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Die 20 neuesten Rechtschreibbeiträge ...


The Art of Love in der Fanmeile

Zu den jüngsten Ereignissen kommt Wiglaf Droste in der „jungen Welt“ (in richtiger Rechtschreibung) zu Wort:

»The Art of Love« lautete das Motto der Love Parade 2010 in Duisburg: die Kunst der Liebe. Wie viele Lügen sind in diesen vier Worten? … Politikerhafte Pietätsheuchelei muß man den meisten der verbliebenen Love-Parade-Teilnehmern immerhin nicht vorwerfen; sie feierten einfach weiter.

jungewelt.de 26.7.2010

Mit seinen unverhüllten Worten verlor Wiglaf Droste 2006 sogar die Gunst der antiautoritären „taz“, als er die GfdS mit ihrem hier gerade zitierten Vorsitzenden in die Pfanne haute:

Die Gesellschaft für deutsche Sprache gehört dem horizontalen Gewerbe an. Seit 1970 kürt dieser Verein das sogenannte Wort des Jahres …
2006 war die Gesellschaft für deutsche Sprache um ein weiteres Jahr heruntergekommen. Der ideen- und mutlose Haufen suchte als Wort des Jahres »Fanmeile« aus. …
Professor Rudolf Hoberg, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache, begründet die Kapitulation vor dem Schlamm der Massenmedienmacht salbungsvoll so: »Wir bemühen uns, Wörter zu finden, die für das Jahr repräsentativ sind.« Das tut bescheiden, klingt latent verklemmt und ist im Kern dummstolz: …
Die wahren Worte muß man alleine finden oder erfinden; den Stümpern von der Gesellschaft für deutsche Sprache darf man das auf gar keinen Fall überlassen. Mein Wort des Jahres 2006 ist: Trittbrettficker. ….

jungewelt.de 27.12.2006


Sigmar Salzburg

30.07.2010 18:45   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   Englisch, Anglisch und Njudeutsch   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Saus-tark

einestages sucht Ihre Bilder und Geschichten: Sommer, Sonne, sauviel Arbeit - was war Ihr irrster Ferienjob?
… Haben Sie für eine Hand voll D-Mark auf der Müllhalde Abfall sortiert? Oder standen Sie für fünf Euro in der Stunde als Handyherstellermaskottchen verkleidet in der Fußgängerzone? ...

einestages.spiegel.de 30.7.2010

„Soviel“ haben die Reformer verboten, „zuviel“ auch. Gleiches müßte eigentlich auch für „sauviel“ gelten. Der Duden kennt es nicht. „Oh, was hatte ich sau viel zu tun!“ oder gar: „Was hatte ich Sau viel zu tun!“ Anscheinend mußte die geheime Reformregel und Notlösung her: Zusammenschreibung, wenn das Ergebnis mißfällt, ein Trick, mit dem auch Eisenberg den Kultusministern ermöglichte, gesichtswahrend aus dem „Leid tun“ zu schleichen. So muß auch, „Wohl oder Übel“, der Sick-Think-Tank beim Spiegel zu „sauviel“ gekommen sein.


Sigmar Salzburg

30.07.2010 17:19   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GZS 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Das Wort „Gastarbeiter“ wieder zulässig?

Begrüßungsgeld für Gastarbeiter
Wirtschaftsminister Brüderle möchte ausländische Fachkräfte mit einer Geldprämie nach Deutschland holen ...
sueddeutsche.de 30.7.2010


Sigmar Salzburg

30.07.2010 11:56   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   Politisch korrekte Sprache   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Potenzgehabe

„Aufmerksamkeit besitzt Suchtpotenzial

Theo Albrecht starb als Unbekannter, von Jörg Kachelmann weiß man inzwischen alles, und Lothar Matthäus plaudert und plaudert. Medienforscher Bernhard Pörksen spricht im Interview über Privatheit in der Öffentlichkeit.

focus.de 29.7.2010

In der Rechtschreibung setzte der Focus immer auf besondere Reformunterwürfigkeit, wohl um sich bei den Herrschenden anzubiedern und das Konkurrenzblatt Spiegel auszustechen. Als daher der damalige Spiegelchef Stefan Aust mit Springer zurück zur alten Rechtschreibung wollte, kam von Markwort nur ein hämisches Nein, und sein Blatt durfte infam schreiben „Wieder ist Deutschland geteilt“, als einige CDU-Kultusminister wagten, eine Zeitlang noch alt geschriebene Wörter in den Schulen nicht als Fehler anstreichen zu lassen. Die reformerischen Albernheiten „aufwändig“ und „so genannt“ waren feste Vorschrift bei Focus. Inzwischen ist man dort aber dem Spiegel gefolgt, wieder „aufwendig“ und „sogenannt“ zu bevorzugen. Einen Unterschied gibt es jedoch immer noch in der Rechtschreibung: Im letzten Monat findet man im Spiegel keinmal das reformistische „Potenzial“, im Focus keinmal das klassische „Potential“. Das spiegelt natürlich auch einen gewissen Niveauunterschied wieder.


Sigmar Salzburg

30.07.2010 07:34   Rechtschreibforum   >   Fremdwörter   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Nur Erziehende? Andere nicht?

Entlastungsbetrag: Eltern dürfen wählen
STB Web - Portal für Steuerberater - ‎
Allein Erziehende können bei der Steuererklärung den so genannten Entlastungsbetrag in Höhe von 1.308 Euro jährlich geltend machen. ...

STB Web 28.07.2010‎


Sigmar Salzburg

29.07.2010 17:56   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GZS 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Verfassungsgericht – widersprüchlich und systemgefällig

DDR-Ministerrenten bleiben gekürzt
Bundesverfassungsgericht weist Klage zurück
… Der ehemalige Umweltminister Hans Reichelt und der Vize-Minister für Leichtindustrie Hans Lessing hatten geltend gemacht, dass sie nicht nur gegenüber den normalen Rentnern mit Ansprüchen aus der DDR-Rentenversicherung, sondern auch gegenüber sonstigen Angehörigen von Zusatz- und Sonderversorgungssystemen benachteiligt würden. Diese Benachteiligung nennt das Gericht nun in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss »aus sachlichen Gründen gerechtfertigt«.
Die ehemaligen Minister seien »durch das Politbüro der SED in erster Linie nach politisch-ideologischen Kriterien ausgewählt worden«
Die Eingrenzung war wegen eines zuvor gefällten Beschlusses des Bundesverfassungsgerichtes nötig geworden. Dieses hatte 1999 und noch einmal 2004 die bis dahin geltenden Regelungen als verfassungswidrig bezeichnet, die alle Angehörigen »staats- oder systemnaher« Versorgungssysteme einer Rentenkürzung unterzogen. Eben wegen dieser Erfolge vor Gericht hatten auch die ehemaligen Angehörigen des Ministerrates ihr Anliegen erneut bis nach Karlsruhe getragen. Dort sind sie nun gescheitert. …

neues-deutschland.de 29.7.2010

Das merkwürdige Urteil des Bundesverfassungsgerichtes läßt aber auch Hoffnung aufkommen: Auch die Kultusminister, die die „Rechtschreibreform“ verbrochen haben, sind von ihren an der Macht befindlichen Parteien nach „politisch-ideologischen Kriterien ausgewählt worden“. Ein Gegner der „Reform“ hätte niemals Kultusminister werden können. Es wäre also ohne weiteres denkbar, an den unverdient hohen Rentenbezügen der ausgemusterten Bildungspolitiker Kürzungen vorzunehmen.


Sigmar Salzburg

29.07.2010 17:28   Dokumente   >   Bundesverfassungsrichter   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Hoberg – Reformförderer und Verharmloser

«Goethe wäre froh gewesen um unseren heutigen Wortschatz»
Interview: Markus Collalti.

Anglizismen bereichern das Deutsche: Später werden sie manchmal gar eingedeutscht geschrieben.

Herr Hoberg, können wir kein Deutsch mehr?
Wir können alle sehr gut Deutsch; die Situation des Deutschen ist heute so gut wie nie zuvor.

Aber man hört und liest immer wieder, das Deutsche sei im Niedergang. Sind wir vielleicht miteinander strenger geworden?
Es kann schon sein, dass wir strenger geworden sind. Aber es gab zu allen Zeiten die Verfechter des sogenannten Sprachverfalls, die sagen, es sei alles schlechter geworden. Die frühesten Belege dafür gibt es bei den alten Ägyptern, und es gibt sie durch alle Jahrhunderte.

Und heute?
Man kann vieles an der heutigen Sprache kritisieren. Nur: Wenn man sagt, die Sprache verfalle, dann setzt das voraus, es sei früher besser gewesen. Das bezweifle ich.

War Goethes Orthographie denn nicht besser als die der Maturanden von heute?
Zu Goethes Zeiten gab es keine festgelegte Orthographie. Die gibt es erst seit 1902. Goethe hat geschrieben, wie er wollte, und auch zu unterschiedlichen Lebenszeiten unterschiedlich. Wir haben Untersuchungen zum Sprachverfall gemacht; unter anderem haben wir Maturaufsätze aus den letzten Jahrzehnten verglichen. Pauschal kann man sagen: Bei den Schülern ist alles besser geworden – mit Ausnahme der Rechtschreibung. Man muss aber berücksichtigen, dass die Schüler heute umfangreichere Texte schreiben. Und wer mehr schreibt, der darf mehr Fehler machen. Vergessen darf man auch nicht, dass sich das gesamte Bildungssystem verändert hat. Um 1960 haben etwa 8 Prozent eines Jahrgangs die Matur gemacht, heute sind es fast 40 Prozent.

Welchen Einfluss haben Schriftsteller? Haben etwa die Dadaisten der Sprache Schaden zugefügt?
Das, was in der Literatur passiert, hat normalerweise keine Einwirkungen auf die Alltagssprache. Ich kenne keinen lebenden Schriftsteller, der etwas an der heutigen deutschen Gemeinsprache verändert hat – im positiven wie im negativen Sinne.

Was macht also nun einen Sprachverderber aus?
Die Individualsprache kann natürlich «schlecht» oder «verdorben» sein - und das kann man selbstverständlich kritisieren. Was gut oder schlecht ist, ergibt sich aus dem zugrunde gelegten Wertungsmassstab, und der ist bei den meisten Menschen und besonders beim Bildungsbürgertum konservativ: Man hält das für gut, was man immer gemacht hat, und das für schlecht, was neu in eine Sprache tritt. Sprachentwicklung hat sich jedoch seit Karl dem Grossen bis heute dadurch ergeben, dass Menschen etwas anders gemacht haben, also gegen die Normen verstiessen und Fehler begingen. Und diese Fehler haben sich als neue Normen durchgesetzt.

Fehler als Fortschritt?
Das ist der entscheidende Motor der Sprachgeschichte. So findet man etwa immer häufiger für den Konjunktiv von «brauchen» «bräuchte». Richtig ist zwar «brauchte», aber immer mehr Menschen haben das Gefühl, ein Umlaut klinge schön und richtig. Und irgendwann wird dann «bräuchte» richtig. In einer Gesellschaft ist sprachlich richtig, was die Mehrheit tut. Die Schwierigkeit ist nur, zu ermitteln, was die Mehrheit tut.

Haben Grammatiker dann überhaupt Einfluss auf die Entwicklung der Sprache?
Grammatiker und Wörterbuchautoren beschreiben zunächst einmal nur den Ist-Zustand. Aber sie können und sollen selbstverständlich auch Wertungen nach vernünftigen Kriterien vornehmen. Wenn etwa immer mehr der Bedeutungsunterschied zwischen den Wörtern «scheinbar» und «anscheinend» verlorengeht, dann ist das schade, denn es geht eine Differenzierung im Deutschen verloren. Also machen wir darauf aufmerksam, über die Schule und die Medien, sie zu erhalten.

Und damit hat man Erfolg?
Vor allem über die Schule und die Medien. Sie spielen die grösste Rolle bei der Sprachpflege.

Gibt es Anzeichen, dass unsere Sprache nicht verfällt, sondern gedeiht?
Ja, dafür gibt es viele Anzeichen. Ich würde behaupten, es gab noch nie einen so grossen Wortschatz wie heute. Goethe wäre froh gewesen, wenn er unseren heutigen Wortschatz gehabt hätte. Natürlich ist vieles verlorengegangen – das ist zu jeder Zeit passiert, und das kann man beklagen –, aber mehr noch ist hinzugekommen. Auch im grammatischen Bereich ist es nicht schlechter geworden. Es hat sich vieles verändert, wie etwa die Formen des Konjunktivs. Aber zum Beispiel das Schwinden des Genitivs zu beklagen, ist völliger Unsinn. Es hat noch nie eine Zeit gegeben, in der mehr Genitive benutzt wurden als heute.

Als Schuldige für den «Sprachverfall» werden oft Anglizismen ausgemacht. Werden sie zum festen Bestandteil unserer Sprache, oder sind sie nur eine Art Sprachspielzeug, das schnell wieder langweilig werden kann?
Beides. Ich vermute, wir werden auch noch in zwanzig Jahren «Handy» sagen. Das ist ein so guter Anglizismus, dass mir Engländer oder Amerikaner häufiger sagen, man sollte ihn re-importieren und statt «cell phone» oder «mobile phone» verwenden. Das ist ein Wort, das wir vermutlich im Deutschen behalten werden – niemand weiss das genau –, und irgendwann schreiben wir es «Händi» und haben ein neues Wort. Ein Gegenbeispiel ist «cool», da zweifle ich, ob wir das in einigen Jahren noch haben werden. Es ist ein Modewort der Jugend und wird vermutlich aus der deutschen Sprache wieder verschwinden. Sollte es aber im Wortschatz verbleiben, dann haben wir neben «kühl» ein neues Wort, denn «cool» bedeutet ja im Deutschen nicht «kühl»: Kein Mensch sagt, er wolle ein «cooles Bier» haben, sondern Mädchen sagen, jemand sei «ein cooler Typ».

Die deutschen Wörter werden nicht verdrängt?
Ich kenne kein einziges deutsches Wort, das durch ein englisches verdrängt worden wäre. Es werden nur Bedeutungen weiter differenziert. Das häufig gehörte Wort «Kids» verdrängt zum Beispiel nicht das Wort «Kinder». Dreizehn-, Vierzehnjährige werden Kids genannt, meistens von Älteren. Die Kinder selbst nennen sich nicht so, denn es ist eine ironische Bewertung. Niemand würde hingegen im Gespräch fragen: «Wie viele Kids haben Sie?» Solche Differenzierungen könnte man natürlich auch mit deutschen Wörtern vornehmen. Doch das Englische kommt uns zuvor, da mit einer Sichtweise oder einem Sachverhalt aus dem englischsprachigen Kulturraum gleich das Wort mit herüberkommt.

Ist das Englische also doch eine Gefahr?
Man hat ausgerechnet, dass es 15 Prozent Fremdwörter im Deutschen gibt; ein Prozent davon sind Anglizismen. Der Anteil der Fremdwörter ist also relativ gross, der Anteil der Anglizismen dagegen noch relativ gering. Die Anglizismen-Gegner sind immer nur gegen die jüngsten Fremdwörter. Sie sagen aber mit grösster Selbstverständlichkeit «okay», weil wir das schon lange im Deutschen haben. Es gab jedoch noch nie eine Zeit, in der keine Fremdwörter ins Deutsche gelangten; heute kommen sie – wie auch in anderen Sprachen – fast ausschliesslich aus dem Englischen.

Das Englische hat einen ganz besonderen Status, oder?
Englisch ist die dominierende Weltsprache – die erste überhaupt, die es, soweit wir das wissen, seit Beginn der Menschheit gibt. Latein oder Französisch hatten nur in Europa eine dominierende Stellung, andere Länder wie etwa China kamen nicht unter ihren Einfluss. Es ist also eine ganz neue Situation. Das sollten wir berücksichtigen, bevor wir darüber urteilen. Zunächst können wir uns darüber freuen, dass wir, ohne die jeweilige Landessprache zu lernen, die ganze Welt bereisen können. Eine Weltsprache ist heute, im Zeitalter der Globalisierung, unverzichtbar. Die andere Seite ist, dass wir andere Sprachen pflegen und darauf achten müssen, dass sie nicht zurückgedrängt werden oder untergehen.

Muss man sich da um das Deutsche Sorgen machen?
Das betrifft uns weniger; Deutsch wird als Muttersprache in der Europäischen Union bei weitem am häufigsten gesprochen. Das betrifft kleinere Sprachen wie Litauisch, Lettisch oder auch Niederländisch. Doch hier liegt das Grundproblem der augenblicklichen Sprachsituation. Es liegt nicht in den Anglizismen. Die wichtige Frage ist: Was passiert mit den Sprachen ausser Englisch - ganz egal, ob mit oder ohne Anglizismen?

Sollten Wissenschaftler auf Deutsch statt auf Englisch publizieren?
Wenn ich Naturwissenschaftler oder Mediziner oder Techniker wäre und hätte etwas Neues zu sagen, würde ich das selbstverständlich auf Englisch tun. Aber ich sage diesen Berufsgruppen immer wieder: Sie müssen auch auf Deutsch publizieren - vielleicht in einem anderen Aufsatz, in einer anderen Arbeit -, weil sonst die deutsche Wissenschaftssprache verloren geht. Das würde dazu führen, dass wir in zwanzig oder dreissig Jahren Naturwissenschaften gar nicht mehr auf Deutsch studieren können, weil wir die Entwicklung in der Wissenschaftssprache nicht mitgemacht haben. Das ist eine Spagatsituation: Immer mehr Menschen werden Englisch lernen, und es wird immer mehr zur Zweitsprache werden. Das soll und kann man nicht verhindern. Es ist durchaus sinnvoll, dass manchmal in Betrieben Englisch gesprochen wird oder dass es englischsprachige Studiengänge an deutschen Universitäten gibt. Aber man muss selbstverständlich auch das Deutsche und andere Sprachen verwenden, weil sonst die Vielsprachigkeit in der Welt verlorengeht - und das wäre ein sehr grosser, ein verheerender Verlust für die Menschheit.

[Bild]
Rudolf Hoberg (74) ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der TU Darmstadt. Seit 1999 ist er Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er war zudem Vorsitzender des Deutschen Sprachrats und gehörte dem Rat für deutsche Rechtschreibung an. Er ist Mitglied in den Jurys für das Wort und das Unwort des Jahres.

tagesanzeiger.ch 29.7.2010


Sigmar Salzburg

29.07.2010 14:32   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen   >   Tagesanzeiger.ch   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Folge der KMK-Recht-Haberei

Meryl Streep blüht in jeder Rolle auf - erst Recht in der Mutterrolle. …

stimberg-zeitung.de 29.7.2010


Sigmar Salzburg

29.07.2010 13:59   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GKS 3   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Nebenregierung

Arbeitszimmer wieder steuerlich absetzbar
Donnerstag, 29. Juli 2010, 12:34 Uhr

Karlsruhe (Reuters) - Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können wieder leichter von der Steuer abgesetzt werden.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe kippte in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss die seit 2007 geltende Verschärfung im Steuerrecht. … Gerichte und Finanzbehörden dürfen die verfassungswidrigen Regelungen dem Beschluss zufolge nicht mehr anwenden. Laufende Verfahren müssen ausgesetzt werden

reuters.com 29.7.2010

Die eingeschränkte steuerliche Absetzbarkeit für ein häusliches Arbeitszimmer ist verfassungswidrig – der Mißbrauch von Schulkindern zur Durchsetzung einer absurden, vom Volk abgelehnten „Rechtschreibreform“ dagegen nicht. Den Verfassungsrichtern fehlt jedes rechtliche Augenmaß!


Sigmar Salzburg

29.07.2010 13:14   Dokumente   >   Bundesverfassungsrichter   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Wieder ein geringer Fortschritt der Menschheit

Katalonien verbietet Stierkämpfe
...
Barcelona (dpa) - Historischer Sieg für Spaniens Tierschützer: Das Parlament von Katalonien hat die Abschaffung des Stierkampfes in der wirtschaftsstärksten Region des Landes beschlossen. …

Die Debatte im Parlament von Katalonien ging auf einen Antrag der Tierschutzinitiative Prou! (Es reicht!) zurück. Diese hatte Ende vergangenen Jahres 180 000 Unterschriften für ein Volksbegehren zur Abschaffung des Stierkampfes gesammelt. In der Debatte hatte Prou!-Sprecherin Anna Mulà die Abgeordneten am Mittwoch aufgerufen, «eine Botschaft des Erbarmens und des Fortschritts an die Menschheit» zu richten. Für die Tiere bedeuteten die Stierkämpfe nichts weiter als Folter und Schmerz.

welt.de 28.7.2010

Dabei fällt mir eine Notiz von Roger Herter bei Sprachforschung.org ein:

Aus einem Artikel über Bemühungen, den spanischen Stierkampf in Südfrankreich zu verbieten:

[Bisher] sei jedes Mal gegen die Leid geprüften Stiere entschieden worden. ... [Nun aber] habe der Stadtrat ... den Stierkampf begeisterten Bürgermeister überstimmt.
...
(Das Spanienmagazin "Comprendes", 10.03.2010)


Sigmar Salzburg

28.07.2010 12:49   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GZS 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Der Tote – ein gefälschter Toter

[Bild]
"Major Martin": Der britische Geheimdienst organisierte 1943 eine Operation, um die Deutschen über den wahren Ort der alliierten Invasion im Mittelmeerraum zu täuschen. Protagonist in diesem spektakulären Manöver war dieser Toter, der mit fingierten Dokumenten und Briefen ausstaffiert wurde...
[Im Text:]
Mit Hilfe der Leiche eines vorgeblichen britischen Offiziers, den es in Wahrheit nie gegeben hatte, wollten die Engländer die Nazis über die wahren Ziele der Alliierten täuschen ...
[reformiert: Mithilfe der Leiche ...]
einestages.spiegel.de 23.7.2010


Sigmar Salzburg

28.07.2010 11:48   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   Unser tägliches Doofdeutsch 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Sprachliche Invasionen

Ein interessanter Artikel von Robert Fisk ist in der Neuen Rheinischen Zeitung – Online (einer Wiederbelebung der Marxschen Zeitung von 1848) erschienen:

Kampfsprache: Die neue Propaganda
Von Robert Fisk

Der Journalismus hat sich zu einem sprachlichen Schlachtfeld entwickelt – und wenn Reporter Begriffe verwenden wie: “ein Aufflammen der Gewalt”, oder “Surge”, oder “Siedler”, dann spielen sie weiter mit diesem schädlichen Spiel, argumentiert der englische Nahost-Korrespondnt Robert Fisk in „The Independent“. – Die Redaktion

[Aus diesem umfangreichen und polemischen Artikel nur einige Kostproben (in der nicht überprüften Übersetzung)]


… Wir Journalisten sind heute mehr und mehr zu Gefangenen der Sprache der Macht geworden. Ist es, weil wir uns nicht mehr um Linguistik oder Semantik kümmern? Ist es deshalb, weil die Notebooks unsere Rechtschreibung “korrigieren”, unsere Grammatik “verbessern”, sodass unsere Sätze mit denen unserer Herrschenden identisch sind?

[Das erleben wir gerade wörtlich. 2006 erzählte mir stolz der verstorbene KNA- und frühere DPA-Korrespondent Karl-Ernst Jipp, er schriebe immer noch nach der alten Rechtschreibung. Die Umwandlung mache sein Rechner. Stefan Aust berichtete 2004 von seinen Spiegel-Mitarbeitern ähnliches und nannte es „kafkaesk“. So wird das Volk wird durch Automaten zur Sprache der Regierenden zwangsbekehrt.]

Mittlerweile ist der „Friedensprozess“ zusammengebrochen. Deshalb versuchen unsere Anführer - oder „Schlüsselfiguren“ wie wir sie gerne nennen - ihn wieder in Gang zu bringen. Der Prozess musste wieder „zurück in die Spur“ gebracht werden. Sehen Sie, es war ein Zug. Die Wagons sind vom Weg abgekommen. Die Clinton-Regierung nutzte diese Phrase zuerst, dann die Israelis, dann die BBC. Aber es gab ein Problem, als der „Friedensprozess“ immer wieder „zurück in die Spur“ gebracht wurde - aber immer noch vom Weg abkam. Deshalb produzierten wir einen Fahrplan, eine „Roadmap“, - betrieben von einem Quartett und geleitet von unserem alten Freund Gottes, Tony Blair, den wir in einer Obzönität der Geschichte nun „Friedensbotschafter“ nennen. Aber der „Fahrplan“ funktioniert nicht. …

Hier ist ein weiteres Bruchstück medialer Feigheit, das meine 63 Jahre alten Zähne einander abschleifen lässt, nachdem ich 34 Jahre Humus und Tahina im Nahen Osten gegessen habe. Uns wird in vielen Analysebeiträgen erzählt, dass wir uns im Nahen Osten mit „konkurrierenden Schilderungen“ befassen müssen. Wie gemütlich. Es gibt keine Gerechtigkeit, keine Ungerechtigkeit, nur ein paar Leute, die verschiedene Versionen der Geschichte vortragen. „Konkurrierende Schilderungen“ tauchen nun regelmäßig in der britischen Presse auf. …

Der englische Originalartikel von Robert Fisk erschien am 21. Juni 2010 in „The Independent“. Übersetzung: Fabian Köhler & Fatma Derman (ISM)

nrhz.de 28.7.2010

[Der Artikel überschreitet den Rahmen des hier Darstellbaren. Nur noch eine nebensächliche Anmerkung: „Humus“ ist natürlich falsch und irreführend. Es muß „Hummus“ heißen (mit einem gutturalen „h“, einem deutlich doppelt verstärkten „m“ und einem emphatischen „s“), ein Kichererbsenbrei. „Tahina“ ist eine Sauce aus Sesammehl.]


Sigmar Salzburg

28.07.2010 11:08   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   Politisch korrekte Sprache   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Scharf

Hitzespätfolge der Dudenreform

PETER STRASSER (Die Presse)

Jetzt glauben die Coiffeure, dass man „façonner“ so schreibt, wie man's spricht!

Ja, manche meinen, er lasse an nichts ein gutes Haar, nicht einmal an seinem eigenen, von dem er ohne Übertreibung sagen darf, es habe sich vor der dummdreisten dudendeutschen Rechtschreibreform jederzeit in tadelloser Façon befunden. Und nein, er hat keinen Sonnenstich; er ist bloß Französischnachhilfelehrer in der heißesten Nachzipfphase des Jahres. Und ja, es ist sinnlos, sich von einem Coiffeur, der glaubt, dass er sich schreibt, wie er sich spricht – Kwoaföa –, eine tadellose Façon zu erwarten. Es kommt aber noch schlimmer.

Begonnen hat alles mit der dreisten Dudendummheit: „Man schreibt es, wie man's spricht“, die sich nicht nur in den Hohlköpfen (têtes creuses) der Französischnachzipfler rasch ausbreitete. Man schreibt es, wie man's spricht, ha! Geht er zum Coiffeur, so will er nichts weiter als eine tadellose Façon, doch seit der dummdreisten dudendeutschen Rechtschreibreform glauben die Coiffeure, dass man „façonner“ so schreibt, wie man's spricht, weswegen sie sich weigern, ihn zu „fassonieren“. Denn fassonieren sei total out, frikassieren super in. Da sie alle darauf schwören, Jünger der Haute Coiffure (Hot Kwoafüa) zu sein, bejubeln sie neuerdings den Top-Style des Frikassierens – frz. „fricasser“, ein Frikassee zubereiten – als trähschik. Damit meinen sie „trashig“, was sie, geschrieben, wie man's spricht, für die stylischste façon de parler halten, „très chic“ zu sagen, so ein Unsinn! Es kommt aber noch schlimmer.

Gestern erst war er beim Coiffeur, und heute schaut er aus, als ob er bei einem Frikasseur gewesen wäre, der ihn durch eine Frikassiermaschine gedreht hätte. Nun hat er etwas Trähschikes auf dem Kopf, wofür ihm keine andere Bezeichnung als die einer Frikasseeglatze einfiele, noch dazu einer, die sich wegen der Sommerhitze gleich mit Hitzewimmerln überzog. Scheußlich. Und was schwört sein Coiffeur? Dass das Trähschike auf seinem schütteren Kopf (als ob ein Kopf schütter sein könnte!) supertoll ausschaue, nämlich frikassiert.

Dass er an nichts ein gutes Haar lasse, ist ein Neidgerücht der pensionsreifen Glatzenträger unter seinen Nachhilfekollegen in der heißen Nachzipfphase, die sich zu gut sind, um ein Toupet über ihren Kahlkopf (tête chauve) zu stülpen. Denn die Schwerhörigen unter ihnen– von den Sprachgestörten ganz zu schweigen – halten nach der verbrecherischen dudendeutschen Rechtschreibreform, die ihnen die Haare hat ausfallen lassen, Toupets für Tampons, bezüglich derer sie nicht zu wissen vorgeben, was sie auf ihrem Kopf verloren hätten. Dazu kann er nur sagen, besser ein Tampon auf dem Kopf als ein kopfloses Toupet, hahaha, man darf auch in der heißen Nachzipfphase seinen Humor nicht ganz verlieren.

Kurz und gut, unwahr ist, dass er an nichts ein gutes Haar lasse. Wahr ist vielmehr, dass er die hitzewimmerlübersäte Frikasseeglatze verabscheut, mit der er heuer dudenverblödeten Nachzipflern Französischnachhilfe geben wird müssen. Die ihm von seinem Coiffeur über seinen Kopf hinweg gestellte Frage, ob er, der altmodisch Fassonierte, sich, statt schütter frikassiert zu werden, nicht lieber gleich ein Tampon anschaffen wolle, hat er ignoriert. Er hat ja keinen Sonnenstich, oder?

peter.strasser@uni-graz.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2010)

diepresse.com 28.7.2010


Sigmar Salzburg

28.07.2010 09:25   Rechtschreibforum   >   Die Presse   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln




Für Krippenanbau kein Fördergeld
Bürgermeister Dr. Reinhold Kunze hat dies mit "Unverständnis zur Kenntniss genommen".
Schweriner Volkszeitung - ‎23.07.2010‎


Sigmar Salzburg

27.07.2010 16:42   Rechtschreibforum   >   Nein zu Heyse 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Leute von ‚Oben‘ verinnerlichen die Reform von ‚Oben‘

Vielleicht hat der Klassenkampf von Unten an Strahlkraft verloren, weil er immer die gleichen Rituale und Ansagen verwendet. Man trifft sich am 1. Mai, hört Parolen, es gibt die üblichen Appelle bei den Armutsberichten und Klagen über den Raubtierkapitalismus - ansonsten kauft man billigste Kleider aus Bangladesh und bleiverseuchtes Spielzeug aus China, und bei Lebensmitteln zählt allein der Preis. Klassenkampf von Oben kennt dagegen viele Gesichter und Wirkungsweisen, …

faz.net/blogs 21.7.2010


Sigmar Salzburg

27.07.2010 12:29   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GKS 3   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Fragwürdige Schlussstriche

Heisigs Sachkenntnis spürt man. Sie will die Hintergründe der teils unfassbaren Taten ergründen und so zu den richtigen Lösungen kommen. Populistische und am Kern der Probleme vorbei gehende Debatten streift sie - wie wohltuend - nur am Rande. … Die Debatte darüber, so schreibt Heisig selbst, könnte kontrovers, wahrscheinlich auch schmerzhaft sein. Heisigs Schlusssatz: "Deutschland wird sie aushalten und mich auch."

stern.de 27.7.2010


Sigmar Salzburg

27.07.2010 10:48   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GZS 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Germanismenflut im Englischen?

Focus-Leserkommentar:
26.07.10, 13:11
von Captayne

"Gesundheit"...
...hat mir neulich ein Engländer in der Londoner U-Bahn gewünscht, als nachdem ich geniest hatte. Er hatte auch keine Ahnung, das dies ein Deutsches Wort ist und was es bedeutet. "we say this all the time", sagte er.


Sigmar Salzburg

27.07.2010 10:23   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   Englisch, Anglisch und Njudeutsch   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Binsenweisheiten

27.07.2010 - Hirnforschung

Bei Unterhaltungen schwingen die Gehirne der Beteiligten im Gleichklang

Bei einem guten Gespräch stellen sich die Gehirne der Beteiligten aufeinander ein: Die Aktivitätsmuster sind bei Sprecher und Zuhörer nahezu vollständig deckungsgleich - beim Zuhörer setzt die Aktivität lediglich mit wenigen Sekunden Verzögerung ein, hat ein US-Forscherteam gezeigt.

wissenschaft.de 27.7.2010

Vielleicht wird die Forschung auch bald feststellen, daß sich bei einer Wanderergruppe die Aktivitätsmuster der Gliedmaßen einander angleichen.


Sigmar Salzburg

27.07.2010 09:53   Rechtschreibforum   >   Es gehört nicht hierher, aber dennoch ... 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Geheime Haltung und das Weisen aufs Schärfste ...

Die Einsätze werden seit Jahren streng geheim gehalten
Die Dokumente machen auch klar, warum die Einsätze so viel Wut in der afghanischen Bevölkerung auslösen. So findet sich in einer brisanten Meldung vom 17. Juni 2007 gleich im zweiten Satz die Mahnung, diese TF-373-Operation müsse "geheimgehalten" werden. … Statt des Top-Terroristen fanden Soldaten sechs tote Kinder in den Trümmern der Koranschule…
Die "Diktion" vom gezielten Töten wies er [Sprecher des BMfV] "aufs Schärfste" zurück …

spiegel.de 26.7.2010


Sigmar Salzburg

27.07.2010 08:33   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GZS 2   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln


Lesermißhandlung

Dass Kindesmisshandlungen verheerende Schäden in der Psyche der Opfer anrichten, ist seit Langem bekannt.
wissenschaft.de 24.7.2010


Sigmar Salzburg

26.07.2010 13:33   Beispielsammlung über Sinn und Unsinn   >   GKS 3   Beitrag im Faden   Beitrag einzeln