Willkommen Die 20 neuesten Beiträge im Forum
Fadensuche     Suche
Kennkarte ändern     Häufig gestellte Fragen   zu anderen Nutzern  kostenlose Anmeldung   Anfang  verabschieden
Jemandem diese Seite senden! Druckvoransicht zeigen
Forum > Rechtschreibforum
Unsere Politiker und die RSR
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >
Verfasser
Leitthema    Dieser Faden ist 23 Seiten lang:    1  2  3 · 9  10  11  12   13  14  15 · 20  21  22  23  Post New Thread     Post A Reply
Fritz Koch
17.11.2004 22.41
Diesen Beitrag ansteuern
Politiker brauchen nicht alles genau verstehen,

aber dann haben sie die verdammte Pflicht, das einzusehen und auf die Leute zu hören, die wirklich etwas von der Sache verstehen. Diese Leute und Institutionen gibt es zur Genüge, und sie haben sich wiederholt angeboten, aber sie werden bewußt ignoriert, weil das richtige Urteil politisch nicht erwünscht ist. Das ist der berechtigte Vorwurf an die verantwortlichen Politiker. Sie sind gemeingefährliche Ignoranten. Das Entscheidungssystem ist falsch. Und deswegen ist Politik ein abstoßendes und schmutziges Geschäft.
(Bei der Gesundheitsreform läuft es ganz genauso ab.)

Mit Klick die Kennkarte von Fritz Koch ansehen    Suche weitere Einträge von Fritz Koch        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Matthias Dräger
17.11.2004 21.49
Diesen Beitrag ansteuern
Trööööööt - Porzellanladen voraus!

Frau Ahnen stellt sich vor die Rechtschreibreform, weil sie, wie alle Kultusminister, schon früher für die Rechtschreibreform war. Außerdem ist sie für das Allotria, weil alles andere sie politisch ihr sorgsam gehegtes Köpfchen kosten könnte.
Doris Ahnen und Gehard Schröder verstehen von Rechtschreibung oder gar erst der tollen Reform wohl kaum mehr als ein Elefant von Meißner Porzellan – doch halt, das geht vielleicht doch etwas zu weit: wissen sie nicht immerhin noch, wo die besten Porzellanläden sind?

Mit Klick die Kennkarte von Matthias Dräger ansehen    An Matthias Dräger schreiben   Suche weitere Einträge von Matthias Dräger        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
17.11.2004 19.53
Diesen Beitrag ansteuern
Bundestag wird aktiv

In Kürze wird sich der Bundestag mit der Rechtschreibreform befassen, und zwar aufgrund eines Gruppenantrags unter Federführung der FDP-Fraktion. Diese hat ihren eigenen Antrag, der die Rücknahme der ganze Reform verlangt, schon vor einiger Zeit beschlossen. Die Unionsfraktion berät über ihren nicht ganz so weit gehenden, aber doch erfreulich klar formulierten Antrag am 22. November.
Man wagt kaum zu hoffen, daß die Abgeordneten aller Parteien diesmal ihrer Einsicht und nicht der Parteiräson folgen mögen.
Was der SPIEGEL gerade über Schröder und Ahnen berichtet, ist ja wieder mal unerfreulich genug. Frau Ahnen gibt sich immer schamloser als das Sprachrohr der Schulbuchverleger zu erkennen. Was geht sie als Kultusministerin das finanzielle Interesse dieser Wirtschaftsbosse überhaupt an?
__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
26.10.2004 03.28
Diesen Beitrag ansteuern
Bundeskanzler Schröder

Nicht nur im Bundeskabinett hat Schröder durch ein Machtwort die Rechtschreibdebatte beendet. Er hat auch einen entsprechenden Brief an Klaus Reichert, den Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, geschrieben, allerdings ohne durchschlagende Wirkung. Das Interesse der SPD an einer weiteren Durchsetzung der Reform ist aber innerhalb der DASD auch so vertreten (Eisenberg) und schlägt sich in der immer peinlicher werdenden Bereitschaft zum „Kompromiß" nieder. Man nennt das eine „konstruktive“ Haltung, auch wenn sie in ihren Auswirkungen höchst destruktiv ist.
__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
18.10.2004 15.11
Diesen Beitrag ansteuern
Komische Leute

Der neue „Rat für deutsche Rechtschreibung“ soll nach Kultuminister Schreier eine Art „Académie Francaise“ werden. Das berichtet der SPIEGEL heute in einem informativen Beitrag auf S. 50. Anscheinend wollte Schreier keinen Witz machen, obwohl das Saarland nahe Beziehungen zu Frankreich hat.

Nun, welche Verdienste sind es denn, um derentwillen die Verbandsvertreter in den Olymp berufen werden? Kann man sich diese Gestalten ansehen, ohne in homerisches Gelächter auszubrechen?
__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
17.10.2004 08.07
Diesen Beitrag ansteuern
Die Partei, die Partei ...

Friedrich Merz hat noch den Frankfurter Appell unterschrieben, als wir ihm auf der Buchmesse zufällig über den Weg liefen, aber da muß er schon gewußt haben, daß er den Bettel hinwerfen würde. Nun ist es also wieder Schäuble ... Die Unionsfraktion hat ihren „Zuchtmeister“ wieder, was ja alle Fraktionen so unbegreiflich lieben.

Schauen wir uns um: Bei der SPD hat Müntefering die Rechtschreibdiskussion mit einem Machtwort beendet, im Kabinett der Bundeskanzler Schröder höchstpersönlich. In der Union hat Schäuble schon vor Jahren diesen Dienst am Vaterland bzw. am VdS Bildungsmedien geleistet. Bei den Grünen ist es Joschka Fischer, der zwar nicht das geringste von der Rechtschreibreform versteht und sich auch nicht dafür interessiert, aber innerhalb der Fraktion dafür gesorgt hat, daß kein Zweifel am Machtanspruch des Staates aufkommt. Gerald Häfner wurde weggebissen, Antje Vollmer, die kürzlich wohl nicht recht wußte, wo es nach Fischer langgeht, ist gleich wieder still geworden.

Bleibt nur die FDP. Aber sehr mutig ist sie auch nicht, und Westerwelle ist weder der Mann noch hat er die Position, einen Standpunkt zu vertreten.


__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
margel
27.09.2004 15.43
Diesen Beitrag ansteuern
"Angesichts der Machtverhältnisse"...

...bekommt dann einen ganz neuen Sinn

Mit Klick die Kennkarte von margel ansehen    Suche weitere Einträge von margel        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
27.09.2004 13.12
Diesen Beitrag ansteuern
Wagenburg KMK - Weiter so!

Der „Rat“ (über dessen Besetzung ich im Rechtschreibforum erste Betrachtungen anstelle, ist nach dem internationalen Arbeitskreis, der zwischenstaatlichen Kommission und dem Beirat nun schon das vierte Gremium, das sich mit derselben Sache befassen soll. Das Ziel ist unverändert: die Durchsetzung der von Augst und anderen entworfenen Sprachänderung. Noch nie hat die KMK so deutlich erklärt, daß sie „kritische Stimmen“ lediglich als schönen Schein zulassen will. Wer wird so ehrlos sein, sich dafür herzugeben?

Unter diesen Umständen wird es höchste Zeit, daß verantwortungsvolle Zeitungsleute die Notbremse ziehen. Auch Ministerpräsident Wulff tut das Richtige. Nur ein Schuß vor den Bug kann diese anmaßende Clique von Kultusbürokraten noch zur Vernunft bringen – oder zu Fall, wenn es denn sein muß. Es wäre ausgesprochen schön und historisch sinnvoll, wenn die KMK wegen der Rechtschreibreform zerbräche.

Das allgemeine Gezeter beweist, daß Wulff auf dem richtigen Weg ist. Eine Institution wie die KMK hat nicht nur Pöstchen zu vergeben und Probleme zu lösen, die es ohne sie nicht gäbe, und verteidigt sich daher wie jede Behörde mit Zähnen und Klauen, sondern es sind über die Jahrzehnte hin auch wertvolle Kontakte aufgebaut worden. Lobbies wie die der Schulbuchverleger wissen ganz genau, an wen sie sich wenden müssen, um ihre Interessen zu wahren. Das soll nun alles zerbrechen und wieder neu aufgebaut werden?

__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Detlef Lindenthal
27.09.2004 04.26
Diesen Beitrag ansteuern
Affenrepublik

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Elke Philburn
Zitat:
„Die Diskussion um die Rechtschreibreform muss möglichst schnell beigelegt werden.“
Die Forderung nach „Beilegung“ oder „Beendigung“ der Diskussion, wie sie in den letzten Wochen verlautete, erstaunt mich immer wieder. Kann man überhaupt eine Diskussion „beilegen“? Und seit wann ist es Grundlage demokratischer Entscheidungen, die Diskussion um einen strittigen Punkt zu „beenden“, anstatt das Problem beim Schopf zu packen?

Soll das unser Vorbild sein?
Liebe Frau Philburn,

die sogenannten Reformgegner waren und sind fast ausschließlich darauf bedacht, die Deutungshoheit bei den Reformbetreibern zu belassen.
Das ist wegen und wie in der Schule: Frontalunterrichtend bestimmt die Lehrerin, worüber zu reden ist, und alle halten sich daran, denn sonst würde die Lehrerin nervös werden. Weder Schulkinder noch Lehrer haben andere Verhaltensmuster eingeübt – kein Platz für freie Rede! Denken darf nur sehr eingeschränkt stattfinden: Wie sage ich etwas, wofür ich von der Lehrerin keine Mecker bekomme? Aus Schülern werden Bürger und Politiker, und an Verhaltensmustern besitzen sie vor allem das, was sie in der Schule gelernt haben.

Daher, liebe Frau Philburn, wundern wir uns doch bitte nicht über den Zustand unseres Gemeinwesens und über seine Gesprächskultur und die Argumentations- und Gehorsamsmuster. Seit Adolf selig hat sich in dieser Affenrepublik nichts gebessert, weil die Menschen nicht besser ausgebildet wurden durch ihre Lehrer, die es selbst nicht besser gelernt hatten.
__________________
Detlef Lindenthal

Mit Klick die Kennkarte von Detlef Lindenthal ansehen    An Detlef Lindenthal schreiben   Suche weitere Einträge von Detlef Lindenthal        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Elke Philburn
26.09.2004 22.23
Diesen Beitrag ansteuern

Zitat:
„Die Diskussion um die Rechtschreibreform muss möglichst schnell beigelegt werden.“

Die Forderung nach „Beilegung“ oder „Beendigung“ der Diskussion, wie sie in den letzten Wochen verlautete, erstaunt mich immer wieder. Kann man überhaupt eine Diskussion „beilegen“? Und seit wann ist es Grundlage demokratischer Entscheidungen, die Diskussion um einen strittigen Punkt zu „beenden“, anstatt das Problem beim Schopf zu packen?


Soll das unser Vorbild sein?
__________________
http://www.vrs-ev.de/

Mit Klick die Kennkarte von Elke Philburn ansehen    An Elke Philburn schreiben   Visit Elke Philburn's homepage!   Suche weitere Einträge von Elke Philburn        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Elke Philburn
26.09.2004 22.07
Diesen Beitrag ansteuern

Es ist schade, daß Solf nicht besser vorbereitet war. Er machte es seinen Diskussionsgegnern leicht, die reformkritischen Argumente ins Lächerliche zu ziehen. Daß die Reformbefürworter zum x-ten Mal die sattsam bekannten Märchen von den Vorteilen der Reform herunterbeten („vieeel leichter“, „vieel weniger Regeln“), hätte man von vornherein durch Nennung von Fakten (z. B. Umfang des Regelwerk, Untersuchung von Marx usw. usf.) unterbinden können.
__________________
http://www.vrs-ev.de/

Mit Klick die Kennkarte von Elke Philburn ansehen    An Elke Philburn schreiben   Visit Elke Philburn's homepage!   Suche weitere Einträge von Elke Philburn        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theo Grunden
26.09.2004 18.07
Diesen Beitrag ansteuern
CDU im NRW-Landtag

Nachhilfe für Rot-Grün
So geht das nicht mit der Rechtschreibreform!


Rede von Michael Solf MdL vor dem Landtag Nordrhein-Westfalen, gehalten am 23. September 2004

(Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede,

ein guter Pädagoge gibt keinen Schüler auf – niemals! Weil wir seitens der CDU-Fraktion dieser Maxime von ganzem Herzen folgen, stimmen wir dem vorliegenden Antrag im Wesentlichen zu. Verstehen wir ihn doch als eine Art Sonderförderung für die Landesregierung. Der Antrag soll es ihr ermöglichen, der Diskussion um die Rechtschreibreform in unserem Land besser folgen zu können. Und er tut das auch pädagogisch recht geschickt. Denn er verzichtet weitgehend darauf, die zu Fördernden aggressiv mit ihren mangelhaften Leistungen zu konfrontieren. Vielmehr geht er in guter sokratischer Tradition den Weg, die zu Belehrenden durch Fragen in die richtige Richtung zu leiten. Wenn diesem überaus bewährten pädagogischen Prinzip der neudeutsche Name „evaluieren“ aufgestülpt wird, so mögen Sprachpuristen dies bedauern. Sei’s drum. Weil die Richtung stimmt, will ich auch nicht lange über die Vielzahl sich dadurch selbst entwertender Superlative im Antrag weinen und mich auch nicht über den ein wenig holzschnittartig geratenen Schlußsatz grämen, der das Papier im lichten Ideengebäude der liberalen Weltanschauung verorten möchte. Ich setze ganz einfach den Leitgedanken meiner Fraktion zu dieser unheiligen Reform dagegen, der da lautet: „Prüfet alles und – nur – das Gute bewahret!“ (1 Th. 5, 21)

Schon vor zwei Jahren habe ich hier beschrieben, warum die Rechtschreibreform, so wie sie ist, blödsinnig ist. Ich habe damals gefleht, die Landesregierung möge doch bitte ergebnisoffen in eine vorurteilsfreie Überprüfung eintreten. Ich habe von Sprachästhetik und Sprachtradition gesprochen. Die Rechtschreibreform hat die gewachsenen Merkwürdigkeiten durch konstruierte Merkwürdigkeiten ersetzt. Die Kuriositäten, die da von Sprachplanern und Kultusbürokraten ausgebrütet wurden, sind Ihnen alle bekannt. Und die Hybris dieser Vordenker auch. Und was noch schwerer wiegt: Die Menschen in unserem Land wollen das Monster nicht. Das gilt nicht nur für die der Landesregierung leider wesensfremden Sprachkritiker wie Walter Jens oder Marcel Reich-Ranicki. Es gilt für Literaten wie Günter Grass und Martin Walser, es gilt für die meisten Journalisten, und es gilt auch für die Basis, für die Menschen, die im Alltagsleben schreiben. Und der vermeintlich emanzipatorische Ansatz, der die alte Rechtschreibung zur Geheimwissenschaft sinistrer Eliten und die neue Rechtschreibung zum luziden, für jeden Menschen leicht erlernbaren Verständigungssystem erklärt, ist vollends irrsinnig. Sprachbeherrschung in Wort und Schrift ist auch mit Hilfe der neuen Rechtschreibung nur dem zugänglich, der lernt, übt und immer wieder übt. Rechtschreibung war nie leicht und wird nie leicht sein. Die durchgepeitschte Rechtschreibreform ist eben auch so ein zu Gold emporgeredetes Jahrhundertwerk, das sich im Säurebad der Praxis als Blech erwiesen hat. Die Sinnverzerrungen sind schräg, schief und peinlich.

All das liegt auf der Hand. Aber unser rot-grüner Problemschüler begreift es nicht. Das ist wohl nicht in seinen intellektuellen Fähigkeiten begründet. Aber ich mache bei ihm drei Lernblockaden aus: Zunächst einmal konstatiere ich eine faszinierende Autoritätsgläubigkeit nach dem Motto „die Reform-Kommission hat festgestellt“. So etwas hätte ich unserem Schüler, der sich längst in der postpubertären Entwicklungsphase befindet, nicht zugetraut. Die zweite Lernblockade folgt aus einer fast noch erstaunlicheren Basisferne. Unser rot-grüner Schüler ist doch – so jedenfalls hört man es – basisdemokratisch sozialisiert worden. Warum will er dann nicht hören, was die Menschen in unserem Land wollen? Und drittens schließlich blockiert sein erstaunliches Trotzköpfchen jeden Erkenntnisfortschritt. Was scheren ihn alle Vermittlungsversuche der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, wenn sein aufgepumptes Ego nicht in der Lage ist, gemachte Fehler einzugestehen? Ich wage nicht zu beurteilen, ob dies aus einem mangelnden Selbstvertrauen erwachsen oder ob es angeboren ist. In jedem Fall schadet es.

Vor diesem Hintergrund kann ich unseren Bemühungen um ein rot-grünes Weiterkommen in Sachen Rechtschreibung nur ein finsteres Ende voraussagen. Sokrates hin, Sokrates her – auch dieser Antrag wird wieder abgelehnt werden. Wir werden uns am Ende einzugestehen haben, daß der rot-grüne Schüler nicht nur etwas Wichtiges nicht begreift, sondern daß er auch nicht lernen will. Leider – und das ist das Tragische – verhält er sich nicht nur beim Thema Rechtschreibreform so, sondern auf den meisten anderen Politikfeldern auch. Im Mai gibt’s Zeugnisse. Für seine Zukunft sehe ich schwarz!

Mit Klick die Kennkarte von Theo Grunden ansehen    An Theo Grunden schreiben   Suche weitere Einträge von Theo Grunden        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Fritz Koch
26.09.2004 18.01
Diesen Beitrag ansteuern
Wichtigere Probleme

Wenn ganz Deutschland wichtigere Probleme hat als eine grammatisch richtige Rechtschreibung,
dann haben auch die Schüler wichtigere Probleme, als richtig zu schreiben,
und dann haben auch die Lehrer wichtigere Probleme, als den Schülern deswegen schlechte Noten zu geben.
Herr Blüml von der Rechtschreibkommission meint jedenfalls, man dürfe das alles nicht so eng sehen. Die Schüler sollen sich auf ihn berufen.

Mit Klick die Kennkarte von Fritz Koch ansehen    Suche weitere Einträge von Fritz Koch        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Theodor Ickler
26.09.2004 16.01
Diesen Beitrag ansteuern
Die Grünen und die Rechtschreibreform (Neufassung 28.9.04)


Im Sommer 2004 erhob mit Antje Vollmer eine grüne Politikerin ihre Stimme gegen die Rechtschreibreform. Sie verlangte im September sogar, die Kultusminister müßten sich bei den Schülern für die Reform entschuldigen. Das ist gewiß richtig, trifft aber auch auf die Grünen selbst zu. Sie haben sich seit 1996 immer und überall für die Durchsetzung der Rechtschreibreform ausgesprochen.
In der Bundestagsdebatte über die Rechtschreibreform vom 18.4.1997 ließ die Fraktion der Grünen nicht den einzigen sachkundigen Mann, Gerald Häfner sprechen, sondern Helmut Lippelt, der später auch die Kampfschrift „Widerworte. 'Lieber Herr Grass, Ihre Aufregung ist unbegründet' – Antworten an Gegner und Kritiker der Rechtschreibreform“ im Bonner Presseclub vorstellte, die der AOL-Verlag an alle Bundestagsabgeordneten verteilen ließ. (Häfner kam auf Antrag eines FDP-Abgeordneten doch noch zu Wort und sagt in drei Minuten, was zu sagen war.) Im gleichen Sommer meldete die Presse:
Im Streit um die Rechtschreibung sprachen sich die Grünen im Bundestag gegen einen Reformstopp aus. Deutschland habe wichtigere Probleme als die Frage, ob Thunfisch künftig auch ohne „h“ geschrieben werden könne. (dpa 21.6.1997)
Während einer Anhörung im Rechtsausschuß des Bundestages erklärte der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, die Amtssprache müsse der Schulorthographie folgen; er trat auch bei anderen Gelegenheiten für die Rechtschreibreform ein.
Als die FAZ zur bewährten Rechtschreibung zurückkehrte, „warf Grünen-Chef Kuhn den Kritikern 'Effekthascherei' vor.“ (NRZ vom 29.7.2000)
Die neue Rechtschreibung habe sich in der Gesellschaft und 'besonders an den Schulen' schnell durchgesetzt. Die neuen Regeln seien für die Kinder leichter zu begründen und ließen sich in Zweifelsfällen einfacher ableiten. Es mache keinen Sinn, wegen einer „fröhlichen Sommerloch-Diskussion'" die gelungene Reform in Frage zu stellen, betonte Kuhn: „Es ist nicht einzusehen, dass Kinder, Eltern und Lehrer jetzt durch eine Diskussion verunsichert werden sollen, die überflüssig ist wie ein Kropf.“
Als der Landtag von Schleswig-Holstein den Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform annullierte, stimmte auch die Fraktion der Grünen zu, wenn auch mit Bedenken wegen des undemokratischen Verfahrens. Sie glaubte jedoch im Interesse der Schüler nicht anders handeln zu können. (Einzelheiten im Protokoll zur 93. Plenarsitzung vom 15.9.1999)
In Bayern vertraten die Grünen genau denselben Standpunkt wie Kultusminister Zehetmair. Petra Münzel erklärte schon in der Landtagsdebatte am 27.10.1995:
Mit dieser Rechtschreibreform werden viele Ungereimtheiten der deutschen Rechtschreibung, die den Schulkindern immense Schwierigkeiten bereiten und auch von Erwachsenen regelmäßig nicht beherrscht werden, ausgeräumt. Die Rechtschreibung soll also für die, die schreiben, leichter sein, ohne daß sich Nachteile für die Lesenden daraus ergeben. Ein lohnendes Ziel. Meiner Auffassung nach ist dies durchaus gelungen.
Gleichzeitig verriet die bildungspolitische Sprecherin der Grünen vollkommene Unwissenheit über den Gegenstand ihrer Rede. Am Schluß forderte sie den Minister unnötigerweise auf: „Sorgen Sie für eine baldige Umsetzung des Reförmchens.“ Kein Vertreter der Grünen außer Häfner ließ je eine genauere Kenntnis der Inhalte und Umstände der oktroyierten Sprachveränderung erkennen. Bei dieser Mischung von Ignoranz und obrigkeitlichem Durchsetzungswillen ist es bis heute geblieben. Die Bremer taz meldete am 10.8.2004:

Grüne: Weiter Delfin schreiben
Eine Kehrtwende bei der Rechtschreibreform würde Verwirrung und teure Folgekosten verursachen. Das sagte gestern die grüne Bildungspolitikerin Anja Stahmann. Allein für neue Schulbücher müsste Bremen einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben – Geld, das an anderer Stelle fehlen würde. „Wir brauchen dringend mehr Mittel für besseren Unterricht, beispielsweise für mehr Ganztagsschulen und Förderunterricht. Ich bin gegen eine Reform der Reform.“
Auf der Internetseite der Grünen in Hannover las man am 18.8.2004:
„Als gäbe es nichts wichtigeres (sic), wurde das Sommerloch zum Teil durch die neue Debatte um die Rechtschreibreform gefüllt. Über eine EU-Verfassung will man das Volk nicht abstimmen lassen, sehr wohl aber, ob es Portemonnaie oder Portmonee heißt. Wer nicht nur einfach mäkeln will, sondern auch sein eigenes Können testen will, findet einen kleinen Test unter ...“
Und die Grüne Jugend Niedersachsen meldete:
Chaos in der Schultüte
19.08.2004: (...) Die Grüne Jugend Niedersachsen (GJN) bedauert die Schülerinnen und Schüler, die nach der Sommerdiskussion um die Rechtschreibreform nicht mehr wissen, in welcher Rechtschreibung sie in Zukunft schreiben sollen. „Die Diskussion um die Rechtschreibreform muss möglichst schnell beigelegt werden.“ Sagt Josefine Paul für den Landesvorstand der GJN.
Zwar könnten sinnvolle Rücknahmen und Änderungen auch jetzt noch vorgenommen werden, die Diskussion um für und wider der gesamten Diskussion müsse im Interesse der SchülerInnen aber möglichst schnell vom Tisch, betont Paul. Grundsätzlich plädiert die GJN aber für ein Beibehalten der neuen, vereinfachten Rechtschreibung.
„Es darf nicht so weit kommen, dass zum Schulbeginn nur noch Chaos in der Schultüte zu finden ist und der Spaß am Lernen schon in der Grundschule verlorengehe, weil sich Politik und Verlage nicht einigen können, wie 'Schifffahrt' geschrieben werden soll.“
Wie die Bundespartei reduziert auch die Grüne Jugend das ganze Problem auf die immergleichen trivialen Beispiele (Tunfisch, Schifffahrt), die weit vom Kern der Reformkritik entfernt sind.

Am 17.9.2004 befaßte sich der niedersächsische Landtag mit einem Antrag der Grünen: „Deutsche Rechtschreibung konsequent weiter vereinfachen“. Die Abgeordnete Ina Korter setzte sich vehement für „die konsequente Umsetzung der beschlossenen Reform zum August 2005“ ein, wobei sie offenbar die bereits beschlossene Revision vom Juni 2004 gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Immerhin ließ sie auch die wirtschaftlichen Interessen der Schulbuchverlage nicht unerwähnt. Auf weitere Sicht will sie die „gemäßigte Kleinschreibung“ einführen, um das Deutsche „an europäische Standards anzupassen“. Solche Ideen waren vor gut dreißig Jahren besonders in GEW-Kreisen beliebt (vgl. Frankfurter Kongreß „vernünftiger schreiben“ 1973). Die gesamte Einlassung ist zwar sehr polemisch, zugleich aber von größter Oberflächlichkeit. Man hat seitens der Grünen offenbar nicht die mindeste Lust, sich gründlicher mit dem Gegenstand des milliardenteuren, pädagogisch und kulturpolitisch desaströsen Unternehmens zu beschäftigen.


__________________
Th. Ickler

Mit Klick die Kennkarte von Theodor Ickler ansehen    An Theodor Ickler schreiben   Suche weitere Einträge von Theodor Ickler        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Fritz Koch
26.09.2004 08.30
Diesen Beitrag ansteuern
Ich verrate nicht,

daß in der Südd. Zeitg. v. 25./26.9.04 im Feuilleton ein Bericht zur Rechtschreibung steht:
„Auf Länderebene, Mehrheit für Rechtschreibreform, Die überwiegende Mehrheit der Bundesländer will an der Rechtschreibreform festhalten. Auch soll an dem Termin für die verbindliche Einführung der neuen Schreibweisen an den Schulen zum 1. August 2005 nicht mehr gerüttelt werden. Dies wurde nach einem Treffen der Chefs der Länder-Staatskanzleien am Freitag in Elmau (Bayern) bekannt.“
(Auch schlechte Nachrichten müssen zur Kenntnis genommen werden.)

Für diese Politiker und Kultusminister findet man auf derselben Seite den passenden Namen aus der Schweiz der achtziger Jahre:

„Packeis“

Mit Klick die Kennkarte von Fritz Koch ansehen    Suche weitere Einträge von Fritz Koch        Edit/Delete Message    Reply w/Quote    IP: Notiz
Alle Zeiten sind MEZ    Dieser Faden ist 23 Seiten lang:    1  2  3 · 9  10  11  12   13  14  15 · 20  21  22  23  Neuen Faden beginnen     antworten
Gehe zum Forum:
< voriges Leitthema     nächstes Leitthema >

Benutzungs-Regeln:
Wer kann im Forum lesen? Jeder Gast / jeder angemeldete Nutzer.
Wer kann ein neues Leitthema oder eine Antwort eintragen? Jeder angemeldete, eingewählte Nutzer.
Einträge können von ihrem Verfasser geändert oder auch gelöscht werden.
HTML-Kennungen beim Eintragen erlaubt? AN. Schnuten erlaubt? AN. vB-Kennungen erlaubt? AN. Bilder-Einbindung mit [IMG] erlaubt? AN.

Maßnahmen der Verwaltung:
Leitthema öffnen / schließen
Leitthema umziehen lassen
Leitthema löschen
Leitthema ändern

Herausgeber · Schreiben Sie uns · Forum

Technik von: vBulletin, Version 1.1.4 ©Jelsoft Enterprises Ltd. 2000. Rechtschreibung.com – Nachrichten zur Rechtschreibfrage