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    Abstimmungen
    Altenholzer Bürgermeister Horst Striebich blickt auf drei Abstimmungen in 18 Jahren zurück

    … Zweimal blieb Horst Striebich konkurrenzlos. …


    Sechs Jahre später folgte dann die erste Direktwahl. … Striebich wurde mit über 70 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Die Bürgermeisterwahl lief parallel zu der für den Bundestag und dem Volksentscheid über die Rechtschreibreform. Insgesamt 80,8 Prozent der Altenholzer Bürger gaben ihre Stimmen ab.

    … Sicher ist auch, dass Striebich nach dem 1. Januar nicht ohne Arbeit dasteht, Anfragen gibt es schon. „Aber das wird wohl nur ein Halbtagsjob“, denkt der Bürgermeister laut nach, „mit 40 Stunden in der Woche vielleicht.“ …

    kn-online.de 6.9.2010

    Der ungewöhnlich sachliche und kompetente Verwaltungsmensch Striebich, wie ich ihn des öfteren kennenlernte, ist ein beliebter Bürgermeister. – Die „Rechtschreibreform“ erwies sich als ebenso unbeliebt. Sie erfuhr als Vorlage der Regierung im zugehörigen Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde eine Ablehnung von 70 Prozent der Stimmen.

    Sigmar Salzburg

    06.09.2010 20:10   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Kieler Nachrichten   Beitrag einzeln



    oha, die Kommas fehlen
    Thüringische Landeszeitung, 2.9.2010
    Angelika Bohn / OTZ

    Günther Grass
    Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung

    …
    Jacob und Wilhelm Grimm war nicht klar, zu was für einer Sisyphusarbeit sie sich gerade wegen ihres aufrechten Auftretens gegen den Landesherren arbeitslos geworden hatten überreden lassen. Die Philologen begannen, Wörter in Zettelkästen zu sammeln und baten ihre Freunde und Bekannten, dergleichen zu tun.
    …

    … die Leipziger Stadtbibliothek [hat] am 20. September in den Mendelssohn-Saal des Gewandthauses eingeladen.
    Norbert Lindenthal

    06.09.2010 17:09   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  TLZ Thüringische Landeszeitung   Beitrag einzeln

    Druckfehlerteufel: 65 Jahre F.R.
    Komische Kopfverbrechen
    "Und auch das, Frankfurter Rundschau..." - so begann und beginnt mancher der berühmten Briefe an die Leser im Satiremagazin Titanic. Die Rundschau wurde zum Spott-Opfer, noch heute glaubt ihr Chefredakteur Leo Fischer, dem Blatt diktiere der Teufel persönlich.


    [Bild]
    Leo Fischer, Titanic-Chef, empfindet die FR als „sympathischen Loser unter den Zeitungen“. [Fatal: „Loser“ lese ich immer als Urheber einer jägersprachlichen „Losung“.]

    Leserbriefe haben alle – die Titanic hat die „Briefe an die Leser“ [in Kulturrechtschreibung]. Das Satiremagazin, das ebenso wie die FR aus Frankfurt kommt, macht es andersherum: Die Titanic druckt nicht die Meinung der Leser ab, sondern wendet sich direkt an ihre Leser – mit einer Meinungsstärke, die ebenso kreuzböse wie brüllend komisch daherkommt…

    Wir haben jüngst die gesammelten 30 Titanic-Jahrgänge auf die von den Satirikern in den „Briefen an die Leser“ aufgespießten FR-Fehlleistungen durchgeschaut…

    1988 macht sich die Titanic in den Briefen über den Buchstabensalat eines FR-Autors lustig, der vom Kopfverbrechen statt Kopfzerbrechen schreibt. Andere FR-Kollegen schaffen es in die Titanic, weil sie Eintracht Frankfurz statt Eintracht Frankfurt schreiben (1992), Subvention statt Subversion (1997), oder Rex Dildo statt Rex Gildo (1998). Manchmal steht da ganz einfach mal Kohl statt Schröder (2000). Schön auch die folgende Überschrift: „Auf hohes See herrscht Narrenfreiheit“ (2003). In der FR diktiere wohl „der Teufel persönlich“ die Druckfehler, vermutet die Titanic.

    Auch notieren die Satiriker 2004 [dem Höhepunkt der Schreibreformkatastrophe], dass sich in einer Rundschau-TV-Kritik von gerade mal 90 Zeilen ganze sieben „schlichte Orthographie- und Grammatikfehler“ finden. Besonders beeindruckend ein FR-Feuilletonartikel aus dem Jahr 2005: „Komischer wie Max Goldt seziert niemand sprachliche Schlampereien“, heißt es da. Da kann die Titanic nur kurz und knapp hinzufügen, dass das „ganz, ganz großes Kino“ sei...

    fr-online.de 3.9.2010

    Sigmar Salzburg

    06.09.2010 09:41   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  FR Frankfurter Rundschau   Beitrag einzeln

    Dieter Hallervorden 75
    DIE WELT: 06:19

    Kopfnoten

    Handeln statt quatschen: Dieter Hallervorden
    Von Sabine Menkens

    Wer Dieter Hallervorden in den vergangenen Jahrzehnten vorwiegend auf dem Bildschirm erlebt hat, wird vielleicht nicht glauben wollen, dass sein Lebensmotto eigentlich lautet: "Ein Gramm Handeln wiegt mehr als eine Tonne Gequatsche". Seine nervtötende Kunstfigur "Didi" war derart omnipräsent, dass man ihn gern in die Klamaukkiste verbannen wollte. Dabei ist der Gründer der "Wühlmäuse" ein großer Kabarettist, Schauspieler und Theatermanager. Seit 2009 führt er das bereits totgesagte Berliner Schlossparktheater [Schloßparktheater].
    Heute wird er 75. Glückwunsch!

    welt.de 4.9.2010

    Unvergeßlich – Die Rechtschreibreform:
    http://nachrichtenbrett.de/Film/Hallervorden100.mov

    Sigmar Salzburg

    04.09.2010 07:32   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Die Welt   Beitrag einzeln

    <I>Fossiler Schreibreformer im Ministerrang</I>
    KATASTROPHALES ERGEBNIS BEI TEST FÜR DRITTKLÄSSLER
    Herr Senator, ist Ihre Bildungspolitik gescheitert?
    02.09.2010 - 14:13 UHR
    Die Drittklässler der Hauptstadt müssen noch ganz viel lernen...

    Die Sieben- bis Neunjährigen konnten bei den Vergleichsarbeiten „Vera 3“ in Mathe, Lesen und Rechtschreibung insgesamt nur 48 % der Aufgaben lösen, so die Auswertung des Berliner Instituts für Schulqualität. Im Schnitt hatten deutschstämmige Schüler 52 % richtig, Kinder aus Migrantenfamilien nur 38 %.

    Damit die Tests bundesweit vergleichbar sind, wurden fünf Kompetenzstufen eingeführt: Mindeststandard ist Stufe 2, Maximalstandard Stufe 5. Der Mindeststandard bildet das Leistungsniveau ab, das ein Schüler am Ende der 4. Klasse eigentlich erreicht haben müsste.

    In Mathe schafften 37 % aller Schüler – und 54 % der Kinder mit ausländischen Wurzeln – den Mindeststandard nicht. In Deutsch ein noch schlimmeres Bild: 38 % aller Drittklässler erreichten nur Stufe 1 sowie knapp 61 % der Kinder aus Migrantenfamilien. Ein katastrophales Ergebnis!

    Für Mieke Senftleben (57), bildungspolitische Sprecherin der FDP, ein Versagen des rot-roten Senats: „Trotz vielfältiger Reformen und höherem Mitteleinsatz schafft er es nicht, bessere Startchancen zu ermöglichen und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen.“

    Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu (42), zu BILD: „Die Ergebnisse sind erschreckend und ein Sinnbild für die gescheiterte Bildungspolitik von Rot-Rot. Berlin muss mehr in die Bildung investieren und eine Qualitätsoffensive für die Berliner Schulen starten.“ Sein CDU-Kollege Sascha Steuer (35): „Die Berliner Kinder sind in der 3. Klasse schlechter als die Erstklässler manch anderer Bundesländer.“

    Bildungssenator Prof. Jürgen Zöllner (65, SPD) sieht das anders: „Ein Test, den alle bestehen würden, ist kein aussagefähiger Test. Aber die Ergebnisse können Schulen wichtige Hilfestellungen geben, in welcher Klasse besondere Förderungen notwendig sind.“

    bild.de 2.9.2010

    Sigmar Salzburg

    02.09.2010 14:39   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Bildzeitung   Beitrag einzeln

    Der Fall S. entlarvt die Medien
    Die fast ausnahmslose Darstellung:

    … in Deutschland eine Welle der Empörung …
    Deutsche Welle 26.08.2010

    ....

    Die Welle der Empörung … wird immer größer…
    handelsblatt.com 31.08.2010

    … und die Wirklichkeit:

    Letzte Umfrageergebnisse bei Focus:
    Welche Konsequenzen finden Sie richtig für Thilo Sarrazin?

    1 Die SPD muss ihn aus der Partei ausschließen. 2%
    2 Die Bundesbank soll ihn aus dem Vorstand abberufen. 2,4%
    3 Er soll sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehen. 3,4%
    4 Seine Äußerungen sollten keine Konsequenzen nach sich ziehen. 92,2%

    focus.de 31.08.2010

    Sigmar Salzburg

    01.09.2010 02:54   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Zeitungs- und Online-Meldungen   Beitrag einzeln

    …
    Urteil gegen Tauss ist rechtskräftig
    … Es gehöre … nicht zu den Pflichten von Parlamentariern, Vertriebswege von Kinderpornografie zu recherchieren, hieß es in dem Urteil, das der BGH nun bestätigte. …
    zeit.de 31.8.2010

    Sigmar Salzburg

    31.08.2010 17:36   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Zeitungs- und Online-Meldungen   Beitrag einzeln

    Shaw
    Eine Liebe in Briefen
    Von Birgitta Lamparth

    LITERATURHAUS Saisonauftakt mit Shaw-Abend am 4. September

    Sie waren ein ganz besonderes Paar - und waren es doch nie wirklich. George Bernhard Shaw und Stella Patrick Campbell. 40 Jahre überspannt ihre vermutlich platonische Leidenschaft. Hunderte von Briefen dokumentieren ihre intensive Verbundenheit … Iris Gerath-Prein hat sich mit der Beziehung zwischen den beiden Menschen aus der Theaterszene intensiv auseinandergesetzt - … Und da lag es nahe, mit dem Darsteller des Higgins auf der Wiesbadener Bühne, Dirk Schäfer, dieses Programm ebenfalls zu erarbeiten, das nach der Premiere im Literaturhaus auch noch andernorts präsentiert werden soll….
    Briefe, die seine Sprachgewalt auf der einen Seite zeigen, die ihr eigene Poesie in schlechter Orthografie auf der anderen. Und ganz viel Liebe. … Tiere kommen in den oft auch ironischen Briefen häufig als Metaphern vor. Daher auch der Jagdleopard: So nennt Shaw Stella Campbell. Iris Gerath-Prein: „Sie ist das wilde Tier, dass er niemals erlegen wird - aber er hat es einmal gestreichelt.“
    main-spitze.de 27.8.2010

    Bekanntlich hat Shaw testamentarisch einen bedeutenden Betrag zur Entwicklung einer reformierten englischen Rechtschreibung hinterlassen. Das ganze ist aber, nach Verleihung einiger Preise, vernünftigerweise eingestellt worden. Für Shaws Beispiel, man könne „fish“ auch „ghoti“ schreiben (aus: rough, women, nation), könnte man im Deutschen kein Gegenstück finden – was obsessive Reformer nicht hindert. Prof. Higgins hat auch ein reales Vorbild: den Sprachforscher Alexander John Ellis .
    Den vielseitigen Schauspieler und Sänger Dirk Schäfer haben wir in Kiel schätzen gelernt.


    Sigmar Salzburg

    30.08.2010 09:39   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Main-Rheiner   Beitrag einzeln


    Lieber Norbert!

    Friedrich Denk sagte: „Ich bedauere aber, daß die Schüler gegen das Diktat der Kultusminister nicht so rebellisch sind, wie wir das in den 68er Jahren waren.“

    Friedrich Denk sagte weiter: „Den Ausschlag dazu [zu seinem Engagement gegen die Rechtschreibreform] gab letztlich mein Sohn. Der hat mich von Anfang an dazu ermuntert. Dabei hat er, wie die meisten Kultusminister ja auch, wenig mit Sprache zu tun. Er sah das eher politisch.“

    Also genau so, wie ich (siehe dort oder sonstwo).

    Von Anfang an bekämpfte ich nicht nur die Rechtschreibreform, sondern auch die Rechtschreibreformer, die ich heute noch allesamt für Verbrecher halte. Als ich sah, daß man meine Leserbriefe nicht in den Zeitungen veröffentliche, kündigte ich die Zeitungsabonnemente.

    Apropos „Diktat der Kultusminister“: deren gelehrigste und folgsamste Schüler waren doch die 68er: die Redaktoren und Verleger.

    Gruß von Peter
    Peter Lüber

    29.08.2010 09:20   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Stern   Beitrag einzeln

    Es geht um etwas, das uns alle angeht.
    Stern, 16.8.2004

    Was macht eigentlich...:
    Friedrich Denk
    Der oberbayerische Studiendirektor gründete 1996 mit "Wir gegen die Rechtschreibreform" die einflussreichste Bewegung gegen das neue Regelwerk


    [Bild]
    Friedrich Denk, 61
    © Armin Brosch

    Zur Person:
    Friedrich Denk, 61, in der Bibliothek seines Hauses in Pullach, das der Vater von drei Kindern mit seiner Frau erst vor wenigen Tagen bezog. Seit zwei Wochen ist der Studiendirektor für Deutsch und Französisch im Ruhestand, um mehr Zeit für den Kampf gegen die Rechtschreibreform zu haben. Daneben ist er Gründer und Redakteur der "Weilheimer Hefte zur Literatur". 1996 startete Denk zunächst mit ein paar hundert selbst gefertigten Flugblättern und einer Unterschriftenaktion seinen Protestlauf, es folgte die Mobilisierung von namhaften Schriftstellern, Dichtern und Verlegern in der "Frankfurter Erklärung"

    Das Interview mit Friedrich Denk führte Hannelore Schütz

    Deutschland debattiert mal wieder über die Rechtschreibreform. Wie oft klopfen Sie sich täglich auf die Schulter?
    Überhaupt nie. Es muss doch immer um die Sache gehen. Das ist wie bei einem Klavierspieler. Wenn der sagt: "Was bin ich heute gut", dann spielt der gleich schlechter.

    Nach welcher Rechtschreibung unterrichten Sie?
    Ich habe mich dank der Altersteilzeitregelung beurlauben lassen. Aber vorher, muss ich gestehen, versuchte ich ganz bewusst, die Klippen zu umschiffen. Keine Sätze mit "dass" oder mit dieser unlogischen Groß- und Kleinschreibung. Von wegen Vereinfachung. Heute machen die Schüler viel mehr Fehler als früher. Die Erwachsenen übrigens auch.

    Sind Ihre Schüler nun stolz auf Sie oder eher sauer?
    Beides. Die Klügeren waren am Anfang gegen die Reform. Heute sind viele, die eher schlampig arbeiten, zufrieden damit, weil sie im Augenblick die Wahl haben zwischen Alt oder Neu und alles richtig ist. Ich bedauere aber, dass die Schüler gegen das Diktat der Kultusminister nicht so rebellisch sind, wie wir das in den 68er Jahren waren.

    Immer nur kämpfen. Macht das nicht müde?
    Ich bin immer noch mittendrin und absolut nicht müde. Damit ich noch Zeit habe, etwas gegen die Reform zu tun, bevor 2005 das Fallgitter runtergeht, habe ich mich ja auch freistellen lassen.

    1996, auf der Frankfurter Buchmesse, haben Sie deutschsprachige Schriftsteller wie Grass, Walser, Kunze für Ihren Protest gegen die Reform gewonnen. Haben Sie noch Kontakt zu denen?
    Der ist nie abgerissen. Im Herbst sind wieder zwei Veranstaltungen mit namhaften Autoren für die Einheit der Orthografie geplant.

    Und was sagen Ihre Kollegen? Trauen Sie sich noch in eine Schule, nachdem die meisten Lehrer gegen die Reform der Reform sind?
    Das ist eine Behauptung der Kultusminister und eine glatte Lüge. Die erzählen alles, wenn es ihnen was nützt. Am Weilheimer Gymnasium, an dem ich unterrichtet habe, waren fast alle Lehrer für mich. Nur zwei Direktoren plädierten für die Reform. Auch heute noch sind bundesweit viele Lehrer gegen die neue Rechtschreibung. Sie trauen sich aber nicht, das auch öffentlich zu sagen.

    Warum engagieren Sie sich eigentlich so stark. Wegen des f statt des ph im Delfin?
    Den Ausschlag dazu gab letztlich mein Sohn. Der hat mich von Anfang an dazu ermuntert. Dabei hat er, wie die meisten Kultusminister ja auch, wenig mit Sprache zu tun. Er sah das eher politisch.

    Und Sie?
    Auch wir, die Gegner, fühlten uns im Sinne der Demokratie dazu verpflichtet, etwas zu tun, um das Vorhaben zu kippen. Das wäre ein Ruck durchs Land. Und die Menschen würden wieder Mut fassen, wenn sie sähen, dass man auf sie hört. Die Politiker fordern ja ständig, wir sollten uns beteiligen.

    Es geht also eher um Politik als um Orthografie?
    Es geht um etwas, das uns alle angeht. Aber jetzt plötzlich ist von Beteiligung nicht mehr die Rede. Das sagen die Politiker doch nur in ihren Sonntagsreden, und dann machen sie es ohne das Volk.

    In einem Jahr wird die Entscheidung gefallen sein. Dann sind Sie ein Held oder gescheitert. Was machen Sie dann?
    Ich mache weiterhin Literaturhefte und organisiere Dichterlesungen. Das ist Arbeit genug.

    Kein Aufschrei gegen Hartz und Co.?
    Davon verstehe ich nichts.
    Norbert Lindenthal

    28.08.2010 22:48   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Stern   Beitrag einzeln

    Re: Re: Jugendwebseite der Süddeutschen
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Norbert Lindenthal ...
    Otfried Preußler gehört zu den Reformgegnern. Siehe Frankfurter Erklärung
    ... und Michael Ende war schon zu tot, als daß er sich hätte wehren können.
    Sigmar Salzburg

    28.08.2010 07:46   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Süddeutsche Zeitung   Beitrag einzeln

    Re: Jugendwebseite der Süddeutschen
    Zitat:
    Ursprünglich eingetragen von Sigmar Salzburg
    … … Preußler …

    Otfried Preußler gehört zu den Reformgegnern. Siehe Frankfurter Erklärung
    Norbert Lindenthal

    28.08.2010 06:47   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Süddeutsche Zeitung   Beitrag einzeln

    Jugendwebseite der Süddeutschen
    Welches ist für dich das beste deutsche Buch?

    4000 Menschen weltweit haben die zehn besten deutschen Bücher gewählt. Das Ergebnis ist teils überraschend. Wie hättest du entschieden?

    Um die Freude an der deutschen Sprache wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, hat das Goethe-Institut eine weltweite Umfrage gestartet und nach den beliebtesten deutschen Büchern gefragt. Bei der Auswertung schaffte es „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende auf den ersten Platz der Lieblingsbücher. Den zweiten Platz belegte „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, gefolgt von Otfried Preußlers „Krabat“ und Thomas Manns „Buddenbrooks“. Was Goethe wohl dazu sagen würde, dass er mit seinem berühmten „Faust“ nur auf Platz sieben gelandet ist? Am Wettbewerb haben über 4000 Menschen zwischen sieben und 90 Jahren teilgenommen. Über 70 Prozent der Einsendungen stammen von Frauen. Die Teilnehmer kommen aus 57 Ländern. Neben vielen Stimmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gab es auch welche aus Italien, Kasachstan, Malaysia, Rumänien, Russland, Serbien, Ungarn und den USA. Die Teilnehmer nannten viele unterschiedliche Gründe für die Wahl, doch auffallend häufig war eine Kindheitserinnerung damit verbunden. Hier also die Liste der zehn beliebtesten Bücher aus Deutschland:

    1. Die unendliche Geschichte (Michael Ende)
    2. Der Vorleser (Bernhard Schlink)
    3. Krabat (Otfried Preußler)
    4. Buddenbrooks (Thomas Mann)
    5. Das Parfüm (Patrick Süßkind)
    6. Momo (Michael Ende)
    7. Faust (Johann Wolfgang Goethe)
    8. Die Wand (Marlen Haushofer)
    9. Siddhartha (Hermann Hesse)
    10. Im Westen nichts Neues (Erich Maria Remarque)

    jetzt.sueddeutsche.de 26.8.2010

    Die gute Nachricht: Nur die Bücher von Ende und Preußler sind bisher systematisch reformgemäß verferkelt worden.

    Sigmar Salzburg

    27.08.2010 15:29   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Süddeutsche Zeitung   Beitrag einzeln

    <I>Anmerkung zum Schulschrift-Artikel der FAZ</I>
    (Ich hatte nicht die Zeit, ihn zu kürzen)

    Schriften sind ästhetische Fenster zu den großen Kulturen. Deutsche Fraktur- und Kurrentschriften, Devanagari, arabische Ruq’a und chinesische Zeichen habe ich gerne geübt und geschrieben. Als ich krank war, habe ich sogar ein ganzes chinesisches Wörterbuch abgeschrieben. Mit der deutschen Norm-Schulschrift stand ich aber immer auf Kriegsfuß. Heute weiß ich, was sie so mühsam macht: die vielen künstlichen Rundungen, die mühsam nachgezirkelt werden müssen. Das alte Sütterlin hatte diese Zwangsrundungen noch nicht.

    Aus meinen Begegnungen mit englischen Freunden alter Musik lernte ich jedoch, daß auch in einer abgewandelten Lateinhandschrift ästhetisches Schreiben möglich ist. Manche schufen in gewöhnlichen Briefen geradezu kalligraphische Kunstwerke, die von ihren Empfängern sorgsam aufbewahrt wurden. Auch bei Designern und Architekten sah ich, daß es jenseits der DIN-Normschrift in gezeichneten und beschrifteten Plänen künstlerische Individualität gab. Vieles davon ist mit der elektronischen Datenverarbeitung nicht mehr gefragt.

    Dennoch halte ich es für einen Irrwitz, das handschriftliche Schreiben in den Schulen abschaffen zu wollen. Ohne „Notebook“ wären die Schüler bessere Behinderte. Außerdem ist das Schönschreiben eine unvergleichliche feinmotorische und ästhetische Schulung, die vergleichbar dem Erlernen eines Musikinstrumentes ist.


    Sigmar Salzburg

    26.08.2010 08:33   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung   Beitrag einzeln

    Experimentierfeld Schulschrift
    Aktuell > Wissen > Mensch & Gene

    Buchstaben mit Zukunft

    Schreibschrift, ade?

    Tastaturen haben das Schreiben von Hand in Nischen verdrängt. Welche Schrift sollen Grundschüler in Zukunft lernen? Während darüber noch gestritten wird, fordern Wissenschaftler und Pädagogen das Ende des Schönschreibens.

    Von Georg Rüschemeyer

    24. August 2010

    „Tres digiti scribunt et totum corpus laborat“ - „Drei Finger schreiben, aber der ganze Körper arbeitet“, klagten schon die zum Kopieren von Büchern abgestellten Mönche des Mittelalters über ihren kräftezehrenden Beruf, der die Augen trübe, die Lenden breche, den Nacken krumm werden und überhaupt alle Glieder leiden lasse.
    Der Spruch passt auch auf so manchen modernen Abc-Schützen, der sein Heft unter höchster Konzentration mit schnörkeligen Buchstaben füllt. Auch wenn dabei nicht gleich der Nacken krumm wird: Vor allem das Einüben der sogenannten Lateinischen Ausgangsschrift (LA) ist für viele Kinder eine feinmotorische Herausforderung. Seit dem Jahr 1953 wurde diese Schrift in den meisten deutschen Volksschulen unterrichtet und löste die seit den zwanziger Jahren gebräuchliche Sütterlinschrift schnell ab.
    Anfang der siebziger Jahre entwickelte dann der Göttinger Grundschullehrer Heinrich Grünewald eine Variante dieser Schrift, die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA). Vor allem eine starke Annäherung der Großbuchstaben an die Druckschrift, der einheitliche Beginn der Kleinbuchstaben an der Mittellinie, sowie eine geringere Zahl abrupter Wechsel der Schreibrichtung sollen den Kindern das Schreibenlernen erleichtern. Zudem soll die stärkere Gliederung der Buchstaben dem Kind helfen, Wörter analytisch in ihre Einzelteile zu zerlegen und so ihre Schreibweise besser zu verstehen.

    Eine flüssige und leserliche Erwachsenenschrift

    Grünewald ging für seine Schrift von der Analyse von Erwachsenenhandschriften aus, die zumeist ebenfalls mit Druck-Großbuchstaben schreiben. Das Entwickeln einer individuellen Handschrift ist im Konzept jeder „Ausgangsschrift“ durchaus gewollt und unterscheidet sie von Normschriften wie dem Sütterlin, das im Idealfall ein Leben lang in immer gleichen Formen geschrieben werden sollte.
    Grünewalds VA breitete sich in den Achtzigern an westdeutschen Schulen aus und hat heute die barocke LA an vielen Schulen verdrängt. Mit der Wiedervereinigung ging schließlich noch die 1968 in der DDR eingeführte Schulausgangsschrift (SAS) ins Rennen. 1994 forderte die Kultusministerkonferenz lediglich eine verbundene Schrift (im Gegensatz zur aus einzelnen Lettern bestehenden Druckschrift), überließ die Wahl einer der drei Ausgangsschriften aber den Ländern, von denen viele ihren Schulen wiederum mehr oder minder viel Wahlfreiheit gewähren. Damit war die heutige Schriftenverwirrung perfekt, die Schülern vor allem nach einem Schulwechsel erheblich zu schaffen machen kann.
    Welche der drei Schriften am leichtesten zu erlernen ist und später zur flüssigsten und leserlichsten Erwachsenenschrift wird, ist dabei vor allem eine Glaubensfrage. „Es gibt dazu in Deutschland einen erstaunlichen Mangel an Empirie“, sagt Sigrun Richter, Professorin für Grundschulpädagogik an der Universität Regensburg. Einer der wenigen Versuche, die Vorteile einer Schrift in Sachen Leserlichkeit, Schreibgeschwindigkeit und Rechtschreibung mit wissenschaftlicher Genauigkeit zu vergleichen, stammt von Heinrich Grünewald selbst. Im Rahmen eines Schulversuchs verglich er Anfang der siebziger Jahre sechs Klassen, die in der LA unterrichtet wurden, mit ebenso vielen Klassen, die seine VA erlernten. Grünewald schloss, dass seine VA sowohl Leserlichkeit, Schreibtempo und Rechtschreibung begünstige. Damit war die VA auch wissenschaftlich abgesegnet, wenn es auch schon damals nicht unbedingt guter Stil war, dass der Entwickler sein Produkt selbst evaluiert.
    1996 nahm der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Wilhelm Topsch die Studie denn auch gehörig auseinander: Sie sei voller Fehler, widersprüchlicher Daten und unbewiesener Behauptungen. Ein Beispiel: 56 Prozent der Schüler in der VA-Gruppe waren Mädchen, in der LA-Gruppe waren es jedoch nur 44 Prozent. Da Mädchen generell bessere Schreibleistungen zeigen, verfälsche allein dies die Ergebnisse erheblich zugunsten der VA, so Topsch, der die Nachlässigkeiten seines Kollegen für „skandalös“ hält.

    „Schluss mit dem Schriften-Wirrwarr!“

    In einer weiteren Studie, welche die Leistungen von in VA und LA unterrichteten Kindern verglich, konnte seine Regensburger Kollegin Sigrun Richter 1997 denn auch keinen Vorteil der vereinfachten Version ausmachen. „Im Gegenteil, die Leistungen der Kinder in der LA-Gruppe waren sogar etwas besser“, sagt Richter. Das hänge sie aber nur ungern an die große Glocke, weil sie sich nicht vor den Karren jener Eltern und Lehrer spannen lassen wolle, welche die Schnörkel der LA wieder zum Standard erheben wollten. „Die Frage ist doch vielmehr: Brauchen wir heute überhaupt noch eine verbundene Ausgangsschrift?“
    Damit gehört sie zur wachsenden Zahl von Pädagogen, die den Streit um die richtige Schönschrift beenden wollen, indem sie sie komplett abschaffen. Unter dem Motto „Schluss mit dem Schriften-Wirrwarr!“ hat im Mai der deutsche Grundschulverband eine Initiative zur Abschaffung der drei gebräuchlichen Ausgangsschriften gestartet. Die Alternative ist simpel: Man solle es einfach bei der handgeschriebenen Druckschrift belassen, in der heute Erstklässler im ganzen Land ohnehin Lesen und Schreiben lernen, bevor sie dann in der zweiten Jahrgangsstufe zu den geschwungeneren Ausgangsschriften angehalten werden. Als didaktischen Kunstfehler bezeichnet der Verband diesen Sprung „zurück auf null“ des Schrifterwerbs. „Neben dem Frust für Kinder kostet das auch sehr viel Unterrichtszeit, die dann all den anderen Bildungsaufgaben der Grundschule abgeht“, sagt Maresi Lassek, Vorsitzende des Verbandes.
    Der Grundschulverband propagiert nun die sogenannte Grundschrift, handgeschriebene Druckbuchstaben, die zum Teil für den besseren Anschluss mit einem kleinen Wendebogen enden. Diese Grundschrift soll aber nicht wie gestochen kopiert werden, sondern lediglich als Vorlage zum Entwickeln einer eigenen Handschrift dienen, die, wie es die Lehrpläne fordern, auch durchaus verbunden sein soll. Nur dürfen die Kinder unter Anleitung ihrer Lehrerinnen verstärkt selbst ausprobieren, wo beispielsweise eine Buchstabenverbindung sinnvoll ist und wo man stattdessen eher einen „Luftsprung“ einlegt.

    Neuere Daten kommen aus der Schweiz

    Vom drohenden Verlust deutschen Kulturguts könne angesichts der kurzen Geschichte der heutigen Ausgangsschriften keine Rede sein, meint Lasseks Stellvertreter Ulrich Hecker, Leiter der Regenbogen-Grundschule in Moers. „Die sind einfach nur anachronistischer Ballast für den Unterricht.“ Die Befürworter der drei gängigen Schriften führen neben ästhetischen Argumenten die kindliche Feinmotorik an, die zu verkümmern drohe und fürchten einen unterbrochenen Schreibfluss.
    Die wenigen empirischen Vergleichsdaten, die es gibt, widersprechen dem aber. So machte die Münchener Erziehungswissenschaftlerin Christina Mahrhofer-Bernt in einer 2002 beendeten Vergleichsstudie gute Erfahrungen mit einer eigens entwickelten, der Grundschrift recht nahe kommenden Schrift und dem dazugehörigen Unterrichtskonzept, das diese Schrift nur als unverbindliche Empfehlung ansah.
    Neuere Daten kommen aus der Schweiz, wo im Kanton Luzern seit 2006 neben der althergebrachten, der LA stark ähnelnden Schweizer Schulschrift, auch eine weitgehend den Druckbuchstaben angeglichene „Basisschrift“ zugelassen ist. Forscher der Pädagogischen Hochschule der Zentralschweiz in Luzern verglichen in einer im Juni veröffentlichten Studie die schreibmotorischen Leistungen von 93 Viertklässlern, die etwa je zur Hälfte in einer der beiden Schriften unterrichtet worden waren. „Dabei bestätigte sich, dass in der Basisschrift unterrichtete Kinder schneller und trotzdem leserlicher zu schreiben vermögen als mit der alten Schnürlischrift“, sagt Studienleiterin Sibylle Hurschler. Zudem war der sonst deutliche Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in den Schreibleistungen bei der Basisschrift verschwunden.

    Die letzten Domänen der Handschrift

    „Die Schweizer Ergebnisse sind ein guter Beleg dafür, dass es einer ,Zwei-Schriften-Didaktik' nicht bedarf“, meint die Regensburger Professorin Richter. Ähnliche Studien seien auch zur Evaluierung der Grundschrift vonnöten, um der traditionell sehr von Behauptungen lebenden Pädagogik ein empirisches Fundament zu geben. Der Grundschulverband allerdings bewertet die bisherigen Erfahrungen an inzwischen rund 50 Grundschulen auch ohne streng wissenschaftliche Auswertung so positiv, dass man in der kürzlich gestarteten Kampagne nun bundesweit Lehrer zum Erproben der Grundschrift ermutigen will. Anfang kommenden Jahres sollen in einer Tagung auch die Grundschulreferenten der Länder für die Grundschrift begeistert werden. Denn noch empfehlen viele Lehrpläne explizit eine der drei Ausgangsschriften. Ulrich Hecker sieht das aber schon jetzt nicht als Hindernis: Nach dem in der Grundschrift wirkenden Prinzip „Ausprobieren statt vorschreiben“ gebe es ja kein Argument dafür, in der zweiten Klasse nicht auch mal eine der herkömmlichen Ausgangsschriften auf praktische Schreibweisen abzuklopfen und so zumindest den Buchstaben des Lehrplans zu befolgen.
    Die große Frage, die sich im Zeitalter von E-Mails, SMS und Kleinkindern mit voller Kontrolle über die Menüstruktur des elterlichen Laptops stellt, ist allerdings: Wozu sollen die erwachsenen User von morgen überhaupt noch die Kulturtechnik der Schreibschrift beherrschen? Tastaturen haben das Schreiben von Hand im Alltag vieler Menschen auf Nischen wie Einkaufszettel oder Postkarten verdrängt, für Bewerbungen werden kaum noch handschriftliche Lebensläufe verlangt und selbst offizielle Anschreiben kann man neuerdings per E-Postbrief komplett papier- und stiftfrei versenden. Neben dem ohne Notar nur handschriftlich rechtsgültigen Testament bleiben eigentlich nur noch Prüfungen an Schule und Universität als eine der letzten Domänen der Handschrift - vorerst.

    Eine unverzichtbare Grundlage

    Trotzdem glaubt die Lernforscherin Sibylle Hurschler nicht, dass die Schreibschrift bald überflüssig werde. „Dafür sind Bleistift und Zettel in zu vielen Situationen einfach zu praktisch.“ Und Ulrich Hecker führt Studien an, nach denen erst die Verknüpfung des motorischen Programms mit den dazugehörigen Buchstaben im Gehirn ein tieferes Verständnis für den Aufbau von Buchstaben und Wörtern erzeugt.
    Auch Sigrun Richter sieht in der Handschrift eine unverzichtbare Grundlage des Schreibenlernens. Doch das Schreiben am Computer müsse für einen zeitgemäßen Schreibunterricht viel mehr in die Lehrpläne integriert werden. „Wir haben das mal in einer Studie ausprobiert: Ab der dritten Klasse kommen die Kinder mit ganz normalen Tastaturen bestens klar.“

    Text: F.A.S.

    faz.net 24.8.2010

    Sigmar Salzburg

    24.08.2010 21:34   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung   Beitrag einzeln

    Nochmals: Grass und Grimms
    Literatur: Geselligkeit unter Gleichen
    von Anne Grages
    Günter Grass bedichtet die Brüder Grimm und baut sich zum Abschied ein Denkmal als Zeus.

    Düsseldorf. Es klingt unverhohlen nach Abschied. Von seinem „wahrscheinlich letzten Buch“ schreibt Günter Grass. 82 Jahre ist der Nobelpreisträger alt, da rückt der Gedanke ans Ende bedrohlich nahe: „Jetzt aber steht er mir bevor. Nach ihm wird nichts sein (...). Auch lasse ich ungern von meiner Frau, den Töchtern, Söhnen, den Enkeln, dem konfusen Zeitgeschehen, meinen Vergnügungen, dem Achterbahnfahren und den Fußballergebnissen am Wochenende. Doch da mir, umringt von mehr und mehr Ungewißheiten, einzig der Tod gewiß ist, will ich ihn (...) als ungeladenen, aber unumgänglichen Gast empfangen und allenfalls mit der Bitte belästigen: Mach es kurz und schmerzlos.“ (Rechtschreibung nach Grass).

    Der Schriftsteller poltert wie gewohnt über „Duckmäuserei“

    [Davor das Beispiel dazu: Die Entschuldigung für die übliche Kulturrechtschreibung.]

    Sein gerade erschienenes Buch „Grimms Wörter“ setzt jedoch ohnehin einen Schlusspunkt, denn es beschließt die autobiografische Trilogie des Schriftstellers. In „Beim Häuten der Zwiebel“ blickte er auf seine Jugendjahre zurück. „Die Box“ widmete sich der Familiengeschichte. Nun präsentiert er ein Dreifachporträt großer Schriftgelehrter – Grass und die Grimms.
    Ein Grass tritt aber gewiss nicht leise ab. Jacob und Wilhelm Grimm liefern dafür nicht direkt den Stoff, denn sie führten ein recht geruhsames Leben zwischen Schreibtisch und Spaziergängen. Doch der Autor findet anderweitig genug Anlässe zum gewohnten Poltern über die allgemeine „Duckmäuserei“.

    Der Protest der Grimms ist für ihn ein idealer Ausgangspunkt

    Denn das Brüderpaar ist hervorgetreten als Teil der „Göttinger Sieben“: So viele (respektive wenige) Professoren protestierten 1837 dagegen, dass der König von Hannover, Ernst August, die erst vier Jahre zuvor eingeführte relativ liberale Verfassung wieder abschaffte. Das kostete die Grimms ihre Ämter – und weil sie nun anderweitig ein Einkommen brauchten, machten sie sich überhaupt ans Wörterbuch.
    Ihr aufrechter bürgerlicher Protest ist für Grass formaler und inhaltlicher Ausgangspunkt. So legt er seine „Liebeserklärung“ ebenfalls wie ein Wörterbuch an. […]

    Westdeutsche Zeitung 20.8.2010

    Sigmar Salzburg

    21.08.2010 15:19   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Westdeutsche Zeitung   Beitrag einzeln

    Der Volksentscheid aus Deutschlands Norden wird nicht genannt
    Die Welt, 20. August 2010

    Selbstbewusste Bürger zwingen Politik in die Knie
    Sie machen gegen Stuttgart 21 mobil, kippen die Schulreform in Hamburg. Stoppen sie jetzt auch die deutsche Atomlobby?

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    Atomstromlieferanten der Bundesrepublik
    FOTO: DPA

    In Deutschland läuft die Debatte um die Abkehr vom Atomausstieg. Bis etwa 2020 sollen hierzulande - bisher - alle Meiler abgeschaltet werden. Wir zeigen die deutschen Atomkraftwerke. Zum Beispiel Biblis in Hessen: Kernkraftwerke gibt es in Deutschland bereits seit 1960, das erste Versuchskraftwerk wurde damals von der Firma AEG gebaut.

    Von Günther Lachmann

    In den vergangenen Jahren haben Affären, gebrochene Wahlversprechen und öffentlich ausgetragene persönliche Auseinandersetzungen das Ansehen der deutschen Politik schwer geschädigt. Ihre Autorität und damit ihre Entscheidungssouveränität blieb bislang jedoch weitgehend erhalten.

    Inzwischen gerät aber auch diese zunehmend in Gefahr. Denn politische Entscheidungen werden nicht nur angezweifelt, sie werden sogar erfolgreich bekämpft und etwa durch Volksentscheide revidiert. In Hamburg kippten Bürger eine von den regierenden Parteien geplante Schulreform, in Bayern erstritten sie gegen den Willen der Politik ein strenges Rauchverbot. In beiden Fällen verkannte die Politik die wahren Interessen der Bürger, die sich daraufhin selbst organisierten. In Hamburg und Bayern setzten sie ihre Vorstellungen vom Gemeinwohl schließlich mit Hilfe der aus den öffentlichen Protesten hervorgegangenen Volksabstimmungen durch und erschütterten das parteipolitisch organisierte System der Bundesrepublik nicht unerheblich.

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    Hamburger stimmen gegen Schulreform

    In Stuttgart könnte es nun zu einer weiteren schweren Niederlage der Politik kommen. Dort wollen tausende Bürger den Umbau des Hauptbahnhofs verhindern. Das sogenannte Projekt Stuttgart 21 ist ihnen erstens zu teuer, zweitens zweifeln sie an seiner Praktikabilität. Seit Tagen erhalten die Bürger, die die Bagger am Abriss des Bahnhofnordflügels hindern, weiteren Zulauf.

    Die Aktionen in Bayern, Hamburg und Stuttgart sind urdemokratische Reflexe gegen ein parteipolitisch organisiertes parlamentarisches System, bei dem der Dialog zwischen Parlament und Gesellschaft nicht mehr funktioniert. Das Volk und diejenigen, die es regieren bzw. regieren wollen, sind sich fremd geworden. Es gab eine Entwicklung, in deren Folge die Lebenswirklichkeit von den Parteien und ihren Fraktionen anders wahrgenommen wird als von der Gesellschaft.

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    Baubeginn für "Stuttgart 21"

    In ihren Abgeordnetenbüros haben die Parlamentarier ständigen Kontakt zu Lobbyisten aus allen Bereichen der Wirtschaft, von Berufsverbänden und anderen Institutionen. Den Menschen in ihrem Wahlkreis begegnen sie nur alle paar Wochen einmal.

    Schon vor der parlamentarischen Sommerpause liefen ihnen die Vertreter der Atomlobby die Türen ein. Anlass ist die im September anstehende Entscheidung der Bundesregierung über die künftige Energiepolitik im Land. Da wollen die Vertreter der Kernenergie unter anderem eine Verlängerung der Laufzeit älterer Kraftwerke durchsetzen.

    Welche Bedeutung die Atomindustrie der Entscheidung im September beimisst, belegt eine in den kommenden Tagen startende Kampagne mit dem Ziel, die Energiepolitik der Bundesregierung noch im Prozess der Entscheidungsfindung im Sinne der eigenen Interessen zu lenken. Es geht darum, die Folgen der historischen Niederlage vom Dezember 2001, als der Bundestag mit den Stimmen von SPD und Grünen den Atomausstieg beschloss, zu beseitigen.

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    Der komplizierte Weg zum Atomkompromiss

    Die geplante Verlängerung der Atomlaufzeiten hält die deutsche Politik derzeit in Atem. Verantwortlich dafür ist nicht nur der ideologische Richtungsstreit zwischen und in den Parteien über die zivile Nutzung der Nuklearenergie. Erschwert wird eine Entscheidung dadurch, dass die Laufzeitverlängerung mit vielen verschiedenen Fragen verknüpft ist. Ein Überblick:

    Zu diesem Zweck suchten sich die Energiekonzerne namhafte Mitstreiter. So wurde der Aufruf unter der Überschrift „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“ neben den Chefs der vier großen Energiekonzerne, Johannes Teyssen (E.on), Jürgen Großmann (RWE), Hans-Peter Villis (EnBW) und Tuomo Hatakka (Vattenfall) unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, von Bayer-Chef Werner Wenning und dem Thyssen-Krupp-Vorstand Ekkehard Schulz unterzeichnet. Ihnen wiederum schlossen sich ehemalige Politikgrößen wie Friedrich Merz, Otto Schily und Wolfgang Clement an. Zumindest die Unterschrift der beiden Letztgenannten ist überraschend, haben sie doch, wenn auch widerwillig, damals den Atomausstieg mitgetragen.

    Wie die Bürgerproteste in Hamburg, Bayern und Stuttgart ist die konzertierte Aktion der Atomlobbyisten ein massiver Angriff auf die Politik. Doch anders als in Hamburg, Bayern und Stuttgart ist das Vorgehen der deutschen Wirtschaftsführer nicht Ausdruck eines in der Gesellschaft tief verankerten politischen Konsenses, den Regierende und Parlamentarier missachteten. Er richtet sich im Gegenteil gegen einen solchen gesellschaftlichen Konsens und ist einzig und allein Ausdruck handfester wirtschaftlicher Interessen.

    Eine Physikerin besucht die Energie
    FOTO: DDP/DDP
    Merkels Energiereise, Tag 2: Die Kanzlerin, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD, r.) und der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) besuchten die Strombörse in Leipzig.

    Erst im Juni wurde dem Deutschen Atomforum in einer von ihm selbst beim Meinungsforschungsinstitut Emnid in Auftrag gegebenen Umfrage erneut die ablehnende Haltung der Deutschen gegenüber der Kernenergie bescheinigt. Darin sagten 50 Prozent der Befragten, sie seien gegen die Atomenergie. Bei der Frage, welche Energieträger die Stromversorgung in den kommenden Jahren „im Wesentlichen sichern“ können, erhielt die Solarenergie mit 69 Prozent den höchsten Zustimmungswert, gefolgt von der Windenergie mit 66 Prozent und der Wasserkraft mit 44 Prozent. Die Atomenergie folgten mit 30 Prozent Zustimmung auf Rang vier.

    Anders als die gescheiterte Schulpolitik in Hamburg, als das umstrittene Bahnprojekt in Stuttgart und die Nichtraucherpolitik in Bayern basiert der Atomausstieg auf dem Willen einer klaren Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Obwohl das Land in den 1970-iger Jahren unter einer Energiekrise litt, wuchsen die Zweifel an der Kernenergie. Auch damals ignorierte die Politik die Interessen der Bürger, was letztlich zur Gründung der Partei „Die Grünen“ und schließlich 2001 zum Ausstieg aus dieser Politik führte.

    In einer Phase, in der die Politik viel Vertrauen der Menschen verspielt hat, sind die Proteste in Stuttgart und die Volksentscheide in Hamburg und Bayern ermutigende Signale aus einer Gesellschaft, die für ihr demokratisches Recht der Selbstbestimmung kämpft. Das beharrliche Engagement der Bürger dort sollte allen Demokraten neuen Mut machen, die an der fehlenden Sensibilität der Parteien für gesellschaftliche Befindlichkeiten und der Ignoranz ihrer parlamentarischen Vertreter verzweifeln.

    Aus vielerlei Gründen gerät die Politik zurzeit von vielen Seiten unter Druck. Man kann nur hoffen, dass sie daraus die richtigen Schlüsse zieht und nicht weiterhin unnötig ihre Autorität riskiert.
    Norbert Lindenthal

    20.08.2010 18:11   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Die Welt   Beitrag einzeln

    Hobby-Dude
    Bayerischer Rundfunk 18.8.2010

    Google News:

    Postler als Sprachexperte Nach Dienstschluss Duden-Autor
    Bayerischer Rundfunk. - ‎Vor 14 Stunden‎
    ... Zwei Stunden sitzt er täglich vor dem Computer, um alle Orthografie-Fragen zu beantworten, die bei ihm per E-Mail von Autoren und Verlagen eingehen.

    Unglaublich – jetzt sogar der Bayerische Rundfunk!
    Ziel ist wohl auch die Schleichwerbung für den Duden.


    Sigmar Salzburg

    19.08.2010 11:01   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Zeitungs- und Online-Meldungen   Beitrag einzeln

    Die eigentlichen Versager sind die Kultusministerien
    Rechtschreibung so schlecht wie nie
    Dienstag 10.08.2010, 10:22 • von FOCUS-SCHULE-Redakteurin Simone Scheufler

    Hauptsache kreativ: Im Deutschunterricht der Grundschule bleibt die Rechtschreibung oft auf der Strecke – mit fatalen Folgen für die Schulkarriere.
    Die Rechtschreibung von Kindern und Jugendlichen ist so schlecht wie nie. Laut einer neuen Studie der Universität Siegen verdoppelte sich der Anteil der Rechtschreibfehler in freien Texten von Viertklässlern zwischen 1972 und 2002 von durchschnittlich 6,9 auf 12.9 Fehler pro 100 Wörter. …

    focus.de 10.8.2010

    Ohne „Rechtschreibreform“ wäre das Ergebnis zweifellos nicht so miserabel ausgefallen – auch wenn man der „Kreativität“ mehr Raum gegeben hätte.

    Nachtrag: Noch eine Beobachtung von anderer Stelle:

    Wie erschreckend die Lage ist, zeigt der Eignungstest des Chemieriesen BASF. Seit 1975 müssen angehende Azubis ihn absolvieren. Das Ergebnis: Die Leistungen der Jugendlichen in Mathematik und Rechtschreibung sinken von Jahr zu Jahr.

    focus.de 11.8.2010


    – geändert durch Sigmar Salzburg am 11.08.2010, 14.39 –
    Sigmar Salzburg

    10.08.2010 18:15   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Focus   Beitrag einzeln

    Noch eine Deutschreform?
    Der UN-Menschenrechtsrat:
    Die Ablösung der UN-Menschenrechtskommission durch den Menschenrechtsrat war einer der wesentlichen Reformvorschläge von UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Er wollte so die UN-Menschrechtspolitik stärken. Der Rat tagte erstmals im Juni 2006. Er setzt sich aus 47 gewählten Mitgliedstaaten zusammen, ist den Ausschüssen der UN-Generalversammlung gleichgestellt und berichtet unmittelbar an die Generalversammlung. Der Menschrechtsrat tagt jährlich zehn Wochen lang, auch Sondersitzungen sind möglich. …

    tagesschau.de 10.8.2010

    Sigmar Salzburg

    10.08.2010 07:09   Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen  »  Tagesschau   Beitrag einzeln