schützen – weil klare Standards fehlen, könnte aber ein Fiasko drohen. Am Ende könnten die Falschen von den riesigen Beträgen profitieren, warnen Experten. Die indigene Bevölkerung müsste zu Wächtern des Regenwaldes werden.
spiegel.de

Wie das möglich sein soll, ohne deren Kultur zu zerstören, wird ein unlösbares Problem bleiben , insbesondere nach den üblen Erfahrungen mit den Institutionen zum „Schutz“ der Urbevölkerung in der Vergangenheit.
Entsetzt war ich, als ich zu meiner Schulzeit in den „Lübecker Nachrichten“ von dem Vorschlag las, die Wirkung weitreichender radioaktiver Strahlung an Volksstämmen am Amazonas ohne deren Wissen zu erproben. Proteste blieben damals anscheinend aus.

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Paul Lenz
07.12.2009 21.48
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Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Jörg Metes
Mich interessiert der Orthographiewandel in anderen Sprachen.
Ich kann da nur das Finnische als lobendes Beispiel erwähnen. Die haben ihre Rechtschreibung (meines Wissens bereits vor etwa 100 Jahren) so gründlich reformiert, dass es seitdem absolut nichts mehr zu reformieren gibt.

Grundsätzlich hat jeder Laut nur einen Buchstaben. Es gibt kein w, nur ein v. Es gibt kein x, stattdessen schreibt man ks. Was kurz klingt, wird einfach geschrieben, was lang klingt, wird doppelt geschrieben: tuli = Feuer, tuuli = Wind, tulli = Zoll (ja, ll wird deutlich länger ausgesprochen als l).

Das Ergebnis: ein Ausländer braucht nur wenige Minuten, um sich die paar Regeln anzueignen, die nötig sind, um jedes finnische Wort korrekt aussprechen zu können.

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Sigmar Salzburg
28.11.2009 12.05
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la main

gerade bei FDS gesehen:

Heinz Erich Stiene am 27.11.2009
Im Rheinischen findet man regelmäßig die Schreibung „us dr Lamäng“....

... ein seltener Fall, daß der Artikel einer Nachbarsprache mit übernommen wird.

Bei arabischen Wörtern ist es häufig: der Alkoven, die Alchemie (eig. griechisch – reformiert aber nicht „Allchemie“, entgegen der „Tollpatsch“-Ideologie), der Algol (al ghul „Wüstengeist“, auch Sternname), die Alhambra (al hamra’ „die Rote“) …

Im Arabischen selbst kommt es auch vor: al timsach („Krokodil“, von altägyptisch „msh“ mit Artikel „t“).

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Sigmar Salzburg
15.09.2009 21.30
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Reformfimmel bald auch in Frankreich?

… Bald darauf vereinte sich „Le français libre“ mit der „Assoziation für die Bewahrung der französischen Sprache“. Gemeinsam publizierten sie eine „Nationale Petition gegen die Sprachkorrekturen“. Woraufhin sich auf Seiten der extremen Linken prompt ein „Comité Robespierre“ gründete, das eine Revolution der Orthographie forderte. Was wiederum die Konservativen zu der wütenden Replik provozierte, heute werde eine Rechtschreibreform genau so viel Unheil anrichten wie seinerzeit die Guillotine ...

Jetzt muss jedermann lernen, korrekt zu schreiben. Das heißt aber auch: Jeder Franzose hat die Chance, es zu lernen. Es ist außerordentlich mühsam, ein fehlerfreies, korrektes Französisch zu beherrschen. Wer diese Fähigkeit aber einmal erworben hat, ist nicht bereit, anderen die gleiche Mühe zu ersparen. Man setzt die eigene Distinktion nicht leichtfertig aufs Spiel. So ist, wie François de Closets schrieb, die Rechtschreibreform in keinem Land dringender notwendig als in Frankreich – und nirgendwo unwahrscheinlicher.

welt.de 15.9.09

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Sigmar Salzburg
16.07.2009 18.28
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Schreibreform als Besitzergreifung

Jerusalem – Israels Verkehrsministerium will alle Ortsschilder mit Städtenamen gemäß der hebräischen Aussprache vereinheitlichen. Zur Begründung hieß es, die vielen unterschiedlichen Schreibweisen erschwerten Touristen, ihren Weg zu finden, berichtet die Zeitung „Jedijot Achronot“. So werde künftig nicht mehr Richtung Jerusalem oder (arabisch) nach al-Kuds ausgeschildert, sondern nur noch Richtung Yerushalayim. […] Bislang sind die meisten Straßenschilder in Israel dreisprachig: Hebräisch, Arabisch und Englisch, […]
Welt.de 14.7.09

P.S. „al-Kuds“: dumme deutsche Umschrift für al-Quds („die Heilige [Stadt]“), obwohl wir in der glücklichen Lage sind, das semitische Q[af] noch im Alphabet zu haben. Dasselbe Wort übrigens auch in den punisch-etruskischen Goldblech-Tempelweiheinschriften von Pyrgi (Italien 5.Jhdt. v. Chr.): „l rbt l astrt ’sr qds …“ (Für die Herrin Astarte: der heilige Ort …)

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