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Dudenverlag
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Theodor Ickler
16.07.2001 12.55
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Feiner Unterschied

Frankreich gewinnt durch seine Mannschaft, schießt aber kein Tor durch sie und läuft auch nicht auf dem Rasen herum. Aber das Tor und der Sieg gehen an Frankreich.
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Th. Ickler

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Reinhard Markner
16.07.2001 10.38
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Darum nicht

Selbst wenn eine »Stellvertreterschaft« institutionell hergestellt wäre, so bliebe es doch eine französische Delegation, die auf dem Platz aufläuft, und nicht Frankreich selbst. Ähnlich bei den Hauptstädten, die gerne als Beispiele für Synekdochen herangezogen werden. Auch wenn Paris ganz offiziell als Hauptstadt Frankreichs festgelegt ist, so bleibt es doch dabei, daß von der französischen Regierung die Rede ist, wenn es in einer Meldung heißt : »Paris will Beziehungen zur Nato verbessern«.

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Theodor Ickler
15.07.2001 13.55
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Wieso denn nicht?

Ob jemand institutionell ein Stellvertreter ist oder nur vom Sprecher mit der rhetorischen Figur der Stellvertreterschaft bezeichnet wird, ist sehr wohl relevant. Wenn ich einen alten Text lese und mir allmählich die sachlichen Voraussetzungen bekannt werden, auf denen sein Inhalt beruht, dann verstehe ich den Text richtiger als vor dieser Aufklärung. Oder mit einem Beispiel aus einem Metaphernaufsatz von mir: Wenn jemand mir mitteilt, die Kartoffelknollen seien „Stengel“, könnte ich das für eine Metapher halten (und auf die grüne Farbe als Tertium comparationis zurückführen) – bis ich weiß, daß es wirklich Stengel sind und der Sprecher das auch gewußt hat. Die rhetorische Figur löst sich dann in nichts auf.
Wenn ich als tumber Tor zum erstenmal einem Fußballspiel beiwohne und meinen Nachbarn sagen höre: Frankreich gewinnt – dann könnte ich meinen, er habe eine rhetorische Figur gebraucht. Später erfahre ich, daß diese Stellvertreterschaft institutionell hergestellt ist, und damit löst sich die Synekdoche in Wohlgefallen auf.
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Th. Ickler

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Reinhard Markner
15.07.2001 12.02
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Sportorganisation

Die sogenannte »deutsche Fußball-Nationalmannschaft« ist genaugenommen eine Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes, einer Vereins-Dachorganisation. In anderen Staaten gibt es natürlich andere Regelungen, z. B. Sportministerien, die den Nationaltrainer einstellen usw.
Aber all das muß man doch nicht wissen, um zu entscheiden, ob eine Synekdoche eine Synekdoche ist (wo kommen wir da hin ?) ?!

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Theodor Ickler
15.07.2001 02.43
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Anders gemeint

Ich kenne mich in der Sportorganisation nicht so aus, meine aber, daß die Nationalmannschaft tatsächlich „für ihr Land“ spielt, und das ist keine sprachliche Angelegenheit.
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Th. Ickler

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Reinhard Markner
14.07.2001 20.46
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Rhetorische Nachfrage

„Wenn man Frankreich als Fußballweltmeister bezeichnet, benutzt man eigentlich keine „Synekdoche“, denn die Identifikation Frankreichs mit seiner Nationalmannschaft ist – Gott sei's geklagt! – bereits anderweitig hergestellt und wird nicht erst vom Sprecher als Redefigur eingeführt. "

Ich weiß nicht genau, worauf sich die Kritik bezieht, sie leuchtet mir aber jedenfalls nicht ein. Ich muß (als Sprecher oder Schreiber) doch nicht der Urheber einer Synekdoche sein, damit diese in meiner Äußerung als solche gelten kann, oder ?

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Theodor Ickler
14.07.2001 02.55
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feind

Wenn man sich noch einmal die komische Geschichte mit dem „Spinnefeind“ vor Augen führt, stößt man auf Erstaunliches.
Bekanntlich haben die Reformer insofern nachgegeben, als im neuesten Duden das Adjektiv „spinnefeind“ wiederhergestellt ist; also kein Rotdruck mehr. Allerdings sind „feind“ (jemandem feind sein) und „todfeind“ noch nicht im gleichen Sinne wiederbelebt, obwohl das aus denselben Gründen geschehen müßte.
Nun ist es aber besonders bezeichnend, daß der Duden früher durchaus korrekt ein auf beiden Teilen betontes „todfeind“ verzeichnete (wie „steinreich“ usw., was ja ebenfalls eine Steigerungsform ist und nicht etwa „reich an Steinen“ bedeutet). Der revidierte Reformduden von 2000 kennt aber nur noch „Todfeind“ mit einer einzigen Betonung auf dem Vorderglied und vermerkt zu „jmdm. Todfeind sein“, die alte Schreibung sei „todfeind“ gewesen. Das ist aber falsch, denn den „Todfeind“ gab es schon immer, da hat sich gar nichts geändert. Aber wo ist "'tod'feind“ geblieben? Offenbar verschwunden, vom Duden verleugnet. Das ist der eigentliche Skandal, denn diese Leute wissen genau, was sie tun.
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Th. Ickler

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Theodor Ickler
13.07.2001 05.08
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Newsletter

Die Duden-Rundbriefe (Newsletters), die man kostenlos abonnieren kann (und sollte), sind jedesmal eine Quelle der Freude. Heute zum Beispiel geht es u. a. um die Rhetorik. Dabei wird auch ein gewisser „Quintillian“ erwähnt, der allerdings herkömmlicherweise als „Quintilian“ bekannt ist. Wahrscheinlich ein Neuschrieb in Augstscher Anlehnung an „Quintillion“. – Auch sachlich sind die Ausführungen bedenklich. Wenn man Frankreich als Fußballweltmeister bezeichnet, benutzt man eigentlich keine „Synekdoche“, denn die Identifikation Frankreichs mit seiner Nationalmannschaft ist – Gott sei's geklagt! – bereits anderweitig hergestellt und wird nicht erst vom Sprecher als Redefigur eingeführt.

Ich habe die Redaktion bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf hingewiesen, daß in der skurrilen Beispielsammlung zur neuen Rechtschreibung (www.duden.de) zu Unrecht „Erholung suchend“ nur als Vorzugsvariante angegeben ist. In Wirklichkeit ist „erholungsuchend“ überhaupt nicht mehr zulässig. Das gilt natürlich auch für die Druckfassung des neuesten Duden, wo unbegreiflicherweise, aber sicher in Abstimmung mit der Kommission das verbannte Wort wiedereingeführt ist. Der neue Bertelsmann hat es allerdings noch nicht, ist aber auch ein Jahr früher erschienen.
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Th. Ickler

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Wolfgang Scheuermann
10.06.2001 14.12
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Weil ich hatte keine Zeit

„Auch in der Dudengrammatik wurde diese Veränderung zunächst lange Zeit ignoriert (noch in der 4. Aufl. 1984; § 1235) und schließlich negativ bewertet, so beispielsweise bei der Beantwortung einer Anfrage zu dieser Thematik aus dem Jahr 1991 (vgl. Günthner, S. 56, Anm. 2). Mit dem Hinweis, dass die »mit weil eingeleiteten Sätze Nebensätze« seien und deshalb »das Zeitwort wie bei allen mit einem Bindewort (einer Konjunktion) eingeleiteten Nebensätzen am Ende stehen« müsse, wurde diese Umkonstruktion von der Dudenredaktion zu dieser Zeit noch als »nicht korrekt« eingestuft (Duden – Sprachtipps. Hilfe für den sprachlichen Alltag, 1989, S. 387 f.).“
Aus einem Aufsatz der Duden-Mitarbeiterin Angelika Haller-Wolff, erschienen im „Sprachspiegel“ 3/99; jetzt unter „www.duden.de“.
„Sprachtipps“ aus dem Jahre 1989? Der Dudenverlag wendet offenbar die Orwell-Taktik auch gegen sich selbst an.


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Dr. Wolfgang Scheuermann

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Reinhard Markner
01.06.2001 09.27
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Rally

Die Schreibweise „rallye“ ist im Englischen nur (und nicht obligatorisch) für die Bedeutung »Querfeldein-Autorennen« gebräuchlich. Inzwischen findet sich auf den deutschen Finanzseiten auch die »Rally« (Anziehen der Kurse nach einer Flaute), die im Englischen immer ohne e geschrieben wird, im Deutschen mal so, mal so, weil man die orthographischen Verhältnisse in der Herkunftssprache nicht durchschaut.

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Theodor Ickler
31.05.2001 13.34
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Newsletterrally

Bekanntlich versendet der Dudenverlag einen kostenlosen „Newsletter“ (was für einen deutschen Sprachdienst schon bemerkenswert genug wäre; das Wort steht nicht einmal im Rechtschreibduden), aber darüber hinaus veranstaltet er im Internet auch eine „Newsletter-Rally“. Das amtliche Wörterverzeichnis und auch der Rechtschreibduden kennen allerdings nur die „Rallye“. Außerdem lernt man bei dieser Gelegenheit, daß der Plural von „Newsletter“ ebenfalls „Newsletter“ heißt. Deutsch wird immer einfacher.
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Th. Ickler

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Theodor Ickler
31.05.2001 08.14
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Luxese (Dudendämmerung, Forts.)

Der Dudenverlag arbeitet seit einige Zeit mit dem Hamburger „Trendbüro“ zusammen. Dort wurden das Szenewörterbuch und das Wörterbuch der New Economy erarbeitet. Auf der Homepage des Dudenverlags findet man Näheres.
Ich hatte schon im vorigen Jahr einige Texte aus dem Internet gezogen, die mir für die Duden-Geschäftspoitik besonders kennzeichnend zu sein schienen. Davon stelle ich einiges hierher, ohne es näher zu kommentieren. Es gibt noch weitere Seiten, auf denen vor allem Jugendliche aufgerufen werden, möglichst orginelle Wörter zu erfinden und einzusenden, damit sie in eine Liste aufgenommen werden können, die dann als Beleg für Sprachwandel angeboten wird ... Die Künstlichkeit des ganzen Unternehmens wird auch gar nicht verschleiert, sie paßt im Gegenteil zur „Philosophie“ des Unternehmens, Trends nicht nur zu beobachten, sondern auch zu schaffen – damit definierbare Zielgruppen der Produktwerbung entstehen. „Philosophie“ ist hier nicht zu hoch gegriffen, denn Philosophieprofessoren wie Norbert Bolz fehlen auf keiner der Trendtagungen, die das Hamburger Unternehmen regelmäßig veranstaltet.

DUDEN Wörterbuch der Szenesprachen
herausgegeben vom Trendbüro
erschienen im Dudenverlag
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Projekt

Wordscouts wanted!
Wie reden die Netties und Nerds vor den Monitoren? Was sagen die Skater und Snowboarder, die beim Funsport den Kick suchen? Was melden die Fly-Girls und B-Boys aus der Hip-Hop-Szene? Das DUDEN-Wörterbuch der Szenesprachen ist das erste Wörterbuch, das im Internet ergänzt, kommentiert und weitergeschrieben wird. Die Autoren sind alle Cracks, User, Kooks und Partyhopper, die neue Wörter liefern. Willkommen Wordscouts!

Schöne neue Welt!
Die Grenzen unserer Sprache sollen die Grenzen unserer Welt sein? Wie sieht dann die Sprache einer Gesellschaft aus, in der die Grenzen verwischen, verblassen und sich auflösen? Wie sieht die Sprache einer Generation aus, die sich durch global gültige Stile, Szenen, Moden und Marken definiert. Duden und Trendbüro wollten wissen, welche neuen Wörter hier die Runde machen und was sie uns zu sagen haben.

Und sie bewegt sich doch!
Ein Redaktionsteam widmete sich den neuen Wörtern und Fachbegriffen, die Jugendkultur und Jugendszenen aktuell prägen. In den Bereichen Sport, Musik, Mode, Computer, Partnerschaft und Partykultur wurden fast 1.000 Wörter gesammelt und definiert. Denn: Die deutsche Sprache ist in Bewegung. Sie verändert sich so schnell, wie sich die Welt verändert.

Viel los von A bis Z!
Reisen zum Partyplaneten. Der Computer als Stichwortgeber. Techno und Hip-Hop, Funsport und Laufsteg als Spielplatz. In den Jugendszenen hat vor allem Englisch das Sagen. Beim Chillen und Loungen, Scratchen und Cruisen, Dissen und Chatten. Flexibel sein ist angesagt, auch in der Sprache. Wer vor dem Computer sitzt, ist ein User. Wer auf der Party ein User ist, nimmt Drogen. Wer beim Sport switcht, wechselt die Fußstellung auf dem Board. Wer in der Liebe switcht, wechselt den Freund oder die Freundin im Bett. Was jemand meint, wenn er beamen, scannen oder switchen sagt, hängt ganz vom Kontext ab.

Schöne neue Wörter!
Neues Wort auf Lager? Dein Kommentar ist gefragt. Die Redaktion freut sich auch über Anregungen, Meinungen und Kritik.

Die Redaktion
DUDEN Wörterbuch der Szenesprachen

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Ein Beispiel:

Warmduscher

Coole Typen und echte Kerle duschen eiskalt, pinkeln im Stehen und parken in der prallen Sonne. Alle anderen sind Warmduscher und Abschiedswinker, Abstandhalter, Airbagfahrer, Alarmanlagenbesitzer, Aspirineinwerfer, Badekappenträger, Balkonsonnenbader, Beipackzettelleser, Bettsockenträger, Bildschirmreiniger, Biotonnenbesitzer, Blümchenpflücker, Briefmarkenbefeuchter, Brustschwimmer, Chiliverachter, Chlorbrillenbenutzer, Dackeltrainer, Datensicherer, Dosenerder, Eincremer, Einfahrtfreihalter, Ein-Meter-Brett-Springer, Ersatzweckerbenutzer, Familienzusammenhaltheuchler, Fernbediener, Fertiggerichteverächter, Festnetztelefonierer, Flaschenöffnerbenutzer, Flusensiebreiniger, Foliengriller, Frauennamenannehmer, Frühbucher, Geländerklammerer, Glastrinker, Gurtanleger, Handbuchleser, Händchengeber, Handschuhschneeballer, Handtuchunterleger, Haustürabschließer, Hintenansteller, Immer-ans-Telefon-Geher, Im-Wald-nicht-Raucher, In-Fahrtrichtung-Fahrer, Jeinsager, Karussellfahrer, Kassenbonankucker, Klobrillenhochklapper, Kühlschrankabtauer, Laternenparker, Lichtanmacher, Lichtausschalter, Liftfahrer, Luftpumpenmitnehmer, Marmeladenbrötchenfrühstücker, Möhrenputzer, Mülltrenner, Nachgeber, Nachtstromer, Nasenhaarschneider, Nasse-Badehose-Wechsler, Netiquettenleser, Nicht-Rülpser, Olivenlutscher, Oma-über-die-Straße-Helfer, Passwortaufschreiber, Pizzarandliegenlasser, Radwegbenutzer, Regenschirmhalter, Reiseversicherungsabschließer, Rolltreppenfahrer, Rücksichtnehmer, Sauna-unten-Sitzer, Schattenparker, Schönwetterfußballer, Schreibschutzbenutzer, Schweißabwischer, Seitenaufprallschützer, Servolenker, Sitzpinkler, Sonnenmilchbenutzer, Sparbuchbesitzer, Stilles-Wasser-Trinker, Streichelzoobesucher, Strohsternbastler, Tankanzeigenbeobachter, Tankuhrleser, Teepuster, Toastabkratzer, Topflappenbenutzer, Unkrautzupfer, Unordnungsentschuldiger, Verfallsdatumleser, Wäschevorwärmer, Warndreieckaufsteller, Wattebällchenwerfer, Zahnarztspritzenbettler, Zebrastreifenüberquerer, Zwei-Finger-Tipper oder Zweimalspüler.
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Aus den Internetseiten des Trendbüros:


Die Marke X ist beim Verbraucher gut etabliert. Er kennt sie, vertraut ihrer Qualität und hat ein bestimmtes Gefühl, wenn er sie kauft und benutzt. Nun ändern sich die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen der Verbraucher lebt, und er ändert sukzessive seine Markenwahrnehmung. Darauf muß eine Marke vorbereitet sein. Es gilt, die Marke jung zu halten, damit sie alt werden kann. Evolution ist keine Theorie. Die Frage ist: Wie läßt sich eine Marke quasi in „real time“ auf Veränderungen einstellen, die sich erst vage andeuten? Wir gehen dabei folgendermaßen vor. Zuerst untersuchen wir den Markt: die herrschenden Konsummotive, die Konkurrenzprodukte und deren kulturelle Positionierung. Danach werden der Zeichenvorrat der Marke und die Werte des Markenkerns analysiert und in einer Art kultureller Landkarte (Semiometrie) verortet. Da die Marke aus dem Wertebrennpunkt zu geraten droht, müssen neue Konsumentengruppen erschlossen und alte durch Nachjustierung neu gewonnen werden. Aus der Analyse des Status quo der Kernwerte der Marke ergeben sich die Strategiepotentiale.Wir eruieren die Wünsche und Einstellungen der angestrebten Zielgruppe. Dazu werden Psychoexplorationen oder Kreativ-Workshops auf der Basis assoziativer und projektiver Techniken durchgeführt. Die emotionalen Werte der Zielgruppe werden bestimmt. Aus der Gesamtheit der Analysetechniken ergeben sich die Kommunikations- und Markenstrategie sowie Rahmenbedingungen der stilgruppengerechten Gestaltung der Marketingbotschaft.

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Ein Beispiel für unser Verständnis von Trendforschung.
Wir fragen: Welche Lebensmittel kaufen Konsumenten? Was wählen sie aus dem immensen Angebot aus? Es läßt sich beobachten, daß exklusive, teure Feinkostläden erfolgreich sind. Aber auch Discounter wie Aldi verbuchen steigende Umsätze. Zwei Tendenzen, die sich zu widersprechen scheinen.Unsere nächste Frage: Warum ist das so? Früher hätte die Antwort geheißen: Die Reichen kaufen Spezereien, die Armen pilgern zum Discount. Nun läßt sich aber bei Umfragen feststellen, daß diese Trennung nicht mehr greift. Recherchen zeigen: Konsumenten wechseln zwischen beiden Ladenkonzepten hin und her. Also?Hier manifestiert sich ein Verhalten, das zwei Bedürfnisse bündelt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sparen die Verbraucher. Der Mensch der neunziger Jahre ist es sich aber als Individuum schuldig, sich manchmal etwas Besonderes zu gönnen. Dieses Luxusbedürfnis befriedigt er mit hochpreisigen Einkäufen. Dieses Wechselspiel nennen wir Luxese, zusammengesetzt aus Luxus und Askese. Daß diese Verhaltensweise bei vielen Bürgern übereinstimmt, macht daraus einen Trend. Dieses Beispiel läßt sich auf verschiedenen Betrachtungsebenen nachzeichnen: auf der Konsumebene, im Freizeitverhalten, in Filmen oder in der Werbung. Unser Blickwinkel schließt die Wechselwirkungen rationaler, emotionaler und sozialer Entscheidungen ein. Kurz gesagt versuchen wir nicht nur festzustellen, daß etwas passiert, sondern vor allem, weshalb es so passiert und nicht anders.

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Trendlinks:
http://www.duden.de Einfach mal nachschlagen! Wissenswertes bei Duden online.
http://www.trendbuero.de Was macht die Zukunft? Trends, Marken, Strategien.
http://www.ffh.de Das ultimative Weichei-Wort des Tages
http://www.iq-world.com Musik, Mode, Fun, Real – Enter the new hyperstation!
http://www.atmag.de Zum neuen Online-Lifestyle-Magazin mit aktuellen News und Infos.

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Th. Ickler

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Theodor Ickler
29.05.2001 15.11
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Püschel (Fortsetzung)

Ulrich Püschel hat vor zwei Jahren schon das DUDEN-Buch „Wie schreibt man jetzt?“ (2. Aufl. 1999) bearbeitet. Ichhabe mir damals folgendes notiert:

S. 20: „Karamelle“ ist keine Flexionsform von „Karamel“ oder „karamelisieren“. „Messner“ („Mesner“) hat nichts mit „Messe“ zu tun; was immer man von den Augstschen Volksetymologien hält, ein Buch aus dem Hause Duden darf nicht wissentlich falsche Behauptungen über sprachliche Tatsachen verbreiten. Das gilt auch für „belämmert“, „einbläuen“, „Quäntchen“ (S. 21). Was der „Schneewechte“ recht ist, nämlich das Beharren auf der richtigen Etymologie, sollte dem „Quentchen“ billig sein.
Was ist an „Stopp“, „Steppdecke“ neu? Bei „Stopp“ doch allenfalls die Ausdehnung auf die Tennissprache, die aber insgesamt Englisch ist. Erwähnenswert ist übrigens, daß das amtliche Wörterverzeichnis vorschreibt: „Twostepp“, aber „Onestep“. Nur der neue Bertelsmann hat sich die Freiheit genommen, diesen Unsinn zu korrigieren, offenbar in Absprache mit der Rechtschreibkommission, die zwar an der Neuregelung kein Jota ändern darf, die Wörterbuchmacher aber so berät, als seien die von den Kultusministern verbotenen Korrekturen dennoch in Kraft.
S. 21: Was ist an „Schnäpper/Schnepper“ neu? (Im Duden 1991 war allerdings zu beanstanden, daß der Verweis auf „schnäppern“ blind endete.) – „Eltern“ und „schwenken“ sind nur zwei von sehr vielen Ausnahmen. (Das ganze Buch erzielt übrigens seinen propagandistischen Nebenzweck durch Minimieren der unendlich vielen Ausnahmen und Sonderregeln. Die vereinfacht dargestellten Hauptregeln schmückt es gern mit dem Epitheton „konsequent“. Dabei ist doch klar, daß das Haus Duden die als weitgehend absurd durchschaute Reform auch nur erlitten haben kann, so daß der Jubel falsch klingt.)
S. 27: Bei „Zierrat“ war kein r weggefallen, s. o. zur falschen Etymologie allgemein.
S. 31: Die Anekdote vom kaiserlichen „Thron“ sollte man allmählich weglassen, damals ging es um das th in deutschen Wörtern.
S. 37: Getrenntschreibung war auch im alten Duden der Normalfall. Es ist eine Fälschung, dies als neue Errungenschaft der Reform herauszustellen.
S. 39: In „irreführen“, „wettmachen“ stecken keineswegs verblaßte Substantive.
S. 49: Soll „weit reichend“ wirklich unter allen Umständen getrennt geschrieben werden? Bertelsmann ist da schon weiter (wegen der gesamthaften Steigerbarkeit „noch weitreichender, am weitreichendsten“, die von den Kritikern immer geltend gemacht wurde; allerdings in Abweichung vom amtlichen Regelwerk).
S. 81: In „heute Mittag“ usw. soll „Mittag“ „eindeutig ein Substantiv“ sein, hat aber keines der Merkmale, die im amtlichen Regelwerk als Kriterien für Substantive angeführt werden.
S. 82: Die Großschreibung des Pronomens „Sie“ wird zu Unrecht mit Höflichkeit begründet, es ist eine reine Differenzschreibung. Daher entfällt auch die Begründung der Kleinschreibung von „du“. Staatliche Eingriffe in die Umgangsformen der Bürger sind ohnehin zurückzuweisen.
S. 86: Die Beschränkung klassifizierender und daher groß zu schreibender Bezeichnungen auf Botanik und Zoologie ist aus dem Wortlaut der amtlichen Regel nicht herzuleiten, wo eindeutig nur Beispiele gemeint sind. Selbstverständlich haben andere Disziplinen ebenfalls ihre mehrwortigen Termini. Dadurch eröffnet sich ein unabsehbares Feld der Großschreibungen, und mit der „Konsequenz“ der neuen Regel ist es nicht weit her.
S. 90: In „leid tun“, „not tun“, „pleite gehen“ stecken selbstverständlich keine Substantive, die verordnete Großschreibung ist völlig absurd und wird demnächst rückgängig gemacht werden.
S. 100: Der Begriff der „Paarformel“ hat in der Neuregelung keine Grundlage.
S. 123: Beispielsatz: „Es ist lange daran gearbeitet worden, die Rechtschreibung neu zu regeln.“ Das Komma ist nicht wegen des rotgedruckten „Es“, sondern wegen „daran“ obligatorisch!
S. 129: ck ist nicht mit ch vergleichbar, weil es laut § 3 für kk steht. Die Bemerkungen über Software sind hinfällig, weil jedes Trennprogramm mit ck leichter zurechtkommt als mit der neuen Silbentrennung, die wegen ihrer vielen unerwünschten Optionen die Softwarefirmen vor die größten Schwierigkeiten stellt.
Fazit: Die Mischung als dürftig aufbereiteten Regeln und reformpropagandistischen Ladenhütern ist wenig ansprechend. An die grundsoliden früheren Dudenbücher von Wolfgang Mentrup usw. darf man gar nicht denken.

Nachtrag im Mai 2001: Durch den revidierten Rechtschreibduden vom August 2000 ist auch dieses Buch schon wieder hinfällig, eine Neubearbeitung sicherlich schon in Vorbereitung oder gar schon erschienen. Fortsetzung folgt ...
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Th. Ickler

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Theodor Ickler
29.05.2001 03.07
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Das Buch

Ob der Autor der neuen Rechtschreibung folgt, weiß ich nicht – das Buch jedenfalls tut es. „Redaktion: Dr. Matthias Wermke“ – das hätte ich hinzufügen sollen.

Übrigens ist der gesamte Inhalt von einer so umwerfenden Banalität, daß man seitenweise zitieren möchte und damit sicher einen Heiterkeitserfolg erzielen würde. Verhältnismäßig konkret wird es an folgender Stelle, die den Gebrauch der „Umschreibung“ erläutert:

Vielleicht fällt jemandem das Wort „Kuhfladen“ gerade nicht ein, er möchte jedoch nicht „Kuhscheiße“ schreiben, also greift er zu einer Umschreibung: „Herr Meyer ist in das getreten, was eine Kuh auf der Wiese hinterlassen hat.“


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Th. Ickler

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Reinhard Markner
28.05.2001 21.42
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Selbst ist der Stil

Köstlich !
To criticize the critic (T. S. Eliot):
»Der Autor folgt natürlich der reformierten Rechtschreibung.«
gefiele mir besser als :
»Das Buch folgt natürlich der reformierten Rechtschreibung.«

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