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Unsere Politiker und die RSR
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Jörg Metes
24.02.2003 13.29
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Re: Abgang

Der damalige niedersächsische Kultusminster und Reformverfechter Rolf Wernstedt, das noch einmal zur Erinnerung, war im Oktober 1996 in einem Gespräch mit der dpa der Meinung, daß Orthographie ein Herrschaftsinstrument darstelle, mit dem wirklich Bedrückung betrieben werden kann.
Die Tradition, in der er damit stand und steht, hat Heide Kuhlmann in ihrer ausgezeichneten Arbeit Orthographie und Politik beschrieben.
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Jörg Metes

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Reinhard Markner
24.02.2003 12.07
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Abgang

»Durch die Eingangshalle des Niedersächsischen Landtags trägt ein ältere Mann einen Umzugskarton. Der Landtagspräsident höchstselbst müht sich da ab: Rolf Wernstedt räumt nicht nur das Präsidialbüro. Seine SPD hat bei den Landtagswahlen vor drei Wochen so miserabel abgeschnitten, daß für den Politikprofessor, der unter Ministerpräsident Gerhard Schröder Landeskultusminister war, nicht einmal mehr Platz ist als einfacher Abgeordneter in Hannovers hohem Haus.«
FASZ, 23. 2. 2003

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Michael Krutzke
11.02.2003 10.07
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Alt-Kanzler Schmidt

Die im Grundgesetz nicht begründete Einrichtung der sogenannten Kultusministerkonferenz versucht am laufenden Band, gemeinsame Regeln für ganz Deutschland zu schaffen. Paradebeispiel ist die Rechtschreibreform – ein großer Quatsch und völlig überflüssig.

Das sprach der Alt-Kanzler und Mitherausgeber der „ZEIT“ in einem Interview, das im Bremer Anzeigenblatt „WESER REPORT“ am 9.2.2003 veröffentlicht wurde. (Schmidt wurde zu einer Neuordnung der Bundesländer befragt.)


Helmut Schmidt
(Foto: spd.de)

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Michael Krutzke

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Wolfgang Scheuermann
11.02.2003 08.46
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Verheerend ... - mit Stoiber aus der PISA-Krise?

Heute auf der Startseite von „www.csu.de“:
„Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hat Bundes-
kanzler Gerhard Schröder (SPD) aufgefordert, das Veto gegen NATO-Planungen zum Schutz der Türkei unverzüglich zurück zu nehmen. Andernfalls drohe nach Ansicht des CSU-Vorsitzenden gewaltiger Schaden. Die Haltung der Bundesregierung sei ein verheerendes Signal ...“

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Dr. Wolfgang Scheuermann

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Theodor Ickler
16.01.2003 08.26
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Das fängt ja gut an!

Die neue KMK-Vorsitzende Karin Wolff (CDU, Hessen) fordert mehr Leistung von den deutschen Schülern. Als Vater von nicht unbegabten Kindern, die in der Schule an wenig einleuchtenden Lehrplänen und großer Konfusion (und Stundenausfall, auch in Bayern!) mehr leiden als an zu hohen Leistungsforderungen, kann ich nur sagen: Müssen nicht auch und zuallererst die Kultusminister mehr leisten? Ist es zuviel verlangt, daß sie sich von der längst als mißlungen erkannten Rechtschreibreform lösen? Aber von Selbstkritik findet sich bei Wolffs Einstand keine Spur. In Hessen setzt sie vermutlich um, was Stillemunkes und ähnliche Geistesriesen ihr vorgeben.
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Th. Ickler

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Theodor Ickler
05.12.2002 07.57
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Connections

Einem Bericht in der heutigen FAZ zufolge ist das NRW-Projekt „Schule & Co“ gescheitert. Die Veranstalter selbst waren im Sommer noch hell begeistert. Dem sei nun, wie ihm wolle, interessanter ist der Hinweis, daß dieses Projekt von der inzwischen entlassenen Schulministerin Gabriele Behler gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung geplant und von letzterer nicht nur gleitet, sondern teilweise auch finanziert wurde. D. h. es handelt sich um eine Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung, die ja einen großen Teil der deutschen Schul- und Hochschulpolitik betreibt. Behler war als damalige KMK-Vorsitzende unsere Prozeßgegnerin in Karlsruhe.
Gibt man bei Google „Behler“ und „Bertelsmann-Stiftung“ ein, stößt man auf interessante Verbindungen.
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Th. Ickler

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Theo Grunden
03.12.2002 23.34
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Erneuter Versuch

Schlußteil der Rede des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion,
Bernhard Recker MdL
am 21. November 2002

„Kultusministerkonferenz handlungsfähig machen“

(...)
Wir müssen heute feststellen, dass an die Stelle von Standards, die eine einheitliche Schreibung verbindlich machen, Wildwuchs pur getreten ist. Jeder schreibt, wie er will.
PISA hat auf schwerwiegende Schreib- und Leseschwächen hingewiesen – ebenso auf die nicht minder geringeren Folgen dieser Schwächen für den Lernerfolg in anderen Fächern. Es ist doch unstrittig, dass das Erlernen der deutschen Sprache einen deutlich höheren Stellenwert erhalten muss. Das kann ich nicht erreichen, wenn Kinder immer wieder Texte in unterschiedlicher Schreibweise kennen lernen, sei es in der Schule oder in den Medien. Das kann ich auch nicht erreichen, wenn Beliebigkeit die Messlatte in der Rechtschreibung ist. Und darum ist ein verbindliches und einheitliches Regelwerk notwendig.
Wenn es mit der Schriftsprache nicht mehr so genau genommen wird, wer will es Schülern verdenken, wenn sie auch an andere Herausforderungen mit Beliebigkeit herangehen.
Statt die Rechtschreibung zu vereinfachen und die Einheit der deutschen Sprache zu wahren, trägt das Reformwerk immer offenkundiger zur Gefährdung dieser Einheit bei. Und das ist nicht nur eine unverbindliche Begleiterscheinung der Übergangsphase bis 2005. Von Beginn an musste nachgebessert werden – und ein Ende ist nicht absehbar. Mir wird Angst und Bange, wenn ich dem Bericht entnehmen muss, dass weiterhin experimentiert werden soll und man jetzt erst damit beginnen will, neue Methoden der Vermittlung zu entwickeln und neue didaktische Modelle zu erstellen. Und ich habe kein Verständnis dafür, dass die Kommission sich nach fast sechsjähriger Erprobung lediglich zwischen Pro und Contra bewegt, nicht einen konkreten Änderungsvorschlag einbringt, und dieses erst in drei Jahren in Aussicht stellt.
Diesen völligen Wirrwarr, diese totale Beliebigkeit in der Rechtschreibung noch mindestens drei Jahre und mehr zu dulden – um dann evtl. zu wieder neuen Überlegungen zu kommen, bis zur Wiederzulassung von Schreibweisen, die vor der Reform zulässig waren – das ist nicht hinnehmbar.
Die gegenwärtigen Rechtschreibverwirrungen gehören schnellstens klargestellt. Eine schonungslose Analyse, die wir mit unserem Antrag einfordern, ist dringend notwendig. Einige wenige Teile der Reform haben sich durchgesetzt, andere gehören schnellstens korrigiert, bevor der Schaden noch größer wird. Wir fordern, die Sprachverwirrung so schnell wie möglich zu beenden – und daher eine objektive Erfolgskontrolle.
Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus einem Brief, den mir ein Professor aus Kreuztal übersandte: „Wie man eine Sprache schreibt, lernt man aus der Lektüre vorbildlicher Texte. An dem Prinzip kann auch die künstliche Rechtschreibreform nichts ändern. In Frankreich oder in den angelsächsischen Ländern würde man nicht auf den Gedanken kommen, anders zu verfahren. Eine kultivierte deutsche Orthographie wird erst wieder allgemein üblich werden, wenn der Fehlgriff von 1996 restlos zurückgenommen wird. Das bedeutet nicht, die Haarspalterei der Dudenredaktion wieder in ihre alten Rechte einzusetzen. In einigen Bereichen der Rechtschreibung sind Varianten die natürlichste Sache der Welt. Für die Kultusminister sollte es nicht schwierig sein, diese Tatsache in einer „Toleranzregel“ anzuerkennen. Mehr benötigt die Schule nicht.“

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Norbert Schäbler
06.11.2002 22.31
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103 Tage Gefängnis

Ist das eigentlich reversibel – das mit dem Chancengeben?

Ganz schön traurig unsere Demokratie.
Die Gewalten sind weniger denn je verteilt.

Trauern wir – gemeinsam mit Monika Hohlmeier – um Augstein!



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nos

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J.-M. Wagner
06.11.2002 17.54
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sehr bezeichnend

Zitat:
Aus dem Vorwort von „Die Rechtschreibreform: Pro und Kontra“, hrsg. von H.-W. Eroms und H. H. Munske; 1997 (hier: S. 9)
Bei der Einladung zu diesem Band haben sich die Herausgeber um ein ausgewogenes Verhältnis von Pro und Kontra bemüht. Nicht jeder der Angesprochenen konnte sich kurzfristig beteiligen, mancher wollte es auch nicht. Wir bedauern vor allem einige Absagen aus den Ministerien und dem Kreis der Verfasser des neuen Regelwerkes; sie mochten sich an einer Debatte über die schon beschlossenen Regeln nicht beteiligen.
Und dies 1997, also noch während der, ich nenne diese Zeit mal so, „Vorlaufphase“ der Reform, welche ja lt. Wiener Absichtserklärung erst Mitte 1998 in Kraft treten sollte. Aber beschlossen ist beschlossen, und also führt kein Weg mehr daran vorbei.

Es kommt mir nicht nur die "Übergangszeit“ von 1998 bis 2005 wie ein Hohn vor, auch die Vorlaufphase erscheint damit völlig überflüssig. Hier wird besonders deutlich, was an anderen Stellen gelegentlich anklingt: Diese Reform wurde ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt, durchgedrückt, und die Scheuklappen der „Verantwortlichen“ sind groß genug, um keiner wie auch immer gearteten Kritik eine Chance zu lassen.
(Man kennt das doch aus zwischenmenschlichen Verhältnissen: Wenn der eine dem anderen keine Chance geben will, dann hat er auch keine.)
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Jan-Martin Wagner

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Elke Philburn
03.10.2002 19.47
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Ein zu Hause

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Reinhard Markner
03.10.2002 10.48
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Ein möglicher Kandidat

Es reicht viel-leicht schon, Ul-äh-rich Wik-kert mit-zu-schnei-den. Der macht seit je-her hin-ter je-der Sil-be 'ne Pau-se, zwi-schen so und ge-nannt dürfte bei ihm schät-zungs-äh-weise 'ne hal-be Se-kun-de lie-gen.

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J.-M. Wagner
03.10.2002 10.39
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Re: Sprechpausen

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Martin Reimers
Was die Redeprotokolle betrifft, so ist die Lage wohl noch schlimmer, als Herr Scheuermann befürchtet. Ich habe jedenfalls den Eindruck, daß die Sprecher des NDR immer häufiger auf eine reformierten Aussprache verfallen.
Dokumentieren!!
(Aber wie? Kassettengerät in Aufnahmebereitschaft? Und dann bzw. danach? Jeden Tag eine E-Mail an die Redaktion? Hier sind noch Ideen und Konzepte gefragt... Wichtig ist das allemal!)
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Jan-Martin Wagner

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Wolfgang Scheuermann
01.10.2002 07.44
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Reiner Kunze und die Taliban

Wenn ein herausragender Autor wie Reiner Kunze derart verletzt ist, daß er aus dieser Verletztheit heraus zu einem so extremen Beispiel greift, so sollte man das meines Erachtens zunächst einmal als solches in großem Ernst und mit Respekt zur Kenntnis nehmen.
Liest man seine Denkschrift genau, so wird ja auch mehr als deutlich, woraus diese Verletzung resultiert. Es ist verständlich, denke ich, was ihn zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat.
Der einzige lebende Literatur-Nobelpreisträger eines Landes bezieht mehrfach – und vehement – Stellung gegen die geplante (und an den Schulen sogar schon ins Werk gesetzte) Zerstörung seines Handwerkszeugs – und es prallt einfach ab!
Man muß die Denkschrift Kunzes als Dokument der Verzweiflung verstehen und als Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses. Gibt es etwas, das daran nicht verständlich ist?

Ja sicher, das stupende Unverständnis des Kultusministers, mit dem er gesprochen hat.

Herr Melsa stellt hier sicher berechtigte taktische Überlegungen an, aber es sind eben „nur“ taktische Überlegungen. Ich bin Reiner Kunze dankbar, daß er in dieser Deutlichkeít öffentlich (und zitierbar! – natürlich nicht nur bezüglich der Taliban!) Stellung bezogen hat (obwohl er weiß, daß er durch dieses Büchlein endgültig aus den Schulbüchern verschwinden dürfte ... es sei denn, es käme zu der von ihm und den wohl meisten in diesem Forum erhofften Wende zur Vernunft).

Ich meine schließlich auch, daß eine umfassende Auswertung der Protokolle des 14. Bundestages generell wichtig ist – mit dem Ziel der Beantwortung folgender Fragen:

1. Weicht das Protokoll des Deutschen Bundestages von den „amtlichen“ Regeln des Neudeutschen ab? Wenn ja, worin (und weshalb)?

2. An welchen Stellen führt die Rechtschreibreform zu Veränderungen des protokollierten „gesprochenen Wortes“?

Und evtl. 3. An welchen Stellen hat die Rechtschreibreform bereits zu Veränderungen des „gesprochenen gesprochenen“ Wortes geführt?

(Die Redemanuskripte Edmund Stoibers, die jeweils im Internet veröffentlicht worden waren, hätte ich stellenweise nur noch mit einiger Konzentration richtig vortragen können.)

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Dr. Wolfgang Scheuermann

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Martin Reimers
30.09.2002 16.54
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Sprechpausen

Sicher hat Herr Melsa recht, wenn er einige überzogene Äußerungen zurechtgerückt. Auch als Reformgegner sollte man die Kirche im Dorf lassen (bzw. die Taliban in Afghanistan).

Die Worttrennungen allerdings (die natürlich nicht immer mit den Sprechpausen korrelieren) sind allerdings auch dann ärgerlich, wenn sie nicht zu groben Mißverständnissen führen. Je anspruchsvoller ein Text gehalten ist, desto größer ist die Zahl der semantischen Nuancen, die bekanntermaßen zum Teufel gehen. Und je genauer er gelesen wird, desto weniger wird das Raten über das Gemeinte (oder Angedeutete) zum Extremfall.

Was die Redeprotokolle betrifft, so ist die Lage wohl noch schlimmer, als Herr Scheuermann befürchtet. Ich habe jedenfalls den Eindruck, daß die Sprecher des NDR immer häufiger auf eine reformierten Aussprache verfallen.


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Martin Reimers

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Christian Melsa
30.09.2002 16.05
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Manöverkritik

Daß man jeden schriftlichen Leerschritt als Sprechpause hören müßte, halte ich für eine etwas problematische Behauptung. Auch daß selbstständig aufgeschrieben wird, obwohl nicht wirklich so ausgesprochen wurde, kann man schwerlich als sinnverfälschend anklagen. Auf dieser Ebene die Reform zu kritisieren, führt letztendlich zu unhaltbaren Positionen. Die Redeprotokolle verzeichnen schließlich auch nicht jede Abschleifung und jedes Nuscheln. Viele Leute sagen Kunstoff (bzw. Kunschtoff) zu Kunststoff. Oder nich statt nicht usw. Entscheidend ist doch vielmehr, daß die vermehrte Getrenntschreibung Sinnzusammenhänge nicht mehr so augenfällig darstellt. Das zwingt zwar nur im recht seltenen Extremfall tatsächlich zum Raten über das Gemeinte, dieser Fall kommt aber dennoch eben auch vor; man kann eine Rechtschreibänderung mit solchen Merkmalen schon zu Recht als mangelhaft bezeichnen. Die syntaktischen Beziehungen sind nicht mehr so lesekomfortabel verschriftet. Natürlich muß jedem klar sein, der kurz über den Inhalt eines Satzes mit Hand voll nachdenkt, in dem eigentlich Handvoll gemeint ist, daß hier von keiner konkreten Hand die Rede ist (selbst wenn gar nicht geredet wird, sondern das nur geschrieben steht). Es steht wohl kaum zu befürchten, daß jemand, der diese Redepassage Angela Merkels liest, glaubt, da gehe es um eine Hand, die die Welt bedrohe, und diese Hand sei voll Interessen (kann man die überhaupt greifen?) usw. Daher ist es unangemessen, von einer „Fälschung“ zu sprechen, denn eine Fälschung ist erst dann eine Fälschung, wenn sie von sich aus zur Täuschung geeignet ist (wie bei einem gefälschten Geldschein oder Gemälde, der/das für echt gehalten wird). Man kann höchstens von einer Verfälschung sprechen, doch auch das ist noch etwas schrill. Treffender wäre es, die Sache als Lesehindernis zu bezeichnen. Das Problem bei Hand voll entsteht ja eigentlich dadurch, daß es Handvoll bereits gegeben hat bzw. gibt, und ein Kenner dieses Wortes der Getrenntschreibung reflexartig einen besonderen Grund beimißt. Sprachentwicklung sollte eben nicht rückgängig gemacht werden. Rückgängigmachung der Rückgängigmachung wäre dagegen wieder ein Fortschritt (noch mal für die liebe Frau Dr. Menges, die diese Erkenntnis erstaunlich hartnäckig verweigert, muß ich schon sagen).

Man tut der so berechtigten wie notwendigen Widerstandsbewegung gegen die sogenannte Reform mit überzogenen Vorwürfen aber keinen Gefallen. Der psychologische Effekt einer beispielig ausgewählten Redepassage, die sich mit (vermeintlich) antijüdischen bzw. antiamerikanischen Attitüden auseinandersetzt – gesellschaftlich schon für sich genommen sehr schwierige Angelegenheiten –, ist nämlich der mehr oder weniger unterschwellige Eindruck, es solle damit behauptet werden, Aussagen dieses Themenkreises würden durch die Neuschreibungen brisantest verfälscht, was hier aber natürlich nicht der Fall ist. Aus einem ähnlichen Grund halte ich die Verwendung des Begriffs „Taliban“ in der Überschrift von Herrn Genzmanns Frustexplosion für unangebracht; so schlimmen Quatsch die KMK auch im Laufe der Jahre verbrochen haben mag, es ist völlig absurd, im Umkehrschluß geradezu brutal verharmlosend, die Truppe auch nur in Sichtweite zu dem afghanischen Schreckensregime zu rücken, eigentlich BILD-Niveau. Genau diese zweifelhaften Beispiele und Kampfbegriffe sind es dann, die von den Reformbefürwortern herausgepickt werden, um die Reformkritiker als kleinkarierte Aufbauscher hinzustellen. Man braucht die Reform jedoch nur an dem Anspruch zu messen, mit dem ihre Verantwortlichen selbst sie antreten lassen, um zu einem vernichtenden Urteil über sie zu kommen: Weder läßt sich eine Vereinfachung oder Begünstigung sinkender Fehlerquoten bzw. der Lernbarkeit nachweisen, noch ist die modifizierte Rechtschreibung systematischer als die bisherige. Nachweisen läßt sich vielmehr das Gegenteil. Dann kommen die semantisch-kommunikativ gelagerten Mängel und grammatischen Inkompatibilitäten noch hinzu. Aber mit solchen Kleinigkeiten wie angeblich fehlenden Sprechpausen in Bundestagsreden muß man sich doch eigentlich nicht abgeben. Das setzt an einer ungünstigen Stelle an. Warum mit der Stecknadel kämpfen, wenn man ein riesiges Schwert, ja ein ganzes Waffenarsenal hat?

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