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Forum > Beispielsammlung über Sinn und Unsinn
rauh__rau
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Sigmar Salzburg
17.02.2008 20.53
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Onomatopoetisch

In Berlin will man die linksextreme DKP ausgrenzen, in Hannover hat man keine Berührungsängste. Der Ton wird rauher – manche fordern gar: „Klappe halten“

Spiegel online 17.2.2008
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,535833,00.html
Nicht selten meidet man bei Spiegels die neue Doofenschreibe „rauer“. Die Schreibsimplifizierer haben das Klangmalerische des „h“ nicht begriffen. Es wirkt im Unterbewußten, auch wo es nicht hörbar zu sein scheint.
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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
04.05.2007 06.35
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Wo geglättete Rauhigkeit besonders weh tut:

Anhand der Laufzeit, welche die Radarwellen zurück zur Erde benötigen und der Abweichungen zwischen den aufgezeichneten Signalen an den einzelnen Empfangsstationen konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Oberflächenrauigkeit und die Rotationsbewegung des Merkurs ziehen. Wegen der extrem hohen Genauigkeit der Messungen fanden sie in Form winziger Abweichungen Anzeichen für die Taumelbewegung des Planeten. …stx/ddp

Spiegel online 3.5.07

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,480896,00.html

Ralph Giordano: Neben Ungetümen wie rau ohne „h“ oder Schifffahrt mit drei „f“ und ähnlichen Dingen missfällt mir auch die Großschreibung bei Verbindungen von Substantiv und Verb wie zum Beispiel bei „Leid tun“. Wer, verdammt noch mal, bestimmt denn das hier! Das ist doch nicht zu glauben! ....(1.8.03 ZDF)
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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
26.02.2007 18.40
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rau ist mau

Der armseligen Freude der Reformbetreiber, dem Wort „rauh“ sein „h“ genommen zu haben und so im Namen der Erleichterungsideologie ein Zeichen gesetzt zu haben, steht doch ein erheblicher ideeller Verlust für die Sprach- und Schreibgemeinschaft gegenüber.

Schon 1996 stand im Spiegel 42/1996 in einem Leserbrief von Werner Frangen:

Mit der Vereinbarung, „rauh“ ohne „h“ zu schreiben, haben sich die Reformer als wirklichkeitsfremde Fachidioten und Schreibtischtäter entlarvt, die dem gemeinen Mann mitnichten aufs Maul schauen, wie es ein Luther tat; denn das „h“ wird hörbar gesprochen!

Das trifft auf jeden Fall für deutliches Sprechen zu. In dialektalen Sprechweisen ist es jedenfalls nicht geschwunden, im Niederdeutschen sogar noch als „g“ erhalten: „Dat Ruge Hus“ nach dem Vorbesitzer Ruge, was natürlich auch der „Rauhe“ heißt und, etwas mißverstanden, dann als „Rauhes Haus“ übersetzt wurde. Auf Eigennamen soll die „Rechtschreibreform“ keinen Einfluß haben, trägt aber dennoch zur Verwirrung bei. Beim Märchen von „Allerleirauh“ wird das anders gesehen, wie aus schulgerechten Texten zu entnehmen ist. Der reformierte Name des Mädchens, das sich unter einem Kleid von vielerlei Fell, Rau[c]hwerk, verbirgt, zerstört jeden Sinnzusammenhang.

Den Schreibapparatschiks der „Reform“ geht anscheinend jeder Sinn für sprachliche und klangliche Poesie ab. Dies zeigt sich daran, daß ihnen die Verwendung und Wirkung des schönen alten Wortes „rauh“ offensichtlich völlig gleichgültig war.

In den Kieler Nachrichten (meiner Nachbarin) von Juni 02 bis Ende 05 kam es etwa 20 mal unreformiert, aber 100mal reformiert h-los vor.

Von den letzteren beschrieben 45 Prozent rauhes Klima, rauhe See oder Winde. Hier ist der Hauch des „h“s, oder zumindest die Erinnerung daran, eigentlich unverzichtbar.

In weiteren vierzig Fällen handelte es sich um die Beschreibung musikalischer, meistens vokalischer Vorgänge: „
…expressiv mit rauer Blues-Rock-Röhre“ o.ä.. Auch hier verbildlicht das „h“ in Laut und Zeichen vorzüglich die physischen Ereignisse.

Nur dreizehnmal wurde das Wort „rau[h]“ zur Materialangabe verwendet. Es genügt, im Geiste über die Oberfläche zu streichen, um sich den bekannten obertonreichen Laut vorzustellen.

Nicht genau abgrenzbar ist die übertragene Verwendung des Wortes in weiteren zwölf Fällen. Diese muß natürlich den gleichen Gesetzen folgen.

Lediglich bei politischen Schaukämpfen, die zumeist flaue Tricks bieten, wäre eine Aufweichung von „rauh“ zu „flau“ und „mau“ sinnvoll: „
Rot-grünes Klima wird rauer“.

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
11.10.2004 04.56
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Allerleirau[h]

Vor 100 Jahren hieß es: „Man kann in Deutschland nicht auf die Straße gehen, ohne auf einen Spitz zu treten.“ Heute ist die Rasse vom Aussterben bedroht. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat sie und die Pinscher zur „Rasse des Jahres“ erklärt.

Der deutsche Pinscher war schon einmal fast ausgestorben. 1880 wurde er als Rasse anerkannt, 1895 entstand ein Pinscherklub, der „sämtliche deutschen rau_- und kurzhaarigen Pinscherarten“ betreut. ... denn vor 100 Jahren fielen in einem Wurf rauhaarige Pinscher – die Schnauzer – und kurzhaarige.
(Kieler Nachrichten, Wochenend-Journal v. 1.2.03)

Statt „Rauhhaar“ jetzt „Rauhaar“ zu lesen stört keinen Pinscher-Züchter! Wohlgefällig notieren es die Kultur- und Medienmachthaber. Sie würden die protestierenden Literaten am liebsten selber „ganz kleine Pinscher“ titulieren – wenn sich nicht schon Ludwig Erhard in der frühen Bundesrepublik damit unsterblich lächerlich gemacht hätte.

Dennoch ist die Streichung des Stammlautes „h“ in „rauh“ ein empfindlicher Eingriff in die deutsche Sprache. Der Hauch ist zwar nicht immer zu hören, aber landschaftlich noch fest verankert:

J. Saß gibt fürs Plattdeutsche an: „ruuch, ruge“, im Süden hört man „rauch“
.

„Rauh“ kommt auch mit der Schärfung „rauch“ vor – in der Bedeutung „behaart, haarig“. Im Hochdeutschen finden wir „Rauchware“ (Pelz, Pelzware) und „Rauchwerk“ (veredelte Pelzware). Vor Konsonanten erscheint der Hauch meist in abgeschwächter Form: Rauhfußbussard, Rauhblattgewächse, Rauhhaar. „Rauhwerk“ statt „Rauchwerk“ ist durchaus auch zu finden.

In Grimms Märchen – und hier müssen wir auf den Hund Gekommenen unvermittelt ins Mythologische wechseln – in Grimms Märchen erklärt dieses Wort den sonderbaren Eigennamen „Allerleirauh", den die Königstochter im gleichnamigen Märchen erhält. In dieser seltsamen, fast nur tiefenpsychologisch oder in kindlicher Unschuld zu ertragenden, und doch heiter und versöhnlich ausklingenden Geschichte flieht das Mädchen den Vater, der es nach einem Gelübde gegenüber seiner dahingeschiedenen Frau als ihr einzig ebenbürtige Schönheit begehrt. Das Mädchen lebt, bekleidet mit einem „Mantel von tausenderlei Rauhwerk", in der Wildnis, wird von Jägern entdeckt und unerkannt als „Allerleirauh" in die Küche des König gebracht: „Rauhtierchen, da kannst du wohnen und schlafen,“ und schürt dort von nun an „das Feuer, rupfte Federvieh“ („Vieh, Viecher“ ähnlich „rauh“ – warum unreformiert?). Die Handlung folgt nun dem Aschenputtelschema.

Das Märchen ist sozusagen ein umgekehrter Ödipusmythos. Bei tiefenpsychologischer Betrachtung verbietet sich eine platte Deutung und Nutzbarmachung.

Die Rechtschreibreform zerreißt nun das sprachliche Gespinst des Mythos, so daß wir lesen müssen:


Die Theatergruppe unserer Schule
Rathenow Duncker –Gymnasium

Seit 1991 findet sich jährlich eine Arbeitsgemeinschaft „Theater“ zusammen....
Traditionell führt die Gruppe zu Weihnachten ein Märchen in Kindergärten und Grundschulen auf.
So spielten wir „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, „Eine Weihnachtsgeschichte“,
„Der kleine Prinz“ und „Allerleirau".

... auch „Rauwerk“? „Rautier“? Niemand versteht mehr den Zusammenhang.

Hinter jedem platt- oder wegreformierten Wort steckt eine Geschichte – eine Geschichte, die das Lernen leicht macht, wenn man nur will.


(am 5.2.2003 an Kieler Nachrichten)

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
03.08.2004 20.24
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rauh – rau

Rauh – mit h eins der schönsten Wörter

„Rauh“ – haarig, pelzig, befiedert – sollte sein „h“ allein schon wegen der Nähe zu „rauch“, „Rauchwerk“ nicht verlieren. Landschaftlich ist es durchaus noch hörbar.

Häufiger als das Oberflächenadjektiv
raue Haut
liest man die auf das Klima übertragene Bedeutung, wobei die Tilgung des „h“ den Sturm lauer macht
(alle Beispiele aus den „Kieler Nachrichten“ bis ein Jahr zurück):

an der rauen Nordsee
in rauer See
das rauere Leben im Norden
… weht der Wind ein wenig rauer.


Aber auch in der weiteren klimatischen Übertragung nähert sich das h-lose „rauh“ eher flauer Power:

Der Ton wird rauer
Rot-grünes Klima wird rauer
„Es wird rauer zugehen …“, sagte der Landesbischof von Berlin/Brandenburg
Bei einem rauen Umgangston im Betrieb ist selbst grobe Beleidigung des Chefs kein Kündigungsgrund
[„Arschloch“]

Ungewöhnlich häufig bezeichnet „rauh“ jedoch den Charakter akustischer, stimmlicher Ereignisse, und hier vermißt man den Klang oder die Erinnerung an den Klang des rauhen Hauchens in besonderem Maße:

Schweres Riffing, mal rauer, mal melodiebetonter Gesang …
… variantereiches Set selbst komponierter Songs. Vom rauen Opener Everything Is for Her über die von akustischer Gitarre getragene Bluesballade Next Tuesday
[Kieler Lotsengesangverein Knurrhahn, alles Kapitäne] der Klang der rauen Kommandostimmen
MC Strassenköter gibt dazu Urschreie; die Sprache der Stromgitarren, des rauen Riffings
…mit rauem Timbre
… ein leicht nasales Timbre tun dem Ausflug ins ernste Fach bis auf Mozarts recht raues Ave verum keinen Abbruch:
Mit seinem mal kraftvollen und mal rauen, dann wieder sanft und zärtlich schmeichelnden Saxophonspiel …
…denkt man, hört zu und imaginiert, dass die Schöne mit der rauen Stimme noch mehr als Lieder machen könnte
Der raue Charme von Gabriel Gordons Stimme …
Lebensecht wirken seine Geschichten, ein rauer Aufschrei und doch tiefsinnig reflektiert.
… expressiv mit rauer Blues-Rock-Röhre.
… der raue Sound


Dennoch ist das alte „rauh“ nicht völlig vergessen, sondern wurde mindestens noch 15mal gesichtet:

[ARD-Film „Jules Freundin“] Ein Happy End, das dieses rauhe Wesen um einiges geschniegelter und kantenloser in die Zukunft entlässt?
Ebensoviel Kraft wie in den ungestümen Beat-Ausläufern der frühen 60er Jahre steckt in den rauhreifen Sounds dieser Jahre….


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Sigmar Salzburg

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