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Die Wortbildung im Deutschen
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Detlef Lindenthal
02.10.2006 20.35
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RP-online.de:

>>Leerstellenknappheit?

Während die seit vielen Jahren beklagte Lehrstellenknappheit in Deutschland leider weiterhin anhält, gibt es Leerstellen im Übermaß: in geschriebenen deutschen Wörtern.
Haben Sie in der Überschrift auch zunächst auf einen Schreibfehler getippt – und gedacht, es ginge wohl um die Lehrstellenknappheit? Ich bin mir des Unterschieds durchaus bewußt – wie auch dessen zwischen einer Lehrprobe und einer Leerprobe. Erstere müssen angehende Lehrer absolvieren, letztere machen Alkoholiker manchmal mit Flaschen, in denen sie noch Reste vermuten.

Nein, es geht wirklich um „leer“. Nicht um das niederländische Wort für „Leder“ und nicht um das spanische Wort für „lesen“. Auch nicht um die gleichlautende ostfriesische Stadt, sondern um das deutsche Wort für „inhaltslos“. Oder substantivisch: nicht um die Lehre, sondern um die Leere. Speziell um die, die sich in den letzten Jahren immer häufiger in Gestalt der sogenannten Leerstelle (auch: Leerzeichen, Leerschritt) in wehrlosen deutschen Wörtern einnistet.

Menschen können sich auseinanderleben, sich trennen, das wissen wir, das haben einige von uns vielleicht schon erleben müssen. Wörter können das nicht, sie können allerdings von Menschen auseinandergerissen werden.

Den Verben geht’s dabei eindeutig am meisten an den Kragen. Man liest von untreuen Ehepartnern, die früher fremdgingen und nun öfters „fremd gehen“, von unwilligen Arbeitnehmern, die bisher (besonders montags) blaumachten und nun vermehrt „blau machen“. Von Freunden, die mal „vorbei kommen“ und von ehemaligen Mitschülern, die 20 Jahre nach dem Abitur mal wieder „zusammen kommen“ wollen. Von Ministern, die schon wieder „zurück treten“, bevor sie richtig „los gelegt“ haben. Mal ehrlich, wird man als PC-Benutzer nicht ständig aufgefordert, etwas „herunter zu laden“? Gleich zwei Leerstellen in einem Wort, welche Verschwendung!

Man liest von Fischzüchtern, die danach trachten, ihren Fischbestand „aufrecht zu erhalten“. Dabei weiß doch eigentlich jeder: Für Fische ist die waagerechte Haltung viel natürlicher und artgerechter als die senkrechte. Für echte „Orthogra-Fischzüchter“ heißt es nach wie vor „aufrechtzuerhalten“.

Wenn Schüler sich im Sportunterricht den Fuß verrenken und hinterher hinken, dann ist das ja durchaus verständlich. Aber nicht, wenn sie beim Pisa-Vergleich „hinterher hinken“ – da können sie höchstens hinterherhinken.

Nicht viel besser geht’s den Adverbien und Partizipien. Aus „seltsamerweise“ wird fälschlicherweise oft „seltsamer Weise“. Ausschlaggebende und wegweisende Gedanken werden zu „Ausschlag gebenden“ und „Weg weisenden“. Man bezeichnet ein Publikum als „Sport begeistert“ und einen Film als „Computer animiert“, eine Salbe als „Keim tötend“ und eine Erklärung als „Sinn verfälschend“. Als Erklärung (oder Entschuldigung) wird dann oft die Rechtschreibreform herangezogen, die das angeblich so verlange.

Kommen wir zu (un)guter Letzt zu den Substantiven. Eine besondere Stärke des Deutschen liegt ja darin, solche aneinanderzureihen, Komposita von (fast) unbegrenzter Länge zu bilden. Eindrucksvoll wird das immer wieder untermauert durch die Donaudampfschiffskapitänsmützenrandverzierung oder ähnliche Wortmonster. Aber es gibt schon längst eine Gegenbewegung dazu. Diese trennt Komposita, und seien sie noch so kurz, unerbittlich in ihre Einzelteile auf, wobei man auch den Bindestrich nicht mehr bemühen möchte, der manchmal noch lindernd und vermittelnd eingreifen könnte.

Im „Super Markt“ gibt es „Butter Milch“, „Frisch Käse“ und „Zwiebel Suppen“. Außer der Tafel Schokolade findet man nun auch einen „Tafel Wein“ – in der „Schreibwaren Ecke“ sogar die „Tafel Kreide“. In der „Herren Abteilung“ natürlich „Ober Hemden“ und „Seiden Krawatten“.

Die Spiele der Fußball-Bundesliga finden nicht mehr nur am Freitagabend, Samstagnachmittag und Sonntagabend statt, sondern nun auch am „Freitag Abend“, „Samstag Nachmittag“ und „Sonntag Abend“. Die wenigen verbliebenen Kirchgänger sind verunsichert, ob sie nun am Sonntagmorgen oder am „Sonntag Morgen“ zum Gottesdienst gehen sollen.

Beim „Auto Händler“ besorgt man sich „Sport Felgen“ und „Spezial Reifen“. Nebenbei: Autor(eif)en haben ein Profil, das nennt man das Autor(eif)enprofil; oder – mit bindestrichlicher Hilfe – auch das Autor(eif)en-Profil.<<

RP-online.de
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Detlef Lindenthal

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Detlef Lindenthal
14.03.2005 09.44
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Regeln, Überregeln   >   Wortbildung   >   Rechtschreibung   >   Arbeit

A.
Menschen und Tiere sind (anders als EDV-Anlagen) Gestaltwesen: Sie erkennen Muster, Gleichheiten, bilden sich Regeln und merken sich Abweichungen von Regeln, womit sie feinere Regeln bilden. Indem sie Gestalt erkennen, können sie viel mehr lebenstaugliche Voraussagen treffen, als wenn sie sich Einzeldaten merken würden.

Dies spiegelt sich in der Muttersprache der Menschen wider: Schon kleinen Kindern fällt es außerordentlich leicht, Begriffe (also zusammenfassende Klassen von regelgleichen Dingen in ihrer Vorstellung) zu bilden: Was z.B. rund, prallweich und nicht eßbar ist, bekommt den Klang Ball zugeordnet. Diese Zuordnungen von Begriffen und Wörtern machen Kindern und Eltern sehr viel Freude.
Leicht lernt das Kind Zusammenordnungen: z.B. ist eine Haustür die Tür, die für das ganze Haus nach außen gilt. Lange bevor das Kind schreiben lernt, weiß es schon von seiner Mutter, daß Haustür ein Wort ist. Denn die gesprochene Sprache hat eine eigenes Regelwerk, eine Grammatik, um zu kennzeichnen, wo ein Satz zu Ende ist und wo, in langsam gesprochener Sprache zumindest, ein Wort beginnt und aufhört.

Bei Tätigkeiten und Eigenschaften gibt es neue Regeln der Wortbildung: z.B. wird beim Wort zurückbringen zum Bringen eine Richtung eingearbeitet, ein neues Wort ist entstanden. Im Musikunterricht lernt das gebildete Kind, was wohltemperiert bedeutet: ein neuer Begriff, der weder mit wohl noch mit temperiert des täglichen Sprachgebrauches viel zu tun hat. So lernt das Kind: Was eine neue Bedeutung bildet, ist auch ein neues Wort.

Und das Kind hat schon gelernt, daß es Wörter auch in einem schnell und pausenfrei gesprochenenen Satz heraushören kann; und da ist wieder die ganzheitliche Mustererkennung = Gestalterkennung gefordert; wer im Sprachausland war, merkt, wie ihm nach einigen Monaten die Schuppen von den Ohren fallen und er aus einem Satzbandwurm bekannte Bestandteile herauslösen und erkennen kann; denn natürlich machen Schnellsprecher viel weniger Wortpausen, als von ihrer Lesevorlage gezeigt werden. Ja, durch eine besonderes Betonungen-Regelwerk werden nicht nur die Wörterbestandteile wieder erkennbar, sondern es werden auch die bedeutsamen Schlüsselbegriffe des Satzes hervorgehoben, so daß die Bedeutung des Satzes großenteils anhand dieser Schlüsselwörter erschlossen werden kann.

Mit diesem Sprachwerk schaffen die Menschen es, anspruchsvolle Denkinhalte vom einen Menschen auf den nächsten zu übertragen. Als die kühlen Breiten Europas besiedelt wurden, haben die Alten, Erfahrenen es geschafft, den Jungen, Kräftigen die Zusammenhänge von Jahreszeiten, Wetterbedingungen und Vorratswirtschaft samt Kleidung, Feuerung und Hausung zu nennen und zu unterrichten, und so wurde es möglich, daß die Menschheit in den winterkalten Breiten Nordeuropas und sogar der Tundra überleben kann – ohne Sprache wäre das völlig unmöglich.

Dieser kulturgenetische und chromosomalgenetische Spracherwerb hat dem Menschen nicht nur das nackte Überleben, sondern auch großartige Annehmlichkeiten beschert: Rätsel, Denksport, Geschichten, Dichtung, Musik schaffen dem Menschen viel Kurzweil und füllen den Gestaltraum im täglich viele Stunden regen Geist aus; denn der Mensch lebt bekanntermaßen nicht vom Brot allein.

Und ein weiteres hat der Mensch hervorgebracht: die Wissenschaft. Wer sich mit Holzarten (Wissenschaftsfachbereich Botanik) auskannte, konnte schnellrottende Buche oder Rüster von beständiger Eiche oder Akazie unterscheiden, und seine Häuser und Boot überstanden die Stürme viel länger. Wer in Steine- und Bodenkunde (Geologie) gut war, wußte, daß unter Kalk Feuerstein zu finden ist und wo Kohle und Erdöl liegen. Das Nachdenken über Kräfte (Physik) führte nicht nur zu verbesserten Jagdwaffen, sondern auch zum Bau der Dampfmaschine und zur Industrialisierung des Nordens.

Es ist eine Folge von Wettbewerbsvorteilen der Wissensweitergabe, Wissensaufbewahrung und Wissensaufbereitung, die zur Hochtechnologie in der Wissensgesellschaft führen. Sprache ist dabei immer von entscheidender Bedeutung; nicht einmal Musiker und Dirigenten kommen ohne die Begriffsbildungen der gesprochenen Sprache aus.

B.
Die Regeln unserer Sprache sind nicht irgendwie entstanden, sondern nach Zweckmäßigkeits-Überregeln, die jedes gesunde Kind verstehen und vor allem nutzen kann (was bei Kindern nicht ankommt, wird in der Muttersprache nicht weitergegeben). Was ein Wort ist, bestimmt sich nicht nach willkürlichen Maßstäben (etwa Steigerbarkeit oder Zugeörigkeit zur x-ten Dudenauflage), sondern danach, was ein gesunder Mensch gestaltlich = ganzheitlich erfassen kann.
Diese Überregeln habe ich noch nirgends aufgeschrieben gefunden; kennt jemand sie?

C.
Abweichler (Regelverletzer, Verbrecher) hat es zu allen Zeiten gegeben: Leute, die ihre Kinder vernachlässigen, sterben gerechterweise aus; wer seine Nachbarn bestiehlt und eine Dorffehde verursacht, schwächt seinen Überlebensraum und stirbt aus oder fällt zumindest weit zurück. Umgekehrt hat sich durch die Jahrtausende in der Winterkälte eine hohe Sittlichkeit (Ethik) herausgebildet, die mit ihren Mittenbegriffen von Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit den Wegnahme-, Täuschungs- und Herrschaftslehren der Nomadenreligionen weit überlegen war und es auch dann weiterhin wäre, wenn sie die Zukunftsfähigkeit etwas größer schreiben würde und nicht Gerechtigkeit mit Mildherzigkeit und Sinnenschwachheit verwechseln würde.

Ohne Abweichungen kein Neuanfang, ohne spielerische Versuche kein Fernsprecher und keine Heizungssteuerung. Dafür hat der Mensch soviel Verstand, daß er bei Neuerungen die Spreu vom Weizen trennen kann.
Die Wörterbuchmacher haben einen großartigen Beitrag zur Hochtechnologie geleistet. Daß in der 21. Auflage des Duden plötzlich das Wort wohltemperiert getilgt wurde und nur noch seine Bruchstücke, wohl temperiert, aufgeführt sind und daß damit und durch den Gehorsam der Deutschlehrerschaft der Begriff wohltemperiert verboten wurde, ist Teil einer bösen Regelverletzung; diese sorgt mit der gesamten Rechtschreib„reform“ für soviel Reibung, daß unsere Kinder viele nötige Lernziele nicht mehr erreichen und in ihrer Arbeits- und Überlebensfähigkeit beeinträchtigt werden. Wertvolle Sprachspielereien („Mein Urgroßvater und ich“ – James Krüss) und mutwillige Sprachzerstörung sind bei weitem nicht das gleiche. Unnötige Reibung führt zu Arbeitslosigkeit und zum Abstieg.

D.
Beamtenschaft, Rechtschreibkommissionen und RfdR sind vom nordeuropäischen Gerechtigkeits- und Zukunftsziel umgeschwenkt auf die Herrschaftsnot der Seilschaften und Wüstenreligionen und verletzen den ihrem Staat gegebenen Eid: Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben und den Nutzen des Gemeinwesens zu mehren und Schaden von ihm zu wenden, vgl. Grundgesetz Art. 56 oder Niedersächsisches Beamtengesetz, § 65.
Wie bei einem Nachbarschaftsdiebstahl trifft die entstehende Not den gesamten Kulturkreis; der Niedergang der großen Leitwährungen ist längst unaufhaltsam, denn sie vernachlässigen Arbeit und Zukunft und verlassen sich ganz auf orientalische Eigentums- und Herrschaftsbegriffe (share holder value). Doch nützen die nichts mehr, wenn Arbeit = Wertschöpfung zerstört wird, und unsere eidvergessene Sprachprofessorenschaft wird feststellen, daß Euro und Dollar nicht mehr viel wert sind, wenn Bäcker, Altenpfleger und Netzdiensteanbieter dafür nicht mehr arbeiten können oder mögen.

Nicht oft in unserer Geschichte, aber doch (1806 ff.), hat unser Kulturkreis sich gegenüber dreisten Angriffen aufgerappelt. Hier in der Rechtschreibsache fällt unserem Kultur- und Unterrichtsbetrieb eine neue Schau schwer – das weiß jeder, der, wie ich, unsere sogenannten allgemeinbildenden Schulen durchlaufen und durchlitten hat.

Deutschland ist Schlafmützenland: die Karikatur des deutschen Michel gibt es schon lange, und nicht ich habe sie erfunden.
Erfunden wurde in Deutschland das Telefon (Philipp Reis); der Kaiser soll es als „hübsches Spielzeug“ lächerlich gemacht haben; Bell nutzte dann dies Wissen und begründete den Multimilliardenmarkt.
In Deutschland wurde das Faxgerät erfunden (Dr. Rudolf Hell); es gebaut und den Multimilliardenmarkt erschlossen haben die Japaner.
In Deutschland wurde der (Pulver-) Fotokopierer und der Farbkopierer erfunden (Dr. Ulrich Schmiedel); die erste Maschine machte 3 Millionen Kopien für das Rote Kreuz. Die deutsche Industrie hatte für sowas „kein Geld“, den Multimilliardenmarkt haben Xerox und Canon aufgebohrt.
Die erste richtige Glühlampe (200 Stunden Brenndauer) wurde von Heinrich Goebel, einem deutschen Auswanderer, gebaut. Den Multimilliardenmarkt nutzen andere.
In Deutschland wurde der erste programmierbare Rechner gebaut (Konrad Zuse); deutsche Industrie und deutscher Staat kümmert sich heute noch nicht ausreichend um die Nachwuchsausbildung.
Statt dessen will Ex-Terroristenanwalt Schily (soeben in den DLF-Nachrichten mitgeteilt) Ihre und meine Telefonverbindungsdaten lückenfrei für 12 Monate aufzeichnen – orientaloide Herrschaftssicherung statt Gestaltung der Zukunft.

E.
Jede gute Darlegung endet mit einem weiterführenden Ausblick. Hier ist er: Ich will, darf, muß und kann arbeiten. Guten Tag!
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Detlef Lindenthal

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Theodor Ickler
05.03.2001 12.46
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Wortbildung

Die Wortbildung ist im Deutschen so lebendig wie in kaum einer anderen Sprache, sie ist praktisch ein Teil der Syntax, d. h. man benutzt sie nicht nur zur Bereicherung des Wortschatzes, sondern auch zur Satzbildung.
Was ein Wort ist, kann die Sprachwissenschaft nur annähernd sagen. Immerhin: Bei den Ableitungen läßt sich feststellen, daß die Affixe (Ableitungselemente) nicht selbständig sind, nicht verschoben werden können: „mehl-ig“, „ver-hauen“ usw. Bei den Zusammensetzungen herrscht unveränderliche Reihenfolge, Nicht-Unterbrechbarkeit und vor allem grammatische Isolierung des ersten Bestandteils. Wie man mal gesagt hat: der erste Teil eines Kompositums ist syntaktisch aus dem Verkehr gezogen. Man kann ihn weder beugen noch durch Beifügungen erweitern. Daher ist falsch: „dreistöckiger Hausbesitzer“ (weil hier die Beifügung fälschlich nur auf den Bestandteil „Haus“ bezogen werden kann.

Nun das Problem: Wir haben einerseits Fälle von Wortgruppenflexion, zum Beispiel „des Grund und Bodens“. „Korrekter“, aber pedantisch wäre „des Grund-und-Bodens“.
Andererseits wird orthographisch oft zusammengeschrieben: „näherkommen“, was noch angeht (denn die Komparation gehört nicht zur Flexion), aber auch „näherkommen als ...“, wo der Vergleich grammatisch an das erste Element anknüpft. Das sind historisch gewachsene Aufweichungen der klaren Ordnung. Sie lassen sich nur um den Preis durchgreifender Schnitte in die Tradition beseitigen, und es lohnt sich kaum, vor allem wenn man die Tatsachen in der angemessenen Liberalität darstellt, wie in meinem Wörterbuch versucht.

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Detlef Lindenthal
01.02.2001 21.54
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Die Wortbildung im Deutschen

Alle Sprachen setzen Wörter aus kleineren Bestandteilen zusammen.

Das spart viel Arbeit beim Lernen: Wer schon weiß, was ein Kuhstall und ein Schafstall ist, und ein Kaninchen schon gesehen hat, kann sich auch schnell eine Vorstellung bilden, was ein Kaninchenstall sein könnte.
Anders wäre es auch gar nicht zu schaffen, daß ein Abiturient innerhalb von 17 Jahren 70.000 Wörter lernt: an jedem Tag 20, das ist nicht wenig; und auch sonntags und in den Ferien!

Kann jemand die Regeln und Gesetze angeben, nach denen sich Wörter im Deutschen bilden können? (Im Englischen sind die Regeln anders.)
Kann mir jemand Schrifttum darüber nennen?


Wichtig scheint mir hierzu die folgende Vermutung: Was ein „Wort“ und was „Wörter“ sind, ist weniger eine Angelegenheit der geschriebenen Sprache, sondern mehr der gesprochenen Sprache: schließlich wird sehr viel mehr gesprochen als geschrieben; und das Gesprochene hat seine außerordentlich ausgeklügelte Bauart, wie ein Wort zu betonen und päuslich abzusetzen ist, um als Wort zu gelten.

Diese Bauart ist in der Sprechsprache enthalten; auch Kindergartenkinder und des Lesens unkundige Blinde würden die Wörter so benutzen und betonen.

Wenn somit in der Sprechsprache Klarheit besteht, was ein Wort ist, sollte es überaus einfach sein, daß sich die Schriftsprache danach richtet.


Anwendung dieser Vermutung: Wenn ein Nachrichtensprecher neuerdings sagt: „der sO genAnnte dOppler-effEkt“, redet er anders, als wenn er ohne Ablesen sprechen würde: „dIe sUggenannte rEchtschreibrefOrm“; anders als im Wort sO, welches einen Doppellaut bekommt (nämlich ein O, das sich zum U verengt), erhält das Wort „sogenannte“ beim o keinen Doppellaut (sondern einen einfachen Laut ähnlich einem flüchtigen u wie in Butter) und auch kein betontes A bei genannte.

Will sagen: Die Gesetzmäßigkeit, ob ein Ding ein Wort ist oder mehrere Wörter, ist, unabhängig von der Schrift, bereits in der Sprechsprache enthalten.

Kann jemand das bestätigen oder widerlegen?

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